Online-Lebensmittelhandel – Nischenmarkt mit Potenzial?

Ein paar Klicks und schon liegen die Zutaten für ein leckeres Essen im digitalen Einkaufskorb. Kurze Zeit später klingelt es an der Tür und Gemüse, Brot, Fleisch und Joghurt werden geliefert. So könnte der Lebensmitteleinkauf in naher Zukunft aussehen. Elisabeth Hander (27) hat im Rahmen ihrer Masterarbeit eine Konsumentenbefragung zum Thema Online-Lebensmittelhandel durchgeführt. Was sie dabei herausfand, erzählt sie uns im Face2Face-Interview.

Face2Face: Wie bist du auf die Idee gekommen, dich mit dem Thema Online-Lebensmittelhandel zu beschäftigen? Was ist so spannend an diesem Thema?
Elisabeth: Neben meinem Studium war ich neun Monate als Werkstudentin im Vertrieb tätig. Weil ich das sehr spannend fand, war für mich klar, dass das Thema meiner Masterarbeit in Richtung Vertrieb gehen wird. Ich habe dann einige Wochen im Internet recherchiert, um das passende Thema zu finden. Dabei ist mir aufgefallen, dass das Thema „Online-Shop“ immer mehr in den Fokus rückt. Und so stand schließlich der Titel meiner Arbeit fest: „Einführung und Optimierung eines internetbasierten Shopsystems für Discounter im Online-Lebensmittelhandel in Deutschland – dargestellt am Beispiel von Aldi Süd und Lidl“.
Ich persönlich finde das Thema Online-Lebensmittelhandel besonders für Deutschland sehr spannend, da es in den kommenden Jahren wohl weiterhin ein Nischenmarkt bleiben wird. Das hängt einerseits mit dem mangelnden Vertrauen der Verbraucher gegenüber der Frischequalität der Lebensmittel und andererseits mit den wenig erfolgreichen und ausgereiften Geschäftsmodellen der Lebensmitteleinzelhändler im Onlinesegment zusammen. Im Ausland, beispielsweise in England und den USA, ist der Online-Lebensmittelmarkt weit fortgeschritten und wird vermehrt genutzt. Fest steht, dass der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland viel Potenzial aufweist und damit eine neue Vertriebsart neben dem stationären Handel darstellt.

Ist mit ihrer Masterarbeit zum Thema Online-Lebensmittelhandel sichtlich zufrieden: Elisabeth Hander (Foto: privat)

Ist mit ihrer Masterarbeit zum Thema Online-Lebensmittelhandel sichtlich zufrieden: Elisabeth Hander (Foto: privat)

Face2Face: Im Rahmen deiner Masterarbeit hast du eine Umfrage durchgeführt – wie bist du dabei vorgegangen?
Elisabeth: Die Umfrage basiert auf einer quantitativen Erhebung. Ich habe die schriftliche Form gewählt, um die Konsumenten bei Aldi Süd und Lidl persönlich zu treffen und zu befragen, da diejenigen, die bei den beiden Discountern über den stationären Handel ihre Einkäufe tätigen, zu den potenziellen Onlinekäufern gehören.
Ich habe insgesamt 50 Personen befragt, 25 davon vor Aldi Süd und weitere 25 vor Lidl. Die Teilnehmer wurden zufällig ausgewählt und von mir beim Verlassen des Geschäfts angesprochen.
Der Fragebogen unterteilte sich in vier Teilbereiche. Befragungsteil A beinhaltet die Erfahrungen, Erwartungen und Bedürfnisse der Teilnehmer in Bezug auf den Online-Lebensmittelhandel. In Teilbereich B wurde der Trend im Hinblick auf den Online-Lebensmittelshop erfragt. Der Bereich C enthält die demografischen Daten der Teilnehmer und im Teilbereich D hatten die Befragten zusätzlich die Möglichkeit, Wünsche und Kommentare zum Thema Online-Lebensmittelhandel zu äußern.

Face2Face: Was sind die Ergebnisse deiner Studie?
Elisabeth: Den größten Anteil bei der E-Commerce-Nutzung machen die 21- bis 30-Jährigen aus, gefolgt von den 31- 40-Jährigen und den unter 20-Jährigen.
Zu den meistgekauften Produkten im E-Commerce zählen Textilien/ Accessoires, elektronische Geräte, Bücher in print und digital. Es zeigt sich, dass Lebensmittel verhältnismäßig wenig online eingekauft werden.
Auf die Frage, „Was erwarten Sie von Ihrem Discounter, wenn Sie Lebensmittel online bestellen?“, haben die meisten „hohe Qualität, flexible Liefer- und Abholzeiten sowie niedrige Liefer- und Abholgebühren“ angegeben.
Fisch und Meeresfrüchte, Fleisch und Wurst, Milchprodukte und Ei, Joghurt und Dessert, Brot und Backwaren, Obst und Gemüse würde die Mehrheit der Befragten nicht über einen Online-Lebensmittelshop bestellen. Produkte mit einer längeren Haltbarkeit hingegen, wie Tabak, Konserven, Öl und Kaffee sind leichter über den Online-Shop zu vertreiben als frische Produkte.
Der Großteil der Teilnehmer ist bereit, bis zu einem Tag auf die Lieferung nach Hause zu warten. Bei der Selbstabholung wollen die Befragten lediglich eine bis sechs Stunden warten. Die meisten Teilnehmer wollen für die Lieferung weniger als fünf Euro bezahlen. Bei der Selbstabholung sind drei Euro für die Teilnehmer akzeptabel.

