Die Ausstellung „TeleGen“ in Bonn – Eine Verbindung zwischen Kunst und Fernsehen

Die derzeitige Ausstellung des Kunstmuseums Bonn läuft seit dem 01.Oktober 2015 und wird noch bis zum 17.Januar 2016 unter dem Motto „TeleGen – Kunst und Fernsehen“ zu sehen sein. Auf insgesamt sieben verschiedenen Ebenen, die jeweils unterschiedliche Etappen der Fernsehgeschichte auf ebenso vielfältige Weise behandeln, wird der Frage nachgegangen, wie sich das scheinbar allmählich zu Ende gehende Fernsehzeitalter und seine visuelle Kultur aus der Sicht der Kunst beschreiben lässt. Dafür wurden 44 künstlerische Positionen von den frühen 1960er Jahren bis zur Gegenwart hin ausgewählt, die auf spannende Weise zeigen, wie sehr das Fernsehen unsere Sehgewohnheiten geprägt hat.

Das Besondere an der Umsetzung dieser Thematik ist wohl, dass sich die „TeleGen“ nicht rein auf das Fernsehen an sich beschränkt, sondern vielmehr die Reflexionen des „Televisuellen“ durch alle Gattungen betrachtet. So ist beispielsweise im ersten Raum, der als Startpunkt für alle weiteren Ebenen fungiert, das Hauptaugenmerk auf den Fernseher als technisches Gerät gesetzt und zeigt, welche „Spielereien“ bereits in den 1960er Jahren mithilfe des TV’s möglich waren. Ein an ein Tongerät und den Bildschirm angeschlossenes Mikrofon ermöglicht es dem Besucher beispielswiese durch hineinsprechen in das Mikrofron das Fernsehen „interaktiv“ mitzugestalten, indem die Schallwellen als Ausschläge auf dem Bildschirm zu sehen sind.

Einen völlig neuen Blickwinkel auf das Medium Fernsehen werfen auch die Installationen,

Foto: Ausstellung "TeleGen": Caroline Hake, MONITOR III, 1999, (Glücksrad), C-Print, 120 × 160 cm

Ziert den Katalog der „TeleGen“: Das Logo der Ausstellung. Foto: Ausstellung „TeleGen“: Caroline Hake, MONITOR III, 1999, (Glücksrad), C-Print

die sich mit Nachrichtensendungen und Talkshows befassen. Zum einen wird ein Moderator gezeigt, welcher, anfangs noch mit der üblichen Sensationsgier, über eine Umweltkatastrophe berichtet. Als sich an die eine jedoch immer mehr Unglücke anreihen, verliert er zunehmend die Fassung und wird am Ende völlig verzweifelt in Anbetracht der Katastrophen, die sich ereignen, schwitzend und schreiend gezeigt. Zum anderen zeigt auch die Nachstellung eines Interviews mit Lady Di, wie sehr das Fernsehen unser Wahrnehmungsvermögen beeinflusst. In diesem Fall wurden sämtliche Emotionen und sogar der Hintergrund des Interviews herausgeschnitten, zurück bleibt eine Frau, die ohne technischen Hilfsmittel dasselbe Gespräch von Lady Di herunterzitiert – mit aber nicht einmal annähernd der gleichen Wirkung!

Eine weitere eindrucksvolle Station mit Fotografien von laufenden Fernsehbildschirmen , die den Besucher durch die subtile Auswahl von Bildausschnitten wie beispielsweise Gesichter, welche im Moment des Abdrückens gerade den gesamten Bildschirm ausfüllen, wieder an den Prozess des „Schauens“ erinnert.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die „TeleGen“- Ausstellung einen interessanten Weg gefunden hat, Kunst und Fernsehen zu verknüpfen und dem Besucher – insbesondere in unserem Zeitalter der digitalen Revolution – den Abstand zum alltäglich gewordenen Fernseher und dessen Reflexion ermöglicht.

 

 

Idealismus und Träume – mein täglich Brot

Es sind diese beiläufigen Sätze, die uns immer wieder vor Augen halten, dass gewisse Lebensträume belächelt werden. Vor kurzem war ich bei einem Basketballspiel und plauderte während der Pause draußen mit der Frau eines Spielers. Sie erzählte von ihrer Familie, dass ihr Vater Musiker in Südafrika war und nach Deutschland immigrierte. „Und dann fragte ich neugierig: „Und hat er hier weiter Musik gemacht?“.  Sie tat meine Frage gleich als überflüssig ab: „Nee, davon kann man ja nicht leben.“

Solche Sätze machen mich traurig. Ich mache dieser jungen Frau gar keinen Vorwurf. Sondern eher unserer Gesellschaft oder auch der Art, wie wir lernen, mit unseren Träumen umzugehen – und zwar sie oft völlig außer Acht zu lassen. Wir schätzen unsere Träume, unsere Leidenschaften nicht. Bekommen oftmals vermittelt, dass sich damit kein Geld verdienen lässt, dass das ein viel zu steiniger Weg ist etc.pp. Besser auf die wichtigeren Dinge im Leben konzentrieren ist die Devise. Ich denke mir dann oft: Na klar, man soll nicht in der Illusion leben, dass es ein Zuckerschlecken wird, wenn wir eine Leidenschaft zum Beruf machen wollen. Aber was ist mit Musikern oder Schauspielern, die heute große Nummern sind? Die haben auch mal klein angefangen. Und es gab sicherlich zig Leute, die sie davon abbringen wollten und nicht an sie geglaubt haben. Was wäre, wenn ein Jimi Hendrix auf halber Strecke aufgegeben hätte? Uns wäre seine geniale Musik entgangen, die Millionen von Menschen bis heute begeistert.

Weit weg von zu Hause: Die richtige Zeit um sich seiner Träume bewusst zu werden (Foto: Mätzke-Hodzic)

Weit weg von zu Hause: Die richtige Zeit um sich seiner Träume bewusst zu werden (Foto: Mätzke-Hodzic)

Wir verlernen das Brennen für eine Sache eigentlich schon ganz früh. Weil uns sogleich gespiegelt wird: Deine Träume sind nichts wert. Ach, du willst Tänzerin werden? Ein müdes Lächeln unseres Gegenübers, das bereits alles sagt. Als wäre für diese Profession kein Platz. Aber woran liegt es, dass wir so schlampig mit Träumen umgehen? Sie belächeln. Was sagt das über die Wertevorstellung einer Gesellschaft? Ich finde es etwas wertvolles Leidenschaften zu haben oder sie vielleicht gerade erst zu entdecken. Aber sie müssen auch gefördert und genutzt werden. Sonst liegen sie brach und verwesen früher oder später völlig ungenutzt. Und schließlich ist noch kein Genie vom Himmel gefallen. Aber wir tragen mit dazu bei, dass viele erst gar nicht beginnen, an sich zu glauben. Wer weiß, wie viele potenzielle Schriftsteller, Musiker und Schauspieler ihr Talent in den Wind schießen oder es schon getan haben. Die sich unter uns tummeln mit ihren verborgenen Leidenschaften und Talenten. Die mit ihrem Schaffen Menschen beglücken, begeistern und inspirieren könnten. Viele Menschen schätzen die Künste, aber jeder rät davon ab, Künstler zu werden. Komisch, oder?

