Vertrau dir selbst – warum Selbstvertrauen so wichtig ist

Es war bei einem Sommerfest vom Kindergarten. Mein Sohn stand mit den anderen Kindern auf einer kleinen Bühne, die Musik setzte ein, die Kinder sangen. Alle? Nein, nicht alle. Mein Junge stand da, die Hände schützend vors Gesicht, geduckt, unter Tränen. Fünf Sekunden später drückte er das verweinte Gesicht an mich und ich fragte mich, wohin das ganze Selbstvertrauen verschwunden war, mit dem er sonst sprach. Schließlich kam er, mein kleines Plappermaul, zur Sprachförderung, weil er sich auch in der Gruppe nicht mehr traute, den Mund auf zu machen. Heute meldet er sich tatsächlich gern in der Schule und freut sich, etwas Eigenes zu zeigen.

Vertrauen in uns Selbst?

Kein Selbstvertrauen? Die Angst vor dem Blick von Außen (Foto: amberb/pixaba.de)

Kein Selbstvertrauen? Die Angst vor dem Blick von Außen (Foto: amberb/pixaba.de)

Selbstvertrauen ist eine komische Sache. Denn uns selbst vertrauen wir eigentlich sehr oft. Morgens, wenn wir uns anziehen, sind wir unserer Sache ganz sicher. Die Unsicherheit kommt erst, wenn andere unsere Kleidung, die Frisur oder den fiesen Pickel am Kinn begutachten. Manchmal ist Selbstvertrauen weniger die Frage nach der eigenen Vorstellung, als die, nach der der Vorstellung, die wir beim Gegenüber erzeugen. Das Fremdbild dominiert, wie viel Selbstvertrauen wir haben. Bei kleinen Kindern im Kindergarten und bei den großen Erfolgreichen. Diese Erfahrung haben auch Katty Kay und Claire Shipman gemacht, zwei renommierte Journalistinnen, die gemeinsam das BuchConfidence Code“, erschienen auf Deutsch bei btb, geschrieben haben. Maßgeblich gehen sie dabei der Frage auf die Spur, was Frauen selbstbewusst macht. Die Grundlagen dieser ominösen Eigenschaft sind aber geschlechterneutral.

Gene und Werden

Was aus uns werden kann: auch Superman hegt Selbstzweifel (InspiredImages / pixabay.de)

Was aus uns werden kann: auch Superman hegt Selbstzweifel (InspiredImages / pixabay.de)

Sind, wie bei so vielen Eigenschaften, auch bei Selbstvertrauen die Gene die Grundlage, sagen sie auch hier nur, welche Tendenzen bestehen. Es gibt solche Anlagen, die einen mutigeren Menschen mit viel Stressbewältigung schaffen könnten, und dennoch kommt ein alles hinterfragender Angsthase mit Komplexen heraus. Anders herum kann natürlich auch die genetische Grundlage problematischer sein und der Mensch wird trotzdem ein selbstbewusstes Erfolgswesen. Die Umwelt entscheidet, was aus unseren Genen zum Tragen kommt und ob wie die Grundlage übertrumpfen. Sicherheit, Erfahrungen, Bindungen – all das beeinflusst, wie selbstbewusst wir werden können. Und durchaus nicht nur im anzunehmenden besten Fall. Die Autorinnen sprachen mit Politikerinnen, Geschäftsfrauen und Sportlerinnen. Eine von ihnen musste beispielsweise bereits als Vierjährige auf die jüngeren Geschwister aufpassen. Manchmal ist also gerade eine Ausgangslage, die kritisch betrachtet werden kann, der Grund, noch mehr zu leisten und sich noch mehr zu vertrauen.

Vertrauen und gut ist’s?

Zwischen Zweifel und Vertrauen: Ein ständiger Wechsel (johnhain/pixabay.de)

Zwischen Zweifel und Vertrauen: Ein ständiger Wechsel (johnhain/pixabay.de)

Mein Sohn hat gerade wieder ein großes Problem. Er ist jetzt acht und findet sich in seiner Daunenjacke zu dick. Mir fällt bei der Aussage der Himmel auf den Kopf, aber sie zeigt nur, dass er immer noch sehr bedacht darauf ist, wie er auf andere wirkt. Lieber friert er in einem Jäckchen bei Minustemperaturen, als zu riskieren, von anderen Kindern ausgelacht zu werden. Daran arbeite ich. Bezeichnend ist das Beispiel aber auch dafür, dass unser Selbstvertrauen eben kein fester Bestandteil ist. Es variiert. Alle Frauen (und Männer) mit denen Katty Kay und Claire Shipman geredet haben sagten, sie würden immer wieder an sich zweifeln und müsste nimmer wieder ihr Selbstvertrauen neu aufbauen. Ein ewiger Kreislauf, ein ewiges Training. Als wäre das Selbstvertrauen ein Muskel, der bei zu wenig Übungen degeneriert. Und weil wir Lob gerne als Schleimen oder unnötige Hudelei betrachten, erfahren wir alle manchmal zu wenig Bestätigung. Angefangen bei einem Danke bis hin zum waschechten Lob.

Warum eigentlich Selbstvertrauen?

Starker Auftritt? Selbstvertrauen macht Selbstvertrauen (OpenClipart-Vectors/pixabay.de)

Starker Auftritt? Selbstvertrauen macht Selbstvertrauen (OpenClipart-Vectors/pixabay.de)

Dabei ist Selbstvertrauen so wichtig für uns. Es macht uns stark und mutig. Selbstvertrauen strahlt nach außen, was nur logisch wird, da es ja auch den Fremdblick nach innen weiter gibt. Dadurch aber mach Selbstvertrauen auch erfolgreich. Wichtig ist dabei wie immer das rechte Maß. Wenn ich mich vor ein Millionenpublikum stelle und einfach behaupte, ich sei toll, fallen ein paar vielleicht auf mich rein. Viele aber werden die leeren Phrasen erkennen. Schon mache ich mich lächerlich und auch der Erfolg bleibt aus. Manche aktuellen Beispiele lassen zwar vermuten, dass Kay und Shipman mit ihrer Meinung, Männer wären von Haus aus mit mehr Selbstvertrauen ausgestattet, recht haben könnten. Doch bei genauerem Hinsehen sind auch diese Beispiele nur verzweifelt auf der Suche nach Bestätigung und steigern sich in eine krankhafte Selbstüberhöhung hinein. Ich jedenfalls kenne mehr als genug Männer, die an sich selbst zweifeln und ihre eigenen Taten immer wieder hinterfragen. Angefangen bei meinem Sohn.

Die Würfel rollen – mein erstes Rollenspiel

Mehr braucht es nicht: Stift und Papier ( Foto: EsaRiutta / pixabay.de)

Mehr braucht es nicht zum Rollenspiel: Stift und Papier ( Foto: EsaRiutta / pixabay.de)

Die Würfel explodieren. Aus sechs Augen werden 12, dann 18, 23. Ein anerkennendes Raunen geht durch den Raum. Der Golem fällt um wie ein Becher auf dem Kinderessplatz. Laut, aber wirkungsvoll. Noch ein zwei Würfe und das Spiel ist vorbei. Natürlich gab es keinen echten Golem, keine echten Dämonen oder Monsterspinnen. Nach drei abendfüllenden Treffen habe ich nun mein erstes Rollenspiel hinter mich gebracht. Es schäme sich, wer nun an etwas Schmutziges denkt. Ich meine ein einfaches „Pen & Paper“ Rollenspiel, zu dem ich mich habe verleiten lassen. Und ich fand es grandios.

