Bio – alles besser (für die Tiere)? Teil 1: Das Hühnerei

Glückliche Tiere, das Gewissen beruhigen und trotzdem leckeres Essen genießen – der Bio-Boom existiert bereits seit einigen Jahren. Immer wieder werden Statistiken und Untersuchungen veröffentlicht, die besagen, dass Bio entweder besser für die Gesundheit oder eben überhaupt kein Qualitätsmerkmal ist. Macht es Sinn, biologisch-zertifiziert zu essen? Wem tun Bio-Produkte wirklich gut? Leben die Tiere, deren Bio-Fleisch wir kaufen, wirklich besser? Diese Serie möchte der Problematik auf den Grund gehen.

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Das “verbesserte” Bio-Ei? (Foto: w.r.Wagner, Pixelio.de)

Muss nur noch kurz die Welt retten!“, singt Tim Bendzko.

Aber verändert derjenige, welcher biologische Lebensmittel kauft, wirklich die Welt zum Guten? Das ist ein Grund unter vielen, wenn es um die Frage geht, warum jemand die Bio-Eier anstatt der Bodenhaltungs-Eier auf das Kassenband im Supermarkt legt. Die Hühner leben ja besser, nicht in Käfigen und sowieso sei es unverantwortlich, Käfigeier zu kaufen. Da stimmen die meisten Verbraucher überein. Was sie jedoch meist nicht wissen, ist, dass Bio nicht gleich Freilauf, Sonne und Luft bedeutet. Bio bedeutet lediglich, dass in dem Futter, welches das Huhn bekommen hat, keine Gentechnik enthalten war. Trotzdem kann das Huhn in einer Halle gelebt haben ohne jemals in den Genuss von Freilandhaltung gekommen zu sein. So ist es für einen EU-Landwirt eben auch möglich, konventionell erzeugtes Fleisch und biologisch erzeugtes Fleisch auf einem Hof „herzustellen“. Diese und viele Hintertüren sind für den Landwirt, welchem es primär um Profit, weniger um das Wohl der Tiere geht, offen. Wem die Gesundheit und das Natürliche für den Körper per se am Herzen liegen, der ist bei Bio-Eiern richtig. Wem das Wohl der Tiere am Herzen liegt, der weicht auf Freilandeier aus – oder fährt direkt zum Biobauern.
Auch im Supermarkt kann einfach darauf geachtet werden, welcher Code auf dem Ei steht:

Mithilfe der Buchstaben-Zahlen-Kombination, die auf jedes Ei gedruckt wird, können Haltungsform, Herkunftsland und Legebetriebsnummer herausgefunden werden. Die erste Ziffer steht dabei für die Haltungsform: 0 entspricht biologischer Freilandhaltung, 1 Freilandhaltung und 2 Bodenhaltung. Daraufhin folgt eine Buchstabenkombination, welche das Herkunftsland angibt: DE steht für Deutschland, AT für Österreich usw. Die billigsten Eier werden heutzutage in den Niederlanden hergestellt, wo ebenfalls die Haltungsformen oftmals am katastrophalsten sind.

Über die Internetseite  was-steht-auf-dem-ei.de kann man durch Eingabe der Buchstaben-Zahlen-Kombination neben dem Namen und der Adresse auch aktuelle Bilder von Legebetrieb, Stall und Hühnern erhalten. Erfasst werden hier alle durch den Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V. (KAT) kontrollierten Eier aus europäischen Ländern. Mit der dazugehörigen App können Smartphone-Besitzer die Eier schon beim Einkauf im Supermarkt überprüfen!

So kann bewusst darauf geachtet werden, ausschließlich Eier aus artgerechter Haltung, nämlich der Freilandhaltung, zu kaufen. Bodenhaltung mag auch als artgerecht angepriesen werden, doch können hierbei neun Hühner pro m² gehalten werden, und dies auf mehreren Ebenen. Ein Leben zwischen Kadavern ist für viele dieser Hühner Alltag.

