Warum ich Musicals so mag und was Disney damit zu tun hat

Im Januar waren mein Mann und ich gleich zweimal in Musicalvorstellungen. Aus unserer normalen Ausgeh-Statistik macht das ein Plus von etwa 200%. Darum wahrscheinlich kam nicht nur ich auf die Idee, dass wir mal wieder öfter raus müssen, auch mein Schwiegervater sorgte für Tickets. Glücklicherweise nicht zum gleichen Termin oder zur gleichen Inszenierung. Während ich mich für Die Schöne und das Biest entschieden habe, dessen Geschichte dieses Jahr noch mit einer Realverfilmung mit Emma Watson zu sehen sein wird, gab es vom Herrn Schwiegerpapa ein buntes Sammelsurium mit Die Nacht der Musicals.

Handlung und Musik
Mit dem Liebsten ins Musical: erholsame Paarzeit (Foto: Pexels / pixabay.de)

Mit dem Liebsten ins Musical: erholsame Paarzeit (Foto: Pexels / pixabay.de)

Ich muss aber gestehen, dass die Vielfalt bei Die Nacht der Musicals zwar toll ist und die Sängerinnen und Sänger beeindruckend waren, gefehlt hat mir aber das, was ein Musical eigentlich ausmacht. Die Handlung. Denn da liegt doch der Reiz. Dass Musik und Handlung miteinander verwoben werden. Nicht umsonst eignen sich Disney-Filme grandios als Vorlage. Daher kennen wir doch alle den Moment, wenn die Figuren plötzlich anfangen zu singen. Wer genug dieser Filme kennt, weiß vorher, wann es soweit ist. Oh Cinderella putzt den Boden, Gaston muss aufgeheitert werden, Rapunzel und Flint sehen fliegende Lichter, Elsa wandert den Berg hoch: Lalalalala.

Die Musik im Hintergrund
Musicals: Vereinen Musik und Handlung - wie ein Disney-Film (Foto: skeeze / pixabay.de)

Musicals: Vereinen Musik und Handlung – wie ein Disney-Film (Foto: skeeze / pixabay.de)

Dabei gibt es noch eine ganz andere Geschichte, die mir jedes Mal einfällt, sobald im Film oder auf der Bühne Musik sich nahtlos ins Geschehen einzupflanzen versucht. Als Michael Endes Momo bei Meister Hora die Zeitblumen sieht, hört sie die Musik des Herzens, der leise Klang, der sie in der in stillen Moment schon immer berührt hat. Vielleicht ist es sehr vermessen von dieser Szene auf den Ausdruck „Soundtrack des Lebens“ zu leiten, aber eigentlich passt es sehr gut. Denn manchmal, manchmal gibt es diese Lieder, die einfach genau passen, den Moment, das Gefühl, den Augenblick einfangen und ausdrücken können.

Zwischen Prägung …
Musik gehört zum Leben! Von Kindesbeinen an fühlen wir Rhythmus (Foto: maura24/pixabay.de)

Musik gehört zum Leben! Von Kindesbeinen an fühlen wir Rhythmus (Foto: maura24/pixabay.de)

Ich kann schon bei meinen Kindern sehen, wie prägend die Erfahrung von Geschichten wie Momo und Filmen wie denen von Disney sein kann. Meine Tochter stellt sich breitbeinig in ihr Kinderzimmer und schmettert „Ich lass los“, als wollte sie sofort auf die große Bühne und der Kleinste bleibt bei keiner Melodie ruhig sitzen. Er wippt sogar in der Kirche, während seine Schwester heute Morgen auf dem Weg zum Kindergarten im Anhänger vom Fahrrad durchweg geträllert hat. Und das ist doch auch kein Wunder. Unsere Welt ist eine sehr musikalische, wenn auch nicht immer eine harmonische. Gerade Kinder werden nicht nur mit Einschlafliedern und behütendem Summen zur Ruhe gebracht, sie kennen auch Werbejingles, die Intros von Hörspielen, die Musik, die wir Erwachsenen hören. Meinem Bruder musste ich früher immer das Eingangslied von „Bibi und Tina“ vorsingen. Kurz: Musik gehört zu unserem Leben.

…und Rhythmus
Erlebniss schenken: immer wieder eine gute Idee (Foto: LKP_LKD / pixabay.de)

Erlebniss schenken: immer wieder eine gute Idee (Foto: LKP_LKD / pixabay.de)

Vielleicht ist ja der Rhythmus, der uns gar an die unterschiedlichen Ausprägungen des Herzklopfens erinnert. Immerhin können auch Taube Menschen Musik durch den Rhythmus von Schlagzeug oder Bass wahrnehmen. Musik bringt Luft (und manchmal auch den Boden unter unseren Füßen) zum Schwingen und damit auch uns. Bei einem Musical nun soll die Music die unterschiedlichen Stadien von Spannung, Sehnsucht und Gefahr wieder geben. Und wir Zuschauer (und Zuhörer) spüren das geradezu – schon allein über die Vibration. Die ist freilich bei einem Musical mit Orchester wesentlich intensiver als bei einfachen Fernseh-Lautsprechern. Dadurch erlebe ich beim Musicalbesuch die Handlung noch intensiver und darum ist mir gerade dann die Handlung auch so wichtig. Und deren ganz eigener Rhythmus.

Höflichkeit bekommen wir abgewöhnt

Erst kürzlich las ich einen Artikel, indem darauf gedrängt wurde, dass Eltern ihre Kinder zu Höflichkeit erziehen sollen. Die Grundlage war ein Plakat, in dem die Eltern zur Verantwortung aufgerufen wurden. Verantwortung gegenüber ihren Kindern, Verantwortung gegenüber der Erziehung. Das Plakat, das in verschiedenen Sprachen durchs Internet flatterte, stammt dabei scheinbar aus einer portugiesischen Schule und führt als ersten Punkt auf, dass Kinder „hallo, danke, gern geschehen, Entschuldigung und danke“ im täglichen Gebrauch verwenden sollen. Die Meldung hat mich wütend gemacht, und auch traurig.

Das Kind ist unantastbar?
Mitziehen oder antreiben? Helikoptereltern fehlt das richtige Maß (Grafik: OpenClipart-Vectors / pixabay.de)

Mitziehen oder antreiben? Helikoptereltern fehlt das richtige Maß (Grafik: OpenClipart-Vectors / pixabay.de)

Mit seiner Grundaussage hat das Plakat leider vollkommen recht. Was Erziehung ist und wie sie gestaltet werden sollte, ist dabei so vielseitig, wie die Menschen an sich. Die sogenannten Helikoptereltern, die ihre Kinder nie aus den Augen lassen, sind da gar nicht die Vorreiter. Erzieher wie Lehrer klagen, dass sie keine Autoritätspersonen mehr sein können, wenn ihre Kritik am Verhalten des Kindes, genauso wie dessen schlechte Leistungen, von Eltern wiederum als Kritikpunkt am Lehrer/Erzieher vorgebracht wird. Das Kind kommt im Unterricht nicht mit? Schuld ist der Lehrer. Das Kind stört andere? Schuld ist der Lehrer. Die Unantastbarkeit des eigenen Kindes ist der krasse Gegenentwurf zur Unantastbarkeit der Lehrkraft. Und beides ist Mist. Seltsam, oder? Wo die einen ihren Sprössling noch bis in den Vorlesungssaal der Uni begleiten, könnte anzunehmen sein, sie rissen sich um Verantwortung. Dabei geht es hier nicht um Verantwortung. Es geht um Kontrolle. Wer alle Entscheidungen des Kindes trifft, muss nie verantworten, es auch mal eine falsche treffen zu lassen. Eins aber ist auf den ersten Blick klar: Weder Lehrer und Erzieher haben an diesen Extremeltern ihre Freude, noch die Kinder. Helikoptereltern stehen denen, die ihr Kind am Kindergartentor abgeben und dann geflissentlich ignorieren in dem Punkt also in nichts nach.

