Schule aus?!

Nie wieder Schule? Eine der größten Lebenslügen (©Dieter Schütz / pixelio.de)

Nie wieder Schule? Eine der größten Lebenslügen (©Dieter Schütz / pixelio.de)

Ich weiß noch, es gab diese Zeit, da jubelten wir „nie wieder Schule“ und ließen die Tore der Bildungsstätte, an der wir unseren Abschluss gemacht hatten, hinter uns. „Nie wieder Schule“ – ein Satz, den jeder mal sagt, eine der größten Lebenslügen schlechthin. Denn nicht nur diejenigen, die eine Lehre beginnen und zur Berufsschule (aha) gehen, sind das Bildungswesen noch lange nicht los. Studenten können ihre Schule gerne Universität nennen, in Zeiten von Bachelor und Master ist das Studium dermaßen verschult, dass kaum eine Wimper mehr zucken wird, wenn die Uni „Schule“ genannt wird. Immerhin passiert es mir oft genug, dass mir von älteren Mitbürgern gesagt wird „Ah, sie gehen noch auf die Schul?!“, wenn ich von meinem Studium erzähle.

Der Beruf des Lehrers: Eine Schulzeit, die kein Ende kennt (©knipseline / pixelio.de)

Der Beruf des Lehrers: Eine Schulzeit, die kein Ende kennt (©knipseline / pixelio.de)

Ganz böse hat es aber die getroffen, die aus unerfindlichen Gründen beschlossen haben, Lehrer zu werden. Lehrer? Also ehrlich. In einer Gesellschaft, in der ein Bundeskanzler Lehrer einst mit faulen Säcken verglich und die Gemeinschaft glaubt, ein Lehrer hätte ja schön viel Freizeit und würde Noten würfeln. Noch dazu mit einer Bezahlung, die immer weniger gesichert ist, denn Verbeamtungen werden in nahezu allen Bundesländern zurückgefahren. Lehrer werden angestellt, zu den Sommerferien entlassen und mit etwas Glück danach wieder an der gleichen Schule eingestellt. Vielleicht aber auch nicht.

Mein Mann ist Lehrer. Mehr kann ich eigentlich schon gar nicht sagen, denn viel mehr darf ich nicht wissen, um Schule und Staat zu schützen. Tut mir Leid, hier gibt es keine witzigen Geschichten über Schüler zu lesen, die ihren Namen nicht richtig schreiben können oder Kollegen, die Angst haben, ihre Klassen zu betreten. Aber darum soll es hier auch nicht gehen. Stilblüten kann jeder überall sammeln. Aber einen Lehrer zum Ehemann zu haben ist mitunter keine leichte Aufgabe, vom Lehrersein ganz zu schweigen. Um mal die gängigsten Klischees abzuarbeiten:

Lehrer und Klischees: Nicht nur in der Schule ein Thema (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Lehrer und Klischees: Nicht nur in der Schule ein Thema (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Um einst ist Feierabend? Pustekuchen. Dann folgen Besprechungen, Konferenzen, Vorbereitungen, Korrekturen, Elterngespräche, Elternemails (am liebsten so gegen 20:00). Ein Lehrer hat nie Feierabend. Er fängt übrigens auch oft vor der eigentlichen Arbeitszeit an. Vertretungsplan erstellen, Material besorgen, Kopien machen und dann noch vor der nervigen Kollegin, die jede Sekunde Zuspätkommen gleich im Direktorat vorträgt, im Klassenzimmer sein.

Mindestens sechs Wochen Ferien? Pustekuchen. Nachbereitungen, Vorbereitungen, neues Material sichten, Stundenplan erstellen, allzeit abrufbereit sein, gegebenenfalls Ferienprüfungen. Was unter der Woche gilt, gilt auch an Wochenenden und zu Ferienzeiten, Feierabend ist ein Gerücht. Da wird manch Lehrer auch schon mal für die Ferienwoche gesperrt, sprich, hat eben keine Freizeit, sondern Anwesenheit an der Schule.

Dass Lehrer bei diesem Aufwand nicht faul sein können, sollte klar sein. Dass ein Normalsterblicher bei diesem Druck und Arbeitsaufwand schnell die Grenzen des Möglichen erreicht, auch. Wie mein Mann es da schafft, noch mit etwas Elan und Engagement jeden Morgen zur Schule zu fahren, ist mir ein Rätsel. Und ehrlich: Als Schüler hat er mit Sicherheit nicht so viel für die Schule getan.

Erster Schultag: Davon erleben viele mehrere (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Erster Schultag: Davon erleben viele mehrere (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Schüler, das ist seit einer Woche auch unser Ältester, was unsere zukünftige Ferienplanung so ziemlich in die Schranken weist. Denn jetzt müssen wir uns nicht nur an die Ferienzeiten eines Bundeslandes halten, sondern haben gleich zwei Jahrespläne, aus denen wir so schnell nicht mehr herauskommen. Und wo mein Mann erschöpft um vier nah Hause kommt und mit einem müden Lächeln nach einer Kaffeepause im Arbeitszimmer verschwindet, hole ich das Schulkind um 12 von der Schule oder um 14 Uhr von der Betreuung ab, er strahlt, macht mit Begeisterung seine Hausaufgaben (dauern momentan noch keine 10 Minuten) und erzählt immer wieder, wie schön die Schule ist. Nie wieder Schule? Pustekuchen! Wer Kinder hat wird früher oder später wieder Fuß in diese Einrichtung setzten müssen, der er abgeschworen hat, wird sich mit Lehrern und anderen Eltern rumärgern. Und bei all dem bin ich vor allem eines: neidisch. So als Erstklässler war der Ernst des Lebens doch wirklich gemütlich.

Vorschau: Nächste Woche erzählt euch Sascha hier, wie es so ist, ohne Taktgefühl durchs Leben zu tänzeln.

