Auch ohne Reus jede Menge Qualität

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hat am gestrigen Dienstag seinen endgültigen 23-köpfigen Kader für die anstehende Europameisterschaft (10. Juni – 10. Juli) in Frankreich benennen müssen. Mit der verletzungsbedingten Streichung von Marco Reus sorgte Löw für Aufsehen. Die F2F-Sportredaktion nimmt die EM-Fahrer mal genauer unter die Lupe.

Tor: Mit Manuel Neuer steht der wohl aktuell beste Torwart seiner Zunft zwischen den Pfosten. Seine Vertreter und gleichzeitigen EM-Debütanten Bernd Leno und Marc-André ter Stegen besitzen eine Menge Potenzial. Leno verdiente sich die Nominierung aufgrund seiner starken Leistungen am Ende der gerade abgelaufenen Bundesligasaison. Auch ter Stegen ist ein echter Meister seines Fachs, gewann 2015 mit dem FC Barcelona souverän die Champions League und wird nicht umsonst mit „Torwart-Titan“ Oliver Kahn verglichen. Das Kuriose: Mit dem Bundesadler auf der Brust machte der gebürtige Mönchengladbacher bislang alles andere als eine gute Figur. Erst bei der jüngsten 1:3-Testspielniederlage gegen die Slowakei rutschte ihm der Ball ungeschickt durch die Hände, um dann zwischen seinen Beinen hindurch die Torlinie zu überschreiten. Kleines Trostpflaster: Er konnte in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien einen Elfmeter von Lionel Messi sehenswert parieren.

Abwehr: Hier musste lediglich der als pflegeleicht und universell einsetzbar geltende Sebastian Rudy seine EM-Träume zu den Akten legen. Ansonsten verkörpert der Defensivverbund um Jérome Boateng, Jonas Hector, Benedikt Höwedes, Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger, Emre Can und dem noch angeschlagenen Mats Hummels jede Menge Qualität. Was außerdem Mut macht: Die Prognose für eine baldige Genesung des Weltklasseinnenverteidigers Hummels sind durchweg positiv. „Bei Mats wird es zwar noch ein paar Tage dauern, aber auch er wird uns beim Turnier zur Verfügung stehen“, ließ Löw verkünden.

Mittelfeld: Beim Turnier zur Verfügung stehen wird wohl auch Bastian Schweinsteiger. Der Held von Rio ist laut dem Bundestrainer „voll belastbar“ und trainiert bereits wieder mit der Mannschaft. Doch egal ob fit oder nicht. Auf die Führungsqualitäten eines Schweinsteigers kann der Löw bei so einem Turnier schlicht und ergreifend nicht verzichten. Somit ist die Nominierung völlig nachvollziehbar, selbst, wenn der Kapitän erst nach den drei Gruppenspielen bei 100 Prozent sein sollte. Die tragische Figur dagegen ist und bleibt Marco Reus. Der vom Boulevard aufgrund seines Fahrens ohne Führerscheins verschriene „Raser Reus“, drückt vor den großen Turnieren regelmäßig kräftig auf die Bremse. Verletzte sich der Star von Borussia Dortmund vor der WM 2014 schwer am Syndesmoseband, machen ihm nun langwierige Beschwerden an den Adduktoren Probleme. „Er hat massive gesundheitliche Probleme und kann im Moment nur geradeaus laufen“, sagte Löw. „Die Mediziner waren äußerst skeptisch, dass er in den nächsten Woche bei einem zehrenden Turnier voll belastet werden kann“, ergänzte er. So schlimm das auch für Reus ist, so gefasst kann Löw auf das Aus seines Tempodribblers reagieren. Die Qualität auf den offensiven Außenbahnen ist auch ohne Reus immer noch sehr hoch. André Schürrle zeigt klar ansteigende Form, Julian Draxler will endlich den internationalen Durchbruch schaffen, Leroy Sané ist ein großes Versprechen für die Zukunft und auch der schon fälschlicherweise zu oft abgeschriebene Veteran Lukas Podolski kann seine Qualitäten in die Mannschaft einbringen. Mit dem aktuellen Champions-League-Sieger Toni Kroos und Sami Khedira verfügt Deutschland außerdem über zwei echte Anführer und Taktgeber im defensiven Mittelfeld. Der bei Bayern München in dieser Saison oft verschmähte Mario Götze könnte auf der zehner Position seinen großen Auftritt haben, wenn Arsenal-Star Mesut Özil bei dem Turnier nicht so zünden sollte wie zuletzt im Verein. Die ebenfalls gestrichenen Julian Brandt und Karim Bellarabi (beide Bayer Leverkusen) werden laut Löw auch in den nächsten Monaten und Jahren noch eine Rolle bei der Nationalmannschaft spielen. Für sie nominierte der Bundestrainer Julian Weigl und Joshua Kimmich und entschied sich somit für die großen Entwicklungsmöglichkeiten der Beiden.

