Jung geblieben, alt geworden – Interview mit Sky Du Mont zu „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz“

Denkmalschutz? Sky Du Monts neues Buch (Foto mit freundlicher Genehmigung von K&V Events)

Denkmalschutz? Sky Du Monts neues Buch (Foto mit freundlicher Genehmigung von K&V Events)

Er hat in den letzten 46 Jahren bei weit mehr als 100 deutschen Fernsehproduktionen teilgenommen, dabei kaum ein Genre ausgelassen und ist auch international ein bekanntes Gesicht. Sky Du Mont ist aus der deutschen Film- und Fernsehwelt einfach nicht wegzudenken. Seit 2004 ist der in Buenos Aires geborene Schauspieler auch Schriftsteller. Nun ist bei Bastei Lübbe sein neues Buch „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz“ erschienen und Sky Du Mont tourt mit einem Bühnenprogramm zum humoristischen Blick aufs Älterwerden durch Deutschland. Dabei kommt er am 16.10 auch nach Aschaffenburg. Bei Face2Face verrät er exklusiv im Interview was er am Älterwerden mag und wie er mit der modernen Technik zurechtkommt.

Face2Face: Herr Du Mont, Sie sind ein mehrfach ausgezeichneter Schauspieler für Film und Fernsehen, seit 2004 veröffentlichen Sie außerdem die unterschiedlichsten Bücher. Nun touren Sie mit Ihrem neuesten Buch „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz“ durch Deutschland. Was können Sie eigentlich nicht?
Sky Du Mont: Oh, ich kenn sehr viel nicht. Z.B. meine Kinder soweit zu erziehen, dass sie ihre Zimmer aufräumen.

Face2Face: „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz“ spielt auf das Alter allgemein an. Sie wurden 1947 geboren und sind seit 1969 Schauspieler. Sehen Sie sich als alten „Hasen“?
Sky Du Mont: Wenn Sie die Erfahrung mit „alten Hasen“ meinen, ja!

Face2Face: Unsere Gesellschaft wird immer älter, gleichzeitig entwickeln sich Wissenschaft und Technik rasant. Mobile Geräte, das Internet als Leitmedium, virtuelle Vernetzung. Wie finde sie sich in dieser digitalen Welt zurecht und sehen Sie in ihr Vor- oder eher Nachteile?
Sky Du Mont: Ich liebe die digitale Welt und nutze sie ständig. Ich beherrsche meinen PC, mein Handy etc. Einen Nachteil sehe ich nicht. Die Menschen die von sich zu viel preisgeben (Soziale Medien) sind selber schuld. Ich bin nicht auf Facebook usw. Dieses extreme Mitteilungsbedürfnis geht mir ab…

Der Mensch zählt

Face2Face: Wir gruppieren Menschen aufgrund ihrer Lebensjahre in jung und alt, benennen „Senioren“ wie „Jugendliche“ als solche. Ist diese Verallgemeinerung nicht diskriminierend?
Sky Du Mont: Absolut! Ich gebe Ihnen Recht. Ich kenne 50-jährige die „alt“ sind und 70-jährige die jung geblieben sind. Es ist der Mensch an sich der zählt und nicht die Zahl der Jahre!

Face2Face: Sie sind ein aktiver Mensch, stehen in der Öffentlichkeit, haben Familie. Glauben Sie, dass unser „Alter“ von Lebensjahren abhängt oder von unserem Lebensinhalt?
Sky Du Mont: Ja, zu einem gewissen Maße, aber auch von den Genen, vom Beruf und vieles mehr.

Face2Face: Hand aufs Herz: Ich bin noch keine 30 und merke bereits, was ich heute nicht mehr kann, vor 10 Jahren aber schon. Wo macht sich bei Ihnen das Alter bemerkbar?
Sky Du Mont: Nun, mir ist klar, dass ich nicht mehr deutscher Tennismeister werden kann. Man erkennt seine Grenzen – dafür machen sich andere Fähigkeiten auf. Geduld, Humor etc. Ich blicke mit mehr Verständnis auf viele Dinge und das macht mich ruhiger und ausgeglichener.

Face2Face: ‚Man ist so alt, wie man sich fühlt‘. Wie alt fühlen Sie sich und wie halten sie sich jung?
Sky Du Mont: Unterschiedlich. Manchmal fühle ich mich wie 30, manchmal wie 150. Ich habe eine junge Familie – das hält jung.

Das Gute am Altern

Face2Face: Jugend ist energiereich und fit, aber auch naiv und unerfahren. Welche Erkenntnisse ihres Lebens wollen Sie nicht missen?
Sky Du Mont: Man verletzt Menschen und braucht sich nicht wundern, wenn man auch verletzt wird. Und man kann Menschen nicht ändern – eine ganz wichtige Erfahrung. Den Fehler machen so viele in ihren Beziehungen.

Face2Face: Jedes Lebensalter hat seine Nachteile. Aber auch Vorteile! Was mögen Sie am Alter(n)?
Sky Du Mont: Ich bin ruhiger geworden. Ich brauche mich nicht zu beweisen.

Schauspieler und Autor: Multitalent Sky Du Mont (Foto mit freundlicher Genehmigung von K&V Events)

Schauspieler und Autor: Multitalent Sky Du Mont (Foto mit freundlicher Genehmigung von K&V Events)

Face2Face: „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz“ ist ihr neues Buch. Wie kamen Sie auf die Idee zum Buch?
Sky Du Mont: Es ist die Fortsetzung von dem Buch davor „Fullhouse“.

Face2Face: Schreiben ist etwas anderes, als auf der Bühne zu stehen. Wie wirkt sich der direkte Kontakt zum Publikum auf ihr Programm aus?
Sky Du Mont: Wunderbar! Die Menschen lachen und sind fröhlich und darauf bin ich stolz.

Face2Face: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Spaß beim Leben, Jungbleiben und Altwerden.

Gewinnspiel

Am 16.10. tritt Sky Du Mont in einer interaktiven Lesung mit „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz“ zum 25-jährigen Jubiläum der Stadthalle am Schloss in Aschaffenburg auf. 2×2 Karten könnt ihr jetzt exklusiv bei Face2Face gewinnen. Termine zur Buchvorstellung gibt es beim Verlag.

Was ihr dafür tun müsst: Schreibt bis Dienstag, den 11. Oktober 2016, 23:59 Uhr eine E-Mail an eva-maria.obermann@face2face-magazin.de und verratet uns, warum ihr gerne zu Sky Du Monts Auftritt möchtet. In der Mail enthalten sein sollte euer Vor- und Nachname sowie eine gültige Adresse für den Versand. Mitarbeiter von Face2Face, sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen. Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt via Mail.

Nutzungsbedingungen

§ 1 Gewinnspiel (1) Das Gewinnspiel wird von der Online-Zeitschrift Face2Face durchgeführt.

§ 2 Teilnahme (1) Teilnahmeberechtigt sind alle Spielerinnen und Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. (2) Eine Person nimmt am Gewinnspiel teil, indem sie eine E-Mail an die von uns angegebene E-mail-Adresse schreibt und dort ihren Namen bzw. die Namen der möglichen Gewinner hinterlässt. (3) Zur Teilnahme am Gewinnspiel ist unbedingt erforderlich, dass sämtliche Personenangaben der Wahrheit entsprechen. Andernfalls kann ein Ausschluss gemäß § 3 (3) erfolgen. (4) Mitarbeitern von Face2Face ist es nicht gestattet beim Gewinnspiel teilzunehmen. Ihre Einsendungen können beim Gewinnspiel nicht berücksichtigt werden.

