Die Doofe mit dem Helm bin ich

Für Kind und Kegel: nun habe ich auch so einen Anhänger (Foto: Antranias / pixabay.de)

Vor ein paar Wochen schickte mir mein Mann am frühen Morgen eine Nachricht. Sein Auto war liegen geblieben. Totalschaden. Innerlich seufzte ich erleichtert auf, denn der Karren hatte uns in den letzten zwei Jahren mehr gekostet, als er wert gewesen war und ich stieß bisher mit meinem Vorschlag „lass den uns verkaufen und nimm mein Auto“ auf taube Ohren. Nun war es zwangsweise so. Mein Mann fährt jetzt mit „meinem“ Auto und ich habe so einen furchtbaren Anhänger an mein Fahrrad bekommen, um die Kleinen in die KiTa zu bekommen. Doch über den will ich eigentlich gar nicht reden.

Neue Perspektive

Neue Perspektive: Radfahren heißt auch Entschleunigung (Foto: jill111 / pixabay.de)

Seit ich wieder täglich mit dem Rad fahre – was zuletzt zu Schulzeiten war – hat sich meine Perspektive grundlegend verändert. Mein Blick auf Distanzen ist ein anderer geworden. Als meine Schwiegermutter einmal meinte, sie könnte von Ludwigshafen nach Schifferstadt auch laufen (was immerhin um die 14 Kilometer sind), habe ich sie mit dem Auto eingesammelt. Als meine Tochter an ihrem ersten Kindergartentag ohne Mama auf die Nase fiel und sich fast einen Zahn ausgeschlagen hat, war ich mit dem Auto innerhalb von Minuten erst bei ihr und dann mit ihr beim Zahnarzt. Weite, aber auch Zeit hat eine ganz neue Dimension bekommen. Ganz abgesehen von dem, was ich nun alles so sehe.

Ein bisschen mehr von der Stadt

Schnell, wendig, platzsparend: In der Großstadt ist das Rad schon effizienter als das Auto (Foto: flotty / pixabay.de)

Mit dem Rad dauert der Weg ungefähr 15 Minuten. Allzu lange bin ich also nicht unterwegs, auch wenn es mir in den letzten regnerischen Tagen wie eine sehr nasse Ewigkeit vorkam. Doch diese Viertelstunde reicht, um die Plakate zu lesen, die die Geschäfte in den Schaufenstern hängen haben. Oder auch, um die wunderschönen Kleider des Brautmodenladens zu bewundern, der vor noch nicht allzu langer Zeit eröffnet wurde. Beim Bäcker zu halten, um noch Brot zu holen, artet nicht in Parkplatzsuche aus, ich halte direkt vor dem Geschäft. Mit dem Rad habe ich auch in den paar Minuten ein bisschen mehr von der kleinen Stadt und ich verstehe absolut, warum gerade in großen Städten, in denen vieles noch näher beieinander liegt, das Auto ein Relikt geworden ist. Aus dem Blickwinkel brauche ich das Auto lediglich zum Großeinkauf – und den lass ich mir mittlerweile ohnehin oft liefern.

Die dunkle Seite

Doofer Helm? Auch mit Kopfschutz macht Fahrradfahren Spaß (Foto: DorothyA / pixabay.de)

Dafür darf ich mich jetzt über ganz neue Dinge aufregen. Denn was ich in den wenigen Tagen schon erkannt habe. Die Doofe mit dem Helm bin ich. Kein anderer Erwachsener trägt auf dem Rad einen Helm, Schulkinder brausen mit freiem Kopf die Straße hinunter und legen steile Kurven hin, Kleinkinder sitzen auf dem Kindersitz, die Ohren im Wind. Und ich trage einen Helm. Nicht nur, weil ich meinen Kindern zeigen will, dass nicht nur sie das Ding aufziehen müssen. Sondern auch, weil ich wieder aufstehen will, wenn ein übermüdeter Autofahrer mich übersieht. Egal wie gut und sicher ich nämlich Rad fahre. Vor denen gibt es keinen Schutz. Und was ist denn so schlimm daran? Ich schnalle mich im Auto an, warte bis die Ampeln auf Grün stehen, stelle mich bei runter gelassener Schranke auf keine Bahngleise. Was ist so schlimm am Helm? Dass er klobig ist? Ja, auch ein moderne Helm gewinnt bei Heidi kein Foto, aber im Vergleich zu einem Schädelbasisbruch ist er richtig schick. Kein Mountainbiker oder Radrennfahrer fährt ohne Helm. Nur die Stadtradler schneiden sich dieses Scheibchen ab. Wenn sie sich dabei mal nicht ins eigene Fleisch schneiden.

Höflichkeit bekommen wir abgewöhnt

Erst kürzlich las ich einen Artikel, indem darauf gedrängt wurde, dass Eltern ihre Kinder zu Höflichkeit erziehen sollen. Die Grundlage war ein Plakat, in dem die Eltern zur Verantwortung aufgerufen wurden. Verantwortung gegenüber ihren Kindern, Verantwortung gegenüber der Erziehung. Das Plakat, das in verschiedenen Sprachen durchs Internet flatterte, stammt dabei scheinbar aus einer portugiesischen Schule und führt als ersten Punkt auf, dass Kinder „hallo, danke, gern geschehen, Entschuldigung und danke“ im täglichen Gebrauch verwenden sollen. Die Meldung hat mich wütend gemacht, und auch traurig.

