Die Zeit der Lotusblüte – Sommer in Japan

Jeder kennt die Kirschblüte in Japan. Tausende und abertausende rosane Blüten zeichnen sich vor dem strahlend blauen Frühlingshimmel ab. Im Sommer aber lockt eine andere Blütenpracht Einheimische und Touristen ins Freie: Die Lotusblüte. Wir zeigen Euch, wo ihr die schöne Blüte besonders gut genießen könnt.

Lotusblüten in Tokio

Der Lotus gilt in Asien als Sinnbild für Reinheit, Treue, Schöpferkraft und Erleuchtung. An der Universität Tokio gibt es sogar einen eigenen Lehrstuhl für die Erforschung des Lotus. Wer Ende Juli oder Anfang August in Japans Hauptstadt ist, kann im Ueno Park die prachtvolle Lotusblüte bewundern. Passend dazu werden an Verkaufsständen kleine Snacks aus den Wurzeln der Pflanze – wie etwa getrocknete Lotuswurzelchips – angeboten.  Besucher, die zu dieser Zeit den ebenfalls dort befindlichen Ueno Zoo besuchen, können neben den entzückenden Tieren, wie Pandas, auch einen Spaziergang auf Stegen durch die Lotusfelder unternehmen. Dort erwarten sie die hohen Pflanzen mit den zartrosa Blüten. Ein wahres Erlebnis.

Nijo Castle in Kyoto: Der frühere Sitz des Shogun (Foto: Möller)

Nijo Castle in Kyoto

Die ehemalige Hauptstadt Kyoto ist für Japan-Besucher ein wahrer Quell an Sehenswürdigkeiten. Hier reiht sich ein Weltkulturerbe ans nächste und Touristen kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ein Ort um hier die Lostusblüte zu besichtigen ist das Nijo Castle, eine japanische Burganlage und ehemaliger Sitz des Shōguns (Anführer der Samurai). Neben dem beeindruckenden Schloss mit dem berühmten Nachtigallenparkett – ein Bodenbelag der den Shogun durch Geräusche vor sich nähernden Personen warnte – lassen sich hier in kleinen Seen und im Burggraben die prächtigen Lotuspflanzen anzuschauen.

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

Die Burg von Matsumoto: Vom Burgturm hat man einen schönen Ausblick auf den Burggraben (Foto: Möller).

Lotus im Burggraben in Matsumoto

Die schwarze Burg in Matsumoto, die auch Krähenburg genannt wird, ist für viele Japan Besucher ein Highlight ihrer Reise. Die in der Präfektur Nagano gelegene Burg ist eine der wenigen original erhaltenen  Burgen und Teil des Nationalschatzes Japans.  Durch ihre schwarze Farbe und die orange-rot gestrichenen Brücken, die über den Burggraben gehen, fällt sie Besuchern gleich ins Auge. Die Lotusblüte lässt sich hier auch schön von oben beobachten, wenn man den – teilweise durch sehr schmale Treppen führenden – Aufstieg auf das Burgdach wagt.

Botanischer Garten in Hiroshima

Ein zauberhafter Ort: Der botanische Garten in Hiroshima (Foto: Möller)

Die von einer Atombombe getroffene Stadt Hiroshima bietet ein ganz eigenes Flair aus Erinnerung und Neuanfang.

Ein Besuch des Atomdoms – das Gebäude, über dem die Bombe explodierte – und des Atommuseeums sind nicht nur eindrucksvoll, sondern nicht zuletzt auch ein Mahnmal. Hier sieht man, mit welcher Wucht die Bombe explodiert ist und welche Auswirkungen dies für die Stadt und seine Bevölkerung hatte. Gleichzeitig zeigt Hiroshima aber auch, wie ein Neuanfang nach einer solchen Tragödie gelingen kann. Ein Ort, an dem dies deutlich wird, ist der botanische Garten in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die stille Oase inmitten der Großstadt ist nicht nur zur Lotusblüte einen Besuch wert und entführt Touristen in eine ganz eigene Welt, weit weg von der Hektik der Stadt.