Lebensmittel im Internet kaufen - könntet ihr euch das vorstellen? (© Tim Reckmann / pixelio.de)

Lebensmittel im Internet kaufen – könntet ihr euch das vorstellen? (© Tim Reckmann / pixelio.de)

Face2Face: Gibt es Konzerne, die ihre Lebensmittel bereits online verkaufen? Und hast du den Eindruck, dass dieses Angebot gut bei den Kunden ankommt?
Elisabeth: Ja, REWE hat zum Beispiel bereits ein Pilotprojekt in einigen deutschen Städten gestartet und vertreibt Lebensmittel online. Zudem verfügt der Supermarkt über eine eigene Logistik und einige Abholstationen. REWE ist einer der ersten Einzelhändler, der seine Lebensmittel neben dem stationären Handel auch online vertreibt. Lidl vertreibt ebenfalls Produkte über einen Online-Shop, allerdings keine Lebensmittel. Aldi Süd verfügt derzeit über keinen Online-Lebensmittelshop.
Das Wichtigste ist, dass die Lebensmitteleinzelhändler ein erfolgreiches Geschäftsmodell im Onlinesegment aufbauen und das Vertrauen der Konsumenten gewinnen. Sie müssten den Verbraucher über Verpackung, Transport, Kühlkette und so weiter aufklären.
Laut meiner Recherchen waren nicht alle Onlinekunden mit dem Service ihrer Lebensmittelhändler zufrieden. Häufig gingen über den Kundenservice Beschwerden wegen der Qualität der gelieferten Produkte sowie der Wartezeit bei Lieferung ein. Das zeigt wiederum, dass der Onlinehandel in Deutschland noch nicht ausgereift und noch optimierbar ist.

Face2Face: Kaufst du selbst Lebensmittel online?
Elisabeth: Ich persönlich kaufe Lebensmittel gerne beim Einzelhändler vor Ort ein. Allerdings habe ich vor, auch einmal Lebensmittel online zu bestellen – einfach um das mal auszuprobieren. Leider liefert REWE nicht in meiner Gegend aus, sonst hätte ich es sofort getestet. Ich werde mich wohl noch gedulden müssen.

Face2Face: Wie siehst du die Zukunft des Onlinehandels mit Lebensmitteln?
Elisabeth: Ich bin davon überzeugt, dass der Onlinehandel mit Lebensmittel in den kommenden Jahren verstärkt zum Thema wird und immer mehr Menschen vertrauter damit umgehen werden, sobald sich die Serviceleistungen (Lieferung und Selbstabholung) der Einzelhändler vermehren und die Erwartungen und Bedürfnisse der Onlinekunden erfüllt werden. Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt, und wie lange es dauern wird, bis sich der Onlinehandel mit Lebensmitteln in Deutschland etablieren wird.

Vorschau: Am Dienstag, 3. Juni berichten wir im Panorama über einen gelernten Werbefotograf und seine Prognose für die professionelle Fotografie.

 

Studieren heute: Angst, Stress, Burnout?

Studieren im Bachelor beziehungsweise Master: Ute Müller, Laura Ehlenberger, Florian Guldan (Foto: g.gradeneker), Tobias Helling und Kira Gantner (Foto: Das Atelier Mainz) (von links) (übrige Fotos: privat)

Vereinheitlichung der Strukturen der Hochschulbildung in Europa – klingt erst einmal nicht schlecht. Aber was halten Studierende verschiedener Hochschulen und Fachrichtungen ganz konkret vom Bachelor-Master-System? Face2Face hat drei Bachelor- und einen Masterstudenten befragt:

Soll Theorie und Praxis vereinen: Das Bachelor-Master-System (© Gerd Altmann/Carlsberg1988 / pixelio.de)

