Das 1×1 des Modebloggings – Kinderleicht zum eigenen Blog

Modefreundinnen und -freunde verzehren sich tagtäglich vor allem nach dem Einen: Inspiration. Und was könnte eine bessere Inspirationsquelle bieten als das Leben selbst? Ein Glück, dass es das Internet und mit ihm seine vielen Blogs rund um das Thema Modetrends, Lifestyle und Beauty gibt. All jene, in Sachen Fashion auf dem neuesten Stand bleiben möchten, kommen heutzutage nicht mehr umhin, sich– auf die eine oder die andere Weise – mit sogenannten Mode-Blogs zu beschäftigen.

Wen es angesichts der Online-Artenvielfalt allerdings selbst in den Fingern juckt, der sollte sich mithilfe der folgenden Step-by-Step-Anleitung von Face2Face schleunigst an sein eigenes neues Herzensprojekt namens Blog wagen. Es bedarf lediglich ein wenig Vorlaufzeit zur Vorbereitung:

1. Der Name

Nomen est omen – das gilt auch für die Benennung deines neuen Mode-Blogs. Pfiffig sollte der Name sein und dabei möglichst viel der eigenen Persönlichkeit transportieren. Folglich sind Allerwelts-Titel wie „Schatzis Webseite, Mode von Mausi91“ etc. eher ungeeignet. Solche nichtssagenden Webdomains sind zudem meist bereits anderweitig vergeben, was umso stärker für einen individualisierten Namen spricht. In Verbindung damit solltest du dir überlegen, welches dein Zielgruppe ist und in welcher Sprache du dich in deinen Blogposts vorzugsweise an sie wendest. Entsprechend muss auch die Endung deiner URL ausfallen, .com und .de machen einen gravierenden Unterschied in der Verbreitung deiner Inhalte, da sie durch erstere viel eher von einer Zielgruppe über die deutschen Grenzen hinaus rezipiert werden dürften. Letzterer ist allerdings ein Schritt, über den du dir im Anfängerstadium noch keine Gedanken machen solltest. Dir genügen zur einfachen Blogerstellung handelsübliche und vor allem kostenfreie Server wie die von de.wordpress.com, myblog.de oder der Google-Tochter blogspot.com.

2. Das Layout

Es stellt sozusagen das Gerüst, die Verpackung deines digitalen Gedankenguts dar. Ohne einen optischen Hingucker können deine Texte noch so gut geschrieben, deine Fotos noch so scharf aufgenommen sein. Es hilft alles nichts, ohne eine anständige Aufmachung bleibt sämtlicher Content wirkungslos. Hier empfiehlt sich, einige Zeit in Herumprobieren zu investieren. Gerade WordPress hat eine Menge vorgefertiger Blog-Designs, in der Fachsprache Themes genannt, im Angebot, die wie niedliche Kleidchen an den Körper deines Blogs angehalten werden wollen. Wenn du einmal zu den etwas geübteren BlogerInnen gehörst, wirst du dein Outfit mit Accessoires aufpeppen können, die –wie sich jeder Modeaffine längst auf’s Höschen gestickt hat– das A&O sind, um in der Praxis ordentlich was herzumachen. Bis es soweit ist, kann man sich aber mit den Basics begnügen. Erst, wenn es langsam an den Feinschliff geht darf sich vom Alleswisser Google oder wahlweise von einem befreundeten IT-Nerd zur Hand gegangen werden lassen.

3. Das Model

Mode wirkt, da für denselben bestimmt, am Menschen immer noch besser als am Kleiderhaken. Daher sollte frühzeitig überlegt sein, wer als Vorzeigemodel für deine Trends herhalten soll. Auch hier stehst du wieder vor einer Qual der Wahl: Entweder bist du es selbst – vorausgesetzt, es sind deine eigenen Kombinationen, die du im Blog hervorheben möchtest – der ein Schaulaufen mit seiner persönlichen Saisonware veranstaltet; oder aber ihr geht auf die Pirsch nach würdigen, modischen Vorzeigeexemplaren, die man nach Möglichkeit auf offener Straße vor die Linse bekommt, um an ihnen brandaktuelle „Streetstyles“ festzumachen. Gerade die stilbewussten Paradiesvögel unter ihnen werden sich nicht kamerascheu zeigen, denn sie sind es gewiss gewohnt, auf ihre außergewöhnlichen Outfits angesprochen zu werden.

