Eine Karrierefrau packt aus

Kinderlos, egozentrisch, kaltblütig und karrieregeil – genau das ist Constance Hahn nicht. Und trotzdem bezeichnet sich die 26-jährige Unternehmerin und Mutter einer kleinen Tochter als Karrierefrau. Wie sie sich selbst sieht, wie andere sie wahrnehmen und welche Tipps sie für angehende Karrierefrauen parat hat, verrät sie uns im Interview.

Kalt und egozentrisch: Ist das die typische Karrierefrau? (Foto: Hahn)

Kaltblütig und egozentrisch: Ist das die typische Karrierefrau? (Foto: Hahn)

Face2Face: Du bist Gründerin und Chefin einer Wirtschaftsberatung – gibt es in deinem geschäftlichen Umfeld mehr Männer oder mehr Frauen?
Constance: Die Kollegen aus meiner Branche sind hauptsächlich Männer. Meine Klientel aus der Beratung ist gemischt. Allerdings beobachte ich bei den Existenzgründungsberatungen, dass immer mehr Frauen den Mut haben sich selbstständig zu machen.

Face2Face: Was zeichnet eine „Karrierefrau“ deiner Meinung nach aus und würdest du sagen, du bist eine?
Constance: Leider ist der Begriff „Karrierefrau“ mittlerweile sehr negativ behaftet. Eine Karrierefrau wie sie sich heute die meisten vorstellen, ist kinderlos, egozentrisch, kaltblütig und karrieregeil. Aber nur weil eine Frau beruflich erfolgreich sein will, heißt es nicht, dass sie diesen charakterlich negativen Einschlag hat. Für mich zeichnet sich eine nach beruflicher Weiterentwicklung strebende Frau durch Charakterstärke, Durchhaltevermögen und Konsequenz aus. Und ja, ich würde sagen, diese Eigenschaften bringe ich definitiv mit.

Face2Face: Wieso hast du ein eigenes Unternehmen gegründet? Wie kam es dazu?
Constance: Das besondere an der von mir gegründeten Wirtschaftsberatung ist, dass wir sowohl Privatpersonen und Unternehmen als auch Existenzgründer beraten. Und das in diversen Bereichen – von der klassischen Wirtschaftsberatung, über Familienberatung bis hin zu Karriereplanung. Diese Beratungsvielfalt plus die Tatsache, dass wir keine Finanzprodukte vertreiben, fehlte bisher auf dem deutschen Markt. Das habe ich nach meinem Auslandsaufenthalt gemerkt, als ich immer wieder auf solche Dienstleistungen angesprochen wurde. Mittlerweile kann ich mit Stolz sagen, dass wir über 200 Partnern weltweit betreuen.

Face2Face: Du bist auch Mutter einer kleinen Tochter – fällt es dir schwer, Job und Privatleben unter einen Hut zu bekommen?
Constance: Mutter einer anderthalbjährigen Tochter zu sein, ist natürlich aufregend und macht viel Freude, ab und zu kann es aber auch mal anstrengend werden. Erst letzte Woche ist mir beim Kochen mit Kind auf dem Arm das Handy in die heiße Pfanne gefallen, als ein Kunde anrief. Aber das sind eben solche Alltagssituationen, die eine Woche später beim Plausch mit Freunden für Lacher sorgen.
Ich versuche gleichermaßen für mein Unternehmen, meine Klienten und meine Tochter da zu sein. Am Wochenende zum Beispiel ist mein Handy aus und ich bin nur für Familie und meinen Sport da – alles nur eine Frage der Einstellung und des Zeitmanagements. Wenn es zeitlich dann doch mal kritisch wird, kann ich auf die Unterstützung meiner Nanny zählen. Sie kümmert sich wundervoll um meine Tochter und den Haushalt und ich kann ihr zu 100 % vertrauen.

Karrierefrau und Mutter: Constance Hahn (Foto: Hahn)

Karrierefrau und Mutter: Constance Hahn (Foto: Hahn)

Face2Face: Mit welchen Vorurteilen hast du als Unternehmenschefin und Mutter zu kämpfen? Wie reagierst du auf negative Kommentare?
Constance: Die ersten Worte, die ersten Schritte – als ich Mutter wurde, hat mir eine Bekannte vorgehalten, dass ich durch meinen Job die Entwicklung meiner Tochter verpassen würde. Aber nur weil man arbeitet, heißt es nicht, dass man eine schlechte Mutter ist. Arbeiten ist anspruchsvoll, Mutter sein ist anspruchsvoll – beides zusammen ist am anspruchsvollsten. Vor allem wenn man ein Unternehmen leitet und Mutter ist, muss man eben manchmal die Augen zu machen und weiterkämpfen. Auch ich hatte den ein oder anderen Rückschlag. Immer wieder gibt es Dinge, die nicht so funktionieren wie ich es gerne hätte.
Es wird immer Menschen geben, die Vorurteile haben. Wenn ich mir alle Vorurteile zu Herzen nehmen würde, könnte ich mich unter der Bettdecke verkriechen und einfach gar nichts mehr machen, aber selbst dann würden die Leute reden, also ist mein Tipp: immer locker bleiben.

Face2Face: Zurück zum Geschäft: Ihr bietet auch Karriereberatung an. An wen richtet sich dieses Angebot?
Constance: Mit der Karriereberatung wollen wir vor allem junge Menschen bis 30 Jahre ansprechen. Egal ob es um die Wahl des richtigen Studiums oder des Berufes geht oder auch um den Start in die Selbstständigkeit – wir möchten junge Menschen bei ihrem beruflichen Werdegang unterstützen. Menschen mit klaren beruflichen Zielen kommen schneller weiter und das schaffen sie am besten mit einem kompetenten Ansprechpartner an ihrer Seite. Wir arbeiten mit vielen großen Unternehmen zusammen, sodass wir schön häufiger ein Plätzchen für junge, engagierte und motivierte Menschen gefunden haben beziehungsweise sie dabei unterstützen konnten, sich mit Ihrem eigenen Unternehmen am Markt zu etablieren. Um junge Menschen zu erreichen, sind wir nicht nur auf Gründermessen in ganz Deutschland unterwegs, sondern auch Kooperationspartner der Gründerwoche Deutschland, die jedes Jahr bundesweit stattfindet.

