Die Sache mit dem Sexismus

Jüngst durfte ich mir sagen lassen, ich sei sexistisch. Ich war milde überrascht, denn der Grund war, dass ich mich über Sexismus aufgeregt habe. Auslöser war ein Foto einen Rechtsanwalts, über das mittlerweile genug gesagt und an dem alles kritisierbare kritisiert wurde. Darum soll es gar nicht gehen. Die Verteidigung aber, mich als das anzugreifen, was ich anprangere, ist weder selten noch untypisch. Es erinnert leise an die Kindergarten-Streitereien, die mit „Selber“, endeten, weil einfach die Argumente fehlen. Und sie soll vor allem eines: Verletzen.

Was ist Sexismus?

Frauensache? Auch Männer sind von Sexismus betroffen (Foto: NeuPaddy / pixabay.de)

Sexismus bezeichnet schlicht Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Zu sagen, Frauen müssten weniger verdienen, weil sie schwächer und dümmer wären, wie es jüngst ein polnischer Abgeordneter gemacht hat, ist Sexismus. Und zu behaupten, Frauen müssten Kinder bekommen, weil das ihre biologische Aufgabe wäre, ist Sexismus. Zu erklären, Männer könnten mit Kinder nicht umgehen oder seien zu keinen echten Emotionen fähig, genauso. Sexismus ist also nicht auf die Frau beschränkt. Aber Frauen erleben häufiger Sexismus – und eine andere Art. Während Männer in sexistischen Äußerungen gerne zu Helden und Kriegern gemacht werden – wenn es nicht gerade um eine Erkältung geht – werden Frauen klein gemacht, untergeordnet, zu Menschen zweiter Klasse. Aber beide Geschlechter leiden darunter. Das macht Sexismus zum Äquivalent des Rassismus auf Geschlechterebene. In der Realität kommen beide oft zusammen vor, aber natürlich nicht immer.

Aber wir haben doch Gleichberechtigung?
Freiwillige Posen oder Male Gaze? Wenn Sexismus anerzogen wird (Foto: JerzyGorecki / pixabay.de)

Freiwillige Posen oder Male Gaze? Wenn Sexismus anerzogen wird (Foto: JerzyGorecki / pixabay.de)

Nein. Haben wir nicht. Wir arbeiten daran, noch immer. Und es hat sich eine Menge getan. Frauen dürfen selbst entscheiden, ob und wo sie arbeiten wollen – früher lag diese Entscheidung beim Ehemann oder dem Vater. Frauen dürfen wählen, Auto fahren, Hosen tragen, gewählt werden, … Klingt toll oder? Die frühen Feministinnen der 1920er Jahre würden einen Salto machen. Die Frau darf auch nicht mehr in der Ehe vergewaltigt werden. Und hey, der Mann darf Elternzeit beantragen. Doch das ist noch keine Gleichberechtigung. Und Vorsicht: Gleichberechtigung bedeutet nicht, etwaige mögliche Unterschiede nicht anzuerkennen, sondern lediglich, dass gleiche Rechte bestehen. Keine Gleichsetzung also. Dass Unterschiede individuell sind, und nicht mit dem Chromosomenhaushalt zu tun haben, ist dabei meine Meinung. Dass die schlechtere Bezahlung von Frauen, die Tatsache, dass es für Mütter viel schwerer ist, in den Beruf zurück zu kehren und Mädchen in MINT-Fächern und Studiengängen noch immer die Unterzahl sind – das ist keine Gleichberechtigung. Auch dass Frauen auf Bildern zu Deko-Objekten werden und weibliche Rundungen noch immer nach der Sex-Sells-Methode laufen, ist keine Gleichberechtigung. Das ist traurig und entwürdigend.

Ich bin sexistisch
Ist das so oder muss das so sein? Sexismus beeinflusst unser Leben täglich (Grafik: OpenClipartVectors / pixabay.de)

Ist das so oder muss das so sein? Sexismus beeinflusst unser Leben täglich (Grafik: OpenClipartVectors / pixabay.de)

Der Vorwurf, ich wäre sexistisch, sollte ein Totschlagargument sein. Weil ich in dem Bild Merkmale erkannt habe, die sexistisch sind, muss ich ja sexistisches Gedankengut haben. Aber etwas zu erkennen und zu kritisieren ist etwas anderes, als damit einverstanden zu sein. Ich erkenne auch Rassismus. Macht mich das zu einem Rassisten? Jemanden vorzuwerfen, er wäre intolerant, weil er Toleranz nicht tolerieren kann – ja, das ist ein Problem. Und es ist ein Problem, dass wir alle mit sexistischen Motiven und Bildern überhäuft werden. Geschlechterklischees beginnen im Kindergarten. Hier lernen die Kinder bereits kennen, was Mädchen machen und was Jungs tun – wenn sie es von ihren Eltern und den Medien noch nicht beigebracht bekommen haben. Jungs dürfen keinen Nagellack tragen und raufen halt. Lange Haare bei Mädchen sind ja sooo schön und das Kleid erst. Hach. Ich nehme mich da nicht aus. Natürlich wurde ich nicht frei von Geschlechterzwängen erzogen. Das ist als Mitglied dieser Gesellschaft nahezu unmöglich. Aber gerade deswegen verstehe ich den Code. Und weil ich weiß, wo sich Sexismus versteckt, kann ich ihn selbst versuchen zu vermeiden und kritisieren, wenn ich ihn erkenne. Denn – und das ist schlicht meine Überzeugung – Sexismus ist einfach falsch.