Angriff: Klar hätte man Thomas Müller auch bereits schon im Mittelfeld aufzählen können. Ein Thomas Müller in Topform ist schließlich überall auf dem Platz zu finden. Da er aber aller Voraussicht nach wieder für die Tore der DFB-Elf verantwortlich sein wird, fühlt er sich hier bestimmt auch recht wohl. Ganz alleine ist der Thomas ja auch nicht. Mario Gomez, der beim Weltmeistertriumph 2014 wegen anhaltender Formschwäche fehlte, leistet ihm Gesellschaft. Der bullige Mittelstürmer, der bei Besiktas Istanbul zu seiner alten Stärke gefunden hat und mit 26 Treffern Torschützenkönig in der Türkei wurde, könnte ein wichtiger Mosaikstein im taktischen Gebilde des Bundestrainers sein. Vor allem gegen die in den Gruppenbegegnungen tief stehenden Ukrainer (12.06., 21 Uhr) und Nordiren (21.06. 18 Uhr) kann Gomez seine Kopfballstärke einbringen.

Der Kader im Gesamtüberblick:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München, 64 Länderspiele/0 Tore), Bernd Leno (Bayer Leverkusen, 1/0), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona, 6/0)

Abwehr: Jérome Boateng (FC Bayern München, 58/0), Emre Can (FC Liverpool, 5/0), Jonas Hector (1. FC Köln, 13/1), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04, 33/2), Mats Hummels (Borussia Dortmund, 46/4), Shkodran Mustafi (FC Valencia, 10/0), Antonio Rüdiger (AS Rom, 10/0)

Mittelfeld:  Sami Khedira (Juventus Turin, 59/5), Toni Kroos (Real Madrid, 64/11), Bastian Schweinsteiger (Manchester United, 114/23), Julian Draxler (VfL Wolfsburg, 18/1), Joshua Kimmich (FC Bayern München, 1/0), Mario Götze (FC Bayern München, 51/17), Mesut Özil (FC Arsenal London, 72/19), André Schürrle (VfL Wolfsburg, 51/20), Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul, 127/48), Julian Weigl (Borussia Dortmund, 1/0), Leroy Sané FC (FC Schalke 04, 2/0)

Angriff: Thomas Müller (FC Bayern München, 70/31), Mario Gomez (Besiktas Istanbul, 63/27)

Vorschau: Nächste Woche ist bei Face2Face mal wieder etwas Platz für ein bisschen Satire.          

Enger Kampf ums Halbfinalticket

Heute erwartet Fußballdeutschland ein echter Pokalhochgenuss! Wenn um 20:30 Uhr der FC Bayern München den deutschen Meister Borussia Dortmund in der heimischen Allianz Arena empfängt, werden Millionen von Fußballbegeisterten vor den Fernsehgeräten platz nehmen. Das letztjährige DFB-Pokalfinale findet in dieser Saison bereits im Viertelfinale statt. Face2Face macht wenige Stunden vor dem Anpfiff eine Analyse, wer beim Kampf um das Halbfinalticket die Nase vorne hat.

