Cellulite: Eine Tüte voller Trauben

Kritisch betrachte ich mich im Spiegel, nehme jeden Zentimeter meiner Haut genauestens unter die Lupe. Sieht eigentlich ganz ok aus… Man soll sich ja so lieben, wie man ist, oder? Wenn ich lange Hosen trage, würde ich glatt behaupten, mein Körper und ich führen eine durchaus passable Beziehung. Aber bei näherer Betrachtung, zum Beispiel hier im Badezimmer nach dem Duschen ist das was anderes. Resigniert begutachte ich die unschönen Dellen am Hintern und an den Oberschenkeln. Offensichtlich gehöre ich nicht zu denen, die in der Praxis über dem weiblichen Schönheitsideal stehen. „Orangenhaut“ ist da doch noch eine Verniedlichung, denke ich trotzig.

Der Hintern: Problemzone vieler Frauen - wir zeigen, welche einfachen Tricks gegen Cellulite helfen (Foto:Hans-Peter Reichartz / pixelio.de)

Der Hintern: Problemzone vieler Frauen – wir zeigen, welche einfachen Tricks gegen Cellulite helfen (Foto:Hans-Peter Reichartz / pixelio.de)

Das Problem

Kurze Röcke, Shorts und Bikini geben den Blick frei auf die weibliche Problemzone Haut. Denn die ist – in dem Fall „leider“ – ganz anders gestrickt als beim Mann. Die Haut bei Frauen ist dünner, die Fettzellen darunter dafür dicker. Das kann man sich ähnlich vorstellen wie eine dünne Plastiktüte (Haut) voller Trauben (Fettzellen). Und wie sieht das aus? Richtig: irgendwie hubbelig. Dass sich die Natur dabei etwas gedacht hat – in der Schwangerschaft können sich die durch das Bindegewebe nur locker vernetzten Fettzellen flexibel auf den wachsenden Bauch einstellen – ist für den Moment nur ein schwacher Trost. Soweit das Problem. Kommen wir zur guten Nachricht: Mit nur geringem Zeitaufwand lässt sich Cellulite wesentlich reduzieren. Und so geht´s!

Trick 1: Ein bisschen Sport muss sein

Stellt euch vor ihr habt unter den Trauben in eurer Plastiktüte etwas, das die Trauben von innen nach außen drückt. Die Abstände zwischen den Früchten werden kleiner, die Hubbel außen an der Tüte ebenfalls. Dieses wunderbare Etwas, das da drückt, ist euer Muskel. Besonders effektiv gegen Cellulite soll das sogenannte HIIT-Training sein. Face2Face-Autorin Vritti hat das für euch mal ausprobiert (HIER). Wer jetzt die Augen verdreht, weil er keine Zeit oder auch einfach nur keine Lust auf intensives, schweißtreibende Training hat, den können wir beruhigen. Einmal am Tag die Treppe statt den Aufzug nehmen oder mit dem Fahrrad zur Uni anstatt mit dem Bus ist schon mal ein guter Anfang. Auf YouTube gibt es außerdem zahlreiche Fitness-Videos, die euch in nur 10 bis 15 Minuten tolle Übungen für die betroffenen Körperregionen vermittelt, hier zum Beispiel eines für die Beine und eines für den Hintern*. Wenn ihr die Programme ein paarmal mitgemacht habt, sind die Übungen im Kopf und ihr könnt variieren. Täglich mindestens fünf der Übungen – ob morgens zum Wachwerden oder abends vor dem TV – und ihr legt eine gute Grundlage für eine straffe Haut.

Trick 2: Heißkalte Duschen für eine straffe Haut

Das sogenannte Bindegewebe vernetzt die Fettzellen miteinander – ähnlich wie die Stängel der Trauben in unserem Plastikbeutel. Stärken wir diese Verbindungen, wird das Gewebe stabiler und die sichtbare Haut optisch straffer. Dabei können Wechselduschen hilfreich sein. Aber Vorsicht: Zu heißes und zu kaltes Wasser strapazieren den Kreislauf. Unser Tipp: Bevor ihr aus der Dusche steigt, lasst ihr abwechselnd sehr warmes und kaltes Wasser über die betroffenen Stellen laufen. Drei bis fünf Wechsel genügen. Solange ihr es mit der Temperatur nicht übertreibt, bringt ihr so ganz nebenbei euren Kreislauf in Schwung und fühlt euch anschließend erfrischt und munter – der perfekte Start in den Tag.