Scheiß drauf – über Kraftausdrücke in Sprache und Schrift

Schei-. Das sagt man doch nicht (©Rainer Sturm/pixelio.de)

Schei-. Das sagt man doch nicht (©Rainer Sturm/pixelio.de)

„So eine verdammte Schei –“, gerade kann ich mich noch bremsen. Im Kinderstuhl schreit das Baby, mein Sohn schaut mich mit großen Augen an und auf dem Boden türmen sich Frühstücksflocken, die munter weiter aus der Packung kugeln, die gerade vom Schrank gefallen ist. Ich beiße mir auf die Lippe und denke mir den Rest.

Dabei würde es gerade am Liebsten aus mir herausbrechen, die Flut an Worten, die in Gegenwart kleiner Kinder nicht gesagt, und noch viel weniger geschrieben werden sollen. In einer amerikanischen Serie nutzt einer der Protagonistinnen stattdessen „Bieberkacke“, in einer anderen wird „Grinch“ anstatt einer Beleidigung gesagt. Manchmal scheint es allein in Elfriede Jelineks Dramen trauen sich die Leute noch Kraftausdrücke zu verwenden.

Gut, ich will natürlich nicht, dass mein Fünfjähriger „Scheiße“, „beschissen“ oder andere Schimpfworte nutzt. Das liegt aber weniger an den Wörtern selbst, sondern eher daran, dass es mit Kraftausdrücken ist, wie mit Werkzeugen, sind sie doch Werkzeuge der Sprache – man sollte sie erst benutzten, wenn man weiß wie. Mein Sohn lernt im Kindergarten mit der Schere zu schneiden, aber wie lernt er, wann ein lautes „Scheiße“ Frustabbau ist und wann fehl am Platz? Und dabei drängt sich mir noch eine ganz andere Frage auf: Habe ich das selbst gelernt?

Sprache verbindet? Unsere Wortwahl ist bestimmt von sozialem und kulturellem Umfeld, von unserer Erziehung und unserem Geschlecht (©Barney O'Fair/pixelio.de)

Sprache verbindet? Unsere Wortwahl ist bestimmt von sozialem und kulturellem Umfeld, von unserer Erziehung und unserem Geschlecht (©Barney O’Fair/pixelio.de)

Wie viele Menschen bin ich mit einer Fülle an Ausdrücken gesegnet, die nicht gleich den Inhalt meiner Toilette bezeichnen. Mist, Dreck, Depp, doof oder blöd. Meine Mutter pflegt „Scheibenkleister“ zu sagen, wenn ihr das „Sch“ schon über die Lippen gekommen ist. Sind wir Generationen von Kraftausdruck-Unterdrückern? Mein Mann jedenfalls hat keine Probleme, „Scheiße“ zu sagen. Und da sind wir beim Kern der Sache: Kraftausdrücke tragen nicht umsonst „Kraft“ in sich. Und obgleich wir in der Zeit der Gleichberechtigung leben, Frauen Karriere machen und Männer zu Hause bleiben können, gehören die Kraftausdrücke noch immer den Männern.

Sprache verrät viel über den Sprecher. Sie sagt aus, aus welchem Land wir kommen, aus welchem sozialen und kulturellen Milieu, aber auch welchem Geschlecht wir angehören. Und das nach Jahren des Feminismus und dem Kampf der Frauen um Gleichberechtigung. Scheiß drauf. Es ist Zeit diese Hürde zu nehmen. Sprache gehört uns allen. Die gesprochene wie die geschriebene Sprache, denn noch viel weniger als hören, kann man Kraftausdrücke lesen. Sie gehören zur Mündlichkeit und Dialektalem. Im Mundartlied „PälzerBu“ gibt es eine ganze Strophe, die allein aus Schimpfwörtern besteht, in Werken des literarischen Kanons dagegen kann man die Ausdrücke an einer Hand abzählen.

Wie gerne würde ich auch mal schreiben, dass ich Twilight nicht nur dämlich, sondern richtig scheiße finde, dass Homophobie nicht nur intolerant, sondern einfach beschissen ist oder Germanys Next Topmodel nicht nur niveaulos, sondern meiner Meinung nach echt kacke ist. So ein tiefes, subjektiv gefärbtes und absolut argumentfreies Schimpfwort trägt zwar zu Diskussion wenig bei, legt aber Standpunkte ziemlich gut klar und auch deren Unumstößlichkeit. Darum: Mehr Mut zu Kraftausdrücken und Schimpfwörtern, redet euch mal frei, schreibt was ihr wollt und schluckt es nicht einfach runter. Sprache gehört uns allen, auch die kräftige.

 

Vorschau: Nächste Woche schreibt Sascha für euch über den literarischen Kanon und fragt sich, ob wir das heute überhaupt noch brauchen.

Die Trends 2014 für den Mann

Pünktlich zum neuen Jahr wollen wir euch diese Woche die kommenden Modetrends für den Mann vorstellen. Neben alten Klassikern warten vor allem neue Ideen darauf, ausprobiert zu werden. Als vorweggenommenes Fazit lässt sich sagen, dass modisch mittlerweile alles möglich ist und die Grenze zwischen dem, was nicht geht, immer mehr verwischt wird.

Grün ist das neue Blau! (Bild: Hemmer)

Grün ist das neue Blau! (Bild: Hemmer)

Zu Beginn darf die grüne Welle vorgestellt werden, welche uns erwartet. Ob Moos- oder Oliv-Töne, alle Grünfacetten sind ein Hingucker und können Blau als vorherrschende Farbe ablösen. Denn gerade bei Hosen machen diese Farben eine elegante Figur.

