Musik aus den Niederlanden – The Common Linnets und Dotan

Flandern und die Niederlande waren in diesem Jahr gemeinsamer Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Doch nicht nur die Literatur aus den Niederlanden wird hierzulande immer beliebter, sondern auch die Musik. Grund genug, einen genaueren Blick auf eine niederländische Band und auf einen niederländischen Sänger zu werfen, die auch das deutsche Publikum mit ihrer Musik begeistern.

Der „Eurovision Song Contest“ als Sprungbrett

Ganz in ihrem Element: Ilse DeLange und JB Meijers von der Band The Common Linnets (Foto: S. Holitzner)

Ganz in ihrem Element: Ilse DeLange und JB Meijers von der Band The Common Linnets (Foto: S. Holitzner)

Seit ihrer Teilnahme im Mai 2014 für Niederlande am „Eurovision Song Contest“ – kurz ESC genannt – kennen viele in Deutschland die Band The Common Linnets. Beim ESC erreichten sie mit ihrem Song „Calm After The Storm“ den zweiten Platz. Die Single schaffte es bis auf den dritten Platz der deutschen Charts und wurde im September 2015 zudem mit Platin ausgezeichnet. Auch ihr im Mai 2014 veröffentlichtes Debütalbum „The Common Linnets“ war hierzulande äußerst erfolgreich. Die im Herbst 2015 erschienene zweite Platte „II“ konnte an diesen Erfolg anknüpfen. Auf „II“ ist die musikalische Weiterentwicklung von The Common Linnets deutlich zu hören. Großartige Songtexte und beeindruckende Instrumentierungen zeichnen das Album aus. Einen weiteren Hit hatten The Common Linnets Ende letzten Jahres zusammen mit der Band The BossHoss: Gemeinsam nahmen sie eine neue und musikalisch überzeugende Version des Dolly Parton-Klassikers „Jolene“ auf. Im November 2016 sind The Common Linnets wieder live auf großer Deutschlandtour zu erleben.

„Home“ auch in Deutschland

Sänger Dotan war in den Niederlanden schon erfolgreich, bevor er in Deutschland mit seiner Musik ebenfalls auf begeisterte Resonanz stieß.

Mit Spaß dabei: Sänger Dotan (Foto: S. Holitzner)

Mit Spaß dabei: Sänger Dotan (Foto: S. Holitzner)

Seine Platte „7 Layers“ ist in seiner Heimat bereits Dotans zweite Albumveröffent-lichung und erschien dort Anfang 2014. Hier musste man bis Mai 2015 auf das Werk warten. Zuvor brachte Dotan seine Singleauskopplung „Home“ heraus, die es unter anderem in die Top-Ten-Liste der deutschen iTunes-Charts geschafft hat. Ende letzten Jahres konnte der Sänger das Publikum auch live auf seiner Deutschlandtour überzeugen.

The Common Linnets und Dotan sind nur zwei Beispiele dafür, dass es in den Niederlanden großartige Künstler gibt, die auch international mit ihrer Musik begeistern können. Da bleibt nur zu hoffen, dass es weitere niederländische Musiker schaffen, sich in der Musiklandschaft Deutschlands zu etablieren.

Idealismus und Träume – mein täglich Brot

Es sind diese beiläufigen Sätze, die uns immer wieder vor Augen halten, dass gewisse Lebensträume belächelt werden. Vor kurzem war ich bei einem Basketballspiel und plauderte während der Pause draußen mit der Frau eines Spielers. Sie erzählte von ihrer Familie, dass ihr Vater Musiker in Südafrika war und nach Deutschland immigrierte. „Und dann fragte ich neugierig: „Und hat er hier weiter Musik gemacht?“.  Sie tat meine Frage gleich als überflüssig ab: „Nee, davon kann man ja nicht leben.“

Solche Sätze machen mich traurig. Ich mache dieser jungen Frau gar keinen Vorwurf. Sondern eher unserer Gesellschaft oder auch der Art, wie wir lernen, mit unseren Träumen umzugehen – und zwar sie oft völlig außer Acht zu lassen. Wir schätzen unsere Träume, unsere Leidenschaften nicht. Bekommen oftmals vermittelt, dass sich damit kein Geld verdienen lässt, dass das ein viel zu steiniger Weg ist etc.pp. Besser auf die wichtigeren Dinge im Leben konzentrieren ist die Devise. Ich denke mir dann oft: Na klar, man soll nicht in der Illusion leben, dass es ein Zuckerschlecken wird, wenn wir eine Leidenschaft zum Beruf machen wollen. Aber was ist mit Musikern oder Schauspielern, die heute große Nummern sind? Die haben auch mal klein angefangen. Und es gab sicherlich zig Leute, die sie davon abbringen wollten und nicht an sie geglaubt haben. Was wäre, wenn ein Jimi Hendrix auf halber Strecke aufgegeben hätte? Uns wäre seine geniale Musik entgangen, die Millionen von Menschen bis heute begeistert.

Weit weg von zu Hause: Die richtige Zeit um sich seiner Träume bewusst zu werden (Foto: Mätzke-Hodzic)

Weit weg von zu Hause: Die richtige Zeit um sich seiner Träume bewusst zu werden (Foto: Mätzke-Hodzic)

Wir verlernen das Brennen für eine Sache eigentlich schon ganz früh. Weil uns sogleich gespiegelt wird: Deine Träume sind nichts wert. Ach, du willst Tänzerin werden? Ein müdes Lächeln unseres Gegenübers, das bereits alles sagt. Als wäre für diese Profession kein Platz. Aber woran liegt es, dass wir so schlampig mit Träumen umgehen? Sie belächeln. Was sagt das über die Wertevorstellung einer Gesellschaft? Ich finde es etwas wertvolles Leidenschaften zu haben oder sie vielleicht gerade erst zu entdecken. Aber sie müssen auch gefördert und genutzt werden. Sonst liegen sie brach und verwesen früher oder später völlig ungenutzt. Und schließlich ist noch kein Genie vom Himmel gefallen. Aber wir tragen mit dazu bei, dass viele erst gar nicht beginnen, an sich zu glauben. Wer weiß, wie viele potenzielle Schriftsteller, Musiker und Schauspieler ihr Talent in den Wind schießen oder es schon getan haben. Die sich unter uns tummeln mit ihren verborgenen Leidenschaften und Talenten. Die mit ihrem Schaffen Menschen beglücken, begeistern und inspirieren könnten. Viele Menschen schätzen die Künste, aber jeder rät davon ab, Künstler zu werden. Komisch, oder?

