Eine kleine Stadt mit großen Unternehmen – Im Interview mit der Schmuckfirma Hellmuth GmbH

Pforzheim ist nicht unbedingt jedem ein Begriff, doch wer aus der Nähe Baden-Württembergs kommt, weiß vielleicht, dass sie oft die Schmuck- und Goldstadt genannt wird. Nicht ohne Grund – etwa 75 Prozent der deutschen Schmuckwaren werden dort produziert. Zudem besitzt sie die einzige Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule Deutschlands. Eine Firma, die sogar den Sprung ins internationale Business geschafft hat, ist die Firma Hellmuth GmbH. Im Interview hierzu Daniel Maffert.

Face2Face: Sie heißen Daniel Maffert und arbeiten in der Firma Hellmuth GmbH. Was genau tun sie dort?

Maffert: Ich habe seit dem 1. März 2014 die Geschäftsleitung der Firma übernommen, in der ich bereits zwei Jahre zuvor als Vertriebsleiter tätig war. Als Geschäftsführer eines kleinen mittelständischen Unternehmens ist man eigentlich für alles zuständig. Meine Tätigkeiten reichen von der Büroumstrukturierung und dem damit verbundenen Putz- und Aufräum-Part über Messe- und Kundenbesuche bis hin zur komplexen Liquiditätsplanung für die kommenden Jahre.

Face2Face: Hellmuth ist für seinen ‚Kroko‘-Schmuck bekannt. Woher stammt die Inspiration?

Maffert: Es gibt nur wenige Labels, die durch typische Merkmale geprägt sind, welche man sofort wwiedererkennt. Seit 20 Jahren zeichnen sich alle Designs von Hellmuth durch ein elegantes Krokomuster aus. Die sogenannte „Crocoprägung“ zieht sich durch wie ein roter Faden, von der Verpackung und dem Firmeninterieur über die Schmuckstücke bis hin zum Messestand und dem Displaymaterial. Übrigens: Das Reptil hat sich nicht von ungefähr bei Hellmuth eingeschlichen. Gert Hellmuth gründete seine Firma 1983. Von Beginn an fühlte er sich von seinem Urgroßvater Karl Friedrich Hellmuth, der schon 1870 Krokohandtaschen und Accessoires herstellte, und seinem Vater, der die Tradition mit Krokouhrenarmbändern weiterführte, inspiriert. Seitdem schnappt das Urtier immer wieder beim Design zu: Mal hinterlässt es deutliche Spuren, mal nur ganz leise Hinweise auf sein Wirken.

Face2Face: Schnell entwickelte sich das Unternehmen auch international. Seit wann sind Sie auch auf dem weltweiten Markt unterwegs?

Maffert: Die Firma hat sich wirklich in rasender Geschwindigkeit auf dem internationalen Markt entwickelt und etabliert. Dies haben wir ganz klar unserem außergewöhnlichen und trotzdem klassischen Design mit der Crocoprägung zu verdanken, das schlicht weg wie eine „Bombe“ auf dem US-Markt, Russland und den Emiraten eingeschlagen ist. Den internationalen Markt bearbeiten wir nunmehr seit 1995.

Face2Face: Wie ist das Gefühl, aus einer doch relativ kleinen Stadt wie Pforzheim zu kommen und nun international zu agieren?

Maffert: Dieses Gefühl kann ich natürlich nicht in gleichem Maße schildern, wie es Herr Hellmuth könnte, da er diesen gigantischen Schritt mit dieser Firma gemacht hat. Was ich Ihnen sagen kann ist, dass es keine bessere Infrastruktur in einer anderen Stadt für die Schmuckmanufaktur in Deutschland gibt, da ich im operativen Geschäft auf sehr gute Heimarbeiter zurückgreifen kann und dadurch in Auftragsspitzen meinen Personalstamm nicht unnötig aufstocken muss. Ebenfalls sitzen in Pforzheim zwei der bekanntesten Gießereien, die uns schnelles Handeln im Alltag ermöglichen.

