Hurts in Wiesbaden – das Warten hat sich gelohnt

Die Synthie-Pop-Band Hurts aus Manchester besteht aus Theo Hutchcraft und Adam Anderson. 2010 wurden sie durch ihren Hit „Wonderful Life“ in Deutschland bekannt. Am 16. März 2016 waren sie im Rahmen ihrer Europa-Tour auch für ein Konzert im Schlachthof in Wiesbaden.

Lange Wartezeit

Der Einlass startete bereits um 19 Uhr, war allerdings äußerst schlecht organisiert, da die Schlange der Besucher bis fast zum Wiesbadener Hauptbahnhof zurückreichte. Auch wer pünktlich da war, musste rund 45 Minuten warten, bis er endlich die Konzerthalle betreten konnte. Als Support-Act hat die Berliner Indie-Pop-Band Tüsn ab 20 Uhr eine halbe Stunde lang gespielt. Umso froher war man da, als das Warten ein Ende hatte und Hurts gegen 21 Uhr die Bühne betraten und mit ihren Songs „Surrender“ und „Some kind of heaven“ von Anfang an für tolle Stimmung sorgten.

Mit viel Spaß auf der Bühne: Hurts bei ihrem Konzert im Schlachthof in Wiesbaden am 16. März 2016 (Foto: S. Holitzner)

Mit Spaß auf der Bühne: Hurts bei ihrem Konzert im Schlachthof in Wiesbaden am 16. März 2016 (Foto: S. Holitzner)

Sympathische Band

In Wiesbaden haben Hurts Songs von all ihren drei Alben präsentiert. Besonders schön waren dabei „Blood, Tears and Gold“, „Evelyn“ und „Lights“. Bei diesen Songs konnten Hurts besonders gut zeigen, wie vielfältig ihre Musik ist, was mit großem Applaus belohnt wurde. Das Publikum konnte bei vielen ihrer Lieder mitsingen, wozu Sänger Hutchcraft stets animierte. Bei ihrem Song „Illuminated“ forderte er die Zuschauer auf: „Please take your phones and your lighters out and put them hoch.“ Generell versuchte er im Laufe des Abends, manche Wörter und Sätze auf Deutsch auszusprechen, was ihn sehr sympathisch machte. Wiesbaden bildete den Abschluss ihrer „Surrender“-Tournee, wie Hutchcraft erzählte. Hurts hatten sichtlich Spaß auf der Bühne. Immer mal wieder warf Hutchcraft Rosen in die Besuchermenge. Begleitet wurden Hurts von ihrer dreiköpfigen Band und zwei Backgroundsängerinnen.

Tolles Live-Erlebnis

Das Konzert war nahezu ausverkauft. Nach rund 90 Minuten und zwei Zugaben, von denen eine ihr Hit „Stay“ war, verabschiedeten sich Hurts vom Publikum. Hurts haben in Wiesbaden unter Beweis gestellt, dass sie eine großartige Liveband sind. Mit ihrer Musik haben sie die Besucher begeistert und dafür gesorgt, dass alle einen wunderschönen Konzertabend hatten. Wir hätten ihnen gerne noch länger zugehört!

Die Fans bleiben ihm treu – Eloy de Jong im Interview

Letzte Woche hat uns Eloy de Jong bereits einiges über seinen Musikgeschmack und die Zeit mit Caught in the Act in den 1990er Jahren verraten. Im zweiten Teil unseres Interviews hat er mit uns über sein Wiedersehen mit Caught in the Act und seine Disney-Sammlung gesprochen.

Face2Face: Was hast du nach Caught in the Act alles gemacht?

Eloy: Ich habe erst Zeit gebraucht, um zu mir selbst zurückzufinden und mir ein Privatleben aufzubauen. Danach habe ich angefangen, beim Fernsehen zu arbeiten. Jetzt habe ich meine eigene Produktionsfirma und entwickle Fernsehformate. Ich bin sehr stolz, dass ich neben meiner Musikkarriere auch etwas anderes erfolgreich machen kann.

Ganz in seinem Element: Eloy de Jong bei einem seiner Auftritte (Foto: Nina Wilfonseder)

Ganz in seinem Element: Eloy de Jong bei einem seiner Auftritte (Foto: Nina Wilfonseder)

Face2Face: Nach 17 Jahren hast du die anderen Bandmitglieder von Caught in the Act im April und im August 2015 wiedergetroffen. Was war das für ein Gefühl?

Eloy: Es war unglaublich. Wir haben so viel miteinander erlebt, aber auch so lange Zeit nichts mehr miteinander zu tun gehabt. Es war dann eigentlich ganz schnell wieder wie früher. Wir haben einen großen Teil unseres Lebens zusammen erlebt. Das ist eine Beziehung, die man niemals verliert. Mit Bastiaan bin ich immer in Kontakt geblieben.

Face2Face: Was kannst du in Bezug auf das Comeback von Caught in the Act sagen?

Eloy: Ich bin superstolz auf unsere Fans. Es gibt immer noch so viele. Ich sehe das jetzt bei meinen Soloauftritten. Da kommen so viele Fans hin. Auf Facebook bekomme ich so viele Nachrichten. Ich hoffe, dass wir die Möglichkeit haben, die Vergangenheit zusammen feiern zu können mit all diesen Menschen.

Face2Face: Du warst in den 90ern ein großer Disney-Fan. Sammelst du immer noch alles von Disney und auf welches Stück aus deiner Disney-Sammlung bist du besonders stolz?

Eloy: Ich bin immer noch ein Disney-Fan. Ich habe jetzt auch eine Tochter und die ist total in „Frozen“ vernarrt. Wir gucken das oft zusammen. Von ganz vielen Disney-Klassikern habe ich den Original-Cel (Anm. d. Red.: ein Cel ist eine durchsichtige Folie, auf die Animationen per Hand gezeichnet worden sind). Die habe ich an meiner Wand hängen und die finde ich super.

Face2Face: Was ist für 2016 alles geplant und welche Konzerttermine stehen an?

Eloy: Ich hoffe, viel in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs sein zu können. Für weitere Infos und Termine geht ihr am besten auf meine Facebookseite oder auf die Facebookseite von ELOY Info.

