Auch ohne Reus jede Menge Qualität

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hat am gestrigen Dienstag seinen endgültigen 23-köpfigen Kader für die anstehende Europameisterschaft (10. Juni – 10. Juli) in Frankreich benennen müssen. Mit der verletzungsbedingten Streichung von Marco Reus sorgte Löw für Aufsehen. Die F2F-Sportredaktion nimmt die EM-Fahrer mal genauer unter die Lupe.

Tor: Mit Manuel Neuer steht der wohl aktuell beste Torwart seiner Zunft zwischen den Pfosten. Seine Vertreter und gleichzeitigen EM-Debütanten Bernd Leno und Marc-André ter Stegen besitzen eine Menge Potenzial. Leno verdiente sich die Nominierung aufgrund seiner starken Leistungen am Ende der gerade abgelaufenen Bundesligasaison. Auch ter Stegen ist ein echter Meister seines Fachs, gewann 2015 mit dem FC Barcelona souverän die Champions League und wird nicht umsonst mit „Torwart-Titan“ Oliver Kahn verglichen. Das Kuriose: Mit dem Bundesadler auf der Brust machte der gebürtige Mönchengladbacher bislang alles andere als eine gute Figur. Erst bei der jüngsten 1:3-Testspielniederlage gegen die Slowakei rutschte ihm der Ball ungeschickt durch die Hände, um dann zwischen seinen Beinen hindurch die Torlinie zu überschreiten. Kleines Trostpflaster: Er konnte in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien einen Elfmeter von Lionel Messi sehenswert parieren.

Abwehr: Hier musste lediglich der als pflegeleicht und universell einsetzbar geltende Sebastian Rudy seine EM-Träume zu den Akten legen. Ansonsten verkörpert der Defensivverbund um Jérome Boateng, Jonas Hector, Benedikt Höwedes, Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger, Emre Can und dem noch angeschlagenen Mats Hummels jede Menge Qualität. Was außerdem Mut macht: Die Prognose für eine baldige Genesung des Weltklasseinnenverteidigers Hummels sind durchweg positiv. „Bei Mats wird es zwar noch ein paar Tage dauern, aber auch er wird uns beim Turnier zur Verfügung stehen“, ließ Löw verkünden.

Mittelfeld: Beim Turnier zur Verfügung stehen wird wohl auch Bastian Schweinsteiger. Der Held von Rio ist laut dem Bundestrainer „voll belastbar“ und trainiert bereits wieder mit der Mannschaft. Doch egal ob fit oder nicht. Auf die Führungsqualitäten eines Schweinsteigers kann der Löw bei so einem Turnier schlicht und ergreifend nicht verzichten. Somit ist die Nominierung völlig nachvollziehbar, selbst, wenn der Kapitän erst nach den drei Gruppenspielen bei 100 Prozent sein sollte. Die tragische Figur dagegen ist und bleibt Marco Reus. Der vom Boulevard aufgrund seines Fahrens ohne Führerscheins verschriene „Raser Reus“, drückt vor den großen Turnieren regelmäßig kräftig auf die Bremse. Verletzte sich der Star von Borussia Dortmund vor der WM 2014 schwer am Syndesmoseband, machen ihm nun langwierige Beschwerden an den Adduktoren Probleme. „Er hat massive gesundheitliche Probleme und kann im Moment nur geradeaus laufen“, sagte Löw. „Die Mediziner waren äußerst skeptisch, dass er in den nächsten Woche bei einem zehrenden Turnier voll belastet werden kann“, ergänzte er. So schlimm das auch für Reus ist, so gefasst kann Löw auf das Aus seines Tempodribblers reagieren. Die Qualität auf den offensiven Außenbahnen ist auch ohne Reus immer noch sehr hoch. André Schürrle zeigt klar ansteigende Form, Julian Draxler will endlich den internationalen Durchbruch schaffen, Leroy Sané ist ein großes Versprechen für die Zukunft und auch der schon fälschlicherweise zu oft abgeschriebene Veteran Lukas Podolski kann seine Qualitäten in die Mannschaft einbringen. Mit dem aktuellen Champions-League-Sieger Toni Kroos und Sami Khedira verfügt Deutschland außerdem über zwei echte Anführer und Taktgeber im defensiven Mittelfeld. Der bei Bayern München in dieser Saison oft verschmähte Mario Götze könnte auf der zehner Position seinen großen Auftritt haben, wenn Arsenal-Star Mesut Özil bei dem Turnier nicht so zünden sollte wie zuletzt im Verein. Die ebenfalls gestrichenen Julian Brandt und Karim Bellarabi (beide Bayer Leverkusen) werden laut Löw auch in den nächsten Monaten und Jahren noch eine Rolle bei der Nationalmannschaft spielen. Für sie nominierte der Bundestrainer Julian Weigl und Joshua Kimmich und entschied sich somit für die großen Entwicklungsmöglichkeiten der Beiden.