 „Viele Menschen haben mir gesagt, dass die Studienzeit die schönste Zeit in ihrem Leben war und sie nie mehr so viel frei hatten. Na danke, jetzt hab ich den Salat, denn in meinem Studium sieht die Welt ein bisschen anders aus“, erzählt Ute Müller. Die 21-Jährige studiert zurzeit im vierten Semester Integrative Sozialwissenschaft an der Technischen Universität Kaiserslautern. Für Hobbys oder andere „normale“ und spaßige Dinge fehle ihr oftmals die Zeit, berichtet Müller, ihr Studium beschäftige sie fast rund um die Uhr. Das Bachelor- Master-System habe das Studentenleben ihres Erachtens stark erschwert. Bei ihrem Studiengang könne sie eine Klausur nur zwei Mal wiederholen, danach sei ein Härtefall-Antrag fällig oder das Studium ist sofort beendet. „Die Angst bei einer Klausur zu versagen ist dadurch enorm hoch und wird meines Erachtens zu einer ständigen Belastung“, weiß Müller. Auch die verkürzte Studienzeit sorge neben dem Leistungsdruck für zusätzlichen Zeitdruck – „bei einigen meiner Kommilitonen hat sich der Stress schon negativ auf die Gesundheit ausgewirkt und das kann nun wirklich nicht sein.“
Dennoch liebe sie ihr Studium trotz des ganzen Stresses sehr, so die 21-Jährige. „Es ist das Drumherum, was mein Studium so lohnenswert macht: Die Freunde, die Erfolgserlebnisse, die liebevolle Unterstützung vom Partner oder der Familie, die Möglichkeit das Beste aus sich herauszuholen und seine Zukunft selbst zu gestalten“, fügt sie an.

 Auch Laura Ehlenberger kennt die Beschwerden über den hohen Druck, der durch das Bachelorsystem auf den Studierenden lastet. Die 21-Jährige studiert im fünften Semester Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und weiß zu berichten, dass das heutige Studieren von vielen als „verschult“ wahrgenommen wird. „Die Veranstaltungen sind vorgegeben, sprich, bei der Legung des Stundenplans gibt es keine großen Freiräume“, erzählt sie, „zudem zählen schon zu Beginn des Studiums die einzelnen Noten. Dadurch wird von den Studenten in den Semestern mehr Leistung gefordert.“ Das erinnere viele ein wenig an das Schulsystem in der Oberstufe, so die Bachelor-Studentin, und sei mit dem früheren Studentenleben nicht vergleichbar. Weiterhin kritisiert sie: „Das Studium ist hauptsächlich theoretisch angelegt, was durchaus interessant und eine gute Grundlage ist. Bei den Studieninhalten fehlt mir jedoch ein wenig der Bezug zu realen Arbeitswelt.“
Sie glaube, dass der Bachelor für mehr Leistungsdruck innerhalb des Studiums sorgt. Ein völlig unbeschwertes Studentenleben sei demnach aus ihrer Sicht nicht möglich. Trotzdem ist sie sich sicher: „Wenn man sich die Arbeit und das Lernen aufteilt, ist es machbar, immer noch genügend Freiraum für sich selbst zu haben.“

Massen an Büchern: Graue Realität für Studenten? (Foto: T. Gartner)

 „Von der Schule, wo man noch mehr Unterstützung von Lehrern erhält, zum Studium, wo man ganz auf sich allein gestellt ist, war es eine große Umstellung“, findet Florian Guldan (23). Obwohl er sich am Anfang unschlüssig war, entschied er sich nach der direkten Zusage der Fachhochschule Mainz für ein International Business-Studium. Inzwischen ist er im fünften Semester und mit diversen Exkursionen und einem Praxissemester erfüllt sein Studiengang ganz seine Erwartungen auf die optimale Vorbereitung auf das Berufsleben. Doch auch er sieht Probleme im Bachelor-Master-System: „Es hat das Studium definitiv anstrengender gemacht, da jetzt erst richtiger Leistungsdruck aufkommt.“ Als das Diplom System noch aktiv war, hätten die Studierenden seines Wissens nach je nach Studiengang zum Teil unbefristete Versuche zum Bestehen einer Prüfung gehabt. Beim Bachelor-Master-System habe man drei Versuche – „man setzt sich viel mehr unter Druck, vor allem unter zeitlichen Druck, was sich negativ auf das Lernverhalten auswirkt.“ Auch wenn der 23-Jährige teilweise von 8:15 bis 20:15 Uhr Vorlesungen hat, berichtet er, dass am Anfang des Semesters immer noch „alles recht entspannt“ zugehe. „Je näher jedoch die Prüfungen rücken, desto stressiger wird es“, weiß er, „oft liegt es auch am falschen Timing der Klausurvorbereitung.“ Richtig stressig würde es, wenn Klausuren aus dem letzten Semester wiederholt werden müssen und sich Vorlesungen der beiden Semester überschneiden. Nach Abschluss seines „eher trockenen Studiums“ freut sich Guldan ein weiteres, etwas kreativeres Studium zu beginnen.

Kreativ ist auch Kira Gantner in ihrem Masterstudium. Die 24-Jährige studiert im zweiten Semester Journalismus an der Johannes Gutenberg Universität Mainz. „Ich habe schon als Kind sehr gerne geschrieben, daher war für mich schnell klar, dass ich Journalistin werden will und das geht eben nur über ein Studium“, erzählt sie, „außerdem ist das Studium natürlich eine sehr aufregende Zeit. Diese Erfahrung wollte ich nicht verpassen.“ Dennoch empfinde sie den Leistungsdruck als sehr hoch. „In unserem Studiengang wurden aus über 200 Bewerbern 20 ausgewählt, die alle sehr gut sind“, berichtet die junge Frau, „es kann einen verrückt machen, wenn man das Gefühl bekommt, nicht gut genug zu sein.“ Auch von einigen Kommilitonen habe sie gehört, dass diese gestresst oder einfach unsicher seien, was von ihnen erwartet werde. „Ich habe mir das Studium weniger verschult vorgestellt“, so die Masterstudentin. In andere Fächer hinein zu schnuppern sei neben dem vollen Stundenplan schwierig – „das ist schade!“ Allerdings sieht Gantner auch Vorteile im Bachelor-Master-System: „Es ist einfacher seine Veranstaltungen zu wählen und seinen Stundenplan zu füllen, da im Prinzip das meiste vorgegeben wird.“

