Gut vorbereitet ins Auslandsssemester – eine Checkliste

Mittlerweile gehört es fast schon bei jedem Studenten zum Studiumsverlauf dazu: Das Auslandssemester. Ein halbes Jahr an einer Universität im Ausland studieren, neue Leute, Länder und Kulturen kennen lernen. Das klingt nach einem großen Abenteuer, das viel Spaß machen kann. Eine gute Vorbereitung sollte dabei aber nicht unterschätzt werden. Face2Face hat euch daher eine Checkliste mit den Dingen zusammengestellt, die man vor seinem Start in das Auslandssemester unbedingt noch erledigt haben sollte, damit man seine Zeit vor Ort anschließend unbekümmert genießen kann.

1. Dokumente beantragen: Wenn ihr in ein außereuropäisches Land reist, braucht ihr einen Reisepass. Dieser hat eine Bearbeitungszeit von mindestens 6 Wochen, also rechtzeitig beantragen! Gleiches gilt für ein Visum und den Antrag für ein mögliches Auslandsbafög. Einen internationalen Führerschein bekommt ihr direkt ausgestellt, wenn ihr bereits einen EU-Scheckkarten-Führerschein und ein biometrisches Passbild besitzt.

2. Impfen lassen: Ein wenig Vorlaufzeit (8-6 Wochen) solltet ihr auch bei notwendigen Impfungen einplanen. Es gibt Ärzte, die sich auf Reisemedizin spezialisiert haben. Dort gibt man in der Regel seinen Impfass ohne Termin ab, füllt einen Fragebogen aus und bekommt dann seinen Termin bzw. seine Termine für die notwendigen Impfungen. Hinweise, welche Impfungen benötigt werden, erhaltet ihr auch auf der Internetseite des auswärtigen Amtes.

3. Kreditkarten beantragen: In fremden Ländern herrscht auch ein anderes Zahlungsmittel (Ausnahme in der EU), demnach müsst ihr euch auch darüber informieren, wie ihr am besten kostenlos Geld abheben und mit einer Karte bezahlen könnt. Beides liefert euch die Kreditkarte von Number26, die auch eine sehr gute App bereitstellt, mit der ihr eure Ausgaben im Ausland immer völlig unter Kontrolle und auf einem Blick habt. Eine sehr gute Ergänzung zur Number26 ist die Kreditkarte der DKB. Mit diesem Paket habt ihr sowohl eine Visa- (DKB), als auch eine MasterCard (Number26) und seid damit gegen eventuelle Ausfälle einer der beiden Karten abgesichert. Beide Karten kosten kein Geld und sind leicht online per Web-ID zu beantragen.

4. Auslandskrankenversicherung abschließen: Bei einem Auslandssemester befindet ihr euch länger im Ausland, als es durch eure Reise-Krankenversicherung abgesichert wäre. Ihr braucht demnach eine spezielle Auslandskrankenversicherung für diese Zeit. Informiert euch im Voraus gut über die einzelnen Konditionen der verschiedenen Versicherungen. Besonderen Wert solltet ihr auf einen 24-Stunden-Notruf-Service legen. Außerdem unterscheiden sich viele Krankenversicherungen im Falle eines Rücktransportes. Achtet darauf, dass eure Versicherung einen „medizinisch sinnvollen“ Rücktransport mit einschließt, und nicht nur einen „medizinisch notwendigen“. Alle weiteren Unterschiede solltet ihr direkt vergleichen. Die Young Travel Versicherung der „Hanse Merkur“ wurde an vielen Stellen empfohlen.

5. Handyvertrag stilllegen lassen: Woran viele im ersten Moment nicht denken, ist es, den Handyvertrag (falls vorhanden) für die Zeit im Ausland pausieren zu lassen oder zu kündigen, da man in dieser Zeit eine Prepaid-Karte des jeweiligen Landes verwenden wird. Hier räumt o2 beispielsweise eine Vorlaufzeit von zwei Wochen ein.

6. Informationen sammeln: Wenn man in ein fremdes Land reist, sollte man sich vorher auch unbedingt über dessen Kultur, Religion und Gepflogenheiten informieren. Wie sieht es beispielsweise mit der Kleiderordnung in der Universität aus? Welche Verhaltensweisen aus Deutschland sind dort eventuell verpönt? Informiert euch vorher über solche Dinge, damit ihr euer Auslandsssemester nicht direkt mit einem Sprung ins Fettnäpfchen beginnt. Außerdem kann ein Reiseführer nicht schaden, der euch schon einmal einen Überblick darüber gibt, was ihr gerne in eurem Zielland sehen würdet.

7. Unterkunft buchen: Ob ihr lieber vor Ort nach einer dauerhaften Unterkunft suchen wollt oder schon vorab in Deutschland etwas fest gemietet habt: Kümmert euch auf jeden Fall darum, dass ihr die erste Nacht irgendwo untergebracht seid. Wenn ihr beispielsweise nachts erst am Flughafen ankommt, ist es gold wert, wenn man bereits eine Unterkunft gemietet hat. Klärt auch ab, ob euer Hotel eventuell einen Flughafentransfer anbietet.

Das Literaturcamp, c’est nous

Eigentlich ist es noch nicht vorbei. Das sehe ich jeden Tag, wenn ich auf Twitter #litcamp16 lese, wenn ein neues Protokoll zu einer Sitzung eingestellt wird, wenn wir uns im Netz oder real wiedersehen. Dieses Gefühl der anhaltenden Verbundenheit hat das Literaturcamp Heidelberg, das am 11. und 12. Juni 2016 seine Tore geöffnet hatte, in mir hinterlassen. Dabei wäre ich um ein Haar gar nicht hingegangen.

Was ist das Literaturcamp?

Nicht alles ernst nehmen: Gilt auch für die Organisatoren beim Literaturcamp (Foto: Valentin Bachern, Litcamp-HD-247, Lizenz: CC-BY 2.0)

Nicht alles ernst nehmen: Gilt auch für die Organisatoren beim Literaturcamp (Foto: Valentin Bachern, Litcamp-HD-247, Lizenz: CC-BY 2.0)

Das Literaturcamp Heidelberg ist ein BarCamp zum Thema Literatur. Ein BarCamp wiederum ist eine Veranstaltung mit sehr freien Strukturen, bei der jeder Besucher Teilnehmer, Vortragender und Hörer zugleich ist. Die einzelnen Sitzungen – die Sessions – werden erst am Tag des Camps selbst festgelegt und eingeteilt. Jeder kann darum auch eine anbieten, spontan oder geplant. Alle Teilnehmer sind darum auch von Anfang an auf Augenhöhe. Alle für alle für das BarCamp. Aus Amerika herübergeschwappt ist das BarCamp eine Ableitung des 2003 zum ersten Mal veranstalteten FooCamps und kann prinzipiell zu jedem Thema veranstaltet werden. Das Literaturcamp hatte in dieser Form 2016 seine Prämiere. Und gerade weil so vieles erlaubt ist, ist die Organisation dahinter nicht wenig.

