Die Sache mit dem Sexismus

Jüngst durfte ich mir sagen lassen, ich sei sexistisch. Ich war milde überrascht, denn der Grund war, dass ich mich über Sexismus aufgeregt habe. Auslöser war ein Foto einen Rechtsanwalts, über das mittlerweile genug gesagt und an dem alles kritisierbare kritisiert wurde. Darum soll es gar nicht gehen. Die Verteidigung aber, mich als das anzugreifen, was ich anprangere, ist weder selten noch untypisch. Es erinnert leise an die Kindergarten-Streitereien, die mit „Selber“, endeten, weil einfach die Argumente fehlen. Und sie soll vor allem eines: Verletzen.

Was ist Sexismus?

Frauensache? Auch Männer sind von Sexismus betroffen (Foto: NeuPaddy / pixabay.de)

Sexismus bezeichnet schlicht Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Zu sagen, Frauen müssten weniger verdienen, weil sie schwächer und dümmer wären, wie es jüngst ein polnischer Abgeordneter gemacht hat, ist Sexismus. Und zu behaupten, Frauen müssten Kinder bekommen, weil das ihre biologische Aufgabe wäre, ist Sexismus. Zu erklären, Männer könnten mit Kinder nicht umgehen oder seien zu keinen echten Emotionen fähig, genauso. Sexismus ist also nicht auf die Frau beschränkt. Aber Frauen erleben häufiger Sexismus – und eine andere Art. Während Männer in sexistischen Äußerungen gerne zu Helden und Kriegern gemacht werden – wenn es nicht gerade um eine Erkältung geht – werden Frauen klein gemacht, untergeordnet, zu Menschen zweiter Klasse. Aber beide Geschlechter leiden darunter. Das macht Sexismus zum Äquivalent des Rassismus auf Geschlechterebene. In der Realität kommen beide oft zusammen vor, aber natürlich nicht immer.

Aber wir haben doch Gleichberechtigung?
Freiwillige Posen oder Male Gaze? Wenn Sexismus anerzogen wird (Foto: JerzyGorecki / pixabay.de)

Freiwillige Posen oder Male Gaze? Wenn Sexismus anerzogen wird (Foto: JerzyGorecki / pixabay.de)

Nein. Haben wir nicht. Wir arbeiten daran, noch immer. Und es hat sich eine Menge getan. Frauen dürfen selbst entscheiden, ob und wo sie arbeiten wollen – früher lag diese Entscheidung beim Ehemann oder dem Vater. Frauen dürfen wählen, Auto fahren, Hosen tragen, gewählt werden, … Klingt toll oder? Die frühen Feministinnen der 1920er Jahre würden einen Salto machen. Die Frau darf auch nicht mehr in der Ehe vergewaltigt werden. Und hey, der Mann darf Elternzeit beantragen. Doch das ist noch keine Gleichberechtigung. Und Vorsicht: Gleichberechtigung bedeutet nicht, etwaige mögliche Unterschiede nicht anzuerkennen, sondern lediglich, dass gleiche Rechte bestehen. Keine Gleichsetzung also. Dass Unterschiede individuell sind, und nicht mit dem Chromosomenhaushalt zu tun haben, ist dabei meine Meinung. Dass die schlechtere Bezahlung von Frauen, die Tatsache, dass es für Mütter viel schwerer ist, in den Beruf zurück zu kehren und Mädchen in MINT-Fächern und Studiengängen noch immer die Unterzahl sind – das ist keine Gleichberechtigung. Auch dass Frauen auf Bildern zu Deko-Objekten werden und weibliche Rundungen noch immer nach der Sex-Sells-Methode laufen, ist keine Gleichberechtigung. Das ist traurig und entwürdigend.

Ich bin sexistisch
Ist das so oder muss das so sein? Sexismus beeinflusst unser Leben täglich (Grafik: OpenClipartVectors / pixabay.de)

Ist das so oder muss das so sein? Sexismus beeinflusst unser Leben täglich (Grafik: OpenClipartVectors / pixabay.de)

Der Vorwurf, ich wäre sexistisch, sollte ein Totschlagargument sein. Weil ich in dem Bild Merkmale erkannt habe, die sexistisch sind, muss ich ja sexistisches Gedankengut haben. Aber etwas zu erkennen und zu kritisieren ist etwas anderes, als damit einverstanden zu sein. Ich erkenne auch Rassismus. Macht mich das zu einem Rassisten? Jemanden vorzuwerfen, er wäre intolerant, weil er Toleranz nicht tolerieren kann – ja, das ist ein Problem. Und es ist ein Problem, dass wir alle mit sexistischen Motiven und Bildern überhäuft werden. Geschlechterklischees beginnen im Kindergarten. Hier lernen die Kinder bereits kennen, was Mädchen machen und was Jungs tun – wenn sie es von ihren Eltern und den Medien noch nicht beigebracht bekommen haben. Jungs dürfen keinen Nagellack tragen und raufen halt. Lange Haare bei Mädchen sind ja sooo schön und das Kleid erst. Hach. Ich nehme mich da nicht aus. Natürlich wurde ich nicht frei von Geschlechterzwängen erzogen. Das ist als Mitglied dieser Gesellschaft nahezu unmöglich. Aber gerade deswegen verstehe ich den Code. Und weil ich weiß, wo sich Sexismus versteckt, kann ich ihn selbst versuchen zu vermeiden und kritisieren, wenn ich ihn erkenne. Denn – und das ist schlicht meine Überzeugung – Sexismus ist einfach falsch.

Wunderwaffe Saftkur?

Drei Tage lang nur Flüssignahrung – meine Saftkur liegt inzwischen fast genau einen Monat zurück (hier geht´s zum Bericht). Zeit einmal zu resümieren und mit Vorurteilen aufzuräumen.

Nur lecker oder auch gesund? Saftkur im Selbstversuch (Foto: Rike / pixelio.de)

Nur lecker oder auch gesund? Saftkur im Selbstversuch (Foto: Rike / pixelio.de)

Abnehmen?

Weniger essen = weniger Kalorien = weniger Körpergewicht – diese Gleichung geht auf. Während meiner dreitätigen Saftkur, wobei ich ja nur zwei Tage komplett auf feste Nahrung verzichtet habe, habe ich etwa ein Kilo abgenommen. Über Saftkuren dauerhaft abzunehmen, funktioniert allerdings nicht. Sobald ich wieder normal gegessen habe, habe ich das verlorene Gewicht wieder zugenommen.

Keine Nährstoffe? Keine Energie?