Trick 3: Die klassische Orangenhaut-Massage

Teure Cellulite-Cremes? Braucht ihr gar nicht! Eine ganz normale Bodylotion genügt völlig. Denn beim Einreiben der betroffenen Körperstellen geht es weniger um die Inhaltsstoffe der Creme, sondern vielmehr um die Berührung an sich. Klar, die Lotion spendet Feuchtigkeit, aber den größeren Effekt erzielt ihr durch die Massage. Sie fördert die Durchblutung und stärkt so wiederum das Bindegewebe. Dabei dürft ihr ruhig auch ein bisschen grober sein und leicht auf die Haut klopfen oder daran zupfen, bis sie ein bisschen rot wird – das Indiz für eine gute Durchblutung.

*Für die Erwähnung der Videos erhält Face2Face keinerlei Gegenleistung. Es handelt sich um eine persönliche Empfehlung der Autorin dieses Beitrags.

Vorschau: Nächste Woche verrät euch Nina Tricks&Tipps dazu, was ihr mit den Massen an Urlaubsbildern machen könnt.

 

5 Unternehmungstipps für den goldenen Oktober

Die ersten Wollpullover und kuschligen Stricksocken wurden wieder aus den Tiefen der Schränke hervorgeholt, der Regenmantel ist zur Zeit der ständige Begleiter und ein Blick auf die Uhr zu dämmernder Stunde zeigt, dass es, trotz der nun wieder immer früher einsetzenden Dunkelheit eigentlich noch lange nicht Zeit ist, ins Bett zu gehen. Face2Face hat für euch fünf Unternehmungstipps für den Monat Oktober herausgesucht, für die es sich doch lohnt, das Haus auch bei herbstlichem Wind und Wetter zu verlassen. Und wer weiß, vielleicht lässt sich die Sonne auch noch einmal blicken – und dann hat der „goldene Oktober“ auf jeden Fall so einiges zu bieten!

1. Einen Spaziergang im Wald machen

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Lädt mit seiner Farbenpracht zum Spazieren ein: Der Wald im Herbst. (Quelle: twinlili/pixelio.de)

Ganz vorneweg führt ein Spaziergang im Wald die Liste der Dinge an, die man im Oktober unbedingt gemacht haben sollte. In keiner Zeit des Jahres zeigt sich die Natur atemberaubender, als in diesen Wochen. Der langsame Wandel von grün zu einem Meer aus rotbraun und dunklem gelb ist ein Spektakel der Natur und lässt keine Zweifel mehr daran, warum man den zehnten Monat im Jahr auch den „goldenen Oktober“ nennt.

2. ….und dabei Kastanien sammeln

Und was gehört genauso zu einem Waldspaziergang im Oktober? Natürlich, das Kastanien sammeln! Viele kennen die kleinen braunen Kügelchen nur schon fertig geröstet in einer kleinen handlichen Papiertüte auf dem Volksmarkt, aber wohl nur wenige haben diese herbstlichen Köstlichkeiten zuvor aus ihrer stacheligen Hülle befreit! Nach einem ausgiebigen Spaziergang an der frischen Herbstluft die selbstgesammelten Kastanien im Ofen rösten und dann mit den Liebsten eingemummelt in kuschelige Kleidung genießen – so kann man sich mal richtig mit der Natur verbunden fühlen!

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Gehört zu den „Klassikern“ im Herbst: Das Drachen steigen lassen. (Quelle: Rike/pixelio.de)

3. Einen Drachen steigen lassen

Ebenfalls nicht von einer echt herbstlichen „To-Do-Liste“ wegzudenken ist selbstverständlich das Drachen steigen lassen! Zugegeben, diese Aktivität verbindet man zuerst einmal mit kleinen Kindern, die mehr oder weniger erfolglos versuchen, einen widerspenstigen Drachen unter ihre Kontrolle zu bringen. Meist endet der Versuch mit einem schreienden Kind und einem hoffnungslos verhedderten Drachen-Schnur-Gebilde. ABER: Sich auch im „Erwachsenenalter“ mal an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen und sich auch einfach mal wieder wie ein Kind zu fühlen tut jedem einmal gut! Also, schnappt euch eure Freunde und lasst das innere Kind mal wieder mitsamt einem – hoffentlich fliegenden – Drachen in die Lüfte steigen!