Frei, vegan und kinderlieb

Hinter dem Literaturcamp Heidelberg steckt keine riesige Gruppe, kein Konzern oder Verein, der die Strippen zieht, sondern im Grunde Menschen, die sich dann auch in Heidelberg getroffen haben. Literaturmenschen. Susanne von Literaturschock, in deren Session – es war meine letzte des Camps, die vom Regen ins Treppenhaus vertrieben ihren eigenen Kultstatus beanspruchte – es um die Professionalisierung von Blogs ging,

Spontan ins Treppenhaus gezogen: Session beim Literaturcamp Heidelberg (Foto: Valentin Bachern)

Spontan ins Treppenhaus gezogen: Session beim Literaturcamp Heidelberg (Foto: Valentin Bachern, Litcamp-HD-295 , Lizenz: CC-BY 2.0)

den Bloggern Nathan, Nils und Valentin, dem Medienmenschen Dirk und vielen, vielen weiteren, die lektorierten oder Marmelade kochten. Dass das Essen komplett vegan war, ahnte ich bereits, als einige Organisatoren sich beim Vorstellen als vegan bekannten. Geschmeckt hat es trotzdem. Auch den Kindern, die ich kurzerhand mitgenommen habe, denn außer Verpflegung gab es auch Kinderbetreuung und kein Murren, als mein Jüngster beim der Session von Dagmar Eckard zu „offline Aktionen für Buchblogger“ kurzerhand meine Tasche ausräumte und bei meinem eigenen Vortrag zur Mutterfigur in der Gegenwartsliteratur schließlich auf meinem Arm einschlief.

Vielfalt auf vielen Wegen

Spontane Vielfalt: Beim Literaturcamp werden die Vorträge erst am morgen vorgestellt (Foto: Valentin Bachern)

Spontane Vielfalt: Beim Literaturcamp werden die Vorträge erst am morgen vorgestellt (Foto: Valentin Bachern, Litcamp-HD-119, Lizenz CC-BY 2.0)

Vor allem aber war das Literaturcamp Heidelberg großartig. Großartig organisiert, großartig unkompliziert und offen, großartig vielfältig. Von Beiträgen für (Buch)Blogger, Autoren, Schreibende, Verlagsmenschen, Lektoren und Selbstveröffentlicher bis hin zu Meditationsübungen, einer Abendsitzung zu Sex und eine Begehung der alten Feuerwache, in der unser Camp untergebracht war, irgendwo war immer für jeden etwas dabei, schon allein, da sechs Sessions gleichzeitig stattfanden. Dass ich nicht alle besuchen konnte, die ich wollte, war dabei aber genauso inbegriffen. Trotzdem ging ich jeden Tag mit einem Haufen Eindrücke nach Hause, die ich jetzt noch nicht alle habe in Worte fassen können.

Immer wieder gern

Das Literaturcamp Heidelberg war aber gleichzeitig eine Veranstaltung, die vor allem auf Twitter ihre Kreise zog. Über 6500 Tweets wurden mittlerweile dazu abgegeben und es werden immer noch täglich mehr. Die Vernetzung der Teilnehmer, die sich bisher noch nicht gefolgt oder sonst irgendwie digital verbunden hatten, geschah so schnell und reibungslos, das ein berauschendes Wir-Gefühl uns noch immer zusammenhält. Das Literaturcamp, c’est nous. Dass es nächstes Jahr ein neues Literaturcamp geben wird, davon waren wir beim gemeinsamen Abschluss des Wochenendes bereits überzeugt. Und ich, die ich dieses Mal über ein Gewinnspiel an meine Karte gekommen bin, fiebere bereits dem nächsten Jahr entgegen, dem nächsten Literaturcamp Heidelberg.

Life in Japan: Tipps zum zurechtfinden in einer fremden Welt

Kunterbunte Lichter, viele Menschen, eine laute Geräusch-Kulisse, fremde Gerüche – der erste Eindruck auf den Straßen Tokios ist überwältigend. Die Mega-Stadt besticht durch schiere Masse. Überall ist man von leuchtenden Neon-Schilder, herumlaufenden Menschen und dudelnder Musik umgeben . Gleichzeitig ist aber – wie überall in Japan – alles sehr sauber und die Menschen super höflich – auch wenn die Verständigung etwas schwierig ist. Doch wie wie findet man sich zurecht in der fremden Welt?

Sitten kennen

Aufpassen: Wer immer die Augen aufhält, kann nicht viele Fehler machen (Foto: Möller)

Aufpassen: Wer immer die Augen aufhält, kann nicht viele Fehler machen (Foto: Möller)

Vor allem in Ländern, mit anderen Traditionen und Sitten ist es wichtig ich mit den Gepflogenheiten des Landes vertraut zu machen. So gilt es in Japan etwa als unschicklich, sich geräuschvoll auf der Straße die Nase zu putzen. Das laute schlürfen einer Suppe aber gehört zum guten Ton und signalisiert dem Gastgeber, dass es einem gut schmeckt. Auch nach dem Weg fragen kann in Japan schwierig werden – nicht nur herrscht eine große Sprachbarriere: Japaner verlieren nicht gerne ihr Gesicht und geben zu, dass sie etwas nicht wissen. Deswegen kann es passieren, dass einem ein freundlicher Passant – obwohl er den gesuchten Ort nicht kennt – zielsicher eine bestimmt Richtung zeigt. Diese muss jedoch nicht unbedingt stimmen.

Anpassen

Ausprobieren: Natp-Bohnen und Seetang-Salat zum frühstpck? Warum nicht (Foto: Möller)

Ausprobieren: Nato-Bohnen und Seetang-Salat zum Frühstück? Warum nicht (Foto: Möller)

Manchmal muss man ins kalte Wasser springen und sich anpassen. Etwa wenn es heißt, dass vor einem Besuch des Tempels, einer Wohnung, oder eines Restaurants mit Tatami-Matten die Schuhe ausgezogen werden müssen. Ganz einfach gelingt dies, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht und die Menschen links und rechts beobachtet. Und im Zweifel gilt: Wenn etwas falsch läuft, wird einen schon jemand darauf hinweisen. Auch beim Essen gilt: Anpassen und Ausprobieren. Lokale Spezialitäten – wie etwa die fermentierten Nato-Bohnen – mögen nicht jedem schmecken. Ein Erlebnis ist ihr Genuss aber auf jeden Fall und am Ende der Reise hat man eine Geschichte mehr.