Angriff: Klar hätte man Thomas Müller auch bereits schon im Mittelfeld aufzählen können. Ein Thomas Müller in Topform ist schließlich überall auf dem Platz zu finden. Da er aber aller Voraussicht nach wieder für die Tore der DFB-Elf verantwortlich sein wird, fühlt er sich hier bestimmt auch recht wohl. Ganz alleine ist der Thomas ja auch nicht. Mario Gomez, der beim Weltmeistertriumph 2014 wegen anhaltender Formschwäche fehlte, leistet ihm Gesellschaft. Der bullige Mittelstürmer, der bei Besiktas Istanbul zu seiner alten Stärke gefunden hat und mit 26 Treffern Torschützenkönig in der Türkei wurde, könnte ein wichtiger Mosaikstein im taktischen Gebilde des Bundestrainers sein. Vor allem gegen die in den Gruppenbegegnungen tief stehenden Ukrainer (12.06., 21 Uhr) und Nordiren (21.06. 18 Uhr) kann Gomez seine Kopfballstärke einbringen.

Der Kader im Gesamtüberblick:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München, 64 Länderspiele/0 Tore), Bernd Leno (Bayer Leverkusen, 1/0), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona, 6/0)

Abwehr: Jérome Boateng (FC Bayern München, 58/0), Emre Can (FC Liverpool, 5/0), Jonas Hector (1. FC Köln, 13/1), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04, 33/2), Mats Hummels (Borussia Dortmund, 46/4), Shkodran Mustafi (FC Valencia, 10/0), Antonio Rüdiger (AS Rom, 10/0)

Mittelfeld:  Sami Khedira (Juventus Turin, 59/5), Toni Kroos (Real Madrid, 64/11), Bastian Schweinsteiger (Manchester United, 114/23), Julian Draxler (VfL Wolfsburg, 18/1), Joshua Kimmich (FC Bayern München, 1/0), Mario Götze (FC Bayern München, 51/17), Mesut Özil (FC Arsenal London, 72/19), André Schürrle (VfL Wolfsburg, 51/20), Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul, 127/48), Julian Weigl (Borussia Dortmund, 1/0), Leroy Sané FC (FC Schalke 04, 2/0)

Angriff: Thomas Müller (FC Bayern München, 70/31), Mario Gomez (Besiktas Istanbul, 63/27)

Vorschau: Nächste Woche ist bei Face2Face mal wieder etwas Platz für ein bisschen Satire.          

FC Bayern zum Vierten?!

„Prognosen sind äußerst schwierig. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Die Face2Face-Sportredaktion lehnt sich dennoch auch in diesem Jahr mal wieder weit aus dem Fenster und sagt die Tabellenplatzierungen der 18 Fußball-Bundesliga-Vereine am Ende der Saison 2015/2016 voraus.

Platz 1
FC Bayern München: Auch in diesem Jahr ist der FC Bayern wieder der große Favorit auf den Titel. Trainer Pep Guardiola hat seine Mannschaft erstmals und früh und – was besonders wichtig ist – ausgeruht zusammen. Das Sorgenkind bleibt der seit März verletzte Flügelflitzer Frank Ribery. Auch der Sturm ist, sollte Robert Lewandowski ausfallen, dünn besetzt.
Fazit: Für die vierte Meisterschaft in Folge reicht es aber dennoch locker.

Platz 2
VfL Wolfsburg: Der VW-Konzern-Klub hat mit Manager Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking die richtigen Männer am Ruder sitzen. Das Duo ist in der Lage, das volle Potenzial aus der Mannschaft herauszuholen. Zudem ist der Kader eingespielt und hat mit Max Kruse einen deutschen Nationalspieler für die Offensive dazu gewonnen. Ein Fragezeichen steht aber noch hinter Spielmacher Kevin De Bruyne, der stark von Manchester City umworben wird. Ein eventueller Verlust könnte Wolfsburg nicht so einfach aufhalten.
Fazit: Der Vizemeister der vergangenen Saison wird auch in dieser Runde wieder eine wichtige Rolle spielen. Bleibt De Bruyne ist der zweite Rang wieder drin.