Zwischen Wahn und Sinn: die Weltmeisterschaft

Der Ball ist rund - An Weisheit mangelt es den Fußballwahnsinnigen nie, schon gar nicht zur Weltmeisterschaft (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Der Ball ist rund – An Weisheit mangelt es den Fußballwahnsinnigen nie, schon gar nicht zur Weltmeisterschaft (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Oh weh! Wir sind alle hoffnungslos verloren. In den nächsten Wochen werden Züge zu spät kommen, Schulstunden werden ausfallen und das Grillfleisch im Supermarkt zur hochgesuchten Mangelware. Die WM steht vor der Tür. Und mir ihr kommen Autokorsos, die Tote wecken könnten, brasilianische Schokoriegel und ein Farbenmeer aus Schwarz-Rot-Gold. Wahnsinnig, wahnsinnig sind wir alle und am wahnsinnigsten sind die, die meinen, unbeteiligt davon zu kommen.
Auf meinem Esstisch türmen sich die Fußball-WM-Sammelkarten, meine Tochter mischt sie jeden Tag, wirft sie durch die Luft und tunkt sie in ihre Essen, wenn sie satt ist. Meine Tochter ist eins und, ohne es zu wissen, schon Teil des grassierenden WM-Fiebers. Auch den Spielplan, den ich mir im Wohnzimmer vorsorglich zurecht gelegt habe, zerpflückt sie regelmäßig und ich falte ihn artig wieder zusammen. Ja, ich bin es, die meine Familie mit den Namen der Spieler und den Terminen der Spiele vertraut macht, immerhin will ich auch diesmal wieder einen lyrischen Kommentar zu den deutschen Spielen auf meiner Facebookseite bieten. Doch ich fiebere auch wirklich mit, wenn Klose aufs Tor zustürmt, Schweinsteiger die Vorlage liefert und Neuer hinten die Schussrichtungen der Gegner vorhersagen kann.
Schuld daran ist mein Vater, dessen „Tor“-Rufe mich schon als Kind nachts aus dem Schlaf gerissen haben. Mein Mann dagegen lächelt gütig, wenn ich rechtzeitig zum Startschuss vor dem Fernseher sitzen will. Er zuckt mit den Schultern. Fußball, na und? Schön finde ich das, denn wie die meisten Pseudo-Fußball-Verrückten sind mir Bundesligaspiele ziemlich egal. Den leichten Patriotismus von Weltmeisterschafts-Länderspielen aber, finde ich gut und gesund. Immerhin hat sich vor der WM in Deutschland 2006 kaum jemand getraut, eine deutsche Fahne in seinem Garten zu hissen. Heute schmückt das gute Stück Autospiegel, Hauswände und Wangen.

Ausstaffiert? Die Wochen der Weltmeisterschaft dominieren die Aussicht in Deutschland (©Timo Klostermeier / pixelio.de)

Ausstaffiert? Die Wochen der Weltmeisterschaft dominieren die Aussicht in Deutschland (©Timo Klostermeier / pixelio.de)

Wie immer treiben wir Deutsche es bunt, bunter, am buntesten. Das Gastgeberland Brasilien bietet für den „normalen“ Deutschen, für den das Internet Neuland ist und Snowden so ein komischer Amerikaner, genug Fernländisches und Exotisches, um mit dem Vuvuzelawahn der WM in Südafrika mithalten zu können. Wann immer es um die anstehende WM geht, sehen wir halbnackte Tänzerinnen, bekommen geschärftes Grillfleisch und mit exotischen Früchten versehene Schokolade vorgesetzt. Als wären ballrunde Mini-Würstchen und Schokolinsen in den Farben der Deutschlandfahne nicht schon ein Wink mit dem Zaunpfahl. Mensch, Leute, es ist WM. Habt ihr wirklich gedacht, ihr kommt drum rum?
Mal ehrlich. Wer glaubt schon daran, die Ergebnisse des Turniers nicht brühwarm von Arbeitskollegen, Kommilitonen, dem Nachbarn am Gartenzaun oder der Autokarawane, die hupend durch die Straßen fährt, mitgeteilt zu bekommen. Froh sein kann, wessen Nachbar vom letzten Feuerwerk nicht noch ein paar Knaller aufgehoben hat, um eventuellen Torschüssen zu huldigen. Und all denen, die jetzt schon sagen, sie wollen nicht, aber auch gar nichts von der WM zu hören bekommen, rate ich sämtliche Nachrichtenplattformen und soziale Netzwerke in den nächsten Wochen zu meiden. Am besten ihr versteckt euch mit einer „Nichts-sehen-nichts-hören“-Brille im Bett und wartet, bis die Welt das WM-Fieber ausgeschwitzt hat.

Öffentliches Zusehen? Eintauchen in das Meer von Zuschauern zur Weltmeisterschaft(©Steffen Kowalski/ pixelio.de)

Öffentliches Zusehen? Eintauchen in das Meer von Zuschauern zur Weltmeisterschaft (©Steffen Kowalski/ pixelio.de)

Nein, schön ist das nicht mehr. Öffentliches Fußballgucken kann aber auch amüsant sein. Die Bilder aus den Nachrichten, wenn tausende Menschen mit offenen Mäulern auf die Leinwandstarren, gemeinsam die Arme nach oben werfen oder sie enttäuscht wieder fallen lassen zeigen: wir sind Hühner auf der Stange, Lemminge auf den Weg in den Abgrund. Die Diskussionen um den Austragungsort Brasilien sind nicht vom Tisch, aber doch weit im Hintergrund. Und mal ehrlich, das ist nicht in Ordnung, das ist Mist, es ist weder fair noch gerecht, was in Brasilien vor sich geht. Die unwürdigen Baubedingungen der WM-Stadien sind bereits vergessen, die Proteste gegen miese Bezahlung und miese Behandlung sind Bilder von Menschen, die das Medienaufgebot auszunutzen scheinen. Pustekuchen. Die Brasilianer protestieren immerhin nicht erst seit gestern. Und von unserem hohen Ross einer Nation, die gerade den Mindestlohn einführt, ist schnell ein mitleidiger Blick in Richtung Südamerika geworfen.
Ein bitterer Nachgeschmack, den die Weltmeisterschaft uns bietet. Und doch ist es mit ihm, wie mit der WM selbst. Wir können nicht nicht darauf reagieren, denn selbst die, die die Proteste eiskalt ignorieren zeigen nur ihre Ignoranz. Wir sind Wahnsinnige, Fußballwahnsinnige, die bereit sind, wegzuschauen, um hinschauen zu können. Mit Würstchen in Ballformat und kleinen Gummi-Fahnen als Nascherei. Wer gewinnt, wollt ihr jetzt noch wissen? Auf keinen Fall die brasilianische Bevölkerung, die diversen Anbieter der WM-tauglichen Produktpaletten auf jeden Fall, und der Wahnsinn sowieso. Denn eines wissen wir alle: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Vorschau: Nächste Woche erklärt Sascha euch hier, warum manche Sportler trotz Doping-Verstößen noch Vorbilder für ihn sind.

Logo LEGO!

Nur für Kinder? Kinder sind wir alle (Foto: Obermann)

Nur für Kinder? Kinder sind wir alle (Foto: Obermann)

Mein Küchenschrank ist leergeräumt. Alle flachen Schüsseln und Tupperdosen liegen im Wohnzimmer auf den Regalen verteilt. In ihnen sind kleine und größere Steinchen schön ordentlich sortiert, dort die grauen, hier die schwarzen und da drüben die weißen. Nicht genug, dass im Kinderzimmer das Baby den Inhalt der Duplokiste auf dem Boden verteilt hat und ich regelmäßig über die Steine stolpere, auf unserem Regal über dem Sofa thront seit zwei Wochen ein halbfertiges Prachtstück aus LEGO.