Die Abwehr: Bayern München stellt mit gerade einmal acht Gegentoren den besten Defensivverbund Europas. Mit dem Brasilianer Dante bekamen die Münchner einen echten Stabilisator in die Mannschaft. Selbst den Ausfall von Nationalverteidiger Holger Badstuber konnte die Abwehrreihe problemlos kompensieren. Ein Gegentor gegen diese „Mauer“ zu schießen ist schwierig, bei einem engen Spielgeschehen fast unmöglich.

Die Dortmunder haben im Gegensatz zur vergangenen Saison etwas Probleme in der Defensive. 23 Spieltagen stehen 27 Gegentore gegenüber. Zum Vergleich: Nach den gesamten 34 Spieltagen der vergangen Saison musste der BVB nur 25 Gegentore hinnehmen. Dennoch stellt die Borussia mit Marcel Schmelzer, Mats Hummels, Neven Subotic und Lukas Piszeck viel Qualität und die drittbeste Abwehrreihe der Bundesliga auf den Platz.
Vorteil: Bayern München

Das Mittelfeld: Beim FCB drängen sich mit Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Toni Kroos, Frank Ribéry und Arjen Robben nur so die Superstars im Mittelfeld. Klar, dass es da auch mal zu unzufriedenen Gesichtern kommt. Zuletzt beim Holländer Robben zu sehen, der sich über sein andauerndes Reservistendasein beschwerte. Beim Pokalknaller wird der Flügelflitzer aber wieder von Beginn an auf dem Platz stehen. Er ersetzt den gesperrten Ribéry.

Beim deutschen Meister muss sich das Traumduo Mario Götze/Marco Reus sicher nicht vor der bayrischen Flügelzange Ribéry/Robben verstecken. Auch der Pole Jakub Blaszczykowski hat schon mehrmals bewiesen, dass er das Zünglein an der Wage sein kann. Mit Ilkay Gündogan, Sebastian Kehl, Sven Bender, Moritz Leitner und Rückkehrer Nuri Sahin besitz der BVB ein Überangebot an hochkarätigen Spielern auf der sogenannten Sechserposition, bei dem jeder, jeden nahezu gleichwertig ersetzen kann.
Vorteil: Unentschieden 

Der Sturm: Mario Gomez, Mario Mandzukic, Claudio Pizzaro – Namen, die das Herz eines Fußballbegeisterten höher schlagen lassen. Der FCB verfügt im Angriff über drei hervorragende Angreifer. Mandzukic führt zusammen mit dem Leverkusener Stefan Kießling die Torschützenliste an. Nationalspieler Gomez scheint ohnehin eine Torgarantie gepachtet zu haben und auch der Peruaner Pizarro ist immer für einen Treffer gut. Egal wer aus diesem Trio spielt: Bayern ist im Sturm immer Top besetzt.

Auch Dortmund hat mit Robert Lewandowski eine Granate im Angriff zu verzeichnen. Kein Wunder, dass sich schon seit Wochen hartnäckige Gerüchte um ein Münchner Werben für den Polen halten. Doch hinter dem Torjäger ist mit Julian Schieber nicht die gleiche Qualität vorhanden, wie beim FC Bayern. Glück für die Borussia, dass auch ein Götze oder Reus diese Position erfolgreich ausführen können.
Vorteil: Unentschieden

Die Bank: Die Münchener haben aus den vergangenen beiden Jahren, und vor allem aus dem Champions League-Finale, gelernt und in dieser Saison ihre Bank deutlich aufgebessert. Wer es sich leisten kann einen Spieler vom  Format eines Robben oder Gomez auf die Bank zu setzen, der hat alles, nur keine schwachen Alternativen. Auch die Reservisten im Mittelfeld oder der Abwehr hätten bei anderen Bundesligisten einen Stammplatz sicher.