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Standardausrüstung: Stativ, Selbstauslöser und besonders die Kamera dürfen nicht fehlen, wenn das eigene Blog ein Erfolg werden soll (Foto: Perlowa)

4. Das Equipment

Stehen die Grundidee und die richtige Präsentationsweise, geht es ans Eingemachte. Deine Grundausstattung besteht aus Kamera, Stativ und Selbstauslöser, wobei letzteres optional ist und ganz davon abhängt, ob ihr überhaupt Schnappschüsse von euch selbst einzubauen plant. An Stativ und natürlich einer ordentlichen Kamera führt allerdings kein Weg vorbei, da du weder verwackeltes noch zweitklassiges Bildmaterial auf deinem Blog zeigen willst.

5. Die Sponsoren

Hast du das Blog bereits in den Startlöchern und gewinnst langsam, aber sicher, schon die ersten Besucher, kannst du dich allmählich auf die Suche nach Sponsoren begeben. Diese Form der Kooperation brauchst du einerseits, um den Bekanntheitsgrad deines Modeblogs zu steigern und andererseits natürlich, um dir damit den ein oder anderen Groschen dazu zu verdienen. Außerdem wird es dir eine Freude sein, als Produkttesterin oder Probeträgerin verschiedener Labels zu fungieren. Auch, wenn du verpflichtet sein wirst, die meisten Muster zurückzusenden: Wer hat nicht gerne eine schönen Abend mit einer zwar geliehenen, aber bekanntermaßen sündhaft teuren Vuitton, für deren Spazierführung du am Ende sogar bezahlt wirst? Eine solche Selbst-Kommerzialisierung mag nicht jedermanns oder -fraus Sache sein, ist in der heutigen Zeit aber eine anerkannte Vermarktungsstrategie und durchaus erfolgsversprechend, wie diverse Durchstarterblogs belegen.

Doch wie bereits gesagt, sollte dein Blog vor allem inspirieren und zum Austausch anregen. Sorge also frühzeitig dafür, dass du um dich herum ein Netzwerk aus BloggerInnen spinnen kannst, die sich untereinander und nicht zuletzt dich pushen, verlinken und – ob in internen Facebook-Gruppen oder in Bloggerforen, auf speziellen Bloggerflohmärkten – dafür sorgen, dass auch dein Blog in aller Munde gerät und mithilfe deiner liebevollen Pflege und Verbreitungstaktik dauerhaft im Gespräch bleibt.

Vorschau: In der nächsten Woche lassen wir unseren modischen Frühlingsgefühlen freien Lauf.

BeSINGLEiche Festtage: Diskriminierung von Singles in der Weihnachtszeit

Als Single seinen Mann oder seine Frau zu stehen, ist an jedem Tag im Jahr eine echte Herausforderung. Da können die Leute mir erzählen, was sie wollen. „Jetzt brauchst du noch Niemanden an deiner Seite, du bist doch jung, genieße einfach deine Freiheit, wenn du dich auf andere Dinge konzentrierst, wird er schon ganz von alleine kommen!“, sind nicht nur inflationär angebrachte Binsenweisheiten, sondern leiten auch Argumentationsstränge ein, die ich unter normalen Umständen erstmal wirklich nicht aushebeln kann. Schließlich sieht man sich im als „beste Zeit seines ganzen Lebens“ deklarierten studentischen Alltag tatsächlich allerhand aufregenden Einflüssen ausgesetzt – eine Geburtstagssause hier, ein Kneipenabend da. Theoretisch bieten solcherlei Veranstaltungen natürlich Gelegenheit genug, um immer neue Bekanntschaften zu machen, wenn nicht gar vom Fleck weg mit ihnen anzubandeln, nur damit man sie kurze Zeit später wieder fallen und die Spiele von Neuem beginnen lassen kann.

Von dieser Warte aus gesehen ist das Single-Dasein also sicher ein Prächtiges, wie wahr. Pünktlich zu Beginn der Vorweihnachtszeit soll sich das allerdings ändern. Zu jeder Weihnachtsfeier erscheinen die vormals Freiheit proklamierenden Freunde urplötzlich nur noch paarweise. Eine solche Härteprobe überstehen Alleinstehende nur mit einer geballten Portion Zynismus, mindestens einer Zweier-Portion vom Buffet und einigen, die mitleidigen Blicke abwehrenden menschlichen Schutzschilden – geteiltes Leid ist eben manchmal eben doch halbes Leid – am Katzentisch. Mit dem Glühwein-Ausschrank auf dem Weihnachtsmarkt wird die für Single-Frauen und -Männer besonders ungemütliche Jahreszeit eingeläutet.