Ich bewundere Menschen, die sich einen Lebenstraum erfüllen. Die dieses eine kleine Café eröffnet haben, deren Einrichtung als detaillierte Skizze schon immer in ihrem Kopf spukte. Die alles auf eine Karte setzen. No risk no fun. Nicht wahr? Sind diese Menschen am Ende nicht nur Traumtänzer und gibt es nicht genug Beispiele für gescheiterte Existenzen, die sich verschuldet haben, die sich mit ihrem Lebenstraum in den Ruin getrieben haben? Ja, vielleicht darf man bei aller Träumerei, die Realität nicht aus den Augen verlieren. Und vermutlich gehört auch immer eine gehörige Prise Glück dazu.

Ich bekomme oft zu hören, ich sei zu idealistisch. Aber wenn ich diesen Idealismus nicht an den Tag legen würde, wäre dieses Leben für mich ziemlich trist und unerträglich. Mein Idealismus gibt mir immer wieder aufs Neue Kraft, er verpasst mir einen Schubs und ich rapple mich von neuem auf. Er verdeutlicht mir immer wieder, was ich ändern will und womit ich mich nicht abfinden kann. Mein Idealismus hat mich schon weitgebracht. Deshalb versteht dies als Aufruf: Nehmt eure Träume ernst. Seid Traumtänzer, probiert euch aus, habt Ideale und schenkt dem nächsten dahergelaufenem Deppen, der eure Träume belächelt, erst gar keine Beachtung.

Vorschau:  Nächste Woche erwartet euch hier wieder eine spannende Kolumne.

Kunst und Kultur auf dem Fusion Festival 2015

Auf dem ehemaligen Militärflugplatz in der 500-Seelen Gemeinde Lärz bricht die Dämmerung herein. Erst jetzt werden sich die 60.000 Besucher, die jedes Jahr in die mecklenburgische Provinz pilgern, der Vielzahl von Kunstinstallationen gewahr, die ihr volles Potential erst mit Einbruch der Dunkelheit entfalten.

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Das Fusion Festival: Die Eintrittskarte zu Elektronischer Musik, Kunst und Kultur (Foto: Privat)

Zum 18. Male jährte sich Ende Juni dieses Jahres nun die Fusion – ein Musikfestival, das vor allem die Herzen elektronischer Musikliebhaber höher schlagen lässt. Während man auf anderen Musikfestivals den Tag auf den Zeltplätzen verbringt und sich die Zeit mit exzessiven Alkoholkonsum und stupiden Trinkspielen vertreibt, so bietet die Fusion ein attraktives Rundumprogramm. Denn was die wenigsten Nicht-Fusionisten wissen ist, dass das Festival auch ein vielseitiges Kulturprogramm für die Besucher bereithält.

Während eine Kreidetafel vor einem zum Theater umgebauten Flugzeughangar die nächste Vorstellung verkündet, läuft im Kinohangar ein Filmklassiker. Nur ein paar Meter weiter finden Vorträge und Lesungen statt, die sich mit solidarischen Wohnprojekten oder Blogschreibern aus Berlin beschäftigen. Die Fülle an Angeboten ist erstaunlich und so ausgeprägt, dass eine Entscheidung schwer fällt. Jedoch ist man nicht bei allen Programmpunkten passiver Zuschauer. Im Workshop-Hangar kann sich an Graffiti oder Siebdruck versucht werden; an anderer Stelle lernt man tagsüber mit Feuer zu jonglieren und kann das Gelernte bei Nacht zur Schau stellen.

Doch dem nicht genug, finden sich überall auf dem Festivalgelände Kunstinstallationen. Ob feuerspeiende Drachen, riesige, sich bewegende Knospen, die an mit Spitzenstoff bespannten Bäumen hängen oder Dampfmaschinen in den skurrilsten Formen.

Auch die Spielstätten, Essensstände und Chill-Out-Areas sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Kurzum: Das ganze Festival ist ein einziges Kunstwerk, das sich auf Bildern nicht festhalten lässt. Die Fusion ist ein Spielplatz für Erwachsene, die zu Unrecht auf Drogenkonsum reduziert wird, während es dort so viel mehr zu entdecken gibt.

Versteckt und weltbekannt: zwanzig Jahre Club Ebene Eins

Die Ebene Eins: Eine umgebaute Scheune dient dem Kulturverein als Veranstaltungsort (Foto: Club Ebene Eins)

Die Ebene Eins: Eine umgebaute Scheune dient dem Kulturverein als Veranstaltungsort (Foto: Club Ebene Eins)

Versteckt hinter einem großen Hoftor in der Burgstraße in Schifferstadt, einer Einbahnstraße und 30-er Zone, liegt er. In einer umgebauten alten Scheune mit riesigem Garten dahinter, für die Sommerveranstaltungen, nicht wirklich groß, aber mit einer Akustik, die Musiker immer wieder zum Schwärmen verleitet und einer Atmosphäre, die zwischen familiär-gemütlich und faszinierend-künstlerisch ihr Gleichgewicht gefunden hat: Der Club Ebene Eins. Als Kulturverein längst etabliert und rund um die Welt bekannt, sind es vor allem die Einheimischen, die immer wieder überrascht sind, dass sich so ein Kulturgut in ihrer Stadt versteckt. 2015 feiert der Club Ebene Eins nun sein zwanzigjähriges Bestehen.

Am 08.06.1995 gründeten 34 Kulturfreunde den Club, der nach dem Umbauplan des Architekten für den unteren Teil der Scheune „Ebene Eins“ genannt wurde. Zur Eröffnungsvernissage stellte eine 16-jährige Schülerin aus, ein weiterer Schüler spielte Musik. Moritz Weißkopf, heute besser bekannt als Mo Anton, hat gerade das Gibraltar International Song Festival gewonnen. Angefangen hat er vor 20 Jahren im Club Ebene Eins. Noch immer ist die Förderung von jungen Kulturschaffenden ein Herzensanliegen des Vereins. Schüler der Kreismusikschule oder Teilnehmer von Jugend musiziert, junge Gruppen und Künstler, das Alter spielt für den Kulturausschuss des Club Ebene Eins keine Rolle. Talent zählt, die Freude an der Kunst, dass das Herz bei der Sache ist.

