Sinti und Roma – Nirgendwo zu Hause

Ewige Nomaden? In solchen Planwagen sollen sich Roma früher fortbewegt haben (Foto: Annamartha  / pixelio.de )

Ewige Nomaden? In solchen Planwagen sollen sich Roma früher fortbewegt haben (Foto: Annamartha / pixelio.de )

„When the road bends you can‘t walk straight“ – so lautet ein Sprichwort der Roma, das wohl kaum treffender ihren traurigen Leidensweg beschreibt. Wie oft mussten Roma andere Wege einschlagen, weil sich nicht erwünscht waren und Erniedrigungen über sich ergehen lassen. Wie tief muss  die anhaltende Ausgrenzung und Demütigung der Roma in ihren Köpfen festsitzen? Wie kamen die Menschen dazu, schon vor Hunderten Jahren Roma zu diskriminieren, zu versklaven und zu verfolgen? Wieso missfiel ihnen gerade die Lebensweise dieses „fahrenden Volkes“? Eine irreführende Bezeichnung, wo viele Roma teilweise schon mehrere Hundert Jahre in Frankreich oder Spanien aber auch in Deutschland leben. Und oftmals weiter zogen, weil sie nicht geduldet wurden. Wieso haben sie bis heute mit so viel Hass und Vorurteilen zu kämpfen?

Stolperstein vor dem Historischen Rathaus Koeln: Das Trauma der Verfolgung und Tötung von Roma und Sinti sitzt tief (Bild: Berthold Bronisz  / pixelio.de)

Stolperstein vor dem Historischen Rathaus Köln: Das Trauma der Verfolgung und Tötung sitzt bei den Sinti und Roma tief (Bild: Berthold Bronisz / pixelio.de)

Roma bestehen aus verschiedenen Gruppen, die ihre Herkunft sowie Sprache verbindet, zu denen auch die Sinti zählen, deren Vorfahren vor etwa 600 Jahren in den deutschsprachigen Raum zogen. Ursprünglich migrierten Roma vor über 1000 Jahren aus Indien nach Europa und lebten über einen längeren Zeitraum hinweg in Persien,  Armenien sowie im Byzanz. Das spiegelt sich in der Sprache Romanes wieder, die unter anderem indische, aber auch persische, armenische sowie griechische Wörter aufweist. Über die Herkunft der abschätzigen Bezeichnung „Zigeuner“ gibt es verschiedene Quellen und Belege. Im Byzantinischen Reich nannte man die Roma „Athingani“ (Unberührbare). Irrtümlicherweise glaubte man bei der Ankunft der ersten Roma in Europa, dass diese aus Ägypten stammten, weshalb man sie als „Giptoi“ (Ägypter) (abgeleitet von dem Ort Gyp(p)e) bezeichnete. Heute weckt die Bezeichnung „Zigeuner“ böse Erinnerungen, ist zudem eine Fremdbezeichnung und wird von den meisten Roma und Sinti abgelehnt, da sie in einem rassistischen Kontext steht. In Europa ließen sie sich in verschiedenen Ländern nieder, wo sie zumeist eine Minderheit darstellten. Je nach Land und Kultur haben die Roma häufig Sprache aber auch Mehrheitsreligon des jeweiligen Landes, in dem sie sich niederließen, angenommen.

Im zweiten Weltkrieg fielen alleine in Deutschland Hunderttausende Roma dem Nazi-Regime zum Opfer. Sie wurden sterilisiert, menschenverachtende Experimente wurden an ihnen durchgeführt und in Konzentrationslagern starben sie einen qualvollen Tod. Die Demütigung der Roma scheint sich über Hunderte von Jahren zu erstrecken. Wirklich willkommen scheinen sie nirgendwo zu sein.