Platz 3
Borussia Dortmund: Alles neu macht Thomas Tuchel? Der Nachfolger von Jürgen Klopp wird mit Argusaugen beobachtet. Schafft er es in die großen Fußstapfen seines Vorgängers zu treten? Motor des Neustarts soll das famos besetzte Mittelfeld sein. Veränderungen brauchen allerdings Zeit, die Dortmund nicht hat. Der BVB muss gleich in der Europa League liefern, sonst droht Unruhe.
Fazit: Thomas Tuchel ist der richtige Mann am richtigen Ort. Bleibt die Borussia von größeren Verletzungen verschont, ist die direkte Champions League-Qualifikation drin.

Platz 4
Bayer 04 Leverkusen: Heung-Min Son, Karim Bellarabi, Hakan Calhanoglu oder der junge Julian Brandt. Das Prunkstück des Werksclubs ist ohne Zweifel die Offensive. Auch Torwart Bernd Leno zeihte national wie international immer wieder sein riesiges Potenzial und ist damit mehr als ein sicherer Rückhalt. Ob Bayer die Verluste von Rolfes, Castro und Reinartz ohne Störungen auffangen können, muss sich erst noch zeigen. Auch die Innenverteidigung ist nicht immer sattelfest.
Fazit: Die Leverkusener zeigen eine gewohnt konstante Leistung. Am Ende wird es auf Nuancen ankommen, ob Platz drei oder vier dabei herausspringen wird.

Platz 5
Borussia Mönchengladbach: Es herrscht Euphorie rund um den Borussia Park. 2011 spielten die Gladbacher noch in der Relegation gegen den Abstieg in die Zweitklassigkeit. In der vergangenen Saison qualifizierten sie sich dann für direkt für die Champions League. Welch eine Entwicklung! Beeindruckend auch das exquisit besetzte Mittelfeld, dass mit Lars Stindl genau das Puzzelteil bekam, das den abgewanderten Weltmeister Christoph Kramer (zu Bayer Leverkusen) ersetzen kann. Nach dem Abgang von Max Kruse (VfL Wolfsburg) muss sich aber erst noch eine treffsichere Alternative herauskristallisieren.
Fazit: Sollte Neu-Stürmer Josip Drmic einschlagen stehen für die mit der Champions League dreifach belastete Borussia alle Türen offen. Für einen Europa League-Rang sollte es dann alle mal reichen.

Platz 6
Schalke 04: André Breitenreiter hat das Steuer beim Traditionsklub übernommen. In welche Richtung er das gerne mal schwankende Schiff lenken wird, ist wohl eine der größten Fragen in der kommenden Saison. Mit dem deutschen U-21-Nationalspieler Johannes Geis konnten die Schalker einen – zugegebenen nicht ganz billigen – neuen Strategen für das Mittelfeld gewinnen.
Fazit: Apropos gewinnen: Das sollten die Blau-Weiß in der nächsten Saison relativ häufig. Ansonsten droht das Schiff recht schnell wieder in unruhige Gewässer zu schippern.

Platz 7
VfB Stuttgart: In Stuttgart wird nun auch auf der Trainerbank Schwäbisch geschwätzt. Neu-Trainer Alexander Zorniger steht für schnellen, zielstrebigen Offensivfußball. Diese Ausrichtung birgt aber gleichzeitig auch Gefahren. Auch die Frage, wie die Stuttgarter die letztjährigen Schreckensjahre verdauen, muss erst noch beantwortet werden.
Fazit: Hat der VfB mit dem neuen Spielsystem seines neuen Trainers Erfolg, kann es bis ganz weit oben in der Tabelle gehen. Vielleicht sogar auf einen Europa League-Platz. Realistischer ist aber eher eine Platzierung ab Rang sieben abwärts.

Platz 8
TSG 1899 Hoffenheim: Mit Roberto Firminio verlor die TSG das kreative Herzstück im Mittelfeld, das nicht eins zu eins zu ersetzten ist. Die 0:2-Niederlage in der ersten DFB-Pokalrunde zeigt auf, dass es zu Schwierigkeiten für die Hoffenheimer kommen kann. Aber die junge Mannschaft ist hungrig und mit den 41 Millionen aus dem Firminio-Transfer ist noch genug Spielraum da, um nachzulegen.
Fazit: Mit den Abgängen von Firminio, Beck und Salihovic wurde die Hierarchie in der TSG-Mannschaft gesprengt. Zu einem Rang für die internationalen Plätze reicht es auch in diesem Jahr nicht.