4. Das Oktoberfest besuchen

Es ist aus dem Monat, nach dem es benannt ist, nicht mehr wegzudenken: Das Oktoberfest. Schon Wochen zuvor sind bereits die Dirndl, Lederhosen, Stulpen, Trachtentaschen und was nicht noch alles zur perfekten Ausstattung von „Bua“ und „Madl“ gehört in den Schaufenstern zu bewundern und sobald es dann am Eröffnungstag heißt „O zapft is!“ kennt der „Wiesn-Wahnsinn“ kein Halten mehr! Tausende von Menschen konsumieren abertausende von Litern Bier, sitzen gemeinsam zu Blasmusik in einem rießigen Zelt, schunkeln und haben einfach eine schöne Zeit. Dazu noch ein „Lammhax’n“ oder ein „Brathendl“ und die Welt auf der Wiesn ist in Ordnung! Und als kleiner Tipp: Wem es zu weit ist, den Weg in die Hauptstadt Bayerns auf sich zu nehmen – inzwischen gibt es ja beinahe in jedem kleinen Dorf ein eigenes Oktoberfest. Zwar nicht das Original, aber Dirndl, Lederhosen, Bier und freudige Stimmung sollte auch dort zu finden sein.

5. Sich mal wieder so richtig verwöhnen (lassen)

Und wenn man dann von den ganzen Aktivitäten völlig ausgepowert ist folgt zu guter Letzt natürlich auch noch der gute Rat, sich mal wieder so richtig verwöhnen zu lassen! Unsere Haut ist von der vielen Sonne im Sommer schon ganz strapaziert und sollte besser auf die Zeit mit Heizungsluft und spröden Lippen vorbereitet werden. Welche Zeit eignet sich also besser zum Verwöhnen als der Übergang von Sommer in Winter? Dabei muss es nicht einmal das deluxe Wellness-Wochenende im fünf-Sterne Hotel mit zwanzig Beauty-Behandlungen sein! Wir hetzen meist so durch den Alltag, dass wir völlig vergessen, dass man sich zwischendurch auch mal wieder etwas Gutes tun muss, um fit zu bleiben. Also, wie wäre es mal mit einem Massage-Termin, einer kleinen Kosmetik-Behandlung oder einfach einem Wellness-Abend mit der besten Freundin? Danach fühlt man sich vom Stress erholt, die Energiereserven sind aufgetankt und man kann auch ohne Winterschlaf auch die kälteren Jahreszeiten gut überstehen.

Vorschau: Im nächsten Artikel wird über ein Projekt der Uni Leipzig, das Videospiele sammelt, berichtet werden.

Ätherische Öle und ihre Wirkung

Sieht den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele: Heilpraktiker Franz Hanus (Foto: privat)

Bereits seit 1983 praktiziert Franz Hanus in seiner eigenen Praxis in Ludwigshafen am Rhein. Der gelernte Physiotherapeut und Heilpraktiker hat sich unter anderem auf die Therapie mit ätherischen Ölen spezialisiert. Welche Öle die Gesundheit positiv beeinflussen, wie man sie gezielt einsetzt und wo man sie erhält hat er uns im exklusiven Face2Face-Interview verraten.

Face2Face: Wie sind sie auf die Idee gekommen Heilpraktiker und Physiotherapeut zu werden?
Hanus:
Schon in meiner Kindheit bin ich in Berührung mit der Naturheilkunde gekommen. Meine Mutter war Schneiderin und Krankenschwester und setzte bei Kindererkrankungen oft Kräuter und andere Methoden wie zum Beispiel Schröpfen, Injektionen und Lymphdrainagen ein. 1977 wurde ich durch das Buch eines Heilpraktikers auf den Beruf aufmerksam. So begann ich 1978 mit der Ausbildung in Mannheim. Zwei Jahre später habe ich die Ausbildung zum Physiotherapeuten in Worms begonnen. Anschließend machte ich ein achtzehnmonatiges Praktikum im St. Marienkrankenhaus in Ludwigshafen. Nach dem Praktikum in einer Naturheilpraxis in Bad Dürkheim eröffnete ich 1983 schließlich meine eigene Praxis.