Ich bewundere Menschen, die sich einen Lebenstraum erfüllen. Die dieses eine kleine Café eröffnet haben, deren Einrichtung als detaillierte Skizze schon immer in ihrem Kopf spukte. Die alles auf eine Karte setzen. No risk no fun. Nicht wahr? Sind diese Menschen am Ende nicht nur Traumtänzer und gibt es nicht genug Beispiele für gescheiterte Existenzen, die sich verschuldet haben, die sich mit ihrem Lebenstraum in den Ruin getrieben haben? Ja, vielleicht darf man bei aller Träumerei, die Realität nicht aus den Augen verlieren. Und vermutlich gehört auch immer eine gehörige Prise Glück dazu.

Ich bekomme oft zu hören, ich sei zu idealistisch. Aber wenn ich diesen Idealismus nicht an den Tag legen würde, wäre dieses Leben für mich ziemlich trist und unerträglich. Mein Idealismus gibt mir immer wieder aufs Neue Kraft, er verpasst mir einen Schubs und ich rapple mich von neuem auf. Er verdeutlicht mir immer wieder, was ich ändern will und womit ich mich nicht abfinden kann. Mein Idealismus hat mich schon weitgebracht. Deshalb versteht dies als Aufruf: Nehmt eure Träume ernst. Seid Traumtänzer, probiert euch aus, habt Ideale und schenkt dem nächsten dahergelaufenem Deppen, der eure Träume belächelt, erst gar keine Beachtung.

Vorschau:  Nächste Woche erwartet euch hier wieder eine spannende Kolumne.

Die Kunst des Liebens

Stellt euch vor, Liebe wäre eine Kunst, die man erlernen kann. Schenkt man Erich Fromm Glauben dann kann jeder – an dieser Stelle können diejenigen, die die Hoffnung an die Liebe endgültig aufgegeben haben einmal aufatmen – das Lieben erlernen. Eins sei aber gleich zu Beginn gesagt: Diese Kunst zu erlernen ist kein Zuckerschlecken. Ob es weniger talentierte Liebeskünstler gibt, darüber sind mir keine Informationen bekannt. Gehen wir also vom Idealfall aus: Jeder kann das lieben lernen. Liebe – das scheint ein Thema zu sein, mit dem sich jeder früher oder später rumärgern muss und sich zeitweise so sehr den Kopf darüber zerbricht, dass man nach stundenlanger Grübelei trotzdem nicht schlauer geworden ist. Dass die Liebe sich zur Abwechslung von ihrer unkomplizierten und harmoniebedürftigen Seite zeigt , ist eher eine Seltenheit, oder bin ich zu pessimistisch? Dabei ist das doch entgegen ihres Gemütes, oder nicht?

Die Liebe: So viel schöne Mythen ranken sie um die Liebe, doch sie bringt auch viel Kummer (Foto: Bluetenzauber  / pixelio.de )

Die Liebe: So viel Mythen ranken sie um das Phänomen Liebe, doch sie bringt auch viel Kummer (Foto: Bluetenzauber / pixelio.de )

Sprechen wir von Liebe, gehen wir zumeist wie ganz selbstverständlich von romantischer Liebe zwischen zwei Menschen aus. Ich weiß, ich will nicht wieder ein altes Fass aufrollen. Doch ich muss diese kitschigen Liebes- und Disneyfilme tadeln. Sie tragen eine enorme Schuld an unserer endlosen Suche nach dem richtigen, vollkommenen Partner. Diesen Filmen ist es zu verdanken, dass wir in Sachen Liebe nicht ganz richtig ticken und einge von uns schon wiederholte Male an einem gebrochenen Herzen gelitten haben. Heutzutage sind einige dahinter gekommen, dass diese vorgegaukelten Liebesideale wenig mit der Realität zu tun haben. So viele Menschen, scheinen bei der Suche nach diesem Mr. oder Mrs. Perfect schier zu verzweifeln, an ihrer zwanghaften Suche zu zerbrechen und die Hoffnung fast aufgegeben zu haben, dass sich dort draußen dieser eine Mensch, dieses sagenumwobene Gegenstück zu uns, wie es so lächerlicherweise angepriesen wird, tummelt. Es gibt so viele unterschiedliche Formen der Liebe. Angefangen von der Liebe zu Freunden oder der Familie. Liebesformen die in ihrer Intensivität genauso Anerkennung verdienen. Doch immer scheint die romantische Liebe, den anderen Liebesformen die Show zu stehlen. Wir suchen, der eine weniger verbissen als der andere, nach der „wahren Liebe“, scheinen unser ganzes Leben darauf hinzuarbeiten und wissen doch nie genau, was wir darunter eigentlich verstehen und wo wir danach Ausschau halten müssen.

Wir wollen geliebt werden, gleichzeitig aber auch unseren eigenen Interessen nachgehen und uns selber verwirklichen. Doch passt das alles unter einen Hut? Ist Liebe etwas, das man findet und dann einfach nur nach Gebrauchsanleitung hegen und pflegen muss?  Muss die Liebe zwischen zwei Menschen, nur wie ein junger Welpe etwas Benehmen anerzogen bekommen und ist fortan ein treuer Begleiter, der nicht weiter Ärger macht und an dem man sich tagtäglich erfreut? Ich fürchte so ist es ganz und gar nicht. Und ich glaube, dies ist auch der Grund warum so viele Beziehungen scheitern. Wir machen es uns zu einfach und haben so unglaublich hohe Erwartungen. Erich Fromm scheint mit seiner Vermutung Recht zu behalten. Im Kern wissen nur ganz wenig Menschen, wie man wirklich liebt. Doch kann man uns das zum Vorwurf machen? Wo lernen wir zu lieben? Idealerweise sollte die Familie der erste Ort sein an dem wir uns geborgen und geliebt fühlen und auch lernen andere zu lieben. Das erste Verliebtheitsgefühl ist großartig – keine Frage. Doch wir sind enttäuscht, wenn dieses sich langsam aber sicher verflüchtigt und nur noch einer schönen, fernen Zeit gleicht, an die man sich gerne zurückerinnert. Und wir scheinen nicht zu verstehen, dass eine Beziehung, dass der Weg zu Liebe, mit ungeheuer viel Geduld und Arbeit verbunden ist. Ja, genau ihr habt richtig verstanden. Arbeit und Geduld!