Obwohl dem Körper viel weniger Nahrungsmittel zugeführt werden, erhält er Vitamine und Mineralstoffe, denn die sind ja schließlich auch in Saft, Smoothies und Suppe enthalten. Um meinen Kreislauf nicht zu überfordern, habe ich bewusst auf schweißreibenden Sport verzichtet und täglich nur ein paar Übungen daheim gemacht. Vielleicht war ich ein bisschen müder als sonst, aber nicht so, dass es sich wesentlich auf meinen Alltag ausgewirkt hätte. Kurzum: Bei drei Tagen Saftkur kam es bei mir zu keinem erwähnenswerten Energiemangel, folglich bestand wohl auch kein Nährstoffmangel.

Reinere Haut?

Diesen Effekt habe ich leider nicht bemerkt. Schade!

Den Körper reinigen?

Wenn ihr euch einmal bewusst damit auseinandersetzt, stellt ihr sicher schnell fest: Nahezu alles, was wir essen, ist industriell verarbeitet – die wenigstens Produkte verzehren wir direkt und genauso wie sie zum Beispiel vom Baum fallen. Bei meiner Saftkur habe ich fast ausschließlich Obst und Gemüse vom regionalen Anbieter verwendet. Das mache ich allerdings auch, wenn ich normal esse. Nur kommen da dann eben auch mal Nudeln aus dem Supermarkt, Brühepulver und Milch zum Einsatz.

Die Flüssignahrung soll dagegen sogar eine eventuell vorhandene Übersäuerung neutralisieren. Ob mein Körper nach drei Tagen Saftkur „sauberer“ ist als vorher? Einen Beweis habe ich nicht, dafür aber:

Ein Freies, leichtes Gefühl?

Ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen: Am dritten Tag meiner Saftkur hatte ich auf dem Heimweg einen kurzen Zwischenstopp zum Umsteigen am Mannheimer Hauptbahnhof. Der Duft von frischen Backwaren stieg mir in die Nase. Vor meinem inneren Auge konnte ich es sehen: Knackiges Ciabatta, saftige Tomaten, cremiger Mozzarella und der intensive Geschmack von frischem Basilikum. Plötzlich erregte ein komplett anderer Leckerbissen meine Aufmerksamkeit. Eine Frau spazierte mit einem Becher Softeis vorbei. Wie zarte Zuckerwattewölkchen schwebte die weiße Eiscreme portionsweise in ihren Mund. In meinen Futterträumen schmiegte sich die Karamellsauce wie ein warmer, ultimativ leckerer Lavastrom an den Berg aus eiskaltem Genuss. Aber etwas war anders als bisher: Ich habe mir nichts gekauft – kein Eis, kein belegtes Brötchen. Ich habe ganz frei entschieden, ohne mich gezwungen zu fühlen meinem spontanen Appetit nachzugeben, aber auch – und das ist das Wichtigste – ohne dabei das Gefühl zu haben auf etwas zu verzichten. Das Geschmackserlebnis war nur in meinem Kopf und das war einfach großartig.

Typisch deutsch? – Ein Klischee

Lederhosen, Brezeln, geschlossene Läden an Sonntagen, Currywurst, Urlaub machen, Pünktlichkeit, Sauerkraut, Ordnung, Verschlossenheit – all dies sind freie Assoziationen von Passanten zu der Frage: „Was ist eigentlich typisch deutsch?” Im Kölner Museum für angewandte Kunst (MAKK) hat sich der Schweizer Designer Rolf Sachs der Thematik nun auf künstlerische Weise angenähert. Unter dem Titel „Typisch deutsch?”, beleuchtet der 59-Jährige die Eigenschaften, die mit dem westeuropäischen Volk verbunden werden. Es ist seine erste Ausstellung in einem deutschen Museum. Mit einem Augenzwinkern vermittelt er viel zu den über Deutsche herrschenden Klischees.

„Fleiß“, 2013 © Rolf Sachs / Foto: Byron Slater

„Fleiß“, 2013 © Rolf Sachs / Foto: Byron Slater

So beeindruckt bereits zu Beginn der Sammlung der Amtsschimmel: Festgehalten unter einer gläsernen Glocke hängen unzählige Stempel mit unterschiedlichen Aufdrucken. Sie reichen von „Spießigkeit”, über „Erfindergeist”, bis hin zu „Himmel, Arsch und Zwirn.” Sinnbildlich stellen sie das Beamtendeutsch und die zum Pflichtbewusstsein aufrufende Bürokratie dar, von der wohl jeder seine ganz eigene Geschichte erzählen kann. Mit einem Schmunzeln betrachtet der Besucher die Aneinanderreihung und kommt dabei ins Nachdenken, was davon wohl tatsächlich zutreffen könnte. Auch weitere Schöpfungen zeigen auf amüsante Art und Weise, welches Bild über Deutsche in Umlauf ist. Der „Fleiß” kommt in Form eines aus Anthrazitkohle gemeißelten Gartenzwerges in Arbeiterhemd daher. Durch eine auf Filztafeln gebettete goldene Kugel wird „Schwermut” ausgedrückt. Natürlich darf auch der Bezug zu den Dichtern und Denkern nicht fehlen: „Der unendliche Geist” zeigt einen gewaltigen Bücherstapel mit Werken der großen deutschen Geschichtenschreiber und Naturwissenschaftler – ein Ausdruck der Kreativität, wobei diese Eigenschaft nicht explizit genannt wird. Auch eine Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit findet ihren Platz: Ein verrosteter Stahlhelm hinter einem ebenso verrosteten Käfig – Thematisierung der Kriegsjahre. „Memento Mori” heißt das Werk und ist das einzige, welches auf den dunklen Teil deutscher Geschichte eingeht.

„Der unendliche Geist“, 2013 © Rolf Sachs / Foto: Byron Slater

„Der unendliche Geist“, 2013 © Rolf Sachs / Foto: Byron Slater

Viele weitere Ausstellungsstücke spielen mit altbekannten Klischees und greifen dabei auf Geschichte und literarische Werke zurück. Ebenso kommt jedoch der Schöpfer hinter den Werken zur Geltung, denn die Ausstellung erzählt indirekt auch viel über seine Wurzeln aus einer industriellen Familie. So werden vor allem Tugenden benannt, die Vorteile im Wettbewerb sichern und für die Deutsche im Ausland angesehen sind und gerne eingestellt werden. Eine Wertung möchte der als Deutsch-Franzose in der Schweiz Aufgewachsene nach eigenen Angaben allerdings nicht vornehmen, sondern vielmehr mit einer ordentlichen Abhandlung seine persönlichen Erinnerungen auflisten. Der in London mit einer iranischen Frau lebende Künstler versteht sich selbst als internationale Person. Es wirft die Frage auf, ob man in einer globalisierten, vernetzten Welt überhaupt von typischen Eigenschaften sprechen kann. Für Sachs ist die Antwort auf diese Frage klar: Auf der Pressekonferenz der Ausstellungseröffnung verriet er, dass er schon länger beobachtet habe, dass vermeintlich typisch deutsche Eigenschaften, wie Pünktlichkeit, Fleiß und Ordnung in England früher eher belächelt wurden, doch heutzutage sehr ernst genommen und geschätzt werden.