Vorschau: Nächsten Samstag stellt euch Vanessa die deutsche Vertreterin für den diesjährigen Eurovision Song Contest in Schweden im Schnellcheck vor.

Ausblicke auf den Festivalsommer – Preview der Festivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“

Weihnachten und Silvester liegen inzwischen hinter uns und mit dem grauen, regnerischen Wetter hat nun vielleicht schon bei dem ein oder anderen der Winterblues eingesetzt. Doch während wir aktuell noch in den dicken Wollpullis und einer kleinen Winterdepression stecken, lohnt sich jetzt schon ein Blick auf den kommenden Festivalsommer mit einem Preview der Highlights „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ vom 03.-05. Juni 2016 – denn Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude!

Dieses Jahr konnten die Veranstalter die Bands „Red Hot Chili Peppers“, „Black Sabbath“, „Volbeat“ und „Tenacious D“ als Headliner für „Rock im Park“ und „Rock am Ring“ begeistern. Besonders die Zusage des Rock-Duos Kyle Gass und Jack Black wird ihre Fans freuen – denn Tenacious D spielen die einzigen Festivalauftritte 2016 in Deutschland bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ und machen diesen Headliner damit besonders interessant!

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Locken jedes Jahr tausende Besucher an: Die Bands auf den Bühnen der Festivalzwillinge. (Bild: http://www.rock-am-ring.com/media)

Doch auch abseits der be-kanntesten Bands haben die „Festival-Zwillinge“ dieses Jahr einiges zu bieten: Nachdem sich in den letzten Jahren immer mehr Musikstile hinzugesellt haben, steht dieses Jahr der „Rock“ auf dem Ring und im Park mit den Bands „Amon Amarth“, „Billy Talent“, „Bring Me The Horizon“, „Bullet For My Valentine“, „Disturbed“ oder auch „Heaven Shall Burn“, „Korn“ und „Panic! At The Disco“ wieder mehr im Vorder-grund. Dennoch bleibt das Gesamt-programm vielschichtig und abwechslungsreich – sodass so gut wie jeder Festival-Freund in Nürnberg oder Mendig auf seine Kosten kommen sollte. Für die richtige Mischung und die fetten Beats sorgen dabei unter anderem „Alligatoah“, „Fettes Brot“, „Frittenbude“ und „SDP“.

Bands wie „The 1975“, „Biffy Clyro“ und „Of Mice and Men“ runden das vielschichtige Gesamtprogramm ab. Außerdem gibt es noch zahlreiche weitere interessante Bands zu entdecken, das gesamte Line-Up könnt ihr euch hier nochmal anschauen.

Die Zusammenstellung der verschiedenen Bands und Künstler scheint mit dem besten Vorverkaufsstart seit Beginn der Festivals und bereits über 110.000 verkauften Tickets zu überzeugen. Sollte das auch bei euch der Fall sein, seid also lieber schnell – aktuell sind die Karten noch in der 2. Preisstufe für 195 € zu bekommen. Face2Face wird selbstverständlich ebenfalls vor Ort sein und anschließend über eines der Highlights des diesjährigen Festivalsommers berichten.

Stephanie Neigel – Sängerin mit viel Gefühl

Am 5. November war die Singer/Songwriterin Stephanie Neigel für ein Konzert zu Gast in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen. Volker Engelberth am Piano, Alex Merzkirch am Bass, Thomas Sauerborn an den Drums und Philipp Brämswig an der Gitarre begleiteten die sympathische Sängerin bei ihrem über 90-minütigen Konzert auf der Bühne des gemütlichen Gewölbekellers. Die Zuhörer durften sich über eine Mischung aus Jazz und Pop freuen. Höhepunkt des Abends war die gefühlvolle Ballade „The Book“. Über diesen Song und über ihren ganz persönlichen Musikgeschmack haben wir mit der 29-Jährigen gesprochen.

Voll in ihrem Element: Stephanie Neigel bei ihrem Konzert in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen (Foto: S. Holitzner)

Voll in ihrem Element: Stephanie Neigel bei ihrem Konzert in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Wie fandest du dein Konzert in Frankfurt?

Stephanie: Sehr schön. Wir hatten viel Spaß. Es war ein sehr nettes Publikum hier. Alle haben super mitgesungen und mitgeklatscht. Das erwartet man überhaupt nicht direkt. Da freut man sich immer, wenn das passiert, denn das ist keine Selbstverständlichkeit.

Face2Face: Wie kamst du überhaupt zur Musik?

Stephanie: Ich glaube eher, dass die Musik zu mir kam. Meine Mama hat mir erzählt, dass ich als Baby nur eingeschlafen bin, wenn sie mir vorgesungen hat. Ich habe von Anfang an schon so eine große Affinität für Stimme und Klang gehabt. Wenn ich dann später auf Konzerten war, war das für mich einfach das Größte. Das war wirklich so eine beeindruckende Welt, Musik zu hören, die mir gefällt, und nachzusingen. Die Musik war einfach schon immer da.

Face2Face: Was zeichnet dein aktuelles Album „Capture Time“ aus?

Stephanie: Es klingt sehr akustisch, sehr bandsoundmäßig. Es sind alles echte Instrumente, die gespielt wurden. Wenn ich mir das Album manchmal anhöre, dann habe ich immer noch ziemlich viel Spaß. Dann sehe ich immer noch die groovende Band und freue mich einfach über gute, im Moment gemachte Musik. Die meisten Songs sind im letzten Jahr entstanden. Konkret daran gearbeitet haben wir ein Jahr.

Face2Face: „The Book“ ist eine sehr berührende Ballade. Worum geht’s und wie ist der Song entstanden?

Stephanie: „The Book“ ist an einem Tag entstanden, als ich auf einer Wiese saß und im Sonnenschein in den Himmel geguckt habe. Es war ein warmer, schöner Sommer. Ich saß da zwar alleine, aber ich habe mich gefragt, wie ist das mit dem Leben? Ist vielleicht einfach alles schon vorbestimmt oder ist alles komplett frei und wir sind wie Teilchen, die ganz zufällig aneinanderstoßen und wieder woanders hingestoßen werden wie Billardkugeln. Oder ist im Prinzip schon alles geschrieben und ich kann mir nur wünschen, dass ich mit gewissen Menschen noch lange in dieser Story verbunden sein werde? Ich habe mich gefragt, ob ich überhaupt die letzte Seite aufschlagen würde, wenn ich wissen könnte, was noch alles kommt. Das waren meine Gedanken und die habe ich dann aufgeschrieben. Ich hatte auch schon eine Melodie und Akkorde im Kopf.