Viele Menschen scheinen naiver Weise zu glauben, dass, wenn sie einmal den richtigen Partner gefunden haben, die Liebe auch beständig erhalten bleibt. Doch an der Liebe zu seinem Lebenspartner muss man tagäglich arbeiten, sich selbst als Person weiterentwickeln, sich im Gedulidgsein üben, dem anderen seinen Freiraum lassen.

Wirkliche Liebe ist ein Projekt, das viel Zeit Anspruch nimmt. Und das gilt für Freundschaften und romantische Zweier-Beziehungen gleichermaßen! Die Mühe und Arbeit sollte ihr aber nicht Scheuen. Denn wer weiß – vielleicht werdet ihr eines Tages zu herausragenden Liebeskünstlern!

Vorschau: Eva widmet sich nächstes Mal dem Thema der Gleichberechtigung in Partnerschaften

Tim Bendzko ist mehr als nur der „Weltretter“

Tim Bendzko ist mehr als nur der "Weltretter"
Mehr als nur ein „Weltretter: Tim Bendzko (Foto: Paul Ripke)

Der erfolgreiche deutsche Pop-Sänger Tim Bendzko wird im April 30 Jahre alt. Mit seinem ironischen Song „Nur noch kurz die Welt retten“ landete der gebürtige Berliner 2011 einen sprichwörtlichen Ohrwurm und schaffte damit den endgültigen Durchbruch ins Musik-Business. Für sein Debüt-Album „Wenn Worte meine Sprache wären“ erhielt er Doppelplatin und stand damit 69 Wochen in den Charts.

Face2Face: Ab Ende März sind Sie zusammen mit Ihrer Band auf „Mein Wohnzimmer ist dein Wohnzimmer “ Tour und werden elf Konzerte geben. Wie halten Sie sich körperlich und stimmlich fit?

Bendzko:  Das Singen an sich hält mich stimmlich fit. Und zwischen den Konzerten wird so wenig gesprochen wie irgendwie möglich. Was die körperliche Fitness angeht bin ich eigentlich schon im Trainingslager.

Face2Face: Sie selbst bezeichnen sich als „Frohnatur“, aber Ihre Songs sind teilweise sehr melancholisch. Wie entstehen Ihre Texte? Gibt es dafür bestimmte Anlässe aus Ihrem eigenen Leben?

Bendzko: Eigentlich weiß ich selbst nicht so richtig woher die Texte kommen. Das ist ein ziemlich unterbewusster Prozess. Ich schreibe also meine Lieder nicht zu gewissen Anlässen. Meist fällt mir der passende Anlass erst später dazu ein.

Face2Face: Sie haben bereits mit erfolgreichen Künstlern wie dem irischen Sänger Rea Garvey, Xavier Naidoo und Kool Savas (Xavas) sowie der Sängerin Cassandra Steen zusammengearbeitet. Wie kam es zu dieser sehr interessanten und vielseitigen Zusammenarbeit?

Bendzko: Nach der Fertigstellung meines zweiten Albums hatte ich ein paar Wochen Luft bevor die ganze Promo-Tour losging. Da habe ich mir gedacht, ich könnte die Zeit einfach effektiv nutzen und weitere neue Songs schreiben. Mit Rea hatte ich mal zwischen Tür und Angel besprochen, dass wir mal was zusammen schreiben sollten. Das haben wir in dieser Zeit dann auch getan. Es war für mich eine ganz neue Erfahrung, die mir sehr viel Freude bereitet hat. Deshalb habe ich dann einfach andere Künstler wie Xavier, Kool Savas und Cassandra gefragt, ob sie nicht Lust auf eine Zusammenarbeit hätten. Und ich finde, die Ergebnisse können sich sehen und hören lassen.

Face2Face: Sie haben selbst schon bei einem Talentwettbewerb der Söhne Mannheims erfolgreich teilgenommen und waren Juror der deutschen Castingshow „The Voice Kids“. Denken Sie, dass der Gewinner einer solchen Show tatsächlich langfristig Karriere machen kann oder ist das Ihrer Meinung nach doch meistens nur eine Eintagsfliege?

Bendzko: Der Wettbewerb der Söhne Mannheims, an dem ich teilgenommen hatte, war eigentlich kein richtiger Talentwettbewerb. Dort wurden hauptsächlich Protagonisten für ein Musikvideo gesucht und „TVK“ hatte es gar nicht zum Ziel überhaupt eine Karriere zu starten. Da geht es eher darum, den Kindern die Möglichkeit zu geben sich mal in der Welt ihres Traumberufes zu bewegen und zu schauen, ob das wirklich was für sie ist. Was Casting-Shows mit Erwachsenen angeht, also Formate wie „DSDS“, „X-Faktor“ und „The Voice“ glaube ich schon, dass es möglich ist danach eine langfristige Karriere zu starten. Das hängt aber weniger an den Sendungen, als an einem selbst und den Leuten, die hinter einem stehen.

Face2Face: Was vielleicht wenige wissen, aber Sie haben damals nach Ihrem Abitur ein Theologiestudium an der Freien Universität in Berlin begonnen. Welche Rolle spielt der Glaube denn heute noch in Ihrem Leben?

Bendzko: Der Glaube im religiösen Sinne spielt eigentlich keine große Rolle für mich.  Aber ich „glaube“ natürlich, also glauben im Sinne von vertrauen. Ich vertraue darauf, dass am Ende irgendwie alles gut wird. Ich denke, dass mich dieses Vertrauen überhaupt bis hierher gebracht hat.

Face2Face: Sie sind ein großer Motorsportfan und haben sogar schon eine Rennlizenz in der Tasche. Träumen Sie denn selbst davon mal an einer Ralley teilnehmen zu können?

Bendzko: Dieser Zahn wurde mir schon während des Lehrgangs gezogen. Es macht mir unglaublich viel Spaß, alles mit anzusehen und natürlich auch selbst auf einer Rennstrecke Gas zu geben und schnell zu fahren. Aber in einem Rennen gibt es auch noch andere Fahrer und das ist mir dann letzten Endes irgendwie zu gefährlich.

