Jay-Zs Streamingdienst: Leidenschaft zur Musik oder bloße Geldmacherei?

Kommentar: Von Vanessa Verena Wahlig (Foto: V.Wahlig)

Kommentar: Von Vanessa Verena Wahlig (Foto: V.Wahlig)

KOMMENTAR: Was macht ein Popstar, der bereits alles besitzt? Sich noch mehr schnelle Autos kaufen? Weit gefehlt. Neuerdings liegt es wohl im Trend sich einfach mal einen Streamingdienst zu kaufen und sich damit noch besser zu vermarkten. Die Rede ist in diesem Fall nicht von irgendeinem Popstar, sondern von keinem geringen als Jay-Z. Er zählt zu den kommerziell erfolgreichsten schwarzen Musiker seiner Zeit. Neben Musik designt der Rapper außerdem bereits seit Jahren schon Mode für sein eigenes Designerlabel Roc-a-Wear. Zusammen mit der Sportfirma Reebok hat er eine Schuhkollektion herausgebracht und für seine sportliche Freizeitaktivitäten ist er Mitbesitzer des NBA-Basketballteams Brooklyn Nets. Hinzu kommt, dass er mit DER Hip Hop Queen Amerikas verheiratet ist: Beyonce.

Ja und nun besitzt er eben noch den Streamingdienst „Tidal“. Diesen hat er natürlich nicht gekauft, um noch mehr Geld zu scheffeln. Stattdessen geht es ihm, wie er selbst sagt, dabei vor allem um den „Wert der Musik“. Zurzeit ist Tidal nur in den USA verfügbar, aber bereits die Vorstellung des Dienstes sorgte für Furore, die auch in anderen Ländern Aufsehen erregte. Fast mehr Top-Acts, als auf jeder Grammyverleihung, warben für den Neustart der Seite. Darunter nicht nur Jay-Zs Ehefrau, sondern auch die Jungs von Daft Punk, Chris Martin oder auch Rihanna.

Für rund 50 Millionen Euro hatte Jay-Z den von der skandinavischen Technologiefirma Aspiro betriebenen Streamingdienst Tidal, gekauft. Tidal ist mit einer Reihe von Streamingdiensten wie Spotify oder Deezer vergleichbar. Mehr bietet er dabei dem Hörer jedoch nicht. Für rund zehn Dollar im Monat kann der Nutzer auf Musik zugreifen und diese unbegrenzt hören. Für einen Zehner mehr kann sich der Nutzer auf ein spezielles HIFI-Angebot mit Musik in bester Soundqualität freuen.

Seine Werbestrategie baut der New Yorker Hip Hop-Star vor allem mit den großen Namen des Musikbusiness auf. So macht er Stars wie Madonna, Alicia Keys und Jack White zu Teilhabern. Was aber nun diesen Streamingdienst von anderen, bereits vorhandenen Streamingdiensten unterscheidet? Jay-Z hat auch darauf eine Antwort:

„Die Liebe zur Musik haben alle Musiker bei Tidal gemeinsam, das unterscheidet uns von Leuten, die vor allem Technik oder Werbung verkaufen wollen.“

So ganz kann man den Worten der Musikmillionäre aber nicht glauben. Immerhin steigen nun auch Apple und Google in den Markt des Musikstreamings ein. Bei einem so schnell wachsenden Markt geht es sicher nicht nur um schöne und gut gemachte Musik. Jay-Z wird das bestimmt auch bald feststellen.

Entspannung pur? Schluss mit den Yoga-Klischees

Wer hat eigentlich das lächerliche Gerücht in die Welt hinausposaunt, Yoga sei entspannend? Es hält sich nämlich hartnäckig. Erst kürzlich kam mir so ein Kommentar wieder zu Ohren. Ich war gerade vom Yoga nach Hause gekommen, hatte mich frisch geduscht und wollte meine Freundin in Empfang nehmen. Eher beiläufig erwähnte ich, dass ich ziemlich erschöpft sei. Was mir mit meinen roten Bäckchen durchaus abzukaufen war! Sie blickte mich darauf ungläubig an. „Vom Yoga etwa?“ „Das ist doch entspannend, oder?“ Da wunderte ich mich, nicht zum ersten Mal darüber, wieviel Unwissen und Skepsis über die Yoga-Praxis herrscht. Ich muss allerdings gleich zu Beginn anmerken – eigentlich habe ich mit Yoga erst vor wenigen Monaten begonnen. Ich bin also alles andere als eine Yoga-Expertin. Ich habe allerdings genügend Einblicke erhalten, es quasi am eigenen Körper erfahren, um klarstellen zu können – Yoga ist alles andere als Entspannung pur! Aber beginnen wir von Anfang an:

Meditation und der Geruch von Räucherstäbchen: Wer glaubt, darum gehe es im Yoga ausschließlich, der hat weit gefehlt.(©Paulwip  / pixelio.de)

Meditation und der Geruch von Räucherstäbchen: Wer glaubt, darum gehe es im Yoga ausschließlich, der hat weit gefehlt! (©Paulwip / pixelio.de)

Das Yoga eine uralte philosophische Lehre ist, die aus Indien stammt, ist den Meisten wohl bekannt. Yoga beruht auf sehr alten Schriften – die älteste geht dabei auf das zweite Jahrhundert nach Christus zurück. Diese heiligen Schriften von verschiedenen Gelehrten, bilden heute das Grundgerüst einiger Yoga-Arten. Die Körperübungen, sogenannte Asanas, gesellten sich erst sehr viel später dazu, machen heute aber einen bedeutenden Teil des Yogas, wie er zumindest in westlichen Ländern gelehrt wird, aus. Gegenwärtig existiert eine breite Fülle an Yoga-Ausrichtungen, welche sich in den Übungen und in der Intensität in der Asanas ausgeführt werden, wesentlich unterscheiden. Das Tolle daran ist – für jeden Geschmack ist etwas dabei! Für diejenigen, die Spaß an körperlichen Herausforderungen haben, aber auch für jene, die es lieber ruhiger angehen lassen. Noch toller: Yoga lässt sich problemlos in den Alltag integrieren. Matte ausgerollt und los geht‘s! (zugegeben eine gehörige Portion Motivation gepaart mit Disziplin ist unabdingbar!)

Ganzheitliche Beansprunchung: Yoga verlangt viel Körperbeherrschung und Disziplin von einem ab (©Philipp Wiebe  / pixelio.de)

Ganzheitliche Beanspruchung des Körpers: Yoga verlangt viel Körperbeherrschung und Disziplin von einem ab (©Philipp Wiebe / pixelio.de)

Ich übe mich im Hatha-Yoga, einer sehr körperbetonten, klassischen Yoga-Form, in der die Übungen langsam und bewusst im Wechsel mit Entspannungsphasen ausgeführt werden. Dieses Yoga eignet sich besonders für Anfänger, da Fehlhaltungen von den „Yogis“ (so nennen sich die, die Yoga praktizieren, sich allerdings schon auf einem fortgeschrittenen Level befinden) schnell erkannt werden. Wer ordentlich schwitzen will, sollte sich im Ashtanga-Yoga probieren, welches viel Kondition erfordert und in dem die Übungen in einer flotten Tempoabfolge durchgeführt werden. Schwitzen ist also Programm! Und wer Schwitzen im wortwörtlichen Sinne versteht, sollte mal eine Runde Bikram-Yoga in Erwägung ziehen – In einem auf 40 Grad Celsius aufgeheizten Raum, werden 26 Asanas in einer genauen Abfolge ohne Pause vollführt. Klingt nach purer Entspannung, oder? Wer aber wirklich die Absicht hat, im Yoga zur Ruhe zu kommen, dem sei Kundalini-Yoga ans Herz gelegt. Hier wird der spirituellen Seite des Yogas viel Raum gegeben und die Meditation steht im Vordergrund. Wer gerne dem Beispiel von Prominenten wie etwa Madonna folgt, der könnte Freude am dynamischen Jivamukti-Yoga haben. Hier werden kraftbetonte Übungen in einem fließenden Ablauf praktiziert und mit der Lehre von heiligen Schriften und Mediation vereint. Jivamukti setzt sich aus Jiva (Seele) und mukti (Befreiung) zusammen und bedeutet so viel wie „Befreiung der Seele“. Klingt doch vielversprechend, oder?