Nein, mein Großer wurde nicht auf Bauklötzchenentzug gesetzt. Seine Feuerwache ist im Spielzimmer einsatzbereit, denn endlich hat er den Dreh raus und baut tatsächlich selbst. Auch wenn er danach mit seinem Gebauten wenig anzufangen weiß. Das gute Stück im Wohnzimmer gehört dem größten Kind bei uns. Und das ist meine Schuld: Denn ich habe meinem Mann zum dreißigsten Geburtstag (liest sich erschreckend erwachsen) das ultimative Geschenk besorgt. Den LEGO Star Wars Todesstern.

Wir haben sie doch alle, diese eigentlich kindischen Wünsche, die wir uns selbst nie erfüllen würden. Eben weil sie kindisch sind, Spielzeug, auf gewissen Weise eben unnötig. Völliger Humbug sage ich und habe darum meinem Mann zu Weihnachten auch noch ein eigenes Laserschwert besorgt. Wir leben nur einmal und solche Träume sollte keiner auf die Seite schieben, nur weil er schon Geld verdient oder nicht mehr in der Kinderabteilung einkaufen kann. Das Kind in uns, in uns allen, darf nicht einfach todgeschwiegen werden.

Nützliches Ding: Im Spiel werden auch Große wieder klein und freuen sich (Foto: Obermann)

Nützliches Ding: Im Spiel werden auch Große wieder klein und freuen sich (Foto: Obermann)

Das Phänomen ist nicht neu. Bereits in der Romantik wurde das Motiv des goldenen Zeitalters als idealer Zustand gesehen. Das goldene Zeitalter war aber nicht unbedingt ein Jahr, es war die Zeit der Kindheit. Die Kindheit mit ihrem großen Staunen, ihrem Spaß an Neuem, der Neugier und Zufriedenheit. Und mit ihrem Spieltrieb. Und mal ganz plakativ: Schon Jesus sagt: Bringt die Kinder zu mir. Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, und so weiter.

Immerhin ist unser Leben schon „erwachsen“ genug. Wir müssen morgens aufstehen, zur Arbeit gehen, Geld verdienen, um Rechnungen zu bezahlen. Wir müssen einkaufen und kochen, aufsaugen und das Klo putzen, vom Babypopo abwischen ganz zu schweigen. Irgendwann brauchen wie Anti-Falten-Creme und zupfen uns graue Haare aus. Und deswegen sollen wir jetzt einfach aufhören zu spielen oder Star Wars Todessterne aus LEGO zu bauen? Auf keinen Fall. Indem ich also meinem Mann einen Wunsch erfülle, der ihn wieder zum Kind werden lässt, erlaube ich mir selbiges auch.

Damit meine ich jetzt keine Konkurrenzspiele, von Mensch ärger dich nicht zu Fußball. Diese Spielchen befreien nicht, viel mehr engen sie uns immer wieder in Machtstrukturen ein. Aber zwangloses Schaukeln, konzentriertes Bauen, befreiendes Malen – was auch immer wir schon als Kinder gerne gemacht haben. Spiele, bei denen wir unseren wild denkenden Kopf endlich mal abschalten können.

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Spieltrieb oder Entspannungsnot? Warum nicht beides (Foto: Obermann)

Daneben hat das Bauen mit LEGO beinahe schon therapeutische Züge. Wie schön da ein Steinchen auf das andere passt und sich zu einem großen Ganzen fügt. Die Zeit verfliegt, die Beutelchen werden leerer und man selbst ruhiger. Was könnte es besseres geben für gestresste Arbeitnehmer, Studenten oder Auszubildende? Wo Kinder Zusammenhänge lernen und Formen begreifen, finden Erwachsene Ruhe und Entspannung. Und mal ehrlich: Wenn das Gebaute dann fertig vor einem steht haben auch wir ein kleines Erfolgserlebnis. Und die sind im Leben doch selten geworden. Mal ganz davon abgesehen, könnte so ein kleiner Todesstern vielleicht nochmal nützlich werden. Irgendwann, vielleicht. In dem Sinne: Möge die Macht …

Vorschau: Sascha schreibt nächste Woche von den Momenten, in denen das Internet ausfällt.

Weihnachtsspecial Teil 2 – SIE beschenkt IHN: Schöne Bescherung für den modischen Mann

Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht – spätestens jetzt gibt es vor dem heiligen Fest kein Entkommen mehr. Zwölf Tage bleiben uns noch, um uns neben dem alltäglichen Wahnsinn nun zusätzlich mit der ominipräsenten Frage nach DEM richtigen Weihnachtsgeschenk auseinanderzusetzen.

Unter besonderem Druck dürften wohl dieser Tage die Liebenden stehen. Denn wann, von Geburts-, Valentins- und Jahrestag mal abgesehen, könnte man seinem Gegenüber besser zeigen, was man empfindet, als unterm Christbaum?

Nachdem sich die Herren der Schöpfung vergangene Woche  bereits inspirieren lassen durften, sind heute die Damen an der Reihe. Face2Face hat auf einige Weihnachtseinkaufslisten linsen dürfen und präsentiert euch daraus nun die modische Crème de la Crème, mithilfe derer sich auch kurzentschlossene Shoppingqueens noch fürs Fest der Liebe wappnen und den Beschenkten ganz bestimmt ein frohes Fest bereiten können:

Beginnen wir mit der 24-jährigen Sonderschullehramts-Studentin Lisa aus Mainz, die beschlossen hat, sich in diesem Jahr auf Vergangenes zu berufen. Letztes Weihnachten nämlich gab es für ihren Freund eine Lomo-Kamera, die jetzt, so findet sie, endlich eine adäquate Kameratasche verdient. Generell scheinen Accessoires wie Taschen und Hüllen für unsere Elektronik in diesem Jahr schwer angesagt zu sein. Das gilt bei weitem nicht nur für Handys, für die es heutzutage bekanntlich allerhand glitzernden und funkelnden Schnickschnack gibt, der allerdings nur in den seltensten Fällen über einen ästhetischen Zweck hinaus auch einen praktischen Nutzen erfüllt. Das ist – und das wird vor allem einen Tollpatsch freuen – bei Hüllen, Tasche oder anderen Schutzvorrichtungen anders, da diese in erster Linie dazu dienen sollen, unsere technischen Alltagshelden selbst bei Schmutz und Extremsportarten am Leben zu erhalten. Außerdem sind sie in rauhem Leder und gedeckten Farben in Männerhänden liegend natürlich auch absolut hübsch anzusehen.

Zusätzlich entschied sich Lisa, ebenso wie auch die 21 Jahre alte Lehrämtlerin Melanie aus Kassel, dafür, ihrem Herzbuben an kalten Tagen Wärme zu spenden, selbst wenn sie einmal nicht bei ihm sein kann. Die Geschenkidee mag leicht abgedroschen klingen, ist aber modisch gesehen gerade in dieser Saison ein absolutes Must-Have: Der Winterschal: In Grobstrickfassung, ob nun in Handarbeit gefertigt oder mit Bedacht im Lieblingsladen ausgewählt, taugt er als ständiger Begleiter fast so sehr wie die Freundin selbst. Das favorisierte Modell ist und bleibt dabei der Tube-, auch Loopscarf oder zu Deutsch Schlauchschal genannt, der sich an Männlein wie Weiblein locker umgelegt hervorragend trägt. Farblich sollten der Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt werden, sofern man dabei stets die Farbe von Winterjacke oder -Mantel seines Partners im Blick behält, damit sich diese nicht mit dem kuscheligen Accessoire beißt, aber dabei dennoch unter Umständen farblich einen Akzent setzt.