Sympathische Sängerin: Stephanie Neigel (Foto: S. Holitzner)

Sympathische Sängerin: Stephanie Neigel (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Was inspiriert dich im Allgemeinen zu deinen Songs?

Stephanie: Das kann ein Moment auf der Wiese sein, wo ich mich kurz frage, was hat das Leben mit mir gemacht, dass ich jetzt hier sitze. Es kann aber auch die schlaflose Nacht sein. Es können sehr persönliche Momente oder allgemeine Fragen sein, ganz banale Dinge. Ich plane das nicht. Das kommt mir einfach in den Kopf und wenn ein Thema stark genug in meinem Kopf ist, dann will es auch raus als Songtext.

Face2Face: Was hörst du selbst am liebsten für Musik?

Stephanie: Neulich hatte ich eine Amy Winehouse-Phase und habe eine Woche lang alles ausgecheckt, weil ich sie so beeindruckend fand und weil ich ganz viele Hintergrundinfos durch den Film, der jetzt gerade im Kino gelaufen ist, kennengelernt habe. Manchmal gibt es aber auch Phasen, da höre ich ganz alte Jazzladies. Auch höre ich John Mayer oder mal wieder was ganz Aktuelles, was vielleicht ein bisschen elektronisch ist. Immer wieder höre ich Joni Mitchell. Sie ist für mich eine sehr inspirierende Frau.

Face2Face: Hast du schon Pläne für 2016?

Stephanie: Nächstes Jahr im Frühling geht es weiter mit Konzerten durch ganz Deutschland. Vorher stehen noch ein paar Kooperationen an. Ich spiele mal wieder zusammen mit dem Jazzmusiker Daniel Stelter und dem Gitarristen und Sänger Kosho. Mit dem Frauen-a-capella-Quartett Les Brünettes bin ich auch immer viel unterwegs. Und dann bin ich jetzt so langsam am Planen, wie das nächste Album klingen kann. Ich bin schon ein bisschen am Schreiben.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage oder der Facebookseite von Stephanie Neigel.

Vorschau: Nächsten Samstag gibt es einen Artikel zu Red Bull Flying Bach zu lesen.

Chris & Taylor – Ein ungewöhnliches Duo

Chris & Taylor. Das ist zunächst einmal Sänger Chris Hastrich aus Wiesbaden. Schon als Kind liebte der inzwischen 27-Jährige Musik. So sang er im Chor und tanzte leidenschaftlich gerne. Im Alter von 15 Jahren nahm er dann seine erste Gesangsstunde. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis er sich ein Klavier und eine Gitarre kaufte. Kurz vor seinem Abi entschied sich Chris 2008, die Schule zu schmeißen und Musiker zu werden. Dazu zog er erst mal ein Jahr nach London und schrieb Songs. 2008 gründete er dort auch das Duo Chris & Taylor. Taylor ist seine Gitarre der Marke Taylor. 2009 ging es wieder zurück nach Deutschland, wo Chris sein erstes Album aufnahm. Eine EP und ein weiteres Album folgten. Jetzt ist die neue Platte „Wake up“ erschienen. Auf Konzerten erlebt man Chris & Taylor mal als Duo und mal mit Band.

Unzertrennlich: Chris und seine Gitarre Taylor (Foto: T. Zak)

Unzertrennlich: Chris und seine Gitarre Taylor (Foto: T. Zak)

Face2Face: Wie definierst du deinen Musikstil?

Chris: Am liebsten gar nicht. Ich habe kein Problem damit, wenn andere Menschen meine Musik oder mich definieren möchten. Allerdings habe ich kein Interesse daran, es selbst zu tun. Meistens sage ich nur „Pop Singer/Song-writer mit Gitarre“ und der Rest ist dem Zuhörer selbst überlassen.

Face2Face: Welche Art von Songs beinhaltet dein neues Album „Wake up“?

Chris: „Wake up“ war eigentlich als EP mit vier Titeln in voller Bandbesetzung geplant, aber ich habe mich kurzfristig entschieden, noch drei weitere Titel in Unplugged-Version hinzuzufügen. Es wird meine vorerst letzte Platte in ausschließlich englischer Sprache sein. Ich hatte lange Zeit keine Lust darauf, deutsche Texte zu schreiben. Alin Coen, die eine befreundete Musikerin ist und geniale Texte in beiden Sprachen verfasst, hat mich schließlich dazu animiert, es mal zu versuchen. Seitdem habe ich Blut geleckt und nächstes Jahr wird mein erstes deutschsprachiges Album erscheinen.

Face2Face: Nach welchen Kriterien schreibst du deine Songs?

Chris: Kriterien gibt es nicht wirklich. Ich bin ein sehr intuitiver Songwriter. Meistens setze ich mich hin, spiele irgendwas auf der Gitarre und improvisiere dann Melodie und Text darüber. So passiert es oft, dass ich erst nach einiger Zeit und einem halbfertigen Lied anfange zu verstehen, worum es eigentlich geht. Mein Unterbewusstsein könnte die Frage sicherlich viel besser beantworten. Eine der wenigen bewussten Entscheidungen ist die der Sprache.

Face2Face: Woher nimmst du die Inspiration für deine Songs?

Chris: Auch hierzu kann ich nur sagen, dass ich die Themen meistens nicht plane. Aber grundsätzlich sind es Dinge, die mich mehr oder weniger bewusst beschäftigen. Das kann alles sein, von Alltagserfahrungen bis hin zu den verstecktesten Ängsten.

Face2Face: Was möchtest du mit deiner Musik erreichen?

Chris: Die Zuhörer berühren und mit dem ein oder anderen Lied zum Nachdenken anregen.

Face2Face: Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Chris: Da gibt es verdammt viele, zum Beispiel Alin Coen, Max Prosa, Pink und Joni Mitchell. Ich höre Musik kreuz und quer und könnte in den meisten Genres mehrere Künstler nennen.