Platz 9
Eintracht Frankfurt: Armin Veh, Rückkehrer auf den Trainerstuhl, besitzt bei der Eintracht eine enorm hohe Akzeptanz. Mit David Abraham und Stefan Reinartz haben die Frankfurter höheres Tempo im Zentrum dazu gewonnen. Auch der niederländische Stürmer-Neuzugang Luc Castaignos zeigte bisher gute Ansätze. Ein herber Verlust war der Weggang von Kapitän und Torwart Kevin Trapp (Paris St. Germain). Auch die genaue Rückkehr von Torjäger Alex Meier ist ungewiss.
Fazit: „Ein Platz im internationalen Geschäft muss es nicht gleich sein“, ließ SGE-Trainer Veh verlauten. Einer im gesicherten Mittelfeld der Tabelle aber allemal.

Platz 10
SV Werder Bremen: Mit Viktor Skripnik kam die Wende. Der Trainer übernahm die Bremer auf dem 18 Tabellenplatz und führte sie anschließend noch bis auf Rang zehn. Zur neuen Saison schmerzen die Abgänge von U-20-Nationalspieler Davie Selke (RB Leipzig) und Franco di Santo (Schalke 04). Auch ein zentraler Spieler, der den Spielaufbau effektiver macht, fehlt.
Fazit: Die Mannschaft ist eingespielt und auch mit Rückkehrer Felix Wiedwald sollte das Torwartprobleme behoben sein. Der SVW wird am Ende weder etwas mit dem Abstieg noch mit den internationalen Plätzen zu tun haben.

Die Meisterschale ist serviert: Wer wird sie sich in der Saison 2015/2016 schnappen? Foto: Privat

Die Meisterschale ist serviert: Wer wird sie sich in der Saison 2015/2016 schnappen? Foto: Privat

Platz 11
1. FC Köln: Die Kölner zeigten als Aufsteiger eine gute Saison und hatten schon frühzeitig nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun. FC-Trainer Peter Stöger zeigte sich mit den Neuverpflichtungen mehr als zufrieden. Auch die Eingespieltheit der Mannschaft macht Hoffnung auf mehr.
Fazit: Mit den Neuzugängen Milos Jojic, Anthony Modeste und Leon Bittencourt haben die Kölner ihre Offensive nochmals verstärkt. Der Abgang von Wimmer konnte allerdings nicht ein zu eins ersetzt werden. Für mindestens Platz elf wird es aber reichen.

Platz 12
FC Augsburg: Der FCA war wiedereinmal die Überraschungsmannschaft der zurückliegenden Bundesligasaison. Mit der direkten Qualifikation für die Europa League haben die Augsburger ihren Höhepunkt erreicht. Und was folgt nach dem Höhepunkt? Genau: Es kann nur noch bergab gehen. Viele Leistungsträger sind über 30 Jahre alt. Neuzugänge, die die Mannschaft gerade mit Blick auf die Dreifachbelastung Liga, Europa League und DFB-Pokal, sofort verstärken können, sind momentan noch nicht verpflichtet worden.
Fazit: Die Augsburger können der Dreifachbelastung mit der aktuellen Mannschaft nicht stemmen. Leistungen wie in den vergangenen beiden Spielzeiten sind somit nicht drin. Dennoch reicht es am Ende für den zwölften Tabellenplatz.

Platz 13
FSV Mainz 05: Den Abgang von Johannes Geis nach Schalke versuchen die Mainzer mit dem Schweizer Fabian Frei aufzufangen. Damit verlieren die 05er wohl an Kreativität, gewinnen im Gegenzug dafür aber nach eigener Aussage mehr Dynamik. Diese soll vor allem zu Verfeinerung des geliebten Umschaltspiels beitragen.
Fazit: Mit Geis hat der Taktgeber das Mainzer Kollektiv verlassen. Auch Torjäger Okazaki strich die Segel. Können die Neuzugänge diese Verluste auffangen?

Platz 14
Hannover 96: Der Ligaverbleib wurde erst am letzten Spieltag sichergestellt. Mit Lars Stindl verließ der Kapitän und Anführer das fast gesunkene Schiff. Eine neue Galionsfigur muss erst noch gefunden werden. Immerhin verfügt 96 vor allem im Tor mit Nationaltorwart Robert Zieler und in der Defensive mit Christian Schulz und Marcelo über erfahrene wie zuverlässige Spieler.
Fazit: Die Hannoveraner werden es auch in der kommenden Saison wieder schwer haben. Ein drohender Abstiegskampf oder gar der bittere Gang in die zweite Liga sind nicht auszuschließen.