Der Weg dorthin

Nun gibt es bestimmt Augenrollen und Schulterzucken. Gerne werden Rollenspiele mit Stift und Papier als Kram für sogenannte ‚Nerds‘ oder ‚Geeks‘ abgetan. Manche behaupten auch, die Spielart sei auf dem Rückzug, längst überholt. Immerhin gibt es virtuelle Möglichkeiten in andere Welten einzutauchen und Abenteuer zu erleben, ‚Quests‘ zu absolvieren und Erfahrungspunkte (EPs) zu sammeln. Und auf der anderen Seite gibt es die, die aufs Ganze gehen und Rollenspiele als ‚live Rollenspiele“ erleben wollen. In Gewandung und mit einer Biografie, die aus dem Geschichtsbuch stammen könnte. Ich aber bin um diese Bereiche immer wieder herumgestreunt, habe aber weder das eine noch das andere ausprobiert. Bis jetzt.

Mit Stift oder Gewandung

Wie Sitting Bull und Buffalo Bill: Wild West live Rollenspiele (Foto: skeeze / pixabay.de)

Wie Sitting Bull und Buffalo Bill: Wild West live Rollenspiel (Foto: skeeze / pixabay.de)

Es wäre zu einfach mal wieder dem Mann die Schuld zu geben, der ‚Pen & Paper“ während der Schulzeit gespielt hat. Und außerdem irgendwie sexistisch. Wahrscheinlich wäre dies aber eine Erfahrung gewesen, die ich zwar immer interessant gefunden hätte, aber nie vom Gedanken zur Tat gekommen wäre, gäbe es da nicht unsere Freunde. Diese Freunde meinen es ganz ernst. Am liebsten tauchen sie in ihre Rollen beim Wild West ‚live‘ Rollenspiel, mit Kind und Kegel, historischem Kinderwagen und selbstgenähten Kleidern, die hier nicht Kostüme heißen, sondern Gewandung. Historische Rollenspiele also. Aber sie kennen sich auch aus in der Welt der Star Trek Rollenspiele, bei Herr der Ringe, Star Wars, und und und. Und neben der Begeisterung für das vollständige Eintauchen in eine selbst gewählte Rolle mögen diese Freunde auch noch das klassische ‚Pen & Paper‘. Nach einem gemeinsamen Krimi Dinner hatten sie mich schließlich soweit. Wir kauften uns Würfelsets und der Spaß konnte beginnen.

Spielleiter …

Zu viert bestritten wir unser erstes Abenteuer, zusätzlich muss es immer einen Spielleiter geben, der kreativ auf die Entscheidungen der Spieler eingeht, die Regeln beherrscht, die Handlung sowieso. Außerdem gibt es solche Figuren, die nicht von den Spielern gesteuert werden, NSCs. Das können Dorfbewohner, Helfer, fantastische Wesen, aber auch die Gegner sein. Dass wir dabei in eine fantastische Welt gerieten lag dann wohl wirklich an mir, denn dieses Genre ist mein liebstes. Genauso gut wäre aber ein Horror-Plot, ein Science Fiction Abenteuer oder sonst eine Geschichte möglich gewesen.

… und Spieler

Werden gebraucht: viele, viele bunte Würfel (Foto: cocozi / pixabay.de)

Werden beim Rollenspiel gebraucht: viele, viele bunte Würfel (Foto: cocozi / pixabay.de)

Als Spieler gibt es erst einmal einen Charakterbogen, der erklärt, welche Eigenschaften die Figur hat, die im Spiel gesteuert wird. Entscheidungen und Aktionen hängen dann vom Würfelergebnis ab. Bei uns mussten wir mindestens eine Vier würfeln, um überhaupt Möglichkeiten auf Erfolg zu haben. Wer den höchstmöglichen Wurf schafft – beim klassischen Würfel mit maximal sechs Augen (ein W6) wäre das also eine Sechs – darf noch einmal würfeln. Es gibt aber noch mehr Würfel die beim ‚Pen & Paper‘ genutzt werden können. Vom W4 bis zum W100 ist eigentlich alles möglich. Ganz so wild wurde es bei uns dann nicht. Erstaunlich schnell war ich in der Materie, in meiner Rolle, in meinem Element. Spaß macht so ein Rollenspiel mit Stift und Papier – das nichts anderes als ein kreatives Gesellschaftsspiel ist – vor allem dann, wenn der Plot sich entwickelt. Wer direkt durch die Handlung marschiert, kommt zwar schneller ans Ziel, lernt aber auf ungeahnten Wegen auch weniger kennen. Wir jedenfalls haben uns direkt ins nächste Abenteuer mit unserer Gruppe gewagt. Mein Mann als narzisstischer Elf und ich als naturverbundene Animistin. Und die Würfel rollen.

Neue Sprache, jeden Tag

Gerade erlebe ich das Wunder der Sprache. Jeden Tag lernt mein jüngster mehrere Wörter, bastelt Sätze. Heute waren es sogar drei Worte, die er verbunden hat. „Papa Licht aus.“ Ein Meilenstein für ein Kind unter zwei. Ein Meilenstein, wenn ich bedenke, dass vor ein paar Woche „Licht“ das gleiche bedeutete, dass es davor noch ein „da“ war. Und alles meinte doch dasselbe. „Papa hat das Licht ausgemacht“. Das Erstaunliche daran ist für mich nicht etwa das Erlenen neuer Worte. Neue Worte lerne auch ich noch immer. Fachbergriffe, regionale Besonderheiten, fast vergessene Formulierungen, einfache Wörter, die mir bisher noch nicht bekannt waren. Faszinierend finde ich viel mehr die Erweiterung der Laute, wo die Bedeutung doch gleichbleibt.

Wundervolle Sprache

Wundervoll willkürlich: Sprache ist oft arbiträr (Foto: wilhei / pixabay.de)

Wundervoll willkürlich: Sprache ist oft arbiträr (Foto: wilhei / pixabay.de)

Sprache ist etwas Wundervolles. Das sage ich aus tiefstem Herzen. Nicht umsonst habe ich Literaturwissenschat studiert, denn in der Literatur wird die Sprache zur Kunst, zur Lehrerin, zum Lebensinhalt. Sprache, so sagen manche, unterscheidet den Menschen vom Tier. Heute wissen wir, dass diese Aussage im Grunde falsch ist. Tiere kommunizieren durchaus komplex. Gestik und Mimik, Bewegungen und Handlungen, Laute und Geräusche können ganze Geschichten erzählen. Bienen tanzen, um Wege zu erklären. Wale singen, um sich zu verständigen. Lehren, Berichten, Reden, all das gibt es nicht nur bei Menschen, sondern überall. Und doch unterscheidet sich unsere Sprache von der anderer Tiere. Zum einen erzählen wir Geschichte, Märchen, schaffen fiktive Wirklichkeiten. Zum anderen ist unsere Sprache arbiträr. Wahllos haben wir Laute vergeben. Für Dinge und Geschehnisse. Und für Buchstaben. Zeichen für Laute.