Kulturfreunde: Der Vorstand des Club Ebene Eins (Foto: Club Ebene Eins)

Kulturfreunde: Der Vorstand des Club Ebene Eins (Foto: Club Ebene Eins)

Und auch wahre Größen kommen immer wieder gerne zurück in die gemütliche Scheune. Etwa Ack van Rooyen, Jazz-Musiker, Flügelhornist, niederländische Musikgröße. Oder die A cappella Gruppe Viva Voce, die mittlerweile selbst weltweit bekannt sind. Bettina Belitz hat dort im letzten Jahr ihren Roman „Vor uns die Nacht vorgestellt“ im Herbst kam Julia Donaldson mit einem Grüffelo-Theater aus England, der gern gesehene Poetry Slam, der bisweilen zum Lieder Slam umgewandelt wird. Hier gibt es noch reine Lesungen, ohne viel außenrum, hier zählt das Wort. Und wer in die Scheune kommt wird immer von Bildern begrüßt. Die Liste der Künstler ist lang und vielseitig. Abel Robino aus Paris etwa war hier und Lukas Smithey-Eckrich aus den USA, Lotti Adaimi aus dem Libanon und Ulrike Kaiser aus München.

Aber der Club Ebene Eins bietet nicht nur für Aug und Ohr allerlei, sondern lockt auch zum Mitmachen. Ein Trommel-Selbstversuch unter der Leitung von Ashitey Nsotse beispielweise oder zuletzt ein Hörspiel-Workshop, geleitet von Karl Atteln. Und immer wieder gibt es spezielle Kinder-Kulturveranstaltungen. Diesen Herbst kommen die Olchis, jene müllfressende Stinkbande von Erhard Dietl, bei denen ich beim Vorlesen immer hadere, ob ich wirklich will, dass meine Kinder diese Wörter hören – aber sie lieben es.

Weltrekordträger: Künstler Jean-Yves Dousset mit Gisela Atteln vom Club Ebene Eins (Foto: Obermann)

Weltrekordträger: Künstler Jean-Yves Dousset mit Gisela Atteln vom Club Ebene Eins (Foto: Obermann)

Dabei geht es den Verein nicht nur darum, Kunst zu präsentieren und Neues zu zeigen, sondern auch immer wieder darum, Künstler zusammen zu bringen. Musiker und Maler, Maler und Autoren, Autoren und Musiker. Im kleinen Rahmen kann der Club dabei ausprobieren, was auf großer Bühne nur schlecht funktioniert. Improvisationstheater, bei dem das Publikum entscheidet, was als nächstes passiert, oder Jean-Yves Dousset, der nicht nur reimt, sondern den Weltrekord für den schnellsten Scherenschnitt hat, und zur Jubiläumsfeier gezeigt hat, was er kann. Oder wie im vergangenen Jahr ein Festival für das neue Instrument Campanula. Neues, Gewagtes, Innovatives.

„Kunst bleibt nicht stehen“, erklärte Vorstandsmitglied Horst Atteln zur Jubiläumsfeier. Und darum wird es auch immer wieder etwas Neues, Gewagtes und Innovatives geben, was der Club Ebene Eins präsentieren kann. Ein Besuch lohnt sich allemal.

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um Kunst und Kultur auf dem Fusion Festival.

Die Kunst des Liebens

Stellt euch vor, Liebe wäre eine Kunst, die man erlernen kann. Schenkt man Erich Fromm Glauben dann kann jeder – an dieser Stelle können diejenigen, die die Hoffnung an die Liebe endgültig aufgegeben haben einmal aufatmen – das Lieben erlernen. Eins sei aber gleich zu Beginn gesagt: Diese Kunst zu erlernen ist kein Zuckerschlecken. Ob es weniger talentierte Liebeskünstler gibt, darüber sind mir keine Informationen bekannt. Gehen wir also vom Idealfall aus: Jeder kann das lieben lernen. Liebe – das scheint ein Thema zu sein, mit dem sich jeder früher oder später rumärgern muss und sich zeitweise so sehr den Kopf darüber zerbricht, dass man nach stundenlanger Grübelei trotzdem nicht schlauer geworden ist. Dass die Liebe sich zur Abwechslung von ihrer unkomplizierten und harmoniebedürftigen Seite zeigt , ist eher eine Seltenheit, oder bin ich zu pessimistisch? Dabei ist das doch entgegen ihres Gemütes, oder nicht?

Die Liebe: So viel schöne Mythen ranken sie um die Liebe, doch sie bringt auch viel Kummer (Foto: Bluetenzauber  / pixelio.de )

Die Liebe: So viel Mythen ranken sie um das Phänomen Liebe, doch sie bringt auch viel Kummer (Foto: Bluetenzauber / pixelio.de )

Sprechen wir von Liebe, gehen wir zumeist wie ganz selbstverständlich von romantischer Liebe zwischen zwei Menschen aus. Ich weiß, ich will nicht wieder ein altes Fass aufrollen. Doch ich muss diese kitschigen Liebes- und Disneyfilme tadeln. Sie tragen eine enorme Schuld an unserer endlosen Suche nach dem richtigen, vollkommenen Partner. Diesen Filmen ist es zu verdanken, dass wir in Sachen Liebe nicht ganz richtig ticken und einge von uns schon wiederholte Male an einem gebrochenen Herzen gelitten haben. Heutzutage sind einige dahinter gekommen, dass diese vorgegaukelten Liebesideale wenig mit der Realität zu tun haben. So viele Menschen, scheinen bei der Suche nach diesem Mr. oder Mrs. Perfect schier zu verzweifeln, an ihrer zwanghaften Suche zu zerbrechen und die Hoffnung fast aufgegeben zu haben, dass sich dort draußen dieser eine Mensch, dieses sagenumwobene Gegenstück zu uns, wie es so lächerlicherweise angepriesen wird, tummelt. Es gibt so viele unterschiedliche Formen der Liebe. Angefangen von der Liebe zu Freunden oder der Familie. Liebesformen die in ihrer Intensivität genauso Anerkennung verdienen. Doch immer scheint die romantische Liebe, den anderen Liebesformen die Show zu stehlen. Wir suchen, der eine weniger verbissen als der andere, nach der „wahren Liebe“, scheinen unser ganzes Leben darauf hinzuarbeiten und wissen doch nie genau, was wir darunter eigentlich verstehen und wo wir danach Ausschau halten müssen.