Herzblatt

Was mit Herz: Für unser Herzblatt soll es alle Jahre wieder zum Weihnachtsfest etwas Besonderes sein. (Foto: T.Gartner)

Bei der angehenden Humanmedizinerin Anna Maria aus Kiel hingegen darf es etwas ausgefallenes sein, das ebenso besonders ist wie ihr Freund selbst. Als bekennender VW-Fahrer fehlt ihm, so die 23-jährige, der zu seinem Cabrio passende Schlüsselanhänger. Einen solchen hat sie für ihn aufgetrieben und will ihn damit ein Statement setzen lassen. Vielleicht bringt uns das ja auf die Idee, unsere Accessoire-Liste noch um eine hübsche Idee zu ergänzen. Allerdings macht auch gerade sie uns bewusst, dass Individualität bei der Geschenkauswahl ein nicht ganz unwichtiges Kriterium darstellt. In Wahrheit ist es sogar höchst bedeutsam, schließlich sagt das Geschenkte nicht nur eine Menge über die Frau als Schenkerin selbst, sondern im Idealfall ebenso viel über den Bescherten aus. Schließlich soll ja gerade letzterem eine Freude gemacht werden.

Also ist im Vorfeld höchste Aufmerksamkeit gefragt – und womöglich das ein oder andere spitzfindige Nachhaken.
Wovon spricht er immer wieder, beklagt er sich über etwas, das in letzter Zeit immer wieder fehlt oder womöglich gerade kaputt gegangen ist? Melanie formulierte es ganz richtig: „Mein Freund ist manchmal einfach zu geizig, um sich selbst eine Freude zu machen.“ Diese „Schwäche“ sollte die Frau an Weihnachten für sich nutzen.

Nicht viel falsch machen kann man darüber hinaus mit Düften, wie etwa Jean Paul Gaultiers Klassiker „Le Male“ und modischen Fanartikeln wie zum Beispiel Band-Shirt, genau wie Melanie es für ihren Freund eingekauft hat, sofern der Musikgeschmack des Mannes nicht gerade Gruppen mit absonderlichen Namen und Motiven vorsieht.

Abschließend lässt sich wohl feststellen, dass das Erfolgsrezept für ein perfektes Weihnachtsgeschenk offensichtlich noch nicht erfunden wurde. Vermutlich ist das aber auch ganz gut so, denn sonst gäbe es wohl erstens nicht alle Jahre wieder Weihnachtsspecials wie diese und zweitens würden alle Frauen ihren Männern die Glossybox for men oder ein Paar Unterhosen schenken – es lässt sich schnell erahnen, was von beidem dem Herrn wohl häufiger untergekommen sein dürfte – und vor allem wäre das Fest der Liebe oder vielmehr dessen Sinn schlichtweg verfehlt. Schließlich sollte trotz Konsumrausch und dem leider immer wieder zum Schenken verpflichtenden Zugzwang immer noch die Verbindung zwischen zwei Menschen im Vordergrund stehen. Oder, wie BWL-erin Hanna es so schön ausdrückte: „In diesem Jahr bekommt mein Freund En Kuss und en diggen Abbel!“

Vorschau: Alles, was es über die Sendung „Fashion Hero“ zu wissen gibt, erfahren wir von Moderedakteurin Clarissa in der nächsten Woche.

Mann oder Frau? …

… Das ist hier die Frage. Wer sich in der Modewelt ein wenig auskennt und ab und zu die aktuellen Trends verfolgt, der erkennt schnell, dass zurzeit für ein wenig Verwirrung auf den Laufstegen gesorgt wird. Natürlich existiert dieser Trend nicht erst seit gestern, doch es scheint, als sei er heute erst richtig in der Modebranche angekommen und hat sich vor allem diesen Herbst und Winter, teilweise auch im Sommer schon, so richtig durchgesetzt.

Frauen tragen geradlinige, maskuline Schnitte und Männer lange Röcke. Sogar die Jeans wird für das männliche Geschlecht immer enger, wobei Frauen in vielen Geschäften und Modezeitschriften die sogenannte Bundfaltenhose oder Boyfriend-Jeans vorfinden, die gerne in Kombination mit einem Blazer getragen werden. In vielen Mode-Stores oder sogar bei Ketten, wie H&M und ZARA findet frau Blazer im Boyfriend-Schnitt, der etwas länger sind, als die normalen Blazer, die Frauen bislang zu einem Kostüm getragen haben. Dazu schlüpft sie in Budapester oder sportliche Vans, und kann, wie Jenna Lyons, die die Chef-Designerin vom amerikanischen Label J.Crew ist, damit fast schon auf den roten Teppich oder auf schnieke Veranstaltungen gehen.

Auch oft zu sehen auf den Laufstegen sind Hemdblusen, die man unter einem Strickpullover trägt – natürlich in Kombination mit einer Bundfaltenhose, bunten Socken und umgeschlagenem Saum.

Nun fragt sich unser eins, wie man da die weiblichen Kurven sexy in Szene setzen soll. Alles ist kastig geschnitten, sogar die Wintermäntel umschmeicheln nicht mehr die Weiblichkeit wie etwa ein Daunenmantel mit Gummizug auf Taillenhöhe. In der September-Ausgabe der Zeitschrift „InStyle“ heißt es: „die neuen Jacken sind tough statt feminin“. Hierbei geht es um Bomberjacken und Parkas im Millitary-Look und Lederjacken, die diesen Winter in keinem Kleiderschrank fehlen dürfen.

Oft sieht man auf den Laufstegen aktuell gerade auch die Frau, die den typischen Herrenhut trägt, was ihr einen eher strengen und maskulinen Ausdruck verleiht. Das Accessoire, was einst einmal Herrenhut genannt wurde, ist für die Frau nun kaum noch wegzudenken. Im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten, in denen der Hut noch als Symbol für gesellschaftliche Zugehörigkeit – oder Ausgrenzung – galt, drückt er heute vor allem eins aus: Power!

Im Vergleich dazu findet man bei den Männern auf den Laufstegen eher einen Ausdruck der ihre feminine Seite unterstreichen soll. Enge Hosen, lange Shirts und oftmals mit einer Handtasche ausgestattet laufen sie über die Laufstege von heute.