Face2Face: Wie unterscheiden sich weibliche und männliche Beratungssuchende?
Constance: Männliche Klienten sind meist sehr rational. Hier steht der finanzielle Aspekt im Vordergrund sowie das schnelle Vorankommen auf der Karriereleiter. Weibliche Beratungssuchende sind dagegen sehr emotional in ihren Entscheidungen. Sie denken an viele Aspekte, zum Beispiel auch an die Work-Life-Balance. Außerdem denken sie eher sicherheitsorientiert, sind oft gut strukturiert und wollen ihre Wünsche zeitnah umsetzen.

Face2Face: Gibt es einen Rat, den du allen jungen Menschen, die sich mit der Planung ihrer Karriere auseinandersetzen, mit auf den Weg geben kannst?
Constance: Macht euch Gedanken, wie ihre euer Ziel erreichen wollt. Um Rückschläge besser zu verkraften, macht Plan A und B.
Wichtig ist, niemals seine Persönlichkeit zu vergessen. Wer nicht gerne delegiert, ist in einem Angestelltenverhältnis vielleicht genau richtig aufgehoben. Lasst euch von niemandem einreden wie ihr am besten sein sollt. Wichtig ist, dass IHR mit eurem beruflichen Alltag zufrieden seid, denn das ist das, was ihr jeden Tag macht.

Dein Plan für eine vegane Woche

Wir für euch: 7 vegane Rezepte und Snackideen plus Einkaufsliste im Face2Face-Plan für eine vegane Woche (Foto: T. Gartner)

Wir für euch: 7 vegane Rezepte und Snackideen plus Einkaufsliste im Face2Face-Plan für eine vegane Woche (Foto: T. Gartner)

Einfach und schnell vegan kochen mit Zutaten aus dem Supermarkt – dabei wollen wir dich unterstützen. Ganz egal, ob du vorhast, deine Ernährung dauerhaft umzustellen, oder einfach nur mal „reinschnuppern“ willst – mit unserem Plan für eine vegane Woche inklusive Einkaufsliste und Snackideen gelingt beides völlig stressfrei.

Spare Zeit!

Keine zeitraubende Suche nach guten Rezepten, stundenlanges In-der-Küche-stehen oder das Abklappern von drei verschiedenen Einkaufsläden – mit unserem Plan sparst du vor allem eins: wertvolle Zeit.

Eiweißquellen inklusive

Wo bekomme ich denn meine Proteine her ohne Fleisch und Eier? Keine Sorge – die Rezepte aus dem Plan enthalten Hülsenfrüchte und Sojaprodukte, also natürliche pflanzliche Eiweißquellen.

In den Einkaufswagen: Deine vegane Woche

Unseren Plan für eine vegane Woche plus Einkaufsliste und Snackideen könnt ihr für zehn Euro über diese E-Mail-Adresse bestellen: tatjana.gartner@face2face-magazin.de. Schreibt in den Betreff einfach „Vegane Woche“ und in die E-Mail euren vollständigen Namen plus Anschrift. Eure Daten werden nicht für Werbezwecke genutzt und nach Abwicklung der Bestellung wieder gelöscht.

Eure Vorteile auf einen Blick

  • 7 Hauptgerichte für zwei Personen
  • alle Zutaten gibt´s im Supermarkt
  • unkompliziert und schnell vegan kochen
  • Snackideen für zwischendurch
  • Zeit für die Zubereitung: max. 30min

Viel Spaß bei eurer veganen Woche!

Du liebst Fleisch und kannst dir ein Leben ohne tierische Produkte nicht vorstellen? Dann lies den Erfahrungsbericht unseres IT-Managers Denis. Er hat den Face2Face-Plan für eine vegane Woche ausprobiert und den Selbstversuch gewagt – von Spanferkel zu Tofu.

Mehr Tipps zum Thema „Ernährungsumstellung auf vegan“ findest du HIER.

Drei Tipps zur Selbstverteidigung

Im schummrigen Licht der Straßenlaternen liegt die Gasse vor mir. Sie scheint ins Nichts zu führen. Der Boden ist nass vom andauernden Nieselregen. Verzerrte Gestalten spiegeln sich in den vom Wind zerfurchten Pfützen. Kein Mensch in Sicht. Ich will einfach nur nach Hause und laufe noch ein bisschen schneller. Meine Schritte hallen auf dem nassen Asphalt. Klack klack. Klack klack. Immer schneller. So viele Schritte. Als würde ich rennen, denke ich verwundert. Oder als wäre ich nicht alleine…

Wer sich in einer solchen Situation sicherer und selbstbewusster fühlen möchte, dem können Selbstverteidigungsübungen helfen. Wie ihr euch aus drei Griffen befreien könnt, zeigen wir euch im Video:

Vorschau: Nächsten Sonntag erfahrt ihr wie ihr Reisen in ferne Länder clever planen könnt.

Familiär verquer – ohne Familie geht es auch nicht

Manchmal wünsche ich mir, in einer anderen Stadt zu wohnen. In einer, in der mein Vater nicht um die Ecke wohnt, meine Großmutter an der Grundschule unterrichtet hat und mein Onkel Polizist war. In einer, in der meine Mutter nicht getuppert hat, die Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen mich und meinen Mann nicht selbst schon betreut haben. Kurz: In einer Stadt, ohne meine große Familie.

