Eure Meinung ist uns wichtig!

Alles neu – und nur für euch! Das verflixte siebte Jahr konnte Face2Face nicht kleinkriegen. Ganz im Gegenteil: Im Juni haben wir das Konzept unseres Online-Magazins auf den Kopf gestellt.

Jung, authentisch, unabhängig, Face2Face! Bei uns kommt jeden Monat ein Lifestyle-Thema nicht nur auf den Tisch, sondern auch auf den Prüfstand. Wir denken quer, wir fragen nach, wir schauen rein, wir testen – jeden Sonntag genau an dieser Stelle.

Seit Juni haben wir nicht nur getestet wie es sich ohne Fahrrad in einer Fahrradstadt lebt, wie ein Fleischliebhaber damit klarkommt, wenn er eine Woche lang auf tierische Produkte verzichtet, und ob die eigenen vier Wände ausreichen, um sich fit zu halten. Wir haben auch Interviews geführt – mit Karrierefrauen, einer ehemals sportsüchtigen Influencerin und einer Farb- und Stilberaterin. Und wir waren für euch zur Zeit der Lotusblüte in Japan unterwegs, im Fahrradland Nummer 1 und in zwei Ostseebädern mit ganz besonderem Flair.

Jetzt seid ihr gefragt! Wir möchten wissen, wie das neues Konzept bei euch ankommt! Dafür müsst ihr nur drei einfache Fragen beantworten.

Eure Meinung ist uns wichtig! (Foto:derateru / pixelio.de)

Hier geht´s zur UMFRAGE. Nehmt bis zum 7. Januar 2018 teil und helft uns dabei, Face2Face noch mehr nach eure Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten!

Liebes Deutschland,

du hattest es nicht immer einfach. Hast lange Zeit gebraucht, dich zu finden. Hast Grauen verursacht. Wurdest zerstört. Geteilt. Vereint. Integriert.
Sind wir einmal ehrlich: Du bist nicht perfekt. Dein Bildungswesen ist nicht fehlerfrei, vieles erscheint nicht gerecht, die Kinderarmut zu hoch, die Sorgen zu groß.
Aber an dieser Stelle soll Zeit sein, dir zu danken.
Danke an die Beamten, Soldaten und Polizisten, die Sicherheit garantieren. Danke an die Krankenschwestern und Altenpfleger, die für zu wenig Geld zu harte Arbeit verrichten. Danke an die Alleinerziehenden, die trotz finanzieller Engpässe keinen dummen Parolen folgen. Die, obwohl sie selbst nicht viel haben, andere unterstützen, anstatt den Fremdenhass siegen zu lassen.
Danke an die ehrenamtlichen Helfer, die Zeit, Kraft, Geld und Geduld investieren.

Wir beide wissen, dass unsere Beziehung noch am Anfang steht. Deine jungen Jahre, deine schlimmen Jahre, deine wilden Jahre, deine angepassten Jahre, nichts davon habe ich miterlebt. Kalter Krieg, Teilung, Wiedervereinigung sind Geschichten, sind Bücherseiten, sind Filmaufnahmen für mich.
Deswegen kann ich das nicht auf einer persönlichen, erlebten (!) Ebene beurteilen und ich weiß nicht, wie sich das Leben damals angefühlt hat.
Trotzdem kann ich die heutigen Freiheiten wertschätzen. Daran wird nichts, werden auch keine Anschläge, etwas ändern.
Sollen wir uns jetzt von dir abkehren? Sollen wir unsere Gesellschaft, unsere Werte in Frage stellen? Uns der Angst hingeben? Die Feiern meiden, den Hass siegen lassen?
Hier hat niemand und nichts gesiegt. Hier wurde verloren. Auf grausame Art und Weise. Doch wer dadurch gewinnt, das bist du, liebes Deutschland.
Du hast uns beim Länderspiel Deutschland – Niederlande gezeigt, dass du Entscheidungen treffen kannst. Dass du Verantwortung übernimmst und Sicherheit gewährleistet. Du funktionierst – als Demokratie, als Staat.
Und doch ist es so viel mehr, das man dadurch gewinnt: Die Erkenntnis, dass Demokratie richtig ist.
Nicht immer hast du Glanzleistungen vollbracht, wenn es darum ging diese „westlichen Werte“ in der „Welt da draußen“ zu verbreiten. Aber hier geht es darum, dass ich morgens aufstehen und im Bus sitzen kann, ohne Angst zu haben, dass „mal wieder“ ein Anschlag geschieht.  Dass ich sagen kann, dass ich dich manchmal echt scheiße finde und du mich trotzdem in Ruhe lässt.
Hier geht es um Freiheit, um Sicherheit, um eine gewaltfreie, gebildete Gesellschaft. Um ein Leben, das jedem zusteht.

