Die Partyszene in der „schönsten Stadt der Welt“

Heimat und Zuhause – das bedeutet Speyer für Caroline Gartner. Seit sie denken kann, lebt die 20-Jährige in der Domstadt, hat also auch deren Ausgehmöglichkeiten ausgiebig getestet. Aber nicht nur das: Für eine Hausarbeit hat sie jetzt 130 Jugendliche aus Speyer und Umgebung befragt, wie zufrieden sie mit der Partyszene sind. Und wir wollten natürlich wissen, was da herauskam!

Home is where the heart ist: Caroline hat sich eine Brezel in Herzform als Symbol für ihre Liebe zu Speyer tätowieren lassen (Foto: C. Gartner)

Home is where the heart ist: Caroline hat sich eine Brezel in Herzform als Symbol für ihre Liebe zu Speyer tätowieren lassen (Foto: C. Gartner)

Face2Face: Wieso hast du dich in deiner Arbeit ausgerechnet mit den Ausgehmöglichkeiten für Jugendliche in Speyer beschäftigt?
Caroline: Meine eigene Erfahrung ist, dass das Angebot gerade für die unter 18-Jährigen nicht allzu umfassend ist. Oft war ich traurig, wenn ich an einer der wenigen Partys, die stattfanden, nicht teilnehmen konnte, denn das Warten auf die nächste kam einem da schon seeehr lange vor. Darum hat mich natürlich brennend interessiert, wie das meine Altersgenossen sehen. Gerade durch die vielen Schulen tummeln sich in Speyer ja sehr viele Jugendliche. Deshalb sind sie auch so wichtig für eine Stadt wie Speyer – eine bunte Mischung aus Jung und Alt trägt dazu bei, dass sich eine Stadt weiterentwickeln kann und nicht in der Zeit stehenbleibt.

Face2Face: Was hat deine Umfrage ergeben?
Caroline: Leider sind die Jugendlichen eher unzufrieden mit den Ausgehmöglichkeiten in Speyer. Man muss aber ganz klar unterscheiden zwischen Bars/ Cafés und Diskotheken. Die Umfrage-Teilnehmer wünschen sich eine neue Diskothek bzw. wollen die vorhandenen Locations häufiger für Partys nutzen. Für mich bedeutet das, dass die Jugendlichen gerne mehr Trubel und mehr Möglichkeiten im Speyrer Nachtleben hätten. Wenn das gegeben wäre, würden sie sicher seltener auf die umliegenden Städte ausweichen, um mit ihren Freunden tanzen und feiern zu gehen. Die Bar- und Café-Auswahl ist dafür laut meiner Umfrage durchaus ausreichend für die Jugendlichen – hier bleiben kaum Wünsche offen.

Face2Face: Und was würdest du dir für die Speyrer Partyszene wünschen?
Caroline: Natürlich wäre auch ich von einem neuen Club in Speyer nicht abgeneigt. Allerdings habe ich während meiner Recherchen auch festgestellt, dass Speyer doch einiges an Veranstaltungen zu bieten hat, von denen man jedoch leider oft zu spät oder gar nicht erfährt. Helfen kann es da, wenn die Stadt mit den Jugendlichen in Kontakt tritt. Mit der Facebook-Seite der Stadt Speyer ist hier aus meiner Sicht bereits ein wichtiger Schritt getan.

Face2Face: Schon während der Recherche für deine Arbeit standest du ja in Kontakt zur Stadt Speyer. Was fängt die nun mit dem Ergebnis deiner Umfrage an?
Caroline: Ich glaube die Stadt ist sich dessen bewusst, dass die Jugendlichen doch eher unzufrieden sind mit den Ausgehmöglichkeiten und versucht bereits gemeinsam mit dem Jugendstadtrat etwas zu verändern. Ich habe den Eindruck, dass die Stadt sehr bemüht ist um ihre jungen Bewohner und auch gerade dabei ist etwas in Bewegung zu bringen. Eins bleibt natürlich für mich dabei festzuhalten: Natürlich sind Ausgehmöglichkeiten wichtig – wenn sich die Bürger diese wünschen umso mehr, trotzdem sind es ja nicht nur die Ausgehmöglichkeiten, die Speyer zu einer wunderschönen Stadt machen, sondern auch viele andere Dinge.