Nicht so elegant, aber dafür voll im Trend liegen sportlich angehauchte Kleidungsstücke. Mit Neopren, Blousons, Streifen und Ziffern setzt Mann sich im Frühjahr in Szene. Der Look sollte allerdings casual interpretiert und nur bedingt mit einem formalen Outfit verbunden werden.

Wer es ausgefallener möchte, greift bei der potenziellen Bekleidung zu Versionen mit floralen Mustern oder exotischen Ornamenten. Zu den botanisch angehauchten Mustern gesellen sich zudem fotoplakative Darstellungen. Gebäude und Lebensmittelprints taugen als Hingucker und bereichern das Outfit um eine künstlerische Nuance.

Klassiker durch und durch: die Bikerjacke. (Bild: Zara)

Klassiker durch und durch: die Bikerjacke. (Bild: Zara)

Bei den Klassikern geht es allerdings alles andere als künstlerisch. Denn Bikerjacken und dunkler Denim bringen stilistisch den harten Kern zum Vorschein. Hier lohnt es sich, für gute Qualität etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Aufgrund der Zeitlosigkeit greift man im Laufe seines modischen Daseins immer wieder auf diese Modelle zurück.

Wenn von einem Comeback die Rede ist, ist dies oftmals auch ein Indiz für Zeitlosigkeit. Ein Wiedererscheinen dieser Art erlebt in diesem Jahr wieder der Turnbeutel mit Kordelzug. In der Schulzeit verhasst und immer belächelt, wurde er aufgrund der sportlich ausgerichteten Kollektionen von den Designern wiederentdeckt.

Für die Modetrends in diesem Jahr ist es somit auch ein wenig wie mit den guten Vorsätzen fürs neue Jahr: Man muss ab und an über seinen eigenen Schatten springen können. Wer diese Weisheit beherzigt, wird sich mit Sicherheit im neuen Kalenderjahr modisch neu im Spiegel betrachten.

Vorschau: Nächste Woche dreht sich alles um das richtige Winterschuhwerk.

Die Herbsttrends 2013 für den Mann

Während wir dieser Tage noch in bajuwarischer Tracht unterwegs sind und uns an den schönen Dirndloutfits der Damen erfreuen, wartet schon der Oktober und der damit verbundene Herbst auf uns. Um für diese klimatisch wechselhafte Zeit gewappnet sein, ohne dabei auf guten Stil zu verzichten, widmen wir uns in der heutigen Ausgabe den Trends für den Herbst 2013.

Elementar für das eingangs erwähnte, unstete Klima ist das Lagensystem, welches wir uns zunutze machen wollen, denn morgens vermag der Herbst zu einer sehr kühlen Angelegenheit werden. Eine gute Wahl stellen hierbei Daunenwesten dar, welche sich als wahre Wärmespeicher erweisen. Hier gibt es Modelle in verschiedensten Farben mit und ohne Kapuze zu entdecken. Obwohl ich persönlich lange Zeit kein Fan dieser Halbarmjacken war und ich die mit dem erwähnten Artikel überfüllten Geschäfte eher als Plage empfand, habe ich mich in jüngster Zeit von seinem Nutzen und dem zugegebenermaßen sehr variablen Kombinierfähigkeit überzeugen lassen.

Ein großer Trend dieses letzten Vierteljahres lässt sich an den Farben erkennen, denn es sind die Farben selbst, welche die Kleidungsstücke zu Trendobjekten werden lassen. Wo die Farbe Burgunder spätestens seit letztem Jahr wieder in der vorderen Reihe Platz nimmt, mischt nun auch die Farbe Orange kräftig mit. Und zu Recht: denn die Farbe verleiht dem Outfit einen frischen, modernen Look. Man sollte allerdings das Farbenspektrum beim Tragen von Orange nicht überstrapazieren. Erst dezent kombiniert entfaltet der Farbton seine positive Wirkung auf das gesamte Outfit.

Herbstzeit ist auch immer Pulloverzeit. Daher empfiehlt es sich, die neuen Pullis mit groben Strickmustern auszuprobieren, welche zur Daunenweste genauso gut passen wie zu einer Hose in Orange.

Doch nicht nur Orange ist ein Thema bei den Hosen in diesem späten Halbjahr. Alle herbstlich angehauchten Farben sind ein Hingucker in dieser Saison. Voll im Trend liegt, wer ein solch farblich ausgestattetes Model in der Cordvariante ergattert.

Zu guter Letzt widmen wir uns dem richtigen Schuhwerk. Mit einem Paar hochwertiger Lederstiefel kann man nichts falsch machen. Ob elegant in der Broguevariante oder als derbe Version im Militärlook – bei Wind und Wetter sind die Füße bestens geschützt.

Vorschau: Nächste Woche dreht sich alles um die Fashionweek in Vancouver.

„Bist du mein Typ?“ – Beuteschemata im Alltag

„Bist du mein Typ?“. Ein einfacher Fragesatz, der an der Innentür einer Damentoilette meiner Universität prangt. Er gehört zu einem Plakat, das für die Untersuchung unserer Gewebemerkmale – eine sogenannte Typisierung – wirbt. Wer sich typisieren lässt, wird automatisch Teil einer weltweit verfügbaren Spenderkartei und somit auch eventueller Lebensretter für einen Blutkrebspatienten.

Die an sich nicht verkehrte, wenn auch zweifelsohne an fragwürdiger Stelle angebrachte Werbemaßnahme – schließlich möchte ich mich nach dem Klo eigentlich lieber entspannt, als an Krebskrankheiten erinnert fühlen – brachte mich jedoch unweigerlich auch auf einen anderen Gedanken: Ist die Frage nach einem bestimmten Typ, ob nun auf Stammzellen oder Menschen angewandt, nicht ohnehin allgegenwärtig? Entscheidet die Frage nicht a priori, welchen Typ wir an unserer Seite haben?