Bis auf die starken Ersatzspieler im Mittelfeld, ist beim BVB ein Qualitätsabfall auf der Bank zu verzeichnen. Sollte etwa ein Außenverteidiger oder Lewandowksi mal ausfallen, steht kein gleichwertiger Ersatz parat und Trainer Jürgen Klopp wäre zum Experimentieren gezwungen.
Vorteil: Bayern München

Fazit: Von der Papierform her geht der FC Bayern München als Favorit in die Begegnung. Wer zu Hause spielt und die Liga mit 17 Punkten Vorsprung anführt, kann sich dagegen auch kaum erwehren. Allerdings ist die Borussia aus Dortmund der Angstgegner der Münchener. Dass die Schwarz-Gelben in der Allianz Arena bestehen können, haben sie in den letzten Auftritten dort eindrucksvoll bewiesen. Somit wird dieses Pokal-Viertelfinale eine ganz enge Kiste, bei der Nuancen den Unterschied zwischen Sieger und Verlierer ausmachen können. Auch eine Entscheidung durch Elfmeterschießen ist durchaus zu erwarten.

Vorschau:  Nächste Woche erscheint ein Nachbericht über die nordische Ski-WM in Italien.

Die große Bundesliga-Analyse

Die Hinrunde der Fußballsaison 2011/2012 ist seit dem vergangenen Wochenende (18.12.) vorbei. Wie bereits in den Jahren zuvor gab es auch in dieser Hinrunde wieder viele Überraschungen, turbulente Ereignisse, Neuentdeckungen und Enttäuschungen. Face2Face fasst für euch das Wesentliche zusammen.

Die Spieler:

Die Entdeckung… der Hinrunde ist ohne Frage Bernd Leno von Bayer 04 Leverkusen. Nach Einsätzen in der dritten Liga des VfB Stuttgart avancierte Leno zum Bayer-Stammkeeper und zeigte sogar auf der großen Champions-League-Bühne hervorragende Leistungen. Dafür war Leverkusen bereit einiges zu bezahlen und griff für den talentierten Torhüter tief in die Tasche. Gute 7,5 Millionen Euro überwies der Vizemeister an den VfB Stuttgart und konnte Leno nach langem Poker bis 2017 verpflichten.
Den größten Entwicklungsschritt… hat ohne Zweifel Marco Reus vollzogen. Der Wirbelwind erzielte allein im November sieben Tore in drei Spielen und war die Seele seines Teams Borussia Mönchengladbach. Mit dem 22-Jährigen an der Spitze drang der fünfmalige Meister aus Mönchengladbach auf den vierten Tabellenplatz – eine Platzierung die vor dieser Hinrunde nicht mal die kühnsten Gladbach-Optimisten für möglich gehalten hätten.
Der Unverzichtbare… Faktor der Hinrunde war Lukas Podolski. Der 95-fache Nationalspieler spielte die beste Halbserie seiner Karriere. 14 Tore und fünf Torvorlagen stehen auf seiner persönlichen Habenseite. Kein anderer Verein war von einem einzigen Spieler so abhängig wie der 1. FC Köln von ihrem „Prinz Poldi“.
Der Torjäger der Hinrunde ist Mario Gomez vom FC Bayern München. Der Torschützenkönig der vergangenen Saison trifft mit seinen bereits 16 Saisontreffern fast nach Belieben – dazu kommen noch ein Tor im Pokal, zwei Treffer in der Nationalmannschaft und sieben in der Champions League.

Die Trainer:

Der Aufsteiger… unter den Übungsleitern ist ohne Frage Lucien Favre von Borussia Mönchengladbach. Der Schweizer hat die „Fohlen-Elf“ vom Fast-Absteiger zum Champions-League-Anwärter gemacht. Als der Trainer die Borussia im Februar diesen Jahres übernahm, lag der Verein abgeschlagen am Tabellenende. Doch Favre brachte Gladbach mit harter Hand wieder auf Kurs. Zuerst vermied er den Abstieg in der Relegation, danach startete sein Team in eine traumhafte Halbserie.
Der richtige… Trainer für den FC Bayern München wurde in Jupp Heynckes gefunden. Die FCB-Verantwortlichen machten beim Nachfolger für den im Frühjahr untragbar gewordenen Louis Van Gaal alles richtig. Nachdem „Don Jupp“ die unübersehbaren Schwächen in der Defensive durch namhafte und gleichzeitig auch sehr teure Neuzugänge ausmerzte, führte er die Bayern neben der Herbstmeisterschaft auch souverän ins Achtelfinale der Champions League.
Der Unbelehrbare…ist auch in der abgelaufenen Hinrunde Wolfsburgs Alleinherrscher Felix Magath. Der Trainer-Manager hat ein großes Problem: seine miserable wie unverständliche Transferpolitik. Im vergangenen Sommer gab er 21 Millionen Euro für zwölf (!) neue Spieler aus, während elf Akteure den Verein verlassen mussten. Ein enttäuschender zwölfter Platz und eine Mannschaft, die jegliche Homogenität vermissen lässt ist das ernüchternde Ergebnis. Da aber Magath genauso eine Schwäche für neue Spieler, wie Frauen für Schuhe haben, hat der Trainer bereits einen Weg aus der Krise gefunden. Er kauft einfach neue Spieler. Hauptsponsor VW wird dafür noch einmal richtig die Geldschatulle öffnen.

Außerdem:

Einen unerwarteten Rückschlag… musste der FC Schalke 04 hinnehmen. Am 22.September traf Ralf Ragnick wegen eines Burn-out-Syndroms als Trainer der Knappen zurück – ein Schlag für Schalke und ganz Fußball-Deutschland. Das Energielevel reiche nach eigener Aussage nicht mehr aus, um erfolgreich den Beruf Fußball-Trainer auszuüben. Seit seinem Abschied hat sich der 53-Jährige komplett aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen.
Den größten Schock… überbrachte die Mitteilung des Suizidversuchs von Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati. Dem Fußball wurde damit erneut schmerzhaft vor Augen geführt, welch großer Druck bei der schönsten Nebensache der Welt auf den Verantwortlichen lastet. Der 41-Jährige schnitt sich am 19. November vor dem Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05, das der Unparteiische leiten sollte, in einem Kölner Hotel die Pulsadern auf. Gefunden und somit auch gleichzeitig gerettet wurde er von seinen Assistenten.

Einzelkämpfer mit vielen Talenten – Daniel Aminati im Interview

Das Gesicht von "taff": Daniel Aminati (Foto: Bene Müller/ProSieben)

Ursprünglich wollte er Fußballprofi werden, feierte dann mit der Boygroup „Bed & Breakfast“ musikalische Erfolge. Heute moderiert er „taff“, ein bekanntes Lifestyle-Magazin für den TV-Sender „ProSieben“ – Daniel Aminati hat bereits eine beachtliche Karriere hingelegt. Mit Face2Face sprach der 38-Jährige über sein Erfolgsrezept, die Familienplanung und neue Projekte.

Face2Face: Sie haben vor Kurzem „Die Alm“ moderiert. Könnten Sie sich vorstellen, auch einmal als Bewohner auf die Alm zu gehen?
Aminati:
Nein, ich denke nicht. Das Format „Die Alm“ zielt darauf ab, die Protagonisten an ihre Grenzen zu bringen. Warum sollte ich mich dem aussetzen? Zudem ist mir meine Privatsphäre zu wichtig, als dass ich 24 Stunden am Tag eine Kamera um mich herum haben wollen würde. Einem privaten Besuch auf einer Alm mit Freunden würde allerdings nichts im Weg stehen.

Face2Face: Wie sind Sie dorthin gekommen wo Sie heute sind? Was ist ihr Erfolgsgeheimnis?
Aminati:
Mein Erfolgsgeheimnis ist ganz einfach: Spaß haben. Ich glaube, wenn man etwas mit Spaß tut, entwickelt man bestimmte Qualitäten und investiert gleichzeitig auch viel mehr Energie und Zeit, als wenn man etwas nur ungern macht.