Platz 15
Hertha BSC: Wirkliche Verstärkungen haben die Berliner in der Sommerpause noch nicht präsentieren können. Es fehlen Typen, die vorangehen und die anderen mitziehen. Die Vorjahres-Zugänge wie Kalou, Stocker oder Beerens müssen sich stabilisieren. Hertha-Trainer Pal Dardai muss die Mannschaft zu einer Einheit formen.
Fazit: Neues System, neue Hierarchie. Wenn sich die Berliner nicht schnell finden, stecken sie wie auch in der vergangenen Saison, wieder mitten im Abstiegskampf fest. Schlimmstenfalls müssen sie in die Relegation.

Platz 16:
FC Ingolstadt 04:
Der erst 2004 gegründete und von Audi ordentlich gepuschte Verein, dominierte in der abgelaufenen Zweitligaspielzeit, die Saison. Die Aufstiegs-Elf konnte zusammengehalten und sogar punktuell verstärkt werden. Der eigentliche Star ist aber FCI-Trainer Ralf Hasenhüttl.
Fazit: Ingolstadt verfügt in seinem Kader nur über sehr wenig Bundesligaerfahrung. Ein echter Knipser hat sich momentan noch nicht gezeigt. Zur Relegation könnte es aber dennoch reichen.

Platz 17
Hamburger SV: Und jährlich grüßt das Murmeltier – oder in diesem Fall: Der Bundesliga-Dino. Und zwar vom unteren Teil der Tabelle. Der Traditionsverein hat es wieder einmal geschafft, schmachvoll in der ersten Runde des DFB-Pokals auszuscheiden. Da helfen auch alle Besserungsäußerungen der Verantwortlichen nicht viel. Bleibt nur zu hoffen, dass HSV-Trainer Bruno Labbadia den vorhanden Kader, der bis auf Neuzugang Emir Spahic – rein optisch betrachtet – nicht verstärkt wurde, besser machen kann.
Fazit: Das ganze Chaos rund um den Bundesliga-Dino ist schon mehr als nur eine Eintagsfliege. Daher ist es auch nur schwer vorstellbar, dass der als unabsteigbar geltende HSV auch die kommende Saison überlebt. Sollten sich Spieler und Verein nicht schleunigst in eine positive Richtung entwickeln, gesellt sich die Zweitklassigkeit endgültig zu den Hamburgern.

Platz 18
Darmstadt 98: Es war eine Sensation, wie ihn nur der Sport schreiben kann. Das klamme Darmstadt, mit baufälligem Stadion und beschaulichen finanziellen Mitteln, schaffte den Durchmarsch aus der dritten bis in die erste Liga. Und das alles mit einem klaren Plan: „Wichtig sind Charakter und Teamgeist“, verrät Erfolgstrainer Dirk Schuster. Doch diese Eigenschaften können die individuelle Unterlegenheit wohl nur teilweise außer Kraft setzen.
Fazit: Der Aufstieg in die Bundesliga war eine Sensation. Die Saison 2015/2016 darf sich auf einen echten Underdog mit Kampfgeist freuen. Die 98-Verantwortlichen sollten die Saison im Oberhaus genießen. Es wird vorerst die einzige sein.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr die Neuheiten aus dem Yoga-Bereich.

 

 

Die Suche nach den Nationalspielern

Stell dir vor es ist Länderspiel und kein Star kommt hin. So oder so ähnlich muss sich Fußball-Nationaltrainer Joachim Löw vor der kommenden Länderspielreise in die USA fühlen. Wenn die DFB-Elf am Mittwoch, 22. Mai, ihren Trip nach Nordamerika startet, werden dem Bundestrainer nicht weniger als 17 Nationalspieler fehlen. Das Champions-League Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund, das Pokalfinale zwischen München und dem VfB Stuttgart, die U-21-EM in Israel, die Bundesliga-Relegation und die spanische Liga reißen ein großes Loch in den Kader des 53-Jährigen. 

