Trimm dich krank!

„Ich habe mit Spaß am Sport angefangen“, sagt Anja (22). „Es war toll, Erfolge zu erzielen, Veränderungen wahrzunehmen und sich gesund und fit zu fühlen.“ Aber dann wurde aus dem Spaß ein Zwang und aus dem Zwang eine Sucht.

„Traumbody“ dank Fitness- und Ernährungsprogrammen

Die Kombination aus Sport und Ernährung wird uns oft als Lösung für nahezu alles verkauft. „Mit effektivem Training und gesunder Ernährung zum Traumbody“ oder „durch kohlenhydratarme, eiweißreiche Ernährung und moderates Workout den Körper auf schlank trimmen“ versprechen die Fitness- und Ernährungsprogramme der Promis. Dass man Sport und Ernährung aber auch gegen den eigenen Körper einsetzen kann, weiß sie besser als die meisten anderen: Anja hat sich aus Sportsucht und Essstörung gekämpft und ist heute… Foodbloggerin!

Kontrolle über das Essen

Superheldin oder Kontrollfreak: Das haben Sportsucht und Mangelernährung aus Anja gemacht (Foto: Anja)

Superheldin oder Kontrollfreak: Das haben Sportsucht und Mangelernährung aus Anja gemacht (Foto: Anja)

Pancake-Stapel mit Blaubeeren und Schokosauce, Pastateller mit Kirschtomaten und frischen Kräutern, Frühstücksbowls mit frischem Obst… Wem bei Anjas Instagram-Posts nicht das Wasser im Mund zusammenläuft, der hat wahrscheinlich gerade erst gegessen. Die 22-Jährige selbst zeigt sich dafür eher selten auf ihrem Profil. Und die Bilder, die es zu sehen gibt, passen so gar nicht zu den Foodporn-Beiträgen. Ein zartrosa, beinahe körperloses Geschöpf, dem selbst die coole Superman-Unterhose zu groß zu sein scheint, steht da vor dem Spiegel. Statt der Superheldin, die ihr Gewicht voll im Griff hat, sieht Anja heute nur noch den Kontrollfreak.
„Kontrolle war damals das Wichtigste für mich. Kontrolle über mein Essen, Kontrolle über mein Gewicht. Ich habe mich komplett auf eine bestimmte Zahl fixiert“, erklärt sie. Das Problem bei der Sache: „Kein Sixpack, keine Size-Zero und kein Gewicht haben dazu geführt, dass ich mich wohlgefühlt habe.“ Aber von vorne!

Zerfressen von Selbsthass

„Irgendwann diente der Sport nur noch zum „Kalorien-Verbrennen“, damit ich mir das Essen überhaupt erlauben konnte. Ich habe aufgehört, mich mit meinen Freunden zu treffen und habe stattdessen Sport gemacht“, erzählt Anja, „Sport, Kalorien zählen und Verzicht haben meinen Alltag geprägt und eingeschränkt.“ So wurde aus Spaß und Probieren eine Sucht. Phasen, in denen sie wenig bis gar nichts essen konnte, wechselten sich mit Heißhungerattacken ab. Das schlechte Gewissen darüber, zu viel gegessen zu haben und die Angst vor einer Gewichtszunahme mündeten in Bulimie oder, wie Anja selbst sagt, „einen Teufelskreis aus Heißhunger, schlechtem Gewissen und, Erbrechen“. Aus der Bulimie wurde eine Magersucht. Und dann endlich erkannte sie, was uns heute von den Fotos geradezu entgegenbrüllt: eine wandelnde Hülle, zerfressen von Selbsthass, Selbstzweifel und Unzufriedenheit.

Man muss damit aufhören. Ganz.

"Es ist möglich Sportsucht und Essstörung zu überwinden", sagt Anja und zeigt es auch (Foto: Anja)

„Es ist möglich Sportsucht und Essstörung zu überwinden“, sagt Anja und zeigt es auch (Foto: Anja)

„Wenn man etwas ändern möchte, muss man zunächst ehrlich zu sich selbst sein, auch wenn es weh tut. Man muss sein eigenes Verhalten, seine Gedanken und die Beweggründe hinterfragen. Und wenn man merkt, dass es etwas gibt, was einem nicht guttut, dann muss man damit aufhören. Ganz. Es bringt nichts, es nur „halb“ aus seinem Leben zu streichen. Der Anfang ist immer das Schwerste. Aber ich habe mir selbst bewiesen, dass es Hoffnung für alle gibt. Es ist möglich, Essstörungen und Sportsucht zu überwinden, wenn man dranbleibt und diesen schweren Weg durchhält. Es wird einfacher. Es lohnt sich“, sagt Anja. Also trainierte sie sich etwas Wichtiges an: gesundes Verhalten. Und das geht sogar ganz bequem von zu Hause aus – ohne Geräte, Joggingstrecke und Fitnessstudio. Dafür aber mit sehr viel Stärke und Willenskraft.

Die Kraft zu Laufen

„Heute kann ich Sport wieder aus Spaß betreiben und meiner Psyche und meinem Körper etwas Gutes zu tun. Ich liebe zum Beispiel Yoga am Morgen. So spüre ich meinen Körper auf eine ganz andere Weise und kann seitdem wieder eine Verbindung zu ihm herstellen, die lange verloren war. Außerdem gehe ich drei- bis viermal die Woche laufen. Es ist schön, wieder die Kraft zu haben laufen gehen zu können. Es hilft mir dabei von meinem Uni-Alltag herunter zu kommen, meine Gedanken zu ordnen und mich lebendig zu fühlen.“ Und das Essen?

Essen macht schön!

„Essen ist nicht länger mein Lebensmittelpunkt, kontrolliert und bestimmt mich nicht mehr. Essen hält meinen Körper am Leben, macht mich schön und gesund“, ist Anja heute überzeugt. „Ich habe Spaß an der veganen Ernährung gefunden, da sie sehr vielseitig ist und ich mich damit sehr gut fühle.“ Vor erneuter Mangelernährung hat sie keine Angst: „Wenn man darauf achtet, ausgewogen zu essen, kann man sich mit nahezu jeder Ernährungsweise gesund ernähren.“

Gute und schlechte Tage

Mit ihrem Instagram-Profil und ihrem Youtube-Kanal möchte Anja anderen den Druck nehmen, perfekt sein zu müssen. „Auf Social Media wird oft ein Scheinbild gezeigt – eine optimale Welt ohne Rückschläge und Fehler. Ich teile dort sowohl die guten als auch die schlechten Tage. Es kann nicht immer gut laufen und das ist auch völlig in Ordnung. Oft geht es nicht darum, Probleme zu lösen, sondern zu lernen, mit ihnen umzugehen.“

 

DJ Khaled’s Schlüssel zum Erfolg

Was Ende 2015 mit einigen einfachen Snaps zum Thema „Erfolg“ begann, erschien gestern in Form eines neunten Studioalbums „Major Key“. Auf seinen Social Media-Profilen postet DJ Khaled seit geraumer Zeit Bilder, Videos und Zitate. Dabei spielten Phrasen wie „Key to success“ (zu Deutsch: Schlüssel zum Erfolg) und „We the best“ (zu Deutsch: Wir sind die Besten) durchweg eine Rolle. Auch das Schlüssel-Emoji kam häufig zum Einsatz – wir klären, wieso.

Schlüssel und Slogan zum Erfolg

Mittlerweile ist eine Reihe an Merchandising-Artikeln mit dem Slogan „We the Best“ oder schlichtweg mit Schlüssel-Emoji erhältlich. Diesen trägt Khaled übrigens in Gold um den Hals. Die Idee kommt allerdings nicht von ungefähr. DJ Khaled, der mit bürgerlichem Namen Khaled Mohamed Khaled heißt, gründete bereits im Jahr 2008 sein Musiklabel „We the Best Music Group“ und ist seither als Produzent, Radiosprecher, DJ und Geschäftsführer ebendieses Labels unterwegs. Auf Instagram sind unter dem Hashtag #WetheBest unzählige Bilder und Videos von seiner Fangemeinde zu finden.

DJ Khaled’s endlose Liste erfolgreicher Freunde

Einen richtigen Hype gibt es seit Monaten, da der DJ durch seine Posts immer wieder erahnen ließ, mit wem er gerade kollaboriert. Rap-Mogul Jay-Z, Hip-Hop-Newcomer Kendrick Lamar und der derzeit erfolgreichste Rapper Drake sind da nur Beispiele. Der 40-Jährige arbeitete an „Major Key“ mit Größen wie Nas, Gucci Mane, French Montana, Rick Ross, Wiz Khalifa, Chris Brown, Busta Rhymes und Faboulous zusammen, bevor er im April diesen Jahres erstmals sein Album ankündigte. Bis zum Release gestern hat Khaled bereits drei Tracks veröffentlicht, darunter „I got the Keys“ mit Jay-Z und Rapper Future.

Vorschau: Am nächsten Samstag berichtet Sabrina über das „Airpley“ Festival.

 

Fitnessblogger — Motivation oder digitale Schwindelei?

Instagram, Facebook und Snapchat sind so gut wie nicht mehr aus unser aller Alltag wegzudenken. Doch mittlerweile gehen sie über das reine In-Kontakt-Treten mit Freunden hinaus. Die Themen werden immer häufiger durch gesunde Ernährung und ausreichend Sport bestimmt.

Früher war alles besser
Begonnen hatte alles damit, dass ab und zu auf Instagram ein Bild veröffentlicht wurde, meistens umringt von Freunden, aus dem Urlaub und eigentlich wollte man sowieso nur die Filter benutzen. Doch mittlerweile sind die sozialen Netzwerke voll von professionellen Instagrammern, Bloggern und leider auch von großen Werbeanzeigen.

Raus aus der Komfort-Zone
Positiv an dieser Entwicklung ist natürlich, dass man sich selbst besser motivieren kann. Die gesunde Obstschale zum Frühstück posten, nach dem erfolgreichen Workout im Fitnessstudio ein Bild hochladen oder andere bei Snapchat an seinem Lauftraining teilhaben lassen — all das führt doch dazu, dass man plötzlich Lust an Bewegung und gesunder Ernährung bekommt.

Große Auswahl: Die sozialen Netzwerke wimmeln von Fitnessangeboten Foto: Privat

Große Auswahl: Die sozialen Netzwerke wimmeln von Fitnessangeboten (Foto: Vogel)

Ansporn und Ehrlichkeit
Den Spaß an Bewegung und gesunder Ernährung zu übermitteln, schaffen auch einige, wie zum Beispiel die Träger des Fitness Awards 2015, Louisa und Jan von fit-trio.com . Im Vordergrund steht bei den beiden erst einmal Selbstakzeptanz und sich so zu lieben, wie man ist. Neben kurzen Workouts, leckeren und gesunden Rezepten und Tipps und Tricks, wie gesunde Ernährung und Bewegung in den Alltag integriert werden kann, findet man in ihrem Instagram-Feed vor allem Dingen auch Ehrlichkeit: Tage, an denen sie überhaupt keine Lust auf Sport haben, Waffeln mit Nutella kurz vor Mitternacht und Dehnungsstreifen, machen die beiden so herrlich sympathisch.

Trügerischer Schein?
Doch schaut man sich die Seiten von anderen professionellen Fitnessbloggern genauer an, dann wimmeln diese nur von so ihren eigenen, hoch angepriesenen Fitnessguides und Workoutplänen, die sie verkaufen möchten, von geglückten Transformationen der Käufer. Generell scheint jedes Sportoutfit, das sie selbst tragen, von großen Marken gesponsert worden zu sein. Auch die Bilder ihrer Essgewohnheiten sind oftmals überspitzt dargestellt: Vegan oder glutenfrei, obwohl keine Unverträglichkeit besteht, und reine Saft- oder auch Detoxkuren genannt, sind dort an der Tagesordnung.

Eigenen Weg finden
Wie gehe ich nun mit solchen geposteten Bildern um? Natürlich dürfen sie als Motivation und Ansporn verstanden werden, aber der Spaßfaktor ist das, was zählt. Zu schnell zieht man Vergleiche mit diesen Personen, obwohl man gar nicht weiß, wer eigentlich hinter diesem Account steht. Auf Rezepte und Fitnessübungen von Bloggern zurückgreifen — kein Problem! Trotzdem ist es wichtig, seinen eigenen Weg zu finden — frei von Zwang und mit viel Spaß an Bewegung und gesunder Ernährung.

Vorschau: Trainer-Karussell in der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga. Face2Face nimmt die neuen Übungsleiter unter die Lupe.

Die Topmodels der Instagram-Generation

Es gibt kaum mehr einen Star ohne Instagram- oder Twitter-Account. Besonders in der Modelszene ist es wichtig geworden, sich außerhalb des Laufstegs und der Shootings zu präsentieren. Anders als bei Schauspielern oder Musikern ist oft nicht einmal die Stimme bekannt, sondern nur das Gesicht oder der Körper der Topmodels.

Mittlerweile reicht es nicht mehr aus, ein erfolgreiches Model zu sein, nein – die Mädchen müssen sich Dinge einfallen lassen, um nicht nur ein bekanntes Gesicht zu sein, sondern ein bekannter Name zu werden.

Supermodel Karlie Kloss mit einem Kookie

Supermodel Karlie Kloss mit einem Kookie

Girl of the moment ist Karlie Kloss. Das US-amerikanische Model macht nicht nur auf Laufstegen und bei Shootings eine gute Figur, sie ist auch in Sachen Social Media sehr aktiv und gibt unter anderem der eigenen Kekslinie ,,Karlie’s Kookies“ ihren Namen. Auch ihr Haarschnitt geht um die Welt: Eine Art Bob, der als ,,The Karlie“ weltweit kopiert wurde. Man merkt schnell, dass es nicht mehr nur auf Modelqualitäten ankommt, sondern eine gewisse Selbstvermarktung eine wesentliche Rolle spielt. Instagram-Generation werden Models wie Karlie im Fachjargon genannt. Hier geht es darum, sich selbst zu präsentieren. Das 22-jährige Model Karlie sagt in einem Interview selbst, Social Media gäbe ihr die Möglichkeit, sich auszudrücken und ihre Persönlichkeit zu zeigen.

Auch die 18-jährige Amerikanerin Kendall Jenner, bekannt als Schwester des berühmten Reality-Stars Kim Kardashian, gilt heute als Superstar in der Modebranche. Anfang 2014 scheiterte sie zwar erst mal, als sie versuchte, in die High-Fashion-Welt zu kommen, doch der international bekannte Modedesigner Marc Jacobs zweifelte nicht und castete Kendall für seine Herbst/Winter-2014/15-Show in New York.

Mit 14 Millionen Fans auf Instagram hat Kendall Jenner doppelt so viele Follower wie das Supermodel Cara Delevingne. Täglich warten also Millionen Fans auf neue Fotos der 18-Jährigen, bewundern sie und wollen so aussehen wie sie. Diesen Ruhm und die Popularität auf Social Media erkannte auch der Designer von Balmain Oliver Rousteing.

Kim Kardashians Schwester Kendall Jenner modelt für die Modemarke Balmain.

Kim Kardashians Schwester Kendall Jenner modelt für die Modemarke Balmain.

Weil der 28-Jährige selbst noch so jung ist, weiß er es möglicherweise besser zu verstehen, als manch anderer Designer. Er ist ebenfalls besessen von sozialen Netzwerken und weiß, wie wichtig Social Media für die Leute doch sei. Er ist der Meinung, dass alle zwar gerne die Show sehen, viel Interesse aber auch auf Backstage-Bildern läge.

Das sei es, was die Generation heute wolle: Mehr Realität.

Ob und wie viel Realtiät tatsächlich hinter den Bildern der Stars steckt, darüber lässt sich streiten. Eins steht jedenfalls fest: Unsere Generation heute liebt sie. Das Motto der Stars lautet „Show Yourself“, es geht hierbei also vielmehr um die Selbstvermarktung als um irgendetwas anderes.

Vorschau: Im Februar gibt es ein Interview mit der schwäbischen Designerin Nadine Psotta zu lesen.

Mariah, die undefinierbare Sängerin

Darling, es ist wieder soweit! Nach fünf Jahren bringt Soul- und RnB-Sängerin Mariah Carey mit „Me, Mariah. The Elusive Chanteuse” ihr 14tes Studioalbum raus. Seit dem 23. Mai 2014 ist das 15-Single Werk bei iTunes erhältlich.

Haben Fans in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram monatelang über ein Release der Diva spekuliert, kündigte Mariah bereits im diesen Jahr ihr Album an und steuerte sogar eine ihrer Zeichnung, welche sie im Alter von vier Jahren zeichnete, für das Albumbooklet und die Promotion ihres Albums bei.

Es zeigt Mariah selbst als niedliches, blondes Mädchen, als sei ihr damals bereits klar gewesen, dass sie eines Tages zur Diva unserer Generation heranwachsen würde.

Der Titel spiegelt eine sexy und gleichzeitig aufregende Autobiografie der gebürtigen New Yorkerin wider, in der Liebe und Kummer thematisiert werden.

Fans und Follower konnten tagtäglich die Arbeit im Studio durch Bilder und Beiträge mitverfolgen und zeigen die Ehefrau von Produzent und Moderator Nick Cannon stets fleißig in ihrem mobilen Aufnahmestudio, wo sie ihre Songs immer dann aufnahm und an ihnen feilte, wenn sie dafür die Zeit fand.

Das Album ist am Puls der Zeit, ohne die typische Note der Sängerin zu vernachlässigen.

Das Acht-Oktaven-Wunder arbeitete unter anderem mit Größen wie Jermaine „Jay-D“ Dupri, Rodney „Darkchild“ Jerkins, Q-Tip, Hit-Boy und Miguel zusammen und liefert eine gesunde Mischung an RnB, Soul, Black und Gospel!

Den Song „Supernatural“ haben ihre drei-jährigen Zwillinge Monroe und Morocco mit Mama Mariah aufgenommen. Der Song ist eine supersüßes Liebeserklärung von Mariah an ihre größte Liebe, ihre Kinder. Die beiden kichern abwechselnd und sagen herzerwärmende Dinge wie „I love you Mommy“.

Ihr erster releaster Song „#beautiful“ kam bereits letztes Jahr heraus, ein etwas ungewohnter Titel trägt den Namen „Thirsty“ und klingt wie ein softer Twerk-Song (Anmerkung der Redaktion: Twerk ist ein aktueller Tanztrend aus den Staaten).

Mit ihrer Arbeit hat Mariah nach über zwei Jahrzehnten Musikbusiness wieder einmal bewiesen, dass sie als 44 jährige Ehefrau und Mutter von Zwillingen immer noch fähig ist, in der ersten Woche auf Platz drei der US-amerikanischen Billboard Charts aufzusteigen.

Das Album ist, wie die Sängerin stets selbst betont, ein Geschenk an ihre treuen Lambs (Anm. d. Red.: Mariah nennt ihre Fans Lambs, das englische Wort für Lämmchen) und läutet rechtzeitig den Sommer an.

Vorschau: Am kommenden Samstag erscheint ein Bericht zum letzten Mal Rock am Ring am Nürnbergring.

Alt, aber glücklich? Vernetzt sein bis zum letzten Tag

Wenn ich an meine Großmutter denke, fällt mir ein: Sie ist alt. In diesem Fall ist das nicht als Degradierung ihrer zweifellos liebenswerten Persönlichkeit zu begreifen, schließlich kann man bei 89 Jahren getrost von einem stattlichen Alter sprechen. Dass sie, selbst jetzt noch, kaum fremde Hilfe in Anspruch nehmen muss, grenzt für mich schon fast an ein Wunder. Schließlich ist sie in unserer hochtechnisierten, mit immer innovativerer Unterhaltungselektronik um sich greifenden Welt geradezu verloren. Ihr allein beizubringen, wie der Fernseher und vor allem seine Lautstärkeregelung verantwortungsvoll zu bedienen ist, erwies sich bereits als schwieriges Unterfangen und kostete alle Beteiligten einige Nerven – die nach regelmäßiger Lärmbelästigung letztendlich auf nimmer Wiedersehen verzogenen Nachbarn nicht eingeschlossen. Doch noch schwieriger als das Verständnis für Errungenschaften wie „dieses Internet“ dürfte für meine werte Oma der immer seltener werdende Kontakt zu ihren Nächsten, ach – was sag‘ ich – zur gesamten Außenwelt sein. Wie das Leben so spielt, hat sich die Familie zusehends in alle Winde verstreut und die Bindung an jahrelange Freunde ist auch nicht mehr dieselbe. Letzteres könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass viele Altersgenossen schlichtweg bereits verstorben sind.

Was zurückbleibt, trägt den Titel „Alterseinsamkeit“. Was gemeint ist, liegt auf der Hand: Das Gefühl von fehlender Zugehörigkeit, Alleinsein, sozialer Isolation im Rentenalter. Nichts, was mir auch nur im Ansatz ein Begriff wäre, bin ich doch schließlich jung, mobil, und nahezu stets in gesellschaftliches Miteinander integriert – ob in meiner Realität oder in der virtuellen Ersatzwirklichkeit. Es drängt sich mir also die, aus jetziger Sicht recht utopisch wirkende Frage auf, wie es mir selbst wohl ergehen wird, wenn ich einmal in den Filzpantoffeln meiner Großmama stecke, rund 60 Jahre in der Zukunft. Mit allem technischen Schnickschnack, der uns den Alltag und besonders das In-Verbindung-Bleiben zu erleichtern verspricht. Machen mich diese Hilfsmittelchen alt, aber glücklich?

Statistiken zufolge soll die Einsamkeit im Alter in 60 Jahren sogar noch weiter zunehmen. Schuld daran seien sogenannte Single-oder Ein-Personen-Haushalte. Die sind heute schwer im Trend, weil viele auf Berufswegen notgedrungen ihren Standort wechseln und mehr oder minder kostengünstige Refugien anmieten müssen, in denen niemand außer ihnen selbst Platz findet. Außerdem bestehen die Jungen Wilden zumeist auf ihre Unabhängigkeit und, leben sie auch in noch so festen Beziehungen, auf ihren ganz privaten „Space“. Will man also den Schreckensprognosen Glauben schenken, so sind die Ausgangsvoraussetzungen für die perfekte Einsamkeit bereits gegeben. Doch selbst, wenn nicht: Erwiesenermaßen ist die Lebenserwartung bei Männern geringer als bei Frauen, sodass Letztere wohl oder übel Gefahr laufen, als Witwen zu enden – mögen sie zuvor auch Teil eines Pärchen-Haushaltes gewesen sein.

Von gemeinsam einsam kann in dieser Hinsicht also keine Rede mehr sein; ich frage mich, wie vielen auf diesem Erdenrund es wohl genauso ergangen sein wird. Wie viele verwitwete Freundinnen wohl meinen Anruf – selbstverständlich Videotelefonie – ungeduldig herbeisehnen? Wie viele Kilometer werden mich bis dahin wohl von ihnen trennen? Die Zeit kann schließlich nicht still gestanden haben in den letzten 60 Jahren; Facebook und E-Mail sei Dank werde ich meine Liebsten immerhin nicht aus den Augen verlieren. Und da vermutlich ohnehin jeder seine Lebensereignisse nahezu mechanisch, einzeilig und tagesaktuell twittern wird, verpasse ich auch garantiert nichts. „Mein Mann hatte einen Herzinfarkt“. Retweet mit Beileidsbekundungen. „Tochter hat um 11.13 Uhr einen gesunden Jungen zur Welt gebracht“. Anbei ein Bild aus dem Kreissaal. Ich drücke den Like-Button. Es fühlt sich an, als wäre ich fast live dabei gewesen.

In ist, wer drin ist: Vielleicht retten uns Facebook und Co. ja im Alter vor der Einsamkeit. (Foto: Perlowa)

Bleibt einmal ein Status-Update aus, fange ich an, mir ernsthafte Sorgen zu machen. Ob wohl etwas passiert ist? Für den Notfall hält sie doch bestimmt ihr Smartphone griffbereit. Ich lasse bestimmt nichts unbemerkt; dass eine meiner Freundinnen fünf Jahre lang tot in ihrer Wohnung vor sich hinmodert, ehe sie zufällig jemand entdeckt (Quelle: http://www.derwesten.de/politik/einsamkeit-im-alter-nimmt-in-den-naechsten-jahren-zu-id6662395.html), erscheint mir dieser Tage kaum noch möglich. Dass einer von uns überhaupt noch so alt werden kann wie das vereinsamte Beispiel aus Hagen fällt mir, bei der vorrangig durch das Internet verursachten Reizüberflutung, ebenfalls schwer zu glauben. Denn sind soziale Netzwerke einerseits unsere letzte Hoffnung im Alter, posten sie gleichzeitig unser Todesurteil: Zu schnelllebig, um richtig greifbar zu sein – ganz besonders dann, wenn in uns selbst nach und nach verdiente Ruhe einkehren soll, wir uns darauf freuen, das Hamsterrad, welches nur von innen wie eine Karriereleiter aussieht, verlassen zu können. Facebook, Partnerbörsen und Co. werden auch in 60 Jahren den gefühlsechten menschlichen Kontakt nicht ersetzen können.

Es gibt und wird auch zukünftig mehr als genug Menschen geben, die sich außerhalb dieser selbstkreierten Parallelwelt einsam, leer und haltlos fühlen. Ihnen wird kein tumblr-Blog der Welt dabei helfen, reale Freundschaften zu pflegen – und das funktioniert, damals wie heute wie morgen, indem man den anderen besucht und gemeinsam immer neue Erinnerungen erschafft. Schön, wenn man die dann via Instagram hochladen kann. Noch schöner, wenn man sie zuhause eingerahmt auf den Nachttisch stellen kann. Ich sollte meiner 89-Jährigen Oma dringend ein paar Bilder in einem Briefumschlag schicken. Wie E-Mail funktioniert, wird sie vermutlich in ihrem Leben nicht mehr lernen. Den Briefkasten öffnen und glücklich sein kann sie jedoch – ganz und gar offline.

Vorschau: In der kleinen Kolumne des kleinen Sascha geht es in der nächsten Woche um – wer hätt’s gedacht – kleine Leute.