Das Kind ist unantastbar?
Mitziehen oder antreiben? Helikoptereltern fehlt das richtige Maß (Grafik: OpenClipart-Vectors / pixabay.de)

Mitziehen oder antreiben? Helikoptereltern fehlt das richtige Maß (Grafik: OpenClipart-Vectors / pixabay.de)

Mit seiner Grundaussage hat das Plakat leider vollkommen recht. Was Erziehung ist und wie sie gestaltet werden sollte, ist dabei so vielseitig, wie die Menschen an sich. Die sogenannten Helikoptereltern, die ihre Kinder nie aus den Augen lassen, sind da gar nicht die Vorreiter. Erzieher wie Lehrer klagen, dass sie keine Autoritätspersonen mehr sein können, wenn ihre Kritik am Verhalten des Kindes, genauso wie dessen schlechte Leistungen, von Eltern wiederum als Kritikpunkt am Lehrer/Erzieher vorgebracht wird. Das Kind kommt im Unterricht nicht mit? Schuld ist der Lehrer. Das Kind stört andere? Schuld ist der Lehrer. Die Unantastbarkeit des eigenen Kindes ist der krasse Gegenentwurf zur Unantastbarkeit der Lehrkraft. Und beides ist Mist. Seltsam, oder? Wo die einen ihren Sprössling noch bis in den Vorlesungssaal der Uni begleiten, könnte anzunehmen sein, sie rissen sich um Verantwortung. Dabei geht es hier nicht um Verantwortung. Es geht um Kontrolle. Wer alle Entscheidungen des Kindes trifft, muss nie verantworten, es auch mal eine falsche treffen zu lassen. Eins aber ist auf den ersten Blick klar: Weder Lehrer und Erzieher haben an diesen Extremeltern ihre Freude, noch die Kinder. Helikoptereltern stehen denen, die ihr Kind am Kindergartentor abgeben und dann geflissentlich ignorieren in dem Punkt also in nichts nach.

Der andere Strang
Kleines Wort, große Wirkung: ein höfliches Danke (Foto: artemtation / pixabay.de)

Kleines Wort, große Wirkung: ein höfliches Danke (Foto: artemtation / pixabay.de)

Und jetzt fahr ich mal einen Ganz zurück. Denn es gibt sie noch. Die ganz normalen Eltern, die ihre Kinder hinfallen lassen und nicht gleich bei jedem Problem mit dem Anwalt drohen. Ich kenne eine ganze Menge davon. Und denen wird jetzt mal so über den Kamm vorgeworfen, dass ihre Kinder kein „Bitte“ und „Danke“ sagen können. Grausig zum einen ist, wie die Medien das Original-Plakat einfach für ihre Zwecke benutzen. Es gibt eine große Meldung zur fehlenden Höflichkeit und irgendwo klein steht dann, dass der Ursprung eine kleine Schule in Portugal ist. Das ist eine mediale Begeisterung, die Klicks sucht, Überschriften, aber keine Inhalt. Mit Journalismus hat das wenig zu tun. Und daneben wird lediglich das angebliche Unvermögen von Eltern angeprangert, deren Kinder unhöflich sind. Ein allgemeiner Jammer des Bildungssystems, das bisweilen berechtigt, aber eben auch nicht so ganz korrekt ist.

Erziehung ist Gemeinschaftsaufgabe
Zwischen KiTa und Zuhause? Erziehung ist Gemeinschaftssache! (Foto: Obermann)

Zwischen KiTa und Zuhause? Erziehung ist Gemeinschaftssache! (Foto: Obermann)

Ein kleines Beispiel: Ich habe drei Kinder, die je zu unterschiedlichen Zeitpunkten in ihrem Leben in die KiTa gekommen sind. Bei jedem wurde ich noch in der Eingewöhnung darauf angesprochen, wie höflich die Kleinen doch seine, gerade WEIL sie immer „Bitte“ und „Danke“ sagten. Nach zwei Wochen in der KiTa war das vorbei. Ja, im Kindergartenalltag geht es hektisch zu, da werden auch mal Anfragen der Kinder schnell angefertigt. Doch immer wieder kämpfe ich darum zu Hause für „Bitte“ und „Danke“. Ein endloser Kreislauf. Ich bin absolut dafür, Kindern ein Grundmaß an Höflichkeit mit zugeben. Die Mitmenschen reagieren viel freundlicher, wenn ich ihnen diesen kleinen Respekt erweise und mir tut es ganz bestimmt nicht weh. Doch wenn das Bildungssystem, die Medien oder ein einzelner Alter auf seinem Schaukelstuhl darüber meckert, dass die heute Jugend unhöflich sei, soll er doch einfach mal das unhöfliche Getue lassen und mitmachen. Kinder werden zu Hause erzogen – aber nicht nur. Dafür sorgen auch Ganztageskindergartenplätze, Ganztagesschule, Hort, Tageseltern.

Das gewisse Etwas für deine Party

Die größte Party des vergangenen Jahres ist gerade erst vorbei – aber wir bei Face2Face feiern munter weiter. Heute verraten wir euch, wie ein Abend mit Freunden in den eigenen vier Wänden zum absoluten Highlight wird.

Schnitzeljagd für erwachsene Kinder

Zuhause feiern ist doch was Schönes. Man hat den kürzesten Heimweg, kann die Gäste bitten, Snacks mitzubringen, und hat einfach alles da, was man auch nur annährend brauchen könnte (in eine Wohnung passt eben doch mehr als in eine Handtasche). Was aber, wenn die Party zum Reinfall wird, alle nur gelangweilt rumsitzen und nicht wirklich Stimmung aufkommen will? Mit einer Schnitzeljagd für erwachsene Kinder passiert das garantiert nicht.

Hier ein paar Ideen für eure ganz persönliche Party-Schatzsuche:

Der Plan

Zu allererst solltet ihr euch die Eckdaten für eure Schatzsuche überlegen, also:

  • Wo soll das Ganze stattfinden? (nur in der Wohnung? Sollen bestimmte Zimmer außen vor bleiben?)
  • Was sollen die Gäste suchen? (selbstgebackene Muffins? Einen Verdauungsschnaps für nach dem Essen?)
  • Wie soll das Spiel aufgebaut sein (gibt es eine große oder mehrere kleine Schnitzeljagden?)

Die Rätsel

Schnitzeljagd ganz traditionell: Mit Schatzkarte (Foto: T. Gartner)

Schnitzeljagd ganz traditionell: Mit Schatzkarte (Foto: T. Gartner)

Anschließend ist eure ganze Kreativität gefragt! Ihr könnt die Teilnehmer zum Beispiel mithilfe von Rätselreimen von Hinweis zu Hinweis führen.

Ist einer eurer Kumpels vielleicht ein großer Fußball-Fan? Kennt eure beste Freundin immer die Top10 der Charts? Damit alle Teilnehmer – auch die eher zurückhaltenden – das Gefühl haben, eingebunden zu sein, könnt ihr Wissensfragen stellen, die auf die jeweiligen Personen zugeschnitten sind.