Bionik – was der Mensch von der Natur lernen kann

„Man muss das Rad ja nicht zweimal erfinden“ – diese gut gemeinte Redewendung zur Vermeidung überflüssiger Arbeit, nehmen sich Forscher nur zu gerne zu Herzen. Denn es gibt einen großen Erfinder, der in Millionen von Jahren eigentlich schon so gut wie alles erfunden hat: die Natur.

Da die Erfinder sich im Laufe der Zeit nun schon allerhand von der Natur abgeguckt haben, gibt es dafür sogar schon einen eigenen Namen: Die Bionik ist die Wissenschaft von der Übertragung von Phänomenen der Natur auf die Technik.

Fliegen: Schon immer ein Menschheitstraum und durch gezieltes Abkupfern aus der Natur schließlich möglich (© Rainer Brückner / pixelio.de)

Als erstes kam das berühmte Universalgenie Leonardo da Vinci auf die Idee abzukupfern. Er wollte eine Flugmaschine für den Menschen bauen und erforschte dafür den Flug der Vögel. Erfolg hatte da Vinci damals zwar noch keinen, aber auch die ersten Flugpioniere, die tatsächlich abhoben, orientierten sich an der Flugtechnik der Vögel. Und auch heute noch sind die Tragflächen eines jedes Flugzeuges eine Nachbildung von Vogelflügeln – denn besser geht es einfach nicht.

Der Grundgedanke der Bionik ist, dass die Pflanzen und Tiere alle denkbaren Strukturen schon so weit wie überhaupt möglich optimiert haben. Die lange Evolution über Millionen von Jahre hat nur die allerbesten Lösungen überleben lassen. Strukturen aus der Natur sind außerdem immer so energieeffizient wie möglich – schließlich kann man sich im harten Kampf ums Überleben nicht die kleinste Energieverschwendung leisten.

Die Bionik kennt zwei verschiedene Vorgehensweisen: die Analog- und die Abstraktionsbionik. Beide übertragen Strukturen aus der Natur auf menschliche Erfindungen. Bei der Analog-Bionik steht am Anfang ein Problem – zum Beispiel fliegen zu wollen –, für das man in der Natur eine Lösung sucht. Bei der Abstraktions-Bionik finden meist Biologen bei der Erforschung der Natur interessante Strukturen und suchen dann nach einer technischen Anwendung dafür.

Auf diese Art und Weise kam der Mensch auch in den Genuss wasserabweisender und selbstreinigender Oberflächen. Am Anfang stand hier die Entdeckung der speziellen Blattoberfläche der Lotuspflanze, die Wassertropfen einfach ableitet. Durch hochauflösende Mikroskopbilder entschlüsselte man die Struktur auf den Blättern und konnte diese dann auf Regenkleidung, Fensterscheiben und vieles mehr übertragen.

Lästig: Doch Forscher konnten aus der Struktur der Klettensamen den Klettverschluss entwickeln (© Deborah Gottmann)

Fliegen und wasserabweisende Oberflächen. Das hört sich bisher zwar gut an, aber irgendwie ist die Vorstellung, dass wir so viel von der Natur kopieren können, auch ein bisschen abwegig, oder? Menschen sind ja weder Tiere noch Pflanzen.

Nun – weit gefehlt. Forscher und Entwickler haben mittlerweile so einiges abgekupfert, auch viele Dinge, die uns jeden Tag begegnen!

Vorbild für den Klettverschluss waren die Samen der Klette, die wir auch in unseren Breiten auf fast jeder Wiese finden können. Das Prinzip, mit dem sie es schaffen, an der Kleidung und Fell haften zu bleiben, fand seine Anwendung an Taschen, Kleidung und vielem mehr. Auch ursprünglich Lästiges kann also nützlich werden. Übrigens stammt auch der Saugnapf eigentlich aus dem Tierreich: Die Krake lässt grüßen.

Vorschau: Nächste Woche geht es hier bei Tier&Umwelt etwas ruhiger zu, Thema sind dann nämlich Faultiere.