Und irgendwann kommt dann die Erleuchtung? Sicher ist Yoga ist wohltuend für Körper und Geist! (©Thorben Wengert  / pixelio.de)

Und irgendwann kommt dann die Erleuchtung? Sicher ist – Yoga ist wohltuend für Körper und Geist! (©Thorben Wengert / pixelio.de)

Yoga bedeutet weitaus mehr als ausschließlich verrenkende, fast akrobatisch anmutende Körperübungen zu vollführen. Vielmehr ist es die philosophische Lehre auf der alles begründet. Gerade in heutigen Zeiten, wo ein häufiges Volksleiden Stress ist und nie dagewesene Krankheitsbilder wie Burn-Out auftauchen, wo Menschen gehäuft an körperlichen Beschwerden leiden, scheinen die Yoga-Studios Hochkonjunktur zu verzeichnen. Nicht umsonst ist mittlerweile bei vielen Krankenkassen Yoga als Präventionsmaßnahme anerkannt.

Wer seine Vorurteile einmal von Bord wirft und sich auf Yoga einlässt wird bemerken, dass Yoga neben schweißtreibenden Übungen, auch ein völlig neues Lebensgefühl verleiht. Yoga lehrt den Mensch, auf sich Acht zu geben, seine Gedanken zu fokussieren, zugleich aber auch die eigenen Grenzen und Ängste zu überwinden und sich so vom „inneren Leiden“ zu heilen. Und deshalb ein kleiner Wink an denjenigen, der dieses unsinnige Gerücht, von wegen Yoga sei entspannend, in die Welt setzte: Yoga wirkt sogar entspannend UND anstrengend zugschleich! Schreib dir das gefälligst hinter die Ohren. Namaste!

Vorschau: Eva setzt sich nächste Woche mit einem hochaktuellen Thema auseinander: 70 Jahre nach Ausschwitz gibt es AfD und Pegida.

 

Die Modeikone mit dem weißgepuderten Haarzopf

Jeder kennt seinen Namen. Und jeder weiß, wie er aussieht. Der weißgepuderte Haarzopf, die dunkle Sonnenbrille, der Anzug und  Vatermörderkragen – es kann sich um niemand anderen als Karl Lagerfeld handeln. Gerade im vergangenen Monat gab es nochmal zahlreiche Berichte über die Modeikone. Anlass war die Ausstellung „Little Black Jackett“ in Berlin, in der Lagerfeld seine Fotografien präsentierte, die zahlreiche Stars wie Sarah Jessica Parker und Kirsten Dunst im weltberühmten schwarzen Kostüm von Chanel zeigten.

Der nach eigenen Angaben 1938, doch mittlerweile durch Bild am Sonntag belegt 1933, geborene Hamburger Karl Otto Lagerfeldt wuchs zwar im Wohlstand auf, doch ahnte niemand zu dieser Zeit, dass er mal durch Mode ein unglaubliches Vermögen anhäufen würde.
Im Jahr 1953 zog der Hamburger nach Paris und besuchte dort das Lycée Montaigne. Zwei Jahre später nahm er an einem Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats IWS teil und gewann mit seinem Entwurf eines Wollmantel. Ebenfalls ein Sieger bei dem genannten Wettbewerb, jedoch in der Kategorie Abendkleid, war kein Geringerer als Yves Saint Laurent. Dieser Sieg ermöglichte Karl Lagerfeld eine Stelle bei Pierre Balmain, wo er bis 1958 arbeitete. Anschließend war er zunächst künstlerischer Direktor bei Jean Paton, ab 1963 bei Chloé und nur zwei Jahre später bei Fendi. Neben diesen Festanstellungen arbeitete Lagerfeld jedoch stets als Freiberufler für viele weitere namhafte Modelabels.

Bei diesem erfolgreichen Aufstieg war es nur eine Frage der Zeit, wann Karl Lagerfeld sein eigenes Unternehmen gründen würde. Im Jahr 1974 war es dann soweit: „Karl Lagerfeld Impression“ wurde in Deutschland gegründet. Neun Jahre später bekam er eine Anstellung als künstlerischer Direktor bei Chanel und nur ein Jahr später entwarf Lagerfeld als Chefdesigner eine Kollektion für selbiges Modehaus und übernahm als solcher die Prêt-à-Porter-Sparte. Seine Arbeit für Chanel machte ihn weltberühmt. In den 90er Jahren kehrte er als Chefdesigner zu Chloé zurück.
Im Jahr 2000 dann eine radikale Veränderung seines Äußeren: Durch die 3D-Diät, die Jean-Claude Houdret entwickelte, nahm der Modedesigner insgesamt 42 kg innerhalb eines Jahres ab. Und der Grund dafür? Er wollte unbedingt in die schmal geschnittenen Dior Homme Anzüge von Hedi Slimane passen.