Im Sommer waren sogar auch die Shorts keine Bermudas mehr, sondern knappe Höschen, die man kaum von unseren Hotpants unterscheiden konnte. Diesen Winter können wir allein schon wegen des Schnittes der Winterjacken kaum unterscheiden, ob wir da einem heißen Boy, oder einer modebewussten Lady hinterher schauen. Auch bei den Schuhen wird nicht mehr zwischen den zwei Geschlechtern unterschieden – außer bei der Größe vielleicht. Mann trägt jetzt nämlich auch Stiefel zum langen Wintermantel.

Außerdem muss man als modebewusster Kerl diese Saison nicht nur Karotten im Gemüsefach haben, sondern auch im Kleiderschrank. Gemeint sind die sogenannten „Karottenhosen“, die man bisher nur im Kleiderschrank einer Frau gefunden haben dürfte. Wem diese Hosen nichts sagen, der kann sich darunter eine Art Bundfaltenhose in 7/8-Länge vorstellen, deren Form einer Karotte gleicht.

So viel Weiblichkeit war uns bei unseren Herren bislang unbekannt. Für die Ladies gilt: Solang der Kerl sich noch verhält wie ein Gentleman, ist der Modestil Nebensache und er darf sich gerne auch etwas modebewusst und femininer zeigen.

Für die Jungs bleibt zu sagen: Ganz ist die Weiblichkeit der Frau natürlich nicht verschwunden. Ebenfalls sehr trendy und aktuell sind kurze Hosen kombiniert mit Overknee-Stiefeln sowie die Sanduhr-Silhouette, die durch High-Waist-Hosen und Bleistiftröcke sehr schön zur Geltung gebracht werden kann.

Dennoch kann man sagen: Die Frau von heute tritt mit einem ganz anderen Flair auf die Straße. Sie ist tough, elegant und graziös und scheint zu wissen was sie will.

 Vorschau: Nächste Woche dreht sich alles rund um Nagellack. Seien wir gespannt!

Lookism – Warum nicht nur innere Werte zählen

„Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, „Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband“, – ja, dergleichen Sprichwörter gibt es einige. Sie alle drehen sich rund ums Verhältnis zwischen Innen und Außen, zwischen Oberfläche und Inhalt, zwischen dem Offensichtlichen und dem Verborgenen. Vor allem Vertreter der sogenannten inneren Werte und damit einem Freund von mir zufolge auch Opfer des „Lookism“ würden den eben zitierten Sprichwörtern ohne lange Bedenkzeit beipflichten.

Doch ich, aus meiner Täter-Perspektive heraus, sollte dem vielleicht eine Definition des Lookism voranstellen, zumal sie mir vor nicht allzu langer Zeit selbst erstmals zu Ohren kam:

Lookisten machen sich der Vorverurteilung anderer anhand ihrer Optik schuldig. Sie ziehen ihre Schlüsse über die Menschen, indem sie ihre Kleider, Haare oder Körperpflege betrachten. Im Volksmund nennt man ein solches Verhalten in höchstem Maße oberflächlich. Ich jedoch nenne es in erster Linie natürlich und damit alles andere als verwerflich.

Es mag sein, dass der ein oder andere gegen meine Reduktion des Wesentlichen auf das mit bloßem Auge Sichtbare sogleich heftigen Widerspruch einlegen möchte. Ebenso ist es wahrscheinlich, dass meine Worte an so manchem Vertreter des stilistischen Minimalismus eiskalt abprallen. Für alle Übrigen hoffe ich ein für allemal als Sprachrohr fungieren zu können, eine Solidarisierung mit den im Alltag vom umgangssprachlichen Augenkrebs Geplagten zu schaffen und nicht zuletzt auf die Vielheit der Bereiche aufmerksam zu machen, in denen sich Aussehen sehr wohl noch eines wachsenden Stellenwerts erfreut.

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The look of love: Verliebtheit sollte beim eigenen Spiegelbild anfangen (Foto: P.Werth)

 Womöglich tut es mir nicht direkt im Herzen weh, wenn ich, wie so oft, als oberflächlich betitelt werde, nur weil ich – wie leider ebenfalls viel zu oft – anmerken muss, dass dieser oder jener sich in meinem unmittelbaren Sichtfeld Befindende grauenhaft gekleidet oder scheußlich geschminkt oder aber furchtbar frisiert ist. Mich tangiert die Bewertung meiner Person an dieser Stelle nicht etwa deswegen peripher, weil ich mich selbst als schöner, besser, stilvoller oder gar nicht kritisierbar ansehe – das tue ich beim besten Willen nicht, denn auch ich habe schon meine fiesen Faux-Pas gelandet, wie private Archivbilder dokumentieren. Nein, mir ist es allein deswegen einerlei, dass man mich als oberflächlich einstuft, weil ich die Bedeutung des Wortes zu kennen vermag. An der Oberfläche kratzen, das ist schließlich, wenn man auf Tiefgang verzichtet und Menschen nicht „trotzdem“ – das heißt, obwohl man von ihrer Optik nicht viel hält – bereitwillig Teil seiner Lebenswirklichkeit sein lässt. Oberflächlich ist, worunter nichts steckt, oberflächliche Personen sind leere Hüllen.

Lookisten unterscheiden sich folglich nicht nur per Definitionem von den Oberflächlichen. Lookisten sind darüber hinaus sogar als Prüfsteine und damit als kleines, aber dabei gleichzeitig unabdingbares Rädchen im Getriebe unserer in vielerlei Punkten deutlich zu unkritischen Gesellschaft. Sie entscheiden über Hop oder Top in nicht von der Hand zu weisenden Bereichen wie Mode, Stil, Beauty – mit anderen Worten dem gesamten ästhetischen Areal. Alle Freunde der Kunst werden meinen Ausführungen zustimmen, schließlich wissen sie, dass Ästhetik bei allen Vorwürfen, subjektiv und damit nicht einheitlich messbar zu sein, doch stets ein Kriterium ist und bleibt, welches über Aufstieg und Fall von Kunstwerken entscheidet. Und was ist der Mensch, wenn nicht ein wandelndes Bisschen Kunst? Oder, anders gefragt: Wie viel Kunst steckt in jedem und jeder von uns? Wie viel ästhetisches Potential wartet darauf, in die Freiheit entlassen zu werden? – Die Antwort lautet: Eine ganze Menge.

 Womöglich mehr, als sich die ewig gegen die Lookisten Auflehnenden träumen lassen. Mit ein bisschen Hilfe von einem erfahrenden Lookisten wäre auch aus den erbitterten Widerständlern schnell ein Augenschmaus gezaubert, der dem Selbstbewusstsein des Verwandelten und den dieses Lobenden gleichermaßen nützt.