Face2Face: Was sind die Aufgaben eines Heilpraktikers?
Hanus: Die Aufgabe eines Heilpraktikers ist es in Zusammenarbeit mit dem Patienten, der als Einheit von Körper, Geist und Seele betrachtet wird, Ursachefaktoren der Erkrankung zu erkennen, sowie eine Linderung oder Heilung von Krankheiten und Beschwerden, zu erreichen.
Mit Hilfe von Naturheilverfahren wie beispielsweise Homöopathie, Heilpflanzenkunde, Akupunktur, Chiropraktik, physikalische Therapien, Aromatherapie, Ernährung und gesunder Lebensführung, kann man die Heilungskräfte des Körpers unterstützen.

Als Öl optimal für die Duftlampe geeignet: Die Rose (Foto: Hanus)

Face2Face: Wie können ätherische Öle konsumiert werden?
Hanus: Ätherische Öle und Aromamassageöle kann man auch zuhause anwenden. Für die Anwendung benötigt man eine Duftlampe,  naturreine ätherische Öle, zum Beispiel Lavendel-, Salbei-, Ylang-Ylang-, oder Rosenöl. Es kommen zwei bis vier Tropfen Öl ins Wasser.
Für Aromamassagen benötigt man Trägeröle – wenn möglich kaltgepresst aus biologischem Anbau, beispielsweise Mandelöl, Arganöl, Jojobaöl oder Traubenkernöl. Zur Anwendung mischt man zwei bis sechs Tropfen eines Heilpflanzneöls, zum Beispiel Johanniskraut-, Arnika- oder Ringelblumenöl mit 50 Milliliter Trägeröl. Besondere Öle wie Nachtkerzenöl und Fischöl können in Kapselform konsumiert werden. Walnussöl, Olivenöl und Leinsamenöl sind sehr gut für Salate geeignet.

Face2Face: Wie genau wirken ätherische Öle?
Hanus: Zwei Tropfen Rosenöl und fünf Tropfen Lavendelöl in einer Duftlampe wirken beispielsweise allein durch Riechen antidepressiv, beruhigend und harmonisierend auf das Nervensystem. Die Duftstoffmoleküle lösen diese Wirkung über die Riechrezeptoren  und  Riechkolben  in bestimmten Hirnarealen aus. Zur äußerlichen Anwendung werden ätherische Öle mit Trägerölen gemischt, zum Beispiel Mandelöl  und Avocadoöl. Diese werden dann durch die Haut aufgenommen und entfalten dort ihre Wirkstoffe. Walnussöl, Leinöl und Fischöl sind reich an Ommega-3-Fettsäuren. Sie senken den Cholesterinspiegel, den Blutdruck und beugen Arterienverkalkung vor.

Face2Face: Sind ätherische Öle und ihre Verwendung eher etwas für ältere Menschen?
Hanus: Das Alter spielt keine Rolle bei der Anwendung von ätherischen Ölen. Die Öle müssen nur entsprechend dem Alter ausgewählt und dosiert werden. Bei Bauchkoliken von Babys kann man beispielsweise ein bis zwei Tropfen Fenchelöl sanft auf dem Bauch einmassieren. Rosmarinöl kann man hingegen bei Kreislaufschwäche älterer Menschen auf die Brust mit Trägeröl einmassieren. Allergien und Kontraindikationen müssen ausgeschlossen werden können.

Nicht nur bei Hummeln beliebt: Lavendel (Foto: Hanus)

Face2Face: Wie viel kosten ätherische Öle und wo kann man sie kaufen?
Hanus: Ätherische Öle kann man in der Apotheke, Reformhäusern und bei „Alnatura“ kaufen. Im Durchschnitt kosten zehn Milliliter ätherische Öle etwa vier bis acht Euro,  100 Milliliter Trägeröle etwa drei bis acht Euro.