Ich bin dir dankbar, dass du ein offenes Land bist. Dass ich bei dir Pizza essen, danach einen türkischen Nachtisch holen, mich abends mit chinesischen Freunden in einer griechischen Bar treffen kann.
Danke, dass ich Sprachen lernen und hören kann.
Dass ich Menschen von der ganzen Welt treffen, ihre Geschichten hören und ihre Kultur miterleben kann.
Dass du ein Ort bist, zu dem ich gerne zurückkehre, von dem ich aber auch gerne fort reise, da du mich gelehrt hast, dass es sich lohnt sich für Vielfalt und Offenheit einzusetzen.

Danke Deutschland, dass ich, wenn ich mit dir rede, auch Europa meine.
Dass meine Heimat nicht ein Land, sondern viele Länder sein kann.
Dass mein Leben, meine Heimat, die Welt ist und sein wird.
Danke, dass ich mit der Welt, mit den Menschen überall schöne Momente verbringen kann.
Momente, die in Erinnerung bleiben, durch die wir uns lebendig fühlen. Zusammen. Das Leben spüren. Erinnerung schaffen, die nichts und niemand, keine Tat uns jemals nehmen wird.

Danke, dass du dich energisch gegen alle aussprichst, die versuchen, solche Taten zu instrumentalisieren, gegen Flüchtlinge hetzten, rechte Parolen verbreiten, Schwachsinn reden.
Diese Idioten gehören nicht zu dir, liebes Deutschland. Das weißt du, das weiß ich.
Das wissen die Menschen, die hier leben und sich engagieren. Die Deutschland zu dem machen, was ich mag: offen, hilfsbereit, demokratisch, frei, rechtens.
Das klingt nach den typischen Stichworten aus dem Powiunterricht der achten Klasse und doch ist es momentan viel mehr. Es ist das, was uns ausmacht. Es ist das, was uns gegen irgendwelche bescheuerten Gewalttaten abgrenzt. Es ist unser alltägliches Leben.
Und liebes Deutschland, genau darum geht es am Schluss: Die Menschen, die in dir leben, machen dich zu dem, was du bist.

Theaterkritik: Der zerbrochene Krug am Mannheimer Nationaltheater

Ein halbnackter Mann liegt auf einem roten, abgeschrägten Podest in der Mitte von zwei sich gegenüber befindlichen Stuhlreihen. Seine markerschütternden Schreie hallen von den Wänden wieder. Von der Decke hängen zwei lange Seile, die wie man sich nach einem Blick nach oben gewahr wird, zu zwei identischen Glocken gehören. In dieser Szenerie wälzt sich Dorfrichter Adam, scheinbar in einem nicht enden wollenden Alptraum gefangen, im eigenen Schweiß.

Mit derart gewaltigem Auftakt riss Nora Schlockers Inszenierung des Lustspiels „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist die Zuschauer des Mannheimer Nationaltheaters in ihren Bann.

Der Gegenstand der Handlung ist schnell erklärt: Ein kostbarer Krug der Frau Marthe Rull wurde zerstört, als jemand des Nachts in Tochter Eves Gemach eingedrungen ist. Die erboste Frau Marthe, gespielt von Anke Schubert, hat Eves Verlobten Ruprecht (Matthias Thömmes) in Verdacht und klagt diesen bei Dorfrichter Adam an. Im Beisein von Schreiber Licht (Sven Prietz) und Gerichtsrat Walter, der in die Stadt gekommen ist, um sich von der Ehrbarkeit des dortigen Gerichtswesens zu überzeugen, sieht sich Adam gezwungen, über eine Tat zu richten, die er selbst begonnen hat.