§ 3 Ausschluss vom Gewinnspiel (1) Bei einem Verstoß gegen diese Teilnahmebedingungen behält sich die Onlinezeitschrift Face2Face das Recht vor, Personen vom Gewinnspiel dauerhaft auszuschließen. (2) Ausgeschlossen werden auch Personen, die sich unerlaubter Hilfsmittel bedienen oder sich anderweitig durch Manipulation Vorteile verschaffen. Gegebenenfalls können in diesen Fällen auch nachträglich Gewinne aberkannt und zurückgefordert werden. (3) Wer unwahre Personenangaben macht, kann des weiteren vom Gewinnspiel ausgeschlossen werden. (4) Nach Ablauf des Gewinnspielzeitraums können keine weiteren Einsendungen berücksichtigt werden und werden somit gelöscht. (5) Stehen in der E-Mail mehr als die Anzahl der vorgeschriebenen Namen können die Teilnehmer nicht am möglichen Gewinn berücksichtigt werden. (6) Ebenfalls bei mehrmaliger Einsendung findet ein Ausschluss vom Gewinnspiel statt.

§ 4 Durchführung und Abwicklung (1) Die Gewinner werden von Face2Face am Tag der Bekanntgabe per Telefonanruf, über den schriftlichen Postweg oder E-Mail über ihren Gewinn informiert. Kann der Gewinner nicht telefonisch erreicht werden, wird der jeweilige Gewinner über seine angegebene E-Mail Adresse oder Postanschrift über seinen Gewinn informiert. (2) Eine Barauszahlung der Gewinne oder eines etwaigen Gewinnersatzes ist in keinem Falle möglich. (3) Der Anspruch auf den Gewinn oder Gewinnersatz kann nicht abgetreten werden. (4) Ist es aus zuvor nicht vorhersehbaren Gründen nicht möglich, dass das Meet&Greet, Konzert oder die Veranstaltung durchgeführt werden kann, hat der Gewinner in diesem Fall keinerlei Anspruch auf Ersatz. (5) Ist aus zuvor nicht vorhersehbaren sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich den Besuch im Backstagebereich durchzuführen, besteht kein Anspruch auf Ersatz.

§ 5 Datenschutz (1) Durch die Teilnahme am Gewinnspiel erklärt sich der Teilnehmer ausdrücklich damit einverstanden, dass Face2Face die dazu erforderlichen Daten für die Dauer des Gewinnspiels speichern darf. Es steht dem Teilnehmer jederzeit frei, per Widerruf unter der angegebenen E-Mail-Adresse die Einwilligung in die Speicherung aufzuheben und somit von der Teilnahme zurückzutreten. (2) Die Teilnehmer erklären sich dazu bereit, dass im Falle eines Gewinnes die Namen öffentlich bekannt gegeben werden, beispielsweise über soziale Netzwerke oder die offizielle Homepage von Face2Face. (3) Face2Face verpflichtet sich, die gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes zu beachten und das Fernmeldegeheimnis zu wahren. (4) Nach Beendigung des Gewinnspiels werden alle einsandten E-Mails wieder gelöscht.

§ 6 Sonstiges (1) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. (2) Es ist ausschließlich das Recht der Bundesrepublik Deutschland anwendbar. (3) Sollten einzelne dieser Bestimmungen ungültig sein oder werden, bleibt die Gültigkeit der übrigen Nutzungsbedingungen hiervon unberührt.

Kreativität und Spontanität – davon leben BarCamps

Willkommen im Jahr 2015 – dem Zeitalter von Social Media, BarCamps, kreativen Workshops und Vorträgen in lockerer Atmosphäre. Gleich vorweg BarCamps haben nichts mit Bars oder Campen zu tun. BarCamps sind ein offenes, interaktives Veranstaltungsformat als Alternative zur klassischen Konferenz. Die Teilnehmer sind per „Du“ und bloggen beispielsweise per Twitter live vor Ort.

Das fleißige Orga-Team des BarCamps in Erfurt (Foto: offensichtlich.de)

Das fleißige Orga-Team des BarCamps in Erfurt (Foto: offensichtlich.de)

Am vergangenen Wochenende fand im Kinder-Medien-Zentrum in Erfurt das vierte BarCamp statt. Durch die räumliche Nähe des Kinder-Medien-Zentrums zum KiKa, dem öffentlich-rechtlichen Fernsehkanal von ARD und ZDF für Kinder und Jugendliche, hat sich das BarCamp in Erfurt besonders den Themen von Jugend & Medien verschrieben.

 

Was ist eigentlich ein BarCamp?

Jugend & Medien: war das Thema des diesjährigen BarCamps in Erfurt (Foto: barcamp-erfurt.de)

Jugend & Medien: war das Thema des diesjährigen BarCamps in Erfurt (Foto: barcamp-erfurt.de)

„Das BarCamp ist eine sogenannte Mitmachkonferenz“ ist die Antwort von Martin Fache, einem der Organisatoren des BarCamps in Erfurt. Seit 2012 findet nun schon das kostenlose BarCamp „Jugend & Medien“, eine der größten Fachkonferenzen für Medienmacher, Entwickler, Designer und Pädagogen in der Landeshauptstadt von Thüringen statt. Im Fokus stehen dabei der Dialog zwischen Medien-Trends und Technik, über Wissen und Visionen. Dieses Jahr standen im Fokus vor allem pädagogische Konzepte sowie innovative Lehr- und Lernmöglichkeiten bei Medien für Kinder und Jugendliche.

Wie kann man sich so eine Mitmachkonferenz konkret vorstellen?

Die Teilnehmer des BarCamps schlagen am Tag der Veranstaltung – also sehr spontan – ihre Themen vor. Zu diesen Themen werden dann Workshops, Seminare oder Vorträge vorbereitet und vor den anderen Teilnehmern gehalten. Ein sehr offenes und modernes Format also, welches sich seit 2005 vor allem in der IT- und Medienwelt sehr stark etabliert hat. Übrigens eignet sich so ein kostenloses BarCamp auch hervorragend fürs Netzwerken, dabei entstehen neben vielen interessanten Kontakten auch Ideen für neue innovative Projekte.

Klingt spannend, oder? Dann begleite mich doch auf das BarCamp und überzeug dich selbst von den vielen Vorteilen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit Namen und den drei Stichworten, die einen am besten beschreiben (meine sind in dem Fall: Social Media, Journalismus und Australien) ging es am Samstag um 9 Uhr morgens auch schon los. Die Teilnehmer im Alter von 20 bis 40 Jahren waren alle pünktlich erschienen, die Stimmung war von Anfang an sehr locker und ungezwungen. Die 150 angemeldeten Gäste waren bunt gemischt: Studenten, (Medien) Wissenschaftler, Journalisten und Blogger, Manager und Programmierer. Die Teilnahme war dank Sponsoren für alle Anwesenden kostenlos. Es gab kein festes Programm, keine Keynotes wie auf einer Konferenz. Alle Teilnehmer zusammen machen das BarCamp zu dem, was es ist.

 

Die Spannung steigt: die motivierten Teilnehmer waren sehr aktiv bei den Sessions (Foto: F. Teuchert)

Die Spannung steigt: Die motivierten Teilnehmer waren sehr aktiv bei den Sessions (Foto: F. Teuchert)

Wie geht es nach der obligatorischen Vorstellungsrunde weiter?