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Typisch: Schubladendenken, das unseren Alltag durchzieht. (Foto: Perlowa)

Mich selbst ertappe ich ständig beim Nachdenken und Sprechen über „meinen Typ“. Er ist rothaarig, groß und sommersprossig – kurzum: typisch britisch. Das brachte mich nicht nur früh dazu, Bilder von Prinz Harry aus Frauenzeitschriften auszuschneiden und einen Fanclub für Ron Weasley aus Harry Potter zu gründen – immerhin hatte der drei Mitglieder! – sondern auch zu vorschneller Oberflächlichkeit. Rote Haare sind sexy. Andersfarbige (Haare) schlicht nicht mein Typ. Liest sich schwarz auf weiß beinahe wie eine rassistische Aussage; unfair gegenüber potentiellen Kandidaten, deren blond-brünette oder ebenfalls orange Eltern nicht zufällig einen Rotschopf hervorbrachten, ist es ganz obendrein auch noch.

Außerdem kann ja nicht jeder, der rote Haare hat, auch ausschließlich wegen seines Phänotyps ein Schönling sein. Ganz zu schweigen von der Grundannahme, dass jeder Kobold auch zugleich ein toller Mensch ist. Ich bin natürlich schon mit „Redheads“ ausgegangen, manche von ihnen waren sogar groß und hatten zu allem Überfluss tatsächlich auch noch Sommersprossen im Gesicht und am Körper. Langfristig zum Erfolg geführt hat das weder mich noch meine Typen. Auch wenn ich ganz offensichtlich ebenfalls in ihr Beuteschema gepasst haben muss – oder? Woher kann ich schon wissen, ob einer dieser zeitweiligen Abschnittsgefährten nicht möglicherweise eine Art ästhetischen Kompromiss eingegangen ist und es daher ausnahmsweise einer Brünetten mit Locken anstatt der sonst präferierten Blonden Kurzhaarigen gestattete, ihm ins Netz zu gehen?

Und da haben wir es scheinbar: Wenn Fische auf See einem Angler ins Netz gehen, dann geschieht das zufällig. Sie werfen ihren Köder aus und hoffen, dass überhaupt ein Fisch anbeißt. Und auch, wenn sie heimlich auf den waschechten Regenbogenfisch mit seinen schimmernden Schuppen hoffen, ist und bleibt der – anders als im Kinderbuch – auf dem Wasser leider eine Seltenheit. Selbstverständlich bedeutet das – um uns wieder von hohen Gewässern zu distanzieren und den menschlichen Selektionskategorien anzunähern – noch lange nicht, dass alle Männer und Frauen sich verzweifelt auf alles und jeden einlassen, der ihnen gerade vor die Flinte läuft. Vielmehr bedeutet das in den meisten Fällen eine gewisse Flexibilität, die glücklicherweise nicht zuletzt der Persönlichkeit zu verdanken ist. Denn die sollte doch gegenüber optischen Idealbildern immer noch im Vordergrund stehen und über die Frage entscheiden, ob du mein Typ bist oder nicht.

Vorschau: Und es geht schön weiter – mit Kolumnist Sascha und seinen Gedanken zum heutigen Jugend-und Schönheitswahn.

Schön und schlau – ein Plädoyer dafür, Germany’s Next Topmodel trotzdem schauen zu können

Es ist noch nicht allzu lange her, da war mein Leben zum Wochenende hin um ein Ritual reicher: Donnerstag, pünktlich um Viertel nach acht am Abend. Denn unsere Kleingruppe, bestehend aus einer Handvoll Mädels und einem schwulen besten Freund, wollte es – während sie nebenbei einige kalorienreiche Süßspeisen verzehrten und bei wöchentlich wechselndem Gastgeber alkoholische Getränke kredenzt konsumierten – jede Woche aufs Neue wissen. Schließlich „kann nur eine Germany’s Next Topmodel werden! “

Allerdings dürfte Heidi Klums allwöchentliches Mantra dem einen oder anderen berechtigterweise zum Halse heraushängen; und auch das Format sorgt, nachdem bereits die gefühlt tausendste Staffel über den Bildschirm geflimmert ist, mittlerweile für keinerlei Sensation mehr. Die Show bleibt konstant die Gleiche, bloß die Besetzung ändert sich von Mal zu Mal. Unumstößlich ist dabei die Tatsache, dass keiner der Charaktere so recht im Gedächtnis haften geblieben ist – oder wer weiß heute noch, welches Mädchen damals das Cover der deutschen Cosmopolitan geziert hat und das Gesicht der Venus-Kampagne für Damenrasierer wurde? Es schockiert mich zugegebenermaßen selbst, dass ich sämtliche, auf radikalen Produktplatzierungen basierende Details derart mechanisch herunterbeten kann, während dazugehörige Namen und Personen aus jeglicher Erinnerung wie ausradiert scheinen. Hält mich die Industrie etwa unbewusst längst fest in ihren schmierigen Griffeln? Sind meine Freunde und ich, die wir das gemeinsame Bestaunen minderjähriger Magermodels auf ProSieben zu unserem Plaisierchen haben, in den letzten Jahren zu nicht mehr als den vorbildhaften Opfern der privaten Fernsehanstalten mutiert?