In jener intriganten und manipulativen Rolle des Dorfrichter Adams, brillierte Klaus Rodewald mit altbekanntem schauspielerischem Genie. Bekleidet mit einer eher unkonventionellen Richterrobe, stellte er den kompletten Gegensatz zum seriös wirkenden und gekleideten Martin Aselmann, in der Rolle des Gerichtsrates Walter dar. Trefflich erwies sich auch Marie Roths Kostümwahl für Eve, gespielt von Katharina Hauter, welche nicht nur äußerlich, sondern auch schauspielerisch ganz das unschuldige, hin- und hergeworfene Opfer mimte und schließlich zu einer entschlossenen und fordernden Frau wird, als sie den gesamten Hergang um die Zerstörung des Kruges aufdeckt. Zwischen Bibelanspielungen, wilder Hetzjagd um das Publikum und einigen humoristischen Mitteln ist das Stück, selbst in der selten gespielten Variant-Fassung, sehr kurzweilig.

Bei ihrem Mannheimer Regie-Debüt gelingt es Nora Schlocker, nicht nur Gerichtsrat Walter, sondern auch das Publikum mit Ratlosigkeit zurückzulassen, was nun recht und was unrecht ist. Das Publikum steht für das Volk ein, wird zum Spielball der Positionen und zum Teil der Verschwörung. Im politischen Kontext weisen die Lügen und Intrigen des Dorfrichters Adam auch einen aktuellen Bezug auf vorherrschende Systemstrukturen auf die, ebenso wie der Krug, schon mit Rissen überzogen sind. „Das Misstrauen und der Zweifel daran, dass irgendwer auf einer Staatsebene für das Volk einsteht und die Kritik daran, dass dieses System an seinen Wurzeln schon längst krankt , das finde ich an diesem Stück so unglaublich spannend“, so Schlocker selbst gegenüber dem Mannheimer Morgen.

Das vom Publikum mit viel Beifall bedachte Stück gibt es im Mai wieder im Mannheimer Nationaltheater zu sehen. Und sowohl auf Kleists Textvorlage, als auch auf die gelungene Inszenierung scheint diese Stellungnahme des Literaten Ludwig Tiecks perfekt zu passen:

„Aus einer Kleinigkeit so ein Gewebe herauszuspinnen , das sich vor unsern Augen bald mehr und mehr verwickelt, bald wieder schnell zu lösen scheint, so lebendig, stets neu, alle Figuren wahr, alles die höchste Teilnahme erregend, sodass man das Unbedeutende der Sache selbst vergisst und sie uns ebenso wichtig wie den streitenden Parteien erscheint, ist meisterhaft.“

Vorschau: Im zweiten Teil des großen Serienchecks dreht sich nächste Woche alles ums Thema Dramaserien.

 

 

Körperschmuck – ja, nein, vielleicht?

Vielleicht ein Blumenmotiv auf der Schulter oder doch besser chinesische Zeichen auf der Wirbelsäule? Vielleicht stände mir ein Nasenpiercing ja ganz gut? Oder doch lieber ganz „natura“ bleiben? Wer sich diese und ähnliche Fragen stellt, ist hier genau richtig. Face2Face hat vier Personen zum Thema Tattoo und Piercing befragt. Was dabei rausgekommen ist? Lest selbst:

 „Ich habe einen Drachen auf der rechten Schulter und würde mich jederzeit wieder tattoowieren lassen“, erzählt Frank Kayser. Der 24-jährige gelernte Schlosser findet die deutschen Gesetze bezüglich Tattoo und Piercing – ab 16 Jahren mit Erlaubnis der Eltern, ab 18 Jahren auch ohne – gerechtfertigt. „Jeder sollte mit seinem Körper anstellen können, was er oder sie möchte. Allerdings müssen zum Beispiel Intimpiercings bei 16-Jährigen nicht sein“, meint er. Bei Schriftzügen in fremden Sprachen sei es wichtig, sich vor dem Tattoowieren ausgiebig über deren Bedeutung zu informieren. „Wenn am Schluss ˊWaschmaschineˋ anstelle deines Namens auf deinem Rücken steht, ist das mehr als blöd“, fügt er grinsend hinzu. Des Weiteren rate er vor allem dazu beim Tattoowierer des Vertrauens auf hygienische Zustände zu achten. Auch sei es wichtig, sich erst einmal einige Werke des Tattoowierers anzusehen und mit Leuten zu sprechen, die sich bereits dort tattoowieren ließen. „Ich würde außerdem dazu raten, sich nichts allzu Sichtbares stechen zu lassen, da das bei manchen Arbeitgebern auf Wiederstand stoßen kann“, sagt Kayser. Als nächstes wolle er sich die Wade und den Rücken tattoowieren lassen. „Auf der Wade soll es ein auf die altmodische Art mit einem kleinen Hammer gestochenes Motiv geben und auf dem Rücken will ich mir ein Tribal stechen lassen. Das kann ich dann nach Belieben erweitern oder verfeinern lassen.“