Im Anschluss an die Vorstellungsrunde durfte jeder Teilnehmer sein relevantes Thema vor den anderen Beteiligten vorschlagen. Die Vorträge werden in die Agenda aufgenommen, wenn genug Teilnehmer daran interessiert sind. Per Handzeichen entscheiden die Teilnehmer welche Themen es tatsächlich auf den Sessionplan schaffen. Da immer verschiedene Sessions zur gleichen Zeit gehalten werden, kommt keine Langweile auf.

Im Gegenteil: Durch die große Themenvielfalt hat man bei BarCamps eher das Problem nicht an zwei oder drei Orten gleichzeitig sein zu können. Wer dennoch ein bestimmtes Thema vermisst, kann sich und seine Kreativität einfach selbst miteinbringen und die Agenda auf diese Weise aktiv mitgestalten.

Was unterscheidet ein BarCamp von anderen Medien-Veranstaltungen?

Im Gegensatz zu den bekannten Medien-Veranstaltungen, wie z.B. der Social Media Week oder der re:publica Konferenz in Berlin, gibt es bei einem offen BarCamp grundsätzlich keine Unterscheidung zwischen den Referenten und Zuhörern. Im Mittelpunkt steht hier die Kommunikation auf Augenhöhe. Jeder Teilnehmer hat somit die Möglichkeit sich selbst und seine Expertise in das BarCamp einzubringen und kann gleichzeitig von den Anderen lernen. Es ist sprichwörtlich ein Geben und Nehmen von Wissen und Erfahrungen.

 

Alle Teilnehmer gestalten gemeinsam das BarCamp in Erfurt (Foto: barcamp-erfurt.de)

Alle Teilnehmer gestalten gemeinsam das BarCamp in Erfurt (Foto: barcamp-erfurt.de)

 

Dieses interaktive Verfahren stellt sicher, dass den Teilnehmern genau die Themen angeboten werden, die für sie am interessantesten sind. Denn alle Teilnehmer gestalten gemeinsam. Der daraus resultierende Sessionplan ist dann für alle Teilnehmer über die verschiedensten Medien (z.B. via Facebook-Fanpage, Twitter-Wall oder als PDF) online einsehbar.

 

 

 

BarCamps bestehen aus Interaktivität, Multimedialität und Viralität

Ein weiteres wichtiges Kennzeichen von BarCamps, neben der Interaktivität und Multimedialität ist übrigens ihre Viralität. Viral bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Informationen in kürzester Zeit von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Sprich für jede Veranstaltung gibt es einen bestimmten Twitter-Hashtag, der vorher festgelegt wird. Für das Barcamp in Erfurt war es der Hashtag #bcef15. So können auf den verschiedensten Medien – wie beispielsweise Twitter – alles zu einer bestimmten Veranstaltung (BarCamp Erfurt), zu einem bestimmten Thema oder auch parallel laufende Sessions mitverfolgt werden.

Wie kann man sich eine Session vorstellen?

Eine Session ist nicht automatisch ein Frontalvortrag, sondern kann manchmal auch nur eine Diskussion zu einem bestimmten Thema sein oder eine Art Inspiration. Die Sessions sind grundsätzlich frei gestaltet und Rückfragen oder Diskussionen zu bestimmten Themen sind nicht nur wünschenswert, sondern oftmals die Grundlage der Sessions.

Der Sessionplan für Samstag den 24. Oktober sah beispielsweise so aus:

  • Videokonferenz mit dem Fernsehmoderator und zugleich Schirmherrn des Erfurter BarCamps Ralph Caspers („Sendung mit der Maus“ oder „Wissen macht Ah“)
  • „Bin ich wirklich (Medien) süchtig?“
  • Schülerzeitungsarbeit in Thüringen wurde von der Jugendpresse Thüringen gehalten
  • „Lernen mit Minecraft“ war eine Session von Sebastian
  • „3D-Scanning am Beispiel von Kompressionsstrümpfen“
  • HTML5-Spiele mit Flash DIE & Create.JS von Carsten
  • „360° Video-Konzeption, Design und Technik“
  • „Let’s talk about Netflix“
  • „Bedeutung des Mediennutzungsvertrags“ von Martin
  • Möglichkeiten zu einem papierlosen Büro von Hannes
Vielseitig: So sah der Sessionplan für das BarCamp in Erfurt am Samstag 24.10.2015 aus (Foto: F. Teuchert)

Vielseitig und abwechslungsreich: So sah der Sessionplan für das BarCamp in Erfurt am Samstag 24.10.2015 aus (Foto: F. Teuchert)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abschließend kann ich sagen: Ein BarCamp kann sehr inspirierend sein, man bekommt viele neue Ideen und noch mehr Freude an der eigenen Arbeit – vor allem im Medienbereich.

 

Mehr Infos zum BarCamp Erfurt findet ihr auch auf:


Vorschau: Nächste Woche wird Vanessa Betz in der Film-Kunst-Kultur-Rubrik über ein spannendes Thema berichten.

Tierversessene Achtjährige, oder der Junge, der den Hirschkäfer aß

Viele achtjährige Kinder sind ein wenig versessen. Sie haben einen großartigen Blick für Details und Kleinigkeiten, die sich in der Welt abspielen. So, als sähen sie die kleine Welt, die sie für sich auserkoren haben, durch ein Vergrößerungsglas. Als ich ungefähr neun Jahre alt war, gab es im Italien-Urlaub einen Achtjährigen, den ich nie vergessen werde. Ein kleiner Junge mit kurzen, dicken Beinen und lockeren Kinderpflastern auf den Knien, auf deren Klebeflächen sich immer eine Schicht Dreck sammelte, so dass sie nicht mehr richtig klebten. Er streifte stundenlang durch die Gegend und suchte nach Insekten. Die Insekten sperrte er dann in Gläser mit kleinen Löchern in den Deckeln und ließ sie hinterher wieder frei. Wenn man ihn fragte, warum er das mache, sagte er, er mache es, weil es gemacht werden müsse. Wir Kinder im Urlaubsparadies gaben uns damit zufrieden und fragten nicht weiter nach. Nur die Erwachsenen wollten es einfach nicht verstehen.

Er guckte den ganzen Tag angestrengt wie ein Feldarbeiter auf das, was vor ihm lag. Es war ein harter Job, den er da machte, daran bestand kein Zweifel. Es war kein Zuckerschlecken, täglich sieben oder acht Stunden bei praller Sonne durch die sonnenverdorrten toskanischen Wiesen zu streifen, jedes Stück Erde nach sechs- und achtbeinigen Krabbeltieren zu durchkämmen, unter dauernder, kräftezehrender Rechtfertigung, warum man das tat. Die dicken Beine holten sich Striemen, wenn er durch Dornen lief und schwollen nach ein paar Tagen rot an, weil er gegen irgendetwas im Gras allergisch war, oder weil die Zikaden ihn stachen. Doch er sagte nichts darüber.