Vorschau:

Die Kinder und der Krieg

Krieg - Ein Wort, das Angst macht (© Katharina Wieland-Müller/ pixelio.de)

Krieg – Ein Wort, das Angst macht (© Katharina Wieland-Müller/ pixelio.de)

„Ist das nicht schrecklich“, seufzt meine Großmutter und erzählt von einem Jugendlichen, dessen Eltern die Polizei gebeten haben, ihn am Flughafen abzufangen, damit er sich nicht dem sogenannten Islamischen Staat (kurz IS oder ISIS) anschließen kann. Ich kenne meine Oma, ich kenne ihre Geschichte, ich weiß, was sie denkt. Sie denkt, ist es nicht schlimm, dass die Jugendlichen in den Krieg ziehen, voller Begeisterung. Sie denkt, ist es nicht schlimm, dass sie sich ausgerechnet der „anderen“ Seite anschließen. Sie denkt, ist es nicht schlimm, dass es überhaupt Krieg gibt. Hat die Welt denn nichts gelernt?

Meine Großmutter ist 85. Sie hat den Zweiten Weltkrieg relativ behütet miterlebt, dank einer Mutter, die darauf bestanden hat, dass ihre Tochter nicht zum Bund deutscher Mädchen (BdM) geht. Eine Tatsache, die meine Großmutter später fast das Lehramtsstudium gekostet hat, denn als sie anfing musste sie noch ausweisen, dass sie im BdM gewesen ist. Sie hat eine andere Angst vor dem Krieg, als ich, denn sie weiß, was das Wort bedeutet.

Fataler Enthusiasmus - für viele Jugendliche endet der Krieg tragisch (©Thomas Schaal / pixelio.de)

Fataler Enthusiasmus – für viele Jugendliche endet der Krieg tragisch (©Thomas Schaal / pixelio.de)

Und ich denke über ihre Worte nach. Sie sind einfach zu beantworten. „Ja, es ist schrecklich.“ Und dann frage ich mich, warum. Warum gibt es das, warum machen sie das? Und weil ich dabei immer an meine Oma denke, denke ich diese Frage nicht nur für die Gegenwart. Reisen wir etwas zurück. Der Erste Weltkrieg. Voller Enthusiasmus rennen die jungen Männer und Jungen aus den Schulen in den Krieg, von dem sie glauben, ihn auf jeden Fall zu gewinnen. Sie sind begeistert, glauben an ihr Land, haben die jugendliche Überzeugung, die auch in den Köpfen derer existiert, deren Eltern heute die Polizei zum Flughafen bitten.

Jugendlicher Enthusiasmus, seien wir ehrlich, ist verwegen, ist abenteuerlustig, denkt nicht an Konsequenzen. Er ist kraftvoll und mitreisend. Und obwohl die Menschheit gesehen hat, wie der erste Weltkrieg ausgegangen ist, sind es wieder die Jugendlichen, die sich reihenweise für die SS melden und an die Front wollen, als der Zweite Weltkrieg ausbricht. Wie Günter Grass, der mit 17 eingezogen wird, kurz vor Kriegsende. Sie glaubten, mit der Inbrunst eines Kindes und der Hoffnung eines jungen Erwachsenen. Sie glaubten und folgten, waren überzeugt und hätten ihr Leben dem Großen geopfert, dem sie angehören wollten. Nur wenige Monate später, im Gefangenenlager der Alliierten, als sie die Wahrheit erfahren, hören und sehen, was die Nationalsozialisten – was sie selbst – angerichtet haben, sind sie beherrscht von Scham, traumatisiert.