 


Fotograf Paul Ripke

Auf Tour: Tim Bendzko (Foto: Paul Ripke)

 

 

 

 

 

 

 

Aktuelle Tourdaten

23.03.2015 Hamburg (Laeiszhalle)

24.03.2015 Essen (Colosseum)

26.03.2015 Ludwigshafen (Feierabendhaus)

27.03.2015 Freiburg (Konzerthaus)

28.03.2015 Nürnberg (Meistersingerhalle)

11.04.2015 München (Circus Krone)

13.04.2015 Heidelberg (Kongresshalle)

14.04.2015 Stuttgart (Theaterhaus)

16.04.2015 Bonn (Beethovenhalle)

17.04.2015 Bremen (Musical Theater)

19.04.2015 Berlin (Admiralspalast)

Vorschau: Nächsten Freitag lest ihr hier über kulturelle Veranstaltungen und Events rund um die Sonnenfinsternis.

 

„Wow, der Junge hat Talent!“ – Der Startschuss des Kölner Künstlers Mike Dargas

Im Jahr 1983 wird in Köln am Rhein ein großartiger Künstler geboren. Mike Dargas. Er selbst bezeichnet sich als Autodidakt und hat schon im Kindesalter mit seinem Talent für Aufsehen gesorgt. Die Liebe zum Detail verhilft ihm bei jedem seiner Werke zur Perfektion. Noch genauer, noch fotorealistischer und jedes Bild mit einer anderen Botschaft. Neben zahlreichen anderen Techniken hat er sich nun auf die Ölmalerei spezialisiert. Vom eigenen Tattoostudio- zum eigenen Atelier. In genau diesem habe ich Mike zum persönlichen Interview getroffen. In lockerer Atmosphäre und umgeben von einzigartiger Kunst.

Ein Ausnahmetalent in der fotorealistischen Ölmalerei: Mike Dargas (Foto: M. Dargas)

Ein Ausnahmetalent in der fotorealistischen Ölmalerei: Mike Dargas (Foto: M. Dargas)

Face2Face: Wie bist du zur Malerei gekommen?

Mike: Im Knast. Nein Quatsch. Eigentlich von klein auf. Ich habe im Kindergarten schon viel gemalt. Anders als die anderen Kinder. Etwas detaillierter und dann hat sich das Talent schon ein bisschen bemerkbar gemacht. Letztendlich habe ich dieses Talent aufgebaut mit Interesse. Im frühen Alter habe ich mich schon viel für Techniken und allgemein Kunst interessiert. Wenn andere auf Bäume geklettert sind, bin ich in Büchereien gefahren und habe mir Kunstbücher angeguckt.

Lädt zum Verweilen und Staunen ein: Die Galerie in schönem Ambiente (Foto: M. Dargas)

Lädt zum Verweilen und Staunen ein: Die Galerie in schönem Ambiente (Foto: A. Götzen)

Face2Face: Wie sah das erste Bild aus, in dem dein Talent sichtbar wurde?

Mike: Auch im Kindergarten. Spezielles Erlebnis: Ein Panoramabild unter Wasser mit Tauchern und Luftblasen. Das mit sechs Jahren. Hier habe ich selbst gemerkt und haben auch alle anderen gesagt: „Wow, der Junge hat Talent!“. Das war der Startschuss.

Face2Face: Ab wann hast du dich entschlossen, das professionell zu machen?

Mike: Ich habe schon als Kind festgelegt, dass ich auf jeden Fall etwas mit Kunst, Handwerk und Kreativität mache und erst einmal alle Techniken und Materialien ausprobiert. Festgelegt auf Ölmalerei habe ich mich erst vor drei Jahren.

Hier entstehen wahre Schätze: Das Atelier des Künstlers in Köln (Foto: M. Dargas)

Hier entstehen wahre Schätze: Das Atelier des Künstlers in Köln (Foto: M. Dargas)

 

Face2Face: Was hältst du von deinen Bildern selbst?

Mike: Da bin ich, wie das Klischee eines typischen Künstlers vorgibt, immer unzufrieden. Jedes Mal, wenn ich meine Bilder anschaue, denke ich: Das geht noch besser. Für mich ist es stets eine neue Herausforderung. Jedes Werk soll noch fotorealistischer werden. Ich versuche, bei jedem neuen Gemälde eine Steigerung zu finden.

Face2Face: Wen möchtest du mit deinen Bildern erreichen?

Mike: Mein Ziel ist es, weltweit bekannt zu werden. Ich möchte mit meinem Talent den Durchbruch schaffen. Da bin ich auch sehr ehrgeizig.

Face2Face: Warum malst du Portraits und keine Landschaften oder ähnliches?

Mike: Eigentlich hätte ich Lust, viele Sachen zu malen, auch Landschaften. Einfach, um das mal gemacht zu haben, aber letztendlich muss man einen Faden finden. Auf Portraits habe ich mich jetzt gefestigt, weil jedes Portrait individuell ist und etwas anderes aussagt. Da ist vielmehr Action und Leben drin.

Natürlich zählen auch Männer zu seinen Modellen: Titel dieses Meisterwerks ist "Seebär" (Foto: M. Dargas)

Natürlich zählen auch Männer zu seinen Modellen: Titel dieses Meisterwerks ist „Seebär“ (Foto: M. Dargas)

Face2Face: Du hattest auch ein eigenes Tattoostudio. Warum hast du das aufgegeben?

Mike: Letztendlich weil ich nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen möchte. Tätowieren beansprucht viel Konzentration-, viel Geduld und viel Zeit, die dann für die Malerei fehlt. Und in der Malerei möchte ich erfolgreich sein.

Face2Face: Wer sind die Menschen, die du malst?

Mike: Das sind Modelle, die ich aussuche. Im Moment weibliche. Diese fotografiere ich ab und male das dann von dem Foto auf Großformat. Der exakte Moment ist tatsächlich mit der Kamera so eingefangen. Ich glaube, wenn man das aus dem Kopf schafft, ist man ein Superbrain.

Mike Dargas bei der Arbeit: Ein Exemplar mit Honig als "Rohmaterial" (Foto: M. Dargas)

Mike Dargas bei der Arbeit: Ein Exemplar mit Honig als „Rohmaterial“ und umgesetzt mit dem Pinsel (Foto: M. Dargas)

Face2Face: Woran arbeitest du im Moment?