Leben in Baracken: Eine Romasiedlung Belgrad, der Haupstadt Serbiens (Foto: Julian Nitzsche  / pixelio.de)

Leben in Baracken: Eine Romasiedlung in Belgrad, der Hauptstadt Serbiens (Foto: Julian Nitzsche / pixelio.de)

In Europa leben heute circa 12 Millionen Roma. Sie stellen die größte Minderheit in Europa dar, die jedoch auch mit den größten Vorurteilen konfrontiert ist. Fast unsichtbar leben sie oftmals am Rande von Städten in illegalen Siedlungen und hausen in notdürftigen Baracken. Anderen Bewohnern sind sie ein Dorn im Auge. Nicht selten werden diese Siedlungen auf Geheiß von Regierungen zerstört oder zwangsgeräumt. Wie schlecht steht es um die Roma wirklich, wenn sie an Stadtgrenzen gedrängt werden, kein richtiges Dach über dem Kopf haben, ihre Kinder keine Schulen besuchen? Wählen sie freiwillig den geringsten Weg des Widerstandes, die Isolation, weil sie aus jahrhundertelanger Unterdrückung wissen, dass viele Europäer Vorbehalte gegen sie hegen und sie fast tagtäglich Beschimpfungen wie „dreckige, faule Zigeuner“ über sich ergehen lassen müssen? Weshalb erniedrigen wir seit so vielen Jahren ein Volk, über das wir im Grunde genommen kaum etwas wissen? Über welches kaum Schriftquellen existieren, oder wenn nur solche, die von Nicht-Angehörigen der Sinti und Roma verfasst wurden.

Roma haben maßgeblich den spanischen Flamenco geprägt. Um 1425 kamen sie nach Spanien, wo sie vielen Repressalien ausgesetzt waren. Mit Gesetzen sollten sie zum Sesshaft-Sein gezwungen werden und durften außerdem keine traditionellen Berufe ausüben. Gitanos, wie Roma in Spanien genannt werden, haben in den Flamencoliedern ihr Leid und ihre Trauer zum Ausdruck gebracht. Diese Musik erlangte schnell große Beliebtheit über die Grenzen Spaniens hinaus. Die Gitanos waren es, die dem Flamenco zu seinem Erfolg verhalfen. Heute scheinen Gitanos in Spanien relativ anerkannt zu sein. Die Mehrzahl lebt in Wohnungen, ihre Kinder gehen zur Schule auch wenn trotz allem nur 1 % von Ihnen an einer Universität studiert.

Romajunge in Sarajevo, Bosnien: Viele Kinder werden zum Betteln auf die Straße geschickt oder verkaufen Schmuck, Taschentücher (Foto: Mätzke-Hodzic)

Roma-Junge in Sarajevo, Bosnien: Viele Kinder werden zum Betteln auf die Straße geschickt oder verkaufen Schmuck, Taschentücher oder anderes um etwas Geld zu verdienen (Foto: Mätzke-Hodzic)

Romamädchen in Guca, Serbien (Foto: Mätzke-Hodzic)

Roma-Mädchen in Guca, Serbien (Foto: Mätzke-Hodzic)

Viele Vorurteile über Roma halten sich hartnäckig – sie seien Diebe, faul, mysteriöse Wahrsager, ewige Nomaden, exotisch, primitiv. Wenn sie nicht gerade diskriminiert werden, dann wird in den höchsten Tönen von ihrer Musikalität geschwärmt. Ein Extrem scheint das nächste zu jagen, wenn wir von diesem Volk sprechen, das viele Fragen aufwirft und über welches doch so viel Unwissen herrscht. Musik spielt für einige Roma durchaus eine wichtige Rolle. Sie jedoch nur darauf zu stigmatisieren, scheint ihnen nicht gerecht zu werden. Der Filmregisseur Tony Gatlif, in Frankreich wohnhaft und in Algerien geboren, hat algerische sowie Roma-Vorfahren. In seinen Filmen widmet er sich den Lebensumständen der Roma in unterschiedlichen Ländern, in all seinen Facetten, setzt sich mit deren vielfältigen Traditionen, ihrer Geschichte und Herkunft auseinander. Durch seine Filme verdeutlicht er, wie heterogen Roma sind und leben. In einem aktuellen Film von ihm, „Liberte“ (in der englischen Fassung auch – Korkoro – was Frieden in der Romane-Sprache bedeutet), nähert er sich dem grausamen Kapitel des Völkermords an den Roma in Frankreich zur Zeit des 2. Weltkrieges.