Wir wollen geliebt werden, gleichzeitig aber auch unseren eigenen Interessen nachgehen und uns selber verwirklichen. Doch passt das alles unter einen Hut? Ist Liebe etwas, das man findet und dann einfach nur nach Gebrauchsanleitung hegen und pflegen muss?  Muss die Liebe zwischen zwei Menschen, nur wie ein junger Welpe etwas Benehmen anerzogen bekommen und ist fortan ein treuer Begleiter, der nicht weiter Ärger macht und an dem man sich tagtäglich erfreut? Ich fürchte so ist es ganz und gar nicht. Und ich glaube, dies ist auch der Grund warum so viele Beziehungen scheitern. Wir machen es uns zu einfach und haben so unglaublich hohe Erwartungen. Erich Fromm scheint mit seiner Vermutung Recht zu behalten. Im Kern wissen nur ganz wenig Menschen, wie man wirklich liebt. Doch kann man uns das zum Vorwurf machen? Wo lernen wir zu lieben? Idealerweise sollte die Familie der erste Ort sein an dem wir uns geborgen und geliebt fühlen und auch lernen andere zu lieben. Das erste Verliebtheitsgefühl ist großartig – keine Frage. Doch wir sind enttäuscht, wenn dieses sich langsam aber sicher verflüchtigt und nur noch einer schönen, fernen Zeit gleicht, an die man sich gerne zurückerinnert. Und wir scheinen nicht zu verstehen, dass eine Beziehung, dass der Weg zu Liebe, mit ungeheuer viel Geduld und Arbeit verbunden ist. Ja, genau ihr habt richtig verstanden. Arbeit und Geduld!

Viele Menschen scheinen naiver Weise zu glauben, dass, wenn sie einmal den richtigen Partner gefunden haben, die Liebe auch beständig erhalten bleibt. Doch an der Liebe zu seinem Lebenspartner muss man tagäglich arbeiten, sich selbst als Person weiterentwickeln, sich im Gedulidgsein üben, dem anderen seinen Freiraum lassen.

Wirkliche Liebe ist ein Projekt, das viel Zeit Anspruch nimmt. Und das gilt für Freundschaften und romantische Zweier-Beziehungen gleichermaßen! Die Mühe und Arbeit sollte ihr aber nicht Scheuen. Denn wer weiß – vielleicht werdet ihr eines Tages zu herausragenden Liebeskünstlern!

Vorschau: Eva widmet sich nächstes Mal dem Thema der Gleichberechtigung in Partnerschaften

„Wow, der Junge hat Talent!“ – Der Startschuss des Kölner Künstlers Mike Dargas

Im Jahr 1983 wird in Köln am Rhein ein großartiger Künstler geboren. Mike Dargas. Er selbst bezeichnet sich als Autodidakt und hat schon im Kindesalter mit seinem Talent für Aufsehen gesorgt. Die Liebe zum Detail verhilft ihm bei jedem seiner Werke zur Perfektion. Noch genauer, noch fotorealistischer und jedes Bild mit einer anderen Botschaft. Neben zahlreichen anderen Techniken hat er sich nun auf die Ölmalerei spezialisiert. Vom eigenen Tattoostudio- zum eigenen Atelier. In genau diesem habe ich Mike zum persönlichen Interview getroffen. In lockerer Atmosphäre und umgeben von einzigartiger Kunst.

Ein Ausnahmetalent in der fotorealistischen Ölmalerei: Mike Dargas (Foto: M. Dargas)

Ein Ausnahmetalent in der fotorealistischen Ölmalerei: Mike Dargas (Foto: M. Dargas)

Face2Face: Wie bist du zur Malerei gekommen?

Mike: Im Knast. Nein Quatsch. Eigentlich von klein auf. Ich habe im Kindergarten schon viel gemalt. Anders als die anderen Kinder. Etwas detaillierter und dann hat sich das Talent schon ein bisschen bemerkbar gemacht. Letztendlich habe ich dieses Talent aufgebaut mit Interesse. Im frühen Alter habe ich mich schon viel für Techniken und allgemein Kunst interessiert. Wenn andere auf Bäume geklettert sind, bin ich in Büchereien gefahren und habe mir Kunstbücher angeguckt.

Lädt zum Verweilen und Staunen ein: Die Galerie in schönem Ambiente (Foto: M. Dargas)

Lädt zum Verweilen und Staunen ein: Die Galerie in schönem Ambiente (Foto: A. Götzen)

Face2Face: Wie sah das erste Bild aus, in dem dein Talent sichtbar wurde?

Mike: Auch im Kindergarten. Spezielles Erlebnis: Ein Panoramabild unter Wasser mit Tauchern und Luftblasen. Das mit sechs Jahren. Hier habe ich selbst gemerkt und haben auch alle anderen gesagt: „Wow, der Junge hat Talent!“. Das war der Startschuss.

Face2Face: Ab wann hast du dich entschlossen, das professionell zu machen?

Mike: Ich habe schon als Kind festgelegt, dass ich auf jeden Fall etwas mit Kunst, Handwerk und Kreativität mache und erst einmal alle Techniken und Materialien ausprobiert. Festgelegt auf Ölmalerei habe ich mich erst vor drei Jahren.

Hier entstehen wahre Schätze: Das Atelier des Künstlers in Köln (Foto: M. Dargas)

Hier entstehen wahre Schätze: Das Atelier des Künstlers in Köln (Foto: M. Dargas)

 

Face2Face: Was hältst du von deinen Bildern selbst?

Mike: Da bin ich, wie das Klischee eines typischen Künstlers vorgibt, immer unzufrieden. Jedes Mal, wenn ich meine Bilder anschaue, denke ich: Das geht noch besser. Für mich ist es stets eine neue Herausforderung. Jedes Werk soll noch fotorealistischer werden. Ich versuche, bei jedem neuen Gemälde eine Steigerung zu finden.

Face2Face: Wen möchtest du mit deinen Bildern erreichen?

Mike: Mein Ziel ist es, weltweit bekannt zu werden. Ich möchte mit meinem Talent den Durchbruch schaffen. Da bin ich auch sehr ehrgeizig.

Face2Face: Warum malst du Portraits und keine Landschaften oder ähnliches?