Die Überwachungskleinstadt

Geben und Nehmen: Eine Familie ist Fluch und Segen (©redsheep / pixelio.de)

Geben und Nehmen: Eine Familie ist Fluch und Segen (©redsheep / pixelio.de)

Als wir noch klein waren, kam unser Großvater immer an und sagte, er hätte von diesem oder jenem irgendwas gehört. Es war wie ein ständiger Nikolaustag, mit einem riesigen Buch, das jeden Tag wieder aufgeschlagen wurde. „Ich hab gehört“, fing er an, blickte von oben herab zu uns herunter und erzählte eine Geschichte, die oft so vage wie ein Horoskop war und uns dennoch Feuer unterm Hintern machte. Ständige Überwachung. Big Brother is watching you. In der Kleinstadt. Und mit den Jährchen ist es nicht besser geworden. Egal, in welches Geschäft ich gehe, in welche Straße ich komme, täglich treffe ich Menschen, die in mir meine Mutter erkennen, die meinen Familiennamen einem Mitglied meiner väterlichen Seite zuordnen und für die ich ewig ein Nachkomme eines Menschen sein werde, den sie einmal gekannt haben.

Viele Augen: Mit viel Familie am Ort ist man nie unbeobachtet (©Henning Hraban Ramm / pixelio.de)

Viele Augen: Mit viel Familie am Ort ist man nie unbeobachtet (©Henning Hraban Ramm / pixelio.de)

Fluch und Segen
Was macht sie mich wahnsinnig, diese große Familie. So kleinbürgerlich, spießig und allzu oft wie aus einem kitschigen Roman. Und ich bin unendlich froh, sie zu haben. Meine Mutter beispielsweise feiert ihre Überstunden ab, damit ich dafür arbeiten gehen kann. Meine Großmutter versorgt uns mit Gemüse aus dem Garten und selbstgemachtem Obstsaft, mein Vater kommt um die Ecke gesprungen, wenn bei uns der Notstand ausgerufen wird. Meine Familie ist mein Rettungsring, mein Fallschirm und mein persönlicher Notruf. Die Telefonliste, aus der ich wählen kann, wenn ich Hilfe brauche, ist lang und hat mich noch nie enttäuscht. Und natürlich ist das ein Geben und Nehmen. Als mein Vater letztes Jahr wegen eines Bandscheibenvorfalls über einen Monat ans Bett gefesselt war, haben wir geholfen und sind gesprungen.

Verbunden und verwandt

Alle für einen: ohne Familie geht es eben auch nicht (©birgitta Hohenester / pixelio.de)

Alle für einen: ohne Familie geht es eben auch nicht (©birgitta Hohenester / pixelio.de)

Im Grunde also, ist meine Familie so wenig selbstlos, wie ein Dienstleister. Ich zahle vielleicht kein Geld, wenn meine Mutter die Kinderbetreuung übernimmt. Dafür ruft sie zuerst mich an, wenn sie von der Werkstatt abgeholt werden muss oder krank ist und ein paar Sachen aus dem Laden braucht. Sie hat so einiges bei uns gut. Andererseits ist ihre bestehende Sorge um ihre Kinder und Enkelkinder ja auch dem Egoismus ihrer Gene zu verdanken. Jenem kleinen animalischem Trieb, den wir uns noch nicht abtrainieren konnten und der einer Familie zu einer engen Verbundenheit verhilft. Wenn die selbe Kraft auch noch in der gesamten Gesellschaft funktionieren würde, hätten wir bedeutend weniger Probleme, glaube ich.

Vorschau: In zwei Wochen frage ich mich hier, wie viel Eitelkeit gesund ist.

Anleitung zum Kranksein

Erkältungszeit? Hier eine Anleitung zum Kranksein (© S--Hofschklaeger / pixelio.de)

Erkältungszeit? Hier eine Anleitung zum Kranksein (© S–Hofschklaeger / pixelio.de)

Es regnet. Und mit jedem Tropfen vor der Tür schwillt die Nase, die Augen tränen, der Kopf brummt. Herbst heißt Erkältungszeit, Grippezeit, Krankenzeit. Überall hustet, keucht, schnieft und röchelt es, denn – jetzt mal ehrlich – nicht mal krank sein können wir richtig. Im letzten Jahr verbuchte das statistische Bundesamt, hat sich jeder Arbeitnehmer neun Tage krank gemeldet. Neun Tage. Für die alte Regel, dass eine Erkältung vierzehn Tage lang dauert und mit Medikamenten zwei Wochen heißt das, dass kaum jemand diese Krankenzeit auch wirklich krank war. Wahrscheinlicher ist, dass er mehr als die Hälfte dieser Zeit gearbeitet hat.

Ja, ich weiß, nicht jede Erkältung zwingt uns in die Knie. Manch einer lässt sich von keinem Schnupfen die Stirn bieten und andere gehen sogar mit Fieber arbeiten. Gesund ist das nicht, im wahrsten Sinne des Wortes. Dann schleppen wir die Krankheit tapfer mit uns, verschwinden am Wochenende mit Wickeln im Bett, betäuben uns mit Medikamenten und Hausmittelchen. Thymiantee, Ingwertropfen, Kräuterbalsam, Lutschpastillen.

Richtig Kranksein: Mit Kräutertee und Lutschpastillen (© w.r.wagner / pixelio.de)

Richtig Kranksein: Mit Kräutertee und Lutschpastillen (© w.r.wagner / pixelio.de)

Warum sind wir nicht mal wieder so richtig krank. Schlagen dem Tag, der immer nur fordert, einfach die Nase vor der Tür zu und sagen: Nö, du, heute mal nicht. Wir legen uns ins Bett oder auf das Sofa, mit Wärmflasche und Kirschkernkissen, die dampfende Teekanne steht neben unserer Tasse, ein großes Glas Honig und eine Tüte Bonbons daneben. Wir stehen erst auf, wenn die Suppe kommt, gekocht von Mutti, Papa, dem Partner oder dem Lieferservice. Und danach legen wir uns wieder hin. Wir schauen miese Wiederholungen im Fernsehen oder hören den ganzen Tag das gleiche Hörbuch, bei dem wir immer wieder einschlafen. Wir besorgen uns ein Lavendelkuscheltier für die Mikrowelle, eine Decke mit Ärmeln.