Der andere Strang
Kleines Wort, große Wirkung: ein höfliches Danke (Foto: artemtation / pixabay.de)

Kleines Wort, große Wirkung: ein höfliches Danke (Foto: artemtation / pixabay.de)

Und jetzt fahr ich mal einen Ganz zurück. Denn es gibt sie noch. Die ganz normalen Eltern, die ihre Kinder hinfallen lassen und nicht gleich bei jedem Problem mit dem Anwalt drohen. Ich kenne eine ganze Menge davon. Und denen wird jetzt mal so über den Kamm vorgeworfen, dass ihre Kinder kein „Bitte“ und „Danke“ sagen können. Grausig zum einen ist, wie die Medien das Original-Plakat einfach für ihre Zwecke benutzen. Es gibt eine große Meldung zur fehlenden Höflichkeit und irgendwo klein steht dann, dass der Ursprung eine kleine Schule in Portugal ist. Das ist eine mediale Begeisterung, die Klicks sucht, Überschriften, aber keine Inhalt. Mit Journalismus hat das wenig zu tun. Und daneben wird lediglich das angebliche Unvermögen von Eltern angeprangert, deren Kinder unhöflich sind. Ein allgemeiner Jammer des Bildungssystems, das bisweilen berechtigt, aber eben auch nicht so ganz korrekt ist.

Erziehung ist Gemeinschaftsaufgabe
Zwischen KiTa und Zuhause? Erziehung ist Gemeinschaftssache! (Foto: Obermann)

Zwischen KiTa und Zuhause? Erziehung ist Gemeinschaftssache! (Foto: Obermann)

Ein kleines Beispiel: Ich habe drei Kinder, die je zu unterschiedlichen Zeitpunkten in ihrem Leben in die KiTa gekommen sind. Bei jedem wurde ich noch in der Eingewöhnung darauf angesprochen, wie höflich die Kleinen doch seine, gerade WEIL sie immer „Bitte“ und „Danke“ sagten. Nach zwei Wochen in der KiTa war das vorbei. Ja, im Kindergartenalltag geht es hektisch zu, da werden auch mal Anfragen der Kinder schnell angefertigt. Doch immer wieder kämpfe ich darum zu Hause für „Bitte“ und „Danke“. Ein endloser Kreislauf. Ich bin absolut dafür, Kindern ein Grundmaß an Höflichkeit mit zugeben. Die Mitmenschen reagieren viel freundlicher, wenn ich ihnen diesen kleinen Respekt erweise und mir tut es ganz bestimmt nicht weh. Doch wenn das Bildungssystem, die Medien oder ein einzelner Alter auf seinem Schaukelstuhl darüber meckert, dass die heute Jugend unhöflich sei, soll er doch einfach mal das unhöfliche Getue lassen und mitmachen. Kinder werden zu Hause erzogen – aber nicht nur. Dafür sorgen auch Ganztageskindergartenplätze, Ganztagesschule, Hort, Tageseltern.

Trump ist Präsident und wir leben noch?

Seit Freitag, den 20.01.2017, ist wahrgeworden, was sich letzten Sommer kaum jemand hatte vorstellen können: Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten. Seitdem wurde keine Atombombe abgeworfen, die Muslime in Amerika wurden nicht deportiert, Afroamerikaner dürfen weiterhin im Bus dort sitzen, wo sie wollen. War die ganze Aufregung jetzt umsonst?

Mit Sicherheit nicht!
Donalds Trump: Präsident der Vereinigten Staaten (Grafik: heblo / pixabay.de)

Donalds Trump: Präsident der Vereinigten Staaten (Grafik: heblo / pixabay.de)

Nein, mit Sicherheit nicht. Bereits die ersten Amtshandlungen von Trump zeigen, dass es jetzt erst richtig losgeht. Er setzt auf eine Autarkie Amerikas, indem er die Steuer für Unternehmen senkt und Strafzölle für diejenigen erhebt, die im Ausland produzieren lassen und die Ware wieder nach Amerika einführen. Nennen wir das Kind doch beim Namen: Trump will, dass die Firmen in Amerika mit Amerikanern produzieren oder haufenweise Geld bezahlen. Da das nicht nur für amerikanische Firmen gilt, wirkt sich das auf die Weltwirtschaft aus. Den Ausstieg aus dem Handelsabkommen der Transpazifischen Partnerschaft hat Trump bereits besiegelt.

Alternative Fakten
Diskriminierung und alternative Fakten: Trump schafft sich eine eigene Realtiät (Foto: quintheislander / pixabay.de)

Diskriminierung und alternative Fakten: Trump schafft sich eine eigene Realtiät (Foto: quintheislander / pixabay.de)

Dass er dabei seine eigene Wahrheit hat, zeigt sich wohl am Deutlichsten in dem, was nach der Vereidigung passierte. Zuerst behauptete Sprecher Sean Spicer dreist, Trumps Vereidigung wäre die größte „aller Zeiten“ gewesen. Als die Medien dagegen Beweise vorlegten, sprach Trumps Beraterin Kellyanne Conway von alternativen Fakten. Die sind nichts Weiteres als Propaganda, die die Grenze zur Lüge eiskalt übertritt. Ein Recht, dass sich der Präsident der Vereinigten Staaten und sein Staab scheinbar nehmen. Eine Unberechenbarkeit, die nicht nur die Welt der Amerikaner schnell auf den Kopf stellen kann. Das zeigt nicht erst die offizielle Diskriminierung von Menschen aus einigen Ländern, darunter Flüchtlinge wie Green-Card-Besitzer, mit einem Einreiseverbot.

Nicht mit uns!
Nein zu Trump: Hunderttausende protestieren bereits (Foto: bones64 / pixabay.de)

Nein zu Trump: Hunderttausende protestieren bereits (Foto: bones64 / pixabay.de)

So mächtig das Riesenbaby mit schlechter Frisur erschreckender Weise ist, so zuversichtlich bin ich seit dem Samstag nach der Wahl. Zum einen hat Trump nicht sofort einen Weltkrieg ausgelöst, was mich hoffen lässt, dass auch unter seinem Toupet ein Funken Verstand existiert. Wirklich zuversichtlich aber machte mich die Tatsache, dass weltweit Hunderttausende auf die Straße gegangen sind und gezeigt haben, dass sie mit ihm an der Spitze Amerikas nicht einverstanden sind. Allein in Washington waren es mehr als eine halbe Million Menschen. Überall auf der Welt marschierten Männer wie Frauen beim sogenannten Woman’s March. Der Spiegel schreibt, dass eine solche Demonstrationswelle Amerika seit dem Vietnamkrieg nicht mehr gesehen hat. Und auch Trumps Erlass, Einreisende aus bestimmten Ländern nicht ins Land zu lassen, wurde mit weltweitem Protest aufgenommen. Menschen standen an den Flughäfen Spalier, und feierten, als die Festgehaltenen doch durchgelassen wurden.