Face2Face: Können Sie ein paar Fallbeispiele nennen, bei denen Sie Patienten mithilfe von ätherischen Ölen helfen konnten?
Hanus: Positive Auswirkungen auf die Heilung konnte ich beispielsweise mit Nachtkerzenöl und Phönix Kalantol-Balsam bei einem 56-jährigen Patienten mit Neurodermitis erzielen. Einem 17-jährigen konnte ich mittels Teebaumöl bei der Bekämpfung seiner Pickel und einem 45-jährigen Patienten bei dessen Weichteilrheumatismus mit Muskelschmerzen helfen. Ihn therapierte ich mit Weihrauch-, Fisch und Dolocyl-Öl.

Face2Face: Welche drei Öle dürfen Ihrer Meinung nach in keinem Haushalt fehlen?
Hanus: Olivenöl, Walnussöl, Leinöl oder Rapsöl – möglichst frisch und kaltgepresst – sind Speiseöle. Sie sind besonders reich an essentieller Omega-3-Fettsäure und sollten in jeder guten Küche vorhanden sein. Ansonsten benutze ich auch gerne Fischöl, Walnussöl, Olivenöl, Lavendelöl, Rosenöl, sowie aus der Apotheke Dolocyl-Öl,  Kalantol Harmonie-Öl, Kalantol Balsam-Öl und Johanniskrautöl.

Face2Face: Haben Sie Literaturtipps zum Thema ätherische Öle für unsere Leser?
Hanus: Sehr empfehlenswert sind die folgenden Werke: „Aromatherapie“ von Dietrich Wabner und Kristiane Beier, erschienen im „Urban & Fischer“-Verlag, „Die heilende Energie der ätherischen Öle“ von Gerti Samel und Barbara Krähmer, erschienen im „Südwest“-Verlag und „Praxisbuch der Heilenden Öle“, geschrieben von Norbert Messing, „Peter Erd“-Verlag.

Kontakt:
Franz Hanus, Heilpraktiker
Tiroler Straße 43
67067 Ludwigshafen
Tel.: 0621/559577
Fax: 0621/559535

Vorschau: Wie hält man eine Beziehung jung und frisch? Mit was kann man dem Partner eine Freude machen? Diese und weitere Fragen werden Melanie und Gülcin nächsten Sonntag im Rahmen einer Umfrage für euch klären.

Wo Urlaubsträume wahrwerden: Koh Samui, Thailand – Teil 1

Ein Traum: Koh Samuis Strände und Palmen (Foto: T. Gartner)

Palmengesäumte, kristallklare Buchten, schneeweiße, puderweiche Strände, tropische Wälder – Thailand ist ein Urlaubsziel par excellence. Ein Musterbeispiel für das paradiesische Flair des Landes ist die mit 254 Quadratkilometern drittgrößte Insel im Golf von Thailand: Koh Samui. Ob Kultur oder Action – hier kommt garantiert jeder Tourist auf seine Kosten. Besonderes Highlight: Das Nachtleben der Insel.

 „400 Baht“, sagt der höchsten 15-jährige Thaijunge auf Englisch. Um sicher zu gehen, dass sein Gegenüber – ein braunhaariger, junger Mann mit auffallend blauen Augen – das Angebot auch verstanden hat, streckt ihm der minderjährige Verkäufer einen Taschenrechner mit dem eingetippten Betrag darauf entgegen. „Oh, very expensive“, erwidert der potentielle Käufer und legt das Objekt seiner Begierde – eine „Ray Ban“-Sonnenbrille in knalligem Rot – zurück auf die provisorisch gefertigte Ablage. Seine weibliche Begleitung – eine zierliche Frau mit Blümchenkleid und Flip Flops – steht ratlos daneben. „350 – last price“, lautet die Antwort des Verkäufers wie aus der Pistole geschossen. Das herzliche Lächeln ist aus seinem Gesicht verschwunden. Ein um Mitleid heischender Blick, der es selbst mit dem der umherstreunenden Katzen und Hunde aufnehmen könnte, macht sich in seinem runden und von der Sonne braungebranntem Gesicht breit. „350?“, wiederholt der Tourist und legt die Stirn in Falten bis er schließlich sagt: „No, thank you. Maybe we come back later.“ Er greift seine verdutzte Freundin bei der Hand und zieht sie aus dem Laden. Kaum sind die beiden nicht mehr zu sehen, kommt wieder Leben in den Verkäufer. „I give it to you for 300? Okay? 300?“, ruft er hektisch hinter dem Pärchen her. Als hätte er nur darauf gewartet, kommt der anscheinend doch an der Sonnenbrille interessierte Tourist zurück in das Geschäft, kauft diese für umgerechnet etwa sechs Euro und zieht mit seiner verblüfften Freundin von Dannen.