Face2Face: Wie sieht ein durchschnittlicher Wochentag bei Ihnen aus?
Aminati:
Ich stehe zwischen sechs und sieben Uhr auf, treibe dann meist etwas Sport. Zurzeit bin ich auch viel im Studio, um Songs zu schreiben und mein neues Album aufzunehmen, das im Frühjahr erscheinen soll. Ab 14.30 Uhr bin ich dann meist im Sender bis etwa 18.30 Uhr.

Face2Face: Mit 17 Jahren wollten Sie Fußballprofi werden, spielten in der Jugendmannschaft von Alemannia Aachen und dann beim FC Bayern München. Wieso hat es damals nicht geklappt mit der Fußballkarriere und macht sie das manchmal traurig?
Aminati:
Ich denke, ich war zu unkonzentriert und zu unruhig für eine Fußballkarriere. Wenn man in jungen Jahren ein Talent entwickelt, sollte das von der Familie erkannt und gefördert werden. Bei mir war das leider nicht der Fall – ich war immer nur Einzelkämpfer. Obwohl es ein großer Traum von mir war Fußballprofi zu werden, bin sehr zufrieden mit meiner aktuellen Karriere. Außerdem wäre ich mit heute 38 Jahren ja schon längst nicht mehr aktiv dabei, sondern hätte höchstens noch einen  Managerposten inne.

Symbolisiert Leichtigkeit: Aminatis Tattowierung auf der linken Körperhälfte (Foto: Guido Schröder)

Face2Face: Sie engagieren sich unter anderem für Kinder in Afrika. Was bedeutet Ihnen Ghana, das Vaterland Ihres Vaters?
Aminati:
Ehrlichgesagt habe ich mit Ghana selbst wenige Berührungspunkte. Ich war auch noch nie dort. Meine Eltern haben sich früh scheiden lassen – vielleicht liegt es daran. Trotzdem werde ich natürlich durch mein Aussehen mit meinen Wurzeln konfrontiert und habe daher auch eine Affinität zu dunkelhäutigen Menschen. Aber ich engagiere mich ja nicht nur in afrikanische Organisationen: Ich  bin zum Beispiel auch Mitglied bei „Alle Kids sind VIP′s“, einem Verein, der Kinder mit Migrationshintergrund unterstützt. In meinen Augen ist es ein Unding, dass Migrantenkinder immer noch benachteiligt werden. Mario Gomez und „Culcha Candela“ sind auch Förderer dieser Organisation.
Ich versuche einfach kleine Beiträge zu leisten, weil es mir gut geht. Ich möchte etwas davon zurückgeben. Außerdem glaube ich, dass ein solches Engagement mich auf dem Boden der Tatsachen hält.

Face2Face: Haben Sie eine Freundin?
Aminati:
Ja, ich habe eine Freundin. Wir kennen uns seit etwa einem Jahr. Ich fühle mich sehr wohl in der Beziehung, weil wir eine Sprache sprechen. An meiner Freundin schätze ich, dass sie herzensgebildet und intelligent ist.

Face2Face: Wie sieht es mit Familie und Kindern aus? Ist da etwas in Planung?
Aminati:
In Planung würde ich nicht sagen. Da ich drei Schwestern habe, war bei uns zuhause früher immer etwas los. Daher will ich auf jeden Fall eine Familie gründen. Wenn es dann soweit ist, freue ich mich natürlich, aber es ist jetzt nicht der nächste Schritt.

Face2Face: Sie haben mehrere Tattoos. Haben sie eine tiefere Bedeutung?
Aminati:
Ich habe drei Tattoos. Das kleinste davon befindet sich an der Innenseite des linken Oberarms. Es sind chinesische Zeichen, die „Reisender auf der Suche nach Frieden“ bedeuten. Meinen rechten Oberarm ziert ein Drache, der in der Mythologie der Asiaten für Glück und Stärke steht. Dieses Tattoo ist in einer für mich sehr schwierigen Zeit entstanden, nämlich zwei bis drei Jahre nach meinem Ausstieg mit „Bed & Breakfast“. Damals bin ich in ein tiefes Loch gefallen. Mein drittes Tattoo befindet sich am linken Oberarm, geht über die Schulter und bis zu den Rippen. Es ist ein florales Muster, das Leichtigkeit ausdrücken soll. Das Tattoo rechts und das links stehen sozusagen für die Dualität des Lebens.