Lautes Leben

Muttersprache: Sprache prägt bereits vor der Geburt (Foto: arutina / pixabay.de)

Muttersprache: Sprache prägt bereits vor der Geburt (Foto: arutina / pixabay.de)

Nur logisch vielleicht, denn mit Lauten fängt alles an. Laute, die wie von selbst kommen, Schreien, As und Os. Bereits Neugeborene schreien in ihrer Muttersprache „schreien“. Die Geräusche, die sie während ihrer Entwicklung im Mutterleib gehört haben, prägen sie auf Rhythmus, Tonhöhe, Lautfolgen. Und nicht nur das. Sie erkennen auch, wenn jemand in ihrer Gegenwart eine andere Sprache benutzt. Sprache ist von Geburt an Kulturgut, bevor wir sie sprechen können, erkennen wir sie geradezu instinktiv. Was nicht heißt, dass wir diese Muttersprache einfacher lernen, als eine andere. Eines der ersten Wörter, die mein Jüngster gelernt hat, war „bitte.“ Nur, dass er es nicht wie „bitte“ ausspricht. Er spricht es ungefähr so aus, wie der siebzehnjährige Pavel Chekov in der Neuauflage von „Star Trek“, gespielt vom kürzlich verstorbenen Anton Yelchin. Der macht aus dem kurzen I ein langes und es klingt ungefähr wie „bietthe“. Genauso spricht mein Sohn es aus.

Fremde Sprache?

Sprachlos? Unser Sprachraum verändert uns (Foto: Maialisa / pixabay.de)

Sprachlos? Unser Sprachraum verändert uns (Foto: Peggy_Marco/ pixabay.de)

Natürlich wird diese Färbung irgendwann verschwinden. Unsere Sprache passt sich an. Meine Tante, die in ihrer Studentenzeit nach Frankreich zog, heiratete, Kinder bekam, sich scheiden ließ und noch immer dort lebt und arbeitet, spricht heute Deutsch mit leichtem französischen Akzent. Betonungen, die den Einfluss des Französischen offenbaren. Ihre Tochter, die mittlerweile seit ein paar in Deutschland lebt und arbeitet, hat dagegen diesen Akzent nahezu verloren. Dagegen behalten andere scheinbar absichtlich das Erkennungsmerkmal ihrer Fremdsprachlichkeit in ihrer Benutzung der deutschen Sprache. Manchmal bestimmt mit Absicht. Manchmal aber auch, weil der Rückzug in den eigenen Sprachraum immer noch täglich möglich ist. Interessant ist dabei doch, dass Kinder, die in zwei Sprachräumen aufwachsen, oft mühelos und ohne Akzent zwischen den Sprachen wechseln können.

Neue Sprache – Sprache lernen

Heimat! Sprache verbindet uns (Maialisa / pixabay.de)

Heimat! Sprache verbindet uns (Maialisa / pixabay.de)

Heute geht es oft um die Frage des Fremdspracherwerbs. Um angebliche Verweigerung und Integrationsprobleme. Vielleicht wäre das Problem gar kein so großes, wenn wir es aus einer anderen Perspektive erfassen. Zum einen dürfen wir nicht vergessen wie rudimentär manche Deutsch-Kurse sind, gerade wenn sie kostenlos angeboten werden. Wenig bis kein Material und wenig Zeit, so dass gerade mal Grundkenntnisse, die im Alltag vielleicht für „ja“/“nein“ reichen, vermittelt werden können. Zum anderen ist für Geflüchtete die Sprache ihr letzter Anker zur Heimat. Hab und Gut ist kaum mehr da, Verwandte sind teilweise verloren oder unerreichbar und um sie sind viele Menschen, aber alles Fremde, mit fremden Sprachen und fremden Wörtern. Sprache trennt. Die eigene Sprache ist da ein Hafen, das letzte bisschen Kultur und die Gemeinsamkeit, an der Menschen ihre Landsleute erkennen. Ob im Urlaub in Spanien oder Italien oder nach der Flucht in einem Aufnahmelager. Sprache verbindet. Mein Sohn lernt Worte und ordnet sich damit jeden Tag mehr seiner Umwelt zu. Sprache prägt. Und doch ist es leicht, neue Worte zu lernen, neue Sprache, neue Welten. Jeden Tag und nicht nur für unter zwei Jährige.

Wir tragen alle eine Burka

Skandalbadeanzug? Immer eine Frage der Perspektive (Foto: ArtsyBee / pixabay.de)

Skandalbadeanzug? Immer eine Frage der Perspektive (Foto: ArtsyBee / pixabay.de)

Lange bevor meine Großmutter anfing, sich selbst zu vergessen, erzählte sie mir, wie ungerecht sie es fand, dass ihre jüngere Schwester mit einem knappen Badeanzug an den Strand durfte und Lippenstift benutzte. Sie selbst schminkte sich auch später nie, trug als Jugendliche diese Badenanzüge, deren Beine versuchten, die Knie zu bedecken. Sie hatte erlebt, wie am Strand Maß genommen wurde, ob diese Beine lang genug waren, oder die Frauen dem Platz verwiesen wurden. Ein Bikini wäre ihr nie im Traum auch nur an die Nähe ihrer Haut gekommen. Ich frage mich, was sie zu den Burkinis sagen würde, wenn sie die Debatte noch nachvollziehen könnte. Wie sie die groteske Verdrehung der Zeitgeschichte kommentierte, da die Diskussion nun beinhaltet, wie kurz Bademode sein muss, um noch kulturell passend zu sein. Es ist eine dieser Situationen, in denen ich nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll.

Kein Burkini ist ein Problem

Was wir wollen: nackte Haut (Foto: gadost0 / pixabay.de)

Was wir wollen: nackte Haut (Foto: gadost0 / pixabay.de)

Dass das Vorgehen der Strandpolizisten im französischen Urlaubsort falsch war, darüber ist sich die Mehrheit heute einig. Nicht jene, die in Mecklenburg-Vorpommern erschreckenderweise an zweiter Stelle stehen, aber doch die Mehrheit, zum Glück. Eine Frau wurde zum Ausziehen gezwungen. Das liest sich wie ein Bericht über eine Demütigung, einen Angriff, eine Vergewaltigung. Zum Ausziehen gezwungen. Mit Waffen in der Hand. Da kommt Urlaubsstimmung auf. Warum lassen wir nicht die Bundeswehr unsere Kinder mit Gewehren ausstatten, sie können den französischen Beamten zu Hilfe eilen. Kindersoldaten eben. Wir zeigen zurück: unsere Kinder sind auch nicht ohne. Und: wir wollen nackte Haut sehen. Eine kuriose Forderung. Eine maßlose Erniedrigung aller Frauen übrigens. Nur mit nackter Haut, möglichst vieler, lassen wir euch an den Strand. Dabei, soweit sind wir uns einig, sind die relativ engen Burkinis, ja kein Problem an und für sich. Es geht ums Prinzip. Ums Prinzip, das uns sagt, Moderne heißt knappe Kleidung. Und meine andere Oma trägt heute manchmal noch ein Tuch um den Kopf.