Auch wenn sie aus den Regalen der Supermärkte verschwunden scheinen, existieren die Eier aus Käfighaltung weiter. In Backmischungen beispielsweise wird diese Art Ei zu fast 100% verwendet, da sie die preiswerteste Variante darstellt.

Dieser ist nur einer von vielen Bio-Hintergründen, die es zu entdecken und zu durchschauen gilt. Ein großer Schritt dahin wurde mit der Kennzeichnungspflicht von Eiern getan. Eine Petition an den Bundestag, initiiert durch die „Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft“ der Grünen Hannover, diese Kennzeichnung ebenfalls für Fleisch vorzunehmen, läuft momentan. Die Erfolgsaussichten sind jedoch gering. Zu groß ist das wirtschaftliche Interesse am Erfolg der millionenfach subventionierten Schlacht- und Mastbetriebe in Deutschland.

Der Begriff „Bio“ ist ein durch EU-Recht europaweit geschützter Begriff. Gleiches gilt für die Bezeichnungen „aus kontrolliert biologischem Anbau“ und „Öko“. Produkte, die als Bio beschrieben werden, müssen ebenfalls den Kriterien des Bio-Siegels entsprechen, das Siegel-Logo selber aber nicht zwingend tragen. Dazu muss ebenfalls erwähnt werden, dass das heutige Bio-Siegel der EU nicht das gleiche bio verkörpert, welches vor 20 Jahren ausschließlich diejenigen kauften, die aus Überzeugung etwas an der Welt ändern wollten. Das heutige Bio-Siegel ist extrem aufgeweicht, die Maßstäbe nicht hoch und die Qualität oft nicht besser, als es bei konventionellem Obst und Gemüse der Fall ist. Der zweite Teil dieser Serie wird sich mit genau diesem Thema befassen: biologisches Obst und Gemüse!

Dankt der Ernte

Am ersten Sonntag im Oktober ist das Erntedankfest. Dieses Jahr wird das  der 06.10. sein. Ein Fest, das immer mehr in Vergessenheit gerät, immer mehr verdrängt wird und nur teilweise mit dem amerikanisch-populären Thanksgiving überein kommt. Immerhin ist der bei uns christliche Feiertag zum Dank für die eingebrachte Ernte dort ein Erinnerungsfest an die Pilgerväter. Doch was feiern wir an Erntedank?

Erntereif: die Früchte im eigenen Garten (Foto: C. Gartner)

Erntereif: die Früchte im eigenen Garten (Foto: C. Gartner)

Klar, denkt ihr, wir danken für die Ernte. Und schon da müssen die meisten schmunzeln. Ernte? Wer von uns erntet denn noch? Gut, meine drei Tomatenstöcke werfen mit Früchten nur so um sich, aber davon kann ich doch keine Familie ernähren, wie es die Erne früher musste. Die Ernte, das war das Großereignis. Ihr haben wir zu verdanken, dass die Sommerferien so lang sind, mussten die Kinder doch beim Abernten mitanpacken. Es ging da nie um Sommer, Sonne, Stau, vielmehr um das nackte Überleben, denn ohne die Feldfrüchte hatten die Familien nicht nur nichts zu essen, sondern auch kein Geld, um sich welches zu kaufen.

Was für uns selbstverständlich ist, war noch für unsere Großeltern undenkbar. Einfach alles im Laden kaufen? Woher das Geld nehmen? Und wieso auch, wenn man doch beinahe alles im Garten oder auf dem Feld anbauen kann. Doch unsere Gärten werden zu Steinlandschaften ohne Grün, die Felder liegen brach. Was früher Überleben sicherte, reicht heute nur noch wenigen. Bauern sind heute Großbauern, die für den breiten Markt anbauen, nicht für den Stand auf dem Dorfplatz. Und auch sie müssen immer mehr haushalten. Denn keiner will für eine Zwiebel einen Euro zahlen, selbst wenn sie durch ganz Deutschland gefahren werden musste. Was dem sogenannten Agrarökonom bleibt, ist mehr als hart verdient. Ich jedenfalls bin froh, dass es Menschen gibt, die täglich ihre Felder bestellen, die Erntehelfer aus dem Ausland engagieren, weil sich manche deutschen Arbeitslosen zu gut dafür sind, die ihre kostbaren Erzeugnisse viel zu billig an den Großhändler abgeben, weil ihnen keine andere Wahl bleibt. Die all dies ertragen, ertragen müssen, und dennoch Felder bestellen, ernten können. Ihnen können wir an Erntedank danken.