Karl Lagerfeld widmet sich nicht nur dem Design von Kleidungsstücken: von Lagerfeld designte Coca-Cola-Light Flaschen
(Foto: Heimes)

Doch nicht nur in Bezug auf sein Körpergewicht legt er eine eiserne Disziplin an den Tag, generell erscheint einem die Modeikone als ein wahrer Workaholic. Besonders in den letzten zehn Jahren widmete er sich zahlreichen Projekten, die teils Verwunderung hervorriefen. Die 2004 veröffentliche Kollektion für die Modekette H&M ließ jedoch viele Modeherzen höher schlagen: Endlich von Lagerfeld designte Kleidungsstücke zu erschwinglichen Preisen.  Des weiteren entwarf er die Kostüme für die anstehenden Tourneen von Sängerinnen wie Madonna oder Kylie Minogue. Im Jahr 2008 designte er einen Steiff-Teddybären, ein Jahr später Motorradhelme und Seiden-Schals für Les Ateliers Ruby und 2010 schließlich die drei Coca-Cola Light Flaschen. Darüber hinaus widmete er sich in Zusammenarbeit mit Swarovski dem Design von Armreifen, Halsketten und Broschen.
Doch wer denkt, seine Liebe gilt nur der „tragbaren“ Mode, der hat sich getäuscht: Zu einen seiner größten Leidenschaften gehört das Theater und die Oper. Aus diesem Grund lässt er es sich auch nicht nehmen, als Kostümbilder für verschiedene Spielstätten tätig zu sein.

60 Jahre nach seinem Einstieg in die Modewelt gehört er zu den Großen dieser Welt. In den zahlreichen Interviews bekommt man einen Einblick in sein Leben und seine ganz eigene Art und bemerkt schnell, dass der Modedesigner über eine unglaublich gute Allgemeinbildung verfügt und sehr belesen ist – was einen aufgrund seiner Privatbibliothek mit über 300.000 Werken nicht verwundern dürfte. Doch es wird auch deutlich, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Während er von Claudia Schiffer, seiner Entdeckung und Muse, schwärmt, lässt er an Heidi Klum kein gutes Haar. Obwohl er das Thema seiner eigenen sexuellen Orientierung meidet, ist bekannt, dass sein Lebenspartner Jacques de Bascher 1989 an HIV starb und er seitdem am liebsten alleine lebt.
Heute lebt er in Paris, hat jedoch noch Wohnungen in Monte Carlo, Rom und New York. Seinen Erstwohnsitz hat der deutsche Modedesigner jedoch schon seit 1982 in Monaco.

Dass Karl Lagerfeld der Mode den Rücken kehrt, daran ist nicht zu denken. In einem Interview mit der Welt sagte er letzten Monat noch: „Ich habe lebenslängliche Verträge. Chanel und Fendi – zweimal lebenslänglich. Wie Zuchthaus“. In dem gleichen Interview betonte er auch: „Vor allen Dingen interessiere ich mich dafür, was ich gerade mache. Was ich gemacht habe, interessiert mich nicht. Ob es gut war oder schlecht spielt keine Rolle, es ist ja vorbei“ – und mit dieser Einstellung scheint er ganz gut seinen Weg zu gehen!

Vorschau: Nächste Woche wird euch Lisa ihr persönliches Lookbook für den Frühling präsentieren!

Sugarplum Fairy: Die Norén-Brüder auf Solopfaden

Ich kann mich noch daran erinnern, als wäre es gestern gewesen: Ich als sechzehnjähriges Mädchen, das gerade die Indie und Alternativemusik für sich entdeckt. Eine Band, die einiges dazu beigetragen hat, war „Sugarplum Fairy“ aus dem legendären Borlänge, Schweden.