Kommunizieren

Vor allem in Ländern, deren Sprache man nicht spricht fällt das Kommunizieren oft schwer. Wenn dann noch eine gewisse Englisch- Unverständigkeit hinzukommt, will man anfangs gerne mal verzweifeln. Doch auch das gehört zum Urlaubsfeeling dazu. Einfach ein kleines Wörterbuch einstecken und im Falle eines Falles – etwa bei Allergien und Unverträglichkeiten beim Essen – dem Gegenüber  den Begriff im Wörterbuch zeigen. Auch mit Händen und Füßen lässt sich sehr gut kommunizieren – wobei man hier darauf achten sollte, dass für uns normale Gesten nicht überall auf der Welt das gleiche bedeuten.

Vorschau: Nächste Woche gibt es hier ein Rezept für einen leckeren Auberginen Salat.

Karneval der Kulturen – „Andere Länder, andere Sitten“

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Gehört für die Deutschen zum Karneval dazu: Konfetti, Luftschlangen, Verkleidungen und „Faschingskrapfen“ (Foto: Alexandra H./ pixelio.de)

Der Startschuss für die „jecke Zeit“ ist bereits am 11.11 um 11:11 Uhr gefallen und seitdem sind schon einige Prunk- und Kappensitzungen abgehalten worden. Das große „Finale“ der Karnevalszeit steht uns jedoch jetzt erst kurz bevor. Ein besonderes Highlight stellen dabei selbstverständlich die Rosenmontagszüge in den Fastnachtshochburgen Mainz und Köln dar, doch auch in anderen Teilen Deutschlands wird sich verkleidet, mit Kamellen geworfen und ausgelassen auf der Straße gefeiert. Doch während sich auch hierzulange die Bräuche teilweiße schon stark unterscheiden – so ist die in Köln traditionelle „Nubbelverbrennung“ am Karnevalsdienstag im Süden Deutschlands weitestgehend unbekannt – ist es noch interessanter, sich passend zur 5. Jahreszeit einmal den Karneval in anderen Kulturen anzuschauen. Klar, jeder hat schon einmal vom berühmten brasilianischen Karneval mit den farbenprächtigen Umzügen und seinen freizügigen Samba-Tänzerinnen und Tänzern gehört, doch wie sieht es aus mit den Traditionen in Russland, den USA oder unserem Nachbarn, der Schweiz?

Die „Butterwoche“ in Russland: Pfannkuchen, Volksmusik und sportliche Wettkämpfe

Karneval wird in Russland „Maslenitsa“ genannt, was so viel heißt wie „Butterwoche“. Und tatsächlich war es früher üblich, dass an diesen Tagen vorwiegend Nahrungsmittel aus Milch verzehrt wurden. Auch heute ist es noch üblich an Karneval heiße Pfannkuchen, traditionell mit Honig, Kaviar und Wodka, zu verzehren. Dabei wird zu russischer Volksmusik getanzt und sich in sportlichen Wettkämpfen gemessen, wie beispielsweise dem Hochklettern an Holzpfählen. Ähnlich wie die bereits angesprochene Nubbelverbrennung in Köln bildet auch in Russland das Anstecken der sogenannten „Maslenitsa-Puppe“ den Höhepunkt der Veranstaltung – sie soll den Winter vertreiben und das Frühjahr einläuten.

Bunte Paraden in New Orleans – Der „Mardi Gras“

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Ob „Mardi Gras“, Fasching oder Karneval: Gefeiert wird in der 5. Jahreszeit beinahe überall auf der Welt. (Foto: Timo Klostermeier/ pixelio.de)

Der Name „Mardi Gras“ für den Karneval in den USA kommt aus dem Französischen und heißt übersetzt „fetter Dienstag“. Seinen Ursprung hat diese Bedeutung im Religiösen: Früher hat man kurz vor Beginn der Fastenzeit darauf geachtet, nochmals besonders fett- und reichhaltige Nahrungsmittel zu sich zu nehmen – die sogenannte „Woche der sieben fetten Tage“. Der letzte Tag vor Aschermittwoch war demnach der „Fette Dienstag“, also „Mardi Gras“. Inzwischen werden alle Veranstaltungen zwischen dem 11.11 und dem Aschermittwoch so bezeichnet – und besonders New Orleans ist für seinen ausgelassenen „Mardi Gras“ bekannt. Die Paraden, die um diese Zeit durch die Straßen ziehen, sind von unterschiedlichsten kulturellen und musikalischen Eindrücken geprägt und sind so vielfältig wie ihre Besucher. Traditionell werden statt Süßigkeiten Perlenketten und Münzen aus Plastik von den Wägen geworfen. Gegessen wird der „Königskuchen“ (King Cake), angereicht mit Kaffee, Zimt, Beeren und Sahne – häufig eingefärbt in den Farben des „Mardi Gras“: violett, grün und gold.

Ein Umzug vor Sonnenaufgang – der düstere Karneval in Basel

Während sich der Karneval in den meisten Teilen der Welt tagsüber mit lauter Musik und bunten Kostümen abspielt, bildet in Basel der sogenannte „Morgestraich“ den Auftakt der Karnevalszeit – und das nicht nur am Montag nach Aschermittwoch, sondern auch um vier Uhr morgens! Zu diesem Zeitpunkt wird in der ganzen Stadt die Straßenbeleuchtung abgestellt, das einzige Licht kommt noch von den Laternen der sogenannten „Fastnachtscliquen“. Diese Gruppen von maskierten Pfeifern und Trommlern ziehen dann durch die Straßen von Basel und sorgen für eine einzigartige Atmosphäre. Das Spektakel geht 72 Stunden, innnerhalb derer die meisten Kneipen und Wirtschaften durchgehend geöffnet haben. Dort wird gefeiert und traditionelle Fastnachtsspeisen, wie zum Beispiel Mehlsuppe oder „Käsewähe“ (Käsekuchen) gegessen.

…. Und noch ein Tipp zum Schluss:

Wie man sieht, gibt es die unterschiedlichsten Wege und Traditionen, wie man Karneval verbringen kann, doch eines ist fast überall gleich: Die Menschen kommen zusammen, um ausgelassen zu feiern und das Leben zu genießen. Solltet ihr Lust bekommen haben, auch innerhalb Deutschlands mal ein Fest der etwas anderen Art zu feiern, würde ich den „Karneval der Kulturen“ in Berlin empfehlen – auch hier treffen die unterschiedlichsten Musik- und Lebensstile zusammen, um eine einzigartig vielfältige Parade zusammen zu stellen.