Face2Face: Du hast früher mal sechs Jahre lang im Jugendclubtheater (jetzt Junges Staatsmusical) des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden gespielt. Würdest du gerne mal wieder in einem Musical mitspielen und singen?

Chris: Definitiv. Ich hätte auch am Ende dieses Jahres bei einem Gastspiel des Jungen Staatsmusicals des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden in Ludwigshafen bei „Hair“ mitspielen sollen. Leider musste ich absagen, weil ich bei der Premiere und der Generalprobe bereits Auftritte habe. Aber ich bin mir sicher, dass ich es irgendwann nochmal zeitlich gebacken kriege, ein kleines Musical-Revival zu machen.

Face2Face: Was war das Verrückteste, das du je getan hast?

Chris: Oh je, da muss ich aus einer ziemlich langen und nicht immer vorbildhaften Liste wählen. Ich habe fünf Tage, nachdem ich mich entschieden hatte, nach London zu ziehen, die Koffer in die Hand genommen und bin rüber geflogen, ohne dort jemanden zu kennen oder genau zu wissen, was ich dort tun will außer „Musik machen“.

Mit Spaß dabei: Chris & Taylor mit Band (Foto: S. Holitzner)

Mit Spaß dabei: Chris & Taylor mit Band (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Wo würdest du gerne mal auftreten?

Chris: Beim „Glastonbury Festival“ in Großbritannien, in der „Ellen DeGeneres Show“ in Los Angeles und bei den „Grammys“.

Face2Face: Was ist dieses Jahr noch alles geplant?

Chris: Ich gönne mir gerade eine kleine Auftrittspause, um Kräfte für´s neue Jahr zu sammeln und um mein erstes deutschsprachiges Album aufzunehmen. Ich werde jedoch am 11. und 12. Dezember im Kurhaus in Wiesbaden bei der „Night of Music“ mit Orchester singen.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage oder der Facebookseite von Chris & Taylor.

Lee Collin Baxter – Back in Germany after 17 years

Lee Collin Baxter who was born in 1970 in Liverpool/England is a British actor and singer. Together with Benjamin Boyce, Eloy de Jong and Bastiaan Ragas he was part of the British-Dutch boygroup Caught in the Act. After an appearance in the soap opera ‘Gute Zeiten, schlechte Zeiten’ end of 1994 they became very famous in Germany. They had hits like ‘Love is everywhere’, ‘You know’, ‘Babe’ and ‘Baby come back’. In 1998 Caught in the Act disbanded. The last years Baxter was busy with acting. For example he played the lead role in the film ‘Profile of Fear’ and also sang the title track ‘No one but myself’ which is written by Paul Glaser. Together with Glaser he worked on more songs, but he also writes his own lyrics. Now Baxter started his solocareer in Germany.

Ready for new gigs: Lee Collin Baxter (Photo: Svenja Angstmann for Universe Media Relations)

Ready for new gigs: Lee Collin Baxter (Photo: Svenja Angstmann for Universe Media Relations)

Face2Face: How would you descibe the new sound of your songs?

Baxter: They all sound so different. I think they are all influenced very much by guitar and I hear from fans that my songs are very emotionally touching.

Face2Face: What is your favorite band or singer?

Baxter: Ed Sheeran and Marina and the Diamonds.

Face2Face: Would you like to record a duet with a special singer?

Baxter: Yes, with Ed Sheeran because I like his songs and his lyrics.

Face2Face: Can you tell me about the most wonderful music moment in your life?

Baxter: The first time I saw the clip to my song ‘For what it’s worth’ because it´s a flashback to my time in Caught in the Act. At that time it was released I had no contact with the other boys. I cried.

Face2Face: If you think back and remember the time with Caught in the Act: What has been positive and what has been negative?

Baxter: The positive were the amazing concerts and the travelling around the world. The negative were the very long days, the stress and feeling exhausted for much of the time.

Face2Face: After 17 years you met the other band members of Caught in the Act for the first time in April 2015 in Amsterdam and again in August 2015 in Cologne. How did that make you feel and would you like to have a reunion with Caught in the Act?

Baxter: I was very nervous, but it went so well I became incredibly relieved. It was a very pivotal time in my life, so that is very special to share it with the other three guys. All four of us wanted 100% a reunion, so please keep your fingers crossed.

Happy: Lee Collin Baxter on stage at the ‘Popschlager Total Open Air’ in Oberhausen (Photo: Jenny Strack for Universe Media Relations)

Happy: Lee Collin Baxter on stage at the ‘Popschlager Total Open Air’ in Oberhausen (Photo: Jenny Strack for Universe Media Relations)

Face2Face: On 1st August 2015 you had your first gig in Germany after 17 years at the ‘Popschlager Total Open Air’ in Oberhausen. How you think the performance went and what did it mean to you?

Baxter: Again I was very nervous beforehand, but once I got on the stage it felt like I was home. I was also so grateful to see all the fans who had come to support me. It was an unbelievable beautiful experience.

Face2Face: You own the Arundel Jailhouse in Arundel which is in the South East of the UK. What can you experience there?

Baxter: Theatre, live music, stand up comedy nights, Murder Mystery dinners, ghost tours, paranormal investigations. I´m very proud of it. It´s my baby.

Face2Face: What are your plans for the rest of this year?

Baxter: I´m putting together an album of my songs that I´ve written over the years. Five of them I´ve shared on YouTube, but there are another five new songs that my fans have not heard yet. I´m going to call it ‘Old School’ and I hope to have it ready by Christmas. I also plan to gig and meet and greet a lot more often. October 23 I´ll be with Benjamin Boyce in Dortmund, October 24 I´ll be performing at DIVA in Oberhausen, November 7 I´ll do a meet and greet and a gig in Berlin and I have two Christmas special events in Leipzig on 11th and 12th of December.

You can listen to Lee Collin Baxter´s new songs ‘It is what it is’ and ‘This side of Eden’ on Youtube. You can get more information about him on Facebook or www.leebaxter.de.

Preview: Next week you can read about the Lollapalooza Festival.

