Themenflaute mit Aussicht auf Schwachsinn – das Sommerloch 2017

Alle ausgeflogen, aber einer feilt an der Titelstory: Redaktionen um Sommerloch (brandtmarke  / pixelio.de)

Alle ausgeflogen, aber einer feilt an der Titelstory: Redaktionen im Sommerloch (brandtmarke  / pixelio.de)

Sommerloch – nein, damit ist nicht das Wettertief der letzten Tage gemeint! Stattdessen geht es um ein Tief der ganz anderen Art. Während der heißen Sommermonate bleiben die Nachrichten aus – ihr dürft euch an dieser Stelle gerne vorstellen, wie ein vertrocknetes Staubgebilde in Zeitlupe durch die verlassenen Räume der Nachrichten-Redaktionen rollt. Und während ihr noch die leisen Klänge der Jeopardy-Melodie in den Ohren habt, geht den verzweifelten Redakteuren plötzlich ein Licht auf. Schließlich ist das Nachrichtentief ganz leicht auszugleichen – mit einem Hoch an Kreativität!

Außer Face2Face, versteht sich 😉, haben in den letzten Tagen und Wochen wieder einmal viele Medien unter Beweis gestellt, wie man das Sommerloch mit allerhand Sinn und Unsinn füllen kann. Wir schauen mit euch zusammen rein!

Düstere Wolken über Heidelberg

William und Kate in Heidelberg – wenn das mal nicht ein Anlass für einen Liveticker ist! Die Stuttgarter Zeitung informiert ihre Leser im Minutentakt über alles, was vor Ort passiert. Da darf die emotionale Beschreibung der dramatischen Wetterlage natürlich nicht fehlen: „O je, es fängt zu Tröpfeln an … Hoffentlich ziehen die dunklen Wolken doch noch vorbei!“
60.000 bis 80.000 Euro kostete die Stadt das royale Spektakel. Mit vierstelligen Umsatzeinbußen rechnete vorab ein Gastronom am Markplatz, der wie alle anderen hier auch trotz strahlendem Sonnenschein drei Tage lang keine Außenbestuhlung anbieten durfte. Aber hach, Kate in ihrem gelben Spitzenkleid und William, wie er kindlich-hilflos versucht ein Stück Teig in Brezelform zu bringen… Zu schön, um nicht darüber zu berichten!

Keks-Kugel oder Baby-Bauch?

Erst hieß es, sie leide an Magersucht, jetzt vermuten findige Fans bei Sängerin Lena Meyer-Landrut eine Schwangerschaft. Soweit nichts Ungewöhnliches in der Berichterstattung der Klatschpresse. Dass jetzt aber auch ntv auf die Gerüchteküche anspringt, ist wohl dem Sommerloch geschuldet. Aber wir wollen mal nicht so sein: Allein der Begriff „temporäre Keks-Kugel“ verdient einen Award als bestes Sommerloch-Wort 2017, findet ihr nicht auch?

Zuhause gesucht!

Pünktlich zu Beginn der Sommerferien setzen viele Haustierbesitzer ihre mehr oder eher weniger liebgewonnenen Mitbewohner aus. Das ist schlimm und deswegen sind wir der Redaktion von ProSieben Newstime umso dankbarer, dass sie uns Alternativen wie Tierpensionen aufzeigt. Schade nur, dass wahrscheinlich viele Haustierbesitzer, die sich plötzlich fragen, was sie mit ihrem Tier anfangen sollen, während sie eine Woche lang betrunken im Bierkönig auf Malle liegen, vermutlich eher zur BILD-Zeitung greifen. Aber keine Sorge, liebe Tierschützer – die BILD-Redaktion kam schon vor Jahren auf das Thema und listet in ihrem Bericht von 2013 einfach mal ein paar Tierheime auf. Vielleicht hilft das was!

Todesmutige Pommes-Esser

Zum Schluss wollen wir aus gegebenem Anlass dann aber doch noch einmal ein bisschen ernst werden. Forscher haben in Pommes einen Stoff nachgewiesen, der stark krebserregend ist – diese bahnbrechende Nachricht ging in den letzten Tagen durch so gut wie alle Medien. Aber keine Sorge, die Redakteure der WELT können uns beruhigen: „Die Forscher essen weiterhin Pommes Frites.“ Na, wenn die Forscher sich so todesmutig geben, machen wir das doch auch!
Gefühlt gibt es, was unsere Umwelt und vor allem unsere Ernährung betrifft, doch fast nichts, was nicht schon mal als krebserregend klassifiziert wurde. Manches wie die Pommes geistert gerne mal durch die Medien – anderes wie beispielsweise Milchprodukte, die ebenfalls mit einem gesteigerten Krebsrisiko in Verbindung gebracht werden, geht gerne mal unter. Man muss sich schon ein bisschen einlesen, um herauszufinden, dass es in Sachen Milchprodukte ebenso wie bei den Pommes Tierversuche gab, die gezeigt haben, dass tierische Proteine, wie beispielsweise Casein, das Krebswachstum begünstigen.
Das wäre doch mal ein Sommerloch-Thema!