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Stille Nacht, eilige Nacht: Unterm Weihnachtsbaum rotten sich auf einmal alle paarweise zusammen (Foto: Perlowa)

Jene Wochen der vorgeblichen Besinnlichkeit treiben Ungebundene nun nicht mehr in das nächstgelegene fremde Bett, in dem es nach Abenteuer und muffigen Laken riecht, sondern geradewegs in eine Spirale der Sinnlosigkeit. Schuld daran geben wir wie immer den anderen: Die in der Regel ohnehin immer die armen Singles diskriminierende Werbeindustrie, die kompromittierenden Familienfeste – „Kind, wann heiratest du denn endlich?“ – das Umfeld, das uns in den Ohren damit liegt, dass es noch immer auf der Jagd nach dem perfekten Geschenk für ihre Partnerinnen und Partner sei. Oder sind in Wahrheit wir es, die sich Heiligabend nur zum Anlass für ein weiteres Klagelied nehmen? Ist es nicht vielleicht gar Teil unseres Überlebenstrainings, dass wir stillschweigend unser selbstbeschertes Päckchen tragen, getreu dem Motto „Stille Nacht, heilige Nacht?“

Alles, was ich weiß, ist, dass es im vergangenen Jahr anders, nicht aber unbedingt einfacher war. Ich hatte erstmals zu dieser Zeit einen Freund und mit ihm eine zweite Familie, die zum heiligen Fest ihrerseits natürlich ebenfalls nach kleinen materiellen Aufmerksamkeiten verlangte. Und so schön es auch war, sich über die Weihnachtstage nicht allein, sondern gemeinsam die Bäuche vollzuschlagen, Geschenkpapier aufzureißen und der lieben Verwandtschaft mehr oder weniger aus dem Herzen kommende gute Wünsche auszurichten: Geändert hat das an meiner generellen Abneigung gegenüber der kommerzialisierten, artifiziellen Nächstenliebe leider wenig. Noch immer wollte ich mich pünktlich zum 24. Dezember in den grünen Grinch verwandeln und dem Christmas-Kitsch ein Ende bereiten.

Dass ich nur wenig später auch meiner Beziehung ein Ende bereiten würde, war dato zwar noch nicht absehbar, aber für den dreitägigen Ausnahmezustand zum Jahresende im Grunde auch völlig irrelevant. Ich hatte es gehabt, dieses vermeintlich erstrebenswerte Weihnachtsfest mit Partner an meiner Seite und statt mich von der Diskriminierung endlich ausgenommen und somit über alle Maßen „oh so fröhlich und oh so selig“ zu fühlen, war ich genauso genervt von den überkandidelten Veranstaltungen wie an allen anderen Geburtstagen Christi auch.

Offenbar ist es also Tatsache, dass sich der Winter mit Wärme im Herzen zwar deutlich weniger kalt, Weihnachten dabei aber nicht minder anstrengend anfühlt. Single zu sein bleibt für Singles alle vier Jahreszeiten hindurch eine nervenaufreibende, aber zuweilen auch aufregende Zeit, die von Lametta und Christbaumkugeln weder verschlimmert noch beschönigt werden kann.

Ich glaube, Single zu sein, das ist, was es eben ist – für so manchen Vermählten eine nostalgische Erinnerung an feucht-fröhliche Feten und sorglose Unabhängigkeit und für das ein oder andere einsame Herz ein Grund, sich nach besseren Tagen, nach Zugehörigkeit zu sehnen. Über die Weihnachtszeit ist letztere ohnehin schon zwangsläufig gewährleistet, schließlich bleibt Familie in dieser Hinsicht ebenfalls etwas, das man nicht ändern, aber auch nicht verleugnen kann. Die Bedeutung des Festes der Liebe liegt somit nicht in der (romantischen) Liebe selbst. Sie liegt hier, in deftigem Essen, einem „Kevin allein Zuhaus“-Marathon vor dem Fernseher und der extended Version von Whams „Last Christmas“ bei Kerzenlicht.