Gregor Jonas – Musiker aus Leidenschaft

Schon im Alter von fünf Jahren sauste der inzwischen 29-jährige Gregor Jonas, der ursprünglich aus dem hessischen Friedberg stammt, laut singend die Ski-Pisten hinunter. Nachdem er zuvor sechs Jahre lang Schlagzeugunterricht hatte, schnappte er sich im Alter von 16 Jahren die Gitarre seiner Schwester und brachte sich selbst das Spielen bei. Seitdem schreibt Gregor auch eigene Songs. Präsenz im Fernsehen erlangte er durch seine Teilnahme an der letzten Staffel der Castingshow „The Voice of Germany“, bei der er es in die Blind Auditions schaffte. Mit einem abgeschlossenen Architekturstudium in der Tasche widmete sich Gregor im letzten halben Jahr vor allem der Straßenmusik und brachte im April diesen Jahres seine erste EP heraus.

Die Gitarre immer mit dabei: Sänger Gregor Jonas (Foto: S. Holitzner)

Die Gitarre immer mit dabei: Sänger Gregor Jonas (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben?

Gregor: Ich schreibe Musik über die Gegebenheiten, die mich definieren und beschäftigen. Englischsprachige Alternative-Songs, in denen Gitarre und Stimme gleichermaßen Raum finden sollen. Oft steht hierbei die Wechselbeziehung von Euphorie und Melancholie im Fokus der Texte und musikalischen Klangfärbung.

Face2Face: Du schreibst alle deine Songs selbst. Was inspiriert dich dazu?

Gregor: Alles und nichts. Manche Ideen entstehen aus Geschichten, die ich erlebe oder erzählt bekomme, durch Menschen, die ich treffe, oder Erfahrungen, die ich auf Tour mache. Andere Songs entstehen unwillkürlich von selbst.

Face2Face: Wie kamst du auf die Idee, Straßenmusik zu machen?

Gregor: Zur Straßenmusik kam ich, weil ich mich nicht direkt getraut habe, mich auch alleine auf Bühnen zu stellen. Ich fand es vermessen, Konzerte mit meinen eigenen Songs zu organisieren und den potenziellen Zuhörern zu vermitteln, dass die Sachen so gut sind, dass sie sie hören wollen. Auf der Straße bekommt man ein direktes Feedback. Passanten gehen entweder vorbei oder sie bleiben stehen. Die offensten unter ihnen sagen dir direkt, ob das, was du machst, schrecklich klingt, oder eben nicht. Diese gnadenlose Kritik hat mich zu Beginn gereizt. Die schönen Eindrücke der letzten Jahre lassen mich weitermachen.

Face2Face: Durch die Straßenmusik bist du schon viel durch Deutschland gereist und hast einige Städte gesehen. Wo spielst du am liebsten und warum?

Mit Spaß bei der Sache: Sänger Gregor Jonas beim Straßenkonzert in Wiesbaden (Foto:   S. Holitzner)

Mit Spaß bei der Sache: Sänger Gregor Jonas beim Straßenkonzert in Wiesbaden  (Foto:         S. Holitzner)

Gregor: Das stimmt allerdings. Es gibt auch tatsächlich einige Städte, wie beispielsweise Hamburg, Wiesbaden, Cottbus oder Kiel, in denen ich besonders gerne spiele. Auf jeden Fall hängt es von den Menschen ab. Offene Ohren sind die größte Belohnung.

Face2Face: Welche Erfahrungen nimmst du aus deiner Teilnahme an der Castingshow „The Voice of Germany“ im letzten Jahr mit?

Gregor: Obwohl ich vor meiner, eher durch Spaß als durch Erfolgserwartungen motivierten Teilnahme bei „The Voice of Germany“ alles andere als ein Casting-Show-Enthusiast war, kann ich rückblickend ein durchweg positives Resümee abgeben. Es war eine tolle Erfahrung mit großartigen Menschen auf Seiten der Organisation und Teilnehmer und ich bin sehr froh, diese Zeit durchlebt zu haben.

Face2Face: Wer sind deine musikalischen Vorbilder und mit wem würdest du gerne ein Duett singen?

Gregor: Ich glaube, dass meine Musik stark durch Bands wie Rise Against, City and Colour, Hot Water Music, aber auch Exoten wie Dream Theater oder Say Anything geprägt wurde. Ein Duett? Gute Frage… Ina Müller?! Vielleicht wirklich einfach mit Dallas Green (City and Colour/Alexisonfire) oder Hayley Williams (Paramore). Zwei wirklich fantastische Stimmfarben!

Face2Face: Am 1. April ist deine erste EP „Home“ erschienen. Darauf zu finden sind fünf Songs. Unter welchem Aspekt hast du die Songauswahl getroffen und wie lange hat es gedauert, bis du die fertige EP in den Händen gehalten hast?

Gregor: Die EP entstand aus dem Wunsch, den Zuhörern bei Konzerten oder auf der Straße etwas mitgeben zu können, wenn sie mich darauf ansprechen. Die Zusammenstellung der Songs kann als Momentaufnahme meines musikalischen Schaffens gesehen werden. Ich wollte ein möglichst breites Spektrum präsentieren. An der Scheibe habe ich zusammen mit Moritz Herrmann von Breadmaker Records viele Monate gearbeitet und es macht mich wirklich stolz, dass sie nun tatsächlich fertig und darüber hinaus noch so schön geworden ist, sowohl graphisch, als auch akustisch.

Face2Face: Was war dein schönstes musikalisches Erlebnis bisher?

Gregor: Da gibt es zu viele, als dass ich hier sicher sagen könnte, das eine Ereignis steht besonders über allen. Alleine schon, wenn mir Menschen, die eigentlich in Fußgängerzonen unterwegs sind, weil sie etwas vor haben, ihre Aufmerksamkeit schenken, finde ich das nach wie vor sehr schön. Manche bleiben sogar für mehrere Songs bei mir und lassen alles andere warten, nur um mir weiter zuzuhören. Ein tolles Gefühl!

Face2Face: Du hast in Weimar und Cottbus Architektur studiert und bist jetzt vor kurzem nach Kiel gezogen, um als Architekt zu arbeiten. Was würdest du gerne einmal entwerfen?

Gregor: Ein kleines Theater, das wäre mal was. Einen schönen Raum für Kunst, für Licht, Klang und Raum selbst. Darauf hätte ich große Lust.