Level up – Videospiele erobern die Wissenschaft

Eine Uni, die sich für Computer- und Videospiele interessiert – das Traumgebilde eines Gamers? Keineswegs. Die Japanologie der Universität Leipzig hat im Rahmen des Bereiches „Japan im Zeitalter der neuen bzw. digitalen Medien“ die Erforschung japanischer Videospiele zu einem ihrer zentralen Forschungsgebiete gemacht.

Seit mehr als vierzig Jahren haben sich digitale Spiele zu einer der beliebtesten Unterhaltungsmöglichkeiten entwickelt. Nicht nur in Japan sind seine Videospiele populär. Sie üben seither einen starken Einfluss auf die Spielkultur weltweit aus. Man denke nur an die Nintendoklassiker wie Super Mario Bros. oder The Legend of Zelda.

Universität Leipzig Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften Ostasiatisches Institut / Japanologie Juniorprofessor Dr. Martin Roth (Foto: Swen Reichhold / Pressestelle der Universität Leipzig)

Die Japanese Videogames Research Initiative – die Initiative zur Erforschung japanischer Videospiele ist noch sehr jung. Erst 2015 wurde sie von Dr. Martin Roth, dem Leipziger Juniorprofessor für Japanologie, ins Leben gerufen. Schon seine Dissertation schrieb er über die politischen Potentiale japanischer Videospiele. Nun forscht er auf dem Gebiet „Japan im Zeitalter der neuen bzw. digitalen Medien“. Bei seiner Doktorarbeit stieß er auf das Problem, dass viele der japanischen Videospiele hier in Deutschland nicht oder zumindest schwer zugänglich sind. Genauso verhält es sich mit der benötigten Technik. Doch für die ernsthafte wissenschaftliche Beschäftigung ist die unbehinderte Zugänglichkeit unabdingbar. So kam ihm die Idee eine Sammlung der Spiele zu beginnen, um sie für Forschung, Studium und Lehre erreichbar zu machen.

Ein wichtiger erster Schritt zum Traum von einer der größten Sammlung japanischer Videospiele war kürzlich die Schenkung von 4500 Spielen der japanischen CERO – der Computer Entertainment Rating Organization. Sie kümmert sich um die Bewertung von Computer und Videospielen. „Damit war ein guter Anfang für eine solche Sammlung in Leipzig geschaffen, die wir nun erschließen und hoffentlich in Zukunft ausbauen können“, beurteilt Roth die Schenkung. Leider kann er bisher nicht viel über deren Inhalt sagen, da gerade erst damit begonnen wurde, die Kisten zu öffnen. Derzeit besteht die Sammlung außerdem noch aus den Spielen, die Roth im Rahmen eines Seminars für die Studenten angeschafft hatte.

Durch die Initiative sollen Informationen über die Spiele und deren Kultur gesammelt werden. Die Forschungsschwerpunkte liegen dabei in verschiedenen Richtungen. Zum ersten sind das die Inhalte und das Spielgeschehen. Dabei wird vor allem auf die Ausdrucksmöglichkeiten, Kreativität und deren Bedeutung geachtet. Eine zweite Perspektive ist der gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Einfluss, den die Spiele haben.
Weiterhin wird betrachtet, welche Auswirkungen die Globalisierung und die Ausdehnung eines weltweiten Marktes auf die Entwicklungs-, Produktions-, und Konsumbedingungen mit sich bringen.

Noch ist nicht bekannt, welche Schätze man aus CEROs Kisten hervorholen wird (Foto: Martin Roth / Universität Leipzig)

Außerdem beschäftigt sich die Initiative sowohl mit der historischen Bedeutung, wie zum Beispiel dem Verhältnis zwischen der Nachkriegsgeschichte Japans und des Entstehens der Spielekultur, als auch mit den zukünftigen Entwicklungen der Spielkultur.
Zuletzt liegt ein besonderes Augenmerk darauf, wie die japanische Spielkultur von außen betrachtet wird. Dazu kann übrigens jeder beitragen, denn auf der Webseite jGames wird dazu aufgerufen, seine Assoziationen und Erinnerungen an die gefundenen Spiele mitzuteilen.
Die Ergebnisse der Forschungen sollen anschließend der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Doch nicht nur die Forschung interessiert sich für die Spiele. Sie können dazu verwendet werden die Geschichte, Kultur und Sprache Japans besser zu verstehen. Es soll sogar ein eigenes Spiel zum Erlernen des Japanischen entwickelt werden.

Um die Initiative voranzubringen, will Roth mit internationalen Forschern zusammenarbeiten. Workshops und Tagungen sollen den Austausch mit interessierten Organisationen, Spieleherstellern und Forschern unterstützen

Wie genau die Schenkung von CERO aussieht wird sich bald zeigen. Auf dem 1box/week blog wird in Kürze jede Woche über die Funde berichtet. Es bleibt also spannend!

Vorschau: Nächste Woche könnt Ihr hier Elisabeths Nachruf auf Henning Mankell lesen.

Erlebnis Buchkauf – drei preisverdächtige Heidelberger Buchhandlungen

Zum ersten Mal wird am Donnerstag, 17. September der Deutsche Buchhandlungspreis verliehen. Das Ziel der Auszeichnung: Sie soll inhabergeführte Geschäfte gegenüber dem Internethandel und den großen Ketten fördern. Mit von der Partie sind auch drei Heidelberger Buchhandlungen.

„Sie müssen nicht in den Amazonas reisen, wenn es Bücher bei Ihnen um die Ecke gibt.“ – Eine Tafel mit diesem Werbeschriftzug des Diogenes Verlags steht vor der kleinen Bücherstube an der Tiefburg in Handschuhsheim.
Neben Hassbeckers Galerie & Buchhandlung und artes liberales ist sie eine von drei Heidelberger Buchhandlungen, die für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert sind.
Er wird in der kommenden Woche in Frankfurt durch Prof. Monika Grütters, die Staatsministerin für Kultur und Medien, vergeben.
108 Buchhandlungen in ganz Deutschland sind nominiert. Laut der offiziellen Seite des Preises sollen sie alle folgenden Kriterien erfüllen: Sie müssen ein kulturelles Veranstaltungsprogramm bieten, sich für die Lese- beziehungsweise Literaturförderung einsetzen, ein besonderes literarisches Sortiment vertreten und ein innovatives Geschäftsmodell haben. Dabei darf ihr durchschnittlicher Jahresumsatz der letzten drei Jahren eine Million Euro nicht überschritten haben. Der Preis ist in drei Kategorien von Gütesiegeln unterteilt, sodass alle 108 prämiert werden können.