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Schon große Mädchen: Keine Sorge, wir wissen längst, dass Size Zero nicht alles ist. (Foto: T.Gartner)

Da diese Kolumne jedoch die Überschrift „Schön und Schlau“ trägt, bemühe ich mich natürlich, diese provokanten Thesen tunlichst zu widerlegen. Und das sogar aus Überzeugung: Ich halte weder mich noch meinen Freundeskreis für geistig verkommen oder gar schwachsinnig genug, den präsentierten und dabei vage rekonstruierten Model-Alltag für bare Münze zu halten. Sehr wohl unterstelle ich uns dennoch einen gesunden Voyeurismus sowie ein Interesse daran, von einer deutschen TV-Produktion unterhalten zu werden, gerade zur besten Sendezeit. Unsere Erwartungen sind bislang hinsichtlich dessen auch noch nicht allzu stark enttäuscht worden: Stets suchten wir nach Dramen, Tränen und emotionalen Highlights – und fanden sie bei GNTM, verpackt in Designer-Kleidern und mehr oder minder kunstvollen Fotografien.

Niemand kann uns doch unsere Neugier am obsoleten Geschehen in der Model-Villa von Los Angeles ernstlich übel nehmen. Wir meinen es doch nicht böse. Wir wollen doch bloß ein bisschen Ablenkung von den leider oftmals allzu tragischen Tagesthemen bei den Öffentlich-Rechtlichen, einfach mal den akademischen Hirnhusten in unserer elitären Umgebung für eine Weile ausblenden und uns ganz dem Stumpfsinn hingeben – einen Status, den selbst ich als leidenschaftliche Zuschauerin von Heidi und ihren Mädchen der Sendung nicht aberkennen kann.

Ich kann lediglich für seinen Unterhaltungswert einstehen und dabei die hoffnungsfrohe Kunde verbreiten, dass die Erziehung nicht in jedem Elternhause völlig schief gelaufen ist; dass es noch Mütter gibt, die ihren Töchtern das A und O für ein glückliches Leben rechtzeitig vermittelt haben: Ein Schulabschluss ist vorerst wichtiger als ein Model-Vertrag und ein gutes Buch macht mehr her als eine gute – das bedeutet aus der Modewelt übersetzt, ausgemergelte, abgemagerte – Figur. Nichtsdestotrotz spricht nichts dagegen, sich für eben jene Mode zu interessieren und seinen Sinn für Ästhetik weiter auszuprägen – auch das hat Mama mir damals als guten Rat mit an die Hand gegeben. Jetzt, Jahre später, diskutiert sie mit mir am Telefon über ihre Favoritin aus der aktuellen Staffel und wir ziehen gemeinsam über jene her, die wir gänzlich unsympathisch finden. Ist auch ganz bestimmt nicht persönlich gemeint, liebe Mädchen, die ihr euch aus freien Stücken bei GNTM angemeldet und somit dem Hohn und dem Spott der natürlicherweise Gehässigen freiwillig ausgesetzt habt. Ihr müsst wissen, worauf ihr euch im Vorfeld eingelassen habt, denn wir wissen es längst und sind froh, in der realen Welt nicht als Lästertanten abgetan werden zu müssen – schließlich tratschen wir ja nicht über unsere Freunde oder Bekannte, sondern sind schlichtweg ein bisschen von Alltags-Langeweile getrieben und zerreißen uns die Mäuler über völlig fremde, höchstwahrscheinlich von Prosieben gescriptete Charaktere.

Und was folgt als nächstes? Es wurden bereits Stimmen laut, die sich für eine leicht abgeänderte Variante des Konzepts aussprachen: Germany’s Next Topmodel for men! Denn mal ehrlich, was könnte amüsanter sein als ein Haufen dürrer Mädchen? – Richtig, eine muskulöse Männer-Meute, wie sie sich darin übt, die neue Armbanduhr von Dolce & Gabbana mit ihrem Gesicht zu bewerben oder am Steuer schneller Schlitten abgelichtet zu werden. Mein schönen, schlauen und trotzdem mode-affinen Freunde, meine Mutter und ich blicken gespannt in die Zukunft und die Mattscheiben von morgen.

Vorschau: Bei uns folgt als nächstes Kolumnist Sascha mit einigen Gedanken über Optimismus.

Sneakermall – Willkommen im Turnschuh-Himmel

„Es war einmal ein weiser Mann, der hatte schöne Schuhe an …“ – So oder ähnlich könnte das Märchen von dieser Facebook-Gruppe beginnen, die zweifelsohne zu den nützlicheren Erfindungen zwischen all den Zeitvertreiben im sozialen Netzwerksog gehört. Protagonist in dieser Erfolgsgeschichte: Facebook-Nutzer Sascha SaXer, der es definitiv nicht bloß „for the fame“ getan hat. Seine Person im Hintergrund haltend, lenkt er den Fokus auf das Wesentliche: Den An-und Verkauf von Sneakers. Ein Angebot, das die schuhbesessene Community dankend anzunehmen scheint, betrachtet man einmal den rasanten Zuwachs von Gruppenmitgliedern seit der Gründung in 2009.

In ist, was drin ist: Bereits das Titelbanner, erstellt von einem User, lädt zum Schuh-Shopping ein. (Foto: Sneakermall)

Ich selbst erfuhr eher zufällig von der selbsternannten „buy/sell/ trade“-Plattform. Ein alter Schulkamerad und bekennender Verehrer sportlicher Fußbekleidung hat mich darauf gestoßen, als er erfuhr, dass ich mich seit geraumer Zeit vergebens darum bemühe, meine Nike Air Max endlich via Internet an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Dass sie nicht mehr als brandneues, sondern als getragenes, aber dafür dennoch gut in Schach gehaltenes Paar online gestellt werden sollen, schränkt die Verkaufsmöglichkeiten selbstverständlich ein. Nur gut, dass besagter Kenner mich an die SneakerMall verwies und mir eine kinderleichte Anleitung zum Posten meiner Schmuckstücke direkt mit an die Hand gab.

