Oum Khaltoum – die Göttin der arabischen Klassik

Oum Khaltoum, eigentlich Umm Kultum Fatima Ibrahim as-Sayyid al-Baltagi, geboren im Ägypten des frühen 20ten Jahrhunderts, ist die legendäre Sängerin und Musikerin des Abendlandes und genießt heute noch Ruhm und Anerkennung im mittleren Osten wie kein anderer Künstler vor oder nach ihr. Ihr Vermächtnis an die arabische Musik kann mit dem von Maria Callas und den Beatles in der westlichen Welt verglichen werden.

Die Tochter eines Iman wuchs mit zwei Geschwistern in einem kleinen Dorf namens Ad-Daqahilyya und begann ihre Karriere auf ziemlich ungewöhnlichem Wege. Oum Khaltoums Vater war Iman in der Moschee ihres Dorfes. Er verdiente als Koranrezitator, begleitet von seinem kleinen Sohn und einem Orchester das Familieneinkommen. Ihr Vater entdeckte ihre Stimme und ihr Talent, als er sie mal dabei ertappte, wie sie seine Rezitationen nachahmte. Ihr Vater entschied, sie von nun an, gemeinsam mit ihrem Bruder mit auftreten zu lassen.

Lange war Oum Khaltoum mit diesem Ensemble mit Bruder und Vater unterwegs und war schnell in ganz Kairo bekannt. Im Jahre 1920 begegnete sie Scheich Zakariyya Ahmad, dem sie vorsang. Er sagte später, dass er ihre Stimme nicht mehr vergessen konnte. Er war der erste, der ihr musikalisch die Türen öffnete und derjenige, der ihr Engagements in Kairo verschaffte. Auch Scheich Abu I-lla, einer der führenden religiösen Sänger und Hauptvertreter der klassischen islamischen Gesangstradition, den sie 1923 kennenlernte, unterrichtete Oum Khaltoum und zeigte ihr vor allem wie man Worte in Töne ausdrückt.

Im sogenannten „Goldenen Zeitalter des Gesangs“, den 50er und 60er Jahren, schaffte die Ägypterin auch ihren internationalen Durchbruch und trat in Städten wie Damaskus, Bagdad, Beirut und Tripolis auf. Im Mai 1934 weihte sie den ersten ägyptischen Rundfunksender „Radio Cairo“ ein. Sie startete sogar eine Schauspielkarriere.

Zu ihren größten und unvergesslichen Meisterwerken zählen wohl „Enta Omri“ (dtsch.: Du bist mein Leben) und „Alf Leyla wa Leyla“ (dtsch.: 1001 Nacht). Ihre romantischen, teils melancholischen Texte, verbunden mit ihrer starken und doch zärtlichen Stimme werden auch heute noch von Marokko bis Oman mit Nostalgie und Liebe zelebriert.

Am 03. Februar 1975 starb Oum Khaltoum an einer Nierenentzündung, nachdem sie Jahre zuvor Erkrankungen an Galle und Leber erlitt. Mehrere Millionen versammelten sich bei ihrer Beerdigung und trugen ihren Sarg stundenlang durch die kleinen Straßen und Gassen Kairos, bevor sie beigesetzt wurde.
Sie bleibt die Stimme Ägyptens, die Göttin der arabischen Musik. Ihr Lebenswerk, womit sie die arabische Kultur und Musik bereicherte, bleibt unsterblich.

Fasten und Reisen – oder die Geschichte des Taxifahrers Achmed

Nicht nur wir Christen fasten in den 40 Tagen vor Ostern. Auch Muslime und Juden haben ihre Fast-und Bußtage beziehungsweise Monate. Was man in dieser Zeit beim Reisen besonders beachten sollte, versucht dieser Artikel zu umreißen:

Die Sonne brennt auf das Taxi. Die ganze Stadt flimmert vor Hitze und die Sonne hat noch nicht einmal ihren Zenit erreicht. Normalerweise würde das Achmed dem Taxifahrer nicht so viel ausmachen, das Wetter ist ja meistens so, hier in Kairo, aber heute bringt ihn sein Durst fast um. Es ist Ramadan. Der heißeste Monat des Jahres und alle gläubigen Muslime dürfen von Sonnenauf- bis Untergang weder etwas essen noch trinken. Eine gesellschaftliche Tortur, die von jedem befolgt wird.