 Bereits 1998 wurde die Band von Carl Norén (Vocals, Gitarre, Klavier, Harmonika, Orgel) und seinem jüngeren Bruder Victor Norén (Vocals, Gitarre, Bass) gegründet. Weitere Bandmitglieder wie David Hebert (Bass, Gitarre, Orgel, Klavier), Jonas Karlsson (Backing Vocals, Gitarre) und Kristian Gidlund (Schlagzeug, Percussion) kamen im Laufe der Zeit dazu. Anfangs spielten „Sugarplum Fairy“ hauptsächlich in der eigenen Garage oder auf Schulfestivals. Während der ältere Bruder Gustav Norén mit seiner Band „Mando Diao“ auf europaweitem Erfolgskurs war, blieb für „Sugarplum Fairy“ der richtige Erfolg vorerst aus. Im April 2004 sollte es dann so weit sein: Die erste EP „Stay Young“ wurde veröffentlicht und die Songauskopplung „Sweet Jackie“ wurde in Schweden zum Hit. Das Debütalbum „Young and Armed“ folgte und wurde Anfang 2005 auch in Deutschland veröffentlicht. Mit ihrem Sound, der oft an klassische Rockbands wie „Rolling Stones“, „The Beatles“ oder „Oasis“ erinnert, erspielten sie sich die ersten Fans in Nordeuropa. Zu diesem Zeitpunkt knüpften „Sugarplum Fairy“ auch erste Bande mit Hörern aus deutschsprachigen Ländern und spielten vereinzelt Konzerte auch außerhalb Schwedens. Spätestens nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „First Round First Minute“ im August 2006 blieben sie nicht nur ein Geheimtipp unter Indiefans. Eine Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz folgte im Herbst 2006, die den Bekanntheitsgrad der Band um einiges steigerte. Nach zwei Jahren Pause, die Victor Norén eine Nebenrolle im Film „Das wilde Leben“ bescherte, veröffentlichten „Sugarplum Fairy“ im Herbst 2008 ihr drittes Album „The Wild One“, welches sich musikalisch am meisten von den anderen Platten unterscheidet.

 Nach zweijähriger Sendepause gab es nun auch wieder ein Lebenszeichen von den Schweden, das mich etwas verwirrt hat: Sowohl Carl als auch Victor sind nun solo unterwegs. Verwirrt hat es mich deswegen, weil ich absoluter Gegner von Leadsängern auf Solopfaden bin. Das geht leider nur in seltenen Fällen für die Band gut aus, auch wenn manche Leadsänger solo einiges zustande bringen. Meistens findet die Band danach nicht mehr zusammen. Man kann also nur abwarten und hoffen, was „Sugarplum Fairy“ betrifft…

 Doch nun eine nähere Betrachtung der Soloprojekte: Carl bleibt seinen alten Wurzeln treu und widmet sich dem, was er am besten kann: Gitarre, Keyboard/Klavier und Harmonika. Damit zaubert er rockige Folksongs, die stark an Akustikversionen von „Sugarplum Fairy“ erinnern und trotzdem interessant bleiben. Auch sein erstes Video zur Single „The Anger“, das im Oktober veröffentlich wurde, ist trotz seiner Einfachheit überraschend gut. Da ich die Ehre hatte, Carl als Supportact von Johnossi im Oktober zu sehen, kann ich nur empfehlen, eine Show von ihm zu besuchen. Er ist einer der wenigen, der er schafft, mit Akustikgitarre, Keyboard und Harmonika ohne auffällige Lichteffekte oder elektronische Hilfe gute Musik zu machen. Sein Debütalbum „Owls“ wird hoffentlich bald in Deutschland herauskommen.

 Victor hingegen scheint sich auf den ersten Blick bzw. Ton um 180 Grad gedreht zu haben. Dass Victor der exzentrischste der Norén Brüder ist, war dem ein oder anderen wohl schon vorher klar. Wer seine Homepage besucht und sein Video zu „When we were 10“ ansieht, wird trotzdem ähnlich verwirrt reagieren wie ich. Es wirkt wie ein Video einer gecasteten Boygroup und die Musik klingt nach Popmusik gemacht von Computereffekten. Außerdem fällt auf, dass Victor sich nun „Viktorious“ nennt. Nach dem Durchlesen der Biografie auf seiner Homepage kann man die 180 Grad Drehung dann doch verstehen. Er erklärt ausführlich, dass er schon immer ein Fan von Madonna und Michael Jackson war und auch schon immer davon geträumt hat, die Gitarre in der Garage stehen zu lassen, um tanzbare Popmusik zu machen. Das hat er auf jeden Fall geschafft und nachdem ich mir das Video ein zweites Mal angeschaut habe, muss ich begeistert den Hut ziehen. Das Video ist sehr gelungen und individuell, auch wenn ich mich an den Anblick Viktors mit lackierten Fingernägeln noch gewöhnen muss.

Vorschau: Wir haben den Latino-Reggae Sänger / Songwriter vor seinem Auftritt in Landau getroffen und interviewt. In diesem Sinne wünsche euch eine schöne Woche.