Mike: Eigentlich hätte ich Lust, viele Sachen zu malen, auch Landschaften. Einfach, um das mal gemacht zu haben, aber letztendlich muss man einen Faden finden. Auf Portraits habe ich mich jetzt gefestigt, weil jedes Portrait individuell ist und etwas anderes aussagt. Da ist vielmehr Action und Leben drin.

Natürlich zählen auch Männer zu seinen Modellen: Titel dieses Meisterwerks ist "Seebär" (Foto: M. Dargas)

Natürlich zählen auch Männer zu seinen Modellen: Titel dieses Meisterwerks ist „Seebär“ (Foto: M. Dargas)

Face2Face: Du hattest auch ein eigenes Tattoostudio. Warum hast du das aufgegeben?

Mike: Letztendlich weil ich nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen möchte. Tätowieren beansprucht viel Konzentration-, viel Geduld und viel Zeit, die dann für die Malerei fehlt. Und in der Malerei möchte ich erfolgreich sein.

Face2Face: Wer sind die Menschen, die du malst?

Mike: Das sind Modelle, die ich aussuche. Im Moment weibliche. Diese fotografiere ich ab und male das dann von dem Foto auf Großformat. Der exakte Moment ist tatsächlich mit der Kamera so eingefangen. Ich glaube, wenn man das aus dem Kopf schafft, ist man ein Superbrain.

Mike Dargas bei der Arbeit: Ein Exemplar mit Honig als "Rohmaterial" (Foto: M. Dargas)

Mike Dargas bei der Arbeit: Ein Exemplar mit Honig als „Rohmaterial“ und umgesetzt mit dem Pinsel (Foto: M. Dargas)

Face2Face: Woran arbeitest du im Moment?

Mike: Eine Serie, für die ich Honig als Material ausgewählt habe, wobei das eigentlich einen viel tieferen Sinn hat. Das erste Bild daraus war „Ecstasy of Gold“. Ekstase sagt dabei ja alles. Gold steht in dem Zusammenhang nicht für Honig, sondern für das wertvolle Rohmaterial. So hieß auch das nächste Bild „The black Gold“, also das schwarze Öl bezüglich des Rohmaterials. Als Thema also alles, was einen hohen Wert hat. Worum sich Politik und Wirtschaft dreht, nämlich Geld.

Face2Face: Was ist für die Zukunft bezüglich Ausstellungen/Projekte geplant?

Mike: Als nächstes habe ich mehrere Ausstellungen in München, darunter eine Kunstmesse. Außerdem gibt es gerade Angebote aus Amerika. Also muss ich sehen, dass ich mal über den Teich komme. Wie gesagt, Ziel ist es, national und international erfolgreich zu sein. Ich glaube einfach, wenn man sich in Deutschland einsperrt, kommt man nur bis zu einem gewissen Punkt. Sowieso fahren die Amerikaner total auf den fotorealistischen Stil ab und haben irgendwie so ein Faible dafür.

Ich glaube, dass Mike Dargas diesen Punkt sowohl in Deutschland, als auch international noch lange nicht erreicht hat. Diese bescheidene Art und der rheinische Humor, kombiniert mit diesem eindrucksvollen Talent lässt ihm alle Türen der Kunstwelt offenstehen. Wir werden auf jeden Fall noch sehr viel von dem Kölner Künstler hören, beziehungsweise sehen.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier ein spannendes Interview mit einem jungen, aufstrebenden Filmemacher aus der Region.

Do-It-Yourself-Projekt: Porzellan bemalen

Porzellanmalerei

Aus alt mach neu: Durch eigene Kreationen wird einfaches Geschirr zum Unikat (Foto: Onat)

Ob nun Familienerbstücke, Flohmarkt-Fundstücke oder polterabendreifes Porzellan: Wer noch alle Tassen im Schrank hat, besitzt garantiert Geschirr, das trostlos verstaubt und ausrangiert werden könnte. Die Tipps&Tricks-Redaktion verrät, wie ihr im Handumdrehen – lediglich mit Nagellack und Porzellanfarben gewappnet – euren alten Tellern und Tassen neues Leben einhauchen könnt.

Porzellan bemalen
Zunächst muss das Geschirr gründlich gewaschen und getrocknet werden, um es von Fett- und Staubrückständen zu befreien. Anschließend kann das Gestalten mit den Porzellanfarben direkt beginnen: Sollen große Flächen ausgefüllt werden, eignet sich hierfür vor allem flüssige Porzellanmalfarbe. Für filigrane Muster, Schriftzüge oder Motive verwendet man wiederum Porzellan-Malstifte beziehungsweise –Marker. Damit die eigene Kreation dann für die Ewigkeit hält, sollte das Geschirr nach Anleitung der Porzellanfarbe im Ofen eingebrannt werden. Zwar sind die Kunstwerke dadurch spülmaschinenfest. Zur Schonung sollte jedoch lediglich bei 40 Grad Celsius – oder direkt von Hand – gespült werden.

Abgepaust: Motive lassen problemlos auf Porzellan übertragen (Foto: Onat)

Motive übertragen
Wollt ihr erst eine Vorlage anfertigen, könnt ihr diese mit einem Bleistift auf Kopier- beziehungsweise Transferpapier aufmalen und auf das Porzellan übertragen. Aber auch mit normalem Papier lässt sich dies bewerkstelligen: Einfach das Motiv mit einem Bleistift auf das Papier zeichnen und – gegebenenfalls mit Klebestreifen fixiert – auf die Tasse anlegen, sodass die unbemalte Seite nach oben zeigt. Nun mit etwas Druck die Rückseite flächig mit dem Bleistift bemalen. So werden die gezeichneten Linien auf die Tasse übertragen und können mit dem Porzellanmalstift nachgezeichnet werden. Hat man sich einmal vermalt, lässt sich die Farbe vor Ablauf der Trockenzeit problemlos entfernen. Beachtet bei euren Vorlagen stets, dass die Motive spiegelverkehrt übertragen werden.

Gerade Linien und Formen
Ein Dreieck lässt sich mit einem Lineal zwar problemlos auf Teller zeichnen. Ist das Geschirr – so wie bei Schüsseln und Tassen – jedoch nicht mehr flächig, muss man sich anderer Hilfsmittel bedienen. Die Lösung heißt in diesem Fall Tesafilm beziehungsweise „Masking Tape“. Mit dem Film einfach geometrische Formen und Linien auf dem Porzellan kleben und mit dem Malstift entlang des Klebebandes die Striche nachzeichnen.

Bunt gemischt: Mit Nagellack lässt sich ein natürlicher Wasserfarben-Effekt erzielen.