Ein Augenblick reicht

Wenigstens das Gesicht. Wir gestatten nichts abseits unserer Norm (Andreas160578 / pixabay.de)

Wenigstens das Gesicht. Wir gestatten nichts abseits unserer Norm (Andreas160578 / pixabay.de)

Die Burkini-Debatte ist nur ein Ableger der Diskussion um die Burka. Wo die wenigsten wissen, was genau die Burka ist, gibt es zahllose Stimmen gegen sie. Ein Punkt, in dem sich sogar meine Mutter und meine Stiefmutter einig sind. „Ich will wenigstens das Gesicht sehen, wenn ich mit jemandem rede“, sagen beide. Damit kritisieren sie aber nicht nur die Burka, bei der auch die Augen bedeckt sind, sondern auch den Niquab, wobei ein Gesichtsschleier die Augenpartie frei lässt. Ein Hidschab dagegen, ein Kopftuch, das das Gesicht vollständig offenlegt wäre beiden recht. Aber auch der Tschador lässt das Gesicht frei, der restliche Körper wird von ihm aber bedeckt. Warum aber diese weitläufige Meinung: wenigstens das Gesicht. Das Gesicht des Gegenübers zu sehen, wägt uns in Sicherheit. Zum einen lässt sich so das Geschlecht besser erkennen und in unserer Gesellschaft, die sich so gerne aufgeklärt gibt, hat die Unterscheidung, ob ich mit einem Mann oder eine Frau rede, weitreichende Folgen. Wir verhalten uns anders, implizieren andere Dinge, schätzen die Person vor uns anders ein. Zum anderen lesen wir die Mimik unseres Gegenübers, sehen seine Augenbewegungen, das Stirnrunzeln, das Lächeln. So kennen wir das. Und was der Bauer nicht kennt …

Der männliche Blick

Freiheit? Wir sind genauso im männlichen Blick auf unsere Mode gefangen, wie wir es von Burka-Trägerinnen glauben ( Foto: AdinaVoicu / pixabay.de)

Freiheit? Wir sind genauso im männlichen Blick auf unsere Mode gefangen, wie wir es von Burka-Trägerinnen glauben ( Foto: AdinaVoicu / pixabay.de)

Ich bin ganz ehrlich mit euch. Es gibt Tage, da beneide ich die Frauen, die eine Burka tragen oder auch einen Niquab, manchmal würde mir auch ein Tschador reichen. Tücher, unter denen es scheißegal ist, was ich trage. Es ist egal, ob es modisch ist, eng anliegt, sexy oder professionell ist. Egal, wie viel Haut ich zeige, wie viel Brust, wie viel Bein. Es ist darunter egal, ob ich geschminkt bin, ob meine Haare aufwendig frisiert sind, ob ich Schmuck trage. Ob ich mich den Konventionen unterwerfe, die der männliche Blick unserer Welt mir auferlegt, würde darunter keine Rolle spielen. Es ginge um mich, meine Fähigkeiten, meine Persönlichkeit. Ein unschlagbarer Vorteil meiner Meinung nach. Stellt euch das vor. Alle müssten in Burka zum Vorstellungsgespräch – Äußerlichkeiten würden plötzlich keine Rolle mehr spielen. Kein Mobbing in der Schule oder auf der Arbeit, weil ich irgendwelche „Must haves der Saison“ eben nicht habe. Nicht die Notwendigkeit, mein Ich unter moderner Kleidung zu verschleiern, nur weil es sich „so gehört“. Natürlich würde ich vom Regen in die Traufe kommen. Auch eine Burka ist aus dem männlichen Blick entstanden. Aber Muslimas, die so ein Gewand tragen, vorzuschreiben, unsere tragen zu müssen, weil die ja so viel freier und selbstbestimmter sind. Das ist pure Heuchelei. Es ist ebenso lächerlich, wie abzumessen, ob Burkinis zu lang sind, oder Badeanzüge zu knapp. Wir wollen wenigstens Gesichter sehen? Wir zeigen uns ja gegenseitig nicht mal unsere wahren Gesichter. Und da müssten wir anfangen.

Das Leben ist kein Handyspiel

Mittlerweile ist es statistisch gesehen wahrscheinlicher zu sterben, weil jemand PokémonGo spielt, als durch einen Haiangriff getötet zu werden. Als mein Mann mir das heute sagte, glaubte ich es nicht. Am Ende war es dann auch nicht so schlimm. Ja, ich habe gehört, dass ein paar Kerle ins Übungsgebiet der Bundeswehr gelaufen waren. Und die Welt ist groß. Dümmere gibt es bestimmt. Aber so viele? Als wäre nicht bekannt, dass es hilfreich sein kann, vor dem Überqueren der Straße nach rechts und links zu schauen. Das lernen meine Kinder im Kindergarten. Und in der Schule noch einmal. Verkehrserziehung nennt sich sowas.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Augen auf die Straße. Aufs Handy zu starren ist auch für Fußgänger gefährlich (Foto: Stux / pixabay.de)

Augen auf die Straße. Aufs Handy zu starren ist auch für Fußgänger gefährlich (Foto: Stux / pixabay.de)

Vielleicht ist es mit Fußgängern wie mit Autofahrern. Da gibt es schon länger die Debatte, regelmäßige Tests einzuführen, um die Fahrtauglichkeit zu gewährleisten. Spätestens ab einem gewissen Alter. Das wäre aber dann ja Altersdiskriminierend, also doch lieber für alle. Finde ich, nebenbei bemerkt, eine gute Idee. Vielleicht könnten die Fahrer lernen, im Kreisverkehr beim Rausfahren zu blinken, statt beim Reinfahren. Oder wie das Reisverschlussverfahren funktioniert. Manche brauchen früh eine Auffrischung, dass das Auto bei Rot zu stehen hat, und am Steuer nicht nur Mobiltelefone verboten sind, sondern auch Zigaretten. Warum nicht gleich allgemeine einführen. Auch für Fußgänger. Ampel Rot, dann stehenbleiben. Wer aufs Telefon starrt sollte vielleicht langsamer laufen, oder gar nicht. Hans-guck-in-die-Luft ist heute halt ein Hand-guck-aufs-Display. Und das ist nicht nur lebensgefährlich (als wäre das nicht genug), sondern kann mancherorts auch zu Problemen mit der Polizei führen.

Böse, böse Medien

Gefährlich! Aber ist es die Technik oder doch der Mensch (Foto: succa / pixabay.de)

Gefährlich! Aber ist es die Technik oder doch der Mensch (Foto: succa / pixabay.de)

Dabei, seine wir doch ehrlich, geben wir die Verantwortung gerne ab, wenn wir dafür auch die Schuld abgeben können. Das Handyspiel ist schuld, dass die Leute virtuelle Monster jagen, statt auf den Weg zu achten. Das Telefon ist schuld, dass die Menschen in der Natur viereckige Augen bekommen und Momente auf Snapchat stellen, statt sie zu erleben. Computerspiele sind schuld an Amokläufen wie den in München. Das Darknet ist auch schuld, denn so kam der Kerl an eine Waffe. Das Internet ist sowieso immer schuld. Sexvideos sind schuld, Twittermeldungen, Facebookbeiträge. Medien sind böse, böse, böse. Skynet, eine Matrix, die um sich greift, der Mensch schon längst Cyborg, der ohne seine technischen Körperextinktionen ein Nichts ist. Was tut ihr hier? Ihr lest tatsächlich im Internet, online einen Artikel! Wohlmöglich unterwegs. Verflixte, verführerische, verdammte Technik, die uns einlullt und willenlos macht.