In der Tat erwies sich das Anbieten meines Artikels vorerst als problemlos: Foto hochladen, Marke, Modell und Preis angeben – und das war’s auch schon fast. Gestutzt habe ich kurz, als es daran ging, den Zustand meines Paares zu definieren. Offenbar vertraut das Konzept hier auf die die ehrliche Einschätzung des Verkäufers, denn es obliegt eben diesem, auf einer Skala von 1 bis 10 seine Schuhe zu bewerten, wobei 10 die Neuwertigkeit der Sneakers markiert und es bereits nach einmaligem Tragen nur noch zu einer 9 reicht. Ich habe meine Air Max im Übrigen mit einer 7 bezeichnet und mich dabei für ungeheuer fair gehalten. Einen Abnehmer habe ich dafür bislang trotzdem nicht gefunden.
Die Schuld dafür gebe ich zum einen dem erschreckend hohen Männeranteil auf der Seite – also bitte! Typen und Turnschuhe, das mag zwar gut zusammenpassen, ist aber heutzutage für die Damen der Schöpfung ebenfalls schwer angesagt – und zum anderen dem Aufbau der Gruppe selbst. Diese nämlich wird, ihrer besagten steigenden Beliebtheit sei Dank, schneller aktualisiert, als man „Nike“ sagen kann. Minutiös werden Bilder von den unterschiedlichen Modellen gepostet, wobei bei aufmerksamen Scrollen auffällig oft der bekannte Nike-Haken auf dem Schuh auftaucht. Die reale Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet mein Paar von einem der 14 580 Mitglieder (Stand: 22.Mai) entdeckt und gewollt wird, rechne ich mir daher als ziemlich gering aus. Einen Hoffnungsschimmer bieten mir dennoch die akurat angelegten Size-Ordner. Hier finden sich sämtliche Angebote der Größe nach sortiert.

Nichtsdestotrotz finde ich Gefallen am bloßen Durchstöbern der Gruppe und bin fasziniert an der ungeheuren Vielfalt an limitierten Modellen, die heutzutage den Markt kräftig aufzumischen scheinen. Andererseits ist es eigentlich kein Wunder, dass die Auswahl so gigantisch ist. Schließlich nutzen Facebook-User auf der ganzen Welt die Sneakermall zum Handel mit ihren Tretern. Dies dürfte auch erklären, wieso sämtliche Texte wie Anleitung oder FAQ ursprünglich auf Englisch verfasst und nur teilweise – und selbst dann noch mit diversen Rechtschreibfehlern gespickt – auf Deutsch hinzugefügt worden sind. Bei der Suche nach weiteren Informationen zur Gruppe sticht allerdings noch eine weitere Auffälligkeit ins Auge: Ein gewisser Marko Snkrzwrg scheint keine Mühen dabei zu scheuen, sich beinahe täglich um die Aktualisierung einer Art Danksagungsliste mit sämtlichen Nutzern, die sich im Zuge der Kaufabwicklung offenbar positiv bewährt haben, zu kümmern. Das Pendant dazu stellt ein Dokument mit dem trefflichen Namen “Wall of Shame“ dar – hier werden die Namen der schwarzen Schafe gelistet, mit denen man besser nicht ins Geschäft kommen sollte.

Ich werde wahrscheinlich meine Nikes noch einige Male posten müssen, ehe sie auch nur die Aufmerksamkeit irgendeines Nutzers erwecken. Doch da ich als Gruppenmitglied das Recht habe, pro Woche immerhin ein Mal durch das Verfassen eines Kommentars auf meinen Post hinzuweisen, möchte ich weiterhin fest daran glauben, dass auch meine Schuhe eines schönen Tages endlich den Besitzer wechseln. Wer weiß, vielleicht lasse ich mich früher oder später auch einmal selbst zum Kauf eines neuen Paars auf Sneakermall hinreißen. Wenn ich einmal die Zeit dafür aufbringen kann, gezielt nach Sneakers zu suchen, die weder mit horrenden Preisen – Shipping macht dabei einiges aus – ausgeschildert noch überhaupt verfügbar sind. Denn im Gegensatz zu einer echten „Mall“ hat die Sneakermall noch mit einem gravierenden Problem zu kämpfen, das der Adminstrator in seiner Drohung treffend auf den Punkt bringt: PLEASE DELETE YOUR SOLD SHOES! YOU MAY BE KICKED BY AN ADMIN IF NOT! (Bitte löscht eure verkauften Schuhe! Falls nicht, werdet ihr von einem Admin aus der Gruppe gekickt!)

Vorschau:  In der nächsten Woche lernen modische Männer die neuesten Sommertrends für 2013 kennen.

betterDate.de – das Dating-Portal mit dem Zalando-Prinzip

„Wo Frauen Männer shoppen“, mit diesem Slogan wirbt das Dating-Portal betterDate.de im Internet.
Damit soll offensichtlich gezielt eine ganz bestimmte Zielgruppe angesprochen werden: Frauen, die unter Zwang stehen, unabhängig von ihren tatsächlichen Bedürfnissen, einkaufen zu müssen – sogenannte Shopaholics. Diesmal sind damit jedoch keine Schuhe gemeint, sondern die Ware in Form von Männern. Wir leben zwar in einer emanzipierten und toleranten Gesellschaft, aber Männer im Rahmen einer potentiellen Partnerschaft als Produkte zu bezeichnen, geht deutlich zu weit! Wo ist denn da die Grenze zur Prostitution?