Bunt gemischt: Mit Nagellack lässt sich ein natürlicher Wasserfarben-Effekt erzielen (Foto: Onat)

Wasserfarben-Effekt
Mischt man flüssige Porzellanfarben miteinander und verdünnt diese mit Wasser, lässt sich weißes Geschirr mit einigen Spritzern und Klecksen bunt dekorieren. Mit Nagellack lässt sich dabei derselbe Effekt kostengünstiger herstellen: Hierfür eine alte Schüssel – sie sollte groß genug für das zu bemalende Geschirr sein – nehmen und mit warmem Wasser füllen. Nun muss alles schnell gehen, da sich sonst die Farbe am Boden der Schale absetzt: Einige Milliliter der gewünschten Farbe an Nagellack hineingießen und das Porzellan in das Wasser halten. So setzt sich der Nagellack am Geschirr ab und hinterlässt den gewünschten Wasserfarben-Effekt. Dabei lässt sich variieren, ob ihr alle Farben auf einmal anbringt, diese mit einem Zahnstocher vermischt oder das Porzellan nach und nach in die verschiedenen Farben taucht. Auch hier könnt ihr – sollte euch das Ergebnis nicht gefallen – die Farbe problemlos mit einem rauen Schwamm oder Nagellackentferner abwischen.

Vorschau: Nächste Woche fällt bei uns alles ins Wasser: Wir verraten euch, wie ihr Badesalz herstellen könnt.

Die Kunst ist für mich das Tor zur Freiheit

Berlin-Mitte, in der Nähe des Gendarmenmarkts und der Spreeinsel. Hier lebt und arbeitet die erfolgreiche Künstlerin Kristina Sretkova. Am 10. Juli 1984 wurde sie in Stockholm geboren, wo sie auch die ersten fünf Jahre ihres Lebens verbrachte. Ihre Eltern stammen beide aus Bulgarien. Aufgewachsen ist sie international. Bereits seit 2000 lebt sie in Deutschland. Ihr Abitur legte sie im Leistungskurs Kunst im bekannten Internatsgymnasium Schloss Torgelow ab. Danach absolvierte sie ihr Studium zur Diplom-Mediendesignerin an der Rheinischen Fachhochschule in Köln. Inzwischen lebt und arbeitet sie in Berlin und hat als Künstlerin Ausstellungen auf der ganzen Welt.

Die Kunst ist Kristinas große Leidenschaft, egal in welcher Form. Sie malt mit Herz und Seele. Zur Malerei kam sie schon in ihrer Kindheit. Dabei bevorzugt sie keinen bestimmten Stil und experimentiert viel mit Farbkombinationen. „Malen ist für mich gleichzeitig Meditation und Kreieren“, sagt die 30-Jährige. „Das lässt sich schwer in Worte fassen. Ich glaube, in diesem Sinne ist jeder Mensch ein Künstler.“

Foto: © Kristina Sretkova

Die Kunst ist Kristinas große Leidenschaft.      Foto: © Kristina Sretkova

Kristina Sretkova hatte das große Glück bei bekannten Malern aus verschiedenen Generationen unterrichtet zu werden. Sie lernte während ihres Mediendesign-Studiums an in Köln lernte sie den im Jahr 2010 verstorbenen Maler und Fotografen Sigmar Polke kennen. Seine Malerei wird dem postmodernen Realismus zuzuordnen. Mehr als 400 Arbeiten hatte er Zeit seines Lebens geschaffen. Kristina lässt sich von verschiedenen Künstlern inspirieren. Auch der französische Maler Claude Monet, einer der bedeutendsten Maler des Impressionismus, zählt zu ihren Vorbildern.

Über ihre eigenen Werke sagt sie: „Es kommt alles von innen, als ob ich das schon in einem früheren Leben gemacht hätte.“ Sie erweitert ihre Kunst und experimentiert dabei viel mit Farbkombinationen. Viele Besucher ihrer Ausstellungen sind der Meinung, dass ihre Bilder lebendig wirken und eine sehr spezielle Aura besitzen. Dabei sucht sie sich keine bestimmten Motive aus. „Alles ist eine Frage der Inspiration und der Offenbarung des Geistes“, sagt die junge Künstlerin. Sie möchte dem Betrachter ihrer Bilder Freude, Glauben, Dankbarkeit, Optimismus und die Fähigkeit zu Lieben vermitteln. „Was mich immer wieder fasziniert ist, dass sich viele junge Leute und Kinder von meiner Kunst angesprochen fühlen“, sagt sie mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht und fährt fort: „Das beeindruckt mich am meisten!“

Ihre Arbeiten zeigte sie das erste Mal bei einer Gemeinschaftsausstellung in Sofia im Jahr 2009. Nur zwei Jahre später erhielt sie unter 600 Künstlern den ersten Preis für „Abstrakte Malerei“ in Moskau. Kurz darauf hatte sie die Ehre ihre erste Soloausstellung in New York haben zu dürfen. Ihre Werke werden inzwischen weltweit verkauft. Ihre Erfolge sind beeindruckend, doch die Künstlerin wirkt nach wie vor sehr bodenständig und weiß, dass dieser Erfolg nicht nur mit viel Glück, sondern auch mit sehr viel Arbeit und Fleiß verbunden ist. Sie arbeitet sehr konsequent und zielstrebig an ihren Arbeiten. Es gehört neben Kreativität und Talent auch sehr viel Planung und Koordination dazu Ausstellungen weltweit zu organisieren. Sie sagt, sie sei ein Workaholic. Womit sie wohl recht hat, wenn man einen Blick auf ihren straffen Zeitplan wirft: 20 Kunstausstellungen pro Jahr und das weltweit.

Foto: Kristina Sretkova

Kristina Sretkova liebt ihren Beruf. Foto © Kristina Sretkova

Ihre Bilder müssen dafür immer rechtzeitig fertig sein. Sie werden sicher verpackt und in die jeweilige Stadt der Ausstellung verschickt. Flyer und Broschüren müssen erstellt werden und auch vor Ort muss alles organisiert sein. Vor einer Ausstellung hat sie gar keine Freizeit. Urlaub muss sie Monate im Voraus planen.