Eine andere, altbewährte Methode ist die Schatzkarte. Die bekommen eure Mitspieler natürlich nicht einfach so in die Hand gedrückt! Schneidet sie in Stücke – am besten kreuz und quer, denn gleichgroße Quadrate sind zu einfach – und lasst die anderen puzzeln. Für die Authentizität und als kleine Hilfestellung könnt ihr den Rand der Karte vorsichtig mit einem Feuerzeug verbrennen. So sehen eure Freunde gleich, welche Teile außen hingehören. Als Schatztruhe eignet sich ein Koffer mit Zahlenschloss, dessen Kombination errechnet werden muss – ohne Taschenrechner, versteht sich.

Tipp

Geht die gesamte Schnitzeljagd vor Eintreffen der Gäste nochmal durch. Sind alle Hinweise am richtigen Ort platziert? Steht alles bereit, was ihr beispielsweise für den Aufbau von Spielen braucht? Am besten ist es, wenn ihr euch eine Liste mit der Reihenfolge der Rätsel macht und dazuschreibt, an was ihr an welcher Stelle denken müsst – so könnt ihr nichts vergessen und der Abend wird garantiert zu einem Erlebnis der ganz besonderen Art.

In den Einkaufswagen: Eine Schnitzeljagd

Ihr habt keine Zeit oder Lust eine Schnitzeljagd selbst zu entwickeln? Die Anleitung für eine zweiteilige Schnitzeljagd für mindestens vier Personen innerhalb einer Wohnung oder eines Hauses inklusive zeitlichem Ablauf, Rätseln, Vorschlägen für Wissensfragen und Checkliste könnt ihr für fünf Euro über diese E-Mail-Adresse bestellen: tatjana.gartner@face2face-magazin.de

Schreibt in den Betreff einfach „Schnitzeljagd“ und in die E-Mail euren vollständigen Namen plus Anschrift. Im Anschluss erhaltet ihr dann eine Rechnung, die per Vorkasse beglichen werden muss. Sobald das Geld auf dem Face2Face-Konto angekommen ist, bekommt ihr die Anleitung als PDF per E-Mail. Viel Spaß beim Rätseln!

 

Programmiertes Hibbeln – The Voice of Germany und Aufklärung

Irgendwann konnte ich es nicht mehr verhindern. Mit seiner Oma zusammen sah mein ältester Sohn das erste Mal „Deutschland sucht den Superstar“. Ich war erst einmal sauer. Stinksauer. Erstens, weil die Oma die Schlafenszeiten ignorierte, aber viel schlimmer fand ich, dass sie ihn voller Naivität eine sogenannte Castingshow hat sehen lassen, in denen Talent erst einmal zweitrangig ist und Beleidigungen nicht selten. Es hätte kaum schlimmer sein können, höchstens noch mit Klumms eigener Magersuchtzucht. Doch nun hatte ich den Salat. Das Kind verstand meine Aufregung nicht und ich wusste, da hilft nur Aufklärung.

Aufklärung beim Schauen
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Stimme statt Show? Stimmt auch bei The Voice of Germany nicht ( Grafik: giselly / pixabay.de)

Darum durfte er letzten Sonntag wieder länger aufbleiben und wir haben uns gemeinsam das Finale von „The Voice of Germany“ angeschaut. Es war die zweite Staffel, die er sehen durfte. Wenn er hibbelt und hofft, erkläre ich ihm, dass es nur eine Show ist, ein Schauspiel. Dass alle Teilnehmer wissen, wann sie rausfliegen, wie weit sie kommen, wer gewinnt. Trotz Telefonwertungen. Er hört zu, versteht, hibbelt trotzdem. Aber ich sitze daneben und erkläre weiter. Wie die Auftritte platziert sind, wann das Miro leiser gedreht wird, um einen anderen Kandidaten zu bevorzugen. Das ist auch gar nicht böse oder schlimm. Pro Sieben ist ein Unternehmen und muss wirtschaften. Herzklopfen für den Zuschauer, Kassengeklimper für Pro Sieben. Für „The Voice of Germany“ habe ich mich aber bewusst entschieden. Gerade in der ersten Runde erfährt der Zuschauer keine Beleidigungen von den Teilnehmern. Nur Buzz oder nicht. Und dann das „Buhlen“ um die Teilnehmer, statt das Flehen an die „Coaches“.

System funktioniert?
Jedes Jahr eine neue Stimme: Tay Schmedtmann ist The Voice of Germany 2016 (Foto: AxxLC / pixabay.de)

Jedes Jahr eine neue Stimme: Tay Schmedtmann ist The Voice of Germany 2016 (Foto: AxxLC / pixabay.de)

Ja, das System funktioniert. Das „Mädchen“, das es mit seiner Euphorie gerne übertreibt, dieses Mal war es Yvonne Catterfeld und ihre Jubelrufe, die mitunter lauter waren, als die Sänger am Mikro. Der „Ausländer“, bereits zum zweiten Mal Samu Haber von Sunrise Avenue, der nicht nur auf Englisch flucht, sondern auch auf Deutsch. Warum der Finne kein finnisch von sich gibt, habe ich aber nicht verstanden. Dann noch die lässigen Fanta 2 Michi Beck und Smudo. Meine Kinder wachsen mit der Musik der Fantastischen Vier auf, „Die Da“ ist Standardrepertoire unserer Musikauswahl. Seit er The Voice schaut, steht mein Großer vor der Anlage und schreit „Ich hör Michi“ oder „Das ist Smudo“. Und zuletzt der immer kritisch schauende Andreas Bourani, der damit bisher wenig punkten konnte und vielleicht gerade deswegen dieses Mal mit seinem Kandidaten Tay gewonnen hat. Klischee, es leben hoch. Geradezu überraschend war es da, dass ins Finale keine Quotenfrau kam und auch sonst die so geforderte „Diversity“ nicht erzwungen wurde. Ja, ich bin für Vielfalt und weiß, dass die Welt bunt ist. Nur jemanden ins Finale zu holen, weil er eine bestimmte Hautfarbe, Ethnie oder Geschlecht hat, ist aber genauso falsch, wie ihn deswegen auszuschließen.

