Auch ohne Reus jede Menge Qualität

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hat am gestrigen Dienstag seinen endgültigen 23-köpfigen Kader für die anstehende Europameisterschaft (10. Juni – 10. Juli) in Frankreich benennen müssen. Mit der verletzungsbedingten Streichung von Marco Reus sorgte Löw für Aufsehen. Die F2F-Sportredaktion nimmt die EM-Fahrer mal genauer unter die Lupe.

Tor: Mit Manuel Neuer steht der wohl aktuell beste Torwart seiner Zunft zwischen den Pfosten. Seine Vertreter und gleichzeitigen EM-Debütanten Bernd Leno und Marc-André ter Stegen besitzen eine Menge Potenzial. Leno verdiente sich die Nominierung aufgrund seiner starken Leistungen am Ende der gerade abgelaufenen Bundesligasaison. Auch ter Stegen ist ein echter Meister seines Fachs, gewann 2015 mit dem FC Barcelona souverän die Champions League und wird nicht umsonst mit „Torwart-Titan“ Oliver Kahn verglichen. Das Kuriose: Mit dem Bundesadler auf der Brust machte der gebürtige Mönchengladbacher bislang alles andere als eine gute Figur. Erst bei der jüngsten 1:3-Testspielniederlage gegen die Slowakei rutschte ihm der Ball ungeschickt durch die Hände, um dann zwischen seinen Beinen hindurch die Torlinie zu überschreiten. Kleines Trostpflaster: Er konnte in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien einen Elfmeter von Lionel Messi sehenswert parieren.

Abwehr: Hier musste lediglich der als pflegeleicht und universell einsetzbar geltende Sebastian Rudy seine EM-Träume zu den Akten legen. Ansonsten verkörpert der Defensivverbund um Jérome Boateng, Jonas Hector, Benedikt Höwedes, Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger, Emre Can und dem noch angeschlagenen Mats Hummels jede Menge Qualität. Was außerdem Mut macht: Die Prognose für eine baldige Genesung des Weltklasseinnenverteidigers Hummels sind durchweg positiv. „Bei Mats wird es zwar noch ein paar Tage dauern, aber auch er wird uns beim Turnier zur Verfügung stehen“, ließ Löw verkünden.

Mittelfeld: Beim Turnier zur Verfügung stehen wird wohl auch Bastian Schweinsteiger. Der Held von Rio ist laut dem Bundestrainer „voll belastbar“ und trainiert bereits wieder mit der Mannschaft. Doch egal ob fit oder nicht. Auf die Führungsqualitäten eines Schweinsteigers kann der Löw bei so einem Turnier schlicht und ergreifend nicht verzichten. Somit ist die Nominierung völlig nachvollziehbar, selbst, wenn der Kapitän erst nach den drei Gruppenspielen bei 100 Prozent sein sollte. Die tragische Figur dagegen ist und bleibt Marco Reus. Der vom Boulevard aufgrund seines Fahrens ohne Führerscheins verschriene „Raser Reus“, drückt vor den großen Turnieren regelmäßig kräftig auf die Bremse. Verletzte sich der Star von Borussia Dortmund vor der WM 2014 schwer am Syndesmoseband, machen ihm nun langwierige Beschwerden an den Adduktoren Probleme. „Er hat massive gesundheitliche Probleme und kann im Moment nur geradeaus laufen“, sagte Löw. „Die Mediziner waren äußerst skeptisch, dass er in den nächsten Woche bei einem zehrenden Turnier voll belastet werden kann“, ergänzte er. So schlimm das auch für Reus ist, so gefasst kann Löw auf das Aus seines Tempodribblers reagieren. Die Qualität auf den offensiven Außenbahnen ist auch ohne Reus immer noch sehr hoch. André Schürrle zeigt klar ansteigende Form, Julian Draxler will endlich den internationalen Durchbruch schaffen, Leroy Sané ist ein großes Versprechen für die Zukunft und auch der schon fälschlicherweise zu oft abgeschriebene Veteran Lukas Podolski kann seine Qualitäten in die Mannschaft einbringen. Mit dem aktuellen Champions-League-Sieger Toni Kroos und Sami Khedira verfügt Deutschland außerdem über zwei echte Anführer und Taktgeber im defensiven Mittelfeld. Der bei Bayern München in dieser Saison oft verschmähte Mario Götze könnte auf der zehner Position seinen großen Auftritt haben, wenn Arsenal-Star Mesut Özil bei dem Turnier nicht so zünden sollte wie zuletzt im Verein. Die ebenfalls gestrichenen Julian Brandt und Karim Bellarabi (beide Bayer Leverkusen) werden laut Löw auch in den nächsten Monaten und Jahren noch eine Rolle bei der Nationalmannschaft spielen. Für sie nominierte der Bundestrainer Julian Weigl und Joshua Kimmich und entschied sich somit für die großen Entwicklungsmöglichkeiten der Beiden.