Je fremder den Menschen ein Volk ist, umso misstrauischer stehen sie diesem oftmals gegenüber. Es bleibt  zu hoffen, dass die Roma in Zukunft mehr Anerkennung erlangen. Dass wir ihnen endlich den Frieden (zurück)geben, den sie verdienen. Uns von verstaubten Vorurteilen und Stereotypen, die bis in das Mittelalter zurückreichen befreien. Den Roma ihre Würde aber auch eine Stimme geben. Vielleicht wollen sie dann ja bleiben…

Vorschau: Nächste Woche erwatet Euch hier ein neuer Text von Anne!

Entspannung pur? Schluss mit den Yoga-Klischees

Wer hat eigentlich das lächerliche Gerücht in die Welt hinausposaunt, Yoga sei entspannend? Es hält sich nämlich hartnäckig. Erst kürzlich kam mir so ein Kommentar wieder zu Ohren. Ich war gerade vom Yoga nach Hause gekommen, hatte mich frisch geduscht und wollte meine Freundin in Empfang nehmen. Eher beiläufig erwähnte ich, dass ich ziemlich erschöpft sei. Was mir mit meinen roten Bäckchen durchaus abzukaufen war! Sie blickte mich darauf ungläubig an. „Vom Yoga etwa?“ „Das ist doch entspannend, oder?“ Da wunderte ich mich, nicht zum ersten Mal darüber, wieviel Unwissen und Skepsis über die Yoga-Praxis herrscht. Ich muss allerdings gleich zu Beginn anmerken – eigentlich habe ich mit Yoga erst vor wenigen Monaten begonnen. Ich bin also alles andere als eine Yoga-Expertin. Ich habe allerdings genügend Einblicke erhalten, es quasi am eigenen Körper erfahren, um klarstellen zu können – Yoga ist alles andere als Entspannung pur! Aber beginnen wir von Anfang an:

Meditation und der Geruch von Räucherstäbchen: Wer glaubt, darum gehe es im Yoga ausschließlich, der hat weit gefehlt.(©Paulwip  / pixelio.de)

Meditation und der Geruch von Räucherstäbchen: Wer glaubt, darum gehe es im Yoga ausschließlich, der hat weit gefehlt! (©Paulwip / pixelio.de)

Das Yoga eine uralte philosophische Lehre ist, die aus Indien stammt, ist den Meisten wohl bekannt. Yoga beruht auf sehr alten Schriften – die älteste geht dabei auf das zweite Jahrhundert nach Christus zurück. Diese heiligen Schriften von verschiedenen Gelehrten, bilden heute das Grundgerüst einiger Yoga-Arten. Die Körperübungen, sogenannte Asanas, gesellten sich erst sehr viel später dazu, machen heute aber einen bedeutenden Teil des Yogas, wie er zumindest in westlichen Ländern gelehrt wird, aus. Gegenwärtig existiert eine breite Fülle an Yoga-Ausrichtungen, welche sich in den Übungen und in der Intensität in der Asanas ausgeführt werden, wesentlich unterscheiden. Das Tolle daran ist – für jeden Geschmack ist etwas dabei! Für diejenigen, die Spaß an körperlichen Herausforderungen haben, aber auch für jene, die es lieber ruhiger angehen lassen. Noch toller: Yoga lässt sich problemlos in den Alltag integrieren. Matte ausgerollt und los geht‘s! (zugegeben eine gehörige Portion Motivation gepaart mit Disziplin ist unabdingbar!)