Und wo wir schon beim Thema Nutzen angelangt sind: Aussehen ist zweifelsohne brauchbar. Man beginne beim Vorstellungsgespräch, bei dem ein gepflegtes Äußeres a priori Pflicht ist. Weiter geht es beim Date – warum sonst besingt Dusty Springfield den „Look of Love“ mit solchem Nachdruck – dicht gefolgt von einer ganzen Branche, die uns alle zunehmend beeinflusst, mögen wir sie auch noch so unermüdlich verteufeln: Die Werbung. Ohne sie würde es zum einen zwar keine Konsumkritiker geben, da kein Konsum angekurbelt würde, doch zum anderen würde es uns auch an so vielen ansehnlichen Werbegesichtern fehlen, die nicht nur ihre Brötchen damit verdienen, in die Kamera zu lächeln, sondern auch damit, die Gemüter freiwilliger wie unfreiwilliger Betrachter mit ihrem Erscheinungsbild zu erheitern.

Dieses Spiel ließe sich an dieser Stelle noch eine Weile weiter treiben, doch ich beschließe dieses kleine Plädoyer lieber mit einem praktischen Aufruf als mit noch mehr trockener, lookistischer Theorie: Leute, macht was aus euch! Bei aller Wahrheit, die im kleinen Prinzen und seinem sehenden Herzen steckt, sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass der erste Eindruck noch immer zählt. Wenn das gewisse (zumeist optische) Etwas überzeugt hat, ist es für das in der Regel schüchterne Wesentliche überhaupt Zeit, zum Vorschein zu kommen. Bitte versteht mich richtig, dies ist keine Hommage an den krankhaften, operativen Schönheitswahn, keine Forderung nach dem verbissenen Streben nach utopischen Maßen oder gar der Uniformierung von Individuen. Im Gegenteil, ich plädiere hier für den Genuss, im ästhetischen wie im kulinarischen wie auch nicht zuletzt im weltlichen Sinne. Um den sprichwörtlichen Kreis also wiederum mit einem Sprichwort zu schließen: Das Auge is(s)t mit.

Vorschau: Was hat es mit dem Pareto-Prinzip auf sich? Wir erfahren es in der kommenden Woche von Kolumnist Sascha.

Halbzeitprinzessin – warum sie sich hin und wieder mal „anstellt“

Wir alle kennen sie, ob aus unserem Freundeskreis oder von der GMX-Startseite: Die moderne Frau. Besonders zeichnet sie sich dadurch aus, dass sie wahnsinnig unabhängig ist. Alles kann sie selbst und über alles schaltet und waltet sie ganz allein – die eigene Karriere, das eigene Geld, die eigene Behausung. Sie scheint die ganze Welt in ihrer Hand zu halten und kann sich darauf auch mit Recht etwas einbilden. Sie arbeitet hart, um sich ihren Luxus, mag er auch noch so überflüssig erscheinen, ganze ohne fremde Unterstützung ermöglichen zu können. Doch vor allem schuftet sie von morgens bis abends, um ihn nicht gleich wieder zu verlieren. So weit, so gut – bis die Urlaubszeit vor der Tür steht. Und ausgerechnet dann, wenn Frau von Welt endlich einmal die Zeit findet, um zumindest für ein Weile zur Ruhe zu kommen, kommt ihr Umfeld auf die grandiose Idee, man könnte doch campen gehen. So käme man der Natur ein Stückchen näher, sagen sie. So spare man eine Menge Geld, predigen sie. Sorry, aber spätestens hier muss einfach jede Miss Independent unweigerlich zur Prinzessin auf der Erbse mutieren. Zecken! Mücken! Andere Insekten! Und die sanitären Anlagen? Nicht auszudenken, was öffentliche Campingplätze da für Überraschungen bereithalten. Das kann doch nicht euer Ernst sein, liebe Leute!

Ich mag zwar dem Klischee der kosmopolitischen, berufstätigen Single-Frau nicht in allen Punkten voll entsprechen, aber was etwaige Freilufturlaubsreisen anbetrifft, so bin ich doch ganz diejenige, die sich um Dreck unter ihren Fingernägeln mehr sorgt als um ein paar Euro mehr für ein anständiges Hotel. Einerseits bin ich Vollzeitfrau, andererseits aber eben auch Prinzessin – zumindest unter Halbzeitvertrag. Fraglich bleibt jedoch, ob ich mich ganz im Stil von Frau Katzenberger „anstelle“, sprich die simple Politik von „Sei schlau, stell dich dumm“ verfolge oder ob sich tiefer liegende Motive hinter dem ganzen „Herumgepienze“, wie es meine rheinhessischen Freunde so treffend auszudrücken pflegen, verbirgt.

Einen Grund vermute ich in der Erziehung, während ich in Gedanken die kleine, runde Brille von Sigmund Freud aufsetze. Meine Mutter hat mich nach russischen Richtlinien erzogen und dort kamen – auch auf die Gefahr hin, damit die Pauschalitätskeule zu schwingen – beileibe keine Zelturlaube vor, ebenso wenig wie darin mit Elektrik hantiert, Motoröl gewechselt oder in Rasierwasser gebadet wurde. Meine Landsmädchen berichten da übrigens Ähnliches. Auch sie reiften in ihren rosa Kleidchen zu Kleinstadtprinzessinnen heran, die zum einen schon früh das Augenbrauenzupfen lernten, doch zum anderen neben Modezeitschriften auch Weltliteratur auf ihrem Nachtschränkchen platziert hatten. Unser Männerbild war gleichsam zweischneidig: Wir wollten unabhängig genug sein, um in der bösen, bösen Welt den Ellenbogen gegen die Konkurrenz ausstrecken zu können, statt ihn an einem Männerarm eingehakt zu verlieren. Jedoch wussten wir ganz genau, dass wir einen Mann nicht vollständig entbehren können, dass er bei aller Emanzipation immer noch ein Teil des Ganzen ist und bleiben soll. Mit großen Kulleraugen haben wir doch unseren Vätern damals beim Verlegen neuer Küchenfliesen und dem Verkabeln der Stereoanlage zugesehen – und das gewiss nicht ohne Stolz. Wozu sich selbst am Handwerkeln versuchen, wenn es dazu doch Papi gab?

Ein paar Jahre später, ohne Papa, mag zwar der Internetanschluss funktionieren, nicht aber das Deckenlicht. Gefühlte Ewigkeiten schon ragen die hässlichen, nackten Kupferdrähte aus der Decke, als wären sie die Fühler einer niederträchtigen Kakerlake, deren Dasein mich offensichtlich verspotten will: Na, wartest du immer noch auf den Traumprinzen, der dir die Lampe anbringt? Hast du nichts Besseres zu tun, als sämtliche Einzelteile einzukaufen und dann in einer Tüte liegen zu lassen, wo sie niemand mehr sehen kann? Nein, möchte ich der Schabe dann antworten, ich habe tatsächlich nichts Besseres zu tun! Ich habe alles eingekauft und hoffe jetzt darauf, endlich meinem edlen Ritter zu begegnen – optimalerweise kann der mich nicht nur von eingebildetem Ungeziefer befreien, sondern auch gleich noch mein nächstes Abendessen zaubern. Der Teil wurde in meiner vorbildlichen, russischen Erziehung nämlich auch elegant übersprungen.
Und das, obwohl gängige Vorurteile doch besagen, wir Russinnen wären echte Hausmütterchen, die ihren Männern von morgens bis abends lauter fettige Speisen auf drei Gänge verteilt zubereiten können.