Judith besucht die Ausstellung und findet dies eher amüsant. Schon häufig habe sie für das Studium und später den Job ihren Wohnort ins Ausland verlagern müssen. Auch dort sei sie mit den Stereotypen konfrontiert worden: „Jedes Mal wenn ich zu spät kam – und das kommt bei mir schon häufig vor – wurde mir in vorwurfsvollem Ton entgegnet: Aber du bist doch Deutsche!” Sie ist zwar der Meinung, dass Klischees ihren Ursprung haben, doch sieht sie diesen in einem sehr subjektiven Umfeld. „Wenn ein paar Leute hergehen, etwas innerhalb eines Kulturkreises beobachten und dies für allgemeingültig erklären, es dann verbreiten und es sich immer mehr ausbreitet, hat man bereits ein Klischee geschaffen”, erklärt sie. Dennoch fand sie die Ausstellung interessant, da sie ihrer Meinung nach einiges über die deutsche Identität verrät. Zudem erinnerte sie das ein oder andere präsentierte Werk an ihre Zeit außerhalb von Deutschland. Denn dort begegnen einem viele dieser projizierten Eigenschaften, weiß sie.

Porträtfoto von Rolf Sachs, 2013 © Rolf Sachs / Foto: Byron Slater

Porträtfoto von Rolf Sachs, 2013 © Rolf Sachs / Foto: Byron Slater

Natürlich ist Sachs Ausstellung keine wahrheitsgetreue Abhandlung darüber, was deutsch ist. Wer dies so sieht, hat den Sinn dahinter nicht verstanden, denn das möchte er auch gar nicht leisten. Vielmehr nimmt er es sich heraus, die Deutschen aus einer objektiven Wahrnehmung heraus zu betrachten und mit Witz und Ironie mit den Eigenarten spielen, die ihnen von außen häufig zugeschrieben werden. Letztendlich sollte klar sein, dass sich die Deutschen nicht auf die paar ausgestellten Merkmale reduzieren lassen und dass sich in Deutschland mittlerweile eine offene und multikulturelle Gesellschaft etabliert hat.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr an dieser Stelle in einem Gastbeitrag etwas über das Panoptikum in Mannheim.


Der große Mentalitätscheck, Teil 11: Schottland

Wie sieht es in einem fremden Land aus? Sind Impfungen notwendig, um dorthin zu reisen? Und: Was kann man dort unternehmen? Das sind nur einige der Fragen, die man sich vor Antritt einer Reise nur allzu häufig stellt. Mit eine der interessantesten Fragen ist jedoch die nach dem Verhalten der Einheimischen, ihren Bräuche und Sitten, ihrem Umgang mit Fremden – kurzum: die Frage nach ihrer Mentalität. Im großen Mentalitätencheck stellt euch die Face2Face-Reiseredaktion daher die Bevölkerung der verschiedensten Länder der Erde und ihre individuelle Mentalität vor. Heute: Schottland.

Schottland – ein Land voller Märchen, uralten Fehden, Orten wie aus dem Bilderbuch und Erinnerungen, die in den

2700 v. Chr. entstanden und größer als Stonehenge: der Ring of Brodgar auf den schottischen Orkney-Inseln (Foto: Vondracek).

2700 v. Chr. entstanden und größer als Stonehenge: der Ring of Brodgar auf den schottischen Orkney-Inseln (Foto: Vondracek).

Einheimischen ewig weiterleben werden. Wer dem Mythos vom ewigen Regen und dem stets geizigen und übel gelaunten Schotten glaubt, wird vor Ort ganz schnell merken, dass das Gegenteil der Fall ist.

Neben Touristenmagneten wie Edinburgh, das William-Wallace-Monument oder Loch Ness hat Schottland noch etwas viel Interessanteres und Erfahrenswerteres zu bieten: nämlich die Schotten selbst. Von wegen wortkarg und Fremden gegenüber zugeknöpft. Die Schotten sind eines der offensten und höflichsten Völkchen Europas. Um Geschichten wie Robin Scherbatsky („How I met yout mother“) in der kanadischen Kneipe in New York City zu erleben, kann man gleich auf dem eigenen Kontinent bleiben. Rempelt man sich in einer Menschenmenge an, was in einer der größeren Städte wie Edinburgh oder Aberdeen an der Tagesordnung ist, bekommt man sofort ein „Oh, excuse me“ zu hören. Verdattert darüber, dass man selbst der Schuldige war und sich eigentlich entschuldigen sollte, verpasst man die Situation seinerseits um Verzeihung zu bitten.

Dem Schotten ist es aber nicht nur wichtig, für sein vermeintliches Verhalten einzustehen, sondern allgemein, dass seine Mitmenschen sich wohl und geborgen fühlen. Nicht nur der Weg zum Museum wird da erklärt, hinzukommen noch etliche Informationen vom Geheimtipp über den schönsten Ort am Loch bis zur Einladung auf eine Tasse Tee. Und wenn der gesuchte Ort dann doch mal zu weit weg ist, bieten die Schotten auch gerne mal an, den fremden Touristen persönlich dorthin zu fahren.

Insgesamt kann man sagen, der britische Gentleman wird hier getoppt und ist wohl bei einem Schotten, wie 007 es ist, in die Lehre gegangen.

Dass Schotten geizig sein sollen, ist wiederum ein Klischee, das nicht bestätigt werden kann. Denn in Schottland ist nicht nur die Bildung frei, was viele ausländische Studierende an die Universitäten lockt. Auch das Gesundheitssystem arbeitet kostenlos und jedem steht die gleiche Behandlung zu. Der Eintritt in schottische Museen ist zum Großteil frei und viele historische Orte sind auch kostenlos zu besichtigen.