Die Single-Shopaholics können mithilfe der Dating-Plattform gezielt auswählen, wer zu ihnen passen könnte und wer sie kontaktieren darf. Die mittels dieses Prinzips ausgewählten Männer können dann als Produkt in den Warenkorb gelegt werden . Erste dann ist es den Männern möglich mit den Damen in Kontakt zu treten.

Frauen besitzen sie das Privileg die völlige Kontrolle über den gesamten Dating- und Kennenlern-Prozess zu haben. Dagegen hat das starke Geschlecht die wichtige Rolle als Produkt Teil der Plattform zu werden. Dies bedeutet natürlich auch: Je besser das Produkt gepflegt, beschrieben und fotografiert ist, desto mehr Interesse erregt es bei den Single-Frauen .

Wie es auf der Webseite von betterDate heißt, sollen Männer die Vorgehensweise als Chance sehen. Das Motto scheint zu lauten: Wer sich verstellt und sich statt Feinripp-Felix als Luxus-Lukas ausgibt , auf den stürzen sich die Frauen. Der Kampf beim Sommerschlussverkauf ist nichts dagegen! Also putzt euch raus, liebe Männer, und werdet zum Kassenschlager! Frauen wird es einfach gemacht: Im Shop registrieren, Kundenprofil ausfüllen und eigenes Profilbild hochladen,Produkte (= Männer) durchforsten,Lieblingsteile in den Einkaufswagen legen.

Erst dann dürfen die „Produkte“ die „Kundin“ kontaktieren. Für Männer funktioniert es ähnlich: Im Shop registrieren, Profil mit Produktdaten füllen, sogenannte „Produktfotos“ hochladen,auf die Einkaufsliste von Frauen setzen. Mit Anleitungen wie „wenn sie dich dann in ihren Einkaufswagen legen, darfst du sie kontaktieren“ gibt das Portal Verhaltens-Tipps. Auf Spontankäufe der Frauen zielen – wer sich anstrengt, wird sofort genommen und erhält die direkte Kontakterlaubnis zur potentiellen Partnerin.

Durchforstet man das Netz nach Stimmungen und zu „betterDate“, fällt die Resonanz eher gering aus, gerade einmal 460 Facebook-Anhänger verfolgen das Portal. Im Vergleich zu anderen, weitaus seriöser wirkenden Dating-Angeboten, wie beispielsweise Paarship, ist diese Anzahl sehr gering.

„betterDate“ preist ihre fragwürdige Idee als „Revolution in der Datingbranche“ an. Alles ist auf dem Prinzip shoppingsüchtiger Frauen und Klischees über diese aufgebaut. Der sensible Vorgang der Kennenlern-Phase wird einem Einkaufsbummel gleichgesetzt und büßt so seine wichtige Bedeutung zu Beginn einer Beziehung ein.

Vorschau: Am Dienstag, 13. November berichtet die Panorama-Redaktion über PC-Kurse für Senioren.

Date oder Fußball?

Erstaunlich: Knapp 80% der Männer würden für ein Date auf ein Fußballspiel verzichten (Statistik: eDarling)

Am Freitag, 8. Juni, ist es endlich soweit: Die Fußball-Europameisterschaft beginnt. Lautstarkes Fangegröle und Schwarz, Rot, Gold überall – spätestens ab Samstag, 9. Juni, wenn die deutsche Nationalmannschaft ihr Können gegen Portugal unter Beweis stellt, wird die Bundesrepublik kaum wiederzuerkennen sein. Um sich die Spiele in beliebter Public Viewing-Atmosphäre anzusehen, nimmt sich der ein oder andere sicher frei. Aber wie beeinflusst die EM die Beziehung zwischen Mann und Frau? Lässt er für ein Spiel das Date mit ihr sausen? Und wie geht sie damit um?

Diese Fragen hat die Online-Partnervermittlung „eDarling“ im Mai über eine Woche lang seinen Nutzern gestellt – mit unerwarteten Ergebnissen.

„Die Antworten unserer befragten 305 eDarling-Mitglieder überraschen in der Hinsicht, dass Singles offenbar mehr für Ihren Partner tun würden, als wir das gemeinhin annehmen“, erklärt Diplom-Psychologin und „eDarling“-Sprecherin Dr. Wiebke Neberich.

Überraschend: 82% der befragten Frauen zeigen Verständis für eine Date-Absage, wenn es um Fußball geht (Statistik: eDarling)

Tatsächlich würde laut Umfrage nur jeder fünfte Mann wegen eines Fußballspiels auf eine Verabredung mit seiner zukünftigen Partnerin verzichten. Bei den eingefleischten Fans wären bis zu 40% bereit, ihrer Mannschaft die Treue zu halten und dafür ein Date sausen zu lassen.

EM-Stress von der Herzdame? – Keinesfalls, wie die Umfrage belegt: 82% der Frauen zeigen angeblich Verständnis, wenn das Date lieber seiner Mannschaft die Daumen drücken will und ein Treffen absagt.

Die Ergebnisse seien als sehr positiv zu beurteilen und würden eine Bereitschaft des gegenseitigen Entgegenkommens zeigen, das in Beziehungen unverzichtbar sei, meint Neberich. Allerdings sei auch zu beachten, dass 60% der Frauen angegeben hätten, die Spiele ebenfalls gucken zu wollen, so die Diplom-Psychologin, daher falle es auch leichter, dem Partner hier entgegenzukommen.