Lektion 1

Angst vor der Matrix? Nur der Mensch trägt die Verantwortung für sein Handlen (Foto: Comfreak / pixabay.de)

Angst vor der Matrix? Nur der Mensch trägt die Verantwortung für sein Handlen (Foto: Comfreak / pixabay.de)

Kompletter Blödsinn. Ihr kennt den Spruch nicht Waffen schießen auf Menschen, sondern Menschen schießen auf Menschen. Menschen haben die Waffe auch erfunden. Menschen haben Technik erfunden, erfinden immer weiter. Mehr. Und nicht etwa, um das Böse in der Welt zu verbreiten und nur aus Profitgier. Die mag durchaus mitunter eine gewaltige Rolle spielen. Ich wage aber zu behaupten, dass die grundlegenden Errungenschaften nicht zu Versklavung der Menschen gemacht sind, sondern um Ihnen zu helfen. Sicherheit durch die Möglichkeit überall zu telefonieren geht eben Hand in Hand mit der ständigen Erreichbarkeit. Das funktioniert nur in beide Richtungen. Und darum müsste es das Logischste der Welt sein, dass wir Menschen, wenn wir Technologien nutzen, auch lernen, damit umzugehen. PokemonGo sagt dir nicht, wann ein Auto kommt, das müssen deine Augen übernehmen, darum schau gefälligst auf die Straße, bevor du rüber gehst. Das ganze Internet schafft eine virtuelle Realität und wir werden darin zu virtuellen Abbildern. Würden wir uns die Mühe machen, das richtig zu begreifen, wäre es nur halb so schrecklich. Aber wir benehmen uns lieber wie Eingeborene, die glauben, ihre Seele wäre von einer Fotografie gefangen genommen worden. Das Internet ist Neuland? Dann erforscht es! Es gibt Schreckliches, ja, aber auch Großartiges darin zu entdecken. Die Verantwortung, mit Medien umgehen zu lernen, nimmt uns keine Technik ab. Die müssen wir tragen. Wir lernen nie aus, schon allein, weil die Welt nicht still steht. Und Neues heißt nicht, dass das Alte plötzlich nicht mehr gilt. Niemand hat gesagt, dass es einfach ist. Aber das Leben ist nun mal kein Handyspiel. Trotzdem erfreut es sich erstaunlicher Beliebtheit.

 

Was Twitter aus mir gemacht hat

Jetzt ist es passiert. Ich starre halb belustigt, halb entgeistert auf das Katzenbild, das mir von meinem Bildschirm zurückgeworfen wird. Es ist meine Katze, die ich da sehe, von mir aufgenommen. Ein Bild, das ich sehr mag, auch wenn es schon etwas älter ist. Und gerade habe ich es auf Twitter gestellt. Mein erster sogenannter „Catcontent“ – und auch nur weil Weltkatzentag ist. Trotzdem frage ich mich, ob ich sie noch alle zusammen habe. Katzenbilder im Internet. Also wirklich.

Warum noch zwitschern?

Twitter: mein persönliches Magazin (Foto: Unsplash/ pixabay.de)

Twitter: mein persönliches Magazin (Foto: Unsplash/ pixabay.de)

Dabei war ich lange Zeit gar nicht interessiert an Twitter. Habe es links liegen lassen und bin auch nur zu Facebook gekommen, weil mein Bruder mir Farmville gezeigt hatte. Und auch als ich zusätzlich zum virtuellen Nutzvieh der sozialen Netzwerke noch den zwitschernden Vogel auf dem Mobiltelephon installiert hatte, griff ich kaum darauf zu. Meine Autorenseite auf facebook war mit Twitter verknüpft, ebenso mein Blog. Warum noch zwitschern? – Heute ist mein Tipper auf den weißen Vogel vor blauem Grund so tagtäglich für mich, wie das Lesen der Spiegel-online Anwendung. Und mindestens ebenso informativ. Als in der Türkei geputscht wurde bekam ich meine Informationen direkt von Journalisten, die in der Türkei waren – mit genauen Angaben, ob die Meldung verifiziert ist oder nur Vermutung. Aktueller, kritischer und genauer war, was ich auf Twitter lesen konnte. Gleiches beim Anschlag in München, bei dem Twitter außerdem half, die Gestrandeten zu sicheren Unterkünften für die Nacht zu bringen. Auch ich teilte an dem Tag alle Angebote und Gesuche. Die Leute, die meine Tweets lesen, sind weit verstreut. Genauso wie die, deren Meldungen ich verfolge.

 

Eingeschworene Gemeinschaft

Eingeschworene Gemeinschaft: soziale Medien verbinden (Foto: OpenClipart-Vectors / pixabay.de)

Eingeschworene Gemeinschaft: soziale Medien verbinden (Foto: OpenClipart-Vectors / pixabay.de)

Während ich facebook fast ausschließlich für Face2Face, meinen Blog und die Autorenseite nutze und mittels der persönlichen Nachrichten mit Autoren, Bloggern und anderen Buchmenschen in Kontakt trete, ist Twitter für mich zur Heimat meines sozialen Medienlebens geworden. Und irgendwie sind wir eine eingeschworene Gemeinschaft. Es gibt guten-morgen-Grüße, Nichtigkeiten, kleine Zankereien, Hinweise, Persönliches und Allgemeines. Dank Twitter wusste ich als erste unseres Familienzweigs, dass mein Cousin in Jena heimlich geheiratet hat. Und über Twitter bin ich nicht nur mit Verwandten und ehemaligen Mitschülern, sondern auch mit jeder Menge Zufallsbekanntschaften, Bloggern, Verlagen und Autoren vernetzt. Veranstaltungen wie das Heidelberger Literaturcamp, dass eben auch auf Twitter so viel Aufmerksamkeit bekam, dass das dazu entworfene Schlagwort oben in den Trends landete, zeigen, welche Macht in Twitter steckt.

Die Mitmachmacht

Verändert? Natürlich beeinflussen uns soziale Medien (Foto: geralt / pixabay.de)

Verändert? Natürlich beeinflussen uns soziale Medien (Foto: geralt / pixabay.de)

Eine Mitmachmacht, die mich nun ein Katzenfoto einstellen ließ. Aus Spaß. Nach wenigen Minuten war es in der Darstellung nach unten gerutscht, bekam ein paar Herzchen, reihte sich in andere Katzenbilder – immerhin war ja Weltkatzentag. Dass ausgerechnet Twitter es geschafft hat, dass ich bei sowas mal mitmache, wundert mich dann doch. Denn eigentlich bin ich keine, die jeden Scheiß gleich für sich entdeckt. Ich laufe meist lieber etwas neben der Spur. Aber hier fühle ich mich tatsächlich trügerisch sicher. Eine Pseudo-Anonymität, durch die ich mit Menschen vernetzt bin, die ich teilweise im wirklichen Leben noch nie gesehen habe, die sich aber für die gleichen Dinge interessieren wie ist. Und gerade für die, die meine Umwelt eher weniger interessant findet. Freud würde vielleicht mit Triebsublimierung argumentieren und vielleicht hätte er irgendwie auch recht. Mich juckt das wenig, denn solange es funktioniert tut Twitter mir eben einfach gut. Und morgen geht es da dann auch wieder mehr um Bücher, Schreiben, Politik und Frauen – meine Themen eben. Weltkatzentag ist ja nur einmal im Jahr.