Mundfaul und griesgrämig sind Adjektive, die man als Deutscher oft mit den Schotten in einem Satz verwendet, doch in keinem Land, kann man sich so ungezwungen mit den Einheimischen unterhalten wie in den Highlands. Sie sind nicht nur wissbegierig und fragen den Touristen nach seiner Herkunft und seinen Intentionen diese Reise angetreten zu haben. Die „Scots“ erzählen auch liebend gerne ihre eigene Geschichte, von den Jakobiten, der Gegend oder was sie vom Rauchen und der Pharmaindustrie halten.

Da es in Schottland nicht ansatzweise so viel regnet, wie man denkt (ein weiterer Mythos, der nicht bestätigt werden kann), könnte es die Gegend in Europa sein, von der man niemals wieder zurückkehren will. Wäre da nicht die Tatsache, dass so etwas wie gutes, schmackhaftes Brot hier einfach nicht zu kriegen ist.

Vorschau: Am 26. November geht es nach Schweden.

 

Kleiderständer?! – Selbstversuch Fotomodel

Fotograf beim Face2Face-Selbstversuch: Holger Thomas (Foto: Stefan Engler)

Fotograf beim Face2Face-Selbstversuch: Holger Thomas (Foto: Stefan Engler)

„Entweder du wirst mal Journalistin oder aber Model“ – das sagte einmal ein Kumpel zu mir. Obwohl ich mich durchaus geschmeichelt fühlte, war meine Antwort darauf: „Ich und modeln? Wohl eher nicht.“ Der Gedanke daran, einmal als Journalistin zu arbeiten, ließ mich so schnell allerdings nicht wieder los…

Dass mir dieses Gespräch ausgerechnet jetzt in den Kopf kommt, wo ich vor einem beleuchteten Spiegel sitze und mich für das anschließende Fotoshooting frisieren und schminken lasse, ist kein Wunder. Denn heute starte ich meinen Selbstversuch Fotomodel.

Kleiderständer spielen, nichtssagend in die Gegend grinsen, fürs Rumstehen bezahlt werden – es gibt so einiges an Vorurteilen über Models und genau diesen Vorurteilen werde ich heute auf den Grund gehen. An meiner Seite: Visagistin Natascha Pfeifer alias Zauberpinselchen und Fotograf Holger Thomas. Beide keine Unbekannten für mich – schließlich zauberte mir Natascha im Selbstversuch Bodypainting bereits eine eindrucksvolle Schildkröte auf den Rücken und Holger hielt das fotografisch fest.

Wie fühlt man sich eigentlich als Model? Das testet Face2Face-Chefredakteurin Tatjana heute (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Wie fühlt man sich eigentlich als Model? Das testete Face2Face-Chefredakteurin Tatjana für euch (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Heute allerdings soll ich ein bisschen mehr machen, als mich anmalen zu lassen und möglichst mit dem Rücken zur Kamera zu stehen. Heute soll ich das Model mimen und befürchte – wie sich später herausstellen soll, zu Recht – dass es mit ein bisschen Gegrinse nicht getan ist.

Während mir Natascha für den Beachlook die Haare zu zwei lockeren Zöpfen flicht und Muschelketten hineinbindet, möchte ich von Holger wissen, wie eine Frau sein muss, um sich als Model zu eignen. „Nach mehrjähriger Erfahrung sind mir primär Zuverlässigkeit und Verantwortung wichtig“, erklärt der 48-Jährige, „bezüglich des Aussehens muss ich sagen, dass meiner Meinung nach ein guter Fotograf aus jeder Person etwas ausschöpfen können sollte. Die Kunst besteht darin, aus jedem etwas heraus zu kitzeln, sodass man das Besondere in ihm erkennt.“ Damit lastet die Verantwortung für das Gelingen des Shootings wenigstens nicht mehr zu 100 Prozent auf meinen Schultern, denke ich mir und lehne mich entspannt zurück, während mir Natascha das Gesicht abpudert.

Mit dem Lieblingsoutfit ist man doch gleich viel entspannter: Tatjana im Beachlook (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Mit dem Lieblingsoutfit ist man doch gleich viel entspannter: Tatjana im Beachlook (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Als es dann allerdings wirklich losgeht, kann ich meine Nervosität kaum noch verstecken. Und das Schlimmste: Man sieht sie mir auf den Fotos auch deutlich an: Verkniffener Mund, unsicherer Blick. Nach fast jedem Schuss zeigt mir Holger das Ergebnis und wir besprechen gemeinsam, was uns gefällt und was ich besser machen kann. So viel Feedback zu bekommen ist schon einmal hilfreich. Auch das, wovor ich mich am meisten gefürchtet habe, – die „mach einfach mal irgendwas! Begeistere uns!“-Aufforderung á la Germanys next Topmodel – bleibt aus. Stattdessen zeigt mir Holger, der hauptberuflich als Instandhaltungsplaner arbeitet, anschaulich, wie ich posieren soll – und das sorgt nicht nur für ein Sicherheitsgefühl bei mir, sondern auch für den einen oder anderen Lacher. Sein großes Engagement beruht auf der Bedeutung, die das Fotografieren für ihn hat: „Für mich ist es Lebensinhalt und Bestätigung; aber vordergründig das Kennenlernen der Menschen, die Rückmeldung der Menschen, die ich fotografiere. Wenn ein Shooting gelingt, sehe ich Freude und Glück in ihren Augen.“

Und genau diese Freude empfinde ich nach den ersten paar Fotos auch. Mit jedem Outfit schlüpfe ich gleichzeitig auch in eine andere Rolle, fühle mich anders und bewege mich anders. Aber Spaß ist nicht das einzige, das ich mit fortschreitender Zeit spüre: In unbequemen Posen entspannt aussehen, möglichst wenig blinzeln, konzentriert sein – jetzt kann ich zumindest teilweise nachvollziehen, weshalb einige Models „für ein bisschen rumstehen und gut aussehen“ so gut bezahlt werden.

Horror-Outfit-deluxe: Der Totenkopf und Tatjana wurden schnell Freunde (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Horror-Outfit-deluxe: Der Totenkopf und Tatjana wurden schnell Freunde (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Als ich Natascha und Holger gegen 20.30 Uhr das letzte Outfit – ursprünglich sollten Lederleggings und hohe Hacken eine Art Rock-Outfit-light darstellen – präsentiere, habe die beiden eine Idee, die mich zuerst ein wenig aus dem Konzept bringt. Doch sei es nun dem Anflug von Müdigkeit oder meiner aufkeimenden Experimentierfreudigkeit geschuldet, ich ziehe mit. Und erschrecke mich eine gute halbe Stunde später vor mir selbst: Bauchnabellange, schwarze Locken mit knallroten Strähnchen, dunkel geschminkte Augen und eine schwarze Corsage machen aus meinem Rock-Outfit-light ein Horror-Outfit-deluxe. Wie passend, dass Natascha in ihrem Fundus noch einen Totenkopf findet, mit dem ich dann posieren darf…

Nach den schwarz-roten Haarteilen ist dann natürlich auch noch eine blonde Barockperücke dran und ich mache erstmalig Bekanntschaft mit aufklebbaren Wimpern, die zwar grandios aussehen, es mir aber schier unmöglich machen, die Augen offen zu halten. Wie schaffen es die Mädels, die sowas täglich tragen, nur nicht dauerhaft mit Schlafzimmerblick in die Welt hinaus zu schauen?