Mike: Eine Serie, für die ich Honig als Material ausgewählt habe, wobei das eigentlich einen viel tieferen Sinn hat. Das erste Bild daraus war „Ecstasy of Gold“. Ekstase sagt dabei ja alles. Gold steht in dem Zusammenhang nicht für Honig, sondern für das wertvolle Rohmaterial. So hieß auch das nächste Bild „The black Gold“, also das schwarze Öl bezüglich des Rohmaterials. Als Thema also alles, was einen hohen Wert hat. Worum sich Politik und Wirtschaft dreht, nämlich Geld.

Face2Face: Was ist für die Zukunft bezüglich Ausstellungen/Projekte geplant?

Mike: Als nächstes habe ich mehrere Ausstellungen in München, darunter eine Kunstmesse. Außerdem gibt es gerade Angebote aus Amerika. Also muss ich sehen, dass ich mal über den Teich komme. Wie gesagt, Ziel ist es, national und international erfolgreich zu sein. Ich glaube einfach, wenn man sich in Deutschland einsperrt, kommt man nur bis zu einem gewissen Punkt. Sowieso fahren die Amerikaner total auf den fotorealistischen Stil ab und haben irgendwie so ein Faible dafür.

Ich glaube, dass Mike Dargas diesen Punkt sowohl in Deutschland, als auch international noch lange nicht erreicht hat. Diese bescheidene Art und der rheinische Humor, kombiniert mit diesem eindrucksvollen Talent lässt ihm alle Türen der Kunstwelt offenstehen. Wir werden auf jeden Fall noch sehr viel von dem Kölner Künstler hören, beziehungsweise sehen.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier ein spannendes Interview mit einem jungen, aufstrebenden Filmemacher aus der Region.

Artists to watch – Drei Künstler, die ihr im Auge behalten solltet

Künstler, die Ihr im Auge behalten solltet (Foto: L.Holfelder)

Künstler, die Ihr im Auge behalten solltet (Foto: L.Holfelder)

Das Musikbusiness ist ja bekanntlich sehr kurzlebig. Umso wichtiger ist es, Künstler zu beachten, die auf dem schmalen Grad zwischen bekannt und unbekannt wandeln. Talente gibt es viele, aber wirklich gepusht werden eigentlich nur die, die besonders auffallen. Das geht von Lady Gaga, deren Name wirklich Programm ist, mit ihren bunten und verrückten Outfits, bis hin zu Taylor Swift, die sich von der braven Countrysängerin zum männerjagenden Popsternchen entwickelt hat.

Aber nehmen wir ein bisschen Abstand von der Mainstreammusik und schauen lieber auf die noch unbekannten oder gerade aufsteigenden Sterne am Musikhimmel. Wir haben für euch drei Künstler aufgespürt, die man sich im Hinterkopf behalten sollte.

Vielversprechende Geschwisterkombo

Einigen müsste der Name Echosmith schon ein Begriff sein. Die Band um die vier Geschwister Graham, Sydney, Noah und Jamie sind zurzeit beim Fernsehsender VOX mit ihrem Song „Cool Kids“ in den Programmhinweisen zu hören und auch zu sehen. Mit ihrer Musik, die zum Indie-Pop zählt, versuchen die vier Amerikaner, weltweit fußzufassen. Hört man sich „Cool Kids“ an, ist man sofort im Lied mit drin. Und auch die anderen Songs auf dem Album „Talking Dreams“, das dieses Jahr neu releast wird, klingen sehr vielversprechend. Auf dem Youtube-Kanal der Band gibt es ein paar Musikeindrücke zum Reinhören.

Beruhigende Stimme

Der zweite Künstler heißt SoMo. In Deutschland noch unbekannt und auf den ersten Blick auch in Amerika noch eher unscheinbar, ist der 27-jährige Texaner Joseph Anthony Somers-Morales, aus dessen Nachnamen sich sein Künstlername SoMo ableitet. Schaut man aber auf seinen Youtube-Kanal mit fast 700.000 Abonnenten, bietet sich einem eine große Auswahl an gecoverten Liedern sowie eigene Songs. Sein eigener Song „Ride“ platzierte sich im November 2013 sogar in den Billboard Top 100, den amerikanischen Charts. Momentan ist SoMo in Amerika auf Tour und promoted sein Album „SoMo“. Seine Covers weichen meist etwas von den Originalen ab, was sich im ersten Moment ungewöhnlich anhört, covert SoMo doch vornehmlich R&B sowie Hiphop. Seine sogenannten Renditions, also Darbietungen, sind langsamer und ruhiger, seine beruhigende Stimme lässt die gecoverten Songs in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Indie-Pop mit tiefer Stimme

Ihr Song „Strong“ war bereits in den deutschen Charts vertreten und auch andere Titel des Albums „If I wait“, aus dem auch „Strong“ ausgekoppelt wurde, sind sehr vielversprechend. Die Musik von London Grammar, einer dreiköpfigen Band aus Großbritannien, lässt sich dem Indie-Pop zuordnen und wirkt eher langsam und ruhig. Die tiefe Stimme der Frontsängerin Hannah Reid verleiht eine beruhigende Wirkung. Weitere veröffentlichte Songs der Band sind „Hey Now“ und „Nightcall“. Es lohnt sich auf jeden Fall, auf der offiziellen Seite der Band vorbeizuschauen.

Diese drei sind nur ein kleiner Auszug der vielen Künstler, die derzeit versuchen im internationalen Musikbusiness Fuß zu fassen. Bleibt zu hoffen, dass sie weiterhin an ihren Träumen festhalten und eines Tages so berühmt sind wie Lady Gaga oder Taylor Swift.

Geschichte hoch drei – Das Panoptikum Mannheim

„Panoptikum, Panoptikum des Lebens, da stehn‘ sie rum, da stehn‘ sie rum, die Großen unsrer Zeit“ erfüllt die Chanson-Musik den Ausstellungsraum. Tatsächlich präsentiert das Mannheimer Museum Wachsvertreter bekannter und berühmter Personen wie Udo Lindenberg, Loriot, Helmut Kohl oder Fußball-Legende Sepp Herberger. Aber auch bedeutende historische Persönlichkeiten wie Herrscher, Dichter und Denker dürfen in der „Allesschau“ – soviel heißt der griechische Begriff „Panoptikum“ übersetzt – nicht fehlen. Mal licht und nüchtern, mal dunkel und makaber, bietet das Wachsfigurenkabinett im Stadthaus einen schnellen Streifzug durch die Geschichte und lässt dabei einen Spaziergang unter der Guillotine nicht aus.