 Dass Studieren trotz Bachelor-Master-System Spaß machen kann, findet Tobias Helling. Der 26-Jährige hat seinen Bachelor bereits hinter sich und studiert zurzeit im zweiten Semester Umweltwissenschaften mit Schwerpunkt Biomaterials and Bioenergy auf Master an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. „Der Workload ist ok, Stress gibt es nur bei unorganisierten Gruppenarbeiten“, erzählt er, „und wenn es Spaß macht, ist der Stress eh einfach zu ertragen!“ Da es der erste Jahrgang des Studiengangs ist, laufe es manchmal noch etwas chaotisch ab. Von den anderen höre man oft Beschwerden, vor allem von den Studierenden mit anderen Schwerpunkten, weiß Helling zu berichten. Von den Inhalten habe sich seines Wissens nach mit der Umstellung auf Bachelor und Master nichts geändert. „Was aber etwas cooler ist, ist dass man mit dem Bachelor mehr Wahlmöglichkeiten bezüglich der Studienrichtung hat als mit dem Vordiplom“, findet er.

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch im Panorama Teil 2 der Geschwister erzählen-Serie.

 

Prüfungsanforderungen für Bachelor variieren

Hier verbringt man als Student während dem Schreiben der Bachelor-Arbeit viel Zeit: In der Bibliothek (Foto: T. Gartner)

Ein bewölkter Nachmittag im eisigen Februar. Genau das richtige Wetter für eine heiße Schokolade in gemütlicher Runde. Diesen Gedanken hatten auch drei be-freundete Masterstudierende. Zwischen dampfenden Getränken und duftendem Kuchen fällt das Thema schnell auf die unterschiedlichen Prüfungsanforderungen des vor wenigen Monaten abgeschlossenen Bachelorstudiums.

„Also ich hatte drei Monate Zeit, um eine 30-seitige Bachelorarbeit zu schreiben“, erzählt Tom, „eine mündliche Prüfung gab es nicht.“ „Ist das dein Ernst?“, wirft Katharina ein, „ich musste in sechs Wochen 50 bis 60 Seiten abliefern. Und eine mündliche Prüfung kam auch noch dazu… Wie war das bei dir, Daniel?“ „Eine mündliche Prüfung hatte ich auch. Das war sozusagen die mündliche Verteidigung der schriftlichen Bachelorarbeit“, berichtet Daniel, „war das bei dir anders?“ „Ja, auf jeden Fall!“, sagt Katharina, „bei mir durfte das mündliche nicht mit dem schriftlichen Thema übereinstimmen.“

Ein einheitliches baden-württembergisches oder gar europäisches Hochschulbild? Offensichtlich nicht. Grund genug einmal nachzuhaken, bei denen, die es wissen müssen.

„Tatsächlich bestehen sehr unterschiedliche Vorgaben für die Bachelorarbeiten an den verschiedenen Hochschulen, wie auch zwischen den verschiedenen Fächern derselben Hochschule“, räumt Patrick Stoll (21), Physikstudent im fünften Semester an der Universität Konstanz und Sprecher der Landesstudierendenvertretung, ein. Und Marie Haibt (22), Soziologiestudentin im fünften Semester an der Universität Mannheim und Sprecherin der Landesstudierendenvertretung, erläutert: „Die Studierenden der Psychologie an der Universität Mannheim haben beispielsweise zwölf Wochen Zeit zum Verfassen ihrer Bachelorarbeit, während Soziologiestudierende der 2010er Prüfungsordnung sechs Wochen, jene der Prüfungsordnung 2012 acht Wochen Zeit vom Tag der Anmeldung an, haben.“

Ein Problem sehen Haibt und Stoll jedoch nicht in der Varianz der Bachelorprüfungen. „Bachelorarbeiten zählen unterschiedlich stark in die Gesamtnote und haben unterschiedlich viele ECTS-Punkte – daher sollten sie dementsprechend unterschiedlichen Aufwand für die Studierenden bedeuten“, erläutert Stoll. Und Haibt fügt an: „Für verschiedene Fächer oder aber auch allein verschiedene Richtungen eines Faches können unterschiedliche Seitenzahlen unterschiedlichen Aufwand bedeuten, während eine theoretische Arbeit mit geisteswissenschaftlicher Fragestellung nicht unter 40 Seiten beantwortet werden kann, ist in den Naturwissenschaften eine wissenschaftliche Fragestellung mit aufwendigem Versuchsaufbau und Analyse unter Umständen in nur wenigen Seiten dargestellt.“ Die Seitenzahl einer Bachelorarbeit sei daher keine aussagekräftige Messgröße über den Aufwand und den wissenschaftlichen Wert. Die Prüfungsordnungen lege ihres Wissens nach unter anderem aus diesen Gründen keine Seitenanzahlen fest, diese würden von der betreuenden Lehrkraft empfohlen.