Kurz nach 22 Uhr ist dann alles im Kasten: Sechs verschiedene Looks, drei verschiedene Haarfarben, zwei durchgeknallte Künstler und eine erschöpfte, aber glückliche Journalistin.

Ungewohnter Anblick: Face2Face-Chefredakteurin Tatjana mit blonder Barock-Perücke (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Ungewohnter Anblick: Tatjana mit blonder Barock-Perücke (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Wie habe ich mich nun aber bei meinem ersten professionellen Fotoshooting angestellt, lieber Holger? „Um ehrlich zu sein, war es mit dir wirklich sehr leicht. Es hat schlicht und ergreifend gepasst und sehr viel Spaß gemacht.“ Na, wenn das mal nicht ein gelungener Abschluss für einen spannenden Selbstversuch ist…

Mein Fazit: Modeln ist alles andere als Kleiderständer spielen, es erfordert Disziplin und Konzentration – aber vor allem macht es riesigen Spaß!

Kontakt:
Fotoshooting Mannheim – Holger Thomas Photographie
0160 95012649
Foto-H.Thomas@directbox.com

Vorschau: Nächsten Dienstag erfahrt ihr im Panorama wo sich der reisende Koffer der Viva con Agua-Organisation gerade befindet und welche Ziele noch vor ihm liegen.

 

Gereimtes – Nur für Frauen?

Herz und Lyrik gehören oft, aber nicht immer zusammen

Klischee: Nicht alle Lyrik muss romantisch und schmachtend sein (©Sabine Koriath/Pixelio)

Auch ich dachte lange Zeit, Lyrik sei furchtbar unmännlich. Sicher, sobald „der Mond gülden schimmert“ und „Tautropfen wie Diamanten funkeln“, dann ist das wirklich nah an der maskulinen Schmerzgrenze. Aber Gott sei Dank muss es nicht immer so überschwänglich sein.

Zugegeben, viele Gedichte sind recht feminin – was auch gut und richtig ist, denn wie langweilig wäre die Welt, wenn sie ausnahmslos männlich wäre. Und so ist es auch in Ordnung, dass es romantisch verspielte, zarte Gedichte gibt, so wie „Gefunden“ von Goethe. Genauso wie es wichtig ist, dass es zahlreiche Dichterinnen gibt, unter ihnen auch Face2Face-Kolumnistin Eva-Maria Obermann.

Wer aber deswegen meint, dass die gesamte Lyrik unmännlich sei, der irrt gewaltig. Es gibt auch Poesie, die überhaupt nichts mit Liebe und vermeintlicher „Gefühlsduselei“ zu tun hat – nicht mal im Entferntesten. Ich merke schon, dass viele skeptisch sind und deshalb ein kleines Beispiel:

Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,

Aufgestanden unten aus Gewölben tief.

In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt,

Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

In den Abendlärm der Städte fällt es weit,

Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit,

Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis.

Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß. […]

Dies ist der Beginn von Georg Heyms Gedicht „Der Krieg“ und ein Paradebeispiel für expressionistische Lyrik. Wer Gedichte über Romanzen und Frohlocken nur schwer verdauen kann, für den ist der Expressionismus eine wahre Fundgrube. Das Thema der Autoren dieser Epoche ist vielmehr die Auflösung, der Verfall von gesellschaftlichen Standards und der Krieg.

Wem selbst das noch nicht ernst und düster genug ist, der sollte sich an Paul Celans „Todesfuge“ heranwagen. Darin verarbeitet Celan die Gräuel des Holocaust auf eindringliche und erschütternde Art und Weise:

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends

wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts

wir trinken und trinken

wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt

der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete

er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei

er pfeift seine Juden hervor lässt schaufeln ein Grab in der Erde

er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz […]

Wir sehen: Gedichte können auch anders. Das Klischee des mädchenhaften Gereimes trifft mitnichten auf die gesamte Welt der Lyrik zu.

Poesie kann durchaus „männlich“ und hart sein, auch direkt und grausam. Doch dabei behält sie dennoch eine ihrer wichtigsten Eigenschaften. Lyrik kann wie keine andere Textgattung verschiedenste Botschaften auf engstem Raum transportieren; der Wirkungsgrad eines lyrischen Textes reicht weit über den reinen Wortlaut hinaus. Wer genau hinsieht, erkennt unglaublich viele, tiefer gehende Ebenen. Ich bin hier einmal so frei und behaupte, dass kein Prosatext der Welt so kompakt sein kann wie ein Gedicht– natürlich lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

Es wäre schön, wenn so mancher, der durch seine Schulzeit gelernt hat, Gedichte zu hassen, der Lyrik eine zweite Chance geben könnte. Man muss ja nicht immer jedes Wort analysieren wie in der Schule, man kann und darf Lyrik auch einfach nur genießen.

Vorschau: Ein Leben mit Schuppenflechte? Wie das geht, verrät Kolumnistin Eva nächsten Mittwoch bei Face2Face.

Preview: März 2013

Der Skandal-Bestseller „Shades of Grey“ soll verfilmt werden – Grund genug für eine Face2Face-Mitarbeiterin sich einmal in die Trilogie einzulesen und diese aus literaturwissenschaftlicher Sicht zu beurteilen. Außerdem beschäftigte sich die Redaktion im Februar unter anderem mit den Prüfungsanforderungen für Bachelor und mit dem Testen verschiedener Beautybox-Angebote.

Was euch im März auf Face2Face erwartet, lest ihr hier: Die Musik-Redaktion sprach mit dem deutschen Singer-Songwriter Michael Schulte. Wie gehen dunkelhäutige Schauspieler mit der Klischeehaftigkeit ihrer Rollenbesetzungen um – diese Frage versucht die FilmKunstKultur-Redaktion zu beantworten.

