Vor zwanzig Augenpaaren – meine Arbeit als Dozentin

Ein bisschen bin ich schon aufgeregt. Mit einer Mappe an Unterlagen in der Tasche, abgezählten Kopien und Folien für den Projektor, bin ich auf dem Weg zum Seminar. Doch ich werde diesmal keine Teilnehmerin sein, keine Studentin, die eine Schein braucht. Dieses Mal bin ich die Dozentin. Mein erster Kurs, ein kleiner Einführungskurs, zwanzig Augenpaare, die auf mich gerichtet sind.

Situationswechsel

Endlich Dozentin: Das erste Seminar für unsere Kolumnistin (© l-Vista / pixelio.de)

Endlich Dozentin: Das erste Seminar für unsere Kolumnistin (© l-Vista / pixelio.de)

Ich kann mich an mein Einführungsseminar damals, vor fünf Jahren noch gut erinnern. Auch meine Dozentin war eine junge Doktorandin, letztes Jahr hat sie promoviert. Und damals war ich so begeistert, dass ich wusste, wenn sich mir die Möglichkeit bietet, will ich da auch einmal stehen. Vorne, erklärend, lehrend, dozierend. Und das, obwohl ich niemals Lehrerin werden wollte – auch heute will ich das nicht. Aber an der Universität lehren – ein kleiner Traum von mir, der in Erfüllung gegangen ist. Der Stoff ist der gleiche geblieben, der gleiche Roman wird gelesen, um die Funktion des Autors zu verdeutlichen, die gleichen theoretischen Texte liegen im Portal der Studierenden. Auf meinem Rechner sind noch die Unterlagen von vor fünf Jahren gespeichert. Heute greife ich wieder darauf zurück, wandle Arbeitsblätter ab und lese nach. Irgendwie bin ich gerade beides, Studentin und Dozentin.

Der fremde Blick

Manchmal fühle ich mich dann verfolgt, von den Blicken, die ich prüfen soll, bei denen es mir aber so vorkommt, als würden sie mich prüfen. Ein Tuscheln, ein Kichern und ich werde unsicher. Haben wir damals nicht auch über Dozenten getratscht? Manchmal bekomme ich dann den Eindruck, ich labere bloß, komme nicht auf den Punkt. Plötzlich wird mir klar, warum für den Dozenten die Seminarzeit zu kurz ist, warum manches bis zur Ermüdung wiederholt wird, warum es trotzdem Leerstellen gibt. Als Dozent Fehler zu machen ist fatal. Ich überprüfe mich selbst, verdeutliche, was auch beim letzten Seminarteilnehmer ankommen muss. Keine Woche vergeht, ohne fragende E-Mails, zu jeder Zeit, auch an Ostersonntag und Ostermontag.

Angekommen?

Neuer Platz. Als Dozentin sieht Vieles anders aus (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Neuer Platz. Als Dozentin sieht Vieles anders aus (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Ich freue mich trotzdem auf meine Sitzung, rolle die Augen über Fragen, die im Grunde selbst zu beantworten sind, seufze, wenn das zum x-ten Mal Erklärte trotzdem falsch gemacht wird. Ich habe einen guten Kurs erwischt. Die Teilnehmer machen mit, sind neugierig und nicht auf den Kopf gefallen. Schweigen sie mich an, kann ich sie zum Mitmachen bewegen, sind sie zu laut, bekomme ich sie leise. Ich weiß von Kollegen, dass das auch im Uni-Alltag nicht selbstverständlich ist, dabei sollten doch gerade im Studium die Leute selbstorganisierter und teilnahmebereiter sein. Es gibt Sitzungen, nach denen mir auffällt, was ich alles hätte besser machen können und solche, nach denen ich einfach zufrieden bin. Kein wahrgewordener Traum ist noch ein Traum, aber da vorne, zwanzig Augenpaare auf mich gerichtet, mit all meinen Fehlern, die sich einschleichen, fühle ich mich trotzdem wohl. Und solange ich dort stehen kann, werde ich es tun.

Vorschau: In zwei Wochen geht es aktuell weiter der Frage nach dem Ende der Satire.

Entspannung pur? Schluss mit den Yoga-Klischees

Wer hat eigentlich das lächerliche Gerücht in die Welt hinausposaunt, Yoga sei entspannend? Es hält sich nämlich hartnäckig. Erst kürzlich kam mir so ein Kommentar wieder zu Ohren. Ich war gerade vom Yoga nach Hause gekommen, hatte mich frisch geduscht und wollte meine Freundin in Empfang nehmen. Eher beiläufig erwähnte ich, dass ich ziemlich erschöpft sei. Was mir mit meinen roten Bäckchen durchaus abzukaufen war! Sie blickte mich darauf ungläubig an. „Vom Yoga etwa?“ „Das ist doch entspannend, oder?“ Da wunderte ich mich, nicht zum ersten Mal darüber, wieviel Unwissen und Skepsis über die Yoga-Praxis herrscht. Ich muss allerdings gleich zu Beginn anmerken – eigentlich habe ich mit Yoga erst vor wenigen Monaten begonnen. Ich bin also alles andere als eine Yoga-Expertin. Ich habe allerdings genügend Einblicke erhalten, es quasi am eigenen Körper erfahren, um klarstellen zu können – Yoga ist alles andere als Entspannung pur! Aber beginnen wir von Anfang an:

Meditation und der Geruch von Räucherstäbchen: Wer glaubt, darum gehe es im Yoga ausschließlich, der hat weit gefehlt.(©Paulwip  / pixelio.de)

