Bildergeschichten aus Asien – vom Skizzenbuch zum Massenmedium

In gut sortierten Buchhandlungen sind sie neben Comics häufig anzutreffen und füllen meistens ganze Regalreihen: Mangas. Im Comicfachhandel gibt es aber auch noch die sogenannten Manhuas und Manhwas. Was ist der Unterschied zum herkömmlichen Comic und woher kommen die Bildergeschichten überhaupt?

Die Anfänge des Mangas

Der Begriff „Manga“, der sich aus den zwei Ideogrammen „man“ und „ga“ (laut Duden „‚man‘ = bunt gemischt, kunterbunt; ‚ga‘ = Bild“) zusammensetzt, hat seinen Ursprung im 19. Jahrhundert. Damals bezeichnete der japanische Maler Katsushika Hokusai seine Skizzenbücher als „Manga“. Viele Künstler übernahmen daraufhin dieses Wort für ihre Werke. Die 1902 veröffentlichte Bildergeschichte „Tagosakus und Mokubes Besichtigung von Tokio“ von Kitazawa Rakuten wird als Vorreiter des Mangas angesehen. Allerdings akzeptierten die Japaner Mangas erst im 20. Jahrhundert als eigenständige Kunstgattung, die immer beliebter wurde. Als Wegbereiter des modernen Mangas gilt der japanische Arzt und Zeichner Tezuka Osamu. In seinem Manga „Die neue Schatzinsel“ tauchten 1947 die noch heute für Mangas typischen Kulleraugen erstmals auf.

Ein typischer Manga

April, April, der macht, was er will: Die Themenvielfalt in Mangas ist groß (Foto: MulanEvyHua)

Unter einem Manga wird laut Duden ein „aus Japan stammender handlungsreicher Comic, der durch besondere grafische Effekte gekennzeichnet ist“, verstanden. Typisch für Mangas sind insbesondere die in der Regel schwarz-weißen Zeichnungen und die japanische Leserichtung. Daher werden Mangas – anders als man es von westlichen Comics kennt – quasi von hinten nach vorne und von rechts nach links gelesen. Charakteristisch für Mangas sind außerdem das sogenannte „Kindchenschema“ (großer Kopf und die besagten Kulleraugen) und die Darstellung von Emotionen durch bestimmte visuelle Elemente. So symbolisieren Herzen beispielsweise Verliebtheit.

Manga-Boom in Deutschland

Erst 1982 erschien mit Keiji Nakazawas „Barfuß durch Hiroshima“ der erste deutsche Manga. Dieser wurde im Rowohlt Verlag veröffentlicht, blieb aber bei den Lesern weitgehend unbeachtet. Die erste deutschsprachige Manga-Serie „Akira“, die der Carlsen Verlag ab 1991 in westlicher Leserichtung publizierte, war ebenfalls nicht erfolgreich. Dies änderte sich 1997, als der Carlsen Verlag „Dragonball“ von Akira Toriyama in der japanischen Leserichtung im Taschenbuchformat herausbrachte und damit einen Manga-Boom in Deutschland auslöste. Dieser hält bis heute an, was sich an den großen deutschen Manga-Verlagen wie Carlsen Manga, Egmont Manga, Tokyopop und Planet Manga zeigt, die jedes Jahr unzählige Mangas in verschiedenen Genres veröffentlichen. Hinzukommen noch Manhuas – aus China stammende Comics – und Manhwas, Comics aus Südkorea.

Mangas sind für alle da – zumindest in Japan

Besondere Ausdruckskraft: ein Manga in schwarz-weiß (Foto: MulanEvyHua)

Während in Deutschland Mangas meist in Form von Sammelbänden im Taschenbuchformat publiziert werden, werden sie in Japan zuerst häufig auf billigem Papier in Magazinen abgedruckt, bevor sie in aufwändigen Sammelbänden mit guter Papierqualität herausgegeben werden. Diese nennt man „Tankobons“. Auch bei der Zielgruppe gibt es einen Unterschied: Bei uns in Deutschland lesen und sammeln vor allem Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 25 Jahren Mangas. In Japan werden Mangas jedoch von den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und Altersklassen konsumiert.