Im August dreht sich auf Face2Face alles rund um das Thema Fahrradfahren. Ihr dürft euch unter anderem auf den Selbstversuch einer Face2Face-Autorin freuen, die versucht in der Fahrradstadt Freiburg eine Woche lang ohne Drahtesel klarzukommen. Außerdem diskutieren wir über E-Bikes. Wir freuen uns, wenn ihr reinschaut!

 

Hilfe, ich bin krebserregend!

Ich frönte wieder einmal der Sinnlosigkeit, indem ich mich durch zahllose Internetforen klickte, die sich mit essentiellen Fragestellungen wie den trockenen Haarspitzen, der Namensgebung von Haustieren oder den fruchtigsten Teesorten bei Rewe beschäftigen. Gerade in solchen Momenten scheint unverhofft eben doch oft zu kommen: Ich entdeckte einen Thread namens „Hilfe, meine Kleidung ist giftig!“, begann mich bereits händereibend auf Debatten über Markenwahn und überteuerte T-Shirts zu freuen, und stieß auf einen Link von Greenpeace. Krebserregende Chemikalien in Zara-Jeans gefunden! Dann ein weiterführender Artikel mit sämtlichen Testergebnissen. Mango! Vero Moda! Ekelhaft!

Geht unter die Haut: Krebs bei der Arbeit.
(Foto: Föhr)

Nicht gerade beruhigend wirkt da ein Blick in meinen Kleiderschrank… Hier dürfte mittlerweile mehr Krebs drin sein als in der gesamten Nordsee! Vor gar nicht allzu langer Zeit stand ein Großeinkauf bei Zara an, bei dem ich offenbar meine Gesundheit an der Kasse mit abgegeben habe.

Grandios, da kann man die Sachen wohl so oft waschen, wie man lustig ist – Krebs ist Krebs. Meine Waschmaschine hätte außerdem auch gerne noch ein paar erregerfreie Rohre auf ihre besten Jahre. Schön, dann also weg mit Zara und Co. Einfach mehr essen an den Feiertagen, dann passen die verseuchten Kleider schon irgendwann nicht mehr.

Wenn wir schon beim Thema Mahlzeit sind: Ich hätte nichts gegen ein paar Pommes. Auf einen Besuch in der Frittenbude meines Vertrauens folgt allerdings nackte Verzweiflung. Fritteusen und ihr Fett sind nach neuesten Erkenntnissen nämlich ebenfalls krebserregend. Wenn die sündigen Kartoffelstängel dann auch noch angebrannt sind, kann man gleich Gute Nacht sagen. Einer panischen Mutter und den hysterischen Medien sei Dank habe ich von dieser ungeheuren wissenschaftlichen Errungenschaft überhaupt Wind bekommen. Ich habe mir seither noch ein weiteres aufregendes Hobby zugelegt: Die hypochondrische Recherche weiterer krebserregender Lebensmittel. Milch soll beispielsweise dazu gehören… Oder Leitungswasser. Ganz zu schweigen von jeglichem Fastfood, was mich wiederum mit Übelkeit an meine Pommes Frites zurückdenken lässt.

Puh, auf den Schock erst einmal eine Zigarette draußen vor der Tür. Ich wohne an einer befahrenen Straße mitten in der Stadt – garantiert bis oben hin bedeckt mit Abgasen. Da macht mein eigener Qualm den Kohl wirklich nicht mehr fett. An meinem Glimmstängel ziehend bewege ich mich gegen Abend dann auf die Piste. Vor der ersten Kneipe begegnen mir gleichgesinnte Feierwütige, allesamt mit Fluppe im Mund und eingehüllt in feinste Fell – äh – Krebsparkas, die ich bei meinem letzten Einkauf bei Zara schon ins Auge gefasst hatte.

Ich stelle sie mir vor, wie sie anstelle der Kippen an laktosefreien Schokozigaretten nuckeln, eingekleidet in edle handgenähte Kartoffelsäcke. In den wärmeren Sommermonaten dürfen sie dann die Hüllen fallen lassen und sich zu organisierten Nudistentreffs zusammenschließen. Offenbar war damals in Woodstock ja nur selten von mutierten Krebszellen die Rede. Bis zum Schluss fraglich bliebe dann allerdings, wohin mit den Kartoffeln aus den Kartoffelsäcken.