Eine freundliche Einladung zum Stöbern (© Bücherstube an der Tiefburg)

Die Bücherstube an der Tiefburg setzt sich vor allem für die Leseförderung bei Grundschulkindern ein und bietet ein äußerst vielfältiges Kulturprogramm. Dieses reicht von einer Kinderlesenacht über ein Gartencafé im Sommer bis hin zu Autorenlesungen und Literaturreisen auf den Spuren verschiedener Schriftsteller.
Seit 1982 gibt es die Bücherstube. Sie ist trotz des zweimaligen Umzuges schon seit langem ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Handschuhsheim. Obwohl sie in 33 Jahren auch um 85 m² gewachsen ist, herrscht hier immer noch eine familiäre Atmosphäre. Im kleinen Hof neben der Buchhandlung befindet sich ein Garten, der teilweise mit Ranken überwachsen ist und mit Cafétischen und Strandkorb bei gutem Wetter dazu einlädt, eine Weile zu verweilen.

„Wir legen besonders großen Wert auf persönliche Beratung und eine enge persönliche Bindung zu unseren Kunden. Es ist wichtig die Kunden zu kennen“, erklärt Regina Kaiser-Götzmann, die Inhaberin der Buchhandlung. Sie findet es gut, dass durch den Preis gezeigt wird, was der Buchhandel leistet. Deshalb hat sie sich für die Bewerbung entschieden.

Die zweite Buchhandlung ist artes liberales am anmutigen Kornmarkt.
Auch sie ist von hier, nicht mehr wegzudenken. Nur aus einem einzigen kleinen Raum bestehend, ist das Sortiment nicht besonders groß, aber sorgfältig ausgewählt. Der

© artes liberales - Buchladen, Heidelberg 2015

Ein Ort zum Schmökern und Verweilen: Die Buchhandlung artes liberales (© artes liberales – Buchladen, Heidelberg 2015)

Schwerpunkt der Buchhandlung liegt auf der Philosophie, aber auch auf mit ihr verbundenen Gebieten wie Dichtung, Künsten und Wissenschaften. Es folgt demnach nicht den aktuellen Bestsellerlisten und Empfehlungen, sondern enthält auch Schriften, die mitunter über 2000 Jahre alt sind. Artes liberales bietet auch ein großes Kulturprogramm und zwar über die zugehörige Organisation artes liberales-universitas. Dazu gehören Kolloquien, Vorträge und Lesungen.
Sehr wichtig ist Clemens Bellut, Inhaber der Buchhandlung, eine einladende Atmosphäre. „Wenn jemand sich den ganzen Tag oder auch nur einige Stunden in den Liegestuhl setzt und ein Buch liest, ist das schon ein großer Gewinn für die Buchhandlung“, erklärt er. Willkommen sei auch immer das persönliche Gespräch. Tatsächlich steht in der Buchhandlung ein Liegestuhl, direkt am Fenster, das weit nach oben geschoben werden kann, sodass man den Eindruck hat, man sitze draußen. Drum herum reichen die Regale bis unter die Decke, doch die großen Fenster sorgen stets für viel Licht.

Hassbeckers Galerie & Buchhandlung in der Haspelgasse ist die dritte der nominierten Heidelberger Buchhandlungen. Inzwischen führt Barbara Schulz die Buchhandlung weiter, die ihr verstorbener Lebensgefährte Egon Hassbecker ursprünglich in Eberbach gegründet hatte.
Die Galerie und die Buchhandlung sind inzwischen untrennbar miteinander verbunden. Das Sortiment wird mit viel persönlichem Interesse ausgewählt und bietet eine große Bandbreite.
Zudem gehört zu der Galerie und der Buchhandlung auch das Museum im Haus Cajeth. Teil des Programms sind unter anderem Lesungen, Buchvorstellungen und natürlich die Ausstellungen des Museums. Sie zeigen Bilder naiver und primitiver Künstler, deren Bilder auch an den Wänden der Buchhandlung zu finden sind. Im ersten Zimmer sind die Wände frei von Regalen geblieben, um Platz für die Bilder zu bieten. Weiter hinten, im verwinkelteren Teil der Buchhandlung, sind die Regale so hoch wie die Räume selbst, das Ambiente erinnert an ein Antiquariat mit heimeliger Atmosphäre.

Wer sich also einmal wieder ein Buch kaufen möchte, sollte in jedem Fall einmal eine der Buchhandlungen ausprobieren. Und wer weiß – vielleicht hat er dann bald ein Buch aus einer der drei besten Buchhandlungen in Deutschland?

Vorschau: Am Freitag den 25. September lest Ihr Vanessas Filmkritik zu Fack ju Göhte 2.

Herz verloren in Bosnien

Nach dem Abitur wollte ich in die weite Welt hinaus. Gelandet bin ich in Bosnien. Rund 1000 Kilometer entfernt von München, in der Stadt Tuzla, deren Name sich vom türkischen Wort Tuz (Salz) ableitet, wovon sich unter der Stadt reichlich verbirgt.

Eine Lehrerin nannte meine Entscheidung damals mutig. Ich stach mit Bosnien auch wirklich aus der Reihe. Work und Travel in Australien stand hoch im Kurs. Vielleicht auch ein Aufenthalt in einem afrikanischen Land. Mit dem Backpack durch Asien. Aber ein Freiwilliges Soziales Jahr in Bosnien? Auf eine solche Idee, war niemand aus meinem Abitur-Jahrgang gekommen. Meiner Lehrerin waren vermutlich sofort die grauenhaften Bilder vom Krieg in den 90-er Jahren durch den Kopf geschossen. Doch dieser war immerhin zu diesem Zeitpunkt (2009) schon 14 Jahre vorbei.