Leitend: Geschäftsführer Hannes Piechotta neben der Figur Louis Castans (© Panoptikum Mannheim)

Leitend: Geschäftsführer Hannes Piechotta neben der Figur Louis Castans (© Panoptikum Mannheim)

Bereits seit fast einem Jahr hat das größte Wachsfigurenkabinett Deutschlands seine Wurzeln in Mannheim geschlagen, um Schaulustige aller Einkommens- und Altersklassen zu begrüßen. Die Wachsfigur Louis Castans – dem Mitbegründer des 1869 eröffneten ersten Panoptikums in Deutschland – lässt es sich nicht nehmen, die Besucher mit einigen Worten persönlich zu empfangen. Die Castan’schen Originalstücke aus Berlin bilden schließlich den Grundstock für die Ausstellung. Durch einen Zufall seien die Geschäftsführer auf die mehr als 140 Jahre alten Exponate aufmerksam geworden und hätten kurzerhand beschlossen, die Sammlung erneut aufleben zu lassen.

Lebensecht: Die Totemaske Johann Wolfgang von Goethes (© Panoptikum Mannheim)

Lebensecht: Die Totemaske Johann Wolfgang von Goethes (© Panoptikum Mannheim)

Das Ziel der „Geschichte in Wachs“ sei es vor allem, Bilder und Emotionen zu vermitteln. „Als Besucher kann man sich den Eindrücken nicht entziehen“ berichtet Hannes Piechotta, der Leiter des Museums. Entsprechend werden den Museumsgästen nicht nur historische Fakten, sondern auch kleine Anekdoten mit auf den Weg gegeben. Bei der Konzeption sei Piechotta stets darauf bedacht gewesen, „sich nicht im Mainstream zu bewegen“ und Besucher einzuladen, „die sonst nicht ins Museum gehen“. Da die Totenmasken Schillers, Goethes und Dostojewskis ebenso ausgestellt werden wie die Figuren von Elvis Presley, Jimi Hendrix und der britischen Königsfamilie, sei schließlich für alle Geschmäcker etwas dabei.

Beginnt die Ausstellung zunächst hell ausgestrahlt mit den jüngsten Figuren, geht die Reise schnell in dunkle Gefilde über, in denen die älteren Stücke präsentiert werden. Im sogenannten „schwarzen Kabinett“ wird die französische Revolution wiederbelebt – mit einer Guillotine über den Köpfen und abgetrennten Häuptern unter den Füßen der Besucher. Marie Antoinette und König Ludwig XVI. stehen im engsten Raum zusammen mit dem Jakobiner Maximilien de Robespierre und dem folgenden Kaiser Napoleon Bonaparte. Skurriler wird das Gesamtbild durch den Philosophen Voltaire. Ebenso kurios geht es in der preußischen Ruhmeshalle zu, in der sich eine Nietzsche-Büste zwischen die prunkvollen Herrscher gesellt. Hierin zeigt sich das Konzept des Museums, die Geschichte „mit einem gewissen Augenzwinkern“ darzustellen, so Piechotta.

Atmosphärisch: Eine Zahnarztpraxis aus dem 19. Jahrhundert (© Panoptikum Mannheim)

Atmosphärisch: Eine Zahnarztpraxis aus dem 19. Jahrhundert (© Panoptikum Mannheim)

Neben einzelnen Figuren werden auch ganze Szenerien dargestellt: Die Bauernidylle mit ausgestopften Tieren und einer Wahrsagerin grenzt an ein Bordell aus dem 19. Jahrhundert an, in der die preußische Ordnung ersichtlich wird. Eine Zahnarztpraxis um 1890, ein Kolonialwarenladen mit Gewürzen, ein Teesalon der „Belle Epoque“ und das Zille-Milieu ergänzen die Gesellschaftsstudie, die sich im „ethnologischen Kabinett“ zur Untersuchung fremder Völker ausweitet. Mit einer Mördergalerie und einer Folterkammer, in der sich mittelalterliche Originale befinden, wird es wieder makaber. Mindestens genauso schauerlich, dafür aber wissenschaftlich und nüchtern, werden im „medizinischen Kabinett“ Fehlbildungen, Geburten und Operationen nebst siamesischen Zwillingen und Hermaphroditen präsentiert. Das teuerste Stück des Panoptikums stellt dabei die dort ruhende anatomische Ganzkörper-Darstellung eines Menschen dar.

Schauerlich: Die Moulage (© Panoptikum Mannheim)

Schauerlich: Die Moulage (© Panoptikum Mannheim)

Das Mannheimer Museum lässt sich insgesamt als dreifache Darstellung der Historie begreifen, als Geschichte hoch drei: Einerseits illustrieren die Figuren historische Personen und Begebenheiten. Andererseits wird dem Betrachter vermittelt, wie die Exponate entstanden sind, sodass sie eine eigene Entstehungsgeschichte erhalten. Da sich das Bienenwachs mit der Zeit braun verfärbt, lassen sich die Objekte, die aus einer anderen Epoche stammen, wiederum selbst als historische Artefakte auslegen. Wer das Panoptikum dadurch für eine leblose Ausstellung hält, der irrt. Zu unbewegten Figuren und Masken reihen sich bewegte Automaten, die Geige spielen oder sich zu orientalischer Musik bewegen. Durch ein Exponat zum Anfassen, dem Gebrauch von Video-Installationen, zahlreicher Musik- und Geräuschkulissen sowie einem Geruchskabinett voll von Gewürzen wird das Museum zu einem Erlebnis für alle Sinne.

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch eine Buchvorstellung zu Haruki Murakamis „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazak“.

Mit Musik gegen die ganze Welt rebellieren

Ein Künstler mit dem Drang nach Veränderung: Rustler erschafft Welten.(Foto: NMDK Design und Darko Arts )

„Unterm Strich gibt es auf dieser Welt nur zwei Arten von Menschen. Du hast die Schwätzer und die Macher. Die meisten sind bloß Schwätzer, die können nichts als labern. Aber wenn alles gesagt ist, dann sind es die Macher, die diese Welt verändern. Und wenn sie das tun, verändern sie auch uns.“

Diese Worte stammen vom Tape eines Künstlers aus dem beschaulichen Stuttgart. Es ist die Einleitung in eine durch Musik geschaffene, eigene Welt, die einem die Augen öffnet und in einem satirischen Abschlussdialog endet.