Depression – erschreckend real

Es ist keine Woche her, da saß ich mit meiner Mutter im Auto und wir kamen, wie so oft, auf einen Teil unserer Vergangenheit, der sich aus vielen Komponenten zusammensetzte, die letztlich auf eines hinausliefen. Scheidung, Mobbing, Unsicherheit, Angst, Einsamkeit, Pubertät, Sorgen kombinierten sich zu einer depressiven Phase. Und bei mir manifestierte sich dieses Depression in einer Essstörung. Weder mit dem einen, noch mit dem anderen bin ich in Deutschland allein. 4,9 Millionen Menschen erkranken in Deutschland laut der Deutschen Depressionshilfe jährlich an einer Depression, die behandelt werden muss.

Volkskrankheit?

Viele Gründe: eine Depression ist nicht immer leicht zu erklären (Foto: Hastywords / pixabay.de)

Viele Gründe: eine Depression ist nicht immer leicht zu erklären (Foto: Hastywords / pixabay.de)

Nicht jede depressive Phase ist dabei ein Tief, aus dem der einzelne nicht wieder selbst herausfindet. Manchen hilft eine positive Nachricht, ein Urlaub, eine Beziehung oder ein anderer Mensch, der sie immer wieder animiert, ihnen hilft, ihre Energien zu wecken und vor allem, mit dem sie reden können, ohne angeprangert zu werden. Denn noch immer ist eine Depression etwas, worüber wir Deutsche nur ungern sprechen. Psycho eben. Nicht normal. Und nicht so offensichtlich, wie ein Beinbruch. Eine Depression sieht niemand, sie kann sich hinter einem Lächeln verbergen, hinter vielen Aktivitäten, die den Betroffenen ablenken sollen. Und nicht selten treten neben der Depression eben auch andere Krankheitsbilder auf. Essstörungen, Alkoholismus, Drogensucht. Die WHO hat mittlerweile die Depression als eine der größten Volkskrankheiten bestätigt, sie steht an erster Stelle der Krankheiten, die das Leben der Betroffenen stark beeinflussen.

Voll depri

Gefährlich! Die Hälfte aller Betroffenen unternimmt mindestens einen Selbstmordversuch (Foto: Unsplash / pixabay.de)

Gefährlich! Die Hälfte aller Betroffenen unternimmt mindestens einen Selbstmordversuch (Foto: Unsplash / pixabay.de)

Schon als Jugendliche bezeichneten wir schlechte Momente als „voll depri“. Tatsächlich kann eine depressive Phase Tage oder auch Jahre andauern, immer wieder kommen, gerade wenn sie nicht behandelt wird. Dass gerade Heranwachsende irgendwann mit dem Gefühl der inneren Leere, der Planlosigkeit und einem nihilistischen Gefühl das eigene Sein betreffend konfrontiert werden, wird immer wieder breit in Literatur, Film und Musik aufgegriffen. Doch auch in anderen Lebensphasen treten vermehrt Depressionen auf. Etwa der sogenannte Babyblues nach der Geburt, wenn der Hormonhaushalt verrücktspielt. Oder aber im Alter, wenn körperliche Beeinträchtigung denn Alltag immer stärker beeinflusst. Auch nach traumatischen Erfahrungen neigen Menschen zur Depression und bereits Kinder können betroffen sein. Dann wird alles in der Welt unwichtig, die eigene Leistung tritt in den Hintergrund, ein Leid, das zwischen Weltschmerz und individueller Mutlosigkeit variieren kann, nimmt überhand. Etwa die Hälfte aller Menschen mit schweren und wiederkehrenden Depressionen begeht mindestens einen Selbstmordversuch.

Depressionen erkennen

Begleiterscheinung? Depressionen und andere Krankheiten begünstigen sich gegenseitig (Foto: Hastywords / pixaba.de)

Begleiterscheinung? Depressionen und andere Krankheiten begünstigen sich gegenseitig (Foto: Hastywords / pixaba.de)

Es gibt unterschiedliche Arten von Depressionen, die unterschiedlich behandelt werden müssen. Während manchen Betroffenen eine Sprachtherapie hilft, brauchen andere Medikamente und wo einige quasi stätig depressiv sind, erfahren andere neben den Phasen des Tiefs Momente der Manie. Hauptmerkmale einer Depression ist eine negative Stimmung, der Verlust von Interessen und Freuden, ein verminderter Antrieb. Daneben können aber auch ein verminderter Appetit, negative Zukunftsvorstellungen, Selbstmordgedanken, Schlafstörungen, vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle und geringere Konzentration Hinweise sein. Wichtig dabei ist der zeitliche Verlauf. Eine schlechte Woche muss nicht gleich eine Depression sein. Wiederkehrende Phasen aber, die mit körperlichen Beschwerden oder Verhaltensänderungen auftreten können auf eine Depression hinweisen und sollten nicht übersehen werden. Auffallend ist dabei, dass Betroffene oft ihren seelischen Zustand selbst nicht richtig einschätzen, herunterspielen, stattdessen aber ihre körperlichen Beschwerden viel stärker wahrnehmen.

Die Leere füllen

Der Sturm in uns: Depressive nehmen sich und ihre Umwelt oft anders war (Foto: bykst / pixabay.de)

Der Sturm in uns: Depressive nehmen sich und ihre Umwelt oft anders war (Foto: bykst / pixabay.de)

Die Depression ist gerade deshalb eine schleichende Krankheit, die im Verborgenen wachsen kann, bis es zu spät ist. Familie und Freunde bleiben dann geschockt zurück, mit Selbstvorwürfen, Wut und Trauer. Dabei verstehen es manche Depressive gut, ihre Probleme herunter zu spielen. Regelmäßiger Austausch ist essentiell. Reden hilft, reicht aber eben manchmal nicht. Selbsthilfegruppen sind eine gute Möglichkeit, mit anderen Betroffenen in Kontakt zu kommen und sich gegenseitig zu stützen. Manchen hilft Malen oder die Kunst, andere suchen sich eine Aufgabe, die sie als sinnvoll erachten. Wichtig ist, die Depression nicht herunter zu spielen und professionelle Hilfe zu Rate zu ziehen. Sie ist keine schlechte Laune, sondern eine echte Krankheit, die manchmal eben auch mit richtigen Medikamenten behandelt werden muss. Wenn die Gesellschaft das endlich versteht, können nicht nur Menschenleben gerettet werden, sondern viele aufgefangen werden, bevor sie sich im Kreis der wiederkehrenden Depressionen wiederfinden. Ich hatte Glück und lernte, dass ich mir mit Schreiben selbst helfen kann. Und doch kenne ich sie noch, die Momente der Lähmung, die Kälte im Innern, die Gleichgültigkeit das eigene Selbst betreffend. Beängstigend und erschreckend real.

Vorschau: In zwei Wochen schreibe ich hier über ein Projekt des Wahnsinns, das Herausgeben einer Anthologie.

Fußball in der Hütte

Es ist eine meiner liebsten und stärksten Kindheitserinnerungen, die mittlerweile schon zur Anekdote geworden ist: Ich liege in meinem Bett und schrecke aus dem Schlaf, weil direkt unter mir mein Vater „Tor“ brüllt. Nun ist es wieder soweit, der allgemeine Fußballwahnsinn hat um sich gegriffen und ich finde ich mit in der Gartenlaube meines Vaters wieder, einer monströsen Hütten, in der eine Grundschulklasse Unterricht machen könnte, an deren Ende eine Leinwand abgelassen wurde und an deren Decke in einer Holzkiste ein Beamer sein Licht zu eben jener Leinwand wirft. „Tor“, brüllt mein Vater und das Kind auf meinem Schoß schreckt hoch.