Fokus auf den Sängern
Auch nur eine Casting-Show - aber besser als viele andere (Foto: Nachrichten_mus / pixabay.de)

Auch nur eine Casting-Show – aber besser als viele andere (Foto: Nachrichten_mus / pixabay.de)

Warum ich „The Voice of Germany“ trotz allen Klischees und „Show“ dennoch mag, liegt auch daran, dass der Fokus hier weniger auf den bereits bekannten Künstlern liegt. Ja, die scherzen und blödeln, geben an und machen natürlich für ihre eigenen Scheiben Werbung. Sie wären ja auch schön blöd, wenn nicht. Doch hier gibt es wirklich konstruktive Kritik und Hauptsache ist, wie die Künstler singen, nicht wie sie zicken, aussehen, spinnen. Das Konzept geht auf und mein Sohn lern nicht nur, wie das System „Castingshow“ funktioniert, sondern auch noch etwas über gute Musik. Was eine klare Stimme ist, warum Atmen nicht gleich Atmen ist, dass viel Stimme nicht alles ist und Töne treffen auch nicht. Am Ende der Staffel scheinen manche der Talente besser zu singen, als die, die einmal für sie gedrückt haben. Und die geben das ohne Scheu zu. Unser Favorit, Friedemann aus Yvonnes Team, war am Sonntag bereits nicht mehr dabei. Mir persönlich macht das nichts. In der ersten Staffel landete mein Favorit Max Giesinger auf dem dritten Platz. Heute hat er den Sprung geschafft. Von Ivy, dem Mädchen, dass damals gewonnen hat, habe ich dagegen schon lange nicht mehr gehört. Ob Tay Schmedtmann eine große Karriere vor sich hat, bleibt abzuwarten. Ich hatte ihn nie als Sieger auf dem Schirm, aber ich bin ja auch keine Musikerin.

Schaurig-schöne Halloween-Geschenke

Kreativ: Halloween-Geschenke (Foto: Onat)

Kreativ: Halloween-Geschenke (Foto: Onat)

Neben verkleideten Kindern und geschnitzten sowie gekochten Kürbissen dürfen makabre Gerichte und Süßigkeiten an Halloween nicht fehlen. Der Brauch um die Häuser zu ziehen und um „Süßes oder Saures“ zu bitten hat dabei seinen Ursprung im irischen „All Hallows’ Eve“: Die Geister der Verstorbenen, die in der Nacht vor Allerheiligen umherzögen, sollten durch Speisen besänftigt und vor dem Eintritt abgehalten werden. Doch durch die gruseligen Halloween-Geschenke der Tipps&Tricks-Redaktion lassen sich nicht nur Untote, sondern auch hungrige Gäste und Kinder besänftigen.

Schaurige Schokolade:

Schokoladig: Halloween-Schokoladen-Monster (Foto: Onat)

Schokoladig: Halloween-Schokoladen-Monster (Foto: Onat)

Mit selbstgemachten Süßigkeiten lassen sich die Herzen von Jung und Alt erfreuen: Etwas Schokolade über dem Wasserbad schmelzen, auf ein mit Folie oder Backpapier ausgelegtes Blech gießen, mit allerlei Süßigkeiten und Streuseln verzieren und hart werden lassen. Essbare Augen und farbige Candy Melts- oder Schokoladen-Spritzer lassen aus den einzelnen Blöcken richtige Monster zum Vernaschen werden.

Eklige Einmachgläser:

Eingemacht: Halloween-Süßigkeiten (Foto: Onat)

Eingemacht: Halloween-Süßigkeiten (Foto: Onat)

Wer noch Einmachgläser aus der vergangenen Saison übrig hat, kann diese mit gruseligen Gummitieren wie Fledermäusen, Würmern, Spinnen, Schlangen und Fröschen befüllen und wieder verschließen. Etwas Dekoration verwandelt die leeren Gläser in leckere Souvenirs zum Mitnehmen, durch die man sich gerne an die Halloween-Nacht erinnert.

Durstige Dämonen:

Bunt: Halloween-Getränke (Foto: Onat)

Bunt: Halloween-Getränke (Foto: Onat)

Auch altbekannte Getränke lassen sich im neuen Gewand als Halloween-Geschenke verkleiden: Hierfür kalte oder warme Getränke mit Lebensmittelfarbe einfärben oder bereits farbige Getränke nehmen, diese in Flaschen füllen und mit dekorativen Elementen als Zaubertränke, Gift, Blut oder Dämonen tarnen. Mit kleinen Hexenbesen aus Salzstangen, Käse und Lauch wird dem Trank auch etwas zum Beißen für Zwischendurch geboten. Erwachsenen kann man so eine kleine Freude mit alkoholischen Getränken machen, Kindern mit süßen und bunten Säften.

Gesunde Gespenster:

Fruchtig: Halloween-Obst-Gespenter (Foto: Onat)

Fruchtig: Halloween-Obst-Gespenter (Foto: Onat)

Wer lieber neben den Süßigkeiten Kindern auch etwas Obst mit auf den Weg geben möchte, kann dieses geschickt als Gespenst dekorieren: Die Erdbeeren mit geschmolzener, weißer Schokolade überziehen und mit dunkler Schokolade Augen und Münder der Gespenster anmalen. Ganz ohne Schokolade werden dabei grüne Äpfel zu Geistern verwandeln, indem man ihnen essbare Augen, Erdbeer-Zungen und Sonnenblumenkern-Zähne anbringt.

Ein Held in Latzhose

Das Gerücht, dass er keine Kinder mochte hat sich festgesetzt. Doch es stimmte nicht. Vielen Kindern und Erwachsenen hat der leidenschaftliche Tüftler, Forscher und Entdecker jahrzehntelang die Welt erklärt. Am 23. Februar ist Peter Lustig nach langer Krankheit im Alter von 78 Jahren verstorben.