 Vorschau: In der nächsten Wochen begrüßen wir mit Kolumnist Sascha zwar das neue Jahr, verabschieden uns jedoch vom Betriebssystem Windows XP. Und auch für mich heißt es Abschied nehmen: Liebe Kolumnen-LeserInnen, es war schön mit euch!

Die Kommerzialisierung der Musik am Beispiel „Culcha Candela“

Mit ihrem Song „Hamma!“ schossen „Culcha Candela“ im August 2007 auf Platz eins der deutschen Single-Charts, wo sie sich ganze 52 Wochen halten konnten. Eine Erfolgsgeschichte wie sie im Buche steht: Aus dem Nichts in die Charts.

 Aus dem Nichts? – Nicht wirklich. Denn tatsächlich besteht die Formation bereits seit 2001 und hat bis zum deutschlandweiten Erfolg mit „Hamma!“ schon zwei Alben – 2001: „Unión verdadera“ und 2005 „Next generation“ – veröffentlicht. Von denen wissen allerdings die wenigsten. Und eine Unión verdadera (zu Deutsch: authentische Gemeinschaft) war „Culcha Candela“ auch bis etwa 2007. Eine bunte Mischung ethnischer Herkünfte, unter anderem Polen, Kolumbien und Deutschland, Songs in mindestens drei verschiedenen Sprachen – eine Band, für die Gesellschaftskritik kein Tabuthema war. Die Betonung liegt auf WAR. Hier einmal ein aussagekräftiger Vergleich:

Textausschnitt aus „Augen auf“ (keine Chartplazierung; Album: Unión verdadera, 2004):
Mächtig whack ist der fact und noch nicht einmal legit,
dass der Chef von dieser nation nicht mehr power hat als shit.
Macht er mit ist er der Spielball von den ganzen Lobbyisten
Und hat keine schöne Aussicht, sondern eine von den tristen.
Terroristen, schwarze Listen alle sind jetzt plötzlich gleich,
Doch sie sind es wirklich erst im gelobten Himmelsreich.
Streich die ein Prozent der Leute die die halbe Welt besitzen
Und du hast noch neunundneunzig auf dem Rest der Scheiße sitzen.

Zum Vergleich ein Auszug aus „Ey DJ“
(Platz 7 in den deutschen Single-Charts; Album: Culcha Candela, 2007):

Oh Mami, wie du Dich bewegst.
Von hinten sieht´s aus, als wenn Du viel bewegst,
meine Blicke wandern von Backe zu Backe,
wenn ich mich entscheiden müsste würde ich beide nehmen,
meinen Quadrizeps dehnen und dann richtig abgehen.
Gib mir Vibration, ich will dein ***** zittern sehen
Ey Stop! Wofür wirst Du bezahlt? DJ, dreh die Platte rückwärts, spiel den Shit nochmal!

Und? Was aufgefallen? Wahrscheinlich würde selbst ein blinder mit Krückstock den Unterschied erkennen (ohne jemanden diskriminieren zu wollen). Hier stehen sich Sinn und Unsinn frontal gegenüber. Anscheinend wurde in Beispiel zwei versucht den Inhalt des Liedes, sowie das Sprachniveau an die breite Masse der Zuhörer anzupassen. Nicht nur, weil der Text insgesamt wenig aussagekräftig ist, sondern auch weil fremdsprachliche Begriffe, sowie Fachausdrücke beinahe völlig vermieden wurden. Dieses Phänomen kennt man im Journalismus nur zu gut: Ja keine ausländischen Wörter oder komplizierten Fachjargon verwenden, sonst fühlt sich der Leser in seinem Intellekt angegriffen.

 2009 machte es dann den Eindruck als würde die Band geläutert zu ihren ursprünglichen, musikalischen Wurzeln zurückkehren. In ihrem Song „Schöne neue Welt“ (Platz 12 in den deutschen Single-Charts) setzen sie sich ironisch-satirisch mit Themen wie Klimawandel, Überwachungsstaat und Schönheitswahn auseinander. Aber sind wir doch mal ehrlich: Leute, die sich von einem „Ey DJ“-Text ansprechen lassen, werden die Ironie in Aussagen wie „Jeder sagt es: Klima ist ’ne Riesenkatastrophe, doch bald brauchen wir nur noch Bikini und ’ne Badehose“ Wohl kaum durchschauen.