Opium für das Volk

Fußball in der Hütte: Warum eigentlich gemeinsam schauen? (Foto: stux, pixabay.de)

Fußball in der Hütte: Warum eigentlich gemeinsam schauen? (Foto: stux, pixabay.de)

Warum genau ich mir die Spiele der deutschen Nationalmannschaft nicht auf dem heimigen Sofa ansehe, mit weniger Lärm und weniger Alkohol um meinen abstinenten Magen und weniger Chips sowieso, weiß ich nicht genau. Die nörgelnden Worte eines seiner Freunde, wann immer Mesut Özil ins Bild kommt, können es nicht sein. Die wackelige Verbindung mit dem drahtlosen Internet, die mich meinen lyrischen EM-Kommentar mehr schlecht als recht absenden lässt ist es mit Sicherheit auch nicht. Aber – ja was? Dieses unheimliche Gefühl, zu einer Gemeinschaft zu gehören, einfach nur, weil ich zuschaue, mitfiebre, mitfreue. Berauschend auch ohne den Schnaps, den die übrigen Anwesenden (Minderjährige ausgenommen) bei jedem Tor trinken (egal welche Mannschaft getroffen hat). Opium für das Volk, die Kirche hat ausgedient.

Fußball oder Politik

Wie national darf Sportbegeisterung werden? Schlimm, wenn Fußball instrumentalisiert wird (Foto: ASSY, pixabay.de)

Wie national darf Sportbegeisterung werden? Schlimm, wenn Fußball instrumentalisiert wird (Foto: ASSY, pixabay.de)

Dabei ist das Anfeuern der Nationalmannschaft in Deutschland auch dieses Jahr Teil von politischen Debatten. Dass Boateng als Nachbar vielen lieber wäre als Gauland war dabei nur der Anfang. Schon instrumentalisieren manche das exponentiell vermehrte Auftreten der Deutschlandfahne, je weiter Jogis Jungs im Turnier kommen, um nicht nur nationale, sondern gleich nationalsozialistische Parolen zu verbreiten. Und andere wettern dagegen und wollen die Fahnen gleich ganz streichen. Fußball, ein Sport der Extreme. Ich jedenfalls verneine dankend, wann immer meine Stiefmutter mit dem Deutschland-Schminkstift ankommt. Schminken fürs Fernsehschauen ist einfach nicht so meins.

Fußball ist Krieg

Das bedeutet Krieg! Fußball ist nicht immer friedlich (Foto: Alexas_Fotos, pixabay.de)

Das bedeutet Krieg! Fußball ist nicht immer friedlich (Foto: Alexas_Fotos, pixabay.de)

Psychologisch betrachtet, ist die Frage, wieviel „national“ im Anfeuern der Nationalmannschaft tatsächlich steckt, durchaus angebracht. Fußball ist Krieg. Nicht nur heute etwas veraltete Fußballmetaphern zeigen uns das. Eine einfache Überlegung. Die Mannschaften verschiedene Länder „kämpfen“ um den Ball und versuchen einen Treffer – einen Schuss – zu landen. Wie befreundete und verbrüderte Dörfer, die auf unterschiedlichen Seiten der Grenze stehen, wird der Sieg nicht auf dem Schlachtfeld, sondern auf dem Fußballfeld ausgetragen. Keine ausgebildeten Soldaten, sondern ausgebildete Fußballspieler stehen da auf dem Platz. Und all die Hooligans und Randalierer, die uns dieses Jahr die unschöne Seite des Anfeuernd bereits gezeigt haben sind doch nur diejenigen, die mitkämpfen wollen, denen das Zuschauen als Triebsublimierung nicht reicht, die Blut noch immer mit Schweiß verwechseln. Überholt? Aber immer noch bitterer Ernst.

Hüttenzauber

Trotzdem schön: Gemeinsam EM-schauen und es immer besser wissen (Foto: Alexas_Fotos, pixabay.de)

Trotzdem schön: Gemeinsam EM-schauen und es immer besser wissen (Foto: Alexas_Fotos, pixabay.de)

Fußball ist also eine durch und durch kontroverse Sache. Von vielen Instrumentalisiert, von vielen ausgenutzt. Süßigkeiten in Schwarz-Rot-Gold, Mützen, Kleidung, Getränke, Grillplatten, nirgends sind wir davor sicher. In der Gartenhütte meines Vaters schon gar nicht. Sein „Jäckchen“ gar ist eine umgenähte Deutschlandfahne. Ich rolle in Gedanken mit den Augen und genieße es dann doch. Die gemeinsame Freude, das gemeinsame Bangen, die dummen Sprüche. Aus mir wird in diesem Leben kein Vereins-Fanatiker mehr, der zu jedem Spiel fährt. Mir reicht das heimische Miteinander, mit ein paar Freunden und ein paar Kindern, das Erlebnis Fußball gemeinsam zu schauen, ohne gleich in einer Masse zu verschwinden. Vielleicht geh ich ja darum auch zum nächsten Spiel wieder zu meinem Vater und warte darauf, dass er losbrüllt.

Hoch auf dem roten Wagen – oben auf beim Festumzug

Ich leben in einer kleinen Stadt, die viele Klischees erfüllt, die es so von kleinen Städten gibt, gute wie schlechte, und im Allgemeinen leben ich ganz gerne hier. Diese Stadt hat wie viele andere auch eine Kerwe, einen Jahrmarkt, an dem das Wahrzeichen der Stadt im Mittelpunkt steht. Es geht aber weder um Wurst oder Brezel, sondern um den Rettich. Mit gutem Grund, denn noch immer kommen viele Rettiche und Radieschen, die in Deutschland produziert werden aus unserer Region. Weil so ein Jahrmarkt eben jedes Jahr stattfindet, wird er auch älter und erreicht irgendwann runde Geburtstage. So auch das Schifferstadter Rettichfest. Und dieses Jahr war ich oben auf dabei beim Festumzug.

Aller Anfang ist schwer

Rettich: Bei uns ein Grund zum Feiern (© Rainer Sturm / Pixelio.de)

Rettich: Bei uns ein Grund zum Feiern (© Rainer Sturm / Pixelio.de)

Angefangen hat alles mit einer kurzen elektronischen Nachricht an die Mitglieder der örtlichen Jusos. Ob wir denn mitmachen wollten, mitplanen wollten, mithelfen wollten. Als Kind lief ich einmal mit der Turngruppe und trug ein Jahr lang stolz gelangweilt das Nummernschild vor dem Gartenverein meines Onkels. Vor fünf Jahren dann verteilte ich mit dem Redaktionsteam unserer Tageszeitung Stoffbeutel und Kugelschreiber. Auf einem Wagen war ich vorher noch nie. Und ich wusste, auch mein Sohn würde artig mit der Schulgruppe mitlaufen. Warum also nicht. Hin zum Vorbereitungstreffen und begrüßt werden mit dem Satz „Gut, dass du kommst“. Tatsächlich waren wir nur zu fünft, die Überlegungen zum Spruch, der unseren Wagen zieren sollten, kreisten um ein Thema, unsere Ideen zeigten in eine Richtung, aber so richtig glücklich waren wir nicht.