Mit Marco Reus, Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Mario Götze, Marcel Schmelzer und Sven Bender fehlen sechs Spieler von Borussia Dortmund. Genauso viele werden es beim Finalgegner aus München sein. Die beiden Real-Stars Sami Khedira und Mesut Özil sind noch bis zum 1. Juni in der spanischen Liga aktiv. Torjäger Miroslav Klose spielt mit Lazio Rom um den italienischen Pokal (26. Mai) und auf die U-21-Spieler wie Patrick Hermann (Gladbach), Sebastian Rode (Frankfurt) oder Lewis Holtby (Tottenham) will Löw wegen der Vorbereitung auf die Europameisterschaft nicht zurückgreifen. Da auch mit Serdar Tasci, George Niedermeier oder Christian Gentner mögliche Kandidaten vom VfB Stuttgart aufgrund des Pokalfinales (1. Juni) ausfallen und auch hinter Lukas Podolski (FC Arsenal London) ein dickes Fragezeichen steht, verkommen die beiden TEST-Länderspiele gegen Ecuador (29. Mai) und die USA (2. Juni) zur Farce. 

Wen also nominieren? Laut dem „Kicker“ sollen Sydney Sam und Philipp Wollscheid (beide Bayer Leverkusen) vor ihrem Länderspieldebüt stehen. Kurios, dass auch die bereits aussortierten Andreas Beck (Hoffenheim), Aaron Hunt (Bremen) und Dennis Aogo (Hamburg) vor ihrem Comeback stehen sollen. Auch der bereits 30-Jährige und damit im Grunde genommen perspektivlose Alexander Meier (Frankfurt) soll Löw auf den letzten Seiten seines Notizbüchleins gefunden haben. Lückenbüßer, die eine Reise retten sollen, die schon von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist.

Von Schalke dürften Roman Neustädter, Benedikt Höwedes und Julian Draxler nominiert werden. Per Mertesacker (FC Arsenla London), Lars Bender und André Schürrle (beide Leverkusen) sind gesetzt. Dennoch wir die Steigerung der Beliebtheit und des Ansehens der Nationalmannschaft, von Beginn an das einzige Ziel dieses „Promotion-Trips“, ohne die Stars an Bord, nicht zu erfüllen sein. 

Immerhin war zuletzt spekuliert worden, dass Löw die Dortmunder-Spieler nachkommen lässt. Ein Tropfen auf den heißen Stein? So oder so stehen zwei neue Höhepunkte in der Reihe „Unsinnige Länderspiele“ an. Ach ja, auf Deutschlands erfolgreichsten Torjäger Stefan Kießling will Löw im Übrigen auch verzichten… 

Ähnlich spektakuläre Rumpfkader: 

  • Beim Confederations Cup 1999 nominierte Bundestrainer Erich Ribbeck nach zahlreichen Absagen die Profis Heiko Gerber, Ronald Maul, Mustafa Dogan und Michael Preetz. Nach einer 0:4-Pleite gegen Brasilien und der 0:2-Niederlga gegen die USA durfte die DFB-Mannschaft bereits nach der Vorrunde die Koffer packen.
  • Unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann standen bei der Asien-Reise 2004 Spieler wie Marco Engelhardt und Thomas Brdaric in der Startelf. 

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Kommentar über den Profisport in Deutschland

Enger Kampf ums Halbfinalticket

Heute erwartet Fußballdeutschland ein echter Pokalhochgenuss! Wenn um 20:30 Uhr der FC Bayern München den deutschen Meister Borussia Dortmund in der heimischen Allianz Arena empfängt, werden Millionen von Fußballbegeisterten vor den Fernsehgeräten platz nehmen. Das letztjährige DFB-Pokalfinale findet in dieser Saison bereits im Viertelfinale statt. Face2Face macht wenige Stunden vor dem Anpfiff eine Analyse, wer beim Kampf um das Halbfinalticket die Nase vorne hat.

Die Abwehr: Bayern München stellt mit gerade einmal acht Gegentoren den besten Defensivverbund Europas. Mit dem Brasilianer Dante bekamen die Münchner einen echten Stabilisator in die Mannschaft. Selbst den Ausfall von Nationalverteidiger Holger Badstuber konnte die Abwehrreihe problemlos kompensieren. Ein Gegentor gegen diese „Mauer“ zu schießen ist schwierig, bei einem engen Spielgeschehen fast unmöglich.

Die Dortmunder haben im Gegensatz zur vergangenen Saison etwas Probleme in der Defensive. 23 Spieltagen stehen 27 Gegentore gegenüber. Zum Vergleich: Nach den gesamten 34 Spieltagen der vergangen Saison musste der BVB nur 25 Gegentore hinnehmen. Dennoch stellt die Borussia mit Marcel Schmelzer, Mats Hummels, Neven Subotic und Lukas Piszeck viel Qualität und die drittbeste Abwehrreihe der Bundesliga auf den Platz.
Vorteil: Bayern München

Das Mittelfeld: Beim FCB drängen sich mit Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Toni Kroos, Frank Ribéry und Arjen Robben nur so die Superstars im Mittelfeld. Klar, dass es da auch mal zu unzufriedenen Gesichtern kommt. Zuletzt beim Holländer Robben zu sehen, der sich über sein andauerndes Reservistendasein beschwerte. Beim Pokalknaller wird der Flügelflitzer aber wieder von Beginn an auf dem Platz stehen. Er ersetzt den gesperrten Ribéry.