Von Pusteblumen und echten Berlinern

Ursprünglich hatte, der am 27. Oktober in Breslau geborene, Lustig eine Lehre zum Rundfunkmechaniker gemacht und Elektrotechnik studiert. Seinen Platz war also eigentlich hinter der Kamera, denn zunächst arbeitete er als Tontechniker bei dem amerikanischen Soldatensender AFN. Dort war er 1963 für die Aufnahme von Kennedys „Ich bin ein Berliner“-Rede verantwortlich.
Später wechselte er zum ZDF. Einem Zufall haben wir zu verdanken, dass wir ihn dort auch vor der Kamera erleben konnten. Ein Produzent hatte sich einen Witz erlaubt und ein Ei auf seiner Glatze platzen lassen, wozu Lustig etwas Amüsantes sagen sollte. Dabei bewies er offenbar so viel Talent, dass das ZDF ihn 1979 für die Sendung „Pusteblume“ vor die Kamera holte. Ein Jahr später wurde sie in „Löwenzahn“ umbenannt.

Sagen Sie bloß, die Kälber bohren die Löcher in den Käse!

Foto: Sabine Geißler / pixelio.de

Die Möglichkeiten des Bauwagens waren beinahe so unerschöpflich wie die Ideen seines Bewohners – Foto: Sabine Geißler / pixelio.de

In Latzhose und Nickelbrille ging Peter Lustig von seinem blauen Bauwagen aus Kinderfragen auf den Grund. Immer mit dabei waren sein Nachbar Paschulke und seine sprechende Ukulele Klaus-Dieter. Meist beschäftigte er sich mit dem, was ihm im Alltag begegnete. Zum Beispiel woher die Löcher im Käse kommen, was passiert, wenn „es dem Wasser zu kalt wird“ oder einfach nur, wie Brot gebacken wird.
Mit einfachsten Mitteln verstand er es Kindern diese Fragen zu beantworten – sicherlich auch zur Freude mancher Eltern, denen er damit vielleicht so manche Verlegenheit ersparte. Außerdem war er nicht nur Akteur der Sendung sondern auch der Autor und Texter, dessen Ideen unerschöpflich zu sein schienen. Dass er selbst immer Spaß bei der Sache hatte, merkte man sofort.

Ein schwerwiegendes Missverständnis

Die Schlagzeile, Peter Lustig könne Kinder nicht leiden, sorgte 2003 für allgemeine Empörung. So sehr, dass man auch jetzt noch oftmals hört: „Den mochte ich mal, aber dann habe ich gehört, dass er Kinder nicht leiden kann.“
Dahinter stand jedoch bloß falsch verstandene Ironie. Lustig sagte lediglich mit einem Augenzwinkern, dass Kinder manchmal störten. Dass er nicht mit Kindern vor der Kamera stehen wollte, lag daran, dass das für die Kinder selbst nicht schön sei.

Abschied nach einem Vierteljahrhundert

Im Herbst 2005 nahm er nach mehr als 25 Jahren Abschied vom Fernsehen. Sein Nachfolger bei „Löwenzahn“ wurde Guido Hammerfahr als Fritz Fuchs.
Für seine Leistungen wurde er zweimal mit dem Grimme-Preis und 2007 sogar mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.
Seine größte Anerkennung aber war die Liebe und Bewunderung der Kinder ganzer Generationen!

Vorschau: Nächste Woche verrät Euch Elisabeth, ob es sich lohnt den neuen Film Zoomania zu sehen!

Familiär verquer – ohne Familie geht es auch nicht

Manchmal wünsche ich mir, in einer anderen Stadt zu wohnen. In einer, in der mein Vater nicht um die Ecke wohnt, meine Großmutter an der Grundschule unterrichtet hat und mein Onkel Polizist war. In einer, in der meine Mutter nicht getuppert hat, die Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen mich und meinen Mann nicht selbst schon betreut haben. Kurz: In einer Stadt, ohne meine große Familie.

Die Überwachungskleinstadt

Geben und Nehmen: Eine Familie ist Fluch und Segen (©redsheep / pixelio.de)

Geben und Nehmen: Eine Familie ist Fluch und Segen (©redsheep / pixelio.de)

Als wir noch klein waren, kam unser Großvater immer an und sagte, er hätte von diesem oder jenem irgendwas gehört. Es war wie ein ständiger Nikolaustag, mit einem riesigen Buch, das jeden Tag wieder aufgeschlagen wurde. „Ich hab gehört“, fing er an, blickte von oben herab zu uns herunter und erzählte eine Geschichte, die oft so vage wie ein Horoskop war und uns dennoch Feuer unterm Hintern machte. Ständige Überwachung. Big Brother is watching you. In der Kleinstadt. Und mit den Jährchen ist es nicht besser geworden. Egal, in welches Geschäft ich gehe, in welche Straße ich komme, täglich treffe ich Menschen, die in mir meine Mutter erkennen, die meinen Familiennamen einem Mitglied meiner väterlichen Seite zuordnen und für die ich ewig ein Nachkomme eines Menschen sein werde, den sie einmal gekannt haben.

Viele Augen: Mit viel Familie am Ort ist man nie unbeobachtet (©Henning Hraban Ramm / pixelio.de)

Viele Augen: Mit viel Familie am Ort ist man nie unbeobachtet (©Henning Hraban Ramm / pixelio.de)

Fluch und Segen
Was macht sie mich wahnsinnig, diese große Familie. So kleinbürgerlich, spießig und allzu oft wie aus einem kitschigen Roman. Und ich bin unendlich froh, sie zu haben. Meine Mutter beispielsweise feiert ihre Überstunden ab, damit ich dafür arbeiten gehen kann. Meine Großmutter versorgt uns mit Gemüse aus dem Garten und selbstgemachtem Obstsaft, mein Vater kommt um die Ecke gesprungen, wenn bei uns der Notstand ausgerufen wird. Meine Familie ist mein Rettungsring, mein Fallschirm und mein persönlicher Notruf. Die Telefonliste, aus der ich wählen kann, wenn ich Hilfe brauche, ist lang und hat mich noch nie enttäuscht. Und natürlich ist das ein Geben und Nehmen. Als mein Vater letztes Jahr wegen eines Bandscheibenvorfalls über einen Monat ans Bett gefesselt war, haben wir geholfen und sind gesprungen.