Eine unbändige Lust auf Pommes überkommt mich. Ich habe die gesunden Vorsätze über Bord geworfen und mache mich frohen Mutes auf den Weg in die Frittenbude. Vielleicht begegnet mir ja unterwegs der ein oder andere Krebs. Alles kann, nichts muss.

Vorschau:  Und nächste Woche geht’s schmierig zu, wenn Kolumnist Sascha sich uns unsere Beziehung zum lieben Öl vornimmt.

Leben mit Laktoseintoleranz

Auf immer mehr Lebensmittelprodukten ist mittlerweile die Aufschrift „laktosefrei“ zu finden. Viele wissen, was sich dahinter verbirgt, andere hingegen zucken mit den Schultern. Wie sieht es denn mit dir aus?
Ungefähr 15-20% der Europäer sind laktoseintolerant, wobei viele Menschen gar nicht wissen, dass sie betroffen sind. Das liegt daran, dass die Symptome sehr unterschiedlich ausfallen und auch recht unspezifisch sind. Während dem einen nach dem Verzehr von Milchspeisen speiübel ist, hat der andere nur leichte Bauchschmerzen oder merkt fast gar nichts. Hier ist zu erwähnen, dass Laktoseintoleranz (auch Lactoseintoleranz) eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist und nicht mit der Kuhmilchallergie verwechselt werden sollte.

Denn bei der Laktoseintoleranz verträgt man den Milchzucker nicht. Die Ursache dafür liegt darin, dass bei laktoseintoleranten Menschen das Enzym Lactase vom Körper entweder unzureichend oder gar nicht produziert wird. So kann die Spaltung von Laktose in die beiden Stoffe Galaktose und Glukose nicht wirklich funktionieren, was dann zu den verschiedenen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, und so weiter führt.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl verschiedener Laktoseintoleranz-Test, um Gewissheit zu verschaffen. So zum Beispiel der Blutzuckertest oder Belastungstest, mit dem bei mir eine Laktoseintoleranz festgestellt wurde. Bei diesem Test wird in Wasser gelöste Laktose verabreicht und dann alle 30 Minuten eine Blutprobe genommen, um den Glukosegehalt bestimmen zu können. Dieser Test dauert zwischen 2-3 Stunden.

Ist eine Laktoseintoleranz festgestellt worden, müssen die meisten Menschen ihren Ernährungsplan überdenken. Laktosefreie Produkte landen im Einkaufskorb, es wird mehr darauf geachtet, was genau im Restaurant gegessen wird und wovon man besser die Finger lässt. Anfangs war das auch für mich eine Umstellung. Mein Lieblingsessen ist plötzlich unverträglich. Also muss eine Alternative her. Zum Glück reagieren immer mehr Hersteller auf Menschen mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit und bieten dementsprechend Produkte an, die problem- und bedenkenlos gegessen werden können. So ist es kein Problem mehr, sich ein Tiramisu wieder selbst zu zaubern oder eine Pizza mit viel Käse zu belegen. An was sich vielleicht anfangs gewöhnt werden muss, ist, dass die laktosefreien Produkte meistens süßer schmecken.

Eine andere Möglichkeit für viele Betroffene ist das Zuführen der Lactase durch Tabletten. Diese Tabletten oder Kapseln werden vor dem Verzehr von milchhaltigen Speisen zu sich genommen und führen dazu, dass die mit der Nahrung aufgenommene Laktose in ihre Bestandteile zerlegt wird. Allerdings ist auch hier zu sagen, dass das nicht bei allen Menschen funktioniert.

Natürlich fällt es schwer, auf das ein oder andere zu verzichten, aber da es viele leckere Rezepte für laktosefreie Mahlzeiten gibt und auch die Auswahl an laktosefreien Produkten stetig zunimmt, kann ist mit dieser Nahrungsmittelunverträglichkeit ganz gut zu leben.

In diesem Sinne: Eine schöne Woche!

Eure Lea

Vorschau: Eva beschäftigt sich nächste Woche mit der Frage, was eigentlich sexistisch an unserer Sprache ist und ob das wirklich so schlimm ist.

Vegetarisch essen, Teil 1: Fakten, Fakten, Fakten

Kaum mehr Federn am Körper, ausgebleichter Kamm und Schnabel, verzweifelte Klagelaute – wenn man sich Bilder der Massentierhaltung von zum Beispiel Hühnern ansieht, jagt es einem eiskalte Schauer den Rücken hinunter.