Kristina lehnt sich in ihrem braunen Pullover an die Wand, streicht sich eine ihrer langen, braunen Strähnen aus dem Gesicht und lächelt. Sie nimmt ihre linke Hand, legt sie wie selbstverständlich auf ihr Herz und sagt mit sanftmütiger Stimme: „Während ich male, fokussiere ich mich auf meine innere Welt und höre dabei auf meine innere Stimme, indem ich meine Intuition, Rhythmus, Intelligenz und Inspiration einsetze. Somit projiziere ich mein inneres Licht auf die Leinwand“, Kristina Sretkova. Sie deutet stolz mit ihrer rechten Hand auf ihr Bild „Elevating III“. „Das Licht sollte hier zum Bild hineinstrahlen und dann wieder herausleuchten.“

Foto: Kristina Sretkova

Kristina vor ihrem Werk „Elevating III“.  Foto © Kristina Sretkova

Dr. Sylke Wunderlich, freiberufliche Kunsthistorikerin und Designwissenschaftlerin, kennt die Berliner Künstlerin. „Kristina malt verschiedene Stufen von Lichtern, tiefe Gewässer und lodernde Feuer. Sie nutzt dabei die Kraft der Elemente und die primären Stärken der Natur. Ihre Bilder spiegeln einerseits sinnliche Momente, aber bringen auch starke Widersprüche zum Ausdruck.“ All das erzielt sie durch verschiedene Farben und Formen. Sie sei spontan, intuitiv und voller Kreativität. Ihre Werke seien spannend und leidenschaftlich, erzählt die Kunsthistorikerin weiter. „Und alles ist voll von starken Emotionen – direkt aus dem Herzen. Sie bringt so ihre künstlerische Freiheit zum Ausdruck“, sagt die 56-jährige gebürtige Leipzigerin über Kristinas Werke.

Website der Künstlerin: http://www.kristina-sretkova.com

Bento – Essbare Kunst für Anfänger

Bunt: Bentos zeichnen sich durch verschiedene Formen und Farben aus (Foto: Onat)

Ob auf dem Schulhof, im Büro oder bei einem Picknick: Irgendwann tritt der Zeitpunkt ein, in dem man das mitgebrachte Essen hervorholt und hofft, dass es einem mundet. Besonders bei Kindern ist es schwierig, gesundes und ausgewogenes Essen schmackhaft zu machen. Durch essbare Kunst hat man in Japan dieses Problem beseitigt: In „Bento“-Boxen – vergleichbar mit den Vesper- und Lunch-Boxen hierzulande – werden beliebte Figuren und Charaktere hergezaubert, die den Kleinen große Freude beim Essen bereiten. Da sich die tragbare Ration an Kunst aber auch bei Erwachsenen großer Beliebtheit erfreut, finden sogar nationale Bento-Wettbewerbe statt.

Prall gefüllt: Nur so überleben die Kunstwerke den Transport (Foto: Onat)

Die Regeln der Kunst
Da „Bento“ lediglich die Darreichungsform der Speisen in Bento-Boxen umschreibt, ist die Theorie schnell erklärt: Verschiedene Lebensmittel werden durch Trennwände separat in einem Behälter angerichtet. Für eine ausgewogene Ernährung sollte ein Bento dabei aus drei Teilen Kohlenhydraten, zwei Teilen Proteinen und einem Teil Gemüse bestehen. Das traditionelle, japanische „Washoku“-Prinzip ist eine weitere Möglichkeit der Bento-Herstellung. Hierbei soll durch saisonale Produkte, der schonenden Zubereitung und der besonderen Form des Anrichtens die Harmonie der Natur widergespiegelt werden. Für diese Bento-Form werden die einzelnen Speisen je nach fünf Farben, fünf Geschmacksrichtungen, fünf Zubereitungswegen oder den fünf Sinnen entsprechend gewählt.

Essbare Kunst für Anfänger
Damit die essbaren Kunstwerke auch den Transport überstehen ist es wichtig, die Tragebox bis zum Anschlag zu füllen und keine Freiräume zu lassen. So wackeln keine Lebensmittel oder werden hin- und her gerüttelt. Zudem sollten nur abgekühlte Speisen eingepackt werden, da sich sonst Kondenswasser und Keime bilden können. Hat man wiederum keine Bento-Box mit Trennwänden zur Verfügung, kann man sich diese selbst herstellen: sei es durch Muffin-Förmchen, Silikonformen, Salatblättern oder ähnliches.

Eier in Herz-Form
Zwar gibt es für die Herstellung von Formen und Figuren kleine, nützliche Helfer, allerdings lässt sich dies durch Kreativität auch selbst bewerkstelligen. Mit einem Tetra-Pak, einem Stift und Gummibändern lassen sich gekochte Eier problemlos in Herzen verwandeln: Hierfür zunächst ein Rechteck aus dem Tetra-Pak schneiden und längs in der Hälfte falten. Nun das frisch gekochte, warme Ei darauf platzieren und mit einem Gummiband einen Stift auf dem Ei fixieren. Nach zehn Minuten kann das Ei bereits halbiert werden, sodass zwei Herzen daraus entstehen.

Rührei-Sonnenblumen

Gerollt: Schnell lässt sich aus einem Rührei eine Blume herzaubern (Foto: Onat)

Fertig zubereitete Eier lassen sich – ähnlich wie Toastbrot, Käse und Wurst – mit Plätzchen-Ausstechern schnell zu verschiedenen Dekorationselementen ausschneiden. Doch diese Rührei-Blumen erblühen sogar ganz ohne Hilfsmittel: Ihr braucht lediglich das fertige Rührei zur Hälfte zusammenklappen und zu einem Rechteck ausschneiden. Nun die gefaltete Seite mit kleinen Einschnitten versehen und ein Würstchen darin einrollen. Für die vegetarische Variante lässt sich das Würstchen durch Spargel oder Karotten ersetzen – oder einfach ganz weglassen. Auch hier lässt sich für rosa Blumen eine Scheibe Wurst verwenden.

Gestreift: Nicht nur Formen, sondern auch Farben sollten Abwechslung bieten (Foto: Onat)

Gestreifter Käse
Wer aus Käse nicht einfach nur Formen ausstechen möchte, kann durch farbliche Kontraste den Käse richtig in Szene setzen. Hierfür einfach dunklere und hellere Scheiben abwechselnd übereinander stapeln und mit einem Messer in dünne Scheiben schneiden. Kombiniert man dabei Wurst-Scheiben, erzeugen diese rosa Streifen. So machen die ausgestochenen Figuren gleich mehr her. Übrigens erleichtert eine Folie zwischen dem Käse und der Ausstechform das Herauslösen aus dieser.