(Noch) wie ausgestorben: Die Chaweng Road am Mittag (Foto: T. Gartner)

 Hier also Tipp Nummer eins: Handeln, handeln und nochmal handeln! Auch wenn es immer wieder Verkäufer gibt, die sich zumindest vorerst nicht auf einen niedrigeren Preis einlassen wollen, spätestens beim angedrohten oder tatsächlichen Verlassen des Ladens, gehen die meisten doch darauf ein. Das soll nun nicht heißen, dass man die Einheimischen gezielt und hinterhältig abzocken soll. Da viele KellnerInnen ausschließlich am Trinkgeld verdienen, sollte ein besonders herausragender Service, beispielsweise bei einem Restaurantbesuch, angemessen entlohnt werden.

 Das finden auch die beiden Touristen. Sie seien bereits das zweite Mal auf Koh Samui, erzählt das Paar aus Deutschland. Der Grund: „Zum einen ist es preislich akzeptabel und noch dazu hat es uns sehr gut gefallen. Zum andern haben wir beim letzten Mal noch nicht alles gesehen und unternommen, was wir ursprünglich vorhatten“, erklärt der 24-jährige Thomas. „Die Leute hier sind sehr freundlich und lächeln eigentlich immer“, fügt seine 21-jährige Freundin Jessica an, „gute Laune ist ja bekanntlich ansteckend.“ Auf die Frage, was sie am heutigen Abend noch vorhaben, antworten sie: „Vielleicht lassen wir uns noch massieren. Jetzt gehen wir aber erst einmal etwas essen.“ Das Restaurant „Ninja Crepes“ sei eine der besten Adressen, wenn es um niedrige Preise und ein vielfältiges und gutes Speisenangebot ginge, erzählen die beiden. „Plastikstühle und –tische, Klopapier als Servietten – dort ist alles noch original. Wenn ich schick essen gehen will, kann ich auch in Deutschland bleiben“, sagt Thomas. Und schon ist das Pärchen im Getümmel der belebten Chaweng Road verschwunden.

 Die eher schlecht als recht zusammengehaltenen Bürgersteige der Haupteinkaufsstraße Samuis werden gesäumt von unzähligen, winzigen Boutiquen – falls der Großteil davon diese Bezeichnung überhaupt verdient hat, denn nur die wenigsten der kleinen Geschäfte besitzen eine gläserne Tür oder überhaupt Türen. An den Wänden der zur Straße hin offenen Shops hängen Bikinis in allen erdenklichen Formen und Farben, karierte Badeshorts, geblümte Kleidchen und Tunikas in Leopardenoptik. Logos bekannter und vor allem teurer Modelabels schmücken ebenso die T-Shirts wie die Konterfeis Prominenter, wie Heidi Klum oder Kanye West. Auf den Tischen am Straßenrand präsentieren Einheimische handgefertigten Perlen- und Muschelschmuck, sowie farbenfrohe, selbst geschnitzte Seifen in Form der landestypischen Orchidee oder anderer exotischer Blumen. Aber auch Schlagringe, Wurfsterne und andere hierzulande verbotene Waffen stehen hier frei zum Verkauf.

Appetitlich anzusehen: Die Auslage eines Restaurants (Foto: T. Gartner)

 Die zahlreichen Restaurants haben ihre Auslagen mit dem Fang des Tages bestückt: Red Snapper, Baracuda und gelegentlich auch mal ein kleiner Hai machen es sich zwischen Unmengen an Eiswürfeln und bunter Gemüse-Deko bequem. Der Duft von frisch Gegrilltem liegt in der warm-feuchten Luft.

