Kiffen für die Gesundheit – Der wissenschaftliche Stand zu Cannabis

Hanky der Dockarbeiter und die Kakerlake rauchen zwei Joints, in ihrem Kopf Weißer Rauch und der Staat erhält eine Zaubersteuer. Es gibt so viele Songs, die sich um die Legalisierung von Hasch drehen. In Deutschland plädieren einige Parteien dafür, es als medizinisches Mittel zu erlauben, wie es auch in einigen Staaten der USA der Fall ist. Ähnlich wie andere psychoaktive Substanzen gibt es einige Studien, die die positive Wirkung von Cannabis aufzeigen. Was ist der momentane Stand?

Allgemeines

Hanfpflanze in einem Hanffeld (Foto: NicoLeHe / pixelio.de)

Hanfpflanze in einem Hanffeld (Foto: NicoLeHe / pixelio.de)

Die Hanfpflanze Cannabis sativa ist eine Kulturpflanze, die schon seit Jahrtausenden vom Menschen genutzt wird. Nicht nur nahrhafte Samen, sondern auch reißfeste lange Fasern können von der Pflanze gewonnen werden. Als Heilpflanze gegen Malaria und Rheuma war sie im alten China und als Schmerzmittel im Antiken Europa bekannt. Daneben wird Hanf auch als halluzinogenes Rauschmittel genutzt. Hierbei gibt es die Blütentrauben, bekannt als Marihuana, und das Harz, bekannt als Haschisch, welche Tetrahydrocannibidol, THC, als hauptsächlich psychoaktive Substanz beinhalten. Das THC hat eine ähnliche Struktur, wie Stoffe, die unser Körper benutzt, die Endocannabinoide, und dockt daher an die gleichen Rezeptoren an. Im Elektroenzephalogram (EEG) kann ein größeres Rauschen beobachtet werden, was die psychoaktiven Effekte erklärt. Die Endocannabinoide und ihre Rezeptoren sind beteiligt an Gehirn- und Nervenaktivitäten, wie das Gedächtnis und Schmerz, aber auch am Metabolismus, Herzfunktionen und dem Immunsystem. Deshalb sind sie in die verschiedensten Krankheiten involviert.

Weil Cannabinnoide und ihre Rezeptoren auch bei der Gehirnentwicklung eine Rolle spielen, sollten Jugendliche, deren Gehirn sich noch fertig entwickelt nicht zu dieser Droge greifen. Eine neue Studie jedoch besagt, dass der gefundene niedrigere IQ bei jugendlichen Cannabiskonsumenten nicht direkt mit der Droge zusammenhängt, sondern mit anderen Faktoren, wie eine unstabile Familiensituation. Trotzdem besteht die Gefahr einer Auswirkung auf die Psyche, sollte Cannabis von jungen Menschen konsumiert werden.

Kann Cannabis Krebs heilen?

Oft wird behauptet, dass Cannabis Krebs heilt. Doch Krebs ist eine Sammelbezeichnung für eine Vielzahl von komplexen Erkrankungen. Und es gibt eine Vielzahl von Studien zu der Wirkung von Cannabinoiden. So konnte eine erhöhte Menge an THC das Wachstum von Krebszellen verhindern, störte aber auch Blutgefäßzellen, Endocannabinoide halfen ebenfalls das Tumorwachstum zu stoppen. Unter anderen Umständen halfen Cannabinoide allerdings auch den Krebszellen beim Wachsen. Eine weitere Studie besagte, dass unterschiedliche Effekte mit unterschiedlichen Mengen der Rezeptoren zusammenhängen können und auch Resistenz gegen Cannabinoide konnten beobachtet werden. Auch klinische Studien konnten noch keine Beweise dafür erbringen, dass THC gegen Krebs hilfreich ist. Die Zukunft muss in Erfahrung bringen, welches Cannabinoid und in welcher Dosis den besten Effekt bringt. Klar ist, dass eventuelle gesundheitliche Effekte beim Rauchen eines Joints von Marihuana mit Tabak von den negativen Effekten überlagert werden und zur Krebsentstehung beitragen.