Beim deutschen Meister muss sich das Traumduo Mario Götze/Marco Reus sicher nicht vor der bayrischen Flügelzange Ribéry/Robben verstecken. Auch der Pole Jakub Blaszczykowski hat schon mehrmals bewiesen, dass er das Zünglein an der Wage sein kann. Mit Ilkay Gündogan, Sebastian Kehl, Sven Bender, Moritz Leitner und Rückkehrer Nuri Sahin besitz der BVB ein Überangebot an hochkarätigen Spielern auf der sogenannten Sechserposition, bei dem jeder, jeden nahezu gleichwertig ersetzen kann.
Vorteil: Unentschieden 

Der Sturm: Mario Gomez, Mario Mandzukic, Claudio Pizzaro – Namen, die das Herz eines Fußballbegeisterten höher schlagen lassen. Der FCB verfügt im Angriff über drei hervorragende Angreifer. Mandzukic führt zusammen mit dem Leverkusener Stefan Kießling die Torschützenliste an. Nationalspieler Gomez scheint ohnehin eine Torgarantie gepachtet zu haben und auch der Peruaner Pizarro ist immer für einen Treffer gut. Egal wer aus diesem Trio spielt: Bayern ist im Sturm immer Top besetzt.

Auch Dortmund hat mit Robert Lewandowski eine Granate im Angriff zu verzeichnen. Kein Wunder, dass sich schon seit Wochen hartnäckige Gerüchte um ein Münchner Werben für den Polen halten. Doch hinter dem Torjäger ist mit Julian Schieber nicht die gleiche Qualität vorhanden, wie beim FC Bayern. Glück für die Borussia, dass auch ein Götze oder Reus diese Position erfolgreich ausführen können.
Vorteil: Unentschieden

Die Bank: Die Münchener haben aus den vergangenen beiden Jahren, und vor allem aus dem Champions League-Finale, gelernt und in dieser Saison ihre Bank deutlich aufgebessert. Wer es sich leisten kann einen Spieler vom  Format eines Robben oder Gomez auf die Bank zu setzen, der hat alles, nur keine schwachen Alternativen. Auch die Reservisten im Mittelfeld oder der Abwehr hätten bei anderen Bundesligisten einen Stammplatz sicher.

Bis auf die starken Ersatzspieler im Mittelfeld, ist beim BVB ein Qualitätsabfall auf der Bank zu verzeichnen. Sollte etwa ein Außenverteidiger oder Lewandowksi mal ausfallen, steht kein gleichwertiger Ersatz parat und Trainer Jürgen Klopp wäre zum Experimentieren gezwungen.
Vorteil: Bayern München

Fazit: Von der Papierform her geht der FC Bayern München als Favorit in die Begegnung. Wer zu Hause spielt und die Liga mit 17 Punkten Vorsprung anführt, kann sich dagegen auch kaum erwehren. Allerdings ist die Borussia aus Dortmund der Angstgegner der Münchener. Dass die Schwarz-Gelben in der Allianz Arena bestehen können, haben sie in den letzten Auftritten dort eindrucksvoll bewiesen. Somit wird dieses Pokal-Viertelfinale eine ganz enge Kiste, bei der Nuancen den Unterschied zwischen Sieger und Verlierer ausmachen können. Auch eine Entscheidung durch Elfmeterschießen ist durchaus zu erwarten.

Vorschau:  Nächste Woche erscheint ein Nachbericht über die nordische Ski-WM in Italien.

Die große Bundesliga-Analyse

Die Hinrunde der Fußballsaison 2011/2012 ist seit dem vergangenen Wochenende (18.12.) vorbei. Wie bereits in den Jahren zuvor gab es auch in dieser Hinrunde wieder viele Überraschungen, turbulente Ereignisse, Neuentdeckungen und Enttäuschungen. Face2Face fasst für euch das Wesentliche zusammen.

Die Spieler:

Die Entdeckung… der Hinrunde ist ohne Frage Bernd Leno von Bayer 04 Leverkusen. Nach Einsätzen in der dritten Liga des VfB Stuttgart avancierte Leno zum Bayer-Stammkeeper und zeigte sogar auf der großen Champions-League-Bühne hervorragende Leistungen. Dafür war Leverkusen bereit einiges zu bezahlen und griff für den talentierten Torhüter tief in die Tasche. Gute 7,5 Millionen Euro überwies der Vizemeister an den VfB Stuttgart und konnte Leno nach langem Poker bis 2017 verpflichten.
Den größten Entwicklungsschritt… hat ohne Zweifel Marco Reus vollzogen. Der Wirbelwind erzielte allein im November sieben Tore in drei Spielen und war die Seele seines Teams Borussia Mönchengladbach. Mit dem 22-Jährigen an der Spitze drang der fünfmalige Meister aus Mönchengladbach auf den vierten Tabellenplatz – eine Platzierung die vor dieser Hinrunde nicht mal die kühnsten Gladbach-Optimisten für möglich gehalten hätten.
Der Unverzichtbare… Faktor der Hinrunde war Lukas Podolski. Der 95-fache Nationalspieler spielte die beste Halbserie seiner Karriere. 14 Tore und fünf Torvorlagen stehen auf seiner persönlichen Habenseite. Kein anderer Verein war von einem einzigen Spieler so abhängig wie der 1. FC Köln von ihrem „Prinz Poldi“.
Der Torjäger der Hinrunde ist Mario Gomez vom FC Bayern München. Der Torschützenkönig der vergangenen Saison trifft mit seinen bereits 16 Saisontreffern fast nach Belieben – dazu kommen noch ein Tor im Pokal, zwei Treffer in der Nationalmannschaft und sieben in der Champions League.

Die Trainer:

Der Aufsteiger… unter den Übungsleitern ist ohne Frage Lucien Favre von Borussia Mönchengladbach. Der Schweizer hat die „Fohlen-Elf“ vom Fast-Absteiger zum Champions-League-Anwärter gemacht. Als der Trainer die Borussia im Februar diesen Jahres übernahm, lag der Verein abgeschlagen am Tabellenende. Doch Favre brachte Gladbach mit harter Hand wieder auf Kurs. Zuerst vermied er den Abstieg in der Relegation, danach startete sein Team in eine traumhafte Halbserie.
Der richtige… Trainer für den FC Bayern München wurde in Jupp Heynckes gefunden. Die FCB-Verantwortlichen machten beim Nachfolger für den im Frühjahr untragbar gewordenen Louis Van Gaal alles richtig. Nachdem „Don Jupp“ die unübersehbaren Schwächen in der Defensive durch namhafte und gleichzeitig auch sehr teure Neuzugänge ausmerzte, führte er die Bayern neben der Herbstmeisterschaft auch souverän ins Achtelfinale der Champions League.
Der Unbelehrbare…ist auch in der abgelaufenen Hinrunde Wolfsburgs Alleinherrscher Felix Magath. Der Trainer-Manager hat ein großes Problem: seine miserable wie unverständliche Transferpolitik. Im vergangenen Sommer gab er 21 Millionen Euro für zwölf (!) neue Spieler aus, während elf Akteure den Verein verlassen mussten. Ein enttäuschender zwölfter Platz und eine Mannschaft, die jegliche Homogenität vermissen lässt ist das ernüchternde Ergebnis. Da aber Magath genauso eine Schwäche für neue Spieler, wie Frauen für Schuhe haben, hat der Trainer bereits einen Weg aus der Krise gefunden. Er kauft einfach neue Spieler. Hauptsponsor VW wird dafür noch einmal richtig die Geldschatulle öffnen.

Außerdem:

Einen unerwarteten Rückschlag… musste der FC Schalke 04 hinnehmen. Am 22.September traf Ralf Ragnick wegen eines Burn-out-Syndroms als Trainer der Knappen zurück – ein Schlag für Schalke und ganz Fußball-Deutschland. Das Energielevel reiche nach eigener Aussage nicht mehr aus, um erfolgreich den Beruf Fußball-Trainer auszuüben. Seit seinem Abschied hat sich der 53-Jährige komplett aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen.
Den größten Schock… überbrachte die Mitteilung des Suizidversuchs von Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati. Dem Fußball wurde damit erneut schmerzhaft vor Augen geführt, welch großer Druck bei der schönsten Nebensache der Welt auf den Verantwortlichen lastet. Der 41-Jährige schnitt sich am 19. November vor dem Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05, das der Unparteiische leiten sollte, in einem Kölner Hotel die Pulsadern auf. Gefunden und somit auch gleichzeitig gerettet wurde er von seinen Assistenten.