Verbunden und verwandt

Alle für einen: ohne Familie geht es eben auch nicht (©birgitta Hohenester / pixelio.de)

Alle für einen: ohne Familie geht es eben auch nicht (©birgitta Hohenester / pixelio.de)

Im Grunde also, ist meine Familie so wenig selbstlos, wie ein Dienstleister. Ich zahle vielleicht kein Geld, wenn meine Mutter die Kinderbetreuung übernimmt. Dafür ruft sie zuerst mich an, wenn sie von der Werkstatt abgeholt werden muss oder krank ist und ein paar Sachen aus dem Laden braucht. Sie hat so einiges bei uns gut. Andererseits ist ihre bestehende Sorge um ihre Kinder und Enkelkinder ja auch dem Egoismus ihrer Gene zu verdanken. Jenem kleinen animalischem Trieb, den wir uns noch nicht abtrainieren konnten und der einer Familie zu einer engen Verbundenheit verhilft. Wenn die selbe Kraft auch noch in der gesamten Gesellschaft funktionieren würde, hätten wir bedeutend weniger Probleme, glaube ich.

Vorschau: In zwei Wochen frage ich mich hier, wie viel Eitelkeit gesund ist.

Farbe, Licht und etwas Krieg

Einer meiner Lieblingsfilme ist „10 Dinge, die ich an dir hasse“, eine schön kitschige Shakespeare-Adaption von Der Widerspenstigen Zähmung. Heath Ledger mimte den Bezähmer, der die wilde Kat ausgerechnet mit einem Paintball-Spiel aus der Reserve lockt und auflockern kann. Sie klatschen sich Farbe ins Gesicht und knutschen. Hach. Make love not war.

Farbbälle und Lichterschüsse

Licht und Farbe: Lasertag und Paintball haben jeder seine eigene Besonderheit (©Peter Kästel / pixelio.de)

Licht und Farbe: Lasertag und Paintball haben jeder seine eigene Besonderheit (©Peter Kästel / pixelio.de)

Der Kontrast ist natürlich genial gemacht. Beim Kriegsspiel küssen, Spaß haben, eben mehr spielen, als Krieg. Was wir früher mit Knallplatikpistolen an Fasching gemacht haben, geht jetzt in groß, mit bunten Bällen. Ja, ok, es tut ganz schön weh, wenn jemand so ein Geschoss abbekommt, so ein Druckluftgewehr ist eben doch kein Spielzeug. Über 200 km/h hat so ein Ball beispielsweise in Stuttgart. Schutzkleidung ist Pflicht und unter 18 ist mitspielen oft verboten. Die Grenze zwischen Sport, Spiel und Ernst schwankt hier ganz schön. Spaß und Spiel stehen angeblich auch bei Lasertag im Vordergrund. Wesentlich weniger schmerzhaft ist das Hallenspiel, schon allein, weil mit Licht geschossen wird und nicht mit Farbkugeln. Trotzdem gibt es auch hier Altersbeschränkungen. Auf Lastertag-Deutschland wird das Spiel als Räuber und Gendarm Variante beschrieben. Zwei Gruppen spielen gegeneinander – wie auch bei Paintball. Je nach Spielvariante geht es aber nicht darum, der letzte zu sein, der noch steht, sondern es werden pro Treffer Punkte gesammelt. Anders als bei den bunten Geschossen wird der Spielspaß auch nicht erstmal unterbrochen, wenn ich abgeschossen werde. Nach wenigen Sekunden geht es weiter – voll elektronisch.

Spiel und Spaß?

So lustig einfach wie bei „10 Dinge, die ich an dir hasse“, geht es in einer Paintball-Arena also wahrscheinlich nicht zu. Aber was finden wir überhaupt an diesen Kriegsspielen? Oh Gott, denkt ihr, kommt jetzt das böse, zeternde Muttertier, dass Gewaltspiele verbieten will? Eher nicht. Denn erstens sind diese Waffenspiele ja altersbeschränkt (wie virtuelle Varianten ja auch), und zweitens sind es genau das. Spiele. Kinder spielen, um zu lernen. Meine Tochter imitiert an ihrer Puppenküche, wie ich koche, während der kleine Bruder die Seiten seines Bilderbuches umblättert (ich tue es ihm synchron mit meinem Roman gleich). Und der große zockt am PC, ganz wie Papa. Dass er dabei wieder etwas lernt, logisches Denken, Textverständnis, Medienumgang, kommt noch dazu. Wir spielen Arzt und werden später vielleicht Mediziner, wir bauen Matschbrücken und können später Architekten werden. Und selbst wenn nicht, haben wir spielerisch erfahren, wie wir uns um Wunden kümmern und etwas bauen können. Kein Kind spielt, um Spaß zu haben, es hat Spaß am Lernen und wir Erwachsenen interpretieren es als Spielen.

Die armen Fußballer

Macht's noch Spaß? Wenn aus Spaß Ernst wird, ist das Spiel vorbei (© Hasan-Anac / pixelio.de)

Macht’s noch Spaß? Wenn aus Spaß Ernst wird, ist das Spiel vorbei (© Hasan-Anac / pixelio.de)

Sind Kriegsspiele also Lernspiele für den Krieg? Nur, wenn wir mit bunten Farbkugeln und Lasern aufeinander schießen. Natürlich lernen wir in diesen spielen taktisches Verständnis. Wo wir Deckung suchen können, wie wir uns anschleichen, den nächsten Zug des Gegners voraussehen, miteinander arbeiten, um als Gruppe erfolgreicher zu sein. Wir erwerben soziale und kognitive Kompetenzen. Und wir haben jede Menge Spaß dabei. Unser Alltag wird aus Pause gestellt und in diesen Versionen gelingt das wesentlich besser, als vor einem Bildschirm, wenn wir doch wissen, dass wir nur auf unserem Hintern sitzen. Bei Paintball und Lasertag bewegen wir uns tatsächlich, unser Körpergefühl verändert sich für diese paar Minuten. Adrenalin schießt in unseren Körper, alles arbeitet. Und, ich wiederhole es gerne noch einmal, das macht Spaß. Es gibt Menschen, die Fifa auf der Playstation zocken und solche, die mit Freunden auf dem Bolzplatz stehen. Beide Gruppen haben ihren Spaß und kennen die Vorzüge ihres jeweiligen Spiels. Manche sind an der Konsole besser, andere auf dem Feld, wieder andere können beides. Und dann gibt es noch die armen Schweine, die das als Beruf machen. Immer Trainieren, immer Kicken, immer Treffen müssen. Ein Fußballheld zu sein klingt in diesem Vergleich plötzlich gar nicht mehr so rosig. In der Paintball- oder Lasertag-Arena geht es nicht zu wie auf dem Schlachtfeld. Das ist ein Unterschied von Welten.