Die Männer sind also womöglich nicht mehr länger die Einzigen, die ein Date wegen eines Fußballspiels absagen würden…

Vorschau: Am Dienstag, 19. Juni, lest ihr im Panorama einen Beschwerdebrief an die Deutsche Bahn, der sich gewaschen hat.

 

Wann ist ein Mann ein Mann?

Muskeln: Sie sind das Männlichkeitssymbol schlechthin - doch reicht das? (© Carsten Gobrecht/PIXELIO)

Ein Mann muss stark sein. Kraft, ein eiserner Wille, Durchsetzungsfähigkeit und eine imposante Erscheinung – das sind männliche Eigenschaften, die ein jedermann haben sollte. Schon seit Menschengedenken waren die ausdauernden, muskulösen und potenten Männer diejenigen, die verehrt wurden, die tatsächlich etwas galten in der Welt. Egal ob Gladiatoren, Ritter oder Footballspieler, zu jeder Zeit war rohe Männlichkeit „in“; aus moderner Sicht könnte man es so auf den Punkt bringen: „Durchtrainiert, braungebrannt, 100 Kilo Hantelbank“. Welche Frau träumt nicht vom Schauspieler Hugh Jackman, welcher Mann möchte nicht so sein wie der Actiondarsteller Dwain „The Rock“ Johnson?

Doch machen wir uns nichts vor: Um ein echter Kerl zu sein, braucht es schon etwas mehr als gewaltige Körperkraft und einen unbeugsamen Willen. Auch für einen Mann sind sie unverzichtbar und machen ihn erst authentisch und menschlich. Die Rede ist von Gefühlen, von Intelligenz und Vernunft. Manch einer mag jetzt empört die Nase rümpfen und unken: „Vernunft ist was für Streber und Stubenhocker und Gefühle sind sowieso nur was für Weicheier.“ Aber allen unrasierten Protesten zum Trotz, es führt kein Weg daran vorbei: Gefühle gehören auch zu uns Männern dazu, genauso wie ein gesunder Menschenverstand. Trotzdem die berechtigte Frage: „Wozu das Ganze? Warum Nachdenken und Gefühlsduselei?“ Wenn es nur um Stärke und Potenz ginge, dann bräuchten wir im Endeffekt keine Männer, denn dann könnten wir jedes männliche Wesen einfach durch einen Gorilla ersetzen. Der hat immerhin auch brachiale Kräfte und wenn er etwas will, dann will er es eben, komme was wolle. Man denke nur an das Bild der zwei Affen, die sich um die berühmt-berüchtigte Banane kloppen.

Gerade die geistige und seelische Ebene macht aus Männern unverzichtbare Wesen, die unsere Gesellschaft nicht missen kann und will. Erst Vernunft und Intelligenz erlauben uns Männern, unsere rohe Kraft auch sinnvoll einzusetzen. Folgendes Szenario: Das Auto will und will nicht anspringen. Ein bewährtes Hilfsmittel ist seit jeher das Anschieben gewesen. Doch bereits hier unterscheidet sich der intelligente vom dümmlichen Mann. Der Dumme nutzt seine immense Kraft und treibt das Auto mit aller Gewalt vorwärts; der Intelligente nimmt jedoch zusätzlich den Gang raus. Unterm Strich schiebt der Clevere das Auto erfolgreich an, denn er kann direkt Bewegung erzeugen und muss nicht erst den Widerstand des Autogetriebes überwinden. Die Moral von der Geschichte ist also denkbar einfach: Verstand hilft uns, Kräfte zu kanalisieren und somit die männliche Veranlagung auch effektiv einzusetzen.

Männlichkeit: Was heißt das eigentlich? (© Thommy Weiss/PIXELIO)

Aber nicht nur Intelligenz macht uns zu besseren Männern. Wie schon erwähnt sind auch Gefühle ein entscheidender Bestandteil eines jeden Mannes oder sollten es zumindest sein. Erst durch Einfühlungsvermögen und Mitgefühl, erst durch Respekt und Nächstenliebe kann ein Mann sein Potenzial an Stärke vollends ausschöpfen. Er kann seine Fähigkeiten für seine Mitmenschen einsetzen und der Gesellschaft dienen, die Welt verändern und verbessern. Mag die Situation auch noch so verfahren und ausweglos erscheinen, ein Mann kann seinen von Natur aus starken Willen nutzen und wird Lösungen finden, selbst wenn alles gegen ihn zu sein scheint. Er kann Unternehmen vor dem Konkurs bewahren, genauso kann er eine Familie ohne prall gefülltes Portemonnaie durchbringen. Wenn ein guter Freund schwer krank wird, dann kann ein Mann seine Stärke nutzen und dem Freund helfen, trotz Krankheit alle, mitunter auch großen Probleme des Alltags zu meistern. Dadurch dass er für seine Mitmenschen da ist, wird ein Mann zum verlässlichen Fels in der Brandung, der für seine Umwelt unverzichtbar ist. Und gerade diese Unverzichtbarkeit, dieses Gebrauchtwerden macht einen Mann zu einem wahren Mann.

Einzig und allein Verstand und Empathie machen uns Männer wirklich männlich und wenn diese beiden Eigenschaften fehlen , dann ist man(n) nicht mehr als ein unbedeutender Haudrauf, der blindlings nach links und rechts schlägt und sich seinen Weg durchs Leben prügelt. Wir Männer haben die Wahl: Hohler Haudegen oder wackerer Held. Wofür entscheidet ihr euch?

Vorschau: Am nächsten Mittwoch wird Sonja das Thema Blogs genauer unter die Lupe nehmen!