Je suis Ochse

Vorarbeit: Der Wagen muss geschmückt werden (Foto: Gruber)

Vorarbeit: Der Wagen muss geschmückt werden (Foto: Gruber)

Uns ging es dabei nicht um den Rettich, diesen langen Lulatsch von Wurzel, der sonst meist im Mittelpunkt steht. Uns ging es um eine andere Tradition, eine andere Gegebenheit unserer Stadt, die mit Geschichte und Kultur verbunden war. Der Ochse, in dem schon zu Zeiten meiner Großmutter ein Tanzlokal war und der nun wieder aufgrund politischer Entscheidungen leer steht, denn da Gebäude gehört der Stadt. Gerade kleine Städte scheitern schnell am Spagat zwischen Kulturangebot und Wirtschaftlichkeit, ein Grund mehr auf solche Probleme hinzuweisen und Entscheidungen in Frage zu stellen, mit denen die Einwohner nahezu kollektiv nicht einverstanden sind. Was auf der großen Bühne mit dem Protest gegen Glyphosat und TTIP Aufmerksamkeit erregt wollten wir auf unseren Wagen bringen. Mit einem Reim an den Seiten und dem Motto „Je suis Ochse“ an der Rückseite des Wagens und auf unseren Oberteilen.

Rote Farbe und ein Feuerlöscher

Je suis Ochse. Unser Wagen hat für Wirbel gesorgt (Foto: Gruber)

Je suis Ochse. Unser Wagen hat für Wirbel gesorgt (Foto: Gruber)

Erster Einsatz war dann samstags vor dem Umzug, zum Wagendekorieren. Nachdem selbst der Festwagen nicht so ganz wusste, wo er eigentlich hinwollte, fanden wir uns zu einer Handvoll Bastelwütigen neben einem Berg Düngerbeutel wieder. Unsere Buchstaben hatten zwei verschiedene Farben und mussten an den Wagen geschraubt werden, Radieschen sollten in Blumenkiste und das alte Rückteil des Wagens musste ab. Dann der Hinweis, dass in der Halle Tauben wohnen. Alles Abdecken also. Zwischenzeitlich holte ich rote Farbe für die Buchstaben von zu Hause, eine zweite Lage musste noch eingekauft werden. Kreatives Chaos, wie es im Buche steht, um am nächsten Tag stilecht anzukommen – in Nieselregen. Weil wir erst am Tag vorher geschmückt hatten, musste der TÜV noch abgenommen werden und der daheimgebliebene Feuerlöscher per Telefon angefordert. Doch alles ging gut, unsere Kisten waren gefüllt mit Naschereien, Bechern, Taschen, Radieschen und alten Micky Maus Heften. Kinder wie Erwachsene sind gerannt, um das Streugut zu bekommen, ein ganz frecher holte einer Frau mit Kleinkind auf dem Arm mal schnell die Tasche weg, die ich hier gegeben hatte.

Eine einmalige Party

Und überall Jubel über unser Motto. Natürlich hatten wir auch unseren feuchtfröhlichen Spaß mit Schorle und Musik, eine Party der besonderen Art. Bis zu dem Moment, als in der Kurve der Stecker nicht mehr hielt und wir fürchteten, die zweite Hälfte des Umzugs ohne Musik verbringen zu müssen. Ein kurzer Schreck zum Glück. Auch Abstinent hatte ich dabei meinen Spaß, genoss die verschworene Gemeinschaft, die wir waren und wurde unfreiwillig abgehärtet gegen das „Atemlos“-Grauen. Ein bisschen nass sind wir zwar geworden, aber in fünf Jahren bin ich gerne wieder dabei, hoch auf dem roten Wagen.

Vorschau: In zwei Wochen gibt es meinen Beitrag zum EM-Wahnsinn in Vaters Gartenhütte.

Die Ära Obama – Ein Abschied

Es vergeht aktuell kein Tag, der uns nicht daran erinnert. Am 08. November 2016, einem Dienstag, will Amerika einen neuen Präsidenten wählen. Demokraten oder Republikaner, Clinton oder Trump – der doch Sanders? Während die Vorstellung eines amerikanischen Präsidenten mit miesem Toupet und noch mieseren Vorstellungen mir eine Gänsehaut verschafft, blicke ich jetzt schon etwas wehmütig auf die Ära Obama zurück.

Die Handschrift des Präsidenten

Starker Auftritt: Obama begeisterte die ganze Welt (Foto: pixabay)

Starker Auftritt: Obama begeisterte die ganze Welt (Foto: pixabay)

Am Anfang waren wie alle euphorisch. Nach Busch nicht nur ein Demokrat, sondern auch noch ein Schwarzer – ein Umstand der Barrak Hussein Obama ohnehin einen Platz den Geschichtsbüchern dieser Welt gesichert hätte. Bei anhaltender Kritik wegen Diskriminierung und Gewalt gegen Menschen mit einer anderen Hautfarbe als „weiß“ war Obama das Aushängeschild eines modernen Amerikas: offen, tolerant, charismatisch. Der Präsident sang auf Youtube, witzelte mit der Presse und meldete sich bei Twitter an. Alles ein voller Erfolg und relativ wenig politisch. Doch Obama kann auch Politik. Mit einer regelrechten Revolution des amerikanischen Gesundheitssystems setzte er sich durch und musste prompt Rückschläge einstecken. Sein Versuch, die Waffengesetzte zu verschärfen, dagegen wurde immer wieder abgeblockt.

Vorsicht vor dem Charisma

Obama hat Charisma - Vorsichtig (Foto: Pixabay)

Obama hat Charisma – Vorsichtig (Foto: Pixabay)

Also ist er doch eigentlich einer von den Guten, oder? Verbessert das Gesundheitssystem, will Waffennutzung stärker beschneiden, eigentlich klingt das doch alles sehr gut. Aber auch wenn Obama den Amerikanern mehr gebracht hat, als sie wissen, steckt hinter dem charismatischen Lächeln auch ein Mann, der Guantanamo schließen lassen wollte – es aber weiter geöffnet lässt. Ein Mann, der Amerika stärken will, indem er mit der EU TTIP durchbringen will. Ein Mann, dessen Land in der Flüchtlingskrise kritischer Beobachter wird und selbst nur wenige Menschen aufnimmt. Ein Politiker für sein Land eben.

Es kann nur schlechter werden

Zimmer frei: Wer kommt nach Obama ins Weiße Haus? (Foto: Pixabay)

Zimmer frei: Wer kommt nach Obama ins Weiße Haus? (Foto: Pixabay)

Wehmütig bin ich nach diesen zwei Amtszeiten vor allem deswegen, weil die Zukunft aus meiner Perspektive düster ist. Selbst wenn ich den Amerikanern nicht zutraue, Trump tatsächlich zum wahnsinnigen Despoten erheben zu wollen, wird er wohl zur Wahl des Präsidenten antreten. Und auch wenn ich hoffe, dass die Demokraten die Wahl für sich entscheiden, sind Clinton und Sanders nicht gerade die modernen, offenen und toleranten Nachfolger, die ich mir für Obama gewünscht hätte. Weil Obama mehr ist, als ein Präsident. Ein Phänomen, eine Ära, nach deren Ende die Frage, ob Amerika – dieses Land, das immer noch so viel in der Welt bewegt – den eingeschlagenen Weg weitergehen wird, im Raum steht.

Vorschau:  In zwei Wochen berichte ich euch vom Blick aus dem Festwagen.