Mehr als nur Dank wert: Frisches Gemüse (Foto: T. Gartner)

Mehr als nur Dank wert: Frisches Gemüse (Foto: T. Gartner)

Dabei gebe ich zu, ich kaufe mein Gemüse und Obst lieber beim Kleinhändler um die Ecke, der regionale Früchte verkauft, die nicht um die halbe Welt geschifft wurden. Wenn ich es mir leisten kann, hole ich dort Salat und Kartoffeln, den Apfel für die Kindergartentasche meines Sohnes. Ja, es kostet mehr und vielleicht kaufe ich dort auch mal weniger. Doch ich achte auch mehr darauf, dass es auch gegessen wird, gehe sorgsamer damit um, als mit dem 50- Cent-Apfel vom Discounter. Dankbar für die Ernte sein heißt eben nicht nur an einem Sonntag im Jahr mal an die Landwirtschaft denken, sondern das ganze Jahr über. Lange Transportwege schaden der Umwelt, die Umwelt ernährt uns eben mithilfe  der Ernte. Jedes Brot, das wir essen, jeder Schluck Saft, jedes Salatblatt auf einem Burger, alles hängt doch davon ab, dass die Felder anständig bestellt werden. Wir legen Wert auf schadstoffarme Landwirtschaft, kaufen Bio, protestieren gegen Massentierhaltung.

Und doch scheint das alles zu wenig für die Ernte, für unsere Nahrung, für den Dank an die Natur, die wir tagtäglich zerstören. Will man in unserer Stadt ein neues Haus bauen, schreibt die Stadt vor, dass ein einheimischer Baum im Garten gepflanzt wird. Mein Mann meint dazu, er pflanzt auf jeden Fall mehr. Ich meine, wir sollten alle mehr pflanzen. Bäume, Sträucher, Früchte. Von einer Rasenfläche wird keiner satt. Und wer kein komplettes Feld umpflügen muss, sondern nur ein paar Salatköpfe oder Tomaten abmachen will, muss sich auch nicht stundenlang in den Garten stellen und um seine Freizeit bangen (die aber an der frischen Luft gar nicht mal schlecht verbracht wäre). Er könnte auch am ersten Sonntag im Oktober wirklich dankbar sein, dafür, dass die Früchte rot und saftig waren, der Salat frei von Schnecken, die Äpfel am einheimischen Baum ohne Würmer. Er könnte Erntedank feiern und wissen, warum. Was wäre mehr bio? Was wäre ökologischer? Und er würde wissen, dass gute Landwirtschaft eben seinen Preis hat und darum auch auf dem Dorfplatz oder im Gemüseladen um die Ecke einkaufen.

Mehr zum Thema Umwelt lest ihr in unserer Tier&Umwelt-Rubrik.

Vorschau: Nächste Woche erklärt Alexandra euch an dieser Stelle die Abwechslung des Alleinseins.

Pestizide – Fluch oder Segen?

Der Frühling steht vor der Tür. Die warmen Temperaturen und das frische Grün kündigen den Sommer an. Doch das sommerliche Hochgefühl bekommt beim Spazierengehen vielleicht einen kleinen Dämpfer: frisch gedüngte Felder stören die Idylle. Doch nicht nur mit Gülle versuchen die Landwirte ihre Erträg zu steigern. Vogelscheuchen, Vogelschrecken und Co. reichen nicht aus, um vor Ernteausfällen zu schützen. Auch Pflanzenschutzmittel, so genannte Pestizide, kommen jetzt wieder zum Einsatz.