Mit Änderungen im Reglement und einer Aussicht auf die neue Formel 1 Saison beschäftigt sich die Sport-Redaktion in diesem Monat. In der Tipps&Tricks-Rubrik wird es appetitlich: Rezepte für Cupcakes und Wan Tan erhellen euch die tristen März-Tage. Der Frage wie viel Wissen in Google-Zeiten gesund und wichtig ist, gehen unsere Kolumnisten auf den Grund.

Chemikalien und ihre Folgen werden ein Thema in der Tier&Umwelt-Rubrik sein und die Moder-Redaktion stellt euch ein modisches Highlight vor: Ear-Cuffs. Eine Rezension zu einem Buch, das die persönlichen Erfahrungen eines Reisenden auf seinem Pilgerweg nach Santiago de Compostela schildert, findet ihr in der Reise-Rubrik und die Panorama-Redaktion startet eine neue Serie: Geschwister erzählen – ihr dürft gespannt sein!

„Eine viel interessantere Art mit Klischees umzugehen, ist sich über sie lustig zu machen“ – ein Interview mit Schauspieler und Comedian Kaya Yanar

Ethno-Comedy trifft auf Klischee: „Agent Ranjid rettet die Welt“, der erste Kinofilm von Schauspieler und Comedian Kaya Yanar (Foto: © 2012 Constantin Film)

Kaya Yanar, der Allrounder der Ethno-Comedy, spielt in seinem aktuellen Film „Agent Ranjid rettet die Welt“ zwei Hauptrollen und vier Nebenrollen. Benytha, die geliebte Kuh des indischen Putzmanns Ranjid, ist krank. Für eine Operation fehlt ihm jedoch das Geld. Zu gleicher Zeit plant der holländische Bösewicht Freek van Dyk (Rutger Hauer) die Weltherrschaft an sich zu reißen. Unerwartet wendet sich das Blatt für Ranjid: Süleyman (Vedat Erincin), Leiter des türkischen Ayran Secret Service hält ausgerechnet den tollpatschigen Putzmann für einen neuen „Süperagenten“, der die Welt retten soll.

Mit Face2Face sprach Yanar unter anderem über Klischees, das Leben als Student und Hollywood-Star Rutger Hauer.

Face2Face: „Agent Ranjid rettet die Welt“ ist dein erster Kinofilm. Worauf hast du bei deinem Film besonderen Wert gelegt?
Yanar: Grundsätzlich habe ich mich darauf konzentriert, dass die Kinobesucher nicht durch Wortspiel- und Quatsch-Comedy gelangweilt werden. Daher habe ich mit Action und Slapstick gearbeitet. Mir war ebenfalls das Spiel mit den Klischees wichtig – meistens weiß man, dass es Hirngespinste sind, manchmal stimmen sie auch. Dass alle Holländer Holzklötze tragen, Wohnwagen fahren und Käse essen, ist einfach Klischee und dann spielen wir auch damit. Sich hinzustellen und zusagen „Hört doch auf mit diesen Klischees“ finde ich falsch. Eine viel interessantere Art mit Klischees umzugehen, ist sich über sie lustig zu machen.

Face2Face: Welche türkischen Klischees stimmen tatsächlich?
Yanar: Die Männer tragen Schnauzbärte, das Tieferlegen von Autos, der Hang zu extravagantem Schmuck, wie beispielsweise Gold ist nach wie vor angesagt.

Face2Face: Und welches stimmt nicht?
Yanar: Wir fahren nicht mehr mit der Waschmaschine auf dem Dach in die Türkei, die kann man mittlerweile gut Vorort kaufen. Es stimmt auch nicht, dass Türken ausschließlich Gemüse- oder Dönerverkäufer sind – Türken sind in allen Berufsfeldern vertreten. Vielleicht haben wir in zwanzig Jahren einen türkischen Bundespräsidenten.

Face2Face: Welche Erinnerung hast du an dein Frankfurter Studentenleben? Wie muss man sich Kaya Yanar als Student vorstellen?
Yanar: Ich war auf dem Campus vor allem um Kommilitoninnen anzubaggern. Es war ein verrücktes Studium: Phonetik, Amerikanistik und Philosophie. Für mich war schnell klar, dass Studieren nichts für mich ist – selbst unser damaliger Prof hat uns nach der ersten Vorlesung gesagt, dass wir damit nichts anfangen können. Wir sollten uns lieber woanders als Quereinsteiger versuchen.

Face2Face: Ab welchem Zeitpunkt hast du gemerkt, dass du zum Comedian berufen bist?
Yanar: Bei mir fing das mit dem Kindertheater an, das mir eine gewisse Bühnenpräsenz bescherte. Meinen Humor habe ich erst in der Schule entwickelt, das lag unter anderem auch am quälend langweiligen Unterricht. Ich sage heute noch oft: Vermutlich hätte ich die zehnte und elfte Klasse nicht überlebt, wenn ich mit meinen Freunden nicht so viel Spaß gehabt hätte. Ursprünglich wollte ich nach dem Abitur Comiczeichner werden, musste allerdings feststellen, dass Gleichaltrige besser zeichnen konnten als ich, deshalb stellte sich für mich die Frage: Wie kann ich den Humor beibehalten, aber das Medium wechseln? Wenn ich nicht Comedian geworden wäre, wüsste ich nicht, was aus mir geworden wäre.

Bekannt aus der Comedy-Show „Was guckst du?!“: Comedian und Schauspieler Kaya Yanar ( Foto: Deobald)

Face2Face: Wie war die Zusammenarbeit mit Rutger Hauer?

Yanar: Rutger war genial – ein witziger und interessanter Zeitgenosse! Man hat an seinen zehn Drehtagen nie gemerkt, dass er ein Hollywood-Star ist. Er hatte viele Geschichten zu erzählen über Harrison Ford und Ridley Scott.

Face2Face: Möchtest du mit deinem Film auch eine Botschaft vermitteln?
Yanar: Ganz zum Schluss des Films hat Ranjid eine einfache Botschaft, die man nicht oft genug wiederholen kann: Mehr Verständnis und Liebe auf dieser Welt.


Vorschau:
Am Dienstag, 30. Oktober erscheint im Panorama ein Artikel über das Dating-Portal „betterDate“.

Gewinnspiel:


Im Rahmen des Interviews mit Kaya Yanar verlosen wir 2×2 Kinokarten für den Film „Agent Ranjid rettet die Welt“. Schreibt bis einschließlich Sonntag, 11. November, 23:59 eine Mail mit dem Betreff „Kino“ an jean-claude.jenowein@face2face-magazin.de. Darin enthalten sein sollte eurer Name sowie eure Postadresse.
Ebenfalls verlosen wir ein handsigniertes Poster mit Unterschriften von Kaya Yanar und Schauspielerin Birte Glang. Was ihr für den Gewinn tun müsst: Schreibt bis einschließlich Sonntag, 11. November, 23:59 eine Mail mit dem Betreff „Kaya Yanar Poster“ an jean-claude.jenowein@face2face-magazin.de. Darin enthalten sein sollte eurer Name sowie eure Postadresse. Verlost wird unter allen Teilnehmern. Mitarbeiter von Face2Face, sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen. Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt am Mittwoch, 14.November via E-Mail.