Schön und gut werden wir als Leser jetzt denken, die nicht an diese Regel gebunden sind, aber sie hat auch Auswirkung auf uns Reisende:

In Achmeds Taxi steigen drei Touristen ein. Sie wollen –wie kann es nicht anders sein – zu den großen Pyramiden raus nach Gizeh. Man einigt sich auf einen Preis und die Fahrt geht los. Achmed laufen die Schweißperlen am ganzen Körper entlang. Es ist wirklich ein extrem heißer Tag. Die Touristen machen Fotos aus dem Fenster hinaus und schon bald ertönt das erste zischend erquickende, wasserverheißende Klicken einer Dose, die geöffnet wird. Achmed beneidet die Ungläubigen. Es herrscht nicht viel Konversation zwischen ihm und den Fremden. Seine Englischkenntnisse sind zu schlecht. Trotzdem will er nicht unhöflich wirken, die Touristen sind schließlich eine Haupteinnahmequelle in Ägypten.

Bei den Pyramiden angekommen stellt sich heraus, dass sie gar nicht die Pyramiden von Gizeh gemeint hatten, sondern zu denen nach Sakkara wollten. Es gibt eine lautstarke Diskussion. Die Touristen steigen aus und lassen Achmed unbezahlt stehen.

Diese Geschichte ist rein fiktiv und solch eine Situation kann einem natürlich auch passieren, wenn man nicht im Ramadan unterwegs ist, aber ich glaube sie zeigt doch ganz gut, auf was man achten muss. Ihr könnt euch selbst vorstellen wie es ist einen ganzen Tag zu arbeiten und nichts trinken und essen zu dürfen. Natürlich wird das alles in der anschließenden Nacht ausgelassen nachgeholt, aber tagsüber sinkt die Strapazierfähigkeit schon einmal ziemlich. Daraus folgt Punkt eins: man sollte sich immer dessen bewusst sein, dass bei demjenigen, mit dem man zu tun hat, schon einmal schneller die Nerven blank liegen können.

Der andere Punkt ist der, dass man sich doch so angepasst wie möglich benehmen sollte (im Grunde genommen gilt dieser Punkt eigentlich auch sonst immer), um nicht das Bild des reichen, aber völlig ignoranten Touristen zu beschwören, der von nichts eine Ahnung hat. Der Ramadanmonat ist dieses Jahr vom 1. August bis zum 30.

Im Judentum ist das Ganze etwas anders geregelt. Hier ist es nur ein Tag, der mit absolutem Fasten und In-sich-gehen verbunden ist. Yom Kippur, übersetzt: Tag der Versöhnung, ist der Tag, an dem sich jeder mit seinen Taten im letzten Jahr auseinander setzen sollte. 25 Stunden lang steht dann in Israel die Welt still. Kein Autofährt, kein Laden hat offen und nur in den Synagogen findet noch öffentliches Leben statt. Ein ausgedehnter Spaziergang wie bei uns zu Zeiten der Ölkrise auf den Autobahnen ist ohne weiteres möglich. 25 Stunden sind es übrigens deswegen, um sicher zu gehen, dass es auch wirklich ein ganzer Tag ist. Yom Kippur findet am 8. Oktober 2011 statt.

Bleibt nur noch zu sagen: Falls Achmed mal am Ramadan nach Deutschland kommt, dann müsst ihr keine Rücksicht auf ihn nehmen, denn reisenden Muslimen ist es gestattet nicht zu fasten und dies dann in einem anderen Monat nachzuholen.

Vorschau: Das nächste Mal wird euch Tatjana, die normalerweise für die Tipps und Tricks Rubrik tätig ist, euch mit einem Artikel über Mannheim erfreuen!