Aufgespießt: Mit einem Zahnstocher lassen sich verschiedene Elemente fixieren (Foto: Onat)

Pokemon- und Super-Mario-Eier
Für diese essbaren Party-Hingucker benötigt ihr lediglich gekochte Eier, kleine Tomaten, etwas Käse, Zahnstocher und getrocknete Algen-Blätter – auch Nori genannt. Halbiert die Eier und Tomaten und steckt mit einem Zahnstocher jeweils eine Ei- und eine Tomatenhälfte zusammen. Nun müssen lediglich aus dem Käse und den Algen die übrigen Dekorationselemente herausgeschnitten werden. Für kleine Elemente eignet sich am besten eine Schere.

Essbare Farben
Um essbare Kunstwerke zu erschaffen, benötigt man nicht nur verschiedene Formen, sondern vor allem Farben. Da in Japan künstliche Lebensmittel verpönt sind, greift man auf natürliche Lebensmittel zurück: Beispielsweise lassen sich Reis und Eier durch etwas Kurkuma oder Curry-Pulver gelb färben. Ketchup sorgt in den Speisen für eine rötliche Färbung. Für ein zartes Rosa eignet sich Rotkohl – in Kombination mit Essig ergibt dieses wiederum einen hellen Blauton. Durch dunkle Sojasauce entsteht schnell ein sattes Braun. Wer den Reis anschließend formen möchte, tut dies am besten, indem er ihn in Folie wickelt und diese dann in die gewünschte Form bringt. So bleibt nichts an den Händen kleben.

Aufgefächert: Mit nur wenigen Schnitten wird ein Apfel zu einem Blatt (Foto: Onat)

Apfel-Blätter
Hierfür einen Apfel vierteln und das Kerngehäuse entfernen. Eines der Viertel nehmen und der Länge nach schräg auf beiden Seiten einschneiden. Dadurch sollte ein kleineres Apfelstück herauskommen. Dieses nun erneut so einschneiden und mit den entstehenden Stücken ebenso verfahren. Die einzelnen Teile braucht ihr nur noch auseinander zu fächern, um ein Blatt daraus zu legen. Mit einfachen Tricks lassen sich somit selbst aus einzelnen Zutaten kleine Kunstwerke erschaffen, die nicht nur Kinderherzen höher schlagen lassen.

Vorschau: Nächste Woche geht es im vierten Teil unserer Reihe weiter mit der gesunden Ernährung.

Kultur = Kunst = Langeweile? Ein kritischer Blick

In der Betriebswirtschaft ist es normalerweise so, dass neue Produkte, die auf den Markt kommen, eine bestimmte Zielgruppe – auch in Bezug auf ein bestimmtes Alter – bedienen sollen.

Doch wer hat eigentlich für das Produkt „Kunst“ ein Publikum ausgewählt? Wer ist für die Vermarktung von Kunst verantwortlich? Sind es lediglich die Menschen, die Bilder malen, oder steckt doch viel mehr dahinter?

Fragen über Fragen. Die wichtigste allerdings ist: Woher kommt der weit verbreitete Irrglaube, dass Kunst zwangsläufig eine Form von Langeweile ist? So zumindest sehen es viele junge Menschen der heutigen ‚Selfie‘-Generation. Also die 12- bis 19-jährigen Jungs und Mädels, deren Ziel es zu sein scheint, das Thema Kultur möglichst weit von sich fernzuhalten, ohne zu wissen, welche Faszinationen es birgt oder bergen kann. Würde man diese Generation nach dem Namen Freud fragen, kommt einigen wahrscheinlich sogar Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, in den Sinn. Doch die Anzahl derer, die mit dem Namen eine weitere einflussreiche Person verbinden, ist wohl gering. Lucian Freud:„Mh? Wer ist das denn? Ist der mit dem Sigmund verwandt?“ Ja, ist er! Glück gehabt und schon steigt das Selbstwertgefühl. Doch was hat es mit ihm auf sich? Dass er ein bedeutender Künstler war und Modell stand für das laut Handelsblatt aktuell teuerste, mit rund 142 Millionen Dollar dotierte Gemälde der Welt namens „Three studies of Lucian Freud“, fällt für viele wiederum in die Kategorie „Langeweile“. Genau diese jungen Menschen wären allerdings erstaunt, wenn sie vor dem Bild stehen würden und nicht nur die Kunst per se, sondern vor allem den Preis dafür im Kopf hätten. Hiermit ist jedoch schon ein wichtiger Meilenstein für eine Art der Aufmerksamkeit für die Kunst gelegt. Sie löst Emotionen aus, auch wenn es weniger die Technik oder die Geschichte des Malers, als vielmehr augenscheinlich utopische Summen sind, mit denen einige Kunstwerke gehandelt werden.

Es gibt zahlreiche Formen von Kunst. Der volkstümliche Gedanke an Farbe und Papier spielt dabei zwar eine wichtige Rolle und ist keineswegs von gestern, zeigt aber nicht die alleinigen Dimensionen auf, in denen wir uns heutzutage in diese Richtung der Kultur bewegen. Wer zum Beispiel durch Großstädte wie Berlin oder Köln geht, ist der Kreativität, die Kunst ausmacht, nicht selten ausgesetzt.

Eine Bereicherung für Passanten: Streetart auf andere Weise (Foto: Polypix)

Eine Bereicherung für Passanten: Streetart auf andere Weise (Foto: Polypix)

Wobei sich „ausgesetzt“ in diesem Zusammenhang negativer anhört, als es ist. Vielmehr löst es Erstaunen aus, wenn man mitten in der Fußgängerzone auf die metergroße Darstellung einer Gletscherspalte trifft, bei der entweder jeder Passant stehen bleibt, oder aber vorsichtig vorbeiläuft, um nicht hinein zu fallen. Die Rede ist von sogenannter „3D Streetart“, die genau darauf ausgelegt ist. Menschen aus ihrem Alltag zu reißen und in den Zustand des positiven Erstaunens zu versetzen. Niemand wird emotionslos vorbeigehen. Jeder wirft beim Vorbeigehen Blicke auf jene, die für ein solches Kunstwerk verantwortlich sind. Der Künstler braucht weder Pinsel noch Papier – das öffentliche Gut des Asphalts und herkömmliche Kinderkreide reichen aus. „Wahnsinn!“, „Diese Effekte!“, „Papa, ich mag da nicht drüber laufen, sonst fall ich da runter!“ Solche Sätze sind Ziel bei dieser Art der Begeisterung für Kunst und Indiz dafür, dass „3D Streetart“ bei allen Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder kultureller Ausrichtung, funktioniert.

Der einzige Nachteil: So lange die Entstehung eines solchen Kunstwerks auch an Zeit benötigt, so vergänglich ist es bei einem Unwetter. Nicht aber in Gedanken.

Vorschau: Am Freitag, 26. Dezember erfahrt ihr mehr über Phillyjesus.