Lasst uns krank sein – und es genießen. Der Druck auf unsere Nebenhöhlen ist groß genug, da können uns die Arbeit, die Kinder, der Abwasch und der Müll einfach mal egal sein. Unser Körper kämpft in einem Krieg und wir können die Alliierten sein. Für ein oder zwei Tage ticken die Uhren anders, wir hören nur auf uns, unser Wehklagen, unsere Bedürfnisse. Wir sind große Babys, die bemuttert werden wollen, denn wir sind verdammt nochmal krank. Singt das Katzentanzlied für uns, wer auch immer gerade noch auf den Beinen steht.

Kranksein genießen? Geht, wenn wir umsorgt werden (© Stefan Bayer / pixelio.de)

Kranksein genießen? Geht, wenn wir umsorgt werden (© Stefan Bayer / pixelio.de)

Kosten wir unsere Situation aus, die Hilfsbereitschaft von Verwandten, Freunden und Nachbarn, die schnelle Krankschreibung beim Arzt, die volle Tüte aus der Apotheke. Gönnen wir uns ein bisschen von dieser Aufmerksamkeit, dem Mitleid, der Sorge. Solange wir nicht wirklich ernsthaft krank sind – und die Zeiten, dass eine Grippe die Massen der Bevölkerung hinweggerafft hat, sind vorbei – können wir uns ziemlich sicher sein, dass unser Körper den Sieg davon trägt und die Viren, so oder so, in die Flucht schlägt.

Dann kommt das dicke Ende. Unsere Stimme klingt wieder normal, unsere Nase wird frei, unsere Gedanken fassen wieder, was da noch alles vor uns liegt. Dann können wir uns immer noch sorgen, hetzten, wieder einsteigen in die Beschleunigung des Alltags. Die Arbeit läuft uns nicht davon, die Möglichkeit, uns wirklich zu kurieren schon. Frisch erholt arbeiten wir schneller, effektiver, besser, als mit triefender Nase. Wenn wir nur etwas mehr Zeit in unsere Genesung investieren würden, hätten alle etwas davon. Unsere Kollegen, die wir nicht anstecken. Unser Stapel auf dem Schreibtisch, der plötzlich erklimmbar wird, schon allein, weil wir unseren Kopf wieder ohne Stechen in den Nebenhöhlen heben können. Unsere Familie, die sich auch einmal um uns kümmern durfte und weiß, dass sie etwas bei uns gut hat. Denn die nächste Grippe kommt bestimmt und wer weiß schon, wer dann auf der Couch landet.

Die richtige Pille? Manchmal müssen wir einfach krank sein (© l-Vista / pixelio.de)

Die richtige Pille? Manchmal müssen wir einfach krank sein (© l-Vista / pixelio.de)

Ich für meinen Teil koche meinem kranken Mann jetzt noch einen Tee und rate ihm dringend, das Kranksein doch auch mal als Möglichkeit der Entschleunigung zu sehen. Als Erholungsurlaub, wenn der Körper ihn dringend nötig hat. Er wird mir nicht recht geben, aber ein bisschen, so ein kleines bisschen freut er sich, dass die Couch für ihn reserviert ist, die Kinder etwas leiser spielen und die Welt sich auch ohne ihn weiterdrehen kann.

Vorschau: Nächste Woche meint Anna hier, wir sollten uns mehr den Jahreszeiten anpassen.

Flüchtlinge auf der Rentnerfähre, oder: ‚Peinliche‘ Gedanken übers Helfen

Ich war diesen Monat mit meinem Freund auf einem Schiff, von dem es kein Entrinnen gab, einer großen, grausamen Tourismusfähre auf dem Weg von Lübeck – Travemünde nach Trelborg in Schweden. Wir waren 12 Stunden auf See, beziehungsweise wir schipperten ziemlich artig immer weiter am Rand der Küste entlang. Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu so gut wie allen Fortbewegungsmitteln, die nicht meine eigenen zwei Füße sind. So war ich einen guten Teil der Zeit  damit beschäftigt, abzumessen, ob ich im Notfall schwimmend das andere Ufer erreichen könnte. Die Passagiere waren eher ältere Semester, viele Ehepaare in Funktionsjacken mit Halterungen für isotonische Getränke, die sich einredeten, dies sei die raue See.  Auch einige typische Kreuzfahrtmenschen, die sich dünn und weiß angezogen hatten und sich vorgenommen haben an Bord den puren Konsum zu vollziehen. Wenigstens einmal im Jahr Saufen bis der Arzt kommt und alles ohne Reue. Die komischen Leute wurden immer lustiger, wobei ihre Art von Lustigkeit  darin bestand  am laufenden Band doofe Witze über ihre Ehe zu reißen. Aber im Dummsein waren sie verteufelt gut. In Rostock waren anscheinend zwei Familien zugestiegen, die auf der Flucht waren. Ich denke, sie kamen aus Syrien, aber ich weiß es nicht. Sie schliefen fest und niemand wollte sie wecken. Vielleicht war es auch besser so, dass sie die weiß gekleideten oder „Funktionsbejackten“  Leute nicht sahen, die an ihnen vorbei wankten oder sie anstarrten. Ich grummelte: Was gibt es da zu gucken? Aber es ist in so einer Situation wohl ein Problem bloß zu grummeln und ihnen nicht laut entgegen zu schreien. Ich bin aber leider zum Gegenteil von Tumult erzogen  worden und komme, wenn etwas noch nicht total eskaliert ist, von meiner Zurückhaltung nicht los. Sie klebte in diesem Moment an mir wie ein böser Kaugummi.

Die Flüchtlinge lagen auf dem Boden, dazwischen standen Stühle, wo sich zwischendurch ein Hans-Peter drauf setzte und dann stöhnend wieder aufstand. „Zustände sind das.“ Das waren die Worte, die in fetten Lettern über den Köpfen der bundesdeutschen Bevölkerung ragten.