Eine vergessene Lektion? Nie wieder Krieg (©Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft / pixelio.de)

Eine vergessene Lektion? Nie wieder Krieg (©Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft / pixelio.de)

Jüngst las ich bei Spiegel online von einer Mutter, die ihre Tochter wieder von der IS zurück geholt hat, auf eigene Faust, weil das Mädchen seine Meinung geändert hatte und Hilfe brauchte. Aber wie viele erkennen rechtzeitig, wenn sie falsch liegen? Und wie wenige nur sind bereit das zuzugeben und nicht die Augen in der Sturheit der Menschen zu verschließen? Die wenigstens. So schrecklich es klingt, Gut und Böse sind relative Absolute, sie hängen von der Perspektive ab. Für die IS sind wir die Bösen. Ich, die ich hier diesen Artikel schreibe und ihre Anhänger teilweise als Kinder enttarne, die das Abenteuer suchen und auf eine Überzeugung hereingefallen sind. Für mich, hoffentlich für uns sind es die, die andere unterdrücken und verfolgen, aufgrund ihres Glaubens, ihrer Zugehörigkeit, ihrer Abstammung. Perspektiven. Sie können wechseln, sie können angedichtet werden und „aufgeredet“.

Als der spanische Bürgerkrieg 1936 ausbrach schlossen sich unzählige den Kämpfern gegen Franco an, andere aber auch den Putschisten. Wir hören heute hauptsächlich von den Jugendlichen, die sich der IS anschließen. Als die Revolutionen begannen habe ich auch viel von Studenten gelesen, die beispielsweise nach Syrien gereist sind, um die Rebellen zu unterstützen. Jene, die von der unterdrückenden Regierung als Terroristen angesehen wurden. Unser Bild ist gezeichnet von dem, was wir in den Medien zu sehen bekommen. Wir kennen „nur“ unsere Perspektive, unsere Überzeugung.

Ich erzähle das alles meiner Oma und sie nickt. Traurig zwar, aber sie nickt. Sie wünschte, wie ich, dass es anders wäre. Dass diese Jugendlichen nicht in den Krieg zögen, wie unzählige vorher, die nie wieder heim gekehrt sind – egal für welche Seite. Aber sie weiß auch, dass dieses Phänomen nicht neu ist, dass es sich wiederholt und vielleicht auch immer wieder wiederholen wird, so lange die Menschen aufeinander losgehen. Wir können nur immer wieder darüber reden, aufklären, aufzeigen, dass Krieg keine Lösung ist und hoffen, dass das irgendwann auch alle verstanden haben. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Vorschau: Anna macht sich hier nächste Woche auf die Suche nach Heimat.

Vom Alkoholkonsum Jugendlicher und Anti-Komasaufen-Kampagnen

Eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat ergeben, dass Jugendliche zwar weniger Alkohol trinken – 2010 griffen rund 12,9 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal pro Woche zur Flasche (2004: 21,2 Prozent) – aber dass das sogenannte „Komasaufen“ noch immer populär ist. Jugendliche betrinken sich hierbei bis zur Bewusstlosigkeit. Allein 2009 mussten circa 26.400 Menschen zwischen 10 und 20 Jahren mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus. Seit 2000 ist hier ein rasanter Zuwachs zu verzeichnen.

 Für die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mechthild Dyckmans ein großes Problem, weshalb sie auch weiterhin auf Prävention setzt. Jugendliche müssen über die Folgen ihres risikobereiten Verhaltens aufgeklärt werden, denn noch immer wissen sie viel zu wenig über die gesundheitlichen Folgen. Party machen und Spaß haben ohne Alkohol? Für viele junge Menschen fast undenkbar. In der Studie wurde zum ersten Mal nach den Gründen für den Alkoholkonsum gefragt. Mehr als die Hälfte der insgesamt 7000 befragten 12- bis 25-Jährigen gaben an, mit Alkohol mehr Spaß zu haben und Hemmungen zu verlieren. Demnach fiele es leichter, auf andere Menschen zuzugehen.

 Eine weitere interessante Tatsache, welche die Studie zu Tage förderte, ist, dass der Freundeskreis beim eigenen Alkoholkonsum eine Schlüsselrolle besitzt: Je mehr die eigenen Freunde trinken, desto mehr trinkt man selbst. 93,6 Prozent der sogenannten „Binge-Trinker“ gaben an, dass alle ihre Freunde oder die meisten davon Alkohol trinken. Laut BZgA-Studie sind „Binge-Trinker“ diejenigen Alkoholkonsumenten, die bei einer Gelegenheit mindestens fünf alkoholische Getränke trinken. Während 16,7 Prozent der Jugendlichen unter 18 Jahren angaben, „Binge-Trinker“ zu sein, war es bei den 18- bis 25-Jährigen fast jeder Zweite.