Ganzheitliche Beansprunchung: Yoga verlangt viel Körperbeherrschung und Disziplin von einem ab (©Philipp Wiebe  / pixelio.de)

Ganzheitliche Beanspruchung des Körpers: Yoga verlangt viel Körperbeherrschung und Disziplin von einem ab (©Philipp Wiebe / pixelio.de)

Ich übe mich im Hatha-Yoga, einer sehr körperbetonten, klassischen Yoga-Form, in der die Übungen langsam und bewusst im Wechsel mit Entspannungsphasen ausgeführt werden. Dieses Yoga eignet sich besonders für Anfänger, da Fehlhaltungen von den „Yogis“ (so nennen sich die, die Yoga praktizieren, sich allerdings schon auf einem fortgeschrittenen Level befinden) schnell erkannt werden. Wer ordentlich schwitzen will, sollte sich im Ashtanga-Yoga probieren, welches viel Kondition erfordert und in dem die Übungen in einer flotten Tempoabfolge durchgeführt werden. Schwitzen ist also Programm! Und wer Schwitzen im wortwörtlichen Sinne versteht, sollte mal eine Runde Bikram-Yoga in Erwägung ziehen – In einem auf 40 Grad Celsius aufgeheizten Raum, werden 26 Asanas in einer genauen Abfolge ohne Pause vollführt. Klingt nach purer Entspannung, oder? Wer aber wirklich die Absicht hat, im Yoga zur Ruhe zu kommen, dem sei Kundalini-Yoga ans Herz gelegt. Hier wird der spirituellen Seite des Yogas viel Raum gegeben und die Meditation steht im Vordergrund. Wer gerne dem Beispiel von Prominenten wie etwa Madonna folgt, der könnte Freude am dynamischen Jivamukti-Yoga haben. Hier werden kraftbetonte Übungen in einem fließenden Ablauf praktiziert und mit der Lehre von heiligen Schriften und Mediation vereint. Jivamukti setzt sich aus Jiva (Seele) und mukti (Befreiung) zusammen und bedeutet so viel wie „Befreiung der Seele“. Klingt doch vielversprechend, oder?

Und irgendwann kommt dann die Erleuchtung? Sicher ist Yoga ist wohltuend für Körper und Geist! (©Thorben Wengert  / pixelio.de)

Und irgendwann kommt dann die Erleuchtung? Sicher ist – Yoga ist wohltuend für Körper und Geist! (©Thorben Wengert / pixelio.de)

Yoga bedeutet weitaus mehr als ausschließlich verrenkende, fast akrobatisch anmutende Körperübungen zu vollführen. Vielmehr ist es die philosophische Lehre auf der alles begründet. Gerade in heutigen Zeiten, wo ein häufiges Volksleiden Stress ist und nie dagewesene Krankheitsbilder wie Burn-Out auftauchen, wo Menschen gehäuft an körperlichen Beschwerden leiden, scheinen die Yoga-Studios Hochkonjunktur zu verzeichnen. Nicht umsonst ist mittlerweile bei vielen Krankenkassen Yoga als Präventionsmaßnahme anerkannt.

Wer seine Vorurteile einmal von Bord wirft und sich auf Yoga einlässt wird bemerken, dass Yoga neben schweißtreibenden Übungen, auch ein völlig neues Lebensgefühl verleiht. Yoga lehrt den Mensch, auf sich Acht zu geben, seine Gedanken zu fokussieren, zugleich aber auch die eigenen Grenzen und Ängste zu überwinden und sich so vom „inneren Leiden“ zu heilen. Und deshalb ein kleiner Wink an denjenigen, der dieses unsinnige Gerücht, von wegen Yoga sei entspannend, in die Welt setzte: Yoga wirkt sogar entspannend UND anstrengend zugschleich! Schreib dir das gefälligst hinter die Ohren. Namaste!