So erscheint es mir in conclusio also naheliegender, dass die Erziehung weit weniger eine Rolle spielt als die schlichte Bequemlichkeit. Der Komfort, all diese Arbeiten sehr wohl auch selbst verrichten zu können – schließlich sind Frauen doch auch dazu fähig, Bundeskanzler, Oberfeldwebel oder Nonne zu werden – aber nur einfach hin und wieder keine Lust dazu zu haben. So verhält es sich mit der Zelturlaubsangelegenheit wie auch mit der Küchen-, äh – Schlafzimmerschabe und nicht zuletzt auch das Halten eines Mannes. Die moderne Frau, ob von Virginia Woolf oder aus dem Neckermann-Katalog, zeichnet sich durch ihren freien Willen aus. Und der ist nicht nur unabhängig von Nationalität und Hautfarbe, sondern auch bisweilen von Kochbüchern und Iso-Schlafmatten. Manchmal will Frau eben einfach ganz die Halbzeitprinzessin sein.

Vorschau: In der nächsten Woche wird es heiß! Kolumnist Sascha beklagt die Hitze des Sommers.

Alle Jahre wieder oder: Die Steuererklärung

Zeit, den Taschenrechner zu zücken: Die Steuererklärung (© R_K_B by GG_Berlin/pixelio.de)

Zeit, den Taschenrechner zu zücken: Die Steuererklärung (© R_K_B by GG_Berlin/pixelio.de)

Ich habe neulich zum ersten Mal meine Steuererklärung abgegeben. Eigentlich war es viel weniger meine, als die meines Mannes, zu der ich mich nun eben auch erklären muss. Das ist das ominöse Zahlenspiel, das viele von uns jedes Jahr wieder fürchten, das Kopfzerbrechen bereitet und Ordnung in dutzende Belege bringen soll.

Für eine Steuererklärung habe ich bisher – und tue es noch – immer zu wenig verdient. HiWi an der Uni, freie Mitarbeit für eine Tageszeitung, ein paar verkaufte Bücher, nichts was zusammen mehr als 400 Euro im Monat bringt. Doch als Ehefrau muss ich eben meinen Teil beitragen, wenn mein Mann seine Steuer einreicht. Der schiebt das Formular gerne vor sich her, wie die meisten Steuerzahler. Dabei hat er einen Vorteil: Er muss seine Belege nicht zum Steuerfachmann bringen, Geld bezahlen und hoffen, dass mehr am Ende rauskommt, als er ausgeben musste. Er – oder besser gesagt wir – haben meine Mutter. „Wann machen wir die Steuer?“, fragt sie jedes Jahr, kaum dass die Einkommensbescheide unterwegs sind. Treu tigert sie von Tante zu Oma, von meinem Bruder zu uns. Einzig die Belege müssen wir selbst aufheben, bei allem anderen hilft sie uns.

Doch bei den Belegen fängt der Schrecken ja schon an. Zu Tausenden tummeln sie sich in meiner Belege-Kiste, ungeordnet, zerknüllt, einfach reingepackt und bis zur Steuer vergessen. Mein Mann packt zwar alles artig in Ordner, doch bis er seine zehn Ordner durchgewühlt und die Rechnungen sortiert hat, habe ich das auch mit meiner Eins-für-alles-Belege-Kiste getan. Ehe also irgendwer das Steuerprogramm auf dem Rechner starten kann, sortieren wir. Und weil wir gleich dabei sind, heften wir auch die Kontoauszüge richtig ab, überprüfen alte Unterlagen, füllen Ordner und legen sie bereit. Etwa eine Woche lang  wird jeden Abend gelocht, geheftet, abgelegt – und der Papierkorb mehr als einmal zum Überlaufen gebracht, denn von allem, was wir über das Jahr so sammeln, brauchen wir am Ende dann doch weniger als die Hälfte.

Und das Ergebnis? Erst nach Prüfung durchs Finanzamt steht fest, ob wir was zurückbekommen (© R_K_B by Chris Beck / pixelio.de)

Und das Ergebnis? Erst nach Prüfung durchs Finanzamt steht fest, ob wir was zurückbekommen (© R_K_B by Chris Beck / pixelio.de)

Schließlich ist es soweit, der Tag der Steuer ist gekommen. Früh am Morgen kommt meine Mutter, bekommt Kaffee und Butterbrot und los geht’s. „Können wir das anrechnen?“ „Wo ist der Beleg?“ „Suchst du dies und das bitte noch raus.“ Wir eilen vom Arbeitszimmer hoch und wieder runter, karren Ordner und Belege herbei , Studienbescheinigungen, Rechnungen, Kontoauszüge. Was die alles wissen wollen… Das Raussuchen der Bücherbelege für mein Studium hätte ich mir eigentlich sparen können – das Büchergeld, das ich zu meinem Stipendium erhalte, wird damit verrechnet und da bleibt nichts mehr zum Anrechnen. Aber Semesterticket und Fahrtkosten müssen belegt werden. Handwerker- und Nebenkostenabrechnungen: Bald ist der Tisch überfüllt von zusammengetackerten Papierstapeln. Zwischendurch drückt meine Mutter beim Elster-Programm auf den Testrechner. Ist alles grün, geht es weiter, wird ein Feld rot heißt es: Finde den Fehler.

Meinem Mann raucht der Kopf, während unser Sohn uns alle zu einem Becher Eis überredet. Auch Steuererklärungen brauchen Pausen. Pünktlich zum Abendessen haben wir es dann geschafft. Alles Anrechenbare ist aufgelistet, die Belege angeheftet, die gesamte Erklärung elektronisch gespeichert, ausgedruckt, eingetütet und abgabebereit. Ein voller Wochenendtag ist dafür draufgegangen, aber wenn die Rechnung stimmt, hat sich die Arbeit gelohnt.

Wer schon im Laufe des Jahres alles Wichtige in eine Steuer-Mappe ablegt, hat es da bedeutend leichter. Und ordentlich sortieren muss man alles nach der Erklärung ohnehin nochmal. Im Notfall hilft es nachzufragen oder jemanden da haben, der auf die meisten Fragen schon eine Antwort weiß. Auch Google weiß oft Rat. Und wenn euch von allen Zahlen und Belegen der Kopf raucht, macht Pause und denkt daran: Der Tag geht vorüber, die Erklärung wird fertig und alles, was wir dieses Jahr gelernt haben, geht nächstes Jahr bedeutend schneller. Ich bin an solchen Tagen wirklich dankbar, dass ich meine Mama habe und hoffe, dass sie uns auch nächstes Jahr wieder hilft.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Alexandra hier über ihr Leben als Halbzeitprinzessin und warum sie sich dabei auch mal gerne anstellt.