Der Name des Künstlers ist Rustler und nach zwei Jahren harter Arbeit hat er seine Offenbarung herausgebracht. „Das Neuste Testament“ heißt sein Werk.

„Ich will damit ausdrücken, dass eine neue Ära angebrochen ist! Eine Ära, die uns Menschen immer weniger Mensch bleiben lässt, stattdessen darauf abzielt uns im stressüberfluteten Alltag immer mehr wie Maschinen funktionieren zu lassen und sich der Umgebung anzupassen“, erzählt Rustler im Face2Face-Interview, als nach dem Titel gefragt wurde.

„Das Neueste Testament“ ist ein Tape mit einer Länge von 28 Minuten. Es ist ein Stück, das man im gesamten Paket hören und auf sich wirken lassen muss. Uns erwartet kein klassisches HipHop/ Rap Album. Es geht nicht um Sex, Gras und Geld. Die Texte sind sozialkritisch und sprechen sich gegen die Machthaber dieser Welt aus. Unterstrichen werden die Texte von Filmsnippets (Anm. d. Red: Filmsnippets sind Audioausschnitte aus Filme die viele Musiker benutzen um entweder einen roten Faden herzustellen oder um ihre Musik zu untermalen). Rustler beanstandet, dass die Menschen unterdrückt werden, in ihrem Tun, in ihrem Sein. Der Druck auf die Menschen steigt, die ständige Erreichbarkeit macht die Humanität untereinander kaputt.

Im Interview mit Face2Face sagt er unter anderem dazu: „Demnach haben sich auch die wirtschaftlichen Verhältnisse verstärkt verändert und in unflexible Abhängigkeiten zugespitzt. Diese Änderungsprozesse wirken sich damit mehr oder weniger direkt auf unsere Meinungsfreiheit aus. Sei es dem Leistungsdruck geschuldet oder durch den Abbau des Datenschutzes etc. Aber nicht nur Verbote, sondern vor allem falsch vorgelebte Moral- und Wertevorstellungen führen u.a. auch dazu, dass die mediale Verblendung für Regierungen einfach zu gestalten ist, indem man wichtige Informationen bewusst vorenthält oder irreführend in die Öffentlichkeit trägt.“

Das Tape regt einen dazu an sich etwas bewusster mit diesen Situationen auseinander zu setzen. Es zeigt einem eine Lösungsmöglichkeit, einen Weg zu rebellieren, aufzustehen und zu protestieren. Die Musik besteht nicht nur aus typischen HipHop- Beats, sondern auch aus elektronischen Einflüssen – so hört man die Dramatik untermalende Dubsteptöne und auch etwas härteres Drum and Bass ist kurz zu vernehmen. „Das Neueste Testament“ ist ein Kunstwerk in sich.

Und Rustler ist ein Künstler, der die Augen der Menschen mit seinen Texten und seiner Musik öffnen möchte. Am besten beschreibt er das aber immer noch selbst: „So wie auch das Alte oder das Neue Testament einen vergangenen Zeitgeist anprangern und gleichzeitig einen Neuen auszurufen anstrebten, so soll auch dieses Tape dazu beitragen die Menschen offener für unsere aktuellen und täglich präsenten globalen Geschehnisse zu machen und für ein Umdenken zu sensibilisieren. Ich weiß, dass ich allein nur den sterbenden Schwan spielen kann, aber vielleicht kann ich dazu beitragen etwas ins Rollen zu bringen. Vor allem will ich zeigen, dass jeder die Möglichkeit besitzt etwas zu sagen – er muss es nur auch tun.“.

Am besten ihr überzeugt euch selbst von dem genialen Werk des Künstlers. Das Tape „Das Neueste Testament“ findet ihr auf der Künstlerseite auf Facebook.

Vorschau: Und nächste Woche findet ihr an dieser Stelle einen ausgiebigen Bericht über die Elektroszene in Hamburg.

Traumberufe, Teil 9: Action Painting Künstler

Der Begriff „Künstler“ bezeichnet heutzutage kreative Menschen aus unzähligen Bereichen. Damit aber dieser Rahmen nicht gesprengt wird, gibt es in Deutschland das Künstlersozialversicherungs­gesetz, welches die Berufsbezeichnung anerkennt und näher definiert: „Künstler im Sinne des Ge­setzes ist, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt. […]“ (§2 KSVG)

Bei Action Painting – auch Aktionsmalerei genannt – handelt es sich um eine moderne Kunstrichtung innerhalb des abstrakten Expressionismus. Entstanden ist diese ab 1950 in den USA und durch Jackson Pollok international bekannt geworden. Die bisher traditionelle Komposition eines Bildaufbaus und die Anwendung komplexer Techniken werden verworfen; stattdessen wird die Farbe grob mit einem Pinsel auf die Leinwand getropft oder gespritzt. Die so entstandenen Werke werden daher auch als „Klecksbilder“ bezeichnet.

Künstler aus Leidenschaft: Sascha Gunkel (Foto: privat)

„Kunst ist mein Leben, also eine Leidenschaft“, schwärmt der 29-Jährige Künstler und Lagerist Sascha Gunkel. Seit sechs Jahren übe Gunkel Action Painting aus und sei durch den Film Pollok inspiriert und in den Bann gezogen worden. Von da an stand für ihn fest, dass dies seine Bestimmung sei und demnach stelle die Kunst seine Person als Ganzes dar. Vor allem aber, spiegeln seine Werke seine Seele, Gefühle und die Leidenschaft wider. Durch das viele Lesen von Fachbüchern und dem Experimentieren habe er sich in den ersten Jahren alles selbst beigebracht. „Erst als ich einigermaßen gute Bilder hatte, traf ich mich mit Künstlern“, erinnert sich der 29-Jährige.

Die beste Motivation zum Malen seien starke Emotionen, die durch bestimmte Ereignisse in seinem Umfeld hervorgerufen werden. Des Weiteren benötige er Isolation, Ruhe und Musik – sowohl für die Konzentration als auch für die Entspannung. Die Aussage, dass Kunst für den Stressabbau geeignet ist und zur Selbstfindung stark beiträgt, unterstützt Gunkel. Zudem bestätigt er die oben aufgeführte Definition von Action Painting: „Meine Bilder entstehen zum Teil im Kopf und entwickeln sich während des Malens noch weiter.“ Der Fantasie werde freien Lauf gelassen, unterschiedliche Materialien wie Acryl-, Lack- oder Ölfarben, aber auch Sand oder Steine könnten dabei eingesetzt werden und man sei als Aktionsmaler an keine Techniken gebunden.