 Eine Studie, die belegt, dass Alkohol nach wie vor die Suchtdroge Nummer Eins bei jungen Menschen ist, mit der viele viel zu leichtsinnig umgehen. Die gesundheitlichen Risiken bleiben außen vor, Gedanken über das risikobereite Verhalten beim Komasaufen möchte sich kaum einer machen. Dabei ist gerade das von besonderer Wichtigkeit. So gibt es noch lange keine Entwarnung, selbst wenn der allgemeine Alkoholkonsum zurückgegangen ist. Auch Krankenkassen beklagen den enorm angewachsenen „Komasauf-Boom“ und bezeichnen die Zahlen als alarmierend. Allein 2009 mussten in Rheinland-Pfalz 1664 junge Menschen nach dem Komasaufen ins Krankenhaus, was ein Plus von 11 Prozent zum Vorjahr bedeutet.

 Es ist eindeutig Zeit, das Thema zur Sprache zu bringen! Ähnlich sehen es auch viele Kampagnen, die sich der Prävention verschrieben haben und dabei keine Mühen und Ideen scheuen, um auf die Konsequenzen von Alkohol aufmerksam zu machen.

 So hat sich die britische Regierung bereits 2008 eine ungewöhnliche Anti-Alkoholkampagne ausgedacht, um dem Komasaufen den Kampf anzusagen: Mit ekelerregenden, schockierenden TV-Spots soll auf die Folgen exzessiven Alkoholkonsums aufmerksam gemacht werden. In einem der TV-Spots ist ein junger Mann zu sehen, der morgens aufsteht, seine Armbanduhr kaputt macht, um kurz darauf sein T-Shirt zu zerreißen und es mit Soße zu beschmieren. Danach geht er ins Bad, bepinkelt sich selbst, reißt sich einen Ohrring aus dem Ohr, stößt mit dem Topf gegen eine Tür und verlässt mit blutender Nase und ramponierten Zustand lächelnd das Haus. Dann der Schriftzug: „Du würdest keinen Abend so beginnen. Warum ihn dann so beenden?“ Wer sich für das Video interessiert: http://www.youtube.com/watch?v=mo_49X7B53o.

 Ein anderes schockierendes Video, das im Auftrag der sogenannten englischen „NHS Binge Drinking campaign“ enstanden ist, zeigt ein junges Mädchen und einen jungen Mann, die beide mit den Folgen ihrer durchzechten Nacht zu kämpfen haben: http://www.youtube.com/watch?v=caU5dLDHKaQ&feature=related

 Auch in Deutschland wirbt man mit ähnlichen Spots oder Plakaten. Sicher ist dem ein oder anderen schon einmal die Kampagne „Alkohol – kenn dein Limit“ begegnet. Diese Kampagne gibt es auch im Internet; eine Seite, die vielfältig gestaltet ist und neben zahlreichen Informationen zu Alkohol und Tipps auch Interviews mit Prominenten, die sich zu dem Thema äußern, enthält: http://www.kenn-dein-limit.info/

 Ein etwas ungewöhnlicheres, aber durchaus sehr kreatives Schulprojekt hat die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans in Zusammenarbeit mit dem Verband der privaten Krankenkassen und Schulen in Köln und Berlin im September letzten Jahres ins Leben gerufen: HipHop gegen das Komasaufen. Unter Anleitung von zwei regional bekannten Künstlern sollen die Schüler HipHop Texte kreieren, in denen es um Alkoholmissbrauch geht. Die Schüler lernen sich in ihrer eigenen Sprache auszudrücken und diese Sprache und ihre eigene Kreativität statt Gewalt und Alkohol zur Problembewältigung zu nutzen. Meiner Ansicht nach ein Projekt in die richtige Richtung, das durchaus als Vorbild für andere Kampagnen dienen könnte.

 Und in welchem Licht seht ihr die Antialkoholkampagnen? Sind sie sinnvoll oder eher übertrieben? Schreibt eure Meinung!

Eure Lea

Vorschau: Eva schreibt nächste Woche darüber, dass es manchmal ganz gut tut, den Müllberg einfach nur wachsen zu lassen.