Face2Face: Wie vereinst du deine beiden Berufe – Architekt und Musiker?

Gregor: Natürlich habe ich jetzt, da ich nach einer Auszeit als Berufsmusiker zur Architektur zurückgekehrt bin, etwas weniger Zeit für die Musik selbst. Ich werde aber sicher nicht aufhören, Musik zu machen und auf die Bühne zu bringen. Denn gerade diese Kombination, der Kontrast und der Ausgleich, den ich durch Architektur und Musik bekomme, ist es, was mir Spaß macht.

Face2Face: Was ist für dieses Jahr noch alles geplant?

Gregor: Jetzt, wo ich hier oben im Norden wohne, gibt es ganz neue Straßen und Bühnen zu erobern! Ich werde in den kommenden Wochen versuchen, ein paar neue Konzerte zu buchen und die Idee weiter voranzutreiben. Die ersten bestätigten – zugegeben nicht unbedingt im Norden Deutschlands gelegenen – Konzerte sind am 16. Juli im Kulturpark Wiesbaden und am 18. Juli beim Sparkling Vibes in Bad Nauheim. Ich freue mich schon sehr darauf, endlich wieder vor Publikum spielen zu können.

Mehr Infos zu Gregor Jonas gibt es auf seiner Facebookseite. Musikalische Kostproben findet man auf seinem Youtube-Kanal

Vorschau: Nächste Woche erscheint der zweite Teil der Reihe  „Artists to watch“.

Cro bringt die Masse zum brennen

„Er flowt wieder wie, dieser Hova und außerdem baut er die Beats, es ist EASY“, tönt es durch die ausverkaufte Frankfurter Festhalle. Während in Berlin an diesem 9. November die Luftballons als Zeichen für den Fall der Mauer Richtung Himmel steigen, steigt der Adrenalinpegel der Cro-Fans ins schier Unendliche. Das Publikum ist altersmäßig bunt gemischt, auch wenn das vor allem daran liegt, dass zahlreiche Eltern ihre Kinder auf das Konzert begleitet haben. Doch wenn man genau hinschaut, macht es fast den Eindruck als könnten die jungen Fans, den älteren nichts vormachen: kann sogar der eine oder andere Erziehungsberechtigte die Lieder:

Charmant: Der Rapper performte nicht nur seine Songs, sondern erzählte auch persönliche Geschichten auf der Bühne (Foto: V.Wahlig)

Charmant: Der Rapper performte nicht nur seine Songs, sondern erzählte auch persönliche Geschichten auf der Bühne (Foto: V.Wahlig)

19:30 Uhr: das Licht geht an, Gekreische und doch nur Fehlalarm. Kein Cro, sondern nur ein „Rapper“  dessen Auftritt die Zeit bis zum Konzertbeginn leider eher verlängerte als bereicherte.

20 Uhr: das Licht geht wieder an. Aber wieder nur Fehlalarm. Auf der Bühne bauen die Techniker nochmal die Lichter um. Und spannten eine riesige weiße Leinwand auf. Dann wieder Dunkelheit im Festsaal.

20.30 Uhr: Gekreische. Das Licht geht an und auf der Leinwand erkennt man die Umrisse eines Trompetenspielers. Die ersten Töne erklingen und die Masse fängt förmlich an zu brennen. Die Leinwand fällt und da steht er mit seiner Maske: Cro.

Tierisch: Die Pandamaske ist das Markenzeichen des Rappers (Foto: V.Wahlig).

Tierisch: Die Pandamaske ist das Markenzeichen des Rappers (Foto: V.Wahlig).

Cro, eigentlich Carlo Waibel, wurde durch seinen Song Easy in Deutschland einem breiten Publikum bekannt. Sein zweites Album „Melodie“ erschien dieses Jahr. Ebenso stellte der fleißige Rapper, Sänger und Musikproduzent dieses Jahr seine Biografie auf der Frankfurter Buchmesse vor. Cro selbst bezeichnet seine Musik als „Raop“, eine Mischung aus Rap- und Pop-Musik. Sein Gesicht verbirgt er hinter einer Pandamaske, die auch sein Markenzeichen ist.

21 Uhr: Jetzt tanzt die ganze Festhalle und singt mit. „Denn mein Chick ist so bad, so bad, so bad“, erklingt nun wirklich aus jedem Mund. Dann erfüllt Cro zwei Fans ihren wohl größten Traum. „ Hey, Leute! Wer kann von euch singen? Ich mein so richtig gut! Du? Na, dann komm mal rauf auf die Bühne. Jetzt noch ein Junge!“ Und natürlich ist auch dieser schnell gefunden. Was darauf folgt? Erst einmal eine Umarmung des weiblichen Fans, die vor Aufregung kaum noch atmen kann. Der männliche Fan vorne auf der Bühne ist da schon „cooler“ und greift nach Cros Aufforderung direkt zum Mikrofon und performt Cros Hit „ Du“. Das Mädchen tat es ihm gleich, nur mit dem Unterschied, dass sie ihren Blick nicht von der Pandamaske abwenden kann. Bevor das kleine Intermezzo vorbei ist, gibt es natürlich noch ein Selfie mit dem Sänger.

Feurig: Auch die Bühnenschau brachte die Masse zum kochen (Foto: V.Wahlig)

Feurig: Auch die Bühnenschau brachte die Masse zum kochen (Foto: V.Wahlig)

22 Uhr:  Auch die schönsten Ereignisse enden einmal. Und somit ist nach gut eineinhalb Stunden das Konzert auch schon vorbei. Unter Silberpapier Regen, mit strahlenden Augen und den Beats noch im Ohr machen sich die nun völlig begeisterten Fans wieder auf in Richtung Heimat.

Fazit: Cooler Typ, mit viel Herz und vor allem viel Talent.

Vorschau:  Nächste Woche gibt es hier an dieser Stelle eine Hommage an den Rapper Ol‘ Dirty Bastard.

Konzertkritik zu Ludovico Einaudi

Der 2011 erschienene Film „Ziemlich beste Freunde“ von den Regisseuren Olivier Nakache und Éric Toledano war ein großer kommerzieller Erfolg. Die meisten die man nach diesem Werk fragt kennen den Film und die Geschichte um den französischen Mann im Rollstuhl mit seinem Pfleger. Der italienische Komponist Ludovico Einaudi schrieb zu diesem Film die Musik. Um bewegende Momente zwischen den beiden Protagonisten deutlicher hervorheben zu können, ließ man Einaudi Klavierballaden, die von Violinen und Chelli begleitet werden, schreiben. Man sollte sich somit auf einen ruhigen und eher klassischen Abend einstellen, wenn man eines seiner oft ausverkauften Konzerte besucht. Für die Face2Face-Musikredaktion galt es somit am Mittwoch, den 2. April sich wieder einmal in Ihrer musikalischen Vielfalt zu beweisen und sich von Einaudi überraschen zu lassen.

So kam es nun, dass man sich gleich nach dem Arbeitstag aufmachte sein Sakko überzustreifen und in Richtung Karlsruhe in die Stadthalle – Brahmsaal zu bewegen.

Die Fahrt mit dem Auto stellte kein Problem dar. Die Stadthalle ist gut zu erreichen und Parkmöglichkeiten gibt es zum einen in dem genau nebenanliegenden Novotel oder zum anderen in dem Parkhaus unter der Stadthalle. Das Parkticket wurde gezogen, das Sakko zurecht gezupft und dann ging es auch schon los. Über die Treppen der denkmalgeschützten Säulenvorhalle aus dem Jahre 1915 kommt man direkt in das Foyer. Den Gebäudekomplex muss man sich wie folgt vorstellen: Das Gebäude stellt den Kokon dar, indem ein von Säulen gestützter Raum „schwebt“. In diesem Raum zeigte der Komponist sein Können.

Beim Betreten des Gebäudes fällt auf, dass nicht nur die stereotypischen Klassische-Musik-Hörer die nach dem Konzert aufstehen und „Da Capo“ statt „Zugabe“ rufen zu finden sind, sondern auch Menschen in dem Alter der Face2Face-Redaktion sich gerne dieses Konzert von  Einaudi ansehen möchten.

Nach einer leider staubtrocknen Bretzel und dem Überblättern des hauseigenen Magazins ist es auch schon 19.30 Uhr und die Türen zum Saal öffnen sich. Nach weiteren 30 Minuten und unendlich vielem Husten, Räuspern oder „Kann es sein, dass Sie auf meinem Platz sitzen?“ geht es nun los.

Mit dem Dämmen des Lichtes und dem Verstummen der Menge im vollbesetzten Saal, sieht man wie ein Mann sich an eine übergroße Trommel stellt und seine beiden Schlägel langsam nach oben richtet. Mit den ersten Schlägen finden sich langsam die restlichen Musiker des Ensembles auf der Bühne ein. Das Ensemble besteht aus Musikern an vier Violinen, zwei Chelli, zwei an den Percussions, einen Bassisten, einen am Keyboard und natürlich Einaudi am Klavier.

Nach den ersten Takten wird nun schnell klar, dass diese Musik etwas Besonderes ist. Durch Lieder wie „Primavera“, „I giorni“ oder auch das aus dem Film „Ziemlich beste Freunde“ bekannte „Una Mattina“ lässt Einaudi die Menschen vergessen wo sie sind, was sie gemacht haben oder woher sie kommen. Jeder lässt sich in die entspannende fast melancholische Musik sinken und vergisst alles um sich herum. Die Gedanken fangen an im Kopf zu wandern und eigene Filmszenen, zu denen diese Musik wie gemacht zu seien scheint, zu bauen. Einaudi spielt aber auf keinen Fall nur ruhige Lieder, sondern schafft die perfekte Abwechslung seiner Werke von beruhigend zu dynamischen – mitreißend. Man erwischt sich wie man langsam anfängt zu grinsen und gar nicht merkt wie die Zeit oder auch der Alltag der Arbeit an einem vorbeizieht. Nachdem der Komponist aus Italien seine Finger von den Tasten des Klaviers nimmt, weis nun jeder Bescheid: Das Lied ist zu Ende und es darf applaudiert werden. Die Menge klatscht wild Beifall, johlt und pfeift, wie man es eigentlich von anderen Konzerten und eher anderer Musik gewohnt ist.

Nach einer kleinen Ansprache über seine Tournee, verschiedenen Zugaben und längerem Standing Ovation ist das Konzert auch schon wieder zu Ende. Während des Ganges aus dem Gebäude zurück in die Kälte wird einem klar, dass man in diesen fast zwei Stunden mit Kopf und den Gedanken nicht nur woanders war, sondern sie gänzlich auf einer Reise geschickt hat.

Abschließend lässt sich sagen, dass der Komponist Einaudi sein Handwerk nicht nur versteht, sondern es auch weitestgehend perfektioniert hat. Es gelingt ihm mit klassischer Musik eine Aura zu schaffen, in der junge und alte Menschen abschalten und entspannen können.

Vorschau: Nächsten Samstag wartet auf die Face2Face-Leser ein Interview mit Voice-of-Germany-Musiker Michael Schulte.

Eine Kombination der Meisterklasse

Eine der schönsten CDs des Jahres 2012: DUO (Foto: © Mat Hennek/Deutsche Grammophon)

Schumann, Brahms, Debussy, Schostakowitsch – das Repertoire der französischen Pianistin Hélène Grimaud und der argentinischen Cellistin Sol Gabetta ist erstklassig. Wo die zwei Solistinnen auch auftreten, hinterlassen sie den Eindruck von fesselnden Interpretationen, passioniertem Spiel und einer charismatisch vereinnahmenden Performance.

Die im Oktober diesen Jahres erschienene CD Duo, die so reizvoll und gleichzeitig sensibel ist, beweist, wie außergewöhnlich und einzigartig die beiden Musikerinnen sind. Den Aufnahmen der CD im Frühjahr 2012 waren gemeinsame Konzerte vorangegangen, wie beispielsweise ein Auftritt beim Menuhin Festival 2011 in Gstaad, bei dem, sich die zwei renommierten Solistinnen auf der Bühne kennenlernten. Aufgrund des erfolgreichen Festivalauftritts beschlossen die beiden ein eigenes Programm zu entwickeln, das sie auf ihrer CD Duo festhielten. So ist nun eine CD-Produktion entstanden, die Fantasiestücke von Schumann sowie Cellosonaten von Brahms, Debussy und Schostakowitsch beinhaltet.

Mancher Takt mag wild expressiv, manche Phrase zart und sensibel, manches Largo voller wehmütiger Melancholie  sein – das Duo Gabetta/Grimaud verblüfft immer wieder durch harmonierende Musikalität und außerordentliche Wandlungsfähigkeit. Kurzum: Eine wahre Bereicherung der Klassik-Szene, die sicherlich nicht klassisch ist. Denn es ist vor allem die grundsätzliche charismatische Unterschiedlichkeit der beiden Solistinnen, mit der die beiden Musikerinnen ihr Publikum rund um die Welt begeisterten. Die im Wesen etwas ruhiger und zurückhaltend wirkende Französin am Klavier und die impulsive argentinische Cellistin bieten eine völlig neue Interpretation von Meisterwerken der deutschen Romantik bis hin zur klassischen Moderne und schaffen so ein Hörerlebnis, das in seiner Einzigartigkeit faszinierender nicht sein könnte.

Internationale Meisterklasse: Pianistin Hélène Grimaud und Cellistin Sol Gabetta(Foto: © Mat Hennek/Deutsche Grammophon)

Wirft man nur einen kurzen Blick auf die außergewöhnlichen Biografien der beiden Virtuosen wird deutlich, wie besonders das Duo Grimaud/Gabetta ist.

Die Pianistin Grimaud wurde 1969 in Aix-en-Provence in Südfrankreich geboren. Sie begann im Alter von sechs Jahren mit dem Klavierspiel. Sie erhielt anfangs Musikunterricht in ihrer Heimatstadt und studierte anschließend in Marseille. Im Alter von 13 Jahren wurde sie am Pariser Konservatorium angenommen und erhielt dort 1985 den ersten Preis im Fach Klavier. Spätestens seit ihren Auftritten 1987 in Cannes und mit dem Orchestre de Paris unter der Leitung von Daniel Barenboim ist Grimaud als Pianistin international gefragt. Ein Zusammentreffen mit der fast 30 Jahre älteren Pianistin Martha Argerich im Rahmen des Internationalen Kammermusikfests 1989 in Lockenhaus bestätigte Grimaud darin, trotz der einsetzenden Bekanntheit an ihrem eigenständigen und unkonventionellen Stil festzuhalten. Mit nur 26 Jahren debütierte sie mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Claudio Abbado, vier Jahre später brillierte sie mit dem New York Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Kurt Masur. Seither arbeitet sie regelmäßig mit europäischen, nordamerikanischen und asiatischen Spitzenorchestern zusammen. 2002 unterzeichnete Grimaud einen Exklusivvertrag mit dem Musiklabel Deutsche Grammophon. Seither hat sie zahlreiche Alben aufgenommen, die Solowerke, Kammermusik und Konzerte verbinden.

Gabetta wurde als Tochter französisch-russischer Eltern geboren. Bereits als Kind verblüffte sie durch ihr musikalisches Talent. Im Alter von nur zwölf Jahren verlässt sie gemeinsam mit ihrer Familie Argentinien, da ihre Eltern in Europa bessere Chancen für ihr begabtes Kind sehen. Nachdem sie 1992 ihr Studium in Madrid aufnahm, wo sie ein Stipendium an der „Escuela Superior de Música Reina Sofía“ erhalten hatte, studierte sie zunächst bei Ivan Monighetti einem ehemaligen Schüler des weltbekannten Cellisten Mstislaw Rostropowitsch an der Musik-Akademie der Stadt Basel. Ihre Hochschulausbildung schloss sie bei David Geringas, ebenfalls ein ehemaliger Schüler Rostropowitschs, an der Musikhochschule Hans Eisler in Berlin mit dem Konzertexamen ab. Aufsehen erregte die junge Solistin 2004, als sie ihr Debüt mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Valery Gergiev bei den Luzerner Festspielen gab und dort den renommierten Crédit Suisse Young Artists-Award, eine der höchst dotierten Auszeichnungen für junge Musiker gewann. Seit Oktober 2005 lehrt sie als Assistentin von Ivan Monighetti an der Musik-Akademie in Basel, ihrer derzeitigen Heimat. Ihr Repertoire reicht von Interpretationen von Werken Vivaldis über Stücke klassischer Komponisten wie Haydn und Mozart bis hin zur Romantik und frühe Moderne mit den Konzerten von Elgar, Saint-Saëns und Schostakowitsch und umfasst damit nahezu alle bedeutsamen Werke der Cello-Literatur.

Erfolgsduo Grimaud/Gabetta: Tosender Applaus rund um die Welt (Foto: © Mat Hennek/Deutsche Grammophon)

Beide Musikerinnen präsentieren sich als Meisterinnen ihres Instrumentes, die in ihrem Zusammenspiel als perfekte Partnerinnen ein Werk schaffen, das an musikalischer Energie, Spannung und Ausdruck nur so sprüht.

Von Grimauds  Fingern, die während Robert Schumanns romantischen Fantasiestücken nur so über die Klaviertasten fliegen über Gabettas passioniertem Spiel in glasklarer Höhe auf dem Cello bei Brahms bis hin zu ihrem raschen Wechsel zwischen Pizzicato-Passagen und gestrichenen Abschnitten in Debussys Cellosonate in d-moll: Die beiden Solistinnen liefern ein leidenschaftliches, temperamentvolles, und vor allem unbefangenes Spiel, in dem jede einzelne Note intensiv gespielt und erlebt wird. Wie ein Zauber des Gemeinsamen, in dem zwei Instrumente nahezu eine Seele formen.

So verkörpern die beiden Musikerinnen nicht nur modernen musikalischen Zeitgeist sondern haben mit ihrer CD Duo gleichzeitig eine Hommage an die Kammermusik geschaffen. Und so energisch auch der Abschluss von Schostakowitschs Allegro klingt, hofft der Zuhörer, dass dies nicht die letzten Töne eines brillianten, künstlerischen Miteinanders sind, wie man es sehr selten findet.

Info: Mehr Infos zu den beiden Musikerinnen findet ihr auf Hélène Grimauds Homepage, ebenso wie auf Sol Gabettas Homepage.