Ein Action Painting Werk mit dem Titel: Punk is not Dead (Foto: Gunkel)

Der 29-Jährige benutze persönlich lieber Acrylfarben und gelegentlich Lack- oder sogar Sprayfarbe. Die Materialien sind seiner Erfahrung nach in allen Preisklassen erhältlich. Das seine Werke die Familie, Freunde und auch Fremde berührt und erreicht, sei für Gunkel der schönste Moment in seinem Künstlerdasein gewesen. Ebenso die erfolgreichen Ausstellungen, vor allem die erste Einzellausstellung 2011 in Höchst im Odenwald. Das Vorurteil, dass es sich bei dieser Kunstrichtung lediglich um Farbspritzer auf Leinwand handle und jeder ein sogenanntes Drip Painting erstellen könne, würde er gerne beseitigen. Der Unterschied zwischen einem Bild von Jackson Pollok und einer X-beliebigen Person ist, laut Gunkel, wie Tag und Nacht. Daher rate er Anfängern sich mit der Kunstrichtung auseinanderzusetzen, viel darüber zu lesen, seine Techniken stets zu verfeinern und sich insbesondere mit anderen Künstlern auszutauschen. Allerdings betont Gunkel, dass „der beste Tipp, den ich geben kann, ist ‚Learning by Doing‘. Schließlich bekommt man anders seine eigene Handschrift nicht heraus und die ist beim Malen unverzichtbar!“.

Im Gespräch mit dem Künstler wird immer wieder deutlich, dass dies sein Traumberuf ist. Vor allem aber, gesteht er Face2Face auch, dass er derzeit nicht nur von der Kunst alleine leben könne und demnach noch als Lagerist arbeite. Der Erfolg sei vom Geschmack der Menschen abhängig und sicherlich seien auch etwas Glück und gute Kontakte von Nöten. Diese wirken sich auf die Ausstellungen und den Verkauf der Bilder aus.

Die Offenbarung der Künstlerseele: Ein Blick auf mein gebrochenes Herz (Foto: Gunkel)

Auf die Frage hin, welche Fähigkeiten Gunkel noch verbessern möchte, zitiert er Salvadori Dali: „Versuche nie Perfektion zu erreichen, du wirst sie nie erreichen.“ Daraus ziehe er die Lehre, dass das Lernen kein Ende habe und er strebe das große Ziel an, „das eine besondere Bild zu malen, welches alles verändern wird.“ Momentan bereite sich der 29-Jährige auf eine kleine Monatsausstellung in Michelstadt im Café Atelier vor. Darüber hinaus folge gegen Ende des Jahres eine größere Ausstellung im Krankenhaus Erbach. Die Anmeldung eines Gewerbes und die Teilnahme beim Kultursommer 2013 im Kreis Odenwald seien ebenfalls in Planung. Als letzten Tipp betont Gunkel, sich der Kunst zu öffnen, denn „Kunst ist Leidenschaft, Kreativität und Spontanität.“

Kontakt:

Sascha Gunkel

E-Mail: sasha.g@gmx.de

Weitere Infos und Bilder findet ihr auf seiner Homepage und auf Facebook!

Vorschau: Nächste Woche geht es weiter mit der Ausgehtippsserie. Dieses Mal wird euch die Soraya Sisha Lounge in Speyer vorgestellt.

Aussergewöhnlich gewöhnlich / Christoph Gross

Zeitlose Modernität… Filmregisseure…

Stets befinde ich mich
Gleichzeitig in zwei Welten.

Ich befinde mich immer
An einem Ort, wo
Ich Angst haben
Muss, unversehens in
Den Boden einzubrechen:
Vom Boden verschluckt
Zu werden… „Himmelshünen“…
Ich befinde mich immer
In einer unwirklichen,
In einer magischen Welt. –
Das Schicksal dieser Welt
Liegt in meinen Händen;
Ich bin diese Welt!

Ich befinde mich gegenwärtig
In einer schrecklichen,
In einer gleissenden Welt,
„Himmelshünen“… Satanisch gleissend
Ich befinde mich gegenwärtig
In einer Welt
Aus Stahl und Beton.
– Es fängt an zu
Regnen, während ich mit
Meinen Sorgen, von denen
(Leider) viele asphaltglatt sind,
Mich verliere in
Einem grossstädtischen Gedränge… Hier
Kennt man keine wirklichen
Unterschiede zwischen Menschen, bloss
Unterschiedliche Qualifikationen: was
Durchaus traurig ist… Hier
Scheint es keine
Echten Gesichter (mehr)
Zu geben, sondern nur
(Noch) Masken: was
Durchaus krank ist!

© Christoph Gross

Der Autor:

Vielseitig: der junge Autor Christoph Gross (Foto: Gross)

Christoph Gross wurde 1980 in Müntschemier im Berner Seeland geboren. Schon früh zeigte sich seine philosophische und künstlerische Ader. Neben dem Schreiben und Malen arbeitet er hauptberuflich als Pfleger in einem Altenheim. Sein bisher größtes literarisches Projekt ist ein Fantasy-Kinder-Roman, viele seiner Gedichte und Kurzgeschichten sind bereits in Anthologien veröffentlicht. Veröffentlichungen unter anderem:

2007 – die Kurzgeschichten „Die Rückkehr“ und „Die Augen des Klingsor“ in der Jahresanthologie „Collection deutscher Erzähler“ im R.G. Fischer Verlag
2008 – der Artikel „US-amerikanische Terrorismusunterstützung und Arroganz“ von Henryk M. Broder unter dem Titel „Antiamerikanismus aus Schweizer Sicht“ auf der Website www.achgut.com
2009 – das Gedicht „Vor neunzig Jahren“ im Faltblatt „Lyrische Saiten“ im Verlag Edition Wendepunkt ISBN 3-935841-07-8
2010 – das Gedicht „In einer zerschnittenen Nacht“ in der Berliner Literaturzeitschrift „Wortspiegel
2011 – die Gedichte „Älter als Babylon“, „Kleine, seufzende Ruine“ und „Ödes Elementarteilchen“ auf www.lyrik.ch
2012 – der Gedichtband „Maschinen-Gedichte“ im Mauer Verlag.