Nutzungsbedingungen

§ 1 Gewinnspiel (1) Das Gewinnspiel wird von der Online-Zeitschrift Face2Face durchgeführt.


§ 2 Teilnahme (1) Teilnahmeberechtigt sind alle Spielerinnen und Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. (2) Eine Person nimmt am Gewinnspiel teil, indem sie eine E-Mail an die von uns angegebene E-mailadresse schreibt und dort ihren Namen bzw. die Namen der möglichen Gewinner hinterlässt. (3) Zur Teilnahme am Gewinnspiel ist unbedingt erforderlich, dass sämtliche Personenangaben der Wahrheit entsprechen. Andernfalls kann ein Ausschluss gemäß § 3 (3) erfolgen. (4) Mitarbeitern von Face2Face ist es nicht gestattet beim Gewinnspiel teilzunehmen. Ihre Einsendungen können beim Gewinnspiel nicht berücksichtigt werden.


§ 3 Ausschluss vom Gewinnspiel (1) Bei einem Verstoß gegen diese Teilnahmebedingungen behält sich die Online-zeitschrift Face2Face das Recht vor, Personen vom Gewinnspiel dauerhaft auszuschließen. (2) Ausgeschlossen werden auch Personen, die sich unerlaubter Hilfsmittel bedienen oder sich anderweitig durch Manipulation Vorteile verschaffen. Gegebenenfalls können in diesen Fällen auch nachträglich Gewinne aberkannt und zurückgefordert werden. (3) Wer unwahre Personenangaben macht, kann des weiteren vom Gewinnspiel ausgeschlossen werden. (4) Nach Ablauf des Gewinnspielzeitraums können keine weiteren Einsendungen berücksichtigt werden und werden somit gelöscht. (5) Stehen in der E-Mail mehr als die Anzahl der vorgeschriebenen Namen können die Teilnehmer nicht am möglichen Gewinn berücksichtigt werden. (6) Ebenfalls bei mehrmaliger Einsendung findet ein Ausschluss vom Gewinnspiel statt.


§ 4 Durchführung und Abwicklung (1) Die Gewinner werden von Face2Face am Tag der Bekanntgabe per Telefonanruf, über den schriftlichen Postweg oder E-Mail über ihren Gewinn informiert. Kann der Gewinner nicht telefonisch erreicht werden, wird der jeweilige Gewinner über seine angegebene E-Mail Adresse oder Postanschrift über seinen Gewinn informiert. (2) Eine Barauszahlung der Gewinne oder eines etwaigen Gewinnersatzes ist in keinem Falle möglich. (3) Der Anspruch auf den Gewinn oder Gewinnersatz kann nicht abgetreten werden. (4) Ist es aus zuvor nicht vorhersehbaren Gründen nicht möglich, dass das Meet&Greet, Konzert oder die Veranstaltung durchgeführt werden kann, hat der Gewinner in diesem Fall keinerlei Anspruch auf Ersatz. (5) Ist aus zuvor nicht vorhersehbaren sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich den Besuch im Backstagebereich durchzuführen, besteht kein Anspruch auf Ersatz.


§ 5 Datenschutz (1) Durch die Teilnahme am Gewinnspiel erklärt sich der Teilnehmer ausdrücklich damit einverstanden, dass Face2Face die dazu erforderlichen Daten für die Dauer des Gewinnspiels speichern darf. Es steht dem Teilnehmer jederzeit frei, per Widerruf unter der angegebenen E-Mail-Adresse die Einwilligung in die Speicherung aufzuheben und somit von der Teilnahme zurückzutreten. (2) Die Teilnehmer erklären sich dazu bereit, dass im Falle eines Gewinnes die Namen öffentlich bekannt gegeben werden, beispielsweise über soziale Netzwerke oder die offizielle Homepage von Face2Face. (3) Face2Face verpflichtet sich, die gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes zu beachten und das Fernmeldegeheimnis zu wahren. (4) Nach Beendigung des Gewinnspiels werden alle einsandten E-Mails wieder gelöscht.


§ 6 Sonstiges (1) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. (2) Es ist ausschließlich das Recht der Bundesrepublik Deutschland anwendbar. (3) Sollten einzelne dieser Bestimmungen ungültig sein oder werden, bleibt die Gültigkeit der übrigen Nutzungsbedingungen hiervon unberührt.

Date oder Fußball?

Erstaunlich: Knapp 80% der Männer würden für ein Date auf ein Fußballspiel verzichten (Statistik: eDarling)

Am Freitag, 8. Juni, ist es endlich soweit: Die Fußball-Europameisterschaft beginnt. Lautstarkes Fangegröle und Schwarz, Rot, Gold überall – spätestens ab Samstag, 9. Juni, wenn die deutsche Nationalmannschaft ihr Können gegen Portugal unter Beweis stellt, wird die Bundesrepublik kaum wiederzuerkennen sein. Um sich die Spiele in beliebter Public Viewing-Atmosphäre anzusehen, nimmt sich der ein oder andere sicher frei. Aber wie beeinflusst die EM die Beziehung zwischen Mann und Frau? Lässt er für ein Spiel das Date mit ihr sausen? Und wie geht sie damit um?

Diese Fragen hat die Online-Partnervermittlung „eDarling“ im Mai über eine Woche lang seinen Nutzern gestellt – mit unerwarteten Ergebnissen.

„Die Antworten unserer befragten 305 eDarling-Mitglieder überraschen in der Hinsicht, dass Singles offenbar mehr für Ihren Partner tun würden, als wir das gemeinhin annehmen“, erklärt Diplom-Psychologin und „eDarling“-Sprecherin Dr. Wiebke Neberich.

Überraschend: 82% der befragten Frauen zeigen Verständis für eine Date-Absage, wenn es um Fußball geht (Statistik: eDarling)

Tatsächlich würde laut Umfrage nur jeder fünfte Mann wegen eines Fußballspiels auf eine Verabredung mit seiner zukünftigen Partnerin verzichten. Bei den eingefleischten Fans wären bis zu 40% bereit, ihrer Mannschaft die Treue zu halten und dafür ein Date sausen zu lassen.