Die Brücke über die Drina - viele alte Brücken sichtet man in Bosnien (Foto: Julian Nitzsche  / pixelio.de)

Die Brücke über die Drina – viele alte Brücken sichtet man in Bosnien (Foto: Julian Nitzsche / pixelio.de)

Meine erste lebhafte Erinnerung an Bosnien ist die Ankunft. Nach einer nicht enden wollenden Busfahrt, kamen wir in den frühen Morgenstunden am Busbahnhof der drittgrößten Stadt Bosniens in Tuzla an. Die Familie, in deren Haus wir im obersten Stockwerk ein Jahr lang wohnen würden, erwartete uns bereits und hievte unser Gepäck in einen VW Golf. Ein Auto, das das bosnische Straßenbild beherrscht. Im Wohnzimmer der Familie wartete Kaffee, frischgebackene Pita und Gemüse aus dem eigenen Garten auf uns. Es duftete verheißungsvoll. Wir waren nervös, müde und gespannt. Die Wärme und Herzlichkeit, die von unseren neuen Nachbarn ausging, erleichterte uns das Eingewöhnen unglaublich. Hier verbrachten wir viele Stunden. Übten uns in unseren ersten bosnischen Sätzen, für welche wir immer großes Lob einkassierten. Wobei unsere bosnischen Sprachkenntnisse ab und an auch lautes Gelächter entfachten, wenn eine von uns einen lustigen Fehler gemacht oder eine für die Region typische Redeweise verwendet hatte. Wie oft bog ich den kleinen Weg zu unserem Haus ein, sah von weiten bereits die Vermieterin oder  eine ihrer Töchter. Und schon war man zum Kaffeetrinken eingeladen. Kaffeetrinken. Das ist in Bosnien eine Zauberformel. Schnell begriffen ich und meine drei Mitbewohnerinnen, die ebenfalls ein FSJ machten, das Kaffeetrinken ein fester Bestandsteil des bosnischen Alltags war.

Kaffee und Rakija:. Ohne Kaffee geht hier gar nichts! (Foto: Mätzke-Hodzic)

Kaffee und Rakija:. Ohne Kaffee geht hier gar nichts! (Foto: Mätzke-Hodzic)

Ich arbeitete ein Jahr lang in einem Tageszentrum für junge Erwachsene mit Behinderungen, genannt Koraci Nade, zu Deutsch, Schritte der Hoffnung. Die Mittagspause war für gewöhnlich erfüllt von den lautstarken Gesprächen meiner durchweg weiblichen Mitarbeiterinnen, die eine Kaffeetasse nach der anderen schlürften. Einmal lehnte ich ab, als mir bereits zum x-ten Mal nachgegossen wurde. Als ich mich rechtfertigte, dass mein kleines Herz so viel Kaffee nicht vertrage, lachten sie – lauthals. Serviert wird der bosnische Kaffee für gewöhnlich in kleinen Tassen. Feingemahlenes Kaffeepulver wird in einem Gefäß (bosnisch dzezva) auf dem Herd kurz erhitzt, bis sich der Kaffeegeruch im ganzen Raum verbreitet, sodann wird kochendes Wasser hinzugegossen und der Kaffee einige Male zum Kochen gebracht, bis oben ein cremig, hellbrauner Schaum entsteht. Ich liebe dieses kleine Kaffeeritual. Heute finde auch ich es total überbewertet, wenn deutsche Freunde entgegnen, dass der Kaffee so stark sei. Mittlerweile trinke ich sogar abends Kaffee. Ganz gewöhnlich in Bosnien. Noch so eine bosnische Eigenheit: Reden. Ein Taxifahrer erklärte mir bei einer Fahrt, dass die Bosnier ein geselliges Völkchen seien und ihnen nie der Gesprächsstoff ausginge. Schweigen sei einfach nicht so ihr Ding. Für meine Arbeitsstelle traf das alle Male zu – es war eine Seltenheit, dass einfach mal Stille herrschte. Und tatsächlich ergaben sich oftmals ganz unerwartete Gespräche und Begegnungen während meines FSJ-Aufenthalts. An der Bushaltestelle. Oder in einer Kneipe. Und ganz plötzlich war man in ein Gespräch verwickelt und hatte nebenher ein paar neue Bekanntschaften gemacht.

Stadtzentrum Tuzla (Foto: Mätzke-Hodzic)

Stadtzentrum Tuzla  – die Stadt mit dem Salz unter der Erde (Foto: Mätzke-Hodzic)

Aber halt stopp. Weshalb genau habe ich mich denn nun in Bosnien verliebt? Des guten Kaffee wegen? Waren die spontanen Begegnungen ausschlaggebend? Eigentlich habe ich das Land erst so wirklich nach meinem Aufenthalt in mein Herz geschlossen. Plötzlich fing ich an mich mit Musik, Filmen und allem was in irgendeiner Weise mit Bosnien zu tun hatte, zu beschäftigen. Aber vielleicht sehnte ich mich da bereits nach dem Land zurück. Und einem besonderen Menschen, den ich dort kennengelernt hatte – meinem jetzigen Mann. Ich hatte mein Herz also sogar in doppelter Weise verloren. Egal wieviel Zeilen mir zur Verfügung stehen – es ist zu wenig um wirklich in Worte zu fassen, was mich an diesem Land begeistert.

Die Stadt Travnik - wo Kirchglocken läuten und der Muezzin zum Gebet aufruft (Foto: Die Brücke über die Drina - viele alte Brücken sichtet man in Bosnien (Foto: Julian Nitzsche  / pixelio.de)

Die Stadt Travnik – osmanisches Erbe wo man hinsieht (Foto: Foto: Julian Nitzsche / pixelio.de)

Komischerweise denke ich, wenn ich über Bosnien spreche, nicht als erstes an Krieg. Auch wenn dieser sichtbare und viele unsichtbare Spuren hinterlassen hat. Mir hat sich jedoch ein Land offenbart, das jenseits von Krieg und Brutalität, existiert. Ein Bild, das man vom diesem Land hier in Deutschland leider nicht vermittelt bekommt. Ich denke an die Landschaft, die von Bergen und türkisblauen Flüssen durchgezogen ist. An die Menschen, die lachen, auch wenn es viel zu beklagen gibt. Ein Land mit den unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen, die von der osmanischen Herrschaft, bis zur Österreichischen Monarchie reichen und sich im Essen, in der Architektur und ja, auch in der Mentalität der Menschen wiederspiegeln. Ein Land in dem sich der Ruf des Muezzins mit dem Läuten der Kirchglocken vermischt. Ein Land in dem alte Frauen, mit bunten Kopftüchern, in ihren Fluchkünsten, der Jugend in nichts nachstehen. Und ich muss meiner Lehrerin in einem Punkt recht geben: Ja, meine Entscheidung war durchaus mutig. Aber ich denke, dass jeder Mensch, der sich in ein fremdes Land begibt und versucht sich auf dieses einzulassen, mutig ist. Ob dies nun in Afrika, Asien oder Europa ist – das spielt keine Rolle.