Vorschau: Eva setzt sich nächste Woche mit einem hochaktuellen Thema auseinander: 70 Jahre nach Ausschwitz gibt es AfD und Pegida.

 

Farbgefühle Festival Heidelberg

Spaß beim Farbenwurf: Hier blieb keiner sauber (Foto: Hsiao / www.debing.de)

„Holi“, das Fest der Farben, ist ein Festival von zwei bis zehn Tagen im Frühling, aus dem nördlichen Indien. Dabei wird ausgelassen gefeiert und sich gegenseitig mit farblichem Pulver und buntem Wasser beschmissen. Während früher das Pulver, auch Gulal genannt, aus Blüten, Wurzeln und Kräutern gewonnen wurden, sind heute synthetische Farben die Regel. Nichts desto trotz soll es den Sieg des Frühlings über den Winter, des Guten über das Böse, symbolisieren. Alle Streitigkeiten sind in der farbenfrohen Welt begraben. In Heidelberg fand nun ein ähnliches Spektakel statt.

„Elara Entertainment“, der Veranstalter des Farbgefühle Festivals, betont, dass diese Veranstaltung nicht mit dem Holi Festival in Indien zu vergleichen ist und man das Original nicht kopieren wolle. Es soll ein Festival sein, bei dem neben der Farbenschlacht auch die Music-Acts im Vordergrund stehen.

Aufopferung: Auch der tapfere Journalist (links) muss sich bei seinen Recherchen manchmal schmutzig machen (Foto: Hsiao / www.debing.de)

Am Sonntag, den 12. August im Heidelgarten in Heidelberg, begann das Festival um 14 Uhr. Die Anreisenden waren leicht zu erkennen, da der Großteil der Besucher in weiß gekleidet war.  Die Standardangebote für Essen und Trinken, wie Bratwurst und Cola, waren zu erwerben und von der Bühne schallte die Musik. Schon jetzt wurden die ersten Farbbeutel genutzt, um sich gegenseitig zu beschmieren und Farbe ins Gesicht zu bringen. Wer sich zusätzlich, zu dem im Eintrittsgeld enthaltenen Farbbeutel,  Weitere kaufen wollte konnte dies tun solange der Vorrat reichte.

Die Menschen waren alle in Feierlaune. Türsteher/innen, Bedienstete, Sanitäter des DLRG und Besucher/innen haben jeden Spaß mitgemacht und  jeder zeigte sich freundlich und offenherzig.

Nicht jeder Besucher war im Nachhinein mit der Organisation zufrieden, doch darüber lässt sich streiten. Doch da dies der erste Versuch eines solchen Festivals war sind auch noch einige Fehler erlaubt. In den kommenden Jahren können diese noch ausgemerzt werden.

Um 18 Uhr kam es endlich zum „Big Throw“. Alle, die noch Farbe in ihrem Farbbeutel hatten, warfen diese gleichzeitig in die Luft. Die blauen, gelben, grünen und roten Farben ergaben in der Mischung jedoch ein einheitliches Grau. Am Ende des Festivals war keiner von den Farben unberührt.

Für Notdürftige gab es neben der VIP-Lounge eine Wasserdusche, bei der man sich zum Teil sauber machen konnte. Die Farben ließen sich auch leicht entfernen. Für diejenigen, die nicht am nächsten Tag früh aufstehen und noch mit dem Zug nach Hause fahren mussten wurde die Musik bis 22 Uhr gespielt.

Alles in allem war dieses Festival gelungen. Ob es die 15 Euro für das Ticket wert waren, muss jeder für sich selbst entscheiden. Dem „Holi“-Festival in Indien kann es sicherlich nicht das Wasser reichen. Dies ist ein Ereignis, welches man zusätzlich erleben sollte.

Vorschau: Am Dienstag, 21. August, lest ihr an dieser Stelle die Ergebnisse zum Selbstversuch Bodypainting.