Face2Face: War es schwer, den Sprung ins internationale Business zu schaffen? Und was würden Sie kleineren Unternehmen auf den Weg geben, die Ähnliches vorhaben?

Maffert: Für mein Empfinden ist es wie mit Allem: Viel Fleiß, ein Produkt mit einer Story – das finden sowohl Juweliere als auch Endkunden super. Und beim „Türklinken putzen“ wie es so böse heißt, nicht aufgeben und immer freundlich und nicht enttäuscht verabschieden auch wenn sie zehn Stunden geflogen sind und kein Auftrag zustande kommt.

Face2Face: Wenn Hellmuth weltweit tätig ist, gibt es bestimmt auch Stars, die den Schmuck tragen. Sind darunter auch ein paar bekannte Namen?

Maffert: Design und Herstellung von edlem Schmuck ist bei Hellmuth eine perfekte Mischung aus hohem künstlerischem Anspruch und präzisem Handwerk mit Liebe zum Detail. Hellmuth hat sich zu einem Must-Have zahlreicher Promis gemausert: Christina Aguilera, Emma Roberts, Hilary Swank, Jennifer Lopez, Jessica Simpson, Kate Hudson, Katy Perry, Kim Kardashian und Rihanna, um nur einige zu nennen, lieben den Croko-Look. Davon profitiert auch der deutsche Fachhandel, da ihre Bilder mit dem Schmuck regelmäßig in den Lifestyle-Zeitschriften auftauchen.

Face2Face: Und nun zum Abschluss: Wenn Sie das Unternehmen in drei bis fünf Wörtern beschreiben müssten, welche wären diese?

Maffert: Einzigartig, rockig, elegant, Made in Germany, innovativ.

Vorschau:

Digitale Technologien erobern die Laufstege

Ein Shirt-Ärmel, auf dem man SMS lesen kann, oder ein integriertes Headset in einer Krawatte?! Aktuell sind dies noch Zukunftsvisionen, doch auch vor der Modebranche macht die Digitalisierung nicht halt – Technologie und Mode nähern sich immer weiter an.

Elektronische Kleidungsstücke ermöglichen die Verbindung digitaler Technologien mit Modedesigns. „Wearables“ werden die stylishen Geräte genannt, die unsere Outfits in Form von multifunktionalen Armbändern oder Brillen aufpeppen. Bei Stoffen, sogenannten „E-Textilien“, ist die Software direkt im Gewebe integriert. Das neue Luxussegment der Mode ist zukünftig also nicht mehr Kaschmir oder Pelz, sondern qualitativ hochwertige „E-Mode“.

Viele Modehäuser reagieren bereits auf die Entwicklung und stellen Apps zur Unterstützung des Shopping-Erlebnisses bereit. So brachte Nike die App „Making“ auf den Markt, die es ermöglicht Kleidungsstücke einzuscannen und Informationen über deren Material, Produktionsbedingungen und Nachhaltigkeit abzufragen. Die „Picalook-App“ hilft bei der Suche nach einem bestimmten Kleidungsstück, indem man dieses abfotografiert und eine Produktsuche startet.

Aber auch Unternehmen machen große Fortschritte, indem sie marktreife Ideen und Produkte entwickeln, die elektrische Geräte in Textilien integrieren. Bereits 2010 stellte das Fraunhofer-Institut ein Fitness-Shirt vor, das die Atmung des Sportlers erfasst. Die Möglichkeiten sind hier fast grenzenlos und bieten nicht nur Sportlern einen Mehrwert.

Tragbare Elektronik wird bald fester Bestandteil der Modeindustrie sein. Solargeladene Kleidung mit integriertem iPod ist also nicht mehr lange ein Traum der Zukunft.

Vorschau: Nächste Woche geht es um den Bloggerbazar in FFM