Angriff: Klar hätte man Thomas Müller auch bereits schon im Mittelfeld aufzählen können. Ein Thomas Müller in Topform ist schließlich überall auf dem Platz zu finden. Da er aber aller Voraussicht nach wieder für die Tore der DFB-Elf verantwortlich sein wird, fühlt er sich hier bestimmt auch recht wohl. Ganz alleine ist der Thomas ja auch nicht. Mario Gomez, der beim Weltmeistertriumph 2014 wegen anhaltender Formschwäche fehlte, leistet ihm Gesellschaft. Der bullige Mittelstürmer, der bei Besiktas Istanbul zu seiner alten Stärke gefunden hat und mit 26 Treffern Torschützenkönig in der Türkei wurde, könnte ein wichtiger Mosaikstein im taktischen Gebilde des Bundestrainers sein. Vor allem gegen die in den Gruppenbegegnungen tief stehenden Ukrainer (12.06., 21 Uhr) und Nordiren (21.06. 18 Uhr) kann Gomez seine Kopfballstärke einbringen.

Der Kader im Gesamtüberblick:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München, 64 Länderspiele/0 Tore), Bernd Leno (Bayer Leverkusen, 1/0), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona, 6/0)

Abwehr: Jérome Boateng (FC Bayern München, 58/0), Emre Can (FC Liverpool, 5/0), Jonas Hector (1. FC Köln, 13/1), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04, 33/2), Mats Hummels (Borussia Dortmund, 46/4), Shkodran Mustafi (FC Valencia, 10/0), Antonio Rüdiger (AS Rom, 10/0)

Mittelfeld:  Sami Khedira (Juventus Turin, 59/5), Toni Kroos (Real Madrid, 64/11), Bastian Schweinsteiger (Manchester United, 114/23), Julian Draxler (VfL Wolfsburg, 18/1), Joshua Kimmich (FC Bayern München, 1/0), Mario Götze (FC Bayern München, 51/17), Mesut Özil (FC Arsenal London, 72/19), André Schürrle (VfL Wolfsburg, 51/20), Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul, 127/48), Julian Weigl (Borussia Dortmund, 1/0), Leroy Sané FC (FC Schalke 04, 2/0)

Angriff: Thomas Müller (FC Bayern München, 70/31), Mario Gomez (Besiktas Istanbul, 63/27)

Vorschau: Nächste Woche ist bei Face2Face mal wieder etwas Platz für ein bisschen Satire.          

Bayer Leverkusen und Bayern München machen den Anfang

Erstmals seit Einführung der UEFA Fußball-Champions League stehen mit Bayer Leverkusen, dem FC Bayern München, Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 vier deutsche Mannschaften im Achtelfinale. 

Während Schalke (gegen Real Madrid) und Borussia Dortmund (gegen St. Petersburg) erst nächste Woche eingreifen, sind oder waren Bayer Leverkusen und Bayern München bereits früher gefordert. Den Anfang machten dabei die Leverkusener. Die Werkself empfing gestern Abend den französischen Meister Paris St. Germain. Was folgte, war eine Lehrstunde: Mit der klaren 0:4 (0:3)-Hinspielniederlage sind schon nach 90 Minuten alle Chancen auf das Viertelfinale verspielt. Blaise Matuidi (3.); Ibrahimovic (39./Foulelfmeter und 42.) und Yohan Cabaye (88.) erzielten vor 29.412 Zuschauer die Tore für PSG. „Wir haben mutlos und ängstlich gespielt, warum würde ich auch gerne wissen. Das war gerade in der ersten Halbzeit ein ganz schlechtes Spiel von uns“, war Leverkusen-Verteidiger Ömer Toprak nach dem Schlusspfiff sichtlich geknickt. Dabei standen die Vorzeichen bereits vor der Begegnung alles andere als gut. Nach dem überraschenden Ausscheiden im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern, musste sich Leverkusen auch im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 mit 1:2 geschlagen geben. Die hohe Heimniederlage gegen Paris ist das Sahnehäuptchen einer Horror-Woche für den momentanen Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga. 