Natürliches Pestizid: Der Marienkäfer frisst die schädlichen Blattläuse (© Petra Pollmann/ pixelio)

Schon im alten Ägypten mussten die Menschen um ihre Ernte und somit ihre Existenz fürchten. Die Heuschreckenplagen fanden sogar ihren Platz in der Bibel. Ein weiteres historisches Beispiel ist die Kartoffelfäule im 19. Jahrhundert, die Irland heimsuchte und damals viele Iren auf der Flucht vor dem Hungertod nach Amerika trieb.

Erste zusätzliche Hilfsmittel auf chemischer Ebene waren Stoffe in metallhaltigen Verbindungen wie Kupfer, Blei und Quecksilber – alles Metalle, die heute als gesundheitsschädlich oder -bedenklich gelten. In kleinen Konzentrationen ist Kupfer für Mikroorganismen schon hochtoxisch. Für Wirbeltiere sind diese Kupfermengen noch unbedenklich, im Gegensatz zu Blei. Reines Blei ist für den Menschen nicht schädlich, kommt es jedoch in Bleiverbindungen vor und reichert sich im Körper an, kann es zu einer Bleivergiftung mit schweren Folgen kommen.

Doch das kann in Deutschland nur in Ausnahmefällen passieren. Die „Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel“ regelt hier genauestens welche Stoffe in welchen Mengen zum Pflanzenschutz eingesetzt werden dürfen.

Was genau sind Pflanzenschutzmittel? Es handelt sich dabei um meist chemische Stoffe, die für das Wachstum einer Pflanze schädliche und lästige Lebewesen töten oder sie an ihrer Vermehrung und Keimung hindern sollen. Der Oberbegriff Pestizide kann noch in Bakterizide (gegen Bakterien), Fungizide (gegen Pilze), Viruzide (gegen Viren) und Herbizide (gegen Unkräuter) unterteil werden. Pflanzenschutzmittel enthalten keine Düngemittel, die das eigentliche Wachstum der Nutzpflanze fördern. Sie sollen nur die Bedingungen, unter denen das landwirtschaftliche Produkt wächst, optimieren und vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen.

Trotz Testauflagen, welche mit dem Grad der Unbedenklichkeit zugelassen werden, kann es vorkommen, dass Jahre später ihre starke Toxizität auf die weiter Umwelt bekannt wird. Das bekannteste Beispiel ist das Dichlordiphenyltrichlorethan, besser bekannt als DDT.

Gesundes Wachstum: Ein Maisfeld ohne Befall und Schädlinge (© Peter Smola/ pixelio)

Ab 1942 war es das am häufigsten verwendete Insektizid weltweit, da die Herstellungskosten und die Giftigkeit für Säugetiere gering waren. Wegen der hohen Toxizität gegen die Malariamücke, auch Anophelesmücke genannt, wurde DDT ab Mitte der 1950er auch im Kampf gegen Malaria benutzt. Die „World Health Organisation“, kurz WHO, setzte DDT flächendeckend in Malariagebieten ein. Massenweise wurde es an Hauswände gesprüht – anfangs mit großem Erfolg.

Ende der 60er war die Malariamücke in Europa so gut wie ausgerottet, doch in tropischen Ländern stiegen die Malariaerkrankungen wieder – das Insekt hatte eine Resistenz gegen das DDT entwickelt.

Auch stellte sich heraus, dass sich DDT nicht zersetzt und in der Umwelt anreichert. In großen Mengen ist es in die Nahrungskette eingegangen und hat sich auf dem ganzen Globus verteilt. Die am häufigsten zu beobachtende Folge ist, dass die Schalen von Vogeleiern so dünn sind, dass sie vor dem Schlüpfen schon zerbersten. Weitere Folgen sind bisher unabsehbar, da das DDT innerhalb von zehn Jahren nur etwa 50 Prozent seiner Wirkung verliert.

So kann man nur hoffen, dass die boomende Chemieindustrie zusätzlich noch weitere Testverfahren entwickelt, um solche Auswirkungen in Zukunft früher abschätzen zu können.

Vorschau: Nächsten Donnerstag veröffentlicht Caro einen Artikel zur Tierostheopathie in Ludwigshafen.