Kunst und Kultur auf dem Fusion Festival 2015

Auf dem ehemaligen Militärflugplatz in der 500-Seelen Gemeinde Lärz bricht die Dämmerung herein. Erst jetzt werden sich die 60.000 Besucher, die jedes Jahr in die mecklenburgische Provinz pilgern, der Vielzahl von Kunstinstallationen gewahr, die ihr volles Potential erst mit Einbruch der Dunkelheit entfalten.

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Das Fusion Festival: Die Eintrittskarte zu Elektronischer Musik, Kunst und Kultur (Foto: Privat)

Zum 18. Male jährte sich Ende Juni dieses Jahres nun die Fusion – ein Musikfestival, das vor allem die Herzen elektronischer Musikliebhaber höher schlagen lässt. Während man auf anderen Musikfestivals den Tag auf den Zeltplätzen verbringt und sich die Zeit mit exzessiven Alkoholkonsum und stupiden Trinkspielen vertreibt, so bietet die Fusion ein attraktives Rundumprogramm. Denn was die wenigsten Nicht-Fusionisten wissen ist, dass das Festival auch ein vielseitiges Kulturprogramm für die Besucher bereithält.

Während eine Kreidetafel vor einem zum Theater umgebauten Flugzeughangar die nächste Vorstellung verkündet, läuft im Kinohangar ein Filmklassiker. Nur ein paar Meter weiter finden Vorträge und Lesungen statt, die sich mit solidarischen Wohnprojekten oder Blogschreibern aus Berlin beschäftigen. Die Fülle an Angeboten ist erstaunlich und so ausgeprägt, dass eine Entscheidung schwer fällt. Jedoch ist man nicht bei allen Programmpunkten passiver Zuschauer. Im Workshop-Hangar kann sich an Graffiti oder Siebdruck versucht werden; an anderer Stelle lernt man tagsüber mit Feuer zu jonglieren und kann das Gelernte bei Nacht zur Schau stellen.

Doch dem nicht genug, finden sich überall auf dem Festivalgelände Kunstinstallationen. Ob feuerspeiende Drachen, riesige, sich bewegende Knospen, die an mit Spitzenstoff bespannten Bäumen hängen oder Dampfmaschinen in den skurrilsten Formen.

Auch die Spielstätten, Essensstände und Chill-Out-Areas sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Kurzum: Das ganze Festival ist ein einziges Kunstwerk, das sich auf Bildern nicht festhalten lässt. Die Fusion ist ein Spielplatz für Erwachsene, die zu Unrecht auf Drogenkonsum reduziert wird, während es dort so viel mehr zu entdecken gibt.

Geld macht sexy – oder?

Volle Tasche? Ohne Geld sehen wir im Alltag alt aus (© Dr. Klaus Uwe Gerhardt / pixelio.de)

Volle Tasche? Ohne Geld sehen wir im Alltag alt aus (© Dr. Klaus Uwe Gerhardt / pixelio.de)

Mein Geldbeutel ist mal wieder leer. Den letzten Euro hab ich benutzt, um meinen Kindern zwei Brezeln zu kaufen. Und seit die Bankfiliale in unserer Stadt zugemacht hat, heißt das, an Bargeld komm ich nicht mehr so leicht. Dabei ist ein volles Porte­mon­naie doch ein wichtiger Indikator dafür, dass es uns gut geht. Oder etwa nicht? Geld ist schon lange mehr als nur Zahlungsmittel. Seit Jahren wird die These vertreten, Geld sei zu einem neuen Leitmedium erhoben worden. Wer Geld hat, hat Macht und Macht macht sexy. Nach der Devise sieht es noch schlechter aus für Griechenland, als die Medien zugeben.

Dabei komm ich nicht umhin mich gerne an die Szene aus „Star Trek: Zurück in die Gegenwart“ (ja, sowas hab ich tatsächlich schon gesehen – mehr als einmal) zu erinnern, in der Captain Kirk in den neunziger Jahren landet und sein Abendessen nicht bezahlen kann, weil es im dreiundzwanzigsten Jahrhundert kein Geld mehr gibt. Die Idee finde ich ganz reizvoll. Geld abschaffen, durch wissenschaftliche Entdeckungen Hunger, Krankheiten und Energiemangel besiegen. Utopia. Die Realität sieht da ganz anders aus.

Geld macht sexy - sofern wir welches haben (©Lupo / pixelio.de)

Geld macht sexy – sofern wir welches haben (©Lupo / pixelio.de)

Denn Macht macht nicht nur sexy, sie korrumpiert auch. Wer Macht hat, will diese erhalten und möglichst aufbauen, nicht aber sie zugunsten einer gleichberechtigteren Gesellschaft abgeben. Diese Meinung vertritt auch Peter Joseph, amerikanischer Regisseur. 2008 veröffentlichte er im Internet den zweiten Zeitgeist Film Addendum, in dem er die Abschaffung des Geldes als Weg in eine bessere Welt in Aussicht stellt. Das globale Finanzsystem ist hier der Böse, die Banken, die immer reicher werden, gegen die Menschen.

Immerhin ist es doch faszinierend, wie wir uns an den Betrag unseres Bankkontos klammern, der in der natürlichen Welt absolut nichtssagend ist, sondern erst Bedeutung bekommt, weil wir ihm welche zusprechen. Geld ist menschengemacht. Es ist unser Mittel der Kontrolle, wenn wir über die Natur keine haben. Wir können den Tod nicht besiegen, aber wir können uns teure Dinge leisten, das Wetter liegt nicht in unserer Hand, aber unser Auto, unsere Uhr, unsere Schuhe zeigen, dass wir es zu etwas gebracht haben. Zu Geld nämlich. Und wenn wir einsam sind, sorgen ein paar grüne Scheinchen dafür, dass uns die Menschen wieder mögen. Ihr wisst schon: Sexy.

Unser Geld: Kulturgut oder selbstgemachtes Übel (© M. Großmann / pixelio.de)

Unser Geld: Kulturgut oder selbstgemachtes Übel (© M. Großmann / pixelio.de)

Unser ganzes Leben ist doch darauf ausgelegt. Wir lernen, um einen guten Beruf zu finden, der uns viel Geld einbringt, das uns ein Leben voller Annehmlichkeiten ermöglicht. Sind wir darum glücklicher? Glücklicher als ein Mitglied eines indigenen Stammes etwa, das gänzlich ohne Geld auskommt? Oder nur Glücklicher als jemand, der im selben Kulturkreis aufgewachsen ist, aber eben weniger Geld hat? Ihr merkt schon: Geld ist ein sogenanntes Kulturgut. Wir haben uns seine Bürde selbst auferlegt, uns von ihm unterdrücken lassen und selbst dafür gesorgt, dass manche mehr und manche weniger haben. Wenn Menschen auf die Banken und das Finanzsystem schimpfen, denke ich mir nur: Da stecken wir alle mit drin. Und darum müssen wir alle etwas ändern (wollen), damit sich auch wirklich etwas ändert.