Ich hatte noch nie Flüchtlinge gesehen, die gerade auf der Flucht waren, sondern immer erst in den Erst- oder Zweitaufnahmeeinrichtungen. Diese Menschen waren so erschöpft, ich habe noch nie so erschöpfte Menschen gesehen. Die Menschen lagen dort und an ihnen vorbei gingen die Ströme von Rentnern, die hier waren, um zu saufen oder Kaffee zu trinken oder wie wir – in den Urlaub zu fahren. Das irritierte Zucken wenn die Alten dort vorbeiliefen und das zielstrebige Weitergehen in Richtung Schlemmerparadies und Panoramafenster mit Meerblick und nichts als Meerblick. Die Scheuklappen waren riesig. Bloß nach vorne gucken und nicht zurück. Aber wäre Anstarren nicht genauso schlimm gewesen? Beide Extreme sind im Umgang mit Menschen wohl falsch. Und ich geben zu, dass es nicht so einfach ist, einen Mittelweg zu finden.

Wir verzogen uns auch erst mal auf das Sonnendeck, wo die Sonne nicht schien und niemand war. Mir war übel, weil mich die Situation überforderte. Ich wollte etwas machen, wusste aber nicht was. Ich war überwältigt von der Erschöpfung dieser Menschen. Nur einmal im Krankenhaus hatte ich vorher eine solche Erschöpfung gesehen. Sie war nicht nur sichtbar, man konnte sie riechen, hören und anfassen. Ich musste an die Polizei denken, die eventuell in Trelborg vor dem Schiff stehen würde. Aber das war Schweden. In Schweden stand keine Polizei, nach Schweden konnte man noch fliehen, oder?

Irgendwann musste ich dann über die Reling reihern und danach dachte ich klarer. Was sollte man jetzt machen? Am liebsten wollte ich ihnen ja sagen, ich wäre die neue Ministerpräsidentin von Schweden und sie müssten sich keine Gedanken mehr machen. Es musste aber auch gehen, wenn man das nicht ist, dachte ich. Wir gaben den Leuten die Hälfte unserer schwedischen Kronen und versuchten uns mit einer Frau, die wach geworden war, zu unterhalten. Sie konnte kein Englisch. Wir konnten auch nicht allen Geld geben, wir gaben es den Leuten, die wach waren. Wie ungerecht. Ja. Am Ende hatten wir darüber auch wieder ein schlechtes Gefühl und die Frage, ob man noch etwas hätte besser machen können. Wir [Eva-Maria1] konnten nicht allen helfen. Das war so eine so klare Sache, dass wir sie kaum begreifen konnten. Da, wo die einfachste Logik ins Spiel kam, versagten wir so oft. Man muss nur aufpassen, dass die eigenen Gefühle im Anblick einer Katastrophe wie dieser einen nicht zur Verzweiflung bringen und  Handlungsunfähig machen. Es gab so viele Fragen, die dem Tun im Wege stehen: Mach ich das richtige? Ist meine Art zu helfen jetzt diskriminierend? Helfen nicht auch viele peinliche Leute und fühlen sich danach wie King Louie? Ist das nicht eh zu wenig, was ich tun kann?  Ja, kann alles sein, aber niemand kann so viele Fehler machen, wie wenn er gar nichts tut. Klingt wieder peinlich, klingt sogar wie eine peinliche, verlogene Spendenlotterie, aber ist doch wahr!

Und nächste Woche schreibt Eva über die Negativierung von Nachwuchs.

Mein Land – Dein Land

Wilkommen: Mein Deutschland heißt Flüchtlinge willkommen (© IESM / pixelio.de)

Wilkommen: Mein Deutschland heißt Flüchtlinge willkommen (© IESM / pixelio.de)

Manchmal bin ich mir sicher, dass dieses Deutschland in dem ich lebe, ein anderes ist. Ein anderes als das derjenigen, die vor Häusern stehen, in denen Menschen sitzen, die alles verloren haben, Todesangst und sich überall fremd fühlen. Ein anderes als das derjenigen, die sich trotzig wegdrehen, „Meins“ schreien, und meinen ihre vollen Taschen seien so leer, dass sie niemandem etwas abgeben wollen. Dann bin ich sehr traurig. Ich schaue in die Neuigkeiten bei Twitter und Facebook und merke, dass die Menschen, mit denen ich dort vernetzt bin, genauso fassungslos sind wie ich. Ich rede mit meinen Freunden und erkenne dasselbe. Dass da eine Grenze in unseren Köpfen ist, die keinen Halt vor Ländergrenzen macht.

Es gibt immer wieder diese Vergleiche, die aufwecken sollen. Dass mit dem Geld für einen Panzer zehntausende Flüchtlinge versorgt werden könnten, oder Griechenlands Schulden um soundso viel Prozent gemindert werden könnten. Irgendwie ziehen diese Zahlen an uns vorbei. Sie winken mahnend, wie eine alte Tante mit Blümchenhut, den Zeigefinger erhoben, schreien erbarmungslos, wie ein aufmüpfiger Jugendlicher, der die Welt eben ganz anders sieht. Ein Politiker sagt seine stammtischwürdige Meinung und schon wird Deutschland als Zerstörer Europas betitelt. Recht haben sie. Wie sollen wir uns in eine Gemeinschaft einfügen können, wenn wir in uns selbst so unendlich zerstritten sind.

Alles verloren: Kriegsflüchtlinge haben keine Heimat mehr (© Anna-Lena Ramm / pixelio.de)

Alles verloren: Kriegsflüchtlinge haben keine Heimat mehr (© Anna-Lena Ramm / pixelio.de)

Als meine Großmutter zehn war – wenig älter, als mein Sohn heute – hatte sie den Krieg gesehen. Sie war vertrieben worden aus dem Land, in dem sie geboren wurde, dem heutigen Ungarn, und in ein Land geschickt, in dem sie als „Nicht-Reichs-Deutsche“ Flüchtling war. Ihre Mutter, zwei ihrer Geschwister, viele, die sie kannte, waren tot. Eine kleine Schwester lief an ihrer Hand mit. Sie lebten in einem Lager. Unvorstellbar, was sie erlebt hat, ein Trauma, das sie nie verarbeiten konnte. Wenn ich von den Flüchtlingen höre, die vor dem Krieg in Syrien, vor dem IS, vor irgendeiner Art der Verfolgung in unser Land gekommen sind, muss ich an sie denken. Wenn ich höre, dass Flüchtlingsheime und Unterkünfte für Asylsuchende angezündet wurden, bin ich nicht einfach wütend oder traurig, es schmerzt mich richtig.