Mit dem FC Bayern München greift heute die wohl aktuell beste Fußballmannschaft der Welt in das Champions League-Achtelfinale ein. Das Los bescherte dem FCB den FC Arsenal London – die mit fünf (!) deutschen Nationalspielern (drei Herren und zwei Junioren) wohl deutscheste Mannschaft in der Premiere League. Arsenals Mittelfeldregisseur Mesut Özil drückte im Vorfeld seinen größten Respekt gegenüber den Bayern aus, wusste aber auch Superkräfte an seiner Seite. „Am Mittwochabend treten wir gegen die offiziell beste Mannschaft der Welt an. Die gute Nachricht: Hulk, Superman und Rambo sind an unserer Seite“, schrieb der 25-Jährige auf Facebook. Dazu postete Özil ein Foto, das ihn als Comic-Held Supermann zeigt, flankiert wird er darauf von seinen Mannschaftskollegen Lukas Podolski und Bacary Sagna – ebenfalls im Kostüm eines Superhelden. Münchens Kapitän Philipp Lahm analysierte im Kicker dagegen die Schwächen des heutigen Gegners: „Der FC Arsenal hat seine große Stärke in der Offensive. Gegen starke Gegner kassieren sie dann aber Tore“, erklärte Lahm. 

Neben den schon seit längerer Zeit angeschlagenen Franck Ribéry (Bluterguss am Gesäß), wird dem deutschen Rekordmeister auch Xherdan Shaqiri gegen die Gunners nicht zur Verfügung stehen. Der Mittelfeldspieler, der am vergangenen Bundesligaspieltag den SC Freiburg praktisch im Alleingang aus der Allianz-Arena schoss, fällt wegen eines Muskelfaserrisses aus. Bei den Bayern sollten angesichts ihres mit Superstars gefüllten Kaders, das Erreichen des Viertelfinales aber weiterhin im Bereich des Möglichen liegen…

Vorschau: Am 05.03.2014 erscheint eine Vorschau über das Fußball-Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Chile in Stuttgart.

U-21 will zeigen, was in ihnen steckt

Als Bayern-Kapitän Philipp Lahm den DFB-Pokal in den Berliner Nachthimmel stemmte, beziehungsweise als der mexikanische Unparteiische Paul Delgadillo die Partie zwischen den USA und Deutschland abpfiff, war die Fußballsaison für die deutschen Fans offiziell beendet. Und was nun? Langeweile? Tagelanges Regenwetter ohne Aufsicht auf 22 Spieler, die einem Ball hinterher jagen? 

Nein! Denn just an diesem Mittwoch beginnt in Israel die Fußball U-21-Europameisterschaft. Mit dabei auch die deutsche Mannschaft. Nach dem souveränen Titelgewinn 2009 mit Spielern wie Mesut Özil, Manuel Neuer und Co und der peinlichen Nicht-Qualifikation 2011 möchte die jetzige DFB-Auswahl zeigen, was in ihnen steckt. „Wir wollen zeigen, dass die U-21 nach 2009 wieder da ist“, sagte Kapitän Lewis Holtby selbstbewusst. Auf dem England-Legionär der Tottenham Hotspurs wird die Hauptlast liegen, ist er doch einer der wenigen, die bereits bei der A-Nationalmannschaft Länderspielluft schnappen durften. „Ich will das Team zum Titel führen“, machte der Blondschopf aus seinen Zielen dann auch kein Geheimnis. 

Die Umstände dafür stehen nicht schlecht: Am Sonntagabend kam die Mannschaft von DFB-Trainer Rainer Adrion in ihrem Quartier, am Hafen von Tel Aviv, an. Eine Unterkunft, in der die Deutschen bereits im März eine Woche lang logierten und sich mit der Umgebung vertraut machten. Auch die nah gelegenen Trainingsplätze weißen internationale Klasse auf. Einer erfolgreichen Vorbereitung steht also nichts mehr im Wege. 