Tippen bis die Finger wund werden: Während dem Schreiben der Bachelor-Arbeit wird das Laptop zum treuen Gefährten (© Sylvia Krahl / pixelio.de)

Kurzum: Eine Vereinheitlichung der Vorgaben halten die beiden Studierenden nicht für zielführend. „Wichtig ist, dass die Studierenden über die Anforderungen der Bachelorarbeit in Kenntnis gesetzt werden und eine individuelle Betreuung gewährleistet ist“, sind sie sich einig.

Laut Jochen Schönmann, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, ist die Varianz in den Bachelorprüfungen explizit erwünscht. „Die Kultusministerkonferenz eröffnet in den sogenannten ʽLändergemeinsamenʼ Strukturvorgaben Spielräume für Abschlussarbeiten (Bachelor- wie Masterarbeit) und legt unter anderem fest, dass der Bearbeitungsumfang für die Bachelorarbeit zwischen sechs und zwölf ECTS-Punkten beträgt“, erläutert er. Die vorgesehenen Spielräume sollen den inhaltlichen, wissenschaftlichen und praktischen Anforderungen und Zielen von Studiengängen unterschiedlicher Fachkulturen Rechnung tragen. Zudem mache gerade der Erwerb einer Vielzahl verschiedener Kompetenzen während des Studiums die Anwendung verschiedener Methoden bei der Prüfungsart sinnvoll, so Schönmann.

Ob sich die Absolventen aufgrund dieser Sinnhaftigkeit gerechter behandelt fühlen, sei einmal dahingestellt. Und auch ob ein naturwissenschaftliches Projekt weniger Aufwand und entsprechend weniger Seiten erfordert, als die Bearbeitung eines geisteswissenschaftlichen Themas, ist fraglich. Sicher ist jedoch: Der Abschluss ist derselbe – egal ob 30 oder 80 Seiten.

Vorschau: Nächsten Dienstag berichtet die Panorama-Redaktion exklusiv über eine junge Autorin, die die Thalia Buchhandlung in Mannheim für eine kleine Kochsession nutzt. Mehr Infos dazu findet ihr HIER.

 

Bachelor – und was dann?

 

Von links: Selin Akyol, Thomas Steinbrecher, Freya Spindler, Marieke Pahlke, Alex Lesser (Fotos: privat)

Der Bachelor gilt seit 2010 als der erste internationale berufsqualifizierende und akademische Abschluss,den man an einer Universität oder Fachhochschulen erwerben kann. Mit ihm folgen viele Veränderungen und vor allem eine Verkürzung der Regelstudienzeit auf drei bis maximal vier Jahre. Zur Reform scheint es eine breitgefächerte Meinung zu geben, die von „besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ bis hin zu „ Unsicherheiten und Perspektivlosigkeit“ reicht. Doch welche Berufsaussichten hat man mit dem jeweiligen Bachelorabschluss? Über die Erfahrungen mit dem Bachelor berichten fünf Studenten in der Face2Face- Umfrage.

Vielen fällt es schwer den Stellenwert ihres Bachelors einzuschätzen, so auch Selin Akyol. Die 22- Jährige studiert Germanistik an der Universität Mannheim und habe den Eindruck, dass selbst Arbeitgeber nicht wüssten, was sie von Bachelorabsolventen zu erwarten haben. Die Komprimierung auf drei Jahre empfinde sie als puren Stress und fordere seitens der Universität eine engere Zusammenarbeit, die Studenten in Hinblick auf die Zukunft besser unterstützen.Auf die Frage, welche Berufsaussichten sie hat, antwortet sie: „ Das weiß ich nicht so genau. Vielleicht kann ich die Wegbeschreibung zum Arbeitsamt drauf schreiben.“ Für Akyol biete das Studium mehr Unsicherheiten und keine Spezialisierung, daher strebe sie auch keinen Master an.Wenn die 22- Jährige erneut die Wahl hätte sich zwischen einem Studium und einer Ausbildung zu entscheiden, dann würde sie lieber die Ausbildung machen, denn „da weiß man am Ende wenigstens wo man steht.“

Sehr zufrieden und glücklich mit dem BWL- Studium sei Thomas Steinbrecher (22). Den Bachelor sehe er als Chance an und nicht als „großes Ungeheuer“, mit dem er sicher einen Job finden würde. Im Vergleich zu Diplom- Betriebswirten ziehe der Bachelor auch mal den Kürzeren, dennoch stünden Wirtschaftswissenschaften im Gegensatz zu anderen Disziplinen im Vorteil, so Steinbrecher. Der 22-Jährige lobt die vielen Möglichkeiten und das große Angebot der Universität zu Köln, denn „im Wahlbereich ist da wirklich für jeden was dabei“. Allerdings wünscht auch er sich persönliche Betreuung, die die bürokratische Hürden etwas abbauen und beim anfänglichen Einfinden in das Studium behilflich wären. Mit einem direkten Einstieg in den Beruf beschäftige sich Steinbrecher nicht, denn während dem Bachelor habe er herausgefunden welche Bereiche der BWL ihm Spaß machen und ihm liegen. Diese möchte er im anschließenden Master vertiefen. „Mit einem Master steigen die Chancen“. Steinbrecher ist der Meinung, man solle sich nicht mit weniger zufriedengeben, vor allem weil die Studienzeit viel zu schön sei.

