Fastenzeit weltweit

Derzeit ist für die Christen Fastenzeit: Im Zeitraum zwischen Aschermittwoch und Ostern verzichten sie auf Dinge, die ihnen sonst wichtig sind. Doch natürlich ist das Christentum nicht die einzige Religion, die ein Fastenritual hat. Wir haben uns umgeschaut und zeigen euch Fastenrituale aus anderen Glaubensrichtungen.

Fasten im Judentum: Nicht länger als 25 Stunden

Im Judentum gibt es verschiedene Fastenzeiten, die jedoch nie länger als 25 Stunden andauern, um die Gesundheit der Gläubigen nicht anzugreifen. Jom Kippur, der Tag der Sühne, ist der höchste Feiertag im Judentum, der traditionell im September oder Oktober begangen wird. Hier fasten die Juden den ganzen Tag. An den sieben Tage vor Pessach verzichten viele Juden auf gesäuerte Speisen. Am Abend vor Pessach essen und trinken viele Erstgeborene überhaupt nichts. Damit danken sie Gott dafür, dass sie nicht ebenso getötet wurden, wie vor mehr als 2.000 Jahren die Erstgeborenen in Ägypten. Das Esther-Fasten am Tag vor Purim erinnert daran, dass Esther in der persischen Hauptstadt Susa mit ihrem Hofstaat für die Juden fastete. Damit bat sie das Volk um Unterstützung vor dem König. Sie wollte ihn bitten, die Juden vor der Ermordung durch den Minister Haman zu retten. Weitere Fastentage sind Tischa beAw, der der Zerstörung der beiden Tempel in Jerusalem gedenkt, sowie das Gedalja-Fasten, ein Bußtag der an Gedalia ben Achikam erinnert, der nach der Zerstörung des ersten Tempels Stadthalter im Königtum Juda war.

Fasten im Islam: Fastenmonat Ramadan

Fasten gehört im Islam zu den sogenannten fünf Säulen, den Hauptpflichten eines Moslems. Die anderen Säulen sind das Glaubensbekenntnis (Shahada), fünfmaliges täglich zu vollziehendes Gebet (Salat), Abgabe an die Armen (Zakat) und eine Pilgerfahrt nach Mekka (Haddsch). Während des Fastenmonats Ramadan sind alle Muslime, sofern sie volljährig und körperlich fit sind, dazu angehalten, von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Speisen und Getränke zu verzichten. Auch rauchen dürfen sie während dieser Zeit nicht. Zudem gibt es in dieser Zeit auch ein inneres Fasten, bei dem Muslime noch mehr als sonst darauf achten sollen, sich gut zu verhalten, also nicht Schlechtes zu reden oder etwas Verwerfliches zu tun. Neben dem Ramadan gibt es noch weitere Fastentage wie das Sühnefasten und einzelne Verzichtstage wie etwa Ashura, den zehnten Tag des ersten Monats im islamischen Kalender.

Fasten im Hinduismus: eigene Entscheidung oder politisches Symbol

Eine festgelegte Fastenzeit gibt es im Hinduismus nicht. Jedoch hat das Fasten auch hier eine große Bedeutung. Viele Hindus fasten, um ihre Seele zu reinigen, weil sie für etwas büßen wollen, um einen Segen zu erbitten oder um eine Gottheit zu ehren. Anhänger der Gottheit Shiva fasten beispielsweise an seinem Ehrentag Shivaratri. Wie lange, mit welchen Fastenritualen und auf welche Weise gefastet wird, entscheidet dabei jeder Gläubige für sich selber. Einige fasten regelmäßig, um eine Gottheit gnädig zu stimmen und Gurus beispielsweise leben über lange Zeit asketisch und verzichten auf viele Dinge.

Eine andere Art des Fastens, die im Hinduismus verbreitet ist, ist ein politisches Fasten. Vorbild vieler ist dabei Mahatma Gandhi. Durch den Verzicht auf Nahrung und die darüber erfolgte Medienberichterstattung soll auf Missstände wie Unterdrückung oder Ungerechtigkeiten hingewiesen werden.

Fasten bedeutet in vielen Religionen auch innere Einkehr zu finden (Foto: Möller)

Fasten im Buddhismus: Keine einheitlichen Fastenregeln

Buddhisten haben keine einheitlichen Fastenregeln. Viele Buddhisten beschränken sich aus praktischen Gründen auf kleine Portionen bei den Mahlzeiten, um sich besser auf ihre Meditation konzentrieren zu können. Diese funktioniert nämlich weder mit zu vollem noch mit zu leerem Magen gut. Daher essen viele Buddhisten besonders in Meditationszeiten immer gerade so viel, dass sie gesund bleiben, der Magen nicht knurrt und sie auf diese Weise entspannt meditieren können. Manche buddhistischen Nonnen und Mönche essen aus diesem Grund das ganze Jahr über nur bis zum Mittag etwas.

Beschnittene Religionsfreiheit

Ein Urteil des Kölner Landgerichts sorgt derzeit für Aufsehen: Rituelle Beschneidungen gelten fortan als Körperverletzung, so hat das Gericht entschieden. Auf Unverständnis und Unmut stößt dieses Urteil, da die Beschneidung zum Habitus großer Religionsgemeinschaften, etwa dem Islam und dem Judentum, zählt.

So kann auch dem Kölner Landgericht dieses Urteil nicht leicht gefallen sein. Denn es geht hier im Grunde um nicht weniger als um die gesellschaftliche beziehungsweise die rechtliche Akzeptanz religiöser Praktiken. Haben religiöse Praktiken in Deutschland im 21. Jahrhundert mehr Gewicht als das Recht auf körperliche Unversehrtheit?

Häufig entscheiden sich die Betroffenen nicht selbst für die Beschneidung – sie findet in früher Kindheit statt und wird von den Eltern veranlasst. Diese fügen ihrem Kind – so die Juristen – eine Verstümmelung zu. Und auch wenn die Eltern als Erziehungsberechtigte die Beschneidung wünschen: Ein Arzt, der einen Jungen in religiöser Tradition beschneidet, begeht Körperverletzung.

Anfang November 2010 wurde ein Junge in Köln beschnitten – zwei Tage später wurde das Kind in die Notaufnahme eingeliefert. Von der Staatsanwaltschaft wurde Anklage gegen den Arzt erhoben. Dieser Prozess zog schließlich das Beschneidungsurteil nach sich. Zwar habe der Arzt einwandfrei gearbeitet – und wurde schließlich freigesprochen. Das Gericht entschied allerdings auch, dass die Beschneidung nicht durch den Wunsch der Eltern gerechtfertigt sei.

Nun muss der Fall möglicherweise vorm Bundesverfassungsgericht entschieden werden. Denn das Urteil wird von vielen Politikern als Einschränkung religiöser Praktiken begriffen. Tatsächlich besteht die Gefahr, dass ein Beschneidungsverbot in Deutschland lediglich einen Beschneidungstourismus auslöst.

So forderte der Bundestag die Bundesregierung mit breiter Mehrheit dazu auf, ein Gesetz zu verabschieden, welches eine fachgerechte Beschneidung aus religiösen Gründen zulässt. Auf die Schnelle – so der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts – sei ein solches Gesetz aber nicht zu machen.