Cannabis als Medikament

Doch Cannabis kann bei Vielem hilfreich sein. Schon jetzt gibt es einige zugelassene Medikamente mit Cannabis-verwandten Wirkstoffen, die gegen Übelkeit und Erbrechen und starken Schmerzen bei AIDS und Krebspatienten helfen oder gegen Schmerz und Spastiken bei Patienten mit Multipler Sklerose. Gleiches gilt für entzündlich rheumatoide Erkrankungen, wie Arthritis, Hilfe gegen Schlafstörungen und dem chronischen Müdigkeitssyndrom, Ticks bei Tourette, sowie für Epilepsie. Hinweise auf weiteres therapeutisches Potential gibt es bei Tinitus und Grüner Star (Glaukom), sogar bei Organtransplantaten könnte THC möglicherweise helfen. Für posttraumatische Belastungsstörung konnte man mit medizinisch verschriebenem Marihuana bereits positive Ergebnisse sehen. Uneinig sind die Studien zu Depression und Ängsten. Denn das THC scheint diese wohl eher zu fördern, während das Cannabidol, welches ebenfalls in Cannabis vorhanden ist, den gegenteiligen Effekt zu haben scheint. Bei Psychosen und Schizophrenie gibt es ebenfalls noch keinen Konsensus.

Egal, was man von Cannabis Konsum halten möchte, so ist klar, dass es erhebliches Potential beinhaltet. Weitere Forschung wird uns näher an Lösungen bringen. Manche Ärzte erhoffen sich von Cannabidolen ebenfalls Medikamente für ADHS, Demenz und Alzheimer.

Vorschau: Nächsten Monat geht es um das Reinigungssystem im Gehirn.

Psychoaktive Drogen- illegale Partysubstanzen oder effektive Medikamente

Für manche Menschen sind sie unabdingbar für eine Party, andere betrachten sie als gefährlich abhängig machend. Wer sich morgens um 7 Uhr in Amsterdam noch in der Innenstadt herumgetrieben hat, bekam sie wahrscheinlich von dubiosen Gestalten in jeglicher Form und Variation angeboten. Die Rede ist von psychoaktiven Substanzen. Doch die Wissenschaft ist sich einig, dass diese Substanzen effektive Therapien für viele psychische Krankheiten versprechen und eben nicht zu solchen mentalen Störungen führen, wie man früher angenommen hatte.

LSD und Pilze

LSD, welches für Lysergsäuredimethylamid steht und dessen halluzinogene Wirkung vom Schweizer Chemiker Albert Hofmann 1943 entdeckt wurde. Weniger gefährlich als noch vor 50 Jahren verschrien, konnten klinische Studien zeigen, dass es bei Alkoholproblemen hilft. Es mindert Symptome von Psychosen und Ängsten und hat sogar Effekte auf das Immunsystem. Ähnlich wie LSD wirkt Psilocybin, das Halluzinogen, welches in den sogenannten Magic Mushrooms zu finden ist. Studien zeigten, dass es bei Abhängigkeit von Alkohol sowie beim Rauchen hilft. Der Einfluss auf die Stimmung macht es ebenfalls zu einem Mittel gegen Depression und Zwangsstörungen.

Ketamin und MDMA

Droge oder Medizin (Foto: Bernd Kasper / pixelio.de)

Droge oder Medizin (Foto: Bernd Kasper / pixelio.de)

Auch Ketamin, welches als starkes Anästhetikum eingesetzt wurde, zeigte diese Einflüsse auf die Stimmung und erste klinische Studien zeigen, dass es wirkt. MDMA, das Methamphetamin, welches auch der Hauptwirkstoff in Ecstasy ist, zeigt ebenfalls Einflüsse auf Ängste und Stimmung und wurde schon früher in der Psychotherapie eingesetzt. Eine Langzeitstudie zeigt, dass es bei Posttraumatischer Belastungsstörung, ein psychisches Trauma, welches unter PTSD bekannt und man zum Beispiel von heimkehrenden Soldaten kennt, hilft. Deshalb wird es nun in weiteren klinischen Studien getestet.

Hilfe bei psychischen Krankheiten

Viele dieser psychoaktiven Drogen helfen bei ähnlichen mentalen Problemen und psychischen Krankheiten. Sie wirken oft auf das Gehirn, besonders auf den Rezeptor für den Neurotransmitter Serotonin. Wissenschaftler untersuchten die Veränderungen im Gehirn von Menschen, die psychoaktive Drogen nahmen, durch Magnetresonanzscans. Man kann sich das so vorstellen, dass diese Halluzinogene die starren Strukturen, welche sich im mit dem Älterwerden ansammeln, im Gehirn temporär auflockern. Dies kann die Zyklen von Sucht oder Depression aufrütteln. Cannabis zählt ebenfalls zu diesen psychoaktiven Substanzen. Jedoch beschäftigen wir uns damit ein anderes Mal genauer.

Vorschau: Nächsten Monat geht es um den wissenschaftlichen Stand zu Cannabis.