Ein Berg von Lernstoff: Der Bachelor hat´s gern interdisziplinär (Foto: Sharifi)

„In manchen Unternehmen gelten Bachelorleute als Studienabbrecher, weil sie keinen Masterabschluss haben, weshalb es sinnvoll wäre, ihn zu machen“, zeigt die Erfahrung von Freya Spindler. Die 23- Jährige BWL- Studentin habe das Gefühl, dass Bachelorabsolventen oftmals als günstigere Alternative zu Diplomabsolventen gesehen werden und dementsprechend auch ein niedrigeres Gehalt bekämen. Für sie stehe fest, dass ein Master folge, der ihr mehr Möglichkeiten biete. Spindler würde sich jederzeit wieder für den Trierer- BWL-Bachelor entscheiden. Dieser habe die Besonderheit, dass er noch Fächer wie VWL und Soziologie umfasse, welche je nach Interesse und Spezialisierung gewählt werden können. Im Allgemeinen biete das Studium nach dem dritten Semester eine Spezialisierung in Marketing, Management und Personalwirtschaft an. Die 23-Jährige äußert Verbesserungsvorschläge bezüglich der hohen Anzahl von Klausuren, die in einem größeren Zeitraum als innerhalb von zwei Wochen verteilt werden sollten. Auch die Regelstudienzeit solle um ein Semester verlängert werden, „weil es fast unmöglich ist das Studium in sechs Semestern zu schaffen“.

Ähnlich sieht das auch Marieke Pahlke. Mit der Studienwahl „Wirtschaftsmathematik“ an der Universität Bielefeld sei die 22-Jährige sehr zufrieden und glaube durchaus eine Arbeit zu finden. Sie ist der Ansicht, dass Wirtschaftsmathematiker schon gefragt sind, denn „als Wirtschaftsmathematiker hat man durch Kenntnisse in BWL und VWL Vorteile gegenüber den ‚reinen‘ Mathematikern“. Ab dem vierten Semester könne sie Profilierungen und Spezialisierungen wählen, um sich von der Masse besser abzuheben. Auch Pahlke finde die vielen Klausuren auf engem Zeitraum negativ. Oft bleibe einem dadurch nichts anderes übrig als sich vieles nur im Kurzeitgedächtnis einzuprägen und das sei ihrer Meinung nach nicht Sinn der Sache. „Ich bin mir eigentlich fast sicher nach meinem Bachelorabschluss noch den Master zu machen“, so die 22-Jährige, denn auch ihr mache das Studieren Spaß. Da der Master nur zwei Jahre dauere, lohne sich der Aufwand. Anderenfalls befürchte sie, dass „wenn man den Master nicht direkt nach dem Bachelor macht, verpasst man leicht den Anschluss und macht ihn dann nie“.

„Mein Studium macht mir Spaß. Es weckt sowohl mein Interesse und fordert meinen Ehrgeiz zu gleich“, findet Alex Lesser. Der 22-Jährige studiert an der Universität Mannheim den einmaligen Studiengang: Unternehmensjura. Da dieser auch ein ziemlich neuer sei, wisse er nicht wie die Arbeitgeber auf ihn reagieren. Jedoch könne er sich gut vorstellen, dass er beispielsweise bei einer Unternehmensberatung gute Einstiegschancen hätte. Die Zusammensetzung aus Wirtschaft und Jura sehe Lesser aber auch etwas problematisch, denn beide Bereiche seien sowohl umfangreich als auch zeitaufwändig. Somit finde nur ein grober Überblick und Anschneiden statt, denn für eine Vertiefung biete die Regelstudienzeit keinen Platz. „Der größte Knackpunkt beim Bachelor ist das Abarbeiten und Abhacken von Lerninhalten“. Mit dem Master habe sich der 22-Jährige noch nicht auseinandergesetzt. „Ich denke, dass ich den Master auch einfach unterschätze“. Im Gegensatz dazu strebe er die Möglichkeit an, sein erstes Staatsexamen zu machen und ergo den juristischen Teil zu erweitern.

Vorschau: Nächste Woche gibt es interessantes zum Thema „Interview Stress“.