Immer wenn er ein besonderes Insekt fand, also etwas anderes als eine Fliege oder eine Schnake, wovon es dort hunderte gab, stieß er einen spitzen, hohen Schrei aus, wie er bei Jungen üblich ist, die noch nicht im Stimmbruch sind. Die Eltern baten ihn jeden Tag, doch ins Wasser zu gehen, sich abzukühlen, weil seine Haut so rot, so verbrannt, so zerstochen war. Doch er wollte nicht. Ich sah seinen Vater mit ihm ringen, er wollte ihm das T-Shirt vom Leib reißen, schafften es nicht und warf den Jungen dann bekleidet in den Pool. Stoisch und verletzt wie ein kleiner Hund paddelte er aus dem Wasser heraus, ignorierte den Vater und ging langsam, langsam wieder zu seinen Insekten. Niemand würde ihn überwältigen. Nicht diesmal.

Einmal brachte ihm sein kleiner Bruder, der traurig war, dass der große Bruder in diesem Urlaub scheinbar nicht mit ihm spielen wollte, eine tote Heuschrecke. Er legte sie ihm vor die Füße, wie ein Hund seinem Herrchen ein Gastgeschenk bringt. Der große Bruder nahm das getrocknete Tier, warf es auf den Boden, trampelte darauf herum und schrie:

„Die ist tot. Du bist so dumm, das gibt’s gar nicht. Die ist tot. Du hast sie umgebracht.“ Er hieb so lang mit beiden Armen auf den Kleinen ein, bis die Eltern kamen und die beiden auseinanderrissen.

Ich bewunderte den achtjährigen Jungen heimlich, weil er stark war und verrückt. Als ich acht, neun Jahre alt war, wäre ich ebenfalls für Tiere gestorben. Ich war Vegetarierin und ich war überzeugt, dass niemand außer den anderen Kindern, die auch für Tiere schwärmten, mich jemals verstehen würden. Meine Eltern glaubten mir nicht, dass ich Tierpflegerin werden würde. Sie mussten nicht sagen, dass sie mir nicht glaubten, damit ich es wusste. Sie glaubten wahrscheinlich: Es fließt noch so viel Wasser den Fluss hinab, oder so etwas. Sie dachten: Das wächst sich raus, ich wäre zu gut in der Schule, zu wenig robust, zu wenig praktisch veranlagt? Sie hatten mit allem Recht. Aber wir dachten damals jenseits solcher Kategorien. Menschen, so dachten wir, hätten eh keine Ahnung. Wir wussten so viel aus Filmen über all die Robben, Hunde, Wale, die von Kindern gerettet werden mussten. Wir wollten alle Tiere dieser Welt befreien, aber nie würden wir einen Erwachsenen retten.

Wir dachten damals so, wie es im Erwachsenenalter nur militante, seltsame, übelriechende Menschen tun, die mit der Zeit ein bisschen arm und ein bisschen lächerlich geworden sind. Brigitte Bardot, glaube ich.

Ich erinnere mich an den vorvorletzten Urlaubstag, als uns die Zeit schon davonlief. Ich sprach den kleinen Jungen, der alles über Tiere wusste, an, mit allem Mut, den ich in meinem kleinen Körper finden konnte. Bis zum Abend erklärte er mir alles, was er über Tiere und besonders Insekten wusste. Und er wusste viel. Ich habe das meiste vergessen, doch niemals werde ich das Bild vergessen, wie der Junge da saß und einen dreibeinigen Hirschkäfer aß. Er ließ ihn einfach in seinen Mund krabbeln und verschluckte ihn. „Bevor‘s jemand anderes tut“ sagte er mit Tränen in den Augen. Wir diskutierten noch darüber, ob wir uns noch küssen mussten und kamen dann zu dem Schluss, dass dazu keine Notwendigkeit bestand. Stattdessen bauten wir eine Insektenrettungsstation, die daraus bestand, dass wir zwei Tage lang, rund um die Uhr, mit nur der notwendigsten Nahrungszufuhr Insekten aus dem Pool fischten. Irgendwann wurde der Junge krank, er bekam Fieber, doch er wollte sich nicht ausruhen. Als der Vater ihn dazu zwingen wollte, biss der Junge ihm in den Finger und ließ sehr lange nicht mehr los.

Am nächsten Morgen ging der Vater, eine Hand in der Schlinge, zu dem Typ, dem die Anlage gehörte und bat ihn, eine Plane über den Pool zu legen. Der kleine Junge blieb im Bett liegen und fieberte bis sie abfuhren. Manchmal wüsste ich gerne, was aus ihm geworden ist. Bestimmt kein Tierpfleger.

Vorschau: In der nächsten Wochen erwartet euch ein neuer toller Text.

Steile Feten in Zehentangas – Die ewige Peinlichkeit der Jugendwörter

Knorke: ein Paar Zehentangas auf grüner Wiese (Foto: Winterhager)

Knorke: ein Paar Zehentangas auf grüner Wiese (Foto: Winterhager)

Die Universität ist ein Ort des unnützen Wissens, an dem man sich durchaus über einen längeren Zeitraum mit der kulturanthropologischen Sicht auf ostasiatischen Körperschmuck oder der Anatomie des Fuchsbandwurms beschäftigen kann. So wunderte ich mich nicht, als ich dort ein Seminar zum Thema „Jugendwörter in westlichen Kulturen in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts“ präsentiert bekam. Genaugenommen ging es bei den westlichen Kulturen ausschließlich um die deutsche und die zu untersuchenden Wörter waren ‚geil‘, ‚cool‘ und deren verschrobene Geschwister ‚prima‘, ‚klasse‘, ‚dufte‘ und ‚knorke‘.

Drei Sitzungen lang ergoss sich der Dozent ‚einführend‘ über die starken Jugendwörter der Siebzigerjahre und die revolutionäre Kraft, die Begriffe wie ‚dufte‘, ‚knorke‘ und ‚steile Fete‘ damals auf ihn ausübten.Leider entzieht sich mir die versteckte Schönheit und krasse Wildheit dieser Begriffe.Ich sehe, wenn ich das Wort ‚dufte‘ höre, bloß schlaksige, pickelige Jugendliche mit Prinz Eisenherz-Frisuren vor mir, die den ganzen Tag auf kleinen Fahrrädern im Kreis herumfahren und in einem Fernsehspot zur Suchtprävention Sätze wie: „Dufte wird die Fete, auch ohne Alkohol“ in die Kamera sagen. Dazu recken sie wahrscheinlich noch die Daumen in die Lüfte. Beim Begriff ‚knorke‘ denke ich übrigens an Speisestärke aus dicken Rüben und Schwarzwurzelextrakt.

Ich besitze ein kleines Büchlein von einem Wörterbuchverlag, welches zur Jugendsprache herausgegeben wurde. Mein Vater schenkte es mir einmal, als Beilage zu meinem Geburtstagsgeschenk. Es war sozusagen das welke Salatblatt, das neben dem wohlschmeckenden Abendessen herumgammelte. Daher schaute ich auch nur einmal hinein: Neben gebräuchlichen Wörtern wie ‚Assitoaster‘ (Solarium) sprang mir auch das Wort ‚Zehentanga‘ entgegen. Zehentangas sind Flipflops. Bei Flipflops wird ja bekanntlich ein String zwischen zwei Zehen geschoben – und schon kann man beginnen los zu wackeln. Zehenstringtangas also.

Wisst ihr, wo solche Wörter wie Zehentanga tatsächlich gelegentlich benutzt werden? Im KiKa, dem immer korrekten Pädagogenkanal der Öffentlich-Rechtlichen! Einmal sah ich in einem besonders bemerkenswert öffentlich-rechtlichen Film eine Szene, in der ein Junge, der 16 und cool sein sollte, zu einem anderen sagte: „Ich geh gleich zu MacDoof und schieb mir ‘nen Burger in die Futterluke.“ Lass euch diesen Satz in euren Ohren nachhallen und stellt euch den Drehbuchschreiber dieser Dialogzeile vor! Ich habe sehr gelacht. Doch glauben wir ihm mal: Alle Jugendlichen in ganz Deutschland sagen „Zehentanga“, wenn sie im Sommer mit Flipflops durch die Gegend flippen und floppen.

Na fein: Ich habe mal eine Probe aufs Exempel gemacht und zu einem Mädchen in einer betreuten Wohngruppe, in der ich arbeitete, gesagt: „Du könntest dir von deinem Kleidergeld auch mal ein Paar Zehentangas kaufen.“ Sie wusste tatsächlich nicht, was das ist. Ich rief erschrocken aus: „Aber das sind doch Flipflops, das musst du dir ab jetzt merken und zukünftig Zehentangas sagen, wenn du Flipflops meinst. Oberstes Jugendsprachgebot“. Sie stutzte, kam dann so nah an mein Gesicht heran, dass ich ihren schwarzen Kajal sehen konnte und sagte in bedrohlichem Ton: „Ganz bestimmt sage ich das nicht, Sie Bitch!“

„Sie Bitch“ ist im Übrigen eine sehr amüsante sprachliche Konstruktion und wäre ein großartiger Einstieg für ein Uni-Seminar zur Jugendsprache 2.0, in dem es auch gerne etwas derber und ehrlicher zugehen kann. Die Jugendsprache gehört schließlich immernoch den Jugendlichen und nicht den 45-jährigen Sozialpädagogen in der Midlifecrisis!

Vorschau: Nächste Woche schreibt Anna über die Kunst des Liebens.

Mit VoluNation nach Südafrika

Die Abenteuerin: Nevina von Deplano (Foto:Nevina von Deplano/VoluNation)

Die Abenteuerin: Nevina von Deplano (Foto:Nevina von Deplano/VoluNation)

Schon Anfang des Jahres haben wir von der Freiwilligenorganisation „VoluNation“ berichtet: Eine Organisation, die jungen Menschen die Möglichkeit gibt, im Ausland an diversen sozialen Projekten teilzunehmen und somit wertvolle Erfahrungen außerhalb von Deutschland sammeln zu können.
Heute berichten wir von der 23-jährigen Nevina aus Heidelberg und ihrem unvergesslichen Erlebnis in Südafrika. Die Heidelbergerin wollte raus in die Welt, weg von der Uni und so landete sie kurze Zeit nach ihrer Bewerbung für ein Surfprojekt in Kapstadt.
Nevina gab nachmittags Kindern Surfunterricht, am Morgen unterrichtete sie zudem Mathematik an Lerncomputern in einem Township in Kapstadt. Doch schon am frühen Morgen hieß es: Ab in die Fluten! Noch im Morgengrauen fand sich Nevina mit anderen Freiwilligen in den Meeresfluten des Atlantiks wieder, bei unglaublichen 12 Grad Wassertemperatur!
Nach einer jede Menge Spaß und Action ging es vom Strand direkt weiter zur

Ein Herz und eine Seele: Nevina und ein einheimisches Baby (Foto: Nevina von Deplano/VoluNation)

Ein Herz und eine Seele: Nevina und ein einheimisches Baby (Foto: Nevina von Deplano/VoluNation)

Grundschule, wo schon die lernbegierigen ungeduldigen Schüler warteten. „Wenn ich an die Lebensfreude der Kids denke, schießen mir noch Tränen der Rührung ins Auge“, berichtet Nevina.
Der Unterricht und die gesamte Kommunikation fanden in der Weltsprache Englisch statt. Keiner durfte sich in seiner Sprache mit anderen Landsleuten unterhalten, ansonsten musste man 50 Cent zahlen.
Nevina erklärt: „Es wird von den Schülern alles aufgesaugt, was sich an Wissen nur so bekommen lässt. Wir wurden von allen hier sehr wertgeschätzt, sogar von den Eltern und den einheimischen Lehrern.“
Doch nicht nur die Arbeit mit den Kindern brachten Nevina unglaublich viel Erfahrung. Auch und vor allem das Leben in Südafrika zeigten nicht nur die schönen Seiten des Landes. „In meiner Arbeit als Freiwillige habe ich viele Missstände gesehen. Mädchen, die noch nicht mal die Volljährigkeit erreicht haben, werden von Männern in schicken Autos zur Schule gefahren. In keinem anderen Land ist die Kluft zwischen Arm und Reich so deutlich sichtbar wie hier. Kinder verdienen sich mit Prostitution und Drogen einen Teil von dem Luxus, der ihnen täglich vor Augen geführt wird.“ Sie ergänzt: „Als Freiwillige bist du nicht nur ganz nah, sondern mittendrin in dieser schrecklich schönen Welt.“
Nevina selbst sagt, dass sie während ihres Auslandsaufenthalts über sich selbst hinausgewachsen ist. Das Freiwilligenprojekt habe ihr eine neue Welt eröffnet.
Diese Faszination für das Land hat sie dazu gebracht schon kurze Zeit später noch einmal den Boden Südafrikas zu betreten: „Diesmal für acht Monate und das nächste Mal vielleicht für immer.“

Vorschau: Beim nächsten Mal entführen wir euch nochmals nach Island, denn da heißt es: Island Teil 2!

„MS ist keine Strafe, sondern eine Aufgabe“

Etwas gehetzt komme ich am Speyerer Postplatz an. Ich bin wie immer zu spät dran. Und natürlich wartet sie schon auf mich. Sie ist ein bisschen blass. Ihr Körper wirkt zierlich, fast schon zerbrechlich. Doch ansonsten deutet nichts darauf hin, dass sie noch vor wenigen Tagen im Krankenhaus lag.

Blick nach vorne: Svenja sieht ihre Krankheit MS als Aufgabe, nicht als Strafe (Foto: privat)

Blick nach vorn: Svenja sieht ihre Krankheit MS als Aufgabe, nicht als Strafe (Foto: privat)

Svenja Mohr ist 22 und hat Multiple Sklerose, eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, die je nach Patient ganz unterschiedliche Ausprägungen haben kann.
Als Svenja im Dezember 2012 eines Morgens aufsteht und schlaftrunken gegen die Zimmertür läuft, denkt sie sich dabei nicht viel. „Klingt lustig und war es zuerst auch“, erzählt mir die junge Frau, als wir die Maximilianstraße entlang gehen. Sie muss sogar jetzt noch grinsen, wenn sie daran zurückdenkt. Dabei glitzert ihre Zahnspange frech in der Mittagssonne.

Dann erzählt sie weiter: „Beim Zähneputzen habe ich dann gemerkt, dass meine rechte Gesichtshälfte taub ist und beim Frühstück war ich dann sicher: Da stimmt etwas nicht!“
Svenja kommt ins Krankenhaus. Dort werden jede Menge neurologische Tests gemacht: bei geschlossenen Augen mit dem Finger auf die Nase tippen, die Zehen aufstellen und beugen, gerade auf einer Linie laufen. Svenja nennt sie Affentests, weil sie sich bis heute komisch dabei vorkommt, wenn sie sie bei ihren regelmäßigen medizinischen Kontrollen machen muss. Blutuntersuchung, Hirndruckmessung und die Messung der Hirnströme mithilfe von elektrischen Impulsen über Akkupunkturnadeln in Kopf und Schultern folgen. Das MRT bringt schließlich ein Ergebnis: In Svenjas Gehirn sind graue Schatten zu sehen.

„Ich hatte solche Angst, es wäre Krebs“, erzählt mir die 22-Jährige, „es war eine richtige Erleichterung, als mir gesagt wurde, dass es kein Krebs ist.“ Nachdem auch eine Hirnhautentzündung ausgeschlossen werden kann, fällt der Verdacht der Ärzte auf Multiple Sklerose, kurz MS. Doch die Diagnose kann erst bestätigt werden, wenn es einen zweiten Krankheitsschub gibt.

Der lässt nicht lange auf sich warten: „Ich saß bei meinem Freund im Auto – das war im Januar 2013 – und plötzlich fing meine Hand an zu zittern. So ging das dann zwei oder drei Stunden.“ Nach einem weiteren MRT stellt der Radiologe die Diagnose: MS.

Zuversichtlich: Svenja hofft auf eine intravenöse Therapie mit einem neuen, vielversprechenden Medikament (Foto: privat)

Zuversichtlich: Svenja hofft auf eine intravenöse Therapie mit einem neuen, vielversprechenden Medikament (Foto: privat)

Ruhig sieht mich Svenja an. Wir haben uns inzwischen in ein Café gesetzt. Ich fühle mich etwas unsicher. Fast glaube ich, mich hat ihre Diagnose mehr getroffen als sie im ersten Moment. Zu meiner Erleichterung muss ich gar nicht nachhaken – sie erzählt von sich aus, ganz frei und locker: „Am Anfang habe ich ziemlich cool reagiert. Erst nach einem sehr starken Schub im April 2013 wurde mir meine Krankheit so richtig bewusst. Mein Körper wurde völlig taub. Innerhalb von zwei Tagen konnte ich meine Beine nicht mehr bewegen. Ich versuchte auf Krücken zu gehen, aber dann hatte ich auch in den Armen keine Kraft mehr.“ Zwei Tage habe sie durchgeheult. Und auch ihre Familie sei völlig durch den Wind gewesen.

Zum aktuellen Zeitpunkt hat Svenja zwölf Entzündungsherde im Gehirn und fünf weitere in der Wirbelsäule. Bei dem Gedanken daran läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter. Wie muss sich dann erst Svenja fühlen?
„Manchmal vergesse ich total viel“, berichtet sie mir von den Symptomen ihrer Krankheit, „ich darf mich weder körperlicher Anstrengung noch Stress aussetzen. Zeitweise habe ich schlimme Schlafstörungen. Tatsächlich komme ich mir manchmal wie eine 80-Jährige vor.“ Zur Demonstration hebt sie ihre linke Hand – „ich denke nicht, dass das Zittern nochmal weggeht.“

Anfang September beginnt die Speyererin eine Ausbildung zur Erzieherin. Wenn sie darüber spricht, strahlen ihre Augen. „Kinder sind sehr tolerant und verständnisvoll“, sagt sie, „ich erkläre ihnen einfach, wenn ich etwas nicht richtig kann und sie nehmen das so auf. Gleichaltrige und Ältere reagieren dagegen teilweise überfürsorglich.“

Bald beginnt Svenja eine intravenöse Therapie mit einem neuen Medikament, das sehr vielversprechend ist. Viele MS-Patienten fühlen sich damit wie neu geboren, erzählt sie mir. In ihrer Stimme liegt Hoffnung.
Ihr erklärtes Ziel ist es, nicht im Rollstuhl zu landen. Stattdessen möchte sie ihre Ausbildung erfolgreich abschließen und so lange wie nur möglich in ihrem Beruf tätig sein. Außerdem wünscht sie sich ein eigenes Auto, um unabhängig zu sein. Und später einmal hätte sie gerne eine eigenes Haus und Kinder.

Die Wünsche und Sehnsüchte einer ganz normalen jungen Frau, denke ich bei mir. Und doch ist Svenja so viel mehr: Nach dem starken Schub im April 2013 hat sie innerhalb von einer Woche wieder gehen gelernt; ihr Lebensmotto „Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest“ ist während unseres Gesprächs so spürbar, als schwebe es in leuchtenden Lettern zwischen uns.

Wirkt auf den ersten Blick blass und zerbrechlich: Doch Svenja blickt optimistisch in ihre Zukunft (Foto: privat)

Wirkt auf den ersten Blick blass und zerbrechlich: Doch Svenja blickt optimistisch in ihre Zukunft (Foto: privat)

„Ich sehe meine Krankheit nicht als Strafe, sondern als Aufgabe“, erklärt sie mir. Sie möchte über ihre Erkrankung sprechen und anderen in derselben Situation helfen. Deshalb hat sie eine Gruppe auf Facebook gegründet: MS-JUGEND Speyer & Umgebung. „Als junger Mensch tappt man mit MS völlig im Dunkeln. Ich will nicht, dass das irgendjemand alleine durchstehen muss“, so Svenja.

Als ich nach Hause fahre, ist mein Kopf randvoll mit Gedanken. Es ist erstaunlich, wie optimistisch Svenja in ihre Zukunft sieht, wie sie all das, was sie mit ihren 22 Jahren schon mitgemacht hat, verkraftet, all das Negative in Positives umwandelt und dabei nicht zuletzt an andere denkt.

Wenn ich ehrlich bin, hat mir vieles von dem, was sie von ihrer Krankheit berichtet hat, Angst eingejagt. Und trotzdem ist sich Svenja sicher: „Krebs wäre um einiges schlimmer gewesen.“

Info:
Jugendliche und junge Erwachsene, die selbst an MS erkrankt sind oder erkrankte Freunde oder Verwandte haben, können sich der Gruppe MS-JUGEND Speyer & Umgebung gerne anschließen. In der Gruppe könnt ihr euch austauschen und gemeinsame Aktivitäten planen.

Vorschau: Svenjas größte Angst war es, an Krebs erkrankt zu sein. Am Dienstag, 23. September berichten wir im Panorama über eine Frau, deren Schwester an Krebs gestorben ist.

Ballermann am Balkan – Der Party-Hotspot am Goldstrand

Schild "Partystreet"

Animiert die jugendlichen Besucher: Schild der „Partystreet“.(Foto: Hohmann)

Der Slatni Pjasazi (zu Deutsch: Goldene Sande) am Schwarzen Meer hat sich innerhalb weniger Jahre zum Mekka des Partyvolkes entwickelt und stellt den Ballermann auf Mallorca zunehmend in den Schatten.

Nicht nur günstige Preise für Getränke, Essen oder Wassersport in der Landeswährung Lew macht Bulgarien attraktiv, auch der 3,5km lange und bis zu 100m breite Sandstrand offeriert beste Voraussetzungen, um sich dort an den unzähligen Strandbars das ein oder andere Gläschen zu genehmigen, Jet-Ski zu fahren oder – bei durchschnittlichen 27 Grad im Sommer – in der Sonne zu brutzeln. Die Hauptsaison ist zwischen Mitte Juni und Ende August, jedoch  trifft man schon ab Mitte Mai auf die ersten Abiturienten, die ihren bestanden Abschluss gebührend feiern.

Ganz nach dem Motto „Malle ade, Bulle olé“ kommen feierwütige Jugendliche aus ganz Europa an den Goldstrand, der knapp 20km nördlich der drittgrößten Stadt Bulgariens Varna liegt. Man findet hier überwiegend deutschsprachiges Publikum, jedoch sind auch viele Schweden, Engländer, Russen und andere Nationalitäten anzutreffen, die alle ein gemeinsames Ziel haben: Die schönste Zeit des Jahres zu einer unvergesslichen zu machen.

Viele Supermärkte haben durchgehend geöffnet, nicht anders sieht es bei diversen Imbissbuden aus. Die Strandbars locken ebenfalls bis in die frühen Morgenstunden mit verschiedenen After-Clubbing-Angeboten, sodass man nach einer durchzechten Nacht den Sonnenaufgang am Strand miterleben kann.

Ein Beispiel dafür, wie potentielle Gäste angelockt werden.

Lockt potentielle Besucher an: Ein typisches Werbeschild vor einer Bar. (Foto: Hohmann)

Lockangebote wie „Pay 1, get 3“ oder „Happy Hour von 00h-24h“ finden sich in fast jeder Bar und Discothek, sodass man sich nur schwer entscheiden kann, wohin es gehen soll.

Die meisten Clubs und Bars befinden sich direkt an der Strandpromenade, überwiegend auch mit Außenbereich, wodurch man den direkten Blick auf den Strand und das Meer genießen kann.

Partystadl

Direkt am Goldstrand: Die Außenansicht des Partystadls. (Foto:Hohmann)

Das Partystadl, welches vom Schlagerstar Markus Becker höchstpersönlich eröffnet wurde, ist DIE Disco für Deutsche, Österreicher und Schweizer. Schlager, aber auch besten House und R’n’B gibt es dort auf die Ohren. In der Hauptsaison tritt dort einmal wöchentlich Markus Becker auf, aber auch andere Künstler präsentieren euch dort ihre Hits.

Der PR Club liegt ebenfalls direkt an der Promenade und bietet modernes Interieur mit überwiegend House- und R’n’B-Tunes. Das Publikum ist gemischt, bequeme Couches laden zum Verweilen ein.

Der Megapark Dolphin ist eine Open-Air-Bar, die rund um die Uhr geöffnet hat. Ein Vorteil ist der große Pool, in dem man sich jederzeit erfrischen kann. Hier findet unter anderem zwei Mal wöchentlich eine Schaumparty statt, die mehr als lohnenswert ist. Außerdem dient der Megapark als Startpunkt diverser Kneipentouren.

Parallel zur Partystreet direkt an der Strandpromenade (etwa 300m weiter oberhalb) liegt eine weitere Straße mit verschiedenen Restaurants, Kneipen und Discotheken.

Die Muppet Bar ist relativ klein, hat aber ihren ganz eigenen Charme. Hier wird auf vielen verschiedenen Sprachen Karaoke gesungen, was die Stimmung schnell auflockert und so die Location perfekt für einen Besuch macht, bevor es weiter in eine Disco geht. Zudem wird in dieser Bar mit den niedrigsten Getränkepreisen in der gesamten Umgebung geworben. Ein Besuch lohnt sich also!

Ein kleiner Überblick über den Goldstrand.

Von Oben: Ein kleiner Überblick über den Goldstrand. (Foto:Hohmann)

Das Arrogance bietet vier verschiedene Bereiche, in denen jeweils unterschiedliche Musikrichtungen gespielt werden. Das verspricht Abwechslung und ist somit einzigartig am Goldstrand.

Das war nur eine kleine Auswahl der Unmengen von Club und Bars am Party-Hotspot Goldstrand. Wer nun also Lust auf Sommer, Sonne, Strand und Party hat, für den ist hier definitiv der richtige Ort, um in den Sommermonaten vom Alltagsstress zuhause abzuschalten und den Balkan zu erkunden.

Vorschau: Am Dienstag, 14. Januar entführen wir euch in das kleine Städtchen Pavia im Norden Italiens.

Bin ich langweilig? Oder: Als plötzlich alle anfingen, ihr Leben zu feiern

Neulich telefonierte ich mit einer alten Freundin. Wie aus dem Nichts eröffnete sie mir, sie plane eine Auslandsreise – mal eben nach Australien. Drei Monate work and travel, ganz allein auf große Rundreise. Schön, schön, dachte ich mir. Noch so eine.

Mir begegnet das „Phänomen Ausland“, wie ich es nennen möchte, in letzter Zeit auffallend oft. Seien es nun die frischgebackenen Abiturienten, die beschließen, das mütterliche Nest zu verlassen, um in möglichst kurzer Zeit möglichst viel von der Welt zu sehen oder die Studenten, welche es ebenfalls nur allzu oft in die Ferne zieht. Es wundert mich einerseits kaum, dass mancherlei Jungspund die Gunst der Stunde nutzt, da sich, wie viele sagen, im Leben keine bessere Gelegenheit mehr dazu auftun würde. Nie werden wir freier, unabhängiger und risikofreudiger sein. Zumindest gilt das für die anderen. Meine Risikobereitschaft ist seit dem letzten Fahrradunfall, von dem sich meine optisch mächtig ramponierten Knie bis heute nicht erholen wollen, bereits ausgereizt. Ich wähne mich schon in völliger Freiheit, wenn ich mir abends vor dem Schlafengehen ein belegtes Brot gönne, obwohl ich doch eigentlich auf Kohlenhydrat-Diät bin. Da ich offensichtlich die einzige zu sein scheine, die es nicht beim nächstbesten Erasmus-Aushang neben der Bibliothek nach Südspanien zieht, sollte ich mir wohl unweigerlich die Frage stellen: Bin ich langweilig?

Über alle Berge: Jetzt nichts wie weg. (Foto:Föhr)

Ist ja nicht so, dass wir früher nicht alle gemeinsam unser Leben feiern konnten. Damals als Schulkinder waren wir alle (bis auf eine Handvoll Ausreißer, die sich über die Landesgrenzen, wenn nicht über den großen Teich, gewagt haben) genügsam und geduldig. Wir waren bereits froh, als wir länger als bis zwölf Uhr in der Nacht ausgehen durften und unsere Auslandsaufenthalte beschränkten sich auf zwei Wochen Ferien mit den Eltern am Bodensee oder am Mittelmeer. Hielt man allerdings erst einmal die langersehnten Hochschulzeugnisse in Händen, trugen einige bereits die Wanderstiefel unter dem Ballkleid. Schnurtracks nach draußen: In Urwäldern mit Affen turnen oder in Südafrika ein halbes Jahr lang Durchfall. Hauptsache kein 08-15-Lebenslauf, kein nahtloser Übergang vom Gymnasium zur Uni. Mir hat die Familie noch wochenlang applaudiert, nachdem ich meine Umzugskiste gepackt und 250km weit weg in eine Studenten-WG gezogen bin. Glücklicherweise sind meine Kommilitonen ähnlich ängstlich veranlagt. Da gelte ich als Ex-Nesthockerin schon beinahe als Volksheldin.