 Vorsicht ist jedoch beim Überqueren der Straßen geboten: Grundsätzlich ohne Helm, gelegentlich auch mal ohne Licht, dafür aber mit zwei bis drei Mitfahrern (Anmerkung der Autorin: der von mir persönlich bezeugte Rekord liegt bei sagenhaften fünf Personen auf einem Roller) – das kann dann gerne auch mal der Hund oder das eigenen Baby sein. Wenn es um ihre Motorroller geht, kennen die Thais auf Samui keine Regeln. Angeblich sterben dort  jährlich mehr Menschen bei Verkehrsunfällen als sonst irgendwo in Thailand. Daher Tipp Nummer zwei: Sollte man beim Rollerverleih einen Helm angeboten bekommen, selbst wenn dieser noch so bescheiden aussieht: unbedingt annehmen. Ebenfalls gut zu wissen: Auf Koh Samui herrscht Linksverkehr. Nebenbei bemerkt gibt es aber noch einige weitere Verkehrsregeln, die scheinbar nur die Einheimischen wirklich durchschauen.

 Und weiter geht es die Chaweng Road entlang. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, der Wortschatz der thailändischen Bevölkerung auf Samui beschränke sich nur auf ein paar wenige, zumeist englische Wörter. Barbecue, Seafood, Thai-Massage und Happy Hour sind nur einige dieser Begriffe, die man alle zwei Meter zu hören bekommt und die wie in einer Endlosschleife wiederholt werden. Besonders hartnäckig sind jedoch die größtenteils indisch-stämmigen Schneider, die ihre „Armani“-Anzüge an den Mann bringen wollen. Einige haben neben der klassischen „My friend“-Anrede auch ein paar Brocken Deutsch gelernt, um potentielle Kunden zu beeindrucken.

Wunderschön anzusehen: Orchideen wachsen auf Koh Samui so gut wie überall und werden vor allem als Deko, unter anderem bei Cocktails verwendet (Foto: T. Gartner)

 Stichwort: “My friend“. Das ist der Titel einer großen Massagesalon-Kette. Insgesamt viermal in der Chaweng Road vertreten, werden hier neben der traditionellen Thai-Massage auch andere Behandlungen, wie Pediküre, Maniküre und Waxing angeboten. Was die „My friend“-Massagesalons so besonders macht: Nicht nur die Outfits der Angestellten – alle tragen wenig dezentes Orange – sondern auch die Bildungswege und erlangten Zertifikate sind einheitlich, was beim Großteil der übrigen Massagesalons Koh Samuis nicht nachvollziehbar ist.

 An dieser Stelle nun Tipp Nummer drei für alle Liebhaberinnen aufwendiger Hochsteckfrisuren: Da so gut wie jede Massage – ja selbst die Fußreflexzonen-Massage – eine kurze Behandlung von Nacken, Schultern und Kopf beinhaltet, ist es wenig empfehlenswert mit liebevoll geflochtener, gedrehter oder sonst wie zusammengebastelter Haarpracht einen Massagesalon zu besuchen. Die Masseurinnen werden ihr Programm ohne Rücksicht auf Verluste durchziehen. Selbige Warnung gilt übrigens auch für Sonnenbrand.

 Innen im Massagesalon liegen die Touristen auf weißen, gut gepolsterten Sesseln, während die kleinen Thailänderinnen mit Massageölflaschen und sonstigem Zubehör in den Händen geschäftig, aber möglichst leise um sie herum huschen. Durch die große Glasscheibe kann man die entspannten, teilweise auch schmerzverzerrten Gesichter der Urlauber beobachten. Bei jedem Öffnen der Türe strömt dem Vorbeigehenden ein eiskalter Lufthauch, versetzt mit den erfrischenden Duft von Root Beer entgegen. Im oberen Stockwerk des Gebäudes und von der Straße nicht einsehbar treffen wir Thomas und Jessica wieder. Die beiden gönnen sich eine traditionelle Thaimassage. Und wie man es aus abenteuerlichen Geschichten kennt: Auf Thomas´ Rücken spaziert eine Masseurinnen herum als sei es das Gewöhnlichste auf der Welt. „Jetzt ist es leicht schmerzhaft. Später fühlt es sich einfach nur gut an“, sagt der junge Mann und schließt entspannt die Augen.

Vorschau: Für alle, die jetzt das Reisefieber gepackt hat, gibt es nächste Woche konkrete Tipps zu Buchung, Hotel, Ausgehmöglichkeiten, Touren und und und auf Koh Samui. Zu Teil 2 geht es hier.