Loslassen, Ausziehen, Neues entdecken…

Das Leben besteht aus unterschiedlichen Phasen, die jeder von uns irgendwann einmal durchläuft. Phasen, die uns dabei helfen, unsere Persönlichkeit sowie verschiedene Kompetenzen zu entwickeln. Manche nennen es auch Stufen – was an das gleichnamige Gedicht von Hermann Hesse erinnert, in dem daran erinnert wird, den Lebensfluss zu akzeptieren und stets offen für Neues zu sein. Natürlich bringt nicht jede Phase nur schöne Seiten mit sich, man erinnere sich selbst vielleicht an die eigene Pubertät. Da hatte jeder mit Pickeln, dem Stimmbruch und dem ersten Liebeskummer zu kämpfen. Und dennoch hat auch diese Zeit jeden individuell intensiv geprägt und dazu beigetragen, dass wir heute die Menschen sind, die wir sind.

Aber damit endet ja der Entwicklungsprozess nicht auf einmal. Er geht weiter. Immer.

Und plötzlich bemerken wir eine innere Unruhe, ein Gefühl der Sehnsucht, vielleicht sogar Fernweh. Der Gedanke, das Altgewohnte hinter sich zu lassen und zu neuen Ufern aufzubrechen, ist allgegenwärtig und treibt uns an. Zweifel gibt es vielleicht auch – bei den ein oder anderen, aber warum sich davon aufhalten lassen? Das habe ich mich auch gefragt, habe die Gelegenheit, die sich mir geboten hat, beim Schopf gepackt und bin nach Dresden zu einer Freundin gefahren. Da ich an meiner jetzigen Uni nicht den Master machen kann, werde ich also ab nächstem Jahr woanders studieren. Und wieso nicht in einer Stadt, die mir gefällt, die etwas weiter weg von zu Hause liegt, in der es so viel Neues zu entdecken gibt?

Natürlich ist Dresden nicht die einzige Stadt, die auf meiner Liste steht, aber ich muss zugeben, dass ich schwer beeindruckt gewesen bin und mich schon etwas verliebt habe. Da gibt es die Semperoper, den Zwinger, die Prager Straße und natürlich die Frauenkirche. Und noch etliches mehr, was es sich zu erkunden lohnt…
Für mich persönlich steht fest, dass ich mich dort bewerben werde – und der Rest liegt ja ohnehin nicht in meiner Hand. Für mich beginnt ab nächstem Jahr eine neue Lebensphase: raus von zu Hause und rein in ein neues Leben. Selbständiger werden und daran wachsen. Neue Leute kennenlernen und sich alleine zu Recht finden. Ein Stück weit erwachsener werden. Natürlich sind mit diesem Gedanken auch Zweifel verbunden und gewisse Ängste, aber irgendwann wird es Zeit, loszulassen und seinen eigenen Weg zu gehen. Der eine findet ihn früher, der andere eben etwas später – außerdem muss man sich das Ausziehen auch erst einmal leisten können.

Viele Schüler in Rheinland-Pfalz schreiben ja gerade ihre letzten Kursarbeiten vor dem schriftlichen Abitur. Manche wissen schon, was sie danach machen wollen. Andere weniger. Für die einen steht fest, dass sie gleich anfangen wollen zu studieren oder eine Ausbildung zu machen. Für die anderen kommt das erst einmal nicht infrage – da wird erst einmal ein freiwilliges soziales Jahr angestrebt oder Work and Travel. Ganz im Sinne von: loslassen, losreisen und Neues kennenlernen. Und auch wenn immer ein bisschen Mut zu einem solchen Schritt dazugehört, so ist es doch im Nachhinein eine wunderbare Erfahrung, die einen beeinflusst und vielleicht auch zur Entwicklung beigetragen hat.
Und wenn wir die Möglichkeit doch haben, warum sie dann nicht einfach ergreifen?

In diesem Sinn: eine schöne Woche!

Eure Lea

Vorschau: Eva schreibt nächste Woche über die Welt des Tees und warum sie so gerne darin eintaucht.

Wenn das Studium immer mehr einem Chaos gleicht – im Blickpunkt: Lehramt

Ich glaube, ich muss mich hier doch mal einem Thema widmen, dass nicht jedem gefallen wird. Aber ich denke, dass es an der Zeit ist, den Mund aufzumachen und darüber auch in der Kolumne etwas zu schreiben. Viele Lehramtsstudenten, welche die Universität Koblenz-Landau besuchen, haben in den letzten Wochen etwas gehört, was bei vielen von ihnen doch das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Deshalb nun auch folgende, vielleicht etwas überspitzen und heftigen Zeilen, um dem sich immer weiter aufbauschenden Chaos die Stirn zu bieten und vielleicht dem ein oder anderen bewusst zu machen, dass es so nicht weitergehen kann…

Als ich mein Studium begann, sah die neue Prüfungsordnung für Lehramtsanwärter fünf Praktika im Bachelor vor, doch da die Schulen dem immensen Studentenansturm nicht wirklich gerecht werden konnten, hat man sich entschlossen, das Ganze wieder etwas abzuspecken. Nicht so schlimm, meint vielleicht der eine, ich sehe das allerdings etwas anders. Denn Praktika sind gerade für angehende Lehrer eine gute Möglichkeit, in den späteren Beruf hineinzuschnuppern und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Und da die ersten beiden Praktika meistens hauptsächlich aus Hospitieren bestehen, dient dies wohl nicht gerade dem Nutzen der Studierenden. Und bei dem ganzen Hin- und Herreformieren der Landesregierung ist bald auch nicht mehr sicher, was gilt.

