Blindenfußball: eine ganz besondere Facette des Fußballs

Deutscher Meister wird nur der FC Bayern München. Das stimmt so gar nicht. Der deutsche Meister des Blindenfußballs kommt mitnichten aus Bayern sondern aus Mittelhessen. Seit dem 12. September 2015 stehen die Sportfreunde Blau-Gelb Blista Marburg als Deutscher Meister der Blindenfußballliga (kurz DBFL) fest. Blindenfußball? Wie geht das denn eigentlich? Wie funktioniert das?

An sich ist Fußball ein einfaches Spiel. Oft braucht man zum Fußballspielen nicht viel, in der Schulzeit hat auch mal eine Coladose zum kicken gereicht. Die Tore wurden durch Schuhe und Jacken markiert und Regeln… wozu? In den großen Stadien der Republik stehen Wochenende für Wochenende 22 Spieler in zwei Mannschaften auf den Spielfeldern. Es gibt zwei Tore, einen Ball, mehrere Schiedsrichter, im Gegensatz zur Schulzeit ein paar Regeln und los geht’s. Doch wie sieht das beim Blindenfußball aus? Die regelkonforme Ausführung eines Blindenfußballspiels ist nicht viel komplizierter als die eines normalen Fußballspiels. Es müssen nur einige Gegebenheiten geändert werden und dann ist auch Blindenfußball wieder das einfache Spiel zweier Teams gegeneinander. Und vor allem eine ganz besondere Facette eines schon interessanten Spiels, nämlich Fußball.

Eine wunderbare Facette des Fußballs: Blindenfußball.  (Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

Eine wunderbare Facette des Fußballs: Blindenfußball. (Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

Eine besondere Facette des Fußballs

Ein Blindenfußballspiel findet auf Kunstrasen statt. Das Spielfeld ist 20 Meter breit und 40 Meter lang und ist damit unwesentlich kleiner als ein Fußballfeld (90 x 120 Meter). Das Spielfeld ist ähnlich wie bei einem Fußballspiel sehender Menschen in der Halle durch Banden abgetrennt, diese Banden sind wichtig für die Orientierung der blinden Spieler auf dem Feld. Ein Spiel beim Blindenfußball dauert 2 x 25 Minuten und nicht wie beim Breitensport 2 x 45 Minuten. Die Größe des Tores bei einem Blindenfußballspiel unterscheidet sich auch. Mit zwei mal drei Metern entspricht es der Größe eines Handballtores. Auf dem Feld stehen nicht elf, sondern vier Feldspieler. Und sie sind alle blind. Nur der Torwart darf sehen können, er darf den Ball aber nur in seinem kleinen Torraum aufnehmen und diesen Raum auch nicht verlassen. Doch zu einer Mannschaft gehören neben den Auswechselspielern noch mehr Menschen.

(Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

(Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

Eine Atmosphäre wie bei einem Tennis-Match

Wenn blinde oder sehbehinderte Menschen und Mannschaften Fußball spielen ist die Atmosphäre ähnlich wie bei einem Tennismatch: auf den Zuschauerrängen hat absolute Ruhe zu herrschen. Dies liegt daran, dass der Blindenfußball nur dann funktioniert, wenn die Spieler auf dem Feld sich auf ihr Gehör verlassen. Wichtig für das Spiel sind neben dem guten Gehör auch Orientierungssinn, Körperbeherrschung und der engen Kontakt zum hörbaren Ball. Denn in dem Ball, der um einiges schwerer und kleiner ist als ein Fußball bei sehenden Menschen, sind Rasseln. Diese zeigen die Position des ballführenden Spielers durch das Geräusch an. Dennoch ist auch die Kommunikation innerhalb des Teams unfassbar wichtig. Die Abwehr wird von ihrem Torwart dirigiert, der Trainer an der Mittellinie unterstützt das Mittelfeld und ein „Guide“ hinter dem gegnerischen Tor leitet die Stürmer an. Durch Kommandos wie 10-1 werden die Meter bis zum Tor und die Anzahl der Gegenspieler angesagt.

(Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

(Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

Und was hat die spanische Sprache damit zu tun?

Auch auf dem Spielfeld selbst wird viel gesprochen. Nämlich immer dann, wenn sich ein Spieler dem ballführenden Spieler nähert. Er hat die Pflicht sich mit dem spanischen Wort „Voy!“ bemerkbar zu machen. „Voy“ heißt ich komme. Wer das nicht beachtet und sich ohne dieses Wort dem ballführenden Spieler nähert, der kann eine empfindliche persönliche Strafe einstecken müssen. Es gibt auch Teamstrafen, Freistöße und Strafstöße sowie gelbe oder rote Karten. Nur Abseits, das gibt es nicht.

Nicht auf Spanisch, sondern hier in Deutschland auf Deutsch kommentieren zwei Reporter das Spiel live. Sowohl für die Zuschauer, die wie die Spieler blind sind, als auch für die Auswechselspieler. Diese Reportagen werden auch oft live ins Internet gestreamt, so können auch egal ob blind oder nicht, diejenigen teilhaben, die es nicht schaffen live vor Ort zu sein.

Meister der DBFL 2015? SF BG Blista Marburg

Seit 2008 richtet die Sepp-Herberger-Stiftung zusammen mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) und dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) die DBFL aus. Am 26. und 27. Mai 2006 fand das erste internationale Blindenfußballturnier in Deutschland statt und gab damit den Startschuss für den Blindenfußball als Breitensport in Deutschland. In einigen Ländern Südamerikas, England und Spanien wird der Blindenfußball schon seit Mitte der 1960er praktiziert. In der nun 8. Bundesligasaison des Blindenfußballs konnte sich die Mannschaft der Sportfreunde Blau-Gelb Blista Marburg gegen Rekordmeister MTV Stuttgart, den Chemnitzer FC und den FC St. Pauli durchsetzen.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit…

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Startklar für die Reise: der Viva con Agua-Koffer supported by Marburg (Foto: Feurer)

…einen Fotoapparat, Stifte, Seifenblasen, ein Reisetagebuch, eine Wunschliste und jede Menge Infomaterial – der Koffer der Marburger Viva con Agua-Gruppe wurde gestaltet, gepackt und ist jetzt bereit für seine Reise.

Wir berichteten bereits vor einigen Wochen über die Aktion – hier eine kurze Zusammenfassung: Das Ziel der Kofferaktion ist es, die Städte, in denen Viva con Agua in Deutschland vertreten ist, mit einer gemeinsamen Aktion zu vernetzen. Auf seiner Reise soll der Koffer aber auch Menschen über die globale Wasserproblematik aufklären und auf die Organisation Viva con Agua durch die im Koffer befindlichen Informationsbroschüren aufmerksam machen.

Jeder Reiselustige kann den auffällig pink besprühten Koffer mit der Aufschrift „Viva con Agua – supported by Marburg“ mit auf seine Wege nehmen (Anmeldung für die jeweiligen Etappen unter pool.vivaconagua.org). Während des Urlaubens wird dann gemeinsam eine Wunschliste „abgearbeitet“ – der Koffer möchte auf seiner Reise nämlich an 28 unvergesslichen Erlebnissen teilhaben, wie etwa einen Prominenten treffen oder auf einer Hochzeit tanzen.

Über eine im Koffer befestigte Spendendose kann jederzeit das Wasserprojekt in Madhya, Pradesh, Bihar und Jharkhandhat im Norden Indiens unterstützt werden – hier setzt sich Viva con Agua unter anderem für sauberes Trinkwasser ein.

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Perfekt ausgestattet: Sparbüchse, Reisetagebuch und Seifenblasen dürfen nicht fehlen (Foto: Feurer)

Von Marburg aus nahmen drei Viva Con Agua-Mitglieder den Koffer per Tramptour mit nach Frankfurt. Dort wurde die „Spendenbox“ von einem Viva con Agua-Mitglied entgegengenommen, der sie bis zum nächsten Etappenstart beherbergt. Momentan sind die Mitglieder in Frankfurt noch in der Planungsphase – welche Aktionen der Koffer auf dieser Route erleben wird, ist noch ungewiss.

Fotos eignen sich hervorragend, um die Reise des Koffers zu dokumentieren und somit die 28 unvergesslichen Erlebnisse, die es zu erfüllen gilt, festzuhalten. Auf der Facebookseite von Viva con Agua supported by Marburg können Interessierte mitverfolgen, wie viele Spenden auf jeder Etappe zusammen gekommen sind.

Folgende Stationen werden der Reihenfolge nach angesteuert: Marburg – hier begann die Reise – Frankfurt am Main, Mainz, Heidelberg, Stuttgart, Tübingen, Freiburg, Ravensburg, Ulm, München, Nürnberg, Bayreuth, Erfurt, Leipzig, Dresden, Berlin, Greifswald, Rostock, Kiel, Flensburg, Hamburg, Lüneburg, Bremen, Hannover, Ostwestfalen Lippe, Osnabrück, Münster, Ruhrpott, Köln, Dortmund, Kassel. Die Endstation wird Marburg sein.

Was auf der Reise alles passiert, erfahrt ihr bald hier auf Face2Face – bis dahin heißt es abwarten und Koffer packen.

Vorschau: Im nächsten Panorama-Artikel könnt ihr den dritten Teil unserer Geschwisterserie lesen.

Um die halbe Welt in „Das Jahr des Tigers“– eine Rezension

Das Titelbild: Das Gebirge des Himalaya in Tibet (Foto: Wagner Verlag)

Nach dem chinesischen Kalender war 2010  das Jahr des Tigers. Ein gutes Zeichen, um zu einer achtmonatigen Reise über Land von Marburg nach Singapur und zurück bis nach Lissabon aufzubrechen, fand die Autorin und Weltreisende Tatjana Kröger, die im Jahr des Tigers 1962 geboren wurde. Eine Rezension ihres Reisebuches lest ihr heute hier bei Face2Face .

„Auf dem Landweg zweimal quer durch ganz Europa und Asien? Und ganz allein als Frau?“, empört sich der Klappentext des Buches und stellt damit die Fragen, die sich wahrscheinlich jeder Leser dieses Reiseberichts zu Anfang des Buches stellt. „Eine wahnwitzige Idee“, so könnte man meinen, aber „es geht doch!“, weiß Kröger zu berichten.

Um eine Vorstellung von den Dimensionen der Reise zu bekommen, empfiehlt es sich einen Blick in das Nachwort zu werfen: „Ich legte auf dieser Reise eine Entfernung von 53.798 Kilometern zurück, davon 21.991 mit dem Bus, 18.783 Kilometer mit dem Zug, 9.436 Kilometer mit dem Auto und 3.083 Kilometer mit dem Jeep.“  Eine Reiselänge, die mit jeder Weltreise konkurrieren kann und bei einem Blick auf die Strecke ein bisschen an die Reise Marco Polos, des berühmten China-Reisenden aus dem 13. Jahrhundert, erinnert .

Die Reiseroute führte die Autorin durch alle Klimazonen von „klirrender Kälte“ bis „tropischer Schwüle“. Ein Jahr hatte Kröger im Voraus begonnen ihre Reise zu planen, um vorbereitet auf gefährliche Länder, wie den Iran oder Tibet zu sein. Auch Visa mussten rechtzeitig beantragt werden.: „Die Kosten für Visa erreichten ungeheure Dimensionen mit insgesamt 819 Euro, das russische Visum schlug dabei mit 153 Euro zu Buche, das iranische mit 145 Euro.“

Erlebt hat Kröger so einiges. „Sie fischt im zugefrorenen Baikalsee, lernt bei Nomaden in der Mongolei die tägliche Hausarbeit, streichelte Tiger in einem Waldkloster in Thailand, nimmt in Malaysia an einer traditionellen Hochzeitsfeier teil, macht Station am Basislager des Mount Everest, sieht in Pakistan die Prozessionen zum großen islamischen Fest Anschura.“ Dies alles berichtet Kröger in ihrem Buch in einer Mischung aus persönlichem Reisetagebuch und mit Fakten versehenem Reisebericht.  Im Vergleich mit dem Taj Mahal in Indien oder der Tempelstadt Angkor in Kambodscha werden deutsche Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel der Rolandsbogen oberhalb des Rheins in einer anderen Relation gesehen: „Der Rolandsbogen ist ziemlich unspektakulär und bröckelig, erinnert eher an den Bogen im Zaubereiministerium im fünften Band von Harry Potter, und ein Bogen ist er eigentlich auch nicht, sondern ein stehen gebliebener Fensterrahmen.“

Für diejenigen, die das Buch nicht nur als Lesevergnügen kaufen , sondern auch zu Planungszwecken einer eigenen Reise verwenden möchten, hat Kröger am Ende ihres Buches noch einmal eine Liste ihrer persönlichen Highlights in den Kategorien „Natur Wunder“, „Architektonische Wunder“, Kulinarische Highlights“, „Kulturelle Highlights“ und „Schönste Strecken“ aufgestellt.  

Das Buch selbst beinhaltet aber vielmehr als nur eine Aufzählung von besuchten Monumenten und Wundern der Natur. Auch von viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft wissen Buch und  Autorin zu berichten und so endet auch das Buch mit einer Danksagung nicht nur an Freunde und Verwandte, die Kröger unterstützt haben, sondern auch an die „vielen Menschen in allen Ländern für ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft in zahllosen Situationen meines Reisealltags. Ohne sie alle wäre diese Reise nicht möglich gewesen. Als Alleinreisende ist man ganz besonders auf Kontakte zu den einheimischen Menschen angewiesen, und gerade das ist es letztlich auch, was eine Reise wirklich reisenswert macht.“

Vorschau: Am Dienstag, 23. April geht es in der Reiserubrik weiter mit einem Artikel über die derzeitige Kulturhauptstadt Europas: Marseille.

Einen Koffer für das Gold des 21. Jahrhunderts

Frisches, genießbares Wasser: Für viele Menschen noch immer unerreichbar (Foto: Bierbrauer)

Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist ein Menschenrecht. Laut Viva con Agua, einer gemeinnützigen Organisation, die sich global für sauberes Trinkwasser und eine sanitäre Grundversorgung für die Menschheit einsetzt, bleibe jedoch für 783 Millionen Menschen weltweit dieser Zugang noch immer verwehrt.

Gegenwärtig führt Viva con Agua unter anderem ein Projekt in Süd-Asien durch, dessen Laufzeit sich von März 2011 bis Februar 2015 erstreckt. Bewerkstelligt wird der Bau von Trinkwasser-, Sanitär- und Bewässerungsanlagen, um die landwirtschaftlichen Erträge der von Armut geprägten Bevölkerung zu erhöhen und die hygienischen Zustände in den ökonomisch schwächsten Regionen Indiens zu optimieren, lässt die Organisation verlauten.

Um die Organisation und das besagte Projekt zu unterstützen, hat es sich eine Gruppe junger Studierender aus Marburg zum Ziel gesetzt, eine Aktion zu starten und Viva con Agua Marburg gegründet. Hierzu lassen die Marburger einen Koffer gestalten, der für einen guten Zweck von verschiedenen Leuten mit auf ihre Reisen genommen wird. Das Ziel der Koffer-Aktion ist es, Menschen über die globale Wasserproblematik durch die im Koffer befindlichen Informationsbroschüren aufzuklären und die Menschen zum Spenden zu animieren, berichtet die Marburger Viva con Agua-Gruppe.

Die Reise des Koffers soll in Marburg beginnen und in weiteren Städten fortgesetzt werden, in denen Viva con Agua ebenfalls vertreten ist. Hierzu zählen Frankfurt am Main‎, Mainz‎, Heidelberg, Stuttgart‎, Ravensburg, München, Bayreuth, Leipzig, Berlin, Greifswald, Kiel‎, Flensburg‎, Hamburg, Lüneburg‎, Bremen‎, Hannover, Osnabrück, Münster, Köln‎, Dortmund sowie Kassel.

Über eine Internetseite können Interessierte verfolgen, auf welcher Station sich der Koffer gerade befindet und wie viele Spenden er mit sich trägt. Das gesammelte Geld, das einzig und allein für die Unterstützung des Wasserprojektes im Norden Indiens bestimmt ist, wird nach jeder durchlaufenen Station auf das Viva con Agua-Spendenkonto überwiesen und gesichert, bestätigen die hilfsbereiten Studierenden.

Die Marburger arbeiten fleißig an ihrem Projekt: eine Koffer-Skizze (Zeichnung: Merle Genc)

Damit der Spaß jedoch nicht auf der Strecke bleibt, haben sie sich noch etwas Besonderes einfallen lassen: Der Koffer beinhaltet eine Wunschliste, auf der vermerkt wird, was dieser auf der Reise erleben sollte, wie etwa einen Platz in der ersten Reihe eines Gruppenfotos erhalten, ein Festival ansehen, von sechs Händen getragen werden, eine Hochzeit miterleben, über das Wasser fahren und vieles mehr. Hierbei sind den Reisenden keine Grenzen gesetzt – im Gegenteil: Sie können durch kreative Ideen die Liste beliebig erweitern. Durch das Konzept der All-Profit-Organisation werden Koffer und Reisender also jede Menge Spaß haben – und das alles auch noch für einen guten Zweck.

Viva con Agua setzt mit der Unterstützung ein Zeichen, indem sie sich für den allgemeinen Zugang zum Gold des 21. Jahrhunderts – dem Wasser – stark macht. Die gegenwärtige Forderung der EU-Kommission nach einer allgemeinen Marktöffnung im Bereich der Wasserversorgung zeigt auf, dass eine mögliche Wasserprivatisierung längst auch Deutschlands Wasserpolitik erreicht hat. Kurzum: Alle sind betroffen.

Wer sich gegen eine Privatisierung von Wasser einsetzen möchte, kann HIER an einer Unterschriftenaktion teilnehmen.

Vorschau: Am Dienstag, 19. Februar, werden die stark variierenden Prüfungsanforderungen in den Bachelorstudiengängen aufgezeigt.

„Das könnt ihr in meiner Autobiographie lesen „Wir stellten uns einen rein“*“ – Interview mit Jennifer Rostock

Da haben die „Telekom Street Gigs“ sich ja einen interessanten Ort für den Auftritt von „Jennifer Rostock“ ausgesucht. Diesmal ging es in den Botanischen Garten in Marburg – das erste Mal das die Band dort war und Face2Face war für euch dabei, um sie ein wenig zum neuen Album, der Tour und der Entwicklung von damals bis heute auszufragen.

Face2Face: Ihr seid im Rahmen der „Telekom Street Gigs“ hier im Botanischen Garten – Wie findet ihr eure Location für euren Auftritt?
Christoph Deckert:
Ja das find ich eigentlich ganz cool, so hier im Dschungel, so rumble in the jungle mäßig, im Winter, im Botanischen Garten, in Marburg, dass ist ganz cool.
Joe Walter:
Ja, das sieht von der Bühne echt geil aus, sehr außergewöhnlich.
Jennifer Weist:
Vor allem, weil wir sonst uns immer so mit urbanen Sachen identifizieren, sag ich mal, aber wenn man das jetzt mal so von vorne sieht, kommt unsere Backline (Anm. d. Red:A ls Backline bezeichnet man die Verstärkeranlage von Musikern, also Gitarrenverstärker, Gitarrenboxen Bassverstärker, Bassboxen) ziemlich geil, so mit dem ganzen Grün hier.

Face2Face: Wo spielt ihr lieber? Festivals oder Clubs?
Alex Viogt:
Also botanische Gärten sind voll im Kommen jetzt.
Christoph Deckert:
Es hat beides seine Vor- und Nachteile. So kleine, schwitzige Clubs mit vielen schwitzenden Menschen und man schwitzt auch auf der Bühne, aber auch Festivals mit vielen Leuten denen man sich ins Herz mogeln muss.

Face2Face: Was ist das für ein Gefühl live auf der Bühne zu stehen?
Joe Walter:
Es ist halt immer super, vor allem wenn man neue Songs auf der Bühne spielt, kann man immer schön testen wie die Leute darauf reagieren und das ist schön zu sehen.
Jennifer Weist:
Und das ist ja auch immer ein Ping Pong-Spiel, zwischen dem Publikum und uns und wenn wir denen was geben und gucken was zurück kommt und dann noch mehr geben und noch mehr zurück kommt – das ist dann immer ein sehr schönes Gefühl auf jeden Fall.

Face2Face: Wie würdet ihr eure persönliche Entwicklung von damals bis heute beschreiben?
Jennifer Weist:
Also ich singe.
Joe Walter: Das
ist schwierig für uns. Selbstreflexionen sind immer schwierig und außerdem ging das alles ziemlich schnell. Wir sind jetzt seit vier Jahren zusammen unterwegs und es ging alles so schnell vorbei. Es ist so viel passiert und dadurch ist es auch schwer zu sagen, wenn Leute fragen, was war das schönste Erlebnis bis jetzt, weil es so viele schöne Erlebnisse und Ereignisse gab.
Christoph Deckert:
Das könnt ihr dann in meiner Autobiographie „Wir stellten uns einen rein“* nachlesen (lacht).

Face2Face: Ihr habt ja euer neues Album „Mit Haut und Haar“ rausgebracht. Wie sah die Arbeit an eurem Album aus, wie war der Verlauf, wie findet ihr das Ergebnis?
Jennifer Weist:
Also wir haben uns diesmal viel mehr Zeit genommen, als bei den vorherigen Alben. Ich glaub wir haben schon letztes Jahr Oktober angefangen, haben dann natürlich auch einen Produzenten gesucht und das hat ziemlich lange Zeit in Anspruch genommen, viel Musik gehört und geguckt was wir wollen, was für einen Sound und dann hatten wir eine Vorproduktion. Unser Produzent kommt aus New Jersey, der ist dann geflogen gekommen und wir haben geguckt ob wir uns verstehen. Januar, Februar waren wir dann sieben Wochen in New Jersey, um unser Album aufzunehmen.

Face2Face: Was erhofft ihr euch von dem Album beziehungsweise was erhofft ihr euch, wie die Fans darauf reagieren?
Jennifer Weist:
Also die Hauptsache ist, dass wir wahnsinnig zufrieden mit dem Album sind, mit jeder Sekunde, die auf dem Album zu hören ist. Wir haben einfach die ganze Zeit zusammen gehockt und haben wirklich alles zusammen überlegt, jeden Sound, jedes I-Tüpfelchen. Für uns ist es geil geworden und so hofft man, dass es für die anderen auch geil geworden ist.

Face2Face: Was sind eure Wünsche und Ziele für 2012?
Joe Walter:
Ich glaube wir spielen ein paar Konzerte und mehr ist da auch noch nicht wirklich.
Christoph Deckert:
Ist ja auch egal oder ? Die Welt geht doch eh unter 2012 (lacht).

* „Wir stellen uns einen rein“ bedeutet soviel wie „wir betrinken uns“.


Vorschau:
Und nächste Woche erwartet euch ein Bericht über das in Mannheim stattfindende Festival „Enjoy Jazz“.