Die ersten haben das auch begriffen. Fahrradfahren etwa ist nicht nur deswegen im Kommen, weil auf Kurzstrecken so Benzin gespart und die Umwelt geschützt werden kann, sondern auch, um dem Statussymbol Auto zu entkommen. Dinge gebraucht kaufen oder statt im Hotel auf einer fremden Couch schlafen, Marmelade wieder selbst kochen, nähen, Gemüse anpflanzen. Alles, was zugunsten einer „angenehmen“ Geldwelt verdrängt wurde, lebt wieder neu auf. Und wenn wir es schaffen, diese Gedanken, diese Vorhaben festzuhalten, weiterzugeben, uns loszulösen von der Macht des Geldes, dann wird es diese eben auch verlieren. Wir haben das Geld zu dem gemacht, was es ist. Wir können ihm diese Macht auch wieder nehmen.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Anna hier, wie sie sich in Bosnien verliebt hat.

Versteckt und weltbekannt: zwanzig Jahre Club Ebene Eins

Die Ebene Eins: Eine umgebaute Scheune dient dem Kulturverein als Veranstaltungsort (Foto: Club Ebene Eins)

Die Ebene Eins: Eine umgebaute Scheune dient dem Kulturverein als Veranstaltungsort (Foto: Club Ebene Eins)

Versteckt hinter einem großen Hoftor in der Burgstraße in Schifferstadt, einer Einbahnstraße und 30-er Zone, liegt er. In einer umgebauten alten Scheune mit riesigem Garten dahinter, für die Sommerveranstaltungen, nicht wirklich groß, aber mit einer Akustik, die Musiker immer wieder zum Schwärmen verleitet und einer Atmosphäre, die zwischen familiär-gemütlich und faszinierend-künstlerisch ihr Gleichgewicht gefunden hat: Der Club Ebene Eins. Als Kulturverein längst etabliert und rund um die Welt bekannt, sind es vor allem die Einheimischen, die immer wieder überrascht sind, dass sich so ein Kulturgut in ihrer Stadt versteckt. 2015 feiert der Club Ebene Eins nun sein zwanzigjähriges Bestehen.

Am 08.06.1995 gründeten 34 Kulturfreunde den Club, der nach dem Umbauplan des Architekten für den unteren Teil der Scheune „Ebene Eins“ genannt wurde. Zur Eröffnungsvernissage stellte eine 16-jährige Schülerin aus, ein weiterer Schüler spielte Musik. Moritz Weißkopf, heute besser bekannt als Mo Anton, hat gerade das Gibraltar International Song Festival gewonnen. Angefangen hat er vor 20 Jahren im Club Ebene Eins. Noch immer ist die Förderung von jungen Kulturschaffenden ein Herzensanliegen des Vereins. Schüler der Kreismusikschule oder Teilnehmer von Jugend musiziert, junge Gruppen und Künstler, das Alter spielt für den Kulturausschuss des Club Ebene Eins keine Rolle. Talent zählt, die Freude an der Kunst, dass das Herz bei der Sache ist.

Kulturfreunde: Der Vorstand des Club Ebene Eins (Foto: Club Ebene Eins)

Kulturfreunde: Der Vorstand des Club Ebene Eins (Foto: Club Ebene Eins)

Und auch wahre Größen kommen immer wieder gerne zurück in die gemütliche Scheune. Etwa Ack van Rooyen, Jazz-Musiker, Flügelhornist, niederländische Musikgröße. Oder die A cappella Gruppe Viva Voce, die mittlerweile selbst weltweit bekannt sind. Bettina Belitz hat dort im letzten Jahr ihren Roman „Vor uns die Nacht vorgestellt“ im Herbst kam Julia Donaldson mit einem Grüffelo-Theater aus England, der gern gesehene Poetry Slam, der bisweilen zum Lieder Slam umgewandelt wird. Hier gibt es noch reine Lesungen, ohne viel außenrum, hier zählt das Wort. Und wer in die Scheune kommt wird immer von Bildern begrüßt. Die Liste der Künstler ist lang und vielseitig. Abel Robino aus Paris etwa war hier und Lukas Smithey-Eckrich aus den USA, Lotti Adaimi aus dem Libanon und Ulrike Kaiser aus München.

Aber der Club Ebene Eins bietet nicht nur für Aug und Ohr allerlei, sondern lockt auch zum Mitmachen. Ein Trommel-Selbstversuch unter der Leitung von Ashitey Nsotse beispielweise oder zuletzt ein Hörspiel-Workshop, geleitet von Karl Atteln. Und immer wieder gibt es spezielle Kinder-Kulturveranstaltungen. Diesen Herbst kommen die Olchis, jene müllfressende Stinkbande von Erhard Dietl, bei denen ich beim Vorlesen immer hadere, ob ich wirklich will, dass meine Kinder diese Wörter hören – aber sie lieben es.

Weltrekordträger: Künstler Jean-Yves Dousset mit Gisela Atteln vom Club Ebene Eins (Foto: Obermann)

Weltrekordträger: Künstler Jean-Yves Dousset mit Gisela Atteln vom Club Ebene Eins (Foto: Obermann)

Dabei geht es den Verein nicht nur darum, Kunst zu präsentieren und Neues zu zeigen, sondern auch immer wieder darum, Künstler zusammen zu bringen. Musiker und Maler, Maler und Autoren, Autoren und Musiker. Im kleinen Rahmen kann der Club dabei ausprobieren, was auf großer Bühne nur schlecht funktioniert. Improvisationstheater, bei dem das Publikum entscheidet, was als nächstes passiert, oder Jean-Yves Dousset, der nicht nur reimt, sondern den Weltrekord für den schnellsten Scherenschnitt hat, und zur Jubiläumsfeier gezeigt hat, was er kann. Oder wie im vergangenen Jahr ein Festival für das neue Instrument Campanula. Neues, Gewagtes, Innovatives.

„Kunst bleibt nicht stehen“, erklärte Vorstandsmitglied Horst Atteln zur Jubiläumsfeier. Und darum wird es auch immer wieder etwas Neues, Gewagtes und Innovatives geben, was der Club Ebene Eins präsentieren kann. Ein Besuch lohnt sich allemal.

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um Kunst und Kultur auf dem Fusion Festival.