Damit aber noch nicht genug, denn momentan kursiert ein neues Chaosproblem an der Universität Koblenz-Landau: Es gibt nicht genügend Plätze für Studierende des Schwerpunktes „Förderschule“. Zu viele wollen dies studieren, zu wenig zur Verfügung stehendes Personal. Problem ist, dass jeder Student beim Bachelor- und Mastersystem seinen Schwerpunkt erst im 4. Semester wählen muss. Nun haben sich allein über 110 Studenten der Universität Koblenz-Landau und ein paar aus Trier, Koblenz, Saarbrücken und Mainz für den Förderschulschwerpunkt angemeldet und die Uni vergibt nur insgesamt 60(!) Plätze. Ein Horrorszenario, das seinesgleichen sucht. Denn wer nicht dem gewählten Schwerpunkt zugeteilt wird, wird entweder einem anderen Schwerpunkt zugeteilt, wird ein Wartesemester (oder evtl. auch mehrere) in Kauf nehmen müssen oder aber er wechselt die Uni. Letztes klingt plausibel und leicht, ist es allerdings nicht. Denn Landau ist die einzige Universität in Rheinland-Pfalz und im Saarland, die Förderschullehramt anbietet. „Eine Zumutung und Unverschämtheit“, hat mir zuletzt erst wieder eine Freundin bei einem Telefonat in die Ohren geschrien. Und sie hat Recht! Auch wenn die Studenten bei ihrer Immatrikulation ein Blatt Papier bekommen, auf dem steht, dass es der Universität vorbehalten ist, einen NC nach dem 4. Semester auf einen überfüllten Schwerpunkt zu setzen, so kann es dennoch nicht sein, dass die Universität sich des Problems die ganze Zeit über bewusst ist, aber nichts daran ändert.

Der Universitätspräsident Roman Heiligenthal hat in einem Interview der Rheinpfalz zugegeben, dass es einige Fehler im System gibt und dass man versuche, das in den Griff zu bekommen. Allerdings könne er die Plätze für das Förderschullehramt nicht um das Doppelte erweitern. Er plädiert daher für das Vorgängersystem des jetzigen Bachelor- und Mastermodells, bei dem man seinen Schwerpunkt bereits am Anfang setzte. Dies würde wohl eine Menge Ärger sparen…

Studieren wird also immer mehr zur Zerreißprobe. Werden einem hier keine Steine in den Weg gelegt, kann es sein, dass sie einem an anderer Stelle regelrecht zwischen die Füße geschmissen werden, wo es gar nicht erwartet wird. So werden zum Beispiel die Wartelisten im Fach Französisch für bestimmte Kurse immer länger, den Master für Lehramt an Gymnasien im Fach katholische und evangelische Religion gibt es nun doch nicht, der Bau eines neuen Laborgebäudes der Umweltwissenschaftler steht ebenfalls unter keinem guten Stern und die Probleme, mit denen KLIPS (Anmerkung des Autors: ein Programm der Universität Koblenz-Landau, das der Anmeldung von Veranstaltungen dient) ab und an für Furore sorgt, gehören auch schon irgendwie zum Alltag.

Ständig regnet es irgendwelche neuen Reformen aus Mainz, wenn man in das neue Semester startet. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es seit meinem Studienbeginn mal nichts von höchster Stelle gegeben hat. Aber anstelle sich die Mühe zu machen und die betreffenden Studenten, deren Alltag das Studium und die damit zusammenhängenden Verpflichtungen hat, zu befragen, fällt den Herrschaften leider nicht ein. Den Bachelor und Master für Gymnasiallehramt in 10 Semestern zu absolvieren, wenn nebenher gleichzeitig noch das Latinum oder Graecum nachzuholen ist, das ist so gut wie unmöglich, wenn ich noch etwas von einem normalen Leben außerhalb der Lernbücher und Vorlesungsräume haben möchte. Die Anforderungen an die Studenten sind gewachsen, der Druck wird immer größer und bei all dem soll man dann noch den Überblick über die sich ständig verändernde Prüfungsordnung behalten.

Studieren kann Spaß machen, da steht außer Frage – und sicher ist nicht jedes Studienfach eine Katastrophe und nicht jede Uni eine Baustelle; ich spreche hier lediglich von den Zuständen, die ich mitbekommen habe. Dass es immer mal Höhen und Tiefen gibt, ist auch mir bewusst. Aber irgendwann will man als Student auch nicht mehr Marionette des politischen Puppentheaters sein. Denn dass es das Chaos gratis zum Studium dazugibt – wie ein Spielzeug beim HappyMeal von McDonalds – steht leider außer Frage…

Eure Lea