Kopfzerbrechen könnte höchstens die schwierige Gruppenphase mit sich bringen. In der Gruppe B gilt es mit Spanien, Niederlande und Russland drei starke Mannschaften aus dem Weg zu räumen. Die Niederlande setzt gleich auf zwölf Spieler mit A-Erfahrung im Kader. Die Spanier und Russen bringen sogar richtige Prominenz mit: Während Russland mit Alan Dsagojew (ZSKA Moskau) den dreifachen Torschützen der Herren-EM 2012 in seinen Reihe aufbieten kann, haben die Spanier Toptalent Isco (FC Malaga) und Torhüter David de Gea (Manchester United) dabei.  Holtby bleibt dagegen gelassen. Für den 22-Jährigen ist das der unausweichliche Weg, wenn man den Titel gewinnen möchte. Die DFB-Elf ist heiß auf diese EM: „Es gibt nichts schöneres als Holland zu schlagen. Sofort gegen den Erzrivalen, das ist fantastisch“, strahlt der Regisseur mit Blick auf die Auftaktbegegnung gegen die Niederlande (Donnerstag, der 06. Juni, ab 20:15 Uhr auf Kabel 1). 

Trotz der verletzungsbedingten Ausfällen von Jan Kirchhoff (Mainz 05) Sebastian Jung (Eintracht Frankfurt) und Tolgay Arslan (Hamburger SV) sieht U-21-Trainer Adrion seinen Kader für die EM gut gerüstet. Dabei schöpft der Übungsleiter nicht einmal aus dem Vollen. Julian Draxler, André Schürrle, Ilkay Gündogan, Toni Kroos und Mario Götze (beide verletzt) wären alle noch für die U-21 spielberechtigt. „Ich bin zuversichtlich, dass ich das richtige Aufgebot nominiert habe. Es steht eine Mixtur aus erfahrenen U-21-Spielern und aufstrebenden Talenten, Bundesliga-Stammkräften und Nachwuchshoffnungen mit spannendem Potenzial dar“, ist Adrion von seiner Mannschaft überzeugt. Lasst die Spiele beginnen! 

Der deutsche U-21-Kader: 

Tor: Oliver Baumann (SC Freiburg), Bernd Leno (Bayer 04 Leverkusen) und Timo Horn (1. FC Köln)
Abwehr: Tony Jantschke (Borussia Mönchengladbach), Sead Kolasinac (FC Schalke 04), Matthias Ginter, Oliver Sorg ( beide SC Freiburg), Antonio Rüdiger (VfB Stuttgart), Stefan Thesker (TSG Hoffenheim), Lasse Sobiech (SpVgg Greuther Fürth), Shkodran Mustafi (Samdoria Genua)
Mittelfeld: Patrick Funk (FV St. Pauli), Patrick Herrmann (Borussia Mönchengladbach), Sebastian Rudy (TSG Hoffenheim), Emre Can (FC Bayern München), Sebastian Rode (Eintracht Frankfurt), Christoph Moritz (FC Schalke 04), Lewis Holtby (Tottenham Hotspurs), Christian Clemens (1. FC Köln)Angriff: Pierre-Michel Lasogga (Hertha BSC), Peniel Mlapa (Borussia Mönchengladbach), Sebastian Polter (1. FC Nürnberg), Kevin Volland (TSG Hoffenheim) 

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Artikel über das Klettern auf Englisch.   

Die Suche nach den Nationalspielern

Stell dir vor es ist Länderspiel und kein Star kommt hin. So oder so ähnlich muss sich Fußball-Nationaltrainer Joachim Löw vor der kommenden Länderspielreise in die USA fühlen. Wenn die DFB-Elf am Mittwoch, 22. Mai, ihren Trip nach Nordamerika startet, werden dem Bundestrainer nicht weniger als 17 Nationalspieler fehlen. Das Champions-League Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund, das Pokalfinale zwischen München und dem VfB Stuttgart, die U-21-EM in Israel, die Bundesliga-Relegation und die spanische Liga reißen ein großes Loch in den Kader des 53-Jährigen. 