Meditation und der Geruch von Räucherstäbchen: Wer glaubt, darum gehe es im Yoga ausschließlich, der hat weit gefehlt! (©Paulwip / pixelio.de)

Das Yoga eine uralte philosophische Lehre ist, die aus Indien stammt, ist den Meisten wohl bekannt. Yoga beruht auf sehr alten Schriften – die älteste geht dabei auf das zweite Jahrhundert nach Christus zurück. Diese heiligen Schriften von verschiedenen Gelehrten, bilden heute das Grundgerüst einiger Yoga-Arten. Die Körperübungen, sogenannte Asanas, gesellten sich erst sehr viel später dazu, machen heute aber einen bedeutenden Teil des Yogas, wie er zumindest in westlichen Ländern gelehrt wird, aus. Gegenwärtig existiert eine breite Fülle an Yoga-Ausrichtungen, welche sich in den Übungen und in der Intensität in der Asanas ausgeführt werden, wesentlich unterscheiden. Das Tolle daran ist – für jeden Geschmack ist etwas dabei! Für diejenigen, die Spaß an körperlichen Herausforderungen haben, aber auch für jene, die es lieber ruhiger angehen lassen. Noch toller: Yoga lässt sich problemlos in den Alltag integrieren. Matte ausgerollt und los geht‘s! (zugegeben eine gehörige Portion Motivation gepaart mit Disziplin ist unabdingbar!)

Ganzheitliche Beansprunchung: Yoga verlangt viel Körperbeherrschung und Disziplin von einem ab (©Philipp Wiebe  / pixelio.de)

Ganzheitliche Beanspruchung des Körpers: Yoga verlangt viel Körperbeherrschung und Disziplin von einem ab (©Philipp Wiebe / pixelio.de)

Ich übe mich im Hatha-Yoga, einer sehr körperbetonten, klassischen Yoga-Form, in der die Übungen langsam und bewusst im Wechsel mit Entspannungsphasen ausgeführt werden. Dieses Yoga eignet sich besonders für Anfänger, da Fehlhaltungen von den „Yogis“ (so nennen sich die, die Yoga praktizieren, sich allerdings schon auf einem fortgeschrittenen Level befinden) schnell erkannt werden. Wer ordentlich schwitzen will, sollte sich im Ashtanga-Yoga probieren, welches viel Kondition erfordert und in dem die Übungen in einer flotten Tempoabfolge durchgeführt werden. Schwitzen ist also Programm! Und wer Schwitzen im wortwörtlichen Sinne versteht, sollte mal eine Runde Bikram-Yoga in Erwägung ziehen – In einem auf 40 Grad Celsius aufgeheizten Raum, werden 26 Asanas in einer genauen Abfolge ohne Pause vollführt. Klingt nach purer Entspannung, oder? Wer aber wirklich die Absicht hat, im Yoga zur Ruhe zu kommen, dem sei Kundalini-Yoga ans Herz gelegt. Hier wird der spirituellen Seite des Yogas viel Raum gegeben und die Meditation steht im Vordergrund. Wer gerne dem Beispiel von Prominenten wie etwa Madonna folgt, der könnte Freude am dynamischen Jivamukti-Yoga haben. Hier werden kraftbetonte Übungen in einem fließenden Ablauf praktiziert und mit der Lehre von heiligen Schriften und Mediation vereint. Jivamukti setzt sich aus Jiva (Seele) und mukti (Befreiung) zusammen und bedeutet so viel wie „Befreiung der Seele“. Klingt doch vielversprechend, oder?

Und irgendwann kommt dann die Erleuchtung? Sicher ist Yoga ist wohltuend für Körper und Geist! (©Thorben Wengert  / pixelio.de)

Und irgendwann kommt dann die Erleuchtung? Sicher ist – Yoga ist wohltuend für Körper und Geist! (©Thorben Wengert / pixelio.de)

Yoga bedeutet weitaus mehr als ausschließlich verrenkende, fast akrobatisch anmutende Körperübungen zu vollführen. Vielmehr ist es die philosophische Lehre auf der alles begründet. Gerade in heutigen Zeiten, wo ein häufiges Volksleiden Stress ist und nie dagewesene Krankheitsbilder wie Burn-Out auftauchen, wo Menschen gehäuft an körperlichen Beschwerden leiden, scheinen die Yoga-Studios Hochkonjunktur zu verzeichnen. Nicht umsonst ist mittlerweile bei vielen Krankenkassen Yoga als Präventionsmaßnahme anerkannt.

Wer seine Vorurteile einmal von Bord wirft und sich auf Yoga einlässt wird bemerken, dass Yoga neben schweißtreibenden Übungen, auch ein völlig neues Lebensgefühl verleiht. Yoga lehrt den Mensch, auf sich Acht zu geben, seine Gedanken zu fokussieren, zugleich aber auch die eigenen Grenzen und Ängste zu überwinden und sich so vom „inneren Leiden“ zu heilen. Und deshalb ein kleiner Wink an denjenigen, der dieses unsinnige Gerücht, von wegen Yoga sei entspannend, in die Welt setzte: Yoga wirkt sogar entspannend UND anstrengend zugschleich! Schreib dir das gefälligst hinter die Ohren. Namaste!

Vorschau: Eva setzt sich nächste Woche mit einem hochaktuellen Thema auseinander: 70 Jahre nach Ausschwitz gibt es AfD und Pegida.