Klein, aber fein: Heike Arnolds Tattoo (Foto: privat)

 „Ich wollte schon immer ein Tattoo, aber meine Angst vor Nadeln hat mich davon abgehalten.  Irgendwann hat mir mein Mann einen Gutschein für ein Tattoo geschenkt. Ich war so überrascht, dass ich direkt in dem Restaurant, in dem wir waren, auf einer Serviette einen Entwurf dafür gezeichnet hatte“, erzählt Heike Arnold. Sie entwerfe ihre Tattoos selbst. Auch für das nächste – dann im Nacken – habe sie schon einen Entwurf gezeichnet. Zwar bereue sie ihr Tattoo bisher nicht, möchte sich aber beim nächsten Mal ein Bio-Tattoo stechen lassen. „Das ist dann nicht so endgültig“, sagt sie. Mindestens zwei Wochen sollten ihrer Meinung nach zwischen der Entscheidung sich ein Tattoo stechen zu lassen und dem tatsächlichen Termin liegen. „So eine Entscheidung muss reifen“, meint die 43-jährige Hausfrau, „ich persönlich würde sowas nicht aus einer Laune heraus machen.“ Ab 16 Jahren, findet sie, sollte man sich ohne Zustimmung Erziehungsberechtigter tattoowieren und piercen lassen dürfen. Ihr Rat für alle Tattoo-Anfänger: „Ich gehe nur in ein  Tattoostudio, das mir persönlich von jemanden aus meinem Umfeld empfohlen wurde. Außerdem spielen natürlich auch Sauberkeit und Hygiene eine große Rolle.“

 So sieht das auch Sandra Leone. Die 30 Jahre alte Erzieherin findet darüber hinaus, dass es wichtig sei, sich beim Tattoowierer wohlzufühlen. „Ich habe drei Tattoos: eine Rose auf dem rechten Schulterblatt, einen Babylöwen mit dem Schriftzug Felice an der Leiste und meine Initialen am linken Handgelenk“, erzählt sie, „außerdem habe ich ein Bauchnabelpiercing.“ Ihr erstes Tattoo habe sie schon mit 16 Jahren gewollt. „Da ich rote Rosen liebe, stand das Motiv sofort fest. Trotzdem habe ich noch vier Jahre gewartet bis ich es mir habe stechen lassen“, berichtet Leone. Bei ihrer zweiten Tattoowierung habe sie sogar acht Jahre gewartet. „Ich finde es wichtig, dass man sich sicher ist, was man will und wo. Und ob das auch so bleibt. In der Zeit, in der ich gewartet habe, hat sich an meiner Idee nichts geändert und somit war es für mich klar, dass ich es genauso machen lasse“, sagt sie. Dass man sich erst mit 18 Jahren tattoowieren und piercen lassen dürfe, findet sie okay. Schließlich sei zumindest eine Tattoowierung etwas, das man sein ganzes Leben lang behalte. Für die nähere Zukunft plane sie sich Piercings über den Schriftzug an der Leiste stechen zu lassen. Über die Risiken des Piercen sei sich jedoch bewusst. „Es kann immer etwas schiefgehen. Schließlich ist es ein Eingriff am Körper.“

Die Leidenschaft zum Karate verewigt: Andreas Dilevas Wade (Foto: privat)