Ich kann verstehen, dass wir alle Angst haben. Angst vor Veränderung, Angst vor dem Fremden, Angst vor Fehlern, die andere machen. Davor, dass wir unser eigenes Leben nicht mehr so weiterführen können, wie wir wollen oder jetzt können. Aber ich verstehe keine Gewalt gegen Unschuldige, gegen Geflohene, die bereits alles verloren haben, gegen Familien und Kinder, gegen die, die uns die Hand entgegen gestreckt haben und „Hilfe“ gesagt haben.

Mein Land: nicht immer auch dein Land (©AR.Pics / pixelio.de)

Mein Land: nicht immer auch dein Land (©AR.Pics / pixelio.de)

Wenn ich mir Europa vorstelle, dann als Gemeinschaft, als überdimensionale Familie. Verantwortung füreinander heißt nicht, sich hinzustellen und den Finger auszustrecken „Du musst tun, was ich sage. Ich hab dir doch gesagt, so geht das nicht. Du kannst aber auch gar nichts.“ Es heißt, auf den anderen einzugehen und keine Anschuldigungen zu finden, sondern Lösungen, die nicht nur eben schnell für ein Jahr funktionieren, sondern wirklich helfen. Wie viele von uns haben das vergessen? Das ist doch der große Vorteil, dass wir gemeinsam stark sind und nicht einfach nur die Starken wie Schulhoffieslinge alles beherrschen.

Wir sind gut darin, uns schnell Urteile zu machen. Unser Hab und Gut zur Seite zu legen, schützend die Hand darüber zu legen. „Das nimmt mir jetzt keiner mehr weg.“ Wir sehen überall habgierig Hände danach greifen und erkennen zu spät, dass es bittende Hände sind, verzweifelte Hände, dünne, knochige, einsame. Und zuletzt sehen wir, dass unsere Hand genauso aussieht, egal wie groß der Haufen ist. Wenn ich sehe, was dieses fremde Deutschland anrichtet, will ich es schütteln, zur Vernunft bringen, es anschreien, dass es so falsch liegt, wie man nur falsch liegen kann. Dass Flüchtlinge keine Gefahr darstellen, dass Griechenland uns an seiner Seite braucht und nicht als drohenden Zeigefinger über sich. Dass „Zusammen“ immer mehr bringt als „Gegeneinander“. Dass das, was uns unterscheidet nur von uns selbst gemacht wird, nicht von der Natur, nicht von irgendeinem Gott, sondern nur von uns und unserer Vorstellung.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Anna über Sinti, Roma und die Vorurteile ihnen gegenüber.

Mysterium Vorstellungsgespräch – eine Expertin klärt auf

Was ist euch bisher Komisches oder Unangenehmes bei einem Vorstellungsgespräch passiert? Vor welchen Fragen graut es euch so richtig? Das wollten wir von euch wissen.

Beantwortet jede Frage rund ums Thema Vorstellungsgespräch: Berufsberaterin Petra Scheid von der Agentur für Arbeit (Foto: privat)

Beantwortet jede Frage rund ums Thema Vorstellungsgespräch: Berufsberaterin Petra Scheid von der Agentur für Arbeit (Foto: Agentur für Arbeit)

Ihr habt uns fleißig eure Geschichten und Fragen geschickt und wir haben sie vertrauensvoll in die Hände von Petra Scheid, ihres Zeichens Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit, gegeben. Hier also nun die Antworten auf eure brenzligen Fragen und Anliegen rund ums Thema Vorstellungsgespräch und Bewerbung:

Thomas gestand uns ehrlich: Es macht mich fertig, dass bei den Absagen nie ein Grund genannt wird. Selbst auf Nachfragen bekommt man keine Auskunft. Kann man da irgendetwas machen?

Scheid weiß: Rechtlich hat man keine Möglichkeit den Grund zu erfahren, wenn der Arbeitsgeber ihn nicht nennt. Aber in der Regel geben die Unternehmen bei konkretem Nachfragen Auskunft, warum man eine Absage bekommen hat.

Sonja möchte wissen, wo sie Unterstützung in Sachen Vorstellungsgespräch bekommen kann: Gibt es Anlaufstellen, bei denen ich ein Vorstellungsgespräch üben oder meine Bewerbung sichten lassen kann, um Schwachstellen herauszufinden?

Scheid hat jede Menge Tipps parat: Bewerbungen sichten jederzeit die Vermittlungs- und Beratungsfachkräfte der Agenturen für Arbeit und Berufsinformationszentren (BiZ). Auf der Homepage der Agentur für Arbeit finden sich dazu viele Hilfestellungen. Es gibt auch private Anbieter, die in dem Fall beraten.

Bei der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch sollte man sich auf der einen Seite seiner eigenen Stärken, Fähigkeiten, Interessen aber auch Schwächen bewusst sein und zum anderen über das Berufsbild und den Betrieb, bei dem man sich bewirbt, informiert sein. Bei Ausbildungs- und Berufsmessen hat man oft die Möglichkeit im Rahmen eines Workshops Vorstellungsgespräche zu üben. In Schulen werden hierzu manchmal auch AGs angeboten. Im Prinzip sollte man vor einem Vorstellungsgespräch jede Gelegenheit nutzen laut zum Beispiel mit Eltern oder Freunden Fragen und Antworten aus Vorstellungsgesprächen zu formulieren. Auch hier finden sich Hilfestellungen auf der Homepage der Arbeitsagentur (www.planet-beruf.de, www.abi.de)

Natascha erzählt von einer schlechten Erfahrung: Bei meinem letzten Vorstellungsgespräch wurde alles – wirklich alles an meinem Lebenslauf bemängelt. Wie reagiere ich darauf am besten im Gespräch?