Späte Einsicht?
Ein nötiger Weckruf? Trump rüttelt die Menschen auf (Grafik: johnhain / pixabay.de)

Ein nötiger Weckruf? Trump rüttelt die Menschen auf (Grafik: johnhain / pixabay.de)

Nun kann darüber diskutiert werden, warum diese Menschen letztes Jahr nicht für Clinton gestimmt haben, denn einige merken jetzt, was sie angerichtet haben. Fakt ist – und nein, dieser ist nicht alternativ –, dass in Amerika mehr Menschen für Clinton statt für Trump gestimmt haben. Fakt ist auch, dass er dennoch mehr Wahlmänner und damit den Posten des Präsidenten gewonnen hat. Ist dann die späte Einsicht nicht umsonst? Nein! Der Widerstand gegen einen Unterdrücker, Chauvinisten und Rassisten ist nie umsonst. Amerika hat der Welt gezeigt, dass es nicht aufgeben wird. Manchmal braucht es einen Schock, um uns aus unserer Starre zu holen. Wenn Trump als Präsident diese Welle erzeugt, kann er am Ende ein notwendiges Übel werden, so furchtbar das klingt. Der Wecker, der uns aufgeschreckt hat. Darum sollten wir jeden Tag zeigen, dass wir mit den Überzeugungen dieses Mannes und denen von anderen Rassisten, Chauvinisten und Unterdrücken nicht einverstanden sind.

Analoges Planen ist zurück: Das Bullet Journal

Auf meinem Handy habe ich die App Wunderlist, mein Amazon Echo kann aber nur mit AnyDo oder Todoist arbeiten. Nicht zu vergessen: mein Google-Kalender, in dem die wichtigsten Termine stehen und auf den ich auch jede Besprechung meines Mannes sehen kann. Manchmal könnte ich Stunden damit verbringen, zu suchen, wo genau ich mir jetzt eingetippt habe, was ich eigentlich machen sollte. Und allzu oft vergesse ich dann doch etwas. Das Müsli beim Einkaufen, das Essengeld im Kindergarten, welches Buch ich eigentlich rezensieren sollte und wann wir bei den Freunden eingeladen sind. Die Digitalisierung hat versprochen, solche Dinge zu erleichtern. Doch immer größer wird der Trend, zurück zu den Wurzeln zu gehen. Mit dem Jahreswechsel habe ich beschlossen, es auch zu versuchen und mein erstes „Bullet Journal“ angefangen.

Wer hat’s erfunden?
Mehr als nur ein Kalender: Das Bullet Journal (Foto: kaboompics / pixabay.de)

Mehr als nur ein Kalender: Das Bullet Journal (Foto: kaboompics / pixabay.de)

Das „Bullet Journal“ ist aus Amerika nach Deutschland geschwappt, deshalb der Name. Ryder Caroll hat den Terminkalender darin neu erfunden und gleich um Einkaufszettel, Listen, Notizbuch und was auch immer gerade gebraucht wird erweitert. Der Grundgedanke dabei ist der: Jeder hat unterschiedliche Anforderungen an seinen Planer. Also kann der perfekte Begleiter nur so einer sein, den ich mir selbst gestalte. Im Anleitungsvideo der Original-Seite im Netz ist zu sehen, wie leicht es eigentlich geht. Kein Sorge, deutsche Untertitel gibt es auch. Ein individuelles Inhaltsverzeichnis, freie Gestaltung, freie Zusatzthemen. Aber Vorsicht, denn Freiheit ist trügerisch. Darum habe ich lange nachgedacht, ehe ich es versucht habe.

Der erste Kontakt
Ein Versuch wert? Zum Jahreswechsel fange ich mein erstes Bullet Journal an (Foto: Obermann)

Ein Versuch wert? Zum Jahreswechsel fange ich mein erstes Bullet Journal an (Foto: Obermann)

Ich bin über das Bullet Journal gestolpert, als Dani alias Bröselchen von Broesels Bücherregal das System auf ihrem Blog vorgestellt hat. Die Möglichkeit der absoluten Anpassung faszinierte mich. Immerhin war Dani auch so ehrlich zu schreiben, dass ihr gerade das Anfangen gar nicht so leicht viel. Struktur ins Chaos zu bringen, ist eben nicht einfach. Und lange reifte die Überlegung, ob es die Arbeit wert war, mich einzuarbeiten und es zu versuchen. Wie oft habe ich schon Kalender begonnen und spätestens im Mai lag der Klotz unberührt auf dem Schreibtisch? Und mein System mit Wunderlist, Google und Familienplaner funktionierte doch ganz gut. Und so habe ich einfach eine Weile verfolgt, was die anderen so mit ihren Bullet Journals anfangen.

Viele, viele bunte Möglichkeiten
Alles auf einem Blick: Im Bullet Journal steht nur, was mir wirklich wichtig ist (Foto: Obermann)

Alles auf einem Blick: Im Bullet Journal steht nur, was mir wirklich wichtig ist (Foto: Obermann)

Da gab es Leute, die ihre Bücher auflisteten, um sich vor Augen zu führen, was noch auf dem Stapel ungelesener Bücher liegt, oder in Stichpunkten Rezensionen, Filmeindrücke, Lieblingsmusik festhielten. Manche nutzten ihr Journal als Mini-Fotobuch, als Tagebuch und weniger als Kalender. Andere dagegen schrieben akribisch auf, was sie wann tun wollten. Und es klappte. Sie blieben am Ball. Über Wochen, über Monate. Täglich wiederkehrende Aufgaben wurden dabei nicht etwa abgehakt, sondern auf einer eigenen Seite mit farblich gefüllten – oder eben leer gelassenen–Kästchen gezeigt. Ein individueller Schlüssel macht es möglich, mit einfachen Zeichen sich selbst zu erklären, was mit dieser oder jener Aufgabe geschehen war. Einen Ladebalken imitierend halten manche fest, wie weit sie mit einer Entwicklung sind und wo sie hinkommen wollen. Die Vielfältigkeit überzeugte mich, der Anwendungsspielraum war erschreckend groß, aber vielleicht brauchte ich gerade das, um mir Struktur zu geben.

Ich wage den Versuch
Individuell und vielseitig: Das Bullet Journal hat für jeden genau, was er gerade braucht (Foto: Obermann)

Individuell und vielseitig: Das Bullet Journal hat für jeden genau, was er gerade braucht (Foto: Obermann)

Also habe ich mir ein passendes Notizbuch bestellt und losgelegt. Als zusätzliche Übung liegt nun „Schriftenzauber“ auf meinem Schreibtisch, denn das „Bullet Journal“ darf auch gut aussehen. Kalligrafiestifte und aufwendige Überschriften sehe ich fast täglich im Netz. So weit bin ich noch nicht, immerhin soll mir das Journal erst einmal Spaß machen und den Alltag erleichtern, nicht noch eine Baustelle auftun. Und das funktioniert momentan sehr gut. Ich sehe meine kleinen Ziele und erkenne auch schneller, wenn ich mir zu viel vornehme. Und manchmal reicht der Blick in das Büchlein, um mich die Wäsche aufhängen zu lassen oder noch ein Kapitel für die Dissertation zu schreiben. Oder aber einen Artikel für Face2Face. Und da ich so wirklich alles auf einem Blick habe, ist mir bisher auch noch nichts durchgerutscht.

Lesen zwischen Spaß und Pflicht

Ich gestehe, der Jahreswechsel war bei mir eher unspektakulär. Mit meiner Tochter mit Orangensaft auf dem Sofa, während der Große mit seinem Papa Wunderkerzen im Garten abgebrannt hat und der Kleinste alles verschlafen konnte. Doch als Buchbloggerin bedeutet der Jahreswechsel immer wieder einiges an tatsächlichem Neuen. Denn mit jedem Silvester gibt es neue „Lese-Challenges“, die neue „Challengeseiten“ brauchen und mein Lesejahr zumindest abstecken.

Blogger und Deutsch

Grundidee: Gemeinsam lesen (Foto: LubosHouska / pixabay.de)

Grundidee: Gemeinsam lesen (Foto: LubosHouska / pixabay.de)

Dabei finde ich das Wort Lese-Challenge  einfach grausig. Auf meinem Blog heißt der Überbegriff darum schlicht „Leseaufgaben“. Und auch das ist noch nicht wirklich genial. Denn „Lese-Challenges“ gibt es in allerlei Formen und Ausprägungen. Die Grundidee ist die, dass die Leser gemeinsam Büchern lesen und als kleiner Ansporn wird ermittelt, wer am schnellsten war oder die meisten Bücher gelesen hat. Initiiert werden die Challenges auch meist von Bloggern, ab und an aber auch von Verlagen selbst, oder aber in Zusammenarbeit. Vor allem geht es mir dabei um die Gemeinschaft. Sehen, was die anderen zu den Vorgaben gelesen haben oder feststellen, dass die gleichen Bücher gelesen wurden. Und auch das Stöbern in den Rezensionen der mitlesenden Blogger. Manche dieser Herausforderungen sind sehr frei, andere eher eng gefasst. Manchmal liest es sich in ganzen Gruppen „gegen“ andere, wie bei der „Human-Vampire-Magic-Challenge“.  Die gelesenen Bücher der Mitmachenden werden hier addiert und mit denen der anderen Gruppen verglichen. Auch das erzeugt eine Art von Gemeinschaftsgefühl. Im Grunde eine Art großer Buchclub, bei dem entweder nur Themen oder auch die einzelnen Bücher von den Veranstaltern vorgegeben werden. Dann wird über das Gelesene in verschiedenen Gruppen gesprochen oder auch nur auf Blogs rezensiert und kommentiert.

Macht das noch Spaß?
Macht das noch Spaß? Was wenn es beim Lesen nur noch um Quantität geht? (Foto: moritz320)

Macht das noch Spaß? Was wenn es beim Lesen nur noch um Quantität geht? (Foto: moritz320)

Gerade zu Beginn 2017 habe ich einige Buchblogger gefunden, die sich gegen die Aufgaben wehren. Nicht etwa, weil sie nicht gerne lesen, sondern weil ihnen der Leistungsgedanke dahinter missfällt. Das kann ich durchaus verstehen. Ich habe schon erlebt, dass Leser über 20 Bücher im Monat lesen oder es zumindest behaupten. Je nach Lebenslage ist das auch machbar – aber oft sind drei bis  sechs Bücher einfach eher machbar. Vor allem, wenn nicht nur eine „Lese-Challenge“ angegangen wird oder eben noch andere Bücher auf dem Stapel ungelesener Bücher warten. Das Belohnen  der „Fleißigsten“ mit Buchgewinnen oder ähnlichem sehe ich also kritisch. Nach der Buchmesse letztes Jahr riefen  ein paar Blogger eine Buchmesseblues-Challenge ins Leben. Da hat dann jedes gelesene Buch Lose gebracht und am Schluss wurden zwei Mitlesende gezogen. Das System fand ich viel besser, denn auch wer nur ein Buch zu den Themen lesen kann, hat doch mitgemacht und sollte die gleiche Chance bekommen, wie der Dauerleser schlechthin.

Aufgaben und Listen
Die Aufgabe? Bücher der BartBroAuthors lesen (Foto: Obermann)

Die Aufgabe? Bücher der BartBroAuthors lesen (Foto: Obermann)

Mittlerweile bin ich selbst dazu übergegangen, mich zu beschränken. Viele Ideen sind toll, aber wenn ich meine Auswahlmöglichkeiten durch so viele Aufgaben immer mehr erweitere, schaffe ich das nicht, was ich mir eigentlich erhoffe: Etwas mehr Struktur in meiner Bücherauswahl. Denn es gibt so viele gute Bücher, dass ich manchmal dastehe und einfach nicht weiß, was ich als nächstes lesen soll. Mein Kleiderschrank macht mir wesentlich weniger Probleme . Wenn ich dann aber auch die Monatsaufgabe der „Motto-Challenge“ von Weltenwanderer   schaue, fällt mir die Auswahl leichter. Oder ich orientiere mich etwas fachlicher mit der „Frauen-Lese-Challenge“ von Wortlichter. Die passt mir sehr gut, weil ich hier das Lesen für die Dissertation mit dem Blog verbinden kann. Toll finde ich aber auch Leselisten. Die „Bücherkultur-Challenge“ beispielsweise führt Klassiker (auch moderne). Die „100-Books-Bloggeredition“ ist ähnlich gestrickt und stellt sehr gute Bücher vor. Besonders freue ich mich 2017 meine eigene Liste eingeführt zu haben. Die der BartBroAuthors, zu denen ich mich seit Dezember 2016 zählen darf. Hier finde ich gerade junge, noch weniger bekannte Autoren und auf die werfen Blogger immer gerne ein Auge. Ich finde es sehr toll, durch meine kleine „Challenge“ auch weniger bekannte Bücher und Autoren auf den Plan zu rufen. Denn auch dabei geht es bei „Lese-Challenges“  immer wieder: Neues entdecken und tolle Bücher lesen.

Programmiertes Hibbeln – The Voice of Germany und Aufklärung

Irgendwann konnte ich es nicht mehr verhindern. Mit seiner Oma zusammen sah mein ältester Sohn das erste Mal „Deutschland sucht den Superstar“. Ich war erst einmal sauer. Stinksauer. Erstens, weil die Oma die Schlafenszeiten ignorierte, aber viel schlimmer fand ich, dass sie ihn voller Naivität eine sogenannte Castingshow hat sehen lassen, in denen Talent erst einmal zweitrangig ist und Beleidigungen nicht selten. Es hätte kaum schlimmer sein können, höchstens noch mit Klumms eigener Magersuchtzucht. Doch nun hatte ich den Salat. Das Kind verstand meine Aufregung nicht und ich wusste, da hilft nur Aufklärung.

Aufklärung beim Schauen
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Stimme statt Show? Stimmt auch bei The Voice of Germany nicht ( Grafik: giselly / pixabay.de)

Darum durfte er letzten Sonntag wieder länger aufbleiben und wir haben uns gemeinsam das Finale von „The Voice of Germany“ angeschaut. Es war die zweite Staffel, die er sehen durfte. Wenn er hibbelt und hofft, erkläre ich ihm, dass es nur eine Show ist, ein Schauspiel. Dass alle Teilnehmer wissen, wann sie rausfliegen, wie weit sie kommen, wer gewinnt. Trotz Telefonwertungen. Er hört zu, versteht, hibbelt trotzdem. Aber ich sitze daneben und erkläre weiter. Wie die Auftritte platziert sind, wann das Miro leiser gedreht wird, um einen anderen Kandidaten zu bevorzugen. Das ist auch gar nicht böse oder schlimm. Pro Sieben ist ein Unternehmen und muss wirtschaften. Herzklopfen für den Zuschauer, Kassengeklimper für Pro Sieben. Für „The Voice of Germany“ habe ich mich aber bewusst entschieden. Gerade in der ersten Runde erfährt der Zuschauer keine Beleidigungen von den Teilnehmern. Nur Buzz oder nicht. Und dann das „Buhlen“ um die Teilnehmer, statt das Flehen an die „Coaches“.

System funktioniert?
Jedes Jahr eine neue Stimme: Tay Schmedtmann ist The Voice of Germany 2016 (Foto: AxxLC / pixabay.de)

Jedes Jahr eine neue Stimme: Tay Schmedtmann ist The Voice of Germany 2016 (Foto: AxxLC / pixabay.de)

Ja, das System funktioniert. Das „Mädchen“, das es mit seiner Euphorie gerne übertreibt, dieses Mal war es Yvonne Catterfeld und ihre Jubelrufe, die mitunter lauter waren, als die Sänger am Mikro. Der „Ausländer“, bereits zum zweiten Mal Samu Haber von Sunrise Avenue, der nicht nur auf Englisch flucht, sondern auch auf Deutsch. Warum der Finne kein finnisch von sich gibt, habe ich aber nicht verstanden. Dann noch die lässigen Fanta 2 Michi Beck und Smudo. Meine Kinder wachsen mit der Musik der Fantastischen Vier auf, „Die Da“ ist Standardrepertoire unserer Musikauswahl. Seit er The Voice schaut, steht mein Großer vor der Anlage und schreit „Ich hör Michi“ oder „Das ist Smudo“. Und zuletzt der immer kritisch schauende Andreas Bourani, der damit bisher wenig punkten konnte und vielleicht gerade deswegen dieses Mal mit seinem Kandidaten Tay gewonnen hat. Klischee, es leben hoch. Geradezu überraschend war es da, dass ins Finale keine Quotenfrau kam und auch sonst die so geforderte „Diversity“ nicht erzwungen wurde. Ja, ich bin für Vielfalt und weiß, dass die Welt bunt ist. Nur jemanden ins Finale zu holen, weil er eine bestimmte Hautfarbe, Ethnie oder Geschlecht hat, ist aber genauso falsch, wie ihn deswegen auszuschließen.

Fokus auf den Sängern
Auch nur eine Casting-Show - aber besser als viele andere (Foto: Nachrichten_mus / pixabay.de)

Auch nur eine Casting-Show – aber besser als viele andere (Foto: Nachrichten_mus / pixabay.de)

Warum ich „The Voice of Germany“ trotz allen Klischees und „Show“ dennoch mag, liegt auch daran, dass der Fokus hier weniger auf den bereits bekannten Künstlern liegt. Ja, die scherzen und blödeln, geben an und machen natürlich für ihre eigenen Scheiben Werbung. Sie wären ja auch schön blöd, wenn nicht. Doch hier gibt es wirklich konstruktive Kritik und Hauptsache ist, wie die Künstler singen, nicht wie sie zicken, aussehen, spinnen. Das Konzept geht auf und mein Sohn lern nicht nur, wie das System „Castingshow“ funktioniert, sondern auch noch etwas über gute Musik. Was eine klare Stimme ist, warum Atmen nicht gleich Atmen ist, dass viel Stimme nicht alles ist und Töne treffen auch nicht. Am Ende der Staffel scheinen manche der Talente besser zu singen, als die, die einmal für sie gedrückt haben. Und die geben das ohne Scheu zu. Unser Favorit, Friedemann aus Yvonnes Team, war am Sonntag bereits nicht mehr dabei. Mir persönlich macht das nichts. In der ersten Staffel landete mein Favorit Max Giesinger auf dem dritten Platz. Heute hat er den Sprung geschafft. Von Ivy, dem Mädchen, dass damals gewonnen hat, habe ich dagegen schon lange nicht mehr gehört. Ob Tay Schmedtmann eine große Karriere vor sich hat, bleibt abzuwarten. Ich hatte ihn nie als Sieger auf dem Schirm, aber ich bin ja auch keine Musikerin.

Escape – das englische Wort für Notausgang

Uni macht Spaß. Mal davon abgesehen, dass ich das wirklich glaube, hat sich eine Gruppe von Studierende in Mannheim zu Uni Spirit zusammengeschlossen und will Universitätsangehörige mit Gemeinschaftsgefühl und Identifikationsmöglichkeiten zusammenschweißen. Zuletzt etwa mit der Aktion „ Escape the Uni “. Wer jetzt wie Dori denkt: „Hey, das ist doch das englische Wort für Notausgang“, ist schon mal auf der richtigen Spur. Klassischer Weise geht es bei einem „ Escape the Room “ darum, Rätsel zu lösen, und so an einen Schlüssel zu kommen, mit dem ein Entkommen aus dem Raum möglich ist, in dem man eingeschlossen wurde.

Licht ins Dunkel bringen
Notausgang gesucht: beim live escape the room geht es darum, einen abgeschlossenen Raum verlassen zu können (Foto: geralt / pixabay.de)

Notausgang gesucht: beim live escape the room geht es darum, einen abgeschlossenen Raum verlassen zu können (Foto: geralt / pixabay.de)

Identifikation mit der Uni und ihren Angehörigen also, indem es ihr zu entkommen gilt. Gar nicht so abwegig, wie auf den ersten Blick angenommen. Dank einer aufmerksamen Freundin stand also auch ich in einem der präparierte Räume, Tür zu, Licht aus. Das Szenario indes war geradezu Uni-klassisch. „Ihr seid in der Bibliothek eingeschlafen und müsst jetzt versuchen, da irgendwie heraus zu kommen, aber ohne Schlüssel“, hieß es am Anfang, eine Bib-typische Tüte mit Taschenlampe und Schlampermäppchen gab es obendrauf. Dann sollten wir zuerst einmal Licht finden. Dass der Lichtschalter nicht mehr so ganz richtig abgeklebt war, sorgte dann bereit für den ersten Irritationsmoment, denn natürlich hat einer unserer Mannschaft sofort versucht, ob es so einfach geht. Sollte es aber eigentlich nicht. Wir haben also das Licht brav wieder ausgemacht und mit Stehleuchte und Projektor den Raum erhellt.

Was wird gesucht?
Kombiniere. Knifflige Rätsel stehen beim Escape the Room im Mittelpunkt (Foto: Clockedindk / pixabay.de)

Kombiniere. Knifflige Rätsel stehen beim Escape the Room im Mittelpunkt (Foto: Clockedindk / pixabay.de)

Dann ging es, wie früher in Mathe, erst einmal um die Frage, was eigentlich gesucht wird. Ein Name samt den letzten Ziffern einer Telefonnummer, wie ein Zettel am Notizbrett freimütig erzählte. Auch das erste Rätsel war mit einer offensichtlichen Anweisung „Entferne Zitrone, Lebkuchen und Essig“ innerhalb der ersten fünf Minuten gelöst. Dann aber wurde es betont kniffliger. Wir fanden zwar Anweisungen und Hinweise, die gehörten aber nicht zusammen. Und zusätzlich verwirrt waren wir durch das, was vorab am Whiteboard stand und nun im fahlen Licht wieder zu lesen war. Hinweis? Ablenkung? Zufall? Schließlich kamen wir auf zwei offensichtliche Dinge. „Lese“ meint tatsächlich ein Buch und der Rucksack am Projektor gehört keinem von uns.

Wir denken zu komplex
Zusammen sind wir stark. Escape the Room besticht durch Teamarbeit (Foto: Rilsonav / pixabay.de)

Zusammen sind wir stark. Escape the Room besticht durch Teamarbeit (Foto: Rilsonav / pixabay.de)

Mit zwei Ziffern und dem entscheidenden Hinweis für die dritten standen wir dann ganz schön auf dem Schlauch. Warum? Wir dachten schlicht zu kompliziert und versuchten mittels Quersumme und Dechiffriercode auf Ziffer und Name zu kommen. Nachdem wir uns im Kreis gedreht, Handstand gemacht und schließlich durch die verstreichende Zeit in Zugzwang gekommen waren, griffen wir auf den Joker, Walkie-Talkie. „Ihr müsst die Seiten im Buch nachschlagen“, kam der Hinweis und sofort flutschte es wieder. Buchstaben für Zahlen und Punkt vor Strich, die dritte Ziffer hatten wir und standen vor dem letzten Hinweis, mit dem wir den Namen entschlüsseln sollten. „Häh“, durchzog es uns. Auch im Nachhinein muss ich gestehen, dass ich auf die Lösung wohl nur durch raten gekommen wäre. Erst hat uns ein Missverständnis im falschen Quadrat des Atlanten suchen lassen, die 45 Minuten waren mittlerweile verstrichen, wir durften aber fünf Minuten überziehen. Schließlich ein „Ahh“ beim Mitstreiter, das Hand gezückt und raus aus der vermeintlichen Bibliothek.

Wieder in Freiheit

Ich kannte vorher Escape the Room – Spiele nur vom Computer. Dort sind die Aufgaben meinem Gefühl nach schwieriger, bauen mehr aufeinander auf und sind auch vielfältiger. Vielleicht habe ich deshalb sofort etwas komplexer gedacht und offensichtliche Möglichkeiten erst einmal außen vorgelassen. Andererseits bin ich am Computer auf mich alleine gestellt. Auf die Lösung des Namens wäre ich ohne Team vielleicht gar nicht gekommen. Mit etwas mehr Organisation hätten wir die verschiedenen Aufgaben aber bestimmt schneller lösen können. So standen wir alle vier vor den gleichen Hinweisen und kamen gemeinsam nicht weiter. Auf jeden Fall aber hätte ich Lust, so einen Rätselabend zu wiederholen, gerne mit mehr Zeit, mehr oder schwereren Rätseln. Und da die Veranstaltung nach Bekanntgabe innerhalb von 24 Stunden komplett ausgebucht war, ist meine Chance, dass es wieder mal einen „Escape the Uni“-Abend geben wird gar nicht so schlecht. Und zum Glück gibt es in Deutschland noch weitere Möglichkeiten aus verschlossenen Räumen zu entkommen.

Vertrau dir selbst – warum Selbstvertrauen so wichtig ist

Es war bei einem Sommerfest vom Kindergarten. Mein Sohn stand mit den anderen Kindern auf einer kleinen Bühne, die Musik setzte ein, die Kinder sangen. Alle? Nein, nicht alle. Mein Junge stand da, die Hände schützend vors Gesicht, geduckt, unter Tränen. Fünf Sekunden später drückte er das verweinte Gesicht an mich und ich fragte mich, wohin das ganze Selbstvertrauen verschwunden war, mit dem er sonst sprach. Schließlich kam er, mein kleines Plappermaul, zur Sprachförderung, weil er sich auch in der Gruppe nicht mehr traute, den Mund auf zu machen. Heute meldet er sich tatsächlich gern in der Schule und freut sich, etwas Eigenes zu zeigen.

Vertrauen in uns Selbst?

Kein Selbstvertrauen? Die Angst vor dem Blick von Außen (Foto: amberb/pixaba.de)

Kein Selbstvertrauen? Die Angst vor dem Blick von Außen (Foto: amberb/pixaba.de)

Selbstvertrauen ist eine komische Sache. Denn uns selbst vertrauen wir eigentlich sehr oft. Morgens, wenn wir uns anziehen, sind wir unserer Sache ganz sicher. Die Unsicherheit kommt erst, wenn andere unsere Kleidung, die Frisur oder den fiesen Pickel am Kinn begutachten. Manchmal ist Selbstvertrauen weniger die Frage nach der eigenen Vorstellung, als die, nach der der Vorstellung, die wir beim Gegenüber erzeugen. Das Fremdbild dominiert, wie viel Selbstvertrauen wir haben. Bei kleinen Kindern im Kindergarten und bei den großen Erfolgreichen. Diese Erfahrung haben auch Katty Kay und Claire Shipman gemacht, zwei renommierte Journalistinnen, die gemeinsam das BuchConfidence Code“, erschienen auf Deutsch bei btb, geschrieben haben. Maßgeblich gehen sie dabei der Frage auf die Spur, was Frauen selbstbewusst macht. Die Grundlagen dieser ominösen Eigenschaft sind aber geschlechterneutral.

Gene und Werden

Was aus uns werden kann: auch Superman hegt Selbstzweifel (InspiredImages / pixabay.de)

Was aus uns werden kann: auch Superman hegt Selbstzweifel (InspiredImages / pixabay.de)

Sind, wie bei so vielen Eigenschaften, auch bei Selbstvertrauen die Gene die Grundlage, sagen sie auch hier nur, welche Tendenzen bestehen. Es gibt solche Anlagen, die einen mutigeren Menschen mit viel Stressbewältigung schaffen könnten, und dennoch kommt ein alles hinterfragender Angsthase mit Komplexen heraus. Anders herum kann natürlich auch die genetische Grundlage problematischer sein und der Mensch wird trotzdem ein selbstbewusstes Erfolgswesen. Die Umwelt entscheidet, was aus unseren Genen zum Tragen kommt und ob wie die Grundlage übertrumpfen. Sicherheit, Erfahrungen, Bindungen – all das beeinflusst, wie selbstbewusst wir werden können. Und durchaus nicht nur im anzunehmenden besten Fall. Die Autorinnen sprachen mit Politikerinnen, Geschäftsfrauen und Sportlerinnen. Eine von ihnen musste beispielsweise bereits als Vierjährige auf die jüngeren Geschwister aufpassen. Manchmal ist also gerade eine Ausgangslage, die kritisch betrachtet werden kann, der Grund, noch mehr zu leisten und sich noch mehr zu vertrauen.

Vertrauen und gut ist’s?

Zwischen Zweifel und Vertrauen: Ein ständiger Wechsel (johnhain/pixabay.de)

Zwischen Zweifel und Vertrauen: Ein ständiger Wechsel (johnhain/pixabay.de)

Mein Sohn hat gerade wieder ein großes Problem. Er ist jetzt acht und findet sich in seiner Daunenjacke zu dick. Mir fällt bei der Aussage der Himmel auf den Kopf, aber sie zeigt nur, dass er immer noch sehr bedacht darauf ist, wie er auf andere wirkt. Lieber friert er in einem Jäckchen bei Minustemperaturen, als zu riskieren, von anderen Kindern ausgelacht zu werden. Daran arbeite ich. Bezeichnend ist das Beispiel aber auch dafür, dass unser Selbstvertrauen eben kein fester Bestandteil ist. Es variiert. Alle Frauen (und Männer) mit denen Katty Kay und Claire Shipman geredet haben sagten, sie würden immer wieder an sich zweifeln und müsste nimmer wieder ihr Selbstvertrauen neu aufbauen. Ein ewiger Kreislauf, ein ewiges Training. Als wäre das Selbstvertrauen ein Muskel, der bei zu wenig Übungen degeneriert. Und weil wir Lob gerne als Schleimen oder unnötige Hudelei betrachten, erfahren wir alle manchmal zu wenig Bestätigung. Angefangen bei einem Danke bis hin zum waschechten Lob.

Warum eigentlich Selbstvertrauen?

Starker Auftritt? Selbstvertrauen macht Selbstvertrauen (OpenClipart-Vectors/pixabay.de)

Starker Auftritt? Selbstvertrauen macht Selbstvertrauen (OpenClipart-Vectors/pixabay.de)

Dabei ist Selbstvertrauen so wichtig für uns. Es macht uns stark und mutig. Selbstvertrauen strahlt nach außen, was nur logisch wird, da es ja auch den Fremdblick nach innen weiter gibt. Dadurch aber mach Selbstvertrauen auch erfolgreich. Wichtig ist dabei wie immer das rechte Maß. Wenn ich mich vor ein Millionenpublikum stelle und einfach behaupte, ich sei toll, fallen ein paar vielleicht auf mich rein. Viele aber werden die leeren Phrasen erkennen. Schon mache ich mich lächerlich und auch der Erfolg bleibt aus. Manche aktuellen Beispiele lassen zwar vermuten, dass Kay und Shipman mit ihrer Meinung, Männer wären von Haus aus mit mehr Selbstvertrauen ausgestattet, recht haben könnten. Doch bei genauerem Hinsehen sind auch diese Beispiele nur verzweifelt auf der Suche nach Bestätigung und steigern sich in eine krankhafte Selbstüberhöhung hinein. Ich jedenfalls kenne mehr als genug Männer, die an sich selbst zweifeln und ihre eigenen Taten immer wieder hinterfragen. Angefangen bei meinem Sohn.

Die Würfel rollen – mein erstes Rollenspiel

Mehr braucht es nicht: Stift und Papier ( Foto: EsaRiutta / pixabay.de)

Mehr braucht es nicht zum Rollenspiel: Stift und Papier ( Foto: EsaRiutta / pixabay.de)

Die Würfel explodieren. Aus sechs Augen werden 12, dann 18, 23. Ein anerkennendes Raunen geht durch den Raum. Der Golem fällt um wie ein Becher auf dem Kinderessplatz. Laut, aber wirkungsvoll. Noch ein zwei Würfe und das Spiel ist vorbei. Natürlich gab es keinen echten Golem, keine echten Dämonen oder Monsterspinnen. Nach drei abendfüllenden Treffen habe ich nun mein erstes Rollenspiel hinter mich gebracht. Es schäme sich, wer nun an etwas Schmutziges denkt. Ich meine ein einfaches „Pen & Paper“ Rollenspiel, zu dem ich mich habe verleiten lassen. Und ich fand es grandios.

Der Weg dorthin

Nun gibt es bestimmt Augenrollen und Schulterzucken. Gerne werden Rollenspiele mit Stift und Papier als Kram für sogenannte ‚Nerds‘ oder ‚Geeks‘ abgetan. Manche behaupten auch, die Spielart sei auf dem Rückzug, längst überholt. Immerhin gibt es virtuelle Möglichkeiten in andere Welten einzutauchen und Abenteuer zu erleben, ‚Quests‘ zu absolvieren und Erfahrungspunkte (EPs) zu sammeln. Und auf der anderen Seite gibt es die, die aufs Ganze gehen und Rollenspiele als ‚live Rollenspiele“ erleben wollen. In Gewandung und mit einer Biografie, die aus dem Geschichtsbuch stammen könnte. Ich aber bin um diese Bereiche immer wieder herumgestreunt, habe aber weder das eine noch das andere ausprobiert. Bis jetzt.

Mit Stift oder Gewandung

Wie Sitting Bull und Buffalo Bill: Wild West live Rollenspiele (Foto: skeeze / pixabay.de)

Wie Sitting Bull und Buffalo Bill: Wild West live Rollenspiel (Foto: skeeze / pixabay.de)

Es wäre zu einfach mal wieder dem Mann die Schuld zu geben, der ‚Pen & Paper“ während der Schulzeit gespielt hat. Und außerdem irgendwie sexistisch. Wahrscheinlich wäre dies aber eine Erfahrung gewesen, die ich zwar immer interessant gefunden hätte, aber nie vom Gedanken zur Tat gekommen wäre, gäbe es da nicht unsere Freunde. Diese Freunde meinen es ganz ernst. Am liebsten tauchen sie in ihre Rollen beim Wild West ‚live‘ Rollenspiel, mit Kind und Kegel, historischem Kinderwagen und selbstgenähten Kleidern, die hier nicht Kostüme heißen, sondern Gewandung. Historische Rollenspiele also. Aber sie kennen sich auch aus in der Welt der Star Trek Rollenspiele, bei Herr der Ringe, Star Wars, und und und. Und neben der Begeisterung für das vollständige Eintauchen in eine selbst gewählte Rolle mögen diese Freunde auch noch das klassische ‚Pen & Paper‘. Nach einem gemeinsamen Krimi Dinner hatten sie mich schließlich soweit. Wir kauften uns Würfelsets und der Spaß konnte beginnen.

Spielleiter …

Zu viert bestritten wir unser erstes Abenteuer, zusätzlich muss es immer einen Spielleiter geben, der kreativ auf die Entscheidungen der Spieler eingeht, die Regeln beherrscht, die Handlung sowieso. Außerdem gibt es solche Figuren, die nicht von den Spielern gesteuert werden, NSCs. Das können Dorfbewohner, Helfer, fantastische Wesen, aber auch die Gegner sein. Dass wir dabei in eine fantastische Welt gerieten lag dann wohl wirklich an mir, denn dieses Genre ist mein liebstes. Genauso gut wäre aber ein Horror-Plot, ein Science Fiction Abenteuer oder sonst eine Geschichte möglich gewesen.

… und Spieler

Werden gebraucht: viele, viele bunte Würfel (Foto: cocozi / pixabay.de)

Werden beim Rollenspiel gebraucht: viele, viele bunte Würfel (Foto: cocozi / pixabay.de)

Als Spieler gibt es erst einmal einen Charakterbogen, der erklärt, welche Eigenschaften die Figur hat, die im Spiel gesteuert wird. Entscheidungen und Aktionen hängen dann vom Würfelergebnis ab. Bei uns mussten wir mindestens eine Vier würfeln, um überhaupt Möglichkeiten auf Erfolg zu haben. Wer den höchstmöglichen Wurf schafft – beim klassischen Würfel mit maximal sechs Augen (ein W6) wäre das also eine Sechs – darf noch einmal würfeln. Es gibt aber noch mehr Würfel die beim ‚Pen & Paper‘ genutzt werden können. Vom W4 bis zum W100 ist eigentlich alles möglich. Ganz so wild wurde es bei uns dann nicht. Erstaunlich schnell war ich in der Materie, in meiner Rolle, in meinem Element. Spaß macht so ein Rollenspiel mit Stift und Papier – das nichts anderes als ein kreatives Gesellschaftsspiel ist – vor allem dann, wenn der Plot sich entwickelt. Wer direkt durch die Handlung marschiert, kommt zwar schneller ans Ziel, lernt aber auf ungeahnten Wegen auch weniger kennen. Wir jedenfalls haben uns direkt ins nächste Abenteuer mit unserer Gruppe gewagt. Mein Mann als narzisstischer Elf und ich als naturverbundene Animistin. Und die Würfel rollen.

Neue Sprache, jeden Tag

Gerade erlebe ich das Wunder der Sprache. Jeden Tag lernt mein jüngster mehrere Wörter, bastelt Sätze. Heute waren es sogar drei Worte, die er verbunden hat. „Papa Licht aus.“ Ein Meilenstein für ein Kind unter zwei. Ein Meilenstein, wenn ich bedenke, dass vor ein paar Woche „Licht“ das gleiche bedeutete, dass es davor noch ein „da“ war. Und alles meinte doch dasselbe. „Papa hat das Licht ausgemacht“. Das Erstaunliche daran ist für mich nicht etwa das Erlenen neuer Worte. Neue Worte lerne auch ich noch immer. Fachbergriffe, regionale Besonderheiten, fast vergessene Formulierungen, einfache Wörter, die mir bisher noch nicht bekannt waren. Faszinierend finde ich viel mehr die Erweiterung der Laute, wo die Bedeutung doch gleichbleibt.

Wundervolle Sprache

Wundervoll willkürlich: Sprache ist oft arbiträr (Foto: wilhei / pixabay.de)

Wundervoll willkürlich: Sprache ist oft arbiträr (Foto: wilhei / pixabay.de)

Sprache ist etwas Wundervolles. Das sage ich aus tiefstem Herzen. Nicht umsonst habe ich Literaturwissenschat studiert, denn in der Literatur wird die Sprache zur Kunst, zur Lehrerin, zum Lebensinhalt. Sprache, so sagen manche, unterscheidet den Menschen vom Tier. Heute wissen wir, dass diese Aussage im Grunde falsch ist. Tiere kommunizieren durchaus komplex. Gestik und Mimik, Bewegungen und Handlungen, Laute und Geräusche können ganze Geschichten erzählen. Bienen tanzen, um Wege zu erklären. Wale singen, um sich zu verständigen. Lehren, Berichten, Reden, all das gibt es nicht nur bei Menschen, sondern überall. Und doch unterscheidet sich unsere Sprache von der anderer Tiere. Zum einen erzählen wir Geschichte, Märchen, schaffen fiktive Wirklichkeiten. Zum anderen ist unsere Sprache arbiträr. Wahllos haben wir Laute vergeben. Für Dinge und Geschehnisse. Und für Buchstaben. Zeichen für Laute.

Lautes Leben

Muttersprache: Sprache prägt bereits vor der Geburt (Foto: arutina / pixabay.de)

Muttersprache: Sprache prägt bereits vor der Geburt (Foto: arutina / pixabay.de)

Nur logisch vielleicht, denn mit Lauten fängt alles an. Laute, die wie von selbst kommen, Schreien, As und Os. Bereits Neugeborene schreien in ihrer Muttersprache „schreien“. Die Geräusche, die sie während ihrer Entwicklung im Mutterleib gehört haben, prägen sie auf Rhythmus, Tonhöhe, Lautfolgen. Und nicht nur das. Sie erkennen auch, wenn jemand in ihrer Gegenwart eine andere Sprache benutzt. Sprache ist von Geburt an Kulturgut, bevor wir sie sprechen können, erkennen wir sie geradezu instinktiv. Was nicht heißt, dass wir diese Muttersprache einfacher lernen, als eine andere. Eines der ersten Wörter, die mein Jüngster gelernt hat, war „bitte.“ Nur, dass er es nicht wie „bitte“ ausspricht. Er spricht es ungefähr so aus, wie der siebzehnjährige Pavel Chekov in der Neuauflage von „Star Trek“, gespielt vom kürzlich verstorbenen Anton Yelchin. Der macht aus dem kurzen I ein langes und es klingt ungefähr wie „bietthe“. Genauso spricht mein Sohn es aus.

Fremde Sprache?

Sprachlos? Unser Sprachraum verändert uns (Foto: Maialisa / pixabay.de)

Sprachlos? Unser Sprachraum verändert uns (Foto: Peggy_Marco/ pixabay.de)

Natürlich wird diese Färbung irgendwann verschwinden. Unsere Sprache passt sich an. Meine Tante, die in ihrer Studentenzeit nach Frankreich zog, heiratete, Kinder bekam, sich scheiden ließ und noch immer dort lebt und arbeitet, spricht heute Deutsch mit leichtem französischen Akzent. Betonungen, die den Einfluss des Französischen offenbaren. Ihre Tochter, die mittlerweile seit ein paar in Deutschland lebt und arbeitet, hat dagegen diesen Akzent nahezu verloren. Dagegen behalten andere scheinbar absichtlich das Erkennungsmerkmal ihrer Fremdsprachlichkeit in ihrer Benutzung der deutschen Sprache. Manchmal bestimmt mit Absicht. Manchmal aber auch, weil der Rückzug in den eigenen Sprachraum immer noch täglich möglich ist. Interessant ist dabei doch, dass Kinder, die in zwei Sprachräumen aufwachsen, oft mühelos und ohne Akzent zwischen den Sprachen wechseln können.

Neue Sprache – Sprache lernen

Heimat! Sprache verbindet uns (Maialisa / pixabay.de)

Heimat! Sprache verbindet uns (Maialisa / pixabay.de)

Heute geht es oft um die Frage des Fremdspracherwerbs. Um angebliche Verweigerung und Integrationsprobleme. Vielleicht wäre das Problem gar kein so großes, wenn wir es aus einer anderen Perspektive erfassen. Zum einen dürfen wir nicht vergessen wie rudimentär manche Deutsch-Kurse sind, gerade wenn sie kostenlos angeboten werden. Wenig bis kein Material und wenig Zeit, so dass gerade mal Grundkenntnisse, die im Alltag vielleicht für „ja“/“nein“ reichen, vermittelt werden können. Zum anderen ist für Geflüchtete die Sprache ihr letzter Anker zur Heimat. Hab und Gut ist kaum mehr da, Verwandte sind teilweise verloren oder unerreichbar und um sie sind viele Menschen, aber alles Fremde, mit fremden Sprachen und fremden Wörtern. Sprache trennt. Die eigene Sprache ist da ein Hafen, das letzte bisschen Kultur und die Gemeinsamkeit, an der Menschen ihre Landsleute erkennen. Ob im Urlaub in Spanien oder Italien oder nach der Flucht in einem Aufnahmelager. Sprache verbindet. Mein Sohn lernt Worte und ordnet sich damit jeden Tag mehr seiner Umwelt zu. Sprache prägt. Und doch ist es leicht, neue Worte zu lernen, neue Sprache, neue Welten. Jeden Tag und nicht nur für unter zwei Jährige.