Eine Reise in die faszinierende Welt des Subkontinents Indien

Normalerweise richtet sich das Programm des Vital-Zentrums Ludwigshafen an Senioren und ihre Gesundheit. Jedoch umfasst der Begriff „Gesundheit“ ein sehr breites Spektrum und deswegen werden auch Vorträge zur geistigen Horizonterweiterung angeboten. So geschehen letzten Montag, 28. November als Elke Galle unter dem Titel „Eine Reise in die faszinierende Welt des Subkontinents Indien“ über ihren Besuch in ebendiesem Land referierte.
Dreimal musste sie den Flieger besteigen, um von einem Teil des Landes in den nächsten zu gelangen. Delhi, Jaipur und Mumbai waren dabei die Ausgangspunkte, von denen sie und ihre Gruppe jedes Mal das Umland und die Städte selbst erkundeten. Die Gruppenführung hatte außer der indischen Leitung noch ein protestantischer Pastor und ein indisch-katholischer Priester inne.

„Tuc Tuc“, lautet die Überschrift von Galles erster Powerpoint-Folie. Und das ist nicht ein längst vergessener Begriff aus dem Dadaismus, sondern der Name des Standartfahrzeugs, wenn man einen Inder fragt. Winzig kleine dreirädrige Minibusse, überfüllt von Menschen sind auf den Bildern zu erkennen. Der Verkehr sei desaströs, berichtet Galle: „Eine Strecke, für die man in Deutschland 20 Minuten bräuchte, dauert in Indien mit dem Reisebus schon einmal zwei Stunden.“ Ein guter Grund hierfür ist nicht nur der enorme Verkehr in Indiens Großstädten, sondern auch die vielen Kühe, die oft ein bisschen verwahrlost und mager erscheinen können.
Doch nicht nur Kühe beherbergt der tropische Subkontinent. Zu einem alten Moguln-Fort wird man auch schon einmal von Elefanten getragen, während vom Wegesrand her Affen grüßen. Dieses Transportmittel war übrigens von 1980-2000 für Touristen verboten, da es in der Brunftzeit der Elefanten des Öfteren zu Zwischenfällen und sogar einigen Toten gekommen war.
Auch der Umgang mit der indischen Bevölkerung gestaltet sich nicht immer leicht, so Galles. Tief beeindruckt ist sie von der Höflichkeit und Gastfreundlichkeit der Leute. Beim Trinkgeld gleicht das Verhältnis Gast und Bediensteter auch schon oft einem kleinen Kampf. Als sie einem Portier bei ihrer Abreise nichts geben will, geht dieser in ihr Zimmer zurück und holt sich das Trinkgeld, was eigentlich für andere Bedienstete vorgesehen war, berichtet die Referentin empört. Auch das Kastensystem sei Europäern meist fremd. Das Bild einer Wäscherei habe sich bei ihr sehr tief eingeprägt und der Dreck, in dem die Menschen dort leben. Hingegen stammt der begleitende Pater Pius aus der obersten Kaste, erzählt sie, und hat sich, wie es für seinen Stand üblich ist, für ein Leben als Geistlicher entschieden.

Jedoch weiß Galle auch zum Abschluss von einer Lockerung dieser Schranken zu berichten. „In den großen Städten ist das schon alles viel liberaler als auf dem Land.“

Vorschau: In zwei Wochen folgt Teil zwei von Shions Krakau-Bericht.

Wohin soll’s gehen? – Lieblingsreiseziele

Fünf Menschen, vier unterschiedliche Ansichten, was das Reisen betrifft. Face2Face hat nachgefragt, wohin Menschen unterschiedlichen Alters und Neigungen gerne hinreisen wollen und warum.

