Schottische Eier – das Küchen-Überraschungs-Ei

Das modebewusste Ei von heute trägt einen Mantel aus Hackfleisch: Schottische Eier beziehungsweise „Scotch Eggs“ heißt der Trend auf dem Laufsteg internationaler Küchen, der bereits 1738 vom Londoner Kaufhaus „Fortnum & Mason“ erfunden wurde. Der Namenszusatz „schottisch“ verweist somit nicht auf die Herkunft des Gerichts, sondern ist als Anspielung auf die schottische Sparsamkeit zu verstehen. Doch auch der deutschen Küche ist die Speise, die sich besonders für den kleinen Hunger unterwegs oder Picknicke eignet, nicht ganz unbekannt: Sie lässt sich mit heimischen Gerichten wie dem falschen Hasen oder Vogelnestern vergleichen.

Überraschend: Die kleinen Kugeln verbergen im Inneren eine große Überraschung (Foto: Onat)

Handlich: Schottische Eier verbergen im Inneren eine Überraschung (Foto: Onat)

Zutaten und Materialien für zehn schottische Eier:

  • 12 Eier
  • 500g gemischtes Hackfleisch
  • eine Zwiebel
  • 12 EL Paniermehl
  • 3 EL Mehl
  • Salz, Pfeffer und mittelscharfen Senf zum Würzen
  • Öl zum Braten
  • Wasser zum Kochen
  • eine Pfanne, ein Topf, ein Messer, vier Schüsseln, ein Schneidebrett

Zubereitung:

1. Zehn Eier in einen Topf geben und so viel Wasser hinzufügen, bis alle Eier damit bedeckt sind. Nun die Eier im Topf hart kochen lassen. Wer weiche Eier bevorzugt, kann den Kochprozess natürlich verkürzen. Anschließend die Eier unter kaltem Wasser abschrecken, schälen und auskühlen lassen.

2. Während die Eier abkühlen, geht es an die Zubereitung der Hülle: Hierfür zunächst die Zwiebel schälen und mit einem Messer fein würfeln. Die Würfel zusammen mit dem Fleisch, drei Esslöffeln Paniermehl und einem Ei verkneten. Alles mit Salz, Pfeffer und etwas mittelscharfem Senf abschmecken und die Eier dünn mit der Fleischzubereitung ummanteln.

3. Nun das letzte Ei in einer Schüssel verquirlen und die umhüllten Eier panieren: Dafür drei Esslöffel Mehl und neun Esslöffel Paniermehl in separate Schüsseln geben. Die Eier erst im Mehl wenden, bevor sie ins Ei getunkt und wieder im Paniermehl gewendet werden. Nur noch Öl in einer hohen Pfanne erhitzen und die schottischen Eier darin goldbraun anbraten. Wem die kleinen Hungerhappen nicht genug sind, kann sie mit Kräutersalat oder -soße veredeln.

Vorschau: Nächste Woche bietet Vanessa ihr Tipps&Tricks-Debüt und verrät, wie Wärme mit Schönheit zusammenhängen kann.

Chris & Taylor – Ein ungewöhnliches Duo

Chris & Taylor. Das ist zunächst einmal Sänger Chris Hastrich aus Wiesbaden. Schon als Kind liebte der inzwischen 27-Jährige Musik. So sang er im Chor und tanzte leidenschaftlich gerne. Im Alter von 15 Jahren nahm er dann seine erste Gesangsstunde. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis er sich ein Klavier und eine Gitarre kaufte. Kurz vor seinem Abi entschied sich Chris 2008, die Schule zu schmeißen und Musiker zu werden. Dazu zog er erst mal ein Jahr nach London und schrieb Songs. 2008 gründete er dort auch das Duo Chris & Taylor. Taylor ist seine Gitarre der Marke Taylor. 2009 ging es wieder zurück nach Deutschland, wo Chris sein erstes Album aufnahm. Eine EP und ein weiteres Album folgten. Jetzt ist die neue Platte „Wake up“ erschienen. Auf Konzerten erlebt man Chris & Taylor mal als Duo und mal mit Band.

Unzertrennlich: Chris und seine Gitarre Taylor (Foto: T. Zak)

Unzertrennlich: Chris und seine Gitarre Taylor (Foto: T. Zak)

Face2Face: Wie definierst du deinen Musikstil?

Chris: Am liebsten gar nicht. Ich habe kein Problem damit, wenn andere Menschen meine Musik oder mich definieren möchten. Allerdings habe ich kein Interesse daran, es selbst zu tun. Meistens sage ich nur „Pop Singer/Song-writer mit Gitarre“ und der Rest ist dem Zuhörer selbst überlassen.

Face2Face: Welche Art von Songs beinhaltet dein neues Album „Wake up“?

Chris: „Wake up“ war eigentlich als EP mit vier Titeln in voller Bandbesetzung geplant, aber ich habe mich kurzfristig entschieden, noch drei weitere Titel in Unplugged-Version hinzuzufügen. Es wird meine vorerst letzte Platte in ausschließlich englischer Sprache sein. Ich hatte lange Zeit keine Lust darauf, deutsche Texte zu schreiben. Alin Coen, die eine befreundete Musikerin ist und geniale Texte in beiden Sprachen verfasst, hat mich schließlich dazu animiert, es mal zu versuchen. Seitdem habe ich Blut geleckt und nächstes Jahr wird mein erstes deutschsprachiges Album erscheinen.

Face2Face: Nach welchen Kriterien schreibst du deine Songs?

Chris: Kriterien gibt es nicht wirklich. Ich bin ein sehr intuitiver Songwriter. Meistens setze ich mich hin, spiele irgendwas auf der Gitarre und improvisiere dann Melodie und Text darüber. So passiert es oft, dass ich erst nