Mannequin-Challenge mit Kinderkeyboard

Jeder kennt ihn – den Mann mit der Panda-Maske. Mit seinem erfolgreichen Ohrwurm „Easy“ hat er die Musikszene im Sturm erobert. Hinter seiner Maske versteckt sich aber nicht nur ein cooler Typ: Cros gefühlvolle Stimme gepaart mit emotionalen Texten, die aber auch gute Laune verbreiten, verzaubern Jung und Alt.

Rapper Cro in Mannheim

Rapper Cro in Mannheim

Party der Generationen

Sein Erfolg zeigt sich auch bei seiner „MTV-Unplugged“-Tour, die wegen der großen Nachfrage verlängert wurde. So strahlen dem Rapper am vergangenen Samstag 7.000 Fans in der Mannheimer SAP-Arena entgegen, als er nach seiner Vorband VONA die Bühne betritt. Es reicht ein lässiges „Hi Leute“ und die Menge beginnt aus vollem Halse zu kreischen. Es erinnert an die Boyband-Zeiten, in denen die Mädchen reihenweise Ohnmachtsanfälle erlitten, wenn ihre Idole auch nur in Sichtweite waren.

Die Vielfalt der Besucher ist dabei beachtlich: Von jungen Mädchen in den Zwanzigern, die zu den Tönen mitwippen über Teenies, die sich in den ersten Reihen tummeln und Kleinkindern, deren Eltern sie für eine bessere Aussicht auf den Schultern tragen, ist alles dabei. Vor allem die jüngsten Besucher des Abends tanzen begeistert zu den Tönen des 25-jährigen Rappers, als wären sie schon geübte Party-Gänger. Einige Mütter trällern mit ihren Söhnen die gemeinsamen Lieblingssongs mit.

 Bewegende Bühnenshow

Entgegen der altbekannten „MTV-Unplugged“-Reihe ist Cros Auftritt klanglich eher dick aufgetragen. Das Einsetzen von E-Gitarren und die Soundeffekte des DJs übertönen das Orchester.

Die grandiosen Background-Sängerinnen, die die Menge so richtig mit ihren Soul-Stimmen anheizen, bekommen aber zum Glück noch ein paar Soloeinlagen. Das „Unplugged“-Feeling setzt zum Ende hin dann doch ein: Aus dem Boden taucht plötzlich passend zur Zugabe, die aus ganzen acht Nummern besteht, ein Klavier auf. Darauf bezeugt Cro bei Hits wie „Melodie“ sein musikalisches Talent und wird von 7.000 leuchtenden Handys begleitet – Gänsehaut ist vorprogrammiert.

Großes Entertainment

Cro belässt es aber nicht bei den besinnlichen, ruhigen Nummern. Er tauscht sein Klavier kurzerhand gegen ein Kinderkeyboard und zeigt den Zuhörern, wie lange er und sein Orchester still halten können bei der Mannequin-Challenge.

Highlight für die kreischenden Fans ist natürlich Cros Gang durch die Menge – Selfie-Möglichkeiten mit dem Rapper inklusive.

Bei seinen Hits „Bad Chick“ und „Easy“ können wir uns nochmal von dem Orchester überzeugen, denn die Nummern werden spitze von dem Kontrabass und den restlichen Streichern untermalt. Ein echter Erfolgstyp eben, dieser Cro.

Vorschau

Reggae trifft Elektro – Patrice in Mannheim

In familiärer Atmosphäre gab der Reggae-Sänger Patrice am Freitag, 18. November in der Alten Feuerwache in Mannheim seine Hits zum Besten. Die Performance bot nicht nur den Mädels einiges zum Staunen.

 Das Herz auf der Zunge

 Dafür ist der Londoner Jake Issac bekannt, der als Support von Patrice zuerst die Bühne betrat und für Bewegung in der Menge sorgte. Inspiriert von Paul Simon, Ray Charles und den Temptations brachte der Sänger die Frauenherzen reihenweise zum Schmelzen. Vor allem die Nummern „Long Road“ und „Carry you home“ riefen Begeisterung bei den Konzertbesuchern hervor.

Altbekanntes und erfrischend Neues

Schon angeheizt durch Jake Issac gab es tosenden Applaus für Patrice,

Patrice in Mannheim

Patrice live in der alten Feuerwache

als er mit seiner Band die Bühne betrat. Zunächst gab es neue Klänge mit elektronischem Einfluss aus seinem Ende September erschienenen Album „Life´s Blood“ zu hören.

Natürlich kamen auch die altbekannten Hits nicht zu kurz: bei der Nummer „Soulstorm“ erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Die Menge tanzte, sang mit und klatschte vor Begeisterung. Die Lichter blinkten mit wechselnden Farben im Takt und erleuchteten die freudestrahlenden Gesichter der Konzertbesucher.

Ein besonderes Highlight waren die Gesangeinlagen der einzelnen Bandmitglieder, die ihr musikalisches Talent unter Beweis stellten. Vor allem Patrice´ Backround-Sängerin verzauberte die männlichen Besucher mit ihrer hellen Stimme, mit der sie gekonnt die höchsten Tonlagen sang.

Ein Star zum Anfassen

Nach etlichen Zugabe-Rufen erschien Patrice mit seinem DJ in den hinteren Rängen zwischen den Zuschauern. Er spielte inmitten seiner begeisterten Fans noch einige Hits, wie „Clouds“. Mit seinem verschmitzten Lächeln und seiner lockeren, bodenständigen Ausstrahlung verzauberte er die Mädchen und man konnte sehen, wie sie ihren Star anhimmelten.  Ein richtiger Musiker zum Anfassen eben.

Wieso nicht mal ein Schlagerfestival – Das La Ola Mannheim

Die Festival-Saison läuft bereits auf Hochtouren und ihr könnt euch vor Rock- und Elektroveranstaltungen kaum noch retten? Seit letztem Jahr gibt es auf dem Maimarktgelände in Mannheim auch etwas für Schlager-Begeisterte. Das La Ola Mannheim feiert am Samstag, 9. Juli mit mehr als zehn Schlager – und Popgrößen zum zweiten Mal unter freiem Himmel die Musik und den Sommer. Die Wetterprognose bietet hierbei beste Aussichten!

Das Line-Up ist vielversprechend

Das La Ola Mannheim (Foto: media.one GmbH)

Das La Ola Mannheim (Foto: media.one GmbH)

Das selbsternannte Sommerfestival hat für die Liebhaber des Schlagers einiges zu bieten: Um 14 Uhr beginnt die Schlagermafia das Festival. Es geht weiter mit Almklausi, der unter anderem seinen Hit „Schwarze Natascha“ performt. Markus gibt seinen Ohrwurm „Gib Gas, ich will Spaß“ zum Besten. Gegen 18 Uhr betritt der GZSZ-Star Jörn Schlönvoigt die Bühne und lässt die Frauenherzen höher schlagen.

Ein Abend voller bekannter Hits

Nachdem die Mittagshitze mit Gute-Laune-Hits zum Mitsingen durchgefeiert wird, ist zum Abend hin nicht weniger amüsantes Programm zu erwarten: Jürgen Milski bietet unter anderem seinen Hit „Heute fährt die 18 bis nach Istanbul“ dar. Danach folgen die Schlager-Ikonen Oli P. und Mickie Krause, die ihre bekannten Ohrwürmer ausgiebig mit den Fans feiern.

Der König kommt zum Schluss

Den krönenden Abschluss des 10-stündigen Festivals bietet der selbsternannte König von Mallorca Jürgen Drews mit altbekannten Liedern wie „Ein Bett im Kornfeld“. Das Programm ist mitreißend und bietet durch die bekannten Songs ein hohes Mitsing-Potential.

Der Ticketverkauf ist bereits gestartet

Wem dieses Aufgebot noch nicht genug ist, kann das VIP-Ticket buchen: Mit diesem Ticket erleben Fans das Sommerfestival im gläsernen Pavillon hautnah mit den Stars. Zudem haben sie Zugang zum kompletten Buffet und zu exklusiven Bars mit einer riesigen Auswahl an Getränken. Tickets gibt es in allen bekannten Vorverkaufsstellen bereits ab 12,90€ zzgl. Gebühren. Für die Kurzentschlossenen gibt es die Tageskasse auf dem Maimarktgelände, die ab 13 Uhr geöffnet ist. Ihr könnt euch also auf den Schlager-Sommer in Mannheim.

Vorschau Nächste Woche berichtet Face2Face über die diesjährigen EM-Hits.

Wir wollen keine Hilfsorganisation sein – Interview mit Rebecca Richter von „zusammen essen“

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Bringt „zusammen essen“ nach Mannheim: Rebecca Richter (Foto: Richter)

In Freiburg hat sich der Verein längst etabliert, nun will eine junge Frau ihn auch nach Mannheim bringen. Rebecca Richter bringt Geflüchtete und Deutsche an einen Tisch. face2face spricht mit ihr über „zusammen essen, denken und leben“ , warum ein Anruf entscheidend sein kann und warum es in Mannheim gar nicht so leicht ist, Geflüchtete für das Projekt zu finden.

Face2Face
: Liebe Rebecca, zusammenessen ist in Freiburg entstanden und dort als Verein eingetragen. Wie kommt es, dass du das Projekt jetzt nach Mannheim bringst?
Rebecca: In Freiburg wurde zusammenessen von drei jungen Frauen ins Leben gerufen, die sich dafür extra eine Auszeit vom Beruf genommen haben. Eine davon ist Leonora, die selbst aus Mosambik kommt und sich einfach engagieren wollte. Statt politische Debatten zu führen, sollen die Menschen sich über zusammenessen einfach kennen lernen. Ich habe davon gehört, bevor die Website letzten Herbst online gegangen ist und wollte gerne selbst mitmachen, aber dazu musste ich die Idee erst einmal nach Mannheim holen.

Stichwort zusammen: Das Projekt will Menschen verbinden (Foto: Richter)

Stichwort zusammen: Das Projekt will Menschen verbinden (Foto: Richter)

Face2Face: Und welche Idee ist das genau?
Rebecca: Viele Geflüchtete kommen aus Ländern, in denen das gemeinsame Essen sehr wichtig ist. Mit zusammenessen ist eine Plattform erstellt worden, auf der Gastgeber in Deutschland eine Einladung abgeben können und Geflüchtete können sich dann für dazu anmelden. Der Gastgeber bekommt dann Name und Telefonnummer der potentiellen Gäste und sollte da erst einmal anrufen. Das ist schon die erste Schwierigkeit, denn zum einen kostet es viele Überwindung einen Fremden anzurufen, zum anderen sprechen die Geflüchteten wenig Deutsch, manche auch kein Englisch oder Französisch. Man muss sich also zwischen den Sprachen verständigen. Es kann dann auch immer sein, dass ein Treffen doch nicht stattfinden. Als Gastgeber muss man sich im Klaren sein, dass die eigenen Ängste auch der anderen Seite bestehen.

Zusammen mehr erreichen: Rebecca Richter und die Mannheimer Ortsgruppe des Vereins (Foto: Richter)

Zusammen mehr erreichen: Rebecca Richter und die Mannheimer Ortsgruppe des Vereins (Foto: Richter)

Face2Face: Welche Schwierigkeiten kennt ihr denn noch?
Rebecca: Als Gastgeber musst du dich darauf einstellen, dass vor allem junge Männer kommen. Junge Frauen kommen selten und nicht ohne Begleitung. Familien gehen wieder etwas eher. Du kannst aber auf der Seite etwas über dich schreiben und die Gäste suchen dich dann schon nach Gemeinsamkeiten aus. Am besten klappen Gruppentreffen. Und auch wenn jemand die Gäste nicht gleich in seine vier Wände einladen will, ist das kein Problem. In Mannheim bietet sich der Luisenpark an oder ein Treffen in den Quadraten.

Face2Face: Und was ist jetzt eure Aufgabe dabei?
Rebecca: Grundsätzlich ist es so, dass wir potentielle Gäste und Gastgeber akquirieren müssen. Das eine ist einfacher als das andere. In Freiburg haben wir die Erfahrung gemacht, dass viele Geflüchteten irgendwie Zugang zu Internet haben. Gerade Syrien ist ja eigentlich ein hochentwickeltes Land. In Mannheim aber ist es gar nicht so einfach, an Gäste heranzukommen. Wir kommen schon in die Kasernen rein, aber die Menschen dort sind nur relativ kurz hier und werden dann weiter verteilt. Sinnvoller ist es, wenn wir an Geflüchtete kommen, die bereits Wohnungen haben und anfangen, sich zu integrieren. Wir wollen dabei keine Hilfsorganisation sein, sondern den Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen, wir sehen das so, dass wir den Deutschen genauso helfen wie den Geflüchteten.

Zusammen essen gibt es außerdem bereits in Marburg, Leipzig und Freißingen. In Mannheim wird das Projekt am Samstag, den 02. Juli 2016 um 16 Uhr in der Orientalischen Musikakademie Mannheim offiziell gestartet.

Das bildest du dir nur ein

Wie ist es eigentlich in so einer Kampfsportakademie. Wie anstrengend ist ein Fitness-Kickbox-Kurs wirklich? Ich habe es mal ausprobiert, mit folgendem Ergebnis…

Eine blöde Idee?
„Lust mit in einen Fitness-Kickbox-Kurs zu gehen?“ Als eine Freundin von mir diese Nachricht schickte, dachte ich noch nicht an die schweißtreibende Arbeit, an die unzähligen ausgesprochenen Flüche und den tagelangen Muskelkater, der mich erwarten würde. Was also veranlasste mich zu einem Besuch voller körperlicher Qualen? War es die angestaute Energie, die ich schon seit einiger Zeit in mir spürte und die endlich raus musste – klar, wer fast den ganzen Tag vor dem Bildschirm auf seinem Hintern verbringt – oder die Abenteuerlust, mal etwas Neues auszuprobieren? Oder war es einfach nur eine jener berühmten Bierlaunen, die Man(n) in seinem Leben des Öfteren überkommen? Immerhin erreichte mich die Nachricht während dem Super-Bowl zwischen den Carolina Panthers und den Denver Broncos. Euphorisiert von den Mensch gewordenen Kühlschränken, die sich ohne Rücksicht auf Verluste über den Haufen rannten, sagte ich umgehend zu.

Schweiß, Gummi, Putzmittel und Leder
Gut zehn Tage später war es dann soweit. In der Omnis Kampfsportakademie in Mannheim ging es bereits vor dem Trainingsbeginn steil bergab. Und zwar eine in grau geflieste Treppe zu den Umkleidekabinen. Spätestens hier schlägt mir eine Welle unterschiedlicher Gerüche entgegen. Schweiß mischt sich mit Gummi, Putzmittel- mit Ledergeruch. Der Ort des Geschehens war ohne Frage eine Kampfschule. Eine, in der hart gearbeitet wurde.

Das Werkzeug eines jeden Kickboxers: Die Boxhandschuhe FOTO: Privat

Das Werkzeug eines jeden Kickboxers: Die Boxhandschuhe FOTO: Privat

Aufwärmprogramm
Kaum umgezogen, ging es dann auch schon los. Mit Hector leitete ein Kickboxer des aktuellen U18-Nationalkaders den Anfängerkurs. „Lockeres Aufwärmprogramm“, brüllte er den gut 15, überwiegend weiblichen, Teilnehmer/innen motivierend wie eindringlich entgegen. Leicht auf der Stelle bewegen, ein paar Hampelmänner, Armkreisen. „Alles kein Problem“, dachte ich. Als ehemaliger Fußballer bekomme ich das locker hin und ließ den anderen Teilnehmern ein überhebliches Kopfnicken zukommen, das signalisieren konnte: „Na wenn das alles ist, pfff“.

Großer Irrtum
Welch eine Selbstüberschätzung. „Die Schmerzen bildest du dir nur ein und das Umknicken vorhin war einfach nur fies“, versuchte ich mir nach etwa 15 Minuten einzureden. Nach etwa 20 Minuten gingen die Flüche und Verwünschungen los. Der Schweiß rann mir in Strömen über die Schläfen. Luft bekam ich offensichtlich nur noch zufällig in meinen Körper gepumpt. Doch das Überraschende?! Nach unzähligen Bocksprüngen, Tempoverschärfungen, Schlag- und Trittkombinationen überkam mich ein Adrenalinstoß. Durch die gezielt eingesetzte Housemusik im Hintergrund riss ich mich plötzlich zusammen, schöpfte neue Motivation und holte alles aus mir heraus, was mein eingerosteter Körper noch übrig hatte. Das Problem: Diese Phase hielt nur ganze zehn Minuten an…

Platt, aber glücklich
Nach dem ich der Luft oder dem ab und zu vor die Nase gehaltenem Polster mit zahlreichen Schlägen und Tritten gezeigt habe, dass Journalisten nicht nur etwas im Kopf haben, stoppte ich abrupt ab. Mein Körper fühlte sich unheimlich schwer an. Ich pustete durch, fiel fast um, sammelte mich wieder und starrte wie paralysiert auf die Uhr. Es waren erst vierzig der sechzig minütigen Trainingseinheit um. Was zu Beginn noch ein überhebliches Kopfnicken an die restlichen Teilnehmer war, glich nun einem Akt der Verzweiflung. 20 lange Minuten später, die Liegestütze, Bauch- und Dehnungsübungen zum Schluss gaben mir die angemessene Zeit zum Durchatmen, hatte ich es geschafft. Platt, aber glücklich es gemeistert zu haben, ließ ich mich in eine der hinteren Ecken der Akademie fallen. „Wie viel Ausdauer man pro Woche machen soll, muss jeder selbst herausfinden. Wenn man aber merkt, dass es einem schadet, sollte man die Anzahl der Einheiten pro Woche zurückschrauben“, verriet mir Hector hinterher, auf dessen Stirn kaum ein Schweißtropfen zu entdecken war, und erklärte: „Du wirst sehen: Beim zweiten Mal ist es schon nicht mehr ganz so anstrengend.“ Ich hoffe, er hat Recht…

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr, was es mit dem Fitnesshype auf Instagram auf sich hat.

Vielen Dank an das Team der Omnis Kampfsportakademie für den horizonterweiternden und definitiv Grenzen überschreitenden Einblick.

Durchfallquote und Sexnotruf – Die Satiregruppe „Die LISTE“ im Universitätswahlkampf

Wer eine Weile lang an einer deutschen Hochschule eingeschrieben war – und sich dabei regelmäßig auf dem Campus aufgehalten hat – der kennt sie: Flyer, Plakate, Informationsstände, auf denen politische Hochschulgruppen ihre Inhalte bewerben. Besieht man sich allerdings die Wahlbeteiligung der Universitätswahlen, mag man dem Gedanken erliegen, dass diese Wahlkämpfe an den meisten Studenten einfach vorbeigehen: Zur Wahl gehen selten einmal mehr als 25 Prozent der wahlberechtigten Studierenden. Hat Hochschulpolitik ein Imageproblem?

Wahlkampf: "Die LISTE" und die Medien- und Kommunikationswissenschaften der Universität Mannheim (Foto: privat).

Wahlkampf: „Die LISTE“ und die Medien- und Kommunikationswissenschaften der Universität Mannheim (Foto: privat).

Mit solchen Oberflächlichkeiten hält sich die Mannheimer Hochschulgruppe „Die LISTE“ nicht auf. Als der Satirepartei „Die PARTEI“ nahestehende Gruppe scheint sie mehr damit beschäftigt, den Studierendenalltag aufs Korn zu nehmen – und das offenbar mit Erfolg: Nach Gründung im Jahr 2013 hatte die LISTE bereits innerhalb einer Woche mehr als 1.000 Likes auf Facebook errungen. „Bei den Studiosi der Uni Mannheim kamen wir sehr gut an“, teilt eine Vertreterin der LISTE auf Anfrage mit, „die anderen Hochschulgruppen allerdings waren wenig begeistert. Sie befürchteten, dass sie Sitze im Studierendenparlament an uns verlieren würden“. Das Studierendenparlament der Universität Mannheim umfasst 23 Sitze, von denen 2013 kein einziger an die LISTE entfiel. Damals hatte man zwar Wahlkampf gemacht, zur Wahl angetreten war die LISTE allerdings nicht.

Nachdem bekannt geworden war, dass eine andere Hochschulgruppe im Wahlkampf ihre Unterstützerschriften gefälscht hatte, wurde bereits ein halbes Jahr später erneut gewählt. Die LISTE hatte damals mit parolenartigen Statements wie „Erstis raus!“ und mit Forderungen nach der Exmatrikulation hässlicher Menschen oder nach FKK-Hörsälen um Stimmen geworben – und erreichte mit diesen Kreativleistungen aus dem Stand drei Sitze im Studierendenparlament. Aufgrund des Wahlergebnisses war die LISTE nun plötzlich für die anderen Hochschulgruppen ein ernstzunehmender Akteur der Mannheimer Hochschulpolitik geworden. Denn eine Koalitionsbildung ohne die LISTE war zu diesem Zeitpunkt weder für den Block aus Jusos und grün alternativer Hochschulgruppe (GAHG), noch für den Block von RCDS und der liberalen Hochschulgruppe (LHG) möglich. Ohne Inhalte – aber mit Humor und Dreistigkeit – hatte sich die LISTE in eine Koalition mit den Jusos und der GAHG manövriert; infolge der Verhandlungen durfte die junge Hochschulgruppe einen eigenen Vorstand des Allgemeinen Studierendenausschusses – kurz AStA genannt – stellen und ein eigenes Referat für Öffentlichkeitsarbeit besetzen.

Verwirrend: Die Wahlkampfauftritte der LISTE (Foto: privat).

Verwirrend: Die Wahlkampfauftritte der LISTE (Foto: privat).

Nun stehen die Wahlen in Mannheim wieder kurz bevor: Gewählt wird am kommenden Dienstag, 21. April und Mittwoch, 22. April. Um einen Wiedereinzug in die Gremien scheint sich die LISTE bislang keine Sorgen zu machen. Freimütig haben sie auch in den vergangenen Tagen den hochschulpolitischen Alltag mit Verwirrung, Unfug und Anarchie angereichert. So warb die LISTE etwa für Einführung einer „Durchfallquote“ für die Mannheimer Mensa, richtete einen Sex-Notruf ein und nahm gesammelte Wahlflyer konkurrierender Gruppen in Empfang – um die Spender mit Bier zu entlohnen.

"Bier für Flyer": Alternative Strategien bei Stimmenjagd (Foto: privat).

„Bier für Flyer“: Alternative Strategien bei Stimmenjagd (Foto: privat).

Man mag nun mit einiger Berechtigung fragen: Was soll das? Die LISTE ist um eine Antwort nicht verlegen: „Unsere Aufgabe ist es, auf aktuelle Missstände in der Hochschulpolitik aufmerksam zu machen und die verkrusteten Strukturen zu lösen. Satiregruppen gibt es an der Universität schon genug – etwa der RCDS“.

„Karma is a bitch“ – Das Phänomen Jodel

Es ist Montag und der 21-jährige BWL-Student Christian sitzt in seiner allwöchentlichen Management-Vorlesung. Statt auf die Vorlesungsfolien starrt er jedoch wie gebannt auf sein Smartphone und aktualisiert die geöffnete App, gennant Jodel, im Minutentakt. Denn was dort geboten wird ist für den Studenten viel interessanter, als die SWOT-Analyse.

Jodel

Jodel und Kaffee: Für Studenten wie Christian elementare Bestandteile des Universitätsalltags (Foto: Privat)

„Heute gilt für mich das Badewannen-Prinzip: Volllaufen lassen!“ oder „Wenn der Professor deinen Vorschlag, die Vorlesung heute draußen zu halten, krachend ablehnt“ sind nur einige der Posts, die Christian schmunzeln lassen und ihn mit Erfolg von der Vorlesung ablenken.

Jodel ist eine Smartphone-App, die seit einigen Monaten an Deutschlands Universitäten kursiert. Doch im Gegensatz zu Facebook, Twitter und Co. wendet sie sich bewusst gegen die zunehmende Personalisierung. Bei Jodel müssen Nutzer kein Profil mit persönlichen Inhalten anlegen, alles geht komplett anonym vonstatten. Die Applikation greift mittels GPS lediglich auf den Standort des Smartphones zu und verbindet so alle Nutzer, die sich in einem Umkreis von zehn Kilometern aufhalten.

So simpel das Prinzip von Jodel auch ist, desto besser scheint es bei den Nutzern anzukommen. Mithilfe von Text- oder Bildposts, so genannten „Jodel“, können lustige Anekdoten, Events oder Neuigkeiten aus der Universität oder dem Alltag geteilt werden. Mittels Kommentaren können sich die Nutzer austauschen. Alle Posts können jedoch auch hoch- und runtergevotet werden. Ein Meldeprinzip sorgt dafür, dass anstößige oder unpassende Inhalte gelöscht werden. Doch auch das Voting trägt dazu bei, dass die Inhalte der App sich selbst regulieren: Bei einer gewissen Anzahl von Downvotes verschwindet ein Post von den Smartphone- und Tabletbildschirmen.

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Auch die Face2Face Redakteurin Nadine hat Jodel für euch getestet: Das vielsagende Icon der App (Foto: Privat)

Auch das Anreizprinzip von Jodel ist interessant: Durch Aktivität oder durch Down- und Upvotes der eigenen Posts steigt oder sinkt das sogenannte „Karma“. Mit dem spirituellen Konzept des Handelns und deren Folgen hat das Jodel-Karma wohl wenig zu tun. Dennoch sind viele Jodler fleißig am Karma sammeln.

„Jodel eignet sich super zur Ablenkung in allen Lebenslagen, sei es in der Bibliothek, bei der Arbeit oder in der Vorlesung“, so der begeisterte Christian. Auch die Soziologiestudentin Sabine zeigt sich positiv gegenüber der Neuerung im Unialltag: „Man hat immer etwas zu lachen und die Community, die sich in Jodel herausgebildet hat, ist eine ganz besondere. Wenn man nach den richtigen Regeln spielt, kann man dort viel Spaß haben.“

Jodel scheint in vielerlei Hinsicht eine Eigendynamik entwickelt zu haben. So gibt es eine Vielzahl von ungeschriebenen Regeln oder Verhaltenscodes, an die sich die Nutzer halten. Die Wahrung der Anonymität ist vielen Jodlern sehr wichtig und auch Hashtags werden – wenn auch in Jodel komplett unnütz – rege benutzt.

In letzter Zeit scheint sich Jodel jedoch in eine Art Singlebörse oder Abklatsch von Frage-Portalen wie „gute-frage.de“ oder „Free your Advice“ verwandelt zu haben. Besonders Männer, die in die Welt und Denkweise der Frauen Einblick erhalten wollen und andersrum sind besonders häufig zu beobachten. Christian und Sabine zeigen sich von all dem unbeeindruckt – sie werden fleißig weiterjodeln und Karma sammeln. Ob die Entwickler von Jodel ihr Versprechen halten, dass etwas tolles passieren soll, wenn man viel Karma gesammelt hat, wird sich zeigen…

Vorschau: Nächste Woche berichten wir an dieser Stelle über die Cartoons von Gerhard Glück in der Caricatura Frankfurt.

Hoffnung trotz schwacher Jugendarbeit – Teil 2

Während hierzulande der Kampf um die deutsche Eishockey-Meisterschaft in die heiße Phase geht – Mannheim, Wolfsburg, Ingolstadt und Düsseldorf sind noch im Rennen – stehen die Play-offs in Nordamerika kurz bevor.

In Teil 2 unserer Serie über die deutschen Nachwuchshoffnungen in der Nordamerikanischen Hockey League (NHL) blickt Face2Face auf den Saisonverlauf von Verteidiger Korbinian Holzer, Raubein David Wolf und Torhütertalent Philipp Grubauer.

Korbinian Holzer. Der Verteidiger, der in dieser Saison den endgültigen Durchbruch in der NHL geschafft hat, kann auf eine bewegende Spielzeit zurück blicken. Dabei zeichnete ihn vor allem eine Fähigkeit aus, die nicht viele deutsche Akteure haben, die lange auf ihre Chance in der NHL warten müssen: Durchhaltevermögen. 2012 schnupperte er bereits heftig an der Tür zur besten Liga der Welt. Für die Toronto Maple Leafs schaffte er in 22 Spielen zwei Tore und überzeugte mit starken Defensivleistungen. Doch sein Weg führte dennoch zurück in die zweitklassige AHL. Erst zu Beginn der laufenden Spielzeit kam der erneute Anruf aus Toronto. Holzer war dabei und spielte NHL. Zwar musste der gebürtige Münchner zwar das ein oder andere Mal von der Tribüne aus zuschauen, doch in 34 Spielen standen sechs Vorlagen für den körperlich starken Deutschen auf der Habenseite. Kurz vor der Trade-Deadline (nach diesem Termin dürfen die NHL-Teams bis zum Rookie-Draft keine Spieler oder Draft-Picks mehr untereinander tauschen) fiel Holzer mit einer Gehirnerschütterung aus. Dennoch wurde er vom Sorgenkind Toronto, das keine Chancen mehr auf die Play-offs hatte, zum Titelmitfavoriten Anaheim Ducks transferiert. Sportlich ein klarer Schritt nach vorne für den Verteidiger. Perspektivisch allerdings mindestens einer zurück. Die Konkurrenz in der Defensive der Ducks ist um eine vielfaches höher als in Toronto. Bislang kam Holzer zu keinem einzigen Einsatz für sein neues Team und ist zum zuschauen verdammt. Ob der Deutsche nach dieser Saison in die Heimat zurückkehrt oder weiter in Nordamerika sein Glück versucht ist momentan völlig offen. Genug Durchhaltevermögen, um weiter über dem großen Teich erfolgreich zu sein hat er ja.

David Wolf.  Der 25-Jährige wechselte vor dieser Saison von den Hamburg Freezers nach Kanda zu den Calgary Flames, um sich seinen Traum von der NH zu erfüllen. Von einem Star in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu einem unter vielen in Nordamerika. Der gebürtige Düsseldorfer hängte sich in der Vorbereitung voll rein, wollte den Sprung zu den Flames unbedingt schaffen. Doch sein Weg führte ihn zunächst zum Farmteam Calgarys, den Adirondack Flames, in die AHL. Das schmeckte dem 1,90 Meter großen, ehrgeizigen Stürmer überhaupt nicht. „Ich bin eigentlich zu gut für das hier“, gab er in einer Fernsehdokumentation des NDR über seinen Wechsel nach Nordamerika offen zu. Verletzungen und Probleme mit dem Trainer vergrößerten die Sorgen Wolfs. Doch er überwand seine Startschwierigkeiten. Mit seinen Torjägerqualitäten und seinen Kampffähigkeiten, durch die er in Deutschland berüchtigt wurde, machte er sich in Adirondack einen Namen. Ende Januar kam dann der Anruf aus Calgary. Der Traum vom NHL-Debüt rückte in greifbare Nähe und erfüllte sich bei der Partie gegen die Edmonton Oilers, das Team des deutschen Ausnahmetalents Leon Draisaitl, endgültig. Wolf enttäuschte keineswegs, traf einmal den Pfosten und wurde von seinen Teamkollegen mit dem Feuerwehrhelm symbolisch für den besten Arbeiter des Spiels ausgezeichnet. Nach einer weiteren Partie musste der Angreifer dann allerdings wieder zurück nach Adirondack. „Ich wollte einmal in der NHL spielen und das habe ich jetzt geschafft“, strahlte er dennoch über das ganze Gesicht. Geduld und Durchhaltevermögen sind jetzt gefragt. Mit 33 Punkten aus 51 Spielen (17 Tore und 16 Vorlagen) hat Wolfs zumindest das ein oder andere Argument, um wieder in die NHL berufen zu werden.

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Philipp Grubauer. Der Rosenheimer ist das momentan wohl größte deutsche Torwarttalent im Eishockey. 2010 gewann er mit dem Juniorenteam Windsor Spitfires den berühmten Memorial Cup in Nordamerika. In der vergangenen Saison sorgte er dann für großes Aufsehen in der NHL. Knapp zwei Monate war er die Nummer eins der Washington Capitals. Erst profitierte er von der Verletzung Michael Neuvirths und dann von den schlechten Leistungen Braden Holtbys. Grubauer enttäuschte dagegen ganz und gar nicht. In 17 Spielen schaffte es der Youngster auf eine eindrucksvolle Fanquote von 92,5 Prozent. Dennoch entschieden sich die Capitals den Deutschen wieder zurück in die AHL zu schicken, um ihn in dieser Spielzeit noch einem „Lehrjahr“ bei den Hershey Bears zu unterziehen. Und auch hier zeigte Grubauer, der im vergangenen Jahr bereits für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM zwischen den Pfosten stand, seine ganze Klasse. Der Torwart, der mit einer ausgezeichneten Athletik und einer hervorragenden Einstellung ausgestattet ist, schaffte es in 45 Spielen auf einen Gegentorschnitt von 2,27 und einer Fanquote von 92,2 Prozent. Der verdiente Lohn war ein weiterer Einsatz bei den „Caps“. Auch, um sich kurz vor der Trade-Deadline nochmals den anderen Teams zu präsentieren. Zu einem Tausch oder einer endgültigen Berufung in die NHL kam es letztlich zwar nicht, doch Grubauers Weg wird schon in der nächsten Saison in die National Hockey League führen. Ob in Washington oder bei einem anderen Team.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr einen Artikel über „Gut aussehen um jeden Preis – mit Anabolika“.

Hoffnung trotz schwacher Jugendarbeit – Teil1

Nein, das deutsche Eishockey gehört auf der internationalen Bühne nicht zu der Weltklasse dazu. Dafür gibt es die verschiedensten Gründe. Einer davon ist wohl der existenziellste von ihnen: Die Jugendarbeit. Hier hapert es oft schon an den einfachsten Stellen. Klar, im Land, in dem König Fußball regiert, ist es schwer Kinder für die schnellste Mannschaftssportart der Welt zu begeistern. Auch sind Fußball oder Handball (oftmals für die Eltern) billiger und vielfältiger bei den Ausübungsmöglichkeiten (es steht leider nicht überall eine Eishalle zur Verfügung). Aber dennoch muss sich der deutsche Eishockeybund und die lizenzierten Vereine der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in Sachen Jugendarbeit noch deutlicher hinterfragen. Die meisten der DEL-Clubs, zum Glück nicht alle, betreiben eine solche Jugendarbeit erst überhaupt nicht. Um die Mindestanzahl an deutschen Akteuren im jeweiligen Kader zu erfüllen, werden kurzerhand Deutsch-Kanadier, die zu häufig nicht mal die deutsche Sprache beherrschen, mit dem entsprechenden Pass ausgestattet und ins Team aufgenommen. Und sollte man doch einmal einen deutschen Spieler benötigen, bedient man sich überwiegend bei der unterklassigen Konkurrenz, die durch nachhaltige Jugendarbeit versucht das deutsche Eishockey langfristig auf einen erfolgreichen Weg zu führen. 

Natürlich gibt es auch vorbildliche Ausbildungsstätten wie beispielsweise in Mannheim, Köln, Düsseldorf oder, wie bereits oben erwähnt, in den im Profibereich leider unterklassigen Vereinen wie Landshut, Bad Tölz, Kaufbeuren und Rosenheim. Dadurch lässt sich auf internationalem Niveau zwar ganz nett mitspielen, zu mehr reicht es damit aber noch lange nicht. 

Zum Glück springt aber ab und zu auch das ein oder andere Talent aus den Schmieden heraus. Nachwuchshoffnungen, die es bis in die beste Eishockeyliga der Welt, der National Hockey League (NHL), schaffen. 

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Vor allem vor der laufenden Saison richteten sich alle deutschen, eishockeyinteressierten Augen auf die NHL. Mit Leon Draisaitl, Tobias Rieder, Korbinian Holzer, David Wolf und Philipp Grubauer durften gleich sechs Talente zumindest für ein Spiel das Trikot eines NHL—Teams überstreifen. Face2Face behält die Stars von morgen ständig im Auge und gibt im Folgenden einen Überblick über den bisherigen Saisonverlauf der deutschen Youngstars. 

Leon Draisaitl. Der gebürtige Kölner war im vergangenen Sommer das Medienthema in der deutschen Eishockeyszene. Draisaitl wurde im NHL-Draft 2014 an dritter Stelle von den Edmonton Oilers gezogen. So früh, wie noch kein deutscher Spieler vor ihm. Dass Superlative wie Jahrhunderttalent nicht lange auf sich warten ließen, liegt nahe. In den USA trägt er, in Anlehnung an die kanadische Eishockey-Ikone Wayne Gretzky, den Spitznamen „The German Gretzky“. Klar, dass da der Hype um das „Ausnahmetalent“ entsprechend groß war. Der 1,88 Meter große und 108 Kilogramm schwere Centerspieler schaffte auch auf Anhieb den Sprung in den NHL-Kader, stürmte zwischenzeitlich sogar in der zweiten Sturmreihe. Doch der damals noch 18-Jährige hatte ein Problem: Mit den Oilers ist er in ein Team geraten, dass sich seit Jahren im Umbruch befindet und seit noch längerer Zeit kein Bein mehr auf die Erde brachte. Nach 37 NHL-Spielen beim damals schlechtesten Team der Liga, in denen ihm immerhin zwei Tore und sieben Vorlagen gelangen, hatten die Club-Verantwortlichen ein einsehen. „Ständig zu verlieren bringt einem jungen Spieler wie Leon in seiner Entwicklung nicht weiter. Er braucht Siege“, ließ die Oilers-Führung rund um General-Manager Craig MacTavish und Trainer Dallas Eakins verlauten. Die logische Konsequenz: Draisaitl wurde in die Western Hockey League, eine kanadische Juniorenliga, zurückgeschickt, um unter Erfolgserlebnissen weiter geschliffen zu werden. Die Kelowna Rockets, heißester Anwärter auf den Cup-Sieg, boten sich da regelrecht an. Und der NHL erfahrene Deutsche schlug voll ein. Mit neun Toren und 21 Vorlagen in 30 Partien für sein neues Team zeigte Draisaitl wie viel Potenzial in ihm steckt. „Ich lebe mich hier langsam ein und kann noch viel besser spielen“, ließ er verlauten. Es klang fast wie eine Drohung an die Konkurrenz. Doch so oder so. Leon Draisaitl wird noch eine große Karriere in der NHL vor sich haben. 

Tobias Rieder. Der Landshuter machte sich vor gut vier Jahren auf, um in Nordamerika seinen Traum vom NHL-Profi zu leben. Nach drei Jahren beim Juniorenteam der Kitchener Rangers in der Ontario Hockey League (OHL), ging es für ihn nach Portland in die zweitklassige AHL. Bei den Portland Pirates, dem Farmteam der Arizona Coyotes, zeigte Rieder sofort seine enormen  Torjägerqualitäten. Bereits in seinem ersten AHL-Spiel gelangen ihm zwei Treffer. Am Ende standen beachtenswerte 28 Tore für ihn zu Buche – und das bei einem Team, dass die Play-off-Runde verpasste. Als Zugabe gab es weitere Profi-Erfahrung bei der A-WM mit der deutschen Nationalmannschaft. Dort gefiel Rieder als bester deutscher Stürmer. Und nach neun Spielen (vier Tore, zwei Vorlagen) in der laufenden AHL-Saison, kam der Anruf aus Arizona –„Tobi pack deine Sachen, du spielst heute Abend in Washington gegen die Capitals“ sagte ihm sein AHL-Trainer Ray Edwards am Telefon. Gesagt getan. Da der Landshuter offenbar auf gelungene Prämieren zu stehen scheint, steuerte er bei seinem Debüt gleich mal seinen ersten NHL-Treffer hinzu. Aber das ist noch nicht alles. Rieder stellte am 01. Dezember des vergangenen Jahres einen Rookie-Rekord auf. Ihm ist es als ersten Liganeuling gelungen, zwei Unterzahltore binnen 58 Sekunden zu erzielen. Nach 48 Spielen stehen nun acht Tore und sechs Vorlagen auf der Habenseite Rieders. „Er ist ein cleverer Spieler, der mit Intelligenz und hohem Tempo agiert“, sagt nicht nur Coyotes-Trainer Dave Tippet dem Landshuter eine große Karriere voraus. 

Die nächsten deutschen Nachwuchshoffnungen in der NHL werden in Teil 2 näher unter die Lupe genommen. 

Vorschau: Ski-WM in Falun. Folgt nach dem überschaubaren Abschneiden in Sotschi der Sprung zurück zu alter Stärke?

Der Mannheimer „Nachtkonsum“ hinter dem Verkaufstisch – ein Perspektivenwechsel

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Ist bereit, leer gekauft zu werden: Unser Verkaufstisch auf dem Nachtflohmarkt. (Quelle: Betz)

Nachdem ich von meinem letzten Besuch der Flohmarktreihe „Nachtkonstum“, ein Bericht darüber ist in diesem Artikel zu lesen, so begeistert war und gleichzeitig feststellen musste, dass sich nach meinem dreimonatigen Praktikums-Aufenthalt in Köln immer noch zahlreiche Kleidungsstücke in meinem Schrank in der Heimat befinden, die ich weder in dieser Zeit noch in den gefühlten drei Jahren dafür vermisst habe, war für mich klar: Der Nachtflohmarkt mit dem jungen Publikum und den Morgenmuffel freundlichen Ausstellungszeiten ist genau der richtige Ort, mal ein bisschen Platz im Kleiderschrank zu schaffen und gleichzeitig noch ein bisschen Geld zu verdienen.                                         Nachdem ich bisher nur als Besucherin auf Flohmärkten anzutreffen war, freute ich mich ganz be­sonders auf diesen Perspektivenwechsel, um den „Nachtkonsum“ mal von der anderen Seite des Verkaufstisches kennen zu lernen.

Ein kurzer Blick auf die Internetseite der Ver- anstaltung – ja, inzwischen hat sogar ein Flohmarkt eine eigene Internetseite ! – verrät mir den nächsten Termin in Mannheim. Gemeinsam mit einer Freundin bestelle ich mir bequem über das Onlineportal drei Standmeter zu je 10 Euro.

Am 10. Januar ist es dann soweit: Nachdem ich Tage vorher damit beschäftigt war, sämtliche Kleider nochmal zu waschen und ordentlich zusammen zu legen, geht es nun mit mehreren Umzugskisten, Wäschekörben, Tapeziertischen, einer Kleiderstange und meiner besten Freundin im Gepäck ab nach Mannheim. Durch das vollbepackte Auto wird bereits die Hinreise zum Erlebnis: Die Sitze bis ganz nach vorne geklappt sehen wir eher aus wie eine Großfamilie auf dem Weg in den Camping-Urlaub, aber es hat sich nun mal einiges angesammelt… Und das möchte nun weg!

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„Das Auge kauft mit“ : Alle Accesoires sind schön ausgestellt. (Foto: Betz)

In der Halle im Luisenpark in Mannheim angekommen, bekommen wir unseren Standplatz zuge­wiesen und müssen direkt feststellen: Der Platz reicht niemals! Nachdem also noch kurzerhand ein Meter mehr zugekauft wurden, ein Glück, dass das noch möglich war, bauten wir Tische und Klei­derstange auf und drapierten unsere zahlreichen Schals, Schuhe, Accesoires, Kleider, Jacken, Tops und vieles Mehr so ansehnlich wie möglich. Obwohl wir bereits um 15 Uhr angereist sind, schaffen wir es mit Anstehen vor der Halle und Aufbauen tatsächlich gerade so noch pünktlich zum „Start­schuss! Um 17 Uhr mit unserem Verkaufsstand fertig zu werden. Da unser Tisch am anderen Ende der Halle zu finden war, ließ der große Ansturm zwar zunächst auf sich warten, aber letzten Endes hatten wir doch die meiste Zeit alle Hände voll zu tun.

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Taschen, Schals, Kleider und mehr: Auf dem Nachtflohmarkt gibt es das ein oder andere Schnäppchen zu entdecken. Diesmal auch an unserem Verkaufsstand! (Foto: Betz)

Am Ende des Tages, beziehungsweise des Abends, können wir auf einen anstrengenden, aber durch­aus zufriedenstellenden Tag zurück blicken. Es wurde gefeilscht und verhandelt was das Zeug hält und am Ende waren es für beide von uns circa 150 Euro. Nachdem wir am Anfang noch etwas stott­rig und zurückhaltend waren, hatten wir spätestens gegen Ende das Marktschreier-Gen in uns ent­deckt und konnten so besonders zum Schluss noch einige Teile loswerden. Einige Nachfragen bei weiteren Verkäufern zeigt, dass wir mit diesem Betrag im ordentlichen Durchschnitt liegen. Es geht aber auch deutlich mehr! Eine besonders engagierte Trödlerin ist beinahe ihre kompletten Klei­dungsstücke losgeworden und fährt statt vollbepackter Kisten nun mit einem prallgefüllten Geld­beutel – 400 Euro – nach Hause. Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, und habe bei un­seren Stand-Nachbarinnen selbst noch ein bisschen zugeschlagen: Ein Pailetten-Pullover, ein weinroter Spitzenrock und ein schwarzes Spitzenkleid wechselten ihren Platz dann doch auch wieder in meinen Kleiderschrank. Alles in allem war es ein erfolgreicher Tag und ich bin sicher, wir werden nicht das letzte Mal die Seiten des Verkaufstisches gewechselt haben!

Vorschau: Nächste Woche erscheint hier ein Porträt über einen Kölner Maler – Mit dem Pinsel zur Perfektion!