Stephanie Bälz aus Stuttgart bezeichnet sich selbst als Liebhaberin des Bagpacker-Reisestils – „Unkompliziert und immer für Neues offen“. Als Lieblingsziel nennt sie spontan „die ganze Welt“, um dann gleich etwas genauer zu werden: „Aber um etwas speziell herauszugreifen, würde ich Afrika nehmen“. Dort war sie nämlich noch nicht. Aber letzten Sommerurlaub hat Stephanie es immerhin schon in die Nähe gebracht, Dubai hieß das Ziel. „In Afrika würde ich auf jeden Fall eine Safari machen und all die Tiere zu sehen, die man sonst nur im Gehege eines Zoos sieht“, meint sie, „aber auch die Menschen, die dort leben, und die Landschaft interessiert mich.“ Dennoch ist sie unentschieden, wohin es bei ihr als Nächstes gehen soll: „Entweder Brasilien oder Afrika. Es gibt so viele Möglichkeiten, es ist schwer, sich da zu entscheiden.“

Maria Moncewicz aus Berlin hat mir ihren zehn Jahren wohl noch die wenigste Erfahrung, was das Reisen betrifft. „Aber mit Touristen kenne ich mich bestens aus“, meint die Hauptstädterin. In Sylt war sie letzten Sommer mit der Familie im Urlaub: „Das Wasser war mir viel zu kalt und der Wind hat alles noch kälter gemacht!“ Deshalb ist ihr Lieblingsreiseziel gerade ein wärmeres Land: „Indien- wir lesen gerade in der Schule ein Buch über einen indischen jungen aus der untersten Kaste, – das sind die Einteilungen, wie reich man in Indien ist“, was Maria sehr bedrückend und interessant zugleich findet. „Ich würde gern wissen, ob die Menschen da wirklich so arm sind, wie ich mir das jetzt vorstelle.“ Ob ihr Traum, eine Reise dorthin zu machen, in Erfüllung geht, ist in nächster Zeit aber eher unwahrscheinlich, denn „der Papa sagt, das ist viel zu weit weg und noch nichts für mich“, schließt Maria mit verschränkten Armen.

Dass man sich nicht nur auf eine Region beschränken muss, beweist Katharina Homolka eindrucksvoll. „Israel und den Bodensee“, gibt sie als ihre Lieblingsreiseziele an. Diese so gegensätzlichen Ziele fügen sich bei ihr aus unterschiedlichen Gründen zusammen: „In Israel war ich schon als Studentin im Kibbuz. Das sind meine Jugenderinnerungen. Das heutige Israel hat aber nicht mehr viel mit dieser Zeit, der Gründerzeit Israels zu tun.“ Aber auch heute, findet sie, hat das Land noch ihre Reize. „In Israel gefällt mir ganz viel: die Menschen, die aus verschiedenen Kulturen und Religionen kommen. Die Problematik, unter der alle leiden und die man besser verstehen kann, wenn man dort war.“ Dagegen gefällt ihr am Bodensee „die Nähe zu anderen Ländern, dass es nicht überfüllt ist und die kleinen Städte.“ Dennoch will sie sich noch lange nicht auf diese zwei Orte festlegen und plant schon eifrig eine Reiseroute an der Ostküste der USA.

Cornelia Beisser ist mit siebzig Jahren nicht nur die älteste der Befragten, sie ist auch die reiseeifrigste. Obwohl schon nicht mehr ganz standfest, erkundet sie mutig weiter als Rentnerin Deutschland und auch andere Länder, deren Kultur sie interessant findet. Rumänien liegt ihr besonders am Herzen, da sie von dort vor fünfundsechzig Jahren nach Deutschland emigrieren musste. Daher war ihre Rundreise dorthin im letzten Jahr ein besonderes Reise-Highlight. Doch schon zieht es sie weiter nach Kastilien in die Hauptstadt Spaniens nach Madrid.

Vorschau: Das nächste Mal gibt es wieder einen Bericht aus der näheren Umgebung. Mannheim wirbt zwar mit dem größten Volksfest der Region, aber wir besuchen ein wirklich großes: Den „Wasen“ in Stuttgart.