Mit Marco Reus, Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Mario Götze, Marcel Schmelzer und Sven Bender fehlen sechs Spieler von Borussia Dortmund. Genauso viele werden es beim Finalgegner aus München sein. Die beiden Real-Stars Sami Khedira und Mesut Özil sind noch bis zum 1. Juni in der spanischen Liga aktiv. Torjäger Miroslav Klose spielt mit Lazio Rom um den italienischen Pokal (26. Mai) und auf die U-21-Spieler wie Patrick Hermann (Gladbach), Sebastian Rode (Frankfurt) oder Lewis Holtby (Tottenham) will Löw wegen der Vorbereitung auf die Europameisterschaft nicht zurückgreifen. Da auch mit Serdar Tasci, George Niedermeier oder Christian Gentner mögliche Kandidaten vom VfB Stuttgart aufgrund des Pokalfinales (1. Juni) ausfallen und auch hinter Lukas Podolski (FC Arsenal London) ein dickes Fragezeichen steht, verkommen die beiden TEST-Länderspiele gegen Ecuador (29. Mai) und die USA (2. Juni) zur Farce. 

Wen also nominieren? Laut dem „Kicker“ sollen Sydney Sam und Philipp Wollscheid (beide Bayer Leverkusen) vor ihrem Länderspieldebüt stehen. Kurios, dass auch die bereits aussortierten Andreas Beck (Hoffenheim), Aaron Hunt (Bremen) und Dennis Aogo (Hamburg) vor ihrem Comeback stehen sollen. Auch der bereits 30-Jährige und damit im Grunde genommen perspektivlose Alexander Meier (Frankfurt) soll Löw auf den letzten Seiten seines Notizbüchleins gefunden haben. Lückenbüßer, die eine Reise retten sollen, die schon von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist.

Von Schalke dürften Roman Neustädter, Benedikt Höwedes und Julian Draxler nominiert werden. Per Mertesacker (FC Arsenla London), Lars Bender und André Schürrle (beide Leverkusen) sind gesetzt. Dennoch wir die Steigerung der Beliebtheit und des Ansehens der Nationalmannschaft, von Beginn an das einzige Ziel dieses „Promotion-Trips“, ohne die Stars an Bord, nicht zu erfüllen sein. 

Immerhin war zuletzt spekuliert worden, dass Löw die Dortmunder-Spieler nachkommen lässt. Ein Tropfen auf den heißen Stein? So oder so stehen zwei neue Höhepunkte in der Reihe „Unsinnige Länderspiele“ an. Ach ja, auf Deutschlands erfolgreichsten Torjäger Stefan Kießling will Löw im Übrigen auch verzichten… 

Ähnlich spektakuläre Rumpfkader: 

  • Beim Confederations Cup 1999 nominierte Bundestrainer Erich Ribbeck nach zahlreichen Absagen die Profis Heiko Gerber, Ronald Maul, Mustafa Dogan und Michael Preetz. Nach einer 0:4-Pleite gegen Brasilien und der 0:2-Niederlga gegen die USA durfte die DFB-Mannschaft bereits nach der Vorrunde die Koffer packen.
  • Unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann standen bei der Asien-Reise 2004 Spieler wie Marco Engelhardt und Thomas Brdaric in der Startelf. 

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Kommentar über den Profisport in Deutschland

Spielend leicht

Acht Spiele, acht Siege – die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat im wahrsten Sinne des Wortes spielend leicht die Qualifikation zur Europameisterschaft im nächsten Jahr in Polen und der Ukraine gemeistert. Zwei Spieltage vor Beendigung der Qualifikation liegt Deutschland in der Gruppe A, mit Österreich, Belgien, Türkei, Kasachstan und Aserbaidschan, uneinholbar auf Tabellenplatz eins. 

