Das Prinzip Öffnung – wie viel Freiheit erträgt die Liebe?

„Ich will frei sein / frei wie ein Stern,der Himmel steht“, tönen die Goldkehlchen von Xavier Naidoo und „Glashaus“-Leadsängerin Cassandra Steen in ihrer Selbstverständlichkeit. Fast so, als wäre diese sogenannte Freiheit das erklärte und sogleich höchste Ziel eines jeden Menschen. Beinahe, als gäbe es nichts erstrebenswerteres als das. Ich frage mich ernsthaft, wie die beiden sich das in der Praxis wohl vorstellen.

Schließlich ist das mit der absoluten Freiheit ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Einerseits wünscht sie sich jeder in gewisser Weise – sonst würde es vermutlich weit weniger junge Leute auf Reisen ins Ausland verschlagen und der besagte Song wäre wohl kaum mit derart goßer Begeisterung rezipiert worden – andererseits jedoch geht mit der Idee, sich selbst und andere von sich frei zu machen auch immer ein gigantischer Kompromiss einher. Ich denke da an niemand geringeren als meinen letzten Mehr-oder-minder-Freund zurück, als dieser mir den Vorschlag unterbreitete, unsere Hin-und-wieder-Beziehung auf eine ganz neue Ebene zu bringen und damit offener zu gestalten.

Schätzungsweise versprach er sich von dieser äußerst zeitgemäßen Alternative vor allem Eines: Freiheit. Damit ist jedoch keineswegs bloß die offensichtliche Freiheit, namentlich die Polygamie, gemeint. Hinter dem „Prinzip Öffnung“ steckt nämlich noch weit mehr als das. Zunächst einmal untersagt es mir, all die Dinge zu tun, zu sagen oder auch nur zu denken, die typischerweise einer Beziehung zugeschrieben werden. So hatte ich mir jedes Mal auf die Zunge zu beißen, wenn ich ihn in vollgekleckerten Jogginghosen in der Universität traf. Das Prinzip Öffnung entmündigte mich insoweit, als dass es mir die Rechtsgrundlage für Kritik entzog – schließlich sind nur feste Freundinnen befugt, für ihr Gegenüber die Style-Polizei zu spielen und bei Regelverstoß Sanktionen anzudrohen („Ich lasse mich mit dir nirgendwo mehr blicken, wenn du weiterhin außerhalb deiner Wohnzimmercouch keine vernünftigen Hosen trägst! Ach ja, und Sex bekommst du dann auch keinen mehr.“)

IMG_6894

Propagiert die uneingeschränkte Freiheit: Der deutsche R’n’B-Sänger Xavier Naidoo (Foto: Laljak)

Formulieren wir meinen persönlichen Präzedenzfall allerdings einmal nicht ex negativo, so haben wir es eigentlich doch mit einem richtigen Glückspilz zu tun. Hier hat sich jemand das Prinzip Öffnung beispielhaft zunutze machen können, sich eine rechtsfreie Zone geschaffen, in der ihm mehr als nur Beinfreiheit zusteht. Er kann sich melden, sooft oder so selten es ihm beliebt, schließlich darf niemand am anderen Ende der Leitung sitzen und über seine telefonischen An-und Abmeldungen Strichliste führen. Es erfordert seinerseits keiner besonderen „Investitionen“, im finanziellen wie im ideellen Sinn. Beinahe ist es so, als hätte das Prinzip Öffnung jede noch so kleine aufmerksame Geste, jeden widerwilligen Theaterbesuch und jedes Kaffeekränzchen mit versteinertem Lächeln und den angereisten Schwiegereltern einfach aus dem Programm verbannt.

Nun, wo man sämtliche vermeintliche Störfaktoren ausgemerzt hat, sollte doch als Essenz des selbst geschaffenen Weder-Fisch-noch-Fleisch-Verhältnisses pure Glückseligkeit übrig geblieben sein? Dem Namen nach haben wir es so immerhin mit keinem widerspenstigen Fisch zu tun, der uns, seinem glitschigen Naturell entsprechend, aus den Händen entflutscht. Allerdings hält das Prinzip Öffnung leider ebenso wenig Fleisch bereit, an dessen Substanz wir uns in guten wie in schlechten Tagen festhalten können, mag es manchmal auch von etwas zäher und knorpeliger Konsistenz sein.

So bleibt das Gefühl zurück, Xavier wie auch Cassandra könnten mir und dem Produkt meiner erprobten Freiheit unter Umständen die Kehrseite der Medaille vorenthalten haben – ich fühle mich um eine Beziehung betrogen. Doch vor allem haben sie mir mit ihrem musikalischen Populismus die Freiheit genommen, mich von vorneherein gegen das Prinzip Öffnung zu entscheiden. In dem Wissen, dass ich kein Vegetarier bin, möchte ich mir nämlich doch ganz gern die Optionen, mal Fisch und mal Fleisch sein zu dürfen, fürs Erste offenhalten.

Vorschau: Pünktlich zum Winteranfang lesen wir nächste Woche an dieser Stelle Saschas Hasstirade auf Schnee und Eis.

Louboutins – der französische Star mit der roten Sohle

Jeder liebt sie – jeder will sie! Wenn man auf purem Luxus laufen könnte, hätten diese Schuhe ihren großen Auftritt. Der begehrte Schuhdesigner Christian Louboutin lässt Frauen weltweit unter den Fußsohlen erröten.

Richtig scharf: Louboutins besetzt mit schwarzen Nieten
(Foto: Brauns, www.modestadt.eu)

Sie sind meist ziemlich hoch, immer ziemlich rot und ein wichtiger Bestandteil im Fundus einer jeder leidenschaftlichen Schuhsammlerin. Die Bewunderinnen dieses Meisterwerks, auch Louboutins genannt, führen eine beinahe religiöse Beziehung zu diesen Schuhen, wobei mehr der Schuh die Trägerin trägt als andersrum. Um ein Paar des heiß begehrten Labels in ihren Händen zu halten, schrecken die Kundinnen sogar nicht davor zurück, nächtelang vor den Louboutin-Läden zu kampieren. Doch was macht den Zauber dieser Schuhe aus?

Schon als kleiner Junge entdeckte Christian Louboutin seine Liebe für Schuhe. Er selbst bewunderte einst die Eleganz und Anmut, die diese Accessoires hervorrufen können. Für ihn geben die Schuhe ihrer Trägerin den Charakter. Und Louboutins sind ganz klar abenteuerlustig. Doch bevor das Label überhaupt entstehen konnte, lernte Herr Louboutin sein Handwerk bei namenhaften Marken, wie Chanel und Yves Saint Laurent. Um die Freiheit zu haben, seine genialen Visionen Realität werden zu lassen, musste er jedoch zunächst sein eigens Label gründen.

Vor über 20 Jahren eröffnete er sein erstes Geschäft in den Straßen Paris’. Inzwischen ist dieses eine Geschäft auf 70 Boutiquen, rund um den Globus angewachsen und ist präsent in 46 Ländern. Sein Produkt steht für eine moderne, dennoch zeitlose Eleganz. Christian Louboutin verehrt die Frauen und ihre Schönheit, was sich in seinen Designs klar wiederspiegelt. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht unsere Träume wahr werden zu lassen und unsere innersten Gefühle anzusprechen. Eine Art Frauenflüsterer oder? Die hohen Heels verleihen dem weiblichen Körper eine zauberhafte Silhouette und vor allem einen verführerischen Gang. Es ist in Louboutins fast unmöglich NICHT gut auszusehen.

Der Klassiker in jeder Schuhsammlung: Louboutins
(Foto: Brauns, www.modestadt.eu)

Es liegt also nicht fern, dass manch eine zahlungskräftige Fashionista ihr Geld lieber auf den hohen Absatz legt, statt auf ein Sparbuch. Ist es doch nicht nur eine gute Geldanlage, sondern auch eine Investition fürs Leben – eine Investition die Frau dem Himmel ein Stückchen näher bringt.