Vorschau: In zwei Wochen erzähle ich euch, warum ich auf meine Familie nicht verzichten kann.

Ein Kalender im Advent

Alle Jahre wieder kommt die Weihnachtszeit und mit ihr Lebkuchen, Glühwein, Adventskranz und Adventskalender. Von letzteren werde ich beim Einkaufen geradezu erschlagen. In jeder erdenklichen Form strahlen sie mir entgegen. Die kleinen Kalender für die Vorweihnachtszeit sind schon lange kein bunter Spaß für kleine Kinder mehr.

Einfache Bildchen? Gibt es schon fast gar nicht mehr. Mindestens Schokolade muss sein. Dabei wird vor den einfachen Schoko-Kalendern seit ein paar Jahren wegen Verunreinigungen durch Erdöl gewarnt. Ist auch wirklich keine so leckere Vorstellung. Und mal ehrlich, komisch geschmeckt haben diese Dinge schon, als ich klein war. Aber es gibt ja auch noch genug andere, so dass niemand auf Erdöl-Kalender zurückgreifen muss – außer er will natürlich.

Kleine Freude im Advent: der Adventskalender (© Stefan Bayer / pixelio.de)

Kleine Freude im Advent: der Adventskalender (© Stefan Bayer / pixelio.de)

Sämtliche Schokoladenhersteller, so scheint es mir, haben beschlossen, eigene Adventskalender zu machen. Ob als Mischung verschiedener Sorten oder einfach nur unterschiedlicher Geschmacksrichtungen, aufgebaut wie der Big Ben oder als riesiges Herz, kein Wunsch bleibt unbeantwortet im Konsumspiel der Vorweihnachtszeit. Kein Wunder, dass viele nicht nur einen Kalender zu Hause haben. Warum nur Schokolade der einen Marke, wenn die andere auch schmeckt?

Aber bei Süßigkeiten macht die Industrie ja schon lange nicht mehr Halt. Kalender voller Spielzeug, Bücher oder Drogerie-Produkte, Teesorten, Kaffeeproben, Bier oder Sexspielzeuge – für jeden etwas, für alle Alles. Selbst unsere Apotheke verschenkte einen Streifen mit 24 Hustenbonbons und am Montag wurden am Mannheimer Bahnhof Kalender mit Schokokugeln verteilt. Mir wird dabei ganz schwindelig. Habt ihr einmal einfach im Internet nach Adventskalendern gesucht? Es gibt Tassen zum Abrubbeln und Kerzen zum Abbrennen. Der Advent ist fast noch wichtiger geworden als Weihnachten.

Überblick verloren? Manche Adventskalender sind keine Kleinigkeit mehr (© Uwe Wagschal / pixelio.de)

Überblick verloren? Manche Adventskalender sind keine Kleinigkeit mehr (© Uwe Wagschal / pixelio.de)

Wobei natürlich klar ist, wenn das Crescendo bereits am Anfang kräftig ist, wird es am Ende ein Knall. Sprich: Wenn es im Advent schon täglich eine Geschenkeorgie gibt, ist Weihnachten der Multiorgasmus. Natürlich steigt unsere Erwartung, wenn wir schon im Vorneherein überschüttet werden. Schon zu meiner Zeit auf der Schule haben wir Kinder den Inhalt unserer Kalender verglichen. Und schon damals konnte ich nicht glauben, was manch einer da angeblich bekommen hat. Ist das Maß denn nie voll?

Und ich behaupte hier nicht, an mir ginge dieser Kelch vorüber. Natürlich habe ich meinem Gatten und den beiden großen ihre Kalender bereits aufgehängt. Natürlich kein Kalender von der Stange, sondern eigens befüllt. Natürlich ist die Vorfreude bereits jetzt riesig und mehr als die Tage bis Weihnachten zählt mein Großer die Tage bis zum ersten Dezember. Sogar auf meinem Blog gibt es wie bei so vielen eine Adventsaktion. Und natürlich plagt mich jetzt das schlechte Gewissen. Wie kann ich da nur mitmachen und die Erwartungshaltung meiner Kinder schüren?

Besinnliches Warten? Adventskalender können auch Kleines groß machen (Foto: Obermann)

Besinnliches Warten im Advent? Adventskalender können auch Kleines groß machen (Foto: Obermann)

Vielleicht ist es die eigene Erinnerung an den Kalender, den meine Mutter uns damals selbst gebastelt hat und den wir zwei Kinder abwechselnd öffnen durften. Es waren nie große Dinge darin. Gebrauchsgegenstände, die wir wahrscheinlich auch so bekommen hätten. Aber im Kalender wurden sie zu einer großen Überraschung, einem Geschenk, einer Besonderheit. Das Normale wurde entrückt und gewann an Wert. Der Advent wurde tatsächlich besinnlich, auch weil wir eben die Alltäglichkeit neu schätzten. Und natürlich sind deswegen auch die Kalender meiner Lieben mit alltäglichen Dingen gefüllt, die so zu einem kleinen Fest werden.

„Ein Buntstift, hurra“, „Labello, super“ und „Ja, ein Lesezeichen“. Wenn wir den Adventskalender vorsichtig zelebrieren kann er uns vielleicht tatsächlich vorbereiten und besinnlich werden lassen. Und darum glaube ich auch, dass wir nie zu alt werden für einen kleinen Kalender, der uns die Vorweihnachtszeit versüßt, solange er sie uns nicht überzuckert.

Mein Mann sprach neulich übrigens davon, er wünsche sich einmal einen Werkzeug-Adventskalender (nein, kein Witz). Also liebe Industrie: hier ist eine Marktlücke, denn auch Hobbyhandwerker feiern Weihnachten.