Männer frönt dem Wildwuchs: der aktuelle Trend zum Vollbart

Vollbart, Rauschebart oder Hommage an Bergsteiger Reinhold Messner. Wie auch immer man ihn nun nennen mag, der Trend des „bärtigen Mannes“ ist derzeit allgegenwertig.

Ob als Model auf den Laufstegen, Besucher in der Front-Row einer Fashion Week oder auf den Straßen diverser Modemetropolen: der Mann von heute trägt wieder Bart. Die Rede ist hier aber nicht von einem dezenten Drei-Tage-Bart – vielmehr könnte man bei diesem Exemplar von einem Wochen-, ja sogar Monats-Bart sprechen. Das haarige Accessoire muss vor allem eins sein: dicht und lang, sodass dessen Träger aussieht, als sei er geradewegs aus einem Erdloch gekrochen.

Die Vermutung liegt nahe, die Männerwelt möchte nach Jahren voller  Glattrasur,  akkurat gezupfter Augenbrauen und tiefen V-Ausschnitten nun endlich wieder ihre Männlichkeit demonstrieren. Zudem gibt es in der immer androgyner werdenden Modewelt kaum noch ein Kleidungsstück, welches einzig und allein dem starken Geschlecht vorbehalten ist. Boyfriend-Blazer, -Jeans oder –Shirts – die Frauenmode bedient sich seit Jahren aus dem Kleiderschrank der Männer, während für diese hingegen bereits Handtaschen und Röcke auf Laufstegen gesichtet worden sind. Es wäre daher nicht weiter verwunderlich, wenn Männer das Bedürfnis hätten gegen die immer weiblicher werdende Männermode zu rebellieren und dafür gezielt auf Rasierer zu verzichten.

Doch was mag man, beziehungsweise Frau, denn nun vom aktuellen Wildwuchs-Trend halten? Ein gepflegter (!) Bartwuchs kann am richtigen Träger sicherlich äußerst lässig und maskulin wirken. Doch muss es denn gleich ein mehrere Zentimeter langer Räuberbart sein, in welchem sich ungehindert sämtliche Krümel festsetzen?

Fest steht überdies: Bart-Boys sind sicherlich nett anzuschauen – sie zu küssen stellt dagegen eine Herausforderung dar.

Trotz wundgescheuertem Kinn bleibt dennoch zu sagen: der Trend zu mehr Männlichkeit und weniger Milchbubigesicht ist grundsätzlich zu befürworten. Nach dem Jahrzehnt des metrosexuellen Mannes sehnen wir Frauen – und anscheinend auch Männer – uns nun wieder nach mehr Maskulinität.

Also Jungs, legt den Rasierer für ein paar Tage beiseite und frönt dem Wildwuchs!

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch ein weiteres Interview – dieses Mal mit Bloggerin Cloudy vom „Cloud44“-Blog.

Preview: März 2012

Wann ist ein Mann ein Mann? Wie wirken legale Drogen auf den menschlichen Körper? Und: Welches sind die besten Sites im World Wide Web?

Diese und noch einige weitere Fragen konnte die Face2Face-Redaktion im Februar für euch beantworten. Nun steht der März mit vielen, tollen Highlights an:

Wie läuft eigentlich ein Krimidinner ab – die Antwort auf diese Frage erwartet euch in der Kolumne. Gleich einen ganzen Katalog von Fragen wird Bloggerin „Cloudy“ in der Moderubrik beantworten. Die Tier&Umwelt-Rubrik fragt sich, wie kann man aus Pandakot Biokraftstoff gewinnen kann. Um die Ergebnisse der Leichtathletik-Hallen-WM kümmert sich die Sportredaktion und bei den Tipps&Tricks erfahrt ihr mehr über den Traumberuf Radiologe. Mit dem Thema Gewaltverherrlichung in Teenie-Serien wird die FilmKunstKultur für Diskussionsstoff sorgen.

Aber auch hochkarätige Interviewpartner sind im März wieder mit am Start: In der Musikrubrik freuen wir uns Schlagersängerin Laura Wilde begrüßen zu dürfen. Und im Panorama steht uns Schauspielerin Josephine Preuß Rede und Antwort zu ihrem neuen Kinofilm „Türkisch für Anfänger“.

Laufende Gewinnspiele:
Eine Ausgabe des Buches „Ja? Nein?… Jein!“ könnt ihr noch bis einschließlich Freitag, 23. März gewinnen. Mehr Infos findet ihr HIER.

Das „Kraftclub“-Gewinnspiel, bei dem ihr zwei Autogrammkarten gewinnen könnt, wird bis Mittwoch, 28. März verlängert. HIER gibt´s die Infos.

Eine von vier handsignierten Autogrammkarten von Schauspielerin Nora Tschirner könnt ihr noch bis Freitag, 30. März, gewinnen. Infos findet ihr HIER.

Wie ihr noch bis Freitag, 30. März eine Farbberatung plus typgerechtes Makeup bei Image-Consultant Birgit Diehsle gewinnen könnt, lest ihr HIER.

Ihr seid gefragt!
Ihr wollt eure Meinung über Face2Face kundtun? Lob, Kritik und so weiter könnt ihr HIER loswerden.

Werdet ein Teil von Face2Face:
Ihr wollt Interviews mit bekannten Persönlichkeiten wie der Indie-Pop-Band „Razorlight“ oder „taff“-Moderator Daniel Aminati führen, über große Veranstaltungen wie die Frankfurter Buchmesse oder die Internationale Automobilausstellung berichten? Ihr wollt Zutritt zu Backstage-Bereichen von Konzerten oder Fashionshows und eure dort erlebten Erfahrungen mit den Face2Face-Lesern teilen?

Auf vorläufig unentgeltlicher Basis bietet euch die Face2Face-Redaktion die Chance euch journalistisch voll auszuleben und in einem Team von über 20 jungen Autoren Erfahrungen im Pressebereich zu sammeln. Zurzeit suchen wir noch Mitarbeiter in den Bereichen Tier&Umwelt, Mode, Musik, Reise, Sport, Tipps&Tricks, Wirtschaft&Politik und Panorama. Je nach Anzahl der Mitarbeiter in der von euch gewählten Rubrik, solltet ihr in der Lage sein alle zwei bis alle fünf Wochen einen qualitativ hochwertigen Artikel liefern zu können.

Journalistische Erfahrungen sind erwünscht, aber keine Grundvoraussetzung. Bei Interesse schreibt einfach eine E-Mail mit dem Betreff „Mitarbeit“ an tatjana.gartner@face2face-magazin.de, erzählt darin kurz etwas über euch (Ausbildung, Studium, Interessen usw.), erklärt weshalb ihr gerne für Face2Face schreiben und welche Rubrik ihr bevorzugen würdet und hängt – wenn vorhanden – eine (!) Arbeitsprobe, sowie mögliche Praktikumszeugnisse im Bereich Presse/PR an.

Wir freuen uns auf zahlreiche neue und motivierte Mitarbeiter!