Beim 6:2-Sieg vergangenen Freitag gegen völlig überforderte Österreicher, zeigte die „Deutsche-Elf“ das, vor dem, nicht nur Europa, sondern mittlerweile die ganze Fußball-Welt Respekt hat: außerordentliche spielerische Klasse. Seit der WM 2010 hat sich Deutschland nochmals weiterentwickelt. Mit Mario Götze, André Schürrle und Mats Hummels kamen sogar noch, gerade mit Blick auf die Zukunft, wichtige Spieler hinzu. Joachim Löw nutzt nun die anstehenden Qualifikations- und Freundschaftsspiele zum Experimentieren. Somit kann der Bundestrainer auch mal gestandenen Spielern eine Verschnaufpause gönnen. Der Kader für die Mission „Europameistertitel 2012“ dürfte Löw auch schon größtenteils im Kopf haben:

Im Mitelfeld hat Deutschland ein absolutes Luxusproblem: Mit Mesut Özil, Thomas Müller, Mario Götze, Lukas Podolski und André Schürlle ist die Offensive zusammen mit Spanien und Holland, federführend in Europa. Auch im defensiven Mittelfeld verfügt der Bundestrainer über genug Alternativen. Bastian Schweinsteiger ist der Chef und Star. Der Spieler des FC Bayern München zieht die Fäden im Spiel und kann eine Mannschaft führen. Außerdem liefern sich mit Toni Kroos und Sami Khedira zwei vielversprechende Spieler einen Kampf um den freien Platz neben Schweinsteiger. Für Kroos wird es vor allem wichtig sein, im Verein genügend Spielpraxis zu sammeln. Doch das dürfte aufgrund der Dreifachbelastung der Bayern kein Problem sein. Sami Khedira hat vergangene Saison in Spanien eindrucksvoll bewiesen, warum Real Madrid den Stuttgarter unter Vertrag genommen hat. Außenseiterchancen für eine Nominierung besitzen, stand heute, die Zwillingsbrüder Lars und Sven Bender, sowie Simon Rolfes von Bayer Leverkusen. 

Im Sturm ist die „DFB-Elf“ ebenfalls Weltklasse besetzt. Dank des Ein-Mann-Sturm-Systems kämpfen mit Klose und Gomez zwei absolute Top-Leute um die begehrte Position. „Helmut“ Cacau, der gegen Polen nach seiner Einwechslung zwar gut in die Begegnung fand und auch den 2:2-Ausgleich erzielte, muss sich hinten anstellen. 

Wo der Schuh jedoch drücken könnte ist die Abwehr. Mit Mats Hummels, Benedikt Höwedes, Jerome Boateng und Michael Badstuber haben die etablierten Kräfte der Innenverteidigung um Per Mertesacker zwar kräftig Konkurrenz bekommen, was aber stört ist die hohe Fehlerquote. Doch dies sollte nach einer intensiven Vorbereitung der Vergangenheit angehören. So war es vor jedem großen Turnier und so wird es auch im nächsten Jahr wieder sein. Mit Philipp Lahm, nach vier Jahren auf Rechts wieder nach Links gewechselt, ist Deutschland abermals Weltklasse besetzt und braucht sich keinerlei Sorgen zu machen, vorausgesetzt der Dauerbrenner verletzt sich nicht. Die größte Aufgabe Löws wird es sein, einen geeigneten rechten Verteidiger zu finden. Träsch hat sich beim Polen-Spiel nicht gerade aufgedrängt. Aber die Alternativen sind hier momentan Mangelware.  

Über die Torhüterposition braucht man keine großen Worte zu verlieren. Mit Manuel Neuer steht wahrscheinlich der momentan beste Torhüter der Welt zwischen den Pfosten. Die Nummer zwei wird aller Voraussicht nach Tim Wiese inne haben. Nur die Frage nach der Nummer drei ist noch interessant. Sollte René Adler, der bis zu seiner Verletzung vor der WM in Südafrika als Nummer eins galt, keine grandiose Rückrunde spielen, werden sich um die Nummer drei,  mit Ron Robert-Zieler aus Hannover und André ter Stegen aus Gladbach, zwei Youngstars streiten. 

Doch entscheiden ist wie immer, was auf dem Platz passiert. Reif für den Titel ist die Mannschaft von Joachim Löw schon lange. Nun braucht sie noch neben ihrer spielerischen Klasse auch das nötige Glück von Verletzungen und Sperren, sowie von unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen verschont zu bleiben. Sollte dies passieren, wird die „DFB-Elf“ den Titel spielend leicht gewinnen. Wetten?!

Vorschau:  Anja führt nächste Woche ein Interview mit dem Wasserspringer Alexander Als.