Warum wir Kinder als Strafe sehen

Es dauerte einen Moment, ehe ich mich gefangen hatte. Gerade fragte mich unsere Sekretärin „warum tut ihr euch das an?“ und meinte, warum wir noch ein Kind wollten. Da prallte es mal wieder gänzlich auf mich ein. Dass Kinder in unserer Gesellschaft als Last, als Bürde gesehen werden. Als Strafe. Etwas, dass wir uns an tun. Masochismus in seiner höchsten Form. Wo das Kindermachen ja noch Spaß macht und nicht selten Witze mit sich zieht, ist das Kinderhaben, vor allem, wenn ein Paar dann doch mehr als ein oder gar zwei hat, scheinbar ein riesiger Sack voller negativer Pakete.

Teurer Spaß? Kinder kosten Geld (©Wilhelmine Wulff _ All Silhouettes / pixelio.de)

Teurer Spaß? Kinder kosten Geld (©Wilhelmine Wulff _ All Silhouettes / pixelio.de)

„Die machen euch fertig“, meinte eine alte Freundin meines Mannes, als unser zweites Kind gerade auf der Welt war und sie uns beim Einkaufen traf. Wir haben abgewunken, sie glaubte uns nicht. Kein Wunder, hören wir doch jeden Tag, wie schrecklich Kinder sind. Sie stehlen ihren Müttern die Figur, ihren Eltern den Schlaf, machen in ihrer Zerstörungswut vor nichts halt, sind lauter als Alarmanlagen, per se ungezogen, sozialer Selbstmord, finanzieller sowieso. „Warum unsere Kinder Tyrannen sind“ lautet der Titel eines Buches und ein ganzer Stapel an Literatur befasst sich mit der Frage, ob eine Frau denn nun Karriere und Familie haben kann. Die Internetseite Mompreneurs befasst sich ausschließlich mit Müttern, die neben ihren Kindern noch Unternehmen gegründet haben.

Machen wir uns nichts vor. Unsere Gesellschaft ist nicht kinderfreundlich. Oh, ja, es gibt eine (nicht erfüllte) Garantie auf einen Betreuungsplatz ab 1, es gibt Kindergeld, Familienparkplätze und Kinderwagenabteile im Zug, Vorschriften, wie viele Spielplätze ein Viertel haben muss und hohe Sicherheitsstandards bei Gebrauchsgegenständen für Kinder. Aber kinderfreundlich? Menschen, die in Kindergarten- oder Schulnähe wohnen beschweren sich regelmäßig gerichtlich wegen des Lärms spielender Kinder. Im Restaurant werden Kinder, die keine zwei Stunden ruhig sitzen können und nicht absolut still sind böse angeschaut und wer kennt nicht das Klischee eines nach Gummibärchen brüllenden Kleinkindes im Supermarkt?

Kinder? Will doch keiner (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Kinder? Will doch keiner (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Seien wir doch ehrlich, wir wollen keine Kinder. Wir wollen ein schöner-wohnen-Wohnzimmer und Designer-Tapete, Kleidungsstücke, die keine besonderen Schlitze zum Stillen haben müssen und einen Esstisch ohne Bananenmatschreste-Ritzen, von denen wir vorher nicht mal wussten, dass sie da sind. Schnelle, anstatt geräumige Autos und die Möglichkeit, heute alles stehen und liegen zu lassen und ans andere Ende der Welt zu fahren. Wir wollen alles und wir wollen es jetzt. Niemand soll uns sagen, was wir zu tun haben. Keine gesetzlich geforderte U-Untersuchungen und Briefe von Kindergarten oder Schule, die uns dies oder das mitteilen, Brotdosen, die gefüllt werden sollen und Hosen, die über Nacht zu klein werden. Wir wollen uns darüber keine Sorgen machen, denn, verdammt noch mal, wir haben doch nur dieses eine Leben. Wir sind nichts anderes als groß gewordene Kinder.

Vielleicht wollen wir ja keine eigenen Kinder, weil wir niemanden an der Backe haben wollen, der so ist, wie wir selbst. Und da hab ich mich schon längst ausgeklinkt. Ich schreibe diesen Artikel, während mein Schulkind, mein Kindergartenkind und das Baby schlafen. Heute hätte ich sonst keine Zeit gehabt. Ich habe getanzt, ich habe gemalt, ich habe gekocht und das Katzenklo sauber gemacht, eine Ladung Wäsche mit ganz vielen Unterhosen gewaschen, weil das Kindergartenkind jetzt keine Windel mehr braucht, aber erst eine Handvoll Höschen hat, ich habe gestillt und gewickelt, vorgelesen, eine wichtige Nachricht beantwortet, selbst gelesen, die Spülmaschine ausgeräumt. Ich habe mir nichts angetan, ich habe gelebt.

Tierisch: Kindermachen und Kinderhaben ist animalisch (©Edith Höhner / pixelio.de)

Tierisch: Kindermachen und Kinderhaben ist animalisch (©Edith Höhner / pixelio.de)

Wie alles im Leben, ist es manchmal unbequem, Kinder zu haben. So unbequem, wie es manchmal ist, Eltern zu haben, oder Geschwister, manche Freunde oder den eigenen Partner. Es ist kein Selbstmord. Es ist Leben. Und natürlich ist es nicht für jeden das Richtige. Aber wenn wir unser Leben wie das Bett der Prinzessin betrachten, die wegen einer Erbse unter hundert Matratzen blaue Flecken bekommt, und allen Ernstes die Prinzessin sein wollen, sterben wir nicht aus, weil Karriere so wichtig ist oder Geld, sondern aus lauter Faulheit, aus Bequemlichkeit. Und dabei verpassen wir bestimmt etwas Lärm, Geschrei und schlaflose Nächte, aber auch jede Menge Spaß. Für etwas Spaß bleibe ich gerne länger wach und viel Lärm um nichts konnte ich schon immer machen, natürlich auch als Kind. Warum also jetzt aufhören?

Vorschau: Nächste Woche gebe ich euch hier einen Leitfaden zum Kranksein.