Ein eigenes Museum

Da Mangas in Japan einen hohen Stellenwert als Kulturgut einnehmen, gibt es seit 2006 sogar ein eigenes Museum dafür: das Kyoto International Manga Museum. Dort befinden sich rund 300.000 Mangas. Davon können Besucher etwa 50.000 Stück, die seit den 1970er Jahren erschienen sind, an einer rund 200 Meter langen Manga-Wand, die sich über das gesamte Museum erstreckt, bestaunen und in der Regel sogar einen Blick hineinwerfen. Außerdem erhalten Interessierte viele Informationen zur Geschichte des Mangas und können Originalillustrationen bewundern.

Die Zeit der Lotusblüte – Sommer in Japan

Jeder kennt die Kirschblüte in Japan. Tausende und abertausende rosane Blüten zeichnen sich vor dem strahlend blauen Frühlingshimmel ab. Im Sommer aber lockt eine andere Blütenpracht Einheimische und Touristen ins Freie: Die Lotusblüte. Wir zeigen Euch, wo ihr die schöne Blüte besonders gut genießen könnt.

Lotusblüten in Tokio

Der Lotus gilt in Asien als Sinnbild für Reinheit, Treue, Schöpferkraft und Erleuchtung. An der Universität Tokio gibt es sogar einen eigenen Lehrstuhl für die Erforschung des Lotus. Wer Ende Juli oder Anfang August in Japans Hauptstadt ist, kann im Ueno Park die prachtvolle Lotusblüte bewundern. Passend dazu werden an Verkaufsständen kleine Snacks aus den Wurzeln der Pflanze – wie etwa getrocknete Lotuswurzelchips – angeboten.  Besucher, die zu dieser Zeit den ebenfalls dort befindlichen Ueno Zoo besuchen, können neben den entzückenden Tieren, wie Pandas, auch einen Spaziergang auf Stegen durch die Lotusfelder unternehmen. Dort erwarten sie die hohen Pflanzen mit den zartrosa Blüten. Ein wahres Erlebnis.

Nijo Castle in Kyoto: Der frühere Sitz des Shogun (Foto: Möller)

Nijo Castle in Kyoto

Die ehemalige Hauptstadt Kyoto ist für Japan-Besucher ein wahrer Quell an Sehenswürdigkeiten. Hier reiht sich ein Weltkulturerbe ans nächste und Touristen kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ein Ort um hier die Lostusblüte zu besichtigen ist das Nijo Castle, eine japanische Burganlage und ehemaliger Sitz des Shōguns (Anführer der Samurai). Neben dem beeindruckenden Schloss mit dem berühmten Nachtigallenparkett – ein Bodenbelag der den Shogun durch Geräusche vor sich nähernden Personen warnte – lassen sich hier in kleinen Seen und im Burggraben die prächtigen Lotuspflanzen anzuschauen.

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Die Burg von Matsumoto: Vom Burgturm hat man einen schönen Ausblick auf den Burggraben (Foto: Möller).

Lotus im Burggraben in Matsumoto

Die schwarze Burg in Matsumoto, die auch Krähenburg genannt wird, ist für viele Japan Besucher ein Highlight ihrer Reise. Die in der Präfektur Nagano gelegene Burg ist eine der wenigen original erhaltenen  Burgen und Teil des Nationalschatzes Japans.  Durch ihre schwarze Farbe und die orange-rot gestrichenen Brücken, die über den Burggraben gehen, fällt sie Besuchern gleich ins Auge. Die Lotusblüte lässt sich hier auch schön von oben beobachten, wenn man den – teilweise durch sehr schmale Treppen führenden – Aufstieg auf das Burgdach wagt.

Botanischer Garten in Hiroshima

Ein zauberhafter Ort: Der botanische Garten in Hiroshima (Foto: Möller)

Die von einer Atombombe getroffene Stadt Hiroshima bietet ein ganz eigenes Flair aus Erinnerung und Neuanfang.

Ein Besuch des Atomdoms – das Gebäude, über dem die Bombe explodierte – und des Atommuseeums sind nicht nur eindrucksvoll, sondern nicht zuletzt auch ein Mahnmal. Hier sieht man, mit welcher Wucht die Bombe explodiert ist und welche Auswirkungen dies für die Stadt und seine Bevölkerung hatte. Gleichzeitig zeigt Hiroshima aber auch, wie ein Neuanfang nach einer solchen Tragödie gelingen kann. Ein Ort, an dem dies deutlich wird, ist der botanische Garten in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die stille Oase inmitten der Großstadt ist nicht nur zur Lotusblüte einen Besuch wert und entführt Touristen in eine ganz eigene Welt, weit weg von der Hektik der Stadt.