 Er bereue keines seiner beiden Tattoos, sagt Andreas Dileva. „Ich wurde durch einen Freund inspiriert, der sein Sternzeichen auf dem Rücken hatte. Das habe ich dann auch gemacht – nur eben auf dem Oberarm“, fügt der 40-Jährige hinzu. Allerdings gefalle ihm dieses Tattoo mittlerweile nicht mehr. „Es ist nicht sehr schön geworden, deshalb möchte ich es demnächst überstechen lassen“, erzählt der Karatetrainer, „es soll ein Shotokan-Tiger werden.“ (Anmerkung der Redaktion: Shotokan ist eine Stilrichtung der japanischen Kampfsportart Karate). Die Leidenschaft zu seinem Sport, habe er auch auf seiner Wade verewigt: Karate DO (zu Deutsch: Weg der leeren Hand) steht dort in japanischen Schriftzeichen. Das deutsche Gesetz, demzufolge man sich erst ab der Volljährigkeit ohne Zustimmung der Eltern tattoowieren und piercen zu lassen darf, empfindet auch er als berechtigt. „Mir gefallen die Tattoos etwas älterer und reiferer Menschen meistens besser. Einfach deshalb, weil sie ein wenig vom Leben widerspiegeln“, erklärt Dileva. Namen von Partnern oder sinnlose Motive, die zwar schön aussehen aber keine tiefere Bedeutung hätten, gefallen ihm hingegen weniger. Seine Tipps für all diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, sich tattoowieren zu lassen: „Zuerst einmal sollte man sich ausreichend Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, welches Motiv man sich wohin stechen lassen will, da es nicht immer von Vorteil ist, wenn die Tattoowierung gesehen wird, beispielsweise im Job. Außerdem kann es hilfreich sein, sich auch mit Freunden und Verwandten auszutauschen.“

Vorschau: Nächste Woche gibt´s eine weitere Folge meiner Ausgehtipps-Serie, in deren Rahmen ich euch Näheres zum „1001 Nacht“ in Speyer berichten werde. Ihr dürft gespannt sein!

Was hilft wirklich gegen Mundgeruch? – Interview mit einer Spezialistin

Unsicherheit und Gehemmtheit – wenn es um das Thema schlechter Atem geht, möchte im wahrsten Sinne des Wortes so gut wie niemand seinen Mund aufmachen. Ob Mundgeruch wirklich immer mit vernachlässigter Zahnpflege zusammenhängt und was man dagegen tun kann, hat die Face2Face-Redaktion bei der Neustadter Zahnärztin Ulrike Reiß erfragt.

Im Interview: Zahnärztin Dr. med. dent. Reiß (Foto: privat)

Face2Face: Wie und wo kann Mundgeruch entstehen?
Reiß:Da ich als Zahnärztin keine wissenschaftlichen Studien betreibe, möchte ich vorab anmerken, dass ich mich bei der Beantwortung der Fragen und insbesondere bei der Nennung statistischer Werte auf Fortbildungen, Veröffentlichungen und Statistiken von Prof. Filippi (Universität Basel) stütze. Halitosis kommtvom lateinischen Wort halitus (zu Deutsch: Atem, Hauch) und bedeutet vereinfacht „schlechter Atem“. Man unterscheidet hierbei in drei mögliche Ursachen.
Erstens: intraorale Ursachen. Mundgeruch entsteht hierbei durch eine bakterielle Zersetzung organischen Materials in der Mundhöhle. Zweitens: Extraorale Ursachen, der schlechte Atem entsteht also außerhalb des Mundraums. Die häufigsten extraoralen Ursachen finden sich im HNO-Bereich. Drittens: Systemische Veränderungen, was allerdings sehr selten vorkommt. Hierzu zählen gewisse Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ I oder schwere Erkrankungen der Leber  oder Nieren. Daneben gilt es noch einige Kofaktoren zu beachten, die die Entstehung von Mundgeruch vor allem in der Mundhöhle begünstigen, zum Beispiel Rauchen, Stress, einseitige Ernährung, Speichelfließrate, Mundatmung und so weiter.
Hervorzuheben gilt  es hierbei, dass in etwa 90 Prozent der Fälle die Ursachen für Mundgeruch in der Mundhöhle zu finden sind und somit ein rein zahnärztliches Problem darstellen. Nur fünf bis acht Prozent aller Ursachen finden sich im HNO-Bereich. Interessanter weise hält sich landläufig die Meinung, dass die häufigste Ursache für Halitosis  im Magen-Darm-Trakt zu finden sei. Diese wiederum sind sehr selten, die Wahrscheinlichkeit liegt bei weniger als 0,1 Prozent.