Frisch und gesund: Obst (Foto: Beutler)

 Die eigene Moralvorstellung, aber auch Ekel oder schlicht gesundheitliche Gründe – man denke nur an den als BSE bezeichneten Rinderwahn – können Auslöser für eine Ernährungsumstellung hin zum Vegetarismus bedeuten. Dass sich der Verzicht auf Fleisch positiv auf den menschlichen Organismus auswirken kann, zeigen zahlreiche Studien, die bei Vegetariern unter anderem günstiger Blutdruckwerte, sowie eine höhere Lebenserwartung nachweisen konnten. Ein Beispiel: Die „London School of Hyhiene and Tropical Medicine“ beobachtete 11.000 Vegetarierinnen über einen Zeitraum von zwölf Jahren hinweg und verglich diese Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe, die bis auf den Fleischkonsum eine ähnliche Lebensweise aufwies. Das Ergebnis: Die Sterberate der Vegetarierinnen lag um 20 Prozent unter, die Krebstodrate sogar um 40 Prozent unter der der fleischessenden Kontrollgruppe. Na, wenn das kein Argument für eine dauerhafte Ernährungsumstellung ist.

 Aber was ist mit Mangelerscheinungen? – höre ich da jemanden fragen. Klar ist, dass Fleisch wichtige Nährstoffe enthält, so zum Beispiel Eisen und Eiweiß. Verzichtet der Vegetarier jedoch nicht auf Milchprodukte und Eier ist zumindest die Zufuhr von Kalzium und Eiweiß gesichert. An dieser Stelle ein kleiner Exkurs, bevor wir zum Thema Eisen kommen, denn Vegetarismus ist nicht gleich Vegetarismus: Da hätten wir die Ovo-lacto-Vegetarier, die Milchprodukte und Eier zu sich nehmen, die Lacto-Vegetarier, die auf Eier verzichten – schließlich würde auch dort irgendwann Leben entstehen – dafür aber Milchprodukte akzeptieren, die Pescetarier, die zwar kein Fleisch von Warmblütern, wohl aber das von Fischen essen und schlussendlich die Veganer, die auf sämtliche tierische Produkte verzichten. Letztere Form der Ernährung wird aus wissenschaftlicher Sicht kritisch beäugt, da ein Ausgleich der fehlenden Nährstoffe so gut wie unmöglich ist.

Nicht nur schön anzusehen: Tomaten sind sehr gesund (Foto: Beutler)

 Nun zurück zum Eisen: Ein Mangel an diesem Spurenelement kann zu Schwindelgefühl und Konzentrationsstörungen führen. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C, beispielsweise durch frisches Obst oder Saft, kann die Aufnahme des sonst nur schwer für den Körper aufnehmbaren, pflanzlichen Eisen gewährleisten. Von der Einnahme von Eisenpräparate ist eher abzuraten, da diese leicht überdosiert werden können. Eine erhöhte Einnahme kann für Kleinkinder sogar tödlich enden. Besonders viel natürliches Eisen steckt zum Beispiel in Kräutern wie Petersilie, Brennnessel und Thymian, aber auch in Kürbiskernen, Erbsen und Spinat. Verzichtet werden sollte indessen auf Kaffee, Kakao, Knoblauch oder schwarzen Tee, da diese Produkte die Eisenaufnahme hemmen. Es ist auf jeden Fall ratsam bei körperlichen Beschwerden nach der Ernährungsumstellung einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann einen Bluttest durchführen, mögliche Mängel feststellen und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Tipps für die weitere Ernährung geben. Ist der Mangel zu gravierend und kann nicht anderweitig ausgeglichen werden, sollte auf jeden Fall eine zumindest geringfügige Aufnahme von Fleisch wieder eingeführt werden, schließlich geht die Gesundheit eindeutig vor.

 Wer sich beim besten Willen nicht vorstellen kann auf Milch, Eier, Fleisch und Fisch zu verzichten, der sollte in Verantwortung für sich selbst und als Vorbild für andere möglichst auf Bio- beziehungsweise Freilandprodukte zurückgreifen.

 Übrigens: Laut einer im Jahr 2007 durchgeführten Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena unter 2517 Teilnehmern ergab sich, dass der typische Vegetarier weiblich, jung sowie überdurchschnittlich gebildet ist und in einer Großstadt lebt – nur als kleiner Denkanstoß.

Spinner oder Helden des Alltags – was denkt ihr über Vegetarier?

Vorschau: Nächste Woche gibt es dann ein paar Rezepte- sowie Produkttipps, die sicherlich nicht nur dem eingefleischten Vegetarier schmecken werden. Außerdem erfahrt ihr was ein Vegetarier zur Grillparty mitbringen kann. Zu Teil 2 gelangt ihr hier.