Face2Face: Welche Rolle spielt Sport in Ihrem Leben?
Aminati:
Ich treibe fünf- bis sechsmal die Woche Sport. Ich boxe, jogge, mache Fitness und Turmspringen. Sport hilft mir loszulassen und Druck abzubauen – es hat etwas Meditatives.

Face2Face: Sie haben fast 46.000 Likes auf „Facebook“. Was bedeuten Ihnen Ihre Fans?
Aminati:
Der Austausch mit dem – ich sage jetzt mal Zuschauer ist wichtig, weil ich so heraushören kann, was den Leuten gefällt und was nicht. Es gibt zwar die Einschaltquoten, aber daran kann man die Arbeit eines Moderators nur bedingt messen und oftmals spiegeln diese auch nicht immer die Qualität einer Sendung wider, finde ich.

Face2Face: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Aminati:
Mein größtes Projekt für das kommende Jahr wird mein Album sein. Musik begleitet mich schon immer und ich kann mit ihrer Hilfe einfach am besten ausdrücken, was mich bewegt. Die Musik auf dem Album unterscheidet sich sehr von dem, was ich vor zwei Jahren gemacht habe – sie hat einen ernsteren Anstrich bekommen. Damit es beim Hörer nicht zu Irritationen kommt und auch weil es nur um die Musik, nicht aber um meine Popularität gehen soll, wird das Album unter dem Namen meiner Band laufen. Was die Band betrifft, sind wir aktuell an der Namensfindung und für Vorschläge immer offen (Anm. d. Red.: Ideen können gerne in den Kommentaren festgehalten werden).

Zu gewinnen: Autogrammkarten von "taff"-Moderator Daniel Aminati (Foto: T. Gartner)

Verlosung von Autogrammkarten:
Ihr seid große Fans von Daniel Aminati und das einzige, was euch noch fehlt, ist eine Autogrammkarte? Dann solltet ihr jetzt gut aufpassen: Denn Face2Face verlost vier der heiß begehrten Unterschriften.
Was ihr für Karten tun müsst:
 Schreibt bis einschließlich Freitag, 18. November, 23:59 Uhr eine Mail an tatjana.gartner@face2face-magazin.de mit dem Betreff „Aminati“. In der Mail enthalten sein sollte euer Vor- und Nachnamen, sowie eine aktuelle E-Mail-Adresse, über die man euch erreichen kann. Verlost wird unter allen Einsendern. Mitarbeiter von Face2Face, sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen.
 Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt dann am Montag, 21. November via Mail.

Viel Glück euch allen!

Vorschau: Am Dienstag, 1. November verrät uns TV-Sternchen Micaela Schäfer wie ihr die Erotikmesse „Venus“ in Berlin gefallen hat.

Spielend leicht

Acht Spiele, acht Siege – die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat im wahrsten Sinne des Wortes spielend leicht die Qualifikation zur Europameisterschaft im nächsten Jahr in Polen und der Ukraine gemeistert. Zwei Spieltage vor Beendigung der Qualifikation liegt Deutschland in der Gruppe A, mit Österreich, Belgien, Türkei, Kasachstan und Aserbaidschan, uneinholbar auf Tabellenplatz eins. 

Beim 6:2-Sieg vergangenen Freitag gegen völlig überforderte Österreicher, zeigte die „Deutsche-Elf“ das, vor dem, nicht nur Europa, sondern mittlerweile die ganze Fußball-Welt Respekt hat: außerordentliche spielerische Klasse. Seit der WM 2010 hat sich Deutschland nochmals weiterentwickelt. Mit Mario Götze, André Schürrle und Mats Hummels kamen sogar noch, gerade mit Blick auf die Zukunft, wichtige Spieler hinzu. Joachim Löw nutzt nun die anstehenden Qualifikations- und Freundschaftsspiele zum Experimentieren. Somit kann der Bundestrainer auch mal gestandenen Spielern eine Verschnaufpause gönnen. Der Kader für die Mission „Europameistertitel 2012“ dürfte Löw auch schon größtenteils im Kopf haben:

Im Mitelfeld hat Deutschland ein absolutes Luxusproblem: Mit Mesut Özil, Thomas Müller, Mario Götze, Lukas Podolski und André Schürlle ist die Offensive zusammen mit Spanien und Holland, federführend in Europa. Auch im defensiven Mittelfeld verfügt der Bundestrainer über genug Alternativen. Bastian Schweinsteiger ist der Chef und Star. Der Spieler des FC Bayern München zieht die Fäden im Spiel und kann eine Mannschaft führen. Außerdem liefern sich mit Toni Kroos und Sami Khedira zwei vielversprechende Spieler einen Kampf um den freien Platz neben Schweinsteiger. Für Kroos wird es vor allem wichtig sein, im Verein genügend Spielpraxis zu sammeln. Doch das dürfte aufgrund der Dreifachbelastung der Bayern kein Problem sein. Sami Khedira hat vergangene Saison in Spanien eindrucksvoll bewiesen, warum Real Madrid den Stuttgarter unter Vertrag genommen hat. Außenseiterchancen für eine Nominierung besitzen, stand heute, die Zwillingsbrüder Lars und Sven Bender, sowie Simon Rolfes von Bayer Leverkusen. 

Im Sturm ist die „DFB-Elf“ ebenfalls Weltklasse besetzt. Dank des Ein-Mann-Sturm-Systems kämpfen mit Klose und Gomez zwei absolute Top-Leute um die begehrte Position. „Helmut“ Cacau, der gegen Polen nach seiner Einwechslung zwar gut in die Begegnung fand und auch den 2:2-Ausgleich erzielte, muss sich hinten anstellen. 

Wo der Schuh jedoch drücken könnte ist die Abwehr. Mit Mats Hummels, Benedikt Höwedes, Jerome Boateng und Michael Badstuber haben die etablierten Kräfte der Innenverteidigung um Per Mertesacker zwar kräftig Konkurrenz bekommen, was aber stört ist die hohe Fehlerquote. Doch dies sollte nach einer intensiven Vorbereitung der Vergangenheit angehören. So war es vor jedem großen Turnier und so wird es auch im nächsten Jahr wieder sein. Mit Philipp Lahm, nach vier Jahren auf Rechts wieder nach Links gewechselt, ist Deutschland abermals Weltklasse besetzt und braucht sich keinerlei Sorgen zu machen, vorausgesetzt der Dauerbrenner verletzt sich nicht. Die größte Aufgabe Löws wird es sein, einen geeigneten rechten Verteidiger zu finden. Träsch hat sich beim Polen-Spiel nicht gerade aufgedrängt. Aber die Alternativen sind hier momentan Mangelware.  

Über die Torhüterposition braucht man keine großen Worte zu verlieren. Mit Manuel Neuer steht wahrscheinlich der momentan beste Torhüter der Welt zwischen den Pfosten. Die Nummer zwei wird aller Voraussicht nach Tim Wiese inne haben. Nur die Frage nach der Nummer drei ist noch interessant. Sollte René Adler, der bis zu seiner Verletzung vor der WM in Südafrika als Nummer eins galt, keine grandiose Rückrunde spielen, werden sich um die Nummer drei,  mit Ron Robert-Zieler aus Hannover und André ter Stegen aus Gladbach, zwei Youngstars streiten. 

Doch entscheiden ist wie immer, was auf dem Platz passiert. Reif für den Titel ist die Mannschaft von Joachim Löw schon lange. Nun braucht sie noch neben ihrer spielerischen Klasse auch das nötige Glück von Verletzungen und Sperren, sowie von unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen verschont zu bleiben. Sollte dies passieren, wird die „DFB-Elf“ den Titel spielend leicht gewinnen. Wetten?!

Vorschau:  Anja führt nächste Woche ein Interview mit dem Wasserspringer Alexander Als.