Face2Face: Was kann man dagegen tun?
Reiß: Die Therapie richtet sich nach der Diagnose und kann somit sehr stark variieren. Da wie bereits erwähnt die häufigsten Ursachen in der Mundhöhle zu finden sind, gilt es diese zu ermitteln und zu beseitigen. Somit sollte der erste Anlaufpunkt die zahnärztliche Praxis sein. Fragen Sie nach einer speziellen „Mundgeruch“- oder wie es bei uns heißt „Frischer Atem-Sprechsunde“, denn wie vielleicht  schon ersichtlich, bedarf es einer intensiven Befassung mit diesem Thema, um die Ursache herauszufinden. Dies ist in einer Standarduntersuchung meiner Meinung nach schon aus Zeitgründen nicht möglich.

Face2Face: Haben Sie spezielle Produktempfehlungen, die den Mundgeruch mindern können?
Reiß: Selbstverständlich gibt es viele Produkte, die  bei einer Halitosis  zum Einsatz kommen. Zu nennen sind hierbei diverse Mundspülungen, Zungenreiniger und sonstige Hilfsmittel zur Beseitigung von Zahnbelag, wie Zahnseide, Interdentalbürstchen und so weiter. Der Markt hierfür ist so vielfältig, dass er für den Laien kaum zu überschauen ist. Erfahrungsgemäß werden am häufigsten die Produkte  gekauft, die am besten beworben werden. Einen Schaden kann man mit solchen Produkten nicht anrichten, es bleibt jedoch die Frage, ob dies der richtige Weg ist. Meiner Meinung nach NEIN!
Um die Halitosis dauerhaft in den Griff zu bekommen, bedarf es einer individuellen Untersuchung und Therapie, somit eben auch einer speziell abgestimmten Produktempfehlung. Eine Pauschaltherapie gibt es nicht und ist nach meinem Empfinden auch unseriös.

Face2Face: Wie sollte man reagieren, wenn einem auffällt, das das Gegenüber, mit dem man sich unterhält, Mundgeruch hat?
Reiß: Dies ist ein sehr heikles Thema, wofür ich leider auch keine allgemeingültige Antwort parat habe. Grundsätzlich sollte man so etwas schon ansprechen, denn vielleicht ist sich derjenige gar nicht bewusst, dass er einen schlechten Atem hat.
Ob und in welches Art und Weise dieses Thema angegangen werden sollte, hängt wohl auch davon ab, in welcher Beziehung man zueinander steht  und wie groß der eigene Leidensdruck ist – dem Partner gegenüber fällt es sicher leichter heikle Themen anzusprechen als dem Vorgesetzten gegenüber. Auf alle Fälle sollte man dabei sehr behutsam vorgehen und darauf achten, dass es beim Gegenüber als wohlwollender Hinweis ankommt, ohne ihn in seiner Persönlichkeit anzugreifen. Dies erfordert viel Fingerspitzengefühl!
Eine mögliche Formulierung wäre: „Es ist mir unangenehm, aber ich spreche es trotzdem an, weil du mir wichtig bist und weil ich froh wäre, wenn es mir jemand sagen würde, wenn ich es hätte: Ich nehme bei dir  beziehungsweise Ihnen einen leichten Mundgeruch wahr…“

Face2Face: Wie sind Sie und Ihre Praxisteam für solche Fälle vorbereitet?
Reiß: Mein Team und ich sind hierfür besonders geschult und fortgebildet worden. Wir bieten eine spezielle Halitosis-Sprechstunde an. Das läuft dann so ab, dass der Patient  vorab einen „Mundgeruch-Fragebogen“ zugesendet bekommt, den er dann ausgefüllt zur Sprechstunde mitbringen soll. In der Sprechstunde erfolgt die Auswertung des Fragebogens, eine speziell auf Halitosis abgestimmte intraorale Untersuchung mit anschließender Diagnose und Therapieempfehlung.

Kontakt:
Dr. med. dent. Ulrike Reiß
Spitalbachstraße 49
67433 Neustadt an der Weinstraße
Tel.: 06321/186424
E-mail: info@zahnaerztin-dr-reiss.de

Vorschau: Nächste Woche starten eine neue Serie in der Tipps&Tricks-Rubrik: Traumberufe und wie man sie bekommt. Vorgestellt wird eine junge Frau, die von ihrer Odyssee durch die unterschiedlichsten Ausbildungsberufe berichtet, bis sie schließlich ihren Traumjob ergattern konnte: Kosmetikerin.