Scheid erklärt: Hier muss man eventuell unterscheiden, ob die Form oder der Inhalt des Lebenslaufes kritisiert werden. Am Besten im Gespräch ruhig bleiben und nachfragen, was man aus Sicht des Arbeitsgebers besser machen könnte.

Die erste Hürde ist geschafft: Endlich beim Vorstellungsgespräch! Doch auch hier gilt es Herausforderungen zu bestehen (© Konstantin Gastmann  / pixelio.de)

Die erste Hürde ist geschafft: Endlich beim Vorstellungsgespräch! Doch auch hier gilt es Herausforderungen zu bestehen (© Konstantin Gastmann / pixelio.de)

Axel berichtet: Bei zwei meiner vier Vorstellungsgespräche in der letzten Zeit ließ man mich über 30 Minuten warten. Das war wirklich nervig. Kann ich da als Bewerber irgendetwas tun?

Scheid meint: Freundlich nachfragen, wie lange ich eventuell noch warten muss. Manchmal verzögern sich die Vorgespräche oder dauern länger als geplant und es kommt zu Wartezeiten.

Constantin hat schlechte Erfahrungen in Bezug auf die Zuverlässigkeit eines potenziellen Arbeitsgebers gemacht: Bei einer meiner Bewerbungen warte ich schon seit drei Monaten auf eine Zu- oder Absage. Was ist in einer solchen Situation zu tun? Abwarten oder nachhaken? Gibt es irgendwelche Regelungen, nach denen sich der potenzielle Arbeitgeber nach einer gewissen Frist zurückmelden muss?

Scheid rät: Anrufen und nachfragen, bis wann man mit einer Antwort rechnen kann. Es gibt keine gesetzlichen Regelungen, wonach der Arbeitsgeber sich nach einer bestimmten Frist melden muss. Das Nachfragen von Seiten des Bewerbers zeigt Interesse, fällt also mit hoher Wahrscheinlichkeit positiv auf.

Jan erzählt: Ein Bekannter von mir ist gebürtiger Russe. Im Vorstellungsgespräch ist er auf die Frage, welche Sprache er zuhause spricht, nicht eingegangen. Obwohl er seine Eignungsprüfung sehr gut abgeschlossen hat, hat er die Stelle nicht bekommen. Weshalb spielen private Dinge eine so große Rolle bei der Auswahl von Bewerbern – schließlich geht es ja um die Leistung im Job? Und: Wie reagiert man bestmöglich auf Fragen, die einem zu privat sind?

Scheid antwortet: Wenn man sich hier gut vorbereiten will, kann man sich vorher auf der Seite der Antidiskriminierungsstelle des Bundes über verbotene Fragen im Vorstellungsgespräch informieren. Manchmal fragen Arbeitsgeber private Dinge auch  einfach, um den Bewerber besser kennen zu lernen und sich ein umfassendes Gesamtbild von ihm zu machen.

Tipps zum Thema Vorstellungsgespräch findet ihr auch HIER. Wie ihr mittels Körpersprache im Vorstellungsgespräch punkten könnt, lest ihr HIER.

Apps und weitere Hilfen für nachhaltigen Lebensmittelkonsum

Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse. Der statistische, ökologische Fußabdruck eines Bürgers der EU oder der USA ist viel zu groß. Doch was tun? Ein wichtiger Schritt wäre es, dass wir Alternativen finden und nachhaltiger konsumieren. Besonders bei den Lebensmitteln tun wir nicht nur der Umwelt, sondern auch uns selbst etwas Gutes. Man muss nur genauer hinschauen.

Ein Schritt, den viele bereits gehen, ist es, Bio-Lebensmittel zu kaufen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Nicht alles ist, wie es scheint. Auch hier gibt es Schummeleien und Hintertürchen (Bemerkung: Darauf werden wir bald genauer eingehen). Der neue Trend des Food-Sharings ist ebenfalls zu empfehlen. Die Qualitätssiegel, die auf Produkten zu finden sind, wie zum Beispiel bei Fisch, sind ebenfalls ein wichtiger Hinweis für Nachhaltigkeit. Oft entsprechen diese Produkte wenigstens den Mindestanforderungen. Nun gibt es noch weitere Hilfen, die einem das Leben erleichtern sollen.

Der WWF hat dazu einen Einkaufsratgeber. Auch eine App ist bereits vorhanden, die beim Fischkauf zu Rate gezogen werden kann. Der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) ist die Kontrollinstanz für die Herkunftssicherung und Rückverfolgung von Eiern aus alternativen Hennenhaltungssystemen in Deutschland und den benachbarten EU-Ländern. Das KAT Siegel hat strenge Auflagen. Doch mehr noch. Anhand der Nummer, die auf jedem Ei zu finden ist, kann jeder herausfinden, wie und wo ein Ei entstanden ist. Diese Nummer kann man online oder per App eingeben und bekommt alle  nötigen Infos dazu, wie auch einige Bilder aus dem Bauernhof.

Andere Apps können ebenfalls hilfreich sein, müssen sie aber nicht. Generelle Vorsicht ist ebenfalls hier geboten. Doch das Internet hilft bei gegenseitigem Erfahrungsaustausch. Weitere Apps, die es lohnen, ausprobiert zu werden sind die Apps von AOK (AOKgenießen für Rezepte und AOKeinkaufen fürs einkaufen). Mit Hilfe der App BIO123 des Barcode Scanners sollen hier sogar Bio-Produkte gescannt und Infos dazu eingeholt werden können. Auch der nächste Bio-Laden soll hier angezeigt werden.

 

Vorschau: In zwei Wochen geht es mit der Tier&Umwelt Rubrik weiter. Wir beleuchten, ob Bio wirklich immer besser ist.

Zusammen ist man weniger allein – Willkommen im WG-Leben!

Wie sehnsüchtig habe ich den Moment der Einschulung damals erwartet. Schließlich hatte ich vom Kindergarten gegen Ende die Schnauze reichlich voll und wollte nicht einen Tag länger Mittagsschlaf neben zwanzig anderen Windelpupsern halten als nötig. Bevor es so weit war, sah mein Mini-Me sich jedoch gezwungen, hin und wieder gegen das System zu rebellieren, was sich zumeist in morgendlichem Versteckspielen vor meiner Mutter äußerte. Jedes Mal aufs Neue erstaunte es mich, in welch kurzer Zeit sie mein Geheimversteck – hinter dem Sofa hatte ich mich stets wie Iron Man in seiner Werkstatt gefühlt – entlarven konnte und mich schlussendlich an der Hand an den mir längst verhasst gewordenen Ort beförderte.

Als die mit unbändiger Vorfreude ersehnte Schulzeit endlich anbrach, wünschte ich mich allerdings nicht selten zurück in jene Kinderstube, die mich mit unbegrenzter Freizeit und Beihilfe auf dem Töpfchen verwöhnte. Ganz ähnlich verhielt es sich, als der Schulabschluss kurz bevor und ich somit vor der Entscheidung stand, wie es mit meinem – bis dahin nur mäßig selbstständigen Leben – weitergehen sollte: mit dem Unterschied, dass anstelle vom Lätzchen jetzt die Sorglosigkeit stand, die ich in der nächsten Zeit nur allzu bald aufgeben würde.

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Aller Anfang als schwer: Flügge zu werden bringt einige Herausforderungen mit sich. (Foto: C.Gartner)

Ich räume ein, dass die Bedingungen, unter denen ich auszog, um das Leben zu lernen, ziemlich zu meinem Vorteil ausfielen: Eine Wohnung in neiderregender Lage, die ich wider Erwarten direkt mein gemietetes Eigen nennen konnte. Hinzu kamen drei Mitbewohnerinnen, denen ich mich sogleich verbunden fühlte. Nichtsdestotrotz war ich mir der Tatsache von Beginn an bewusst, dass ich im gesamten Mietshaus das Küken und somit Hauptverdächtige bei sämtlichen Aus-, Un- und Vermissten-Fällen sein würde. Erstmals bestätigte sich letztere Vermutung, als das Gemeinschaftsgut Staubsauger für mehrere Tage spurlos verschwand. Wenn nun aber mein Frühjahrsputz ganz zufällig mit der heißen Klausurenphase kollidiert, bleibt für das Zurückstellen eines gewissen Haushaltsgeräts auch beileibe keine Zeit mehr! Daheim bei Mutti jedenfalls wurden früher im Treppenhaus nicht direkt verärgerte Vermisstenanzeigen aufgegeben, wenn mal etwas vergleichbar wichtiges, etwa Perlenohrstecker in ihrem Schmuckkästchen, fehlte. Es galt also, sich radikal umzugewöhnen, sprich entweder zu gestehen – ich kann erfahrungsgemäß nicht behaupten, dass die Schelte dann je milder ausgefallen wäre – oder anfängliche Faux-Pas miverschweigen beziehungsweise im Falle einer Konfrontation blütenweiße Unschuld beteuern.

Eine solche Strategie lässt sich allerdings weniger erfolgreich anwenden, wenn es um Extremsituationen in den privaten vier Wänden geht. So lässt sich niemand geringerer als man selbst dafür zur Rechenschaft ziehen, wenn sich das scheinbar harmlose Anwärmen eines Frottee-Handtuchs in der Mikrowelle plötzlich in einen Kleinbrand verwandelt. Ebenso wenig kann man sich als MieterIn aus Schuldzuweisungen herauswinden, wenn die zu ursprünglich wärmeren Füßen beitragende Schuheinlagen bei 600 Watt plötzlich Feuer fangen – nein, ich habe keinen Hang zur Pyromanie, nur einfach unsägliches Pech bei Benutzen der Mikrowelle in meinem Zimmer – und man sich nichts sehnlicher wünscht, als möglichst überzeugend anzugeben: Der Papa/Bruder/Schwester war’s!

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Ein starkes Team: Im trauten Heim kann man aufeinander zählen. (Foto: T.Gartner)

Ähnlich problematisch wird es, wenn ein penibler Feuermelder beim Braten delikater Schweineschnitzel interveniert und gleich das halbe Haus mitverpflichtet wird, wenn es darum geht, den Ausschalter an diesem verflixten Querulanten ausfindig zu machen. Gerade hier erweisen sich Mitbewohner als unerlässliche Komponenten im Reifeprozess und der Vorbereitung auf das hoffentlich eines Tages unabhängige Erwachsenenleben. Sie sind (aus)-helfende Hand, ob sie Milch für den Kaffee am Morgen borgen oder in Windeseile eingeschäumt und nicht selten schäumend aus dem Badezimmer gehüpft kommen, sobald der Feueralarm wieder einmal ertönt – wo immer es brennt, sie sind als temporärer Mutterersatz, ob wider Willen oder mit größtem Vergnügen, zur Stelle und helfen dem kürzlich erstmals flügge Gewordenen aus der Patsche. Ich kann behaupten, dass meine Wohnsituation die erste Zeit in einer neuen Umgebung mit neuen Hindernissen und Herausforderungen erleichtert und mir über das anfängliche Heimweh hinweggeholfen hat. Wann immer ich mich einsam fühlte, konnte ich schließlich an jemandes Tür klopfen und zu einem Plausch in der Gemeinschaftsküche bitten – eine komfortable Gelegenheit, die ich selbst heute, als alter WG-Hase, gerne noch nutze. Und wenn ich einmal keine Gesellschaft möchte – zum Beispiel, weil ich mich gerade dafür schäme, vor einer ein-wöchigen Abwesenheit am Kühlschrank dämlicher weise den Stecker gezogen und diesen folglich vor sich hinschimmeln gelassen zu haben – verstecke ich mich einfach hinter dem Sofa; so lange, bis Mama anruft und fragt, ob ich heute auch brav an der Uni gewesen, was ich gegessen und ob ich meine Miete für den kommenden Monate schon überwiesen habe.

Vorschau: In der nächsten Woche fragt sich Kolumnist Sascha, ob Männlichkeit und Poesie miteinander vereinbar sind.