Doch nach und nach sollte ich die Fraktion Auslandssemester kennenlernen. Die einen wollen plötzlich im kommenden Semester nach Indonesien aufbrechen, die anderen liegen mit ihren wilden  England-Erfahrungen (ein ganzes Jahr voller Alkoholexzesse und nur zwei belegten Kursen im Hauptfach) in den Ohren. Ich halte dagegen mit Geschichten aus dem Sommerurlaub in der Hotelanlage mit meinem Freund. Und natürlich mit brav eingehaltener Regelstudienzeit plus dem ein oder anderen abendlichen Amusement im Club um die Ecke. Kein Grund, mich zu schämen, wie ich finde. Wenn alles glatt läuft, habe ich schon bald einen Beruf, bei dem ich mehr auf Achse sein werde als ein Skateboard. Vielleicht entwickele ich dann ja auch so etwas wie chronisches Fernweh. Bis dahin lausche ich weiter gespannt den Anekdoten meiner reiselustigen Freunde und statte eventuell dem nächsten Erasmus-Kneipenabend einen Besuch ab.

Und meine Freundin mit Down Under-Plänen? Die zieht bald mit ihrem Freund zusammen und fängt eine Ausbildung an. Nach Australien kann sie später schließlich immer noch, findet sie.

Vorschau: In der nächsten Woche erklärt Kolumnist Sascha, was es mit der englischen Sprache hier bei uns auf sich hat und was sie für Schwierigkeiten mit sich bringt.

Sex sells – doch die Aufklärung bleibt auf der Strecke

Können heutzutage niemanden mehr schocken: Halbnackte Frauenkörper (Foto: Beutler)

„Die Jugend von heute…“ – der Beginn eines Satzes, der bei den meisten Minderjährigen zum genervten Augenverdrehen führt und für die ältere Generation oftmals den Startschuss zu einer wilden Diskussion liefert. Aber wie ist die Jugend von heute eigentlich aus Sicht der Erwachsenen, also derer, die es wissen müssten?

Die Jugend von heute ist respektlos dem Alter gegenüber und die Jugend von heute ist politikverdrossen – das sind Kommentare, die man häufig hört und die, wenn hier auch keine Generalisierung stattfinden kann und darf, zumindest teilweise zutreffen mögen. Doch wie sieht es mit der sexuellen Aufklärung Jugendlicher aus? Ist die Jugend von heute unaufgeklärt, optimal aufgeklärt oder vielleicht sogar überaufgeklärt?

Im Gegensatz zu früher sind die Jugendlichen dank der immer weniger stattfindenden Tabuisierung von Sexualität vor allem durch die Medien sehr gut aufgeklärt – so lautet die These. Dem widersprechen Studienergebnisse wie die folgenden: Mehr als jeder vierte deutsche Teenager glaubt, dass er sich bei der Benutzung einer Toilette über eine verunreinigte Klobrille mit sexuell übertragbaren Geschlechtskrankheiten infizieren kann. Zudem schätzen fast die Hälfte aller deutschen Jugendlichen, nämlich 41,1 Prozent, die Ansteckungsgefahr von HIV, Tripper, Chlamydien und Co gering oder gleich Null ein. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kam die Jugendstudie „The Face of Global Sex 2010“, die vom Kondom-Hersteller „Durex“ in Auftrag gegeben wurde.

Auch beim Thema Verhütung haben die Jugendlichen laut einer repräsentativen Studie der Jugendzeitschrift „Bravo“ noch Nachholbedarf: 63 Prozent und damit fast zwei Drittel der befragten elf- bis 17-Jährigen räumten ein, dass sie nicht genug über Verhütung Bescheid wüssten. So hält jeder Vierte die für Notfälle gedachte „Pille danach“ für ein gängiges Verhütungsmittel. Ebenso viele glauben, dass „Aufpassen“ durch einen Koitus interruptus ein wirksamer Schutz vor ungewollter Schwangerschaft sei.

Wilde Theorien wie der Einsatz von Tampons zur Verhütung, das Einträufeln von Cola in die Scheide zur Abtötung der Spermien oder das Joggen gehen nach dem Geschlechtsverkehr – um den Körper so stark durcheinander zu schütteln, dass eine Schwangerschaft unmöglich wird – geistern durch Medienberichte. Von Aufklärung kann hierbei keine Rede sein.

Doch vielleicht begründet sich die Ahnungslosigkeit und Verwirrung der Jugendlichen ja auch auf einer Art Überaufgeklärtheit – dafür verantwortlich: Die Medien.

Der Begriff „Sex“ hat bei der Suchmaschine „Google“ drei Milliarden Treffer mehr als das Wort „Liebe“, Pornofilme sind dank Internet und Smartphone überall und jederzeit abrufbar, kaum eine Zeitschrift wirbt mehr ohne eine tiefdekolletierte Dame auf dem Cover, ein Werbeblock ohne mindestens einen TV-Spot mit nackter Haut – undenkbar. „Früher hätt´s des net gewwe“ – noch so ein Spruch, den die jüngere Generation oft zu hören bekommt.

Feiern mit Verstand: Das Kondom ist nur eine Verhütungsmethode von vielen (© Rike / pixelio.de)

Doch führt die überdurchschnittliche Präsenz von Sexualität und Nacktheit in Film, Fernsehen, Internet und Print automatisch zu einer Überaufgeklärtheit unter den Konsumenten der genannten Medien?

Die bereits genannten Forschungsergebnisse legen das Gegenteil nahe. „Wir leben in einer sexualisierten Gesellschaft“, sagt Eveline von Arx, Leiterin des „Dr.-Sommer-Teams“ der „Bravo“, „junge Leute reagierten darauf verunsichert.“

Eine Unterscheidung zwischen Übersexualisierung, die unserer heutigen Gesellschaft ganz offensichtlich zugrunde liegt, und Überaufgeklärtheit, die laut Studienergebnissen nicht gewährleistet ist, muss also getroffen werden.

„Spiegel“-Autorin Anne Reimann spricht in einem Artikel sogar von „sexueller Verwahrlosung“ Jugendlicher. Den Zwiespalt zwischen sexueller Reizüberflutung beispielsweise durch Pornos und tatsächlicher Aufklärung sieht der Bielefelder Sozial- und Jugendforscher Klaus Hurrelmann im „unangemessenen Umgang“ mit Sexualität innerhalb der Familie. Sexualforscher Volkmar Sigusch pflichtet ihm bei: „Gegen sexuelle Verwahrlosung von Heranwachsenden hilft nur, die Lage ihrer Familien zu verbessern. Wenn schon Kinder Pornos gucken, ist das unmittelbar mit der Situation ihrer Eltern verknüpft.“

Wie lautet nun also der Lösungsansatz für ein Problem, das in der heutigen Gesellschaft, in der sich Eltern, Schule und Medien gegenseitig die Verantwortung für die sexuelle Aufklärung von Kindern und Jugendlichen zuschieben, kaum wahrgenommen wird?

Um es mit den Worten von Ulf Pittner, Teamleiter der „Durex“-Studie, zu sagen: „ Es zeigt sich, dass europäische Jugendliche mehr und vor allem professionellerer Sexualerziehung durch geschulte Lehrer bedürfen als bisher. Erfolgreiche Aufklärungsarbeit muss alle Aspekte und Instanzen mit einbeziehen. Nur wenn alle Verantwortlichen aus Politik, Schule und Industrie an einem Strang ziehen, kann gewährleistet werden, Jugendliche zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ihrer sexuellen Gesundheit zu ermutigen.“

Vorschau: Nächste Woche nimmt der Fernsehkritiker Holger Kreymeier Stellung zur aktuellen Fernsehlandschaft, den eigentlichen Aufgaben der Sender und gibt zudem einen Ausblick auf die Zukunft des Fernsehens.