EM-Stress von der Herzdame? – Keinesfalls, wie die Umfrage belegt: 82% der Frauen zeigen angeblich Verständnis, wenn das Date lieber seiner Mannschaft die Daumen drücken will und ein Treffen absagt.

Die Ergebnisse seien als sehr positiv zu beurteilen und würden eine Bereitschaft des gegenseitigen Entgegenkommens zeigen, das in Beziehungen unverzichtbar sei, meint Neberich. Allerdings sei auch zu beachten, dass 60% der Frauen angegeben hätten, die Spiele ebenfalls gucken zu wollen, so die Diplom-Psychologin, daher falle es auch leichter, dem Partner hier entgegenzukommen.

Die Männer sind also womöglich nicht mehr länger die Einzigen, die ein Date wegen eines Fußballspiels absagen würden…

Vorschau: Am Dienstag, 19. Juni, lest ihr im Panorama einen Beschwerdebrief an die Deutsche Bahn, der sich gewaschen hat.

 

Mia san mia oder san ma des wirklich?

Uriges Markenzeichen: Der typisch bayerische Gamsbart (© PIXELIO/Rainer Sturm)

„Wir Bayern sind für Deutschland das, was die Indianer für die USA sind“ – dieses Zitat der bayerischen Schauspielerin und Kabarettistin Marianne Sägebrecht mag zwar politisch nicht einwandfrei sein, es zeigt dennoch anschaulich, wer die Bayern in Deutschland eigentlich sind. Der Bayer als Ureinwohner, der durch seine eigentümlichen Bräuche und Traditionen auffällt, in einer unverständlichen Sprache kommuniziert und einige dieser Spezies tragen auch noch wilden Federschmuck auf dem Kopf, den berühmten Gamsbart.

Doch damit noch nicht genug! Fragt man einen „Preußen“, was typisch bayerisch ist, so bekommt man jedes Mal ähnliche Antworten. Bier, Weißwurst und Sauerkraut sind offensichtlich die bajuwarischen „Stammeszeichen“, die ein jeder kennt. Und tatsächlich scheint es so: Alle Welt glaubt, dass der gemeine Bayer seinen kompletten Alltag in Dirndl oder Lederhose zubringt, abends, wenn er nach Hause kommt, die Bayernfahne hisst, vor einem König Ludwig-Bild salutiert und schuhplattelnd ein Fass Starkbier ansticht, während im Ofenrohr eine knusprige Schweinshaxn brutzelt. Verkommt die bayerische Kultur zu einem Mosaik aus tausenden von Klischees und Stereotypen?

Aber meistens verbirgt sich hinter einem Klischee auch ein Fünkchen Wahrheit und letzten Endes muss jeder von uns Bayern zugeben, dass wir selbst schuld an diesem Bild des Bayernlandes sind. Es ist nun mal so, dass wir unsere Kultur so gut vermarkten, dass alle ein klar definiertes Bild von der Marke „Bayern“ vor Augen haben, so wie jeder bei dem Wort „Ferrari“ sofort an einen italienischen, leuchtend roten Edel-Sportwagen denkt. Dass das weiß-blaue Markenimage nicht immer so imponierend, manchmal eher lächerlich wirkt, ist wieder eine andere Geschichte. Wenn man sich nur mal anschaut, wie aggressiv das Bild des typischen Bayern auf der Münchner Wies’n beworben wird – mit kompletter Festtracht inklusive Haferlschuhen, mit Bier in Strömen, tausenden von Hendln und Lebkuchen-Herzen, auf denen der Spruch „Hob di liab“ prangt – dann darf es uns auch nicht wundern, wenn dieser übersteigerte Eindruck gleich als allgemeines Bayern-Bild die große Runde macht.

Mei, schade ist halt, dass dabei die meisten vergessen, dass Bayern eben nicht nur schrille „Wies’n-Gaudi“ bedeutet, sondern auch Qualität, was das bayerische Reinheitsgebot von 1516 beispielhaft beweist. Diese Urform des Lebensmittelschutzes regelte, dass Bier nur aus Wasser, Malz und Hopfen bestehen darf. Es ist heute noch deutschlandweit gültig, allein die Hefe ergänzt das Reinheitsgebot. Dass Bayern auch ein wirtschaftlicher Musterknabe mit der geringsten Arbeitslosenquote in ganz Deutschland ist, sehen leider die wenigsten. Genauso wie die Tatsache, dass der bayerische Bildungsstandard zu den höchsten in Deutschland gehört – das bayerische Abitur gilt immerhin als eines der hochwertigsten und schwierigsten auf Bundesebene. Aber hier fängt auch schon die bayerische Isolation an. So weltoffen und gastfreundlich er ist, so eingebildet und arrogant kann er auch sein, der Bayer. Sogar eine eigene Partei, die „CSU“, braucht die bayerische Nation im Bundestag, auch wenn sich alle von Franken bis ins Allgäu einig sind, dass in Berlin viel unwichtigere Dinge als im Münchner Landtag verhandelt werden. So braucht sich der Bayer dann nicht zu wundern, wenn er als Hinterwäldler und Eigenbrötler dasteht, dessen Karikatur nur allzu oft im Bier versinkt.

Gesellig: Der Biergarten ist öffentlicher Treffpunkt in Bayern (© PIXELIO/Olga Meier-Sander)

Vielleicht sollten wir Bayern unseren weiß-blauen Stolz ein wenig einschränken, damit die „Preußen“ auch unser wahres Gesicht erkennen können. Aber wie schaut es denn aus, das echt bayerische Leben? Ich als geborener Münchner, der seine Stadt wirklich liebt – das gebe ich zu – würde den klassischen Bayern so beschreiben: Er mag von weitem befremdlich und abstoßend wirken, doch in seinem Innersten ist er tatsächlich so ähnlich wie auf dem Oktoberfest, nämlich fröhlich, offen und gesellig. In einem Biergarten ist immer Platz, egal wer und wie viele da kommen mögen, dann „ruck ma hoit zam“. Auch ruhig und gelassen kommt der Bayer daher, insbesondere München verkörpert wie keine andere deutsche Stadt „la dolce vita“. Wer die Landeshauptstadt einmal während eines sonnigen Sommertages erlebt hat und sich abends in ein Straßencafé begibt, der versteht sofort, warum München als nördlichste Stadt Italiens gilt. Doch das geht schon wieder in Richtung Klischee und von denen haben wir heute bereits mehr als genug angesprochen.

Vorschau: Nächste Woche wird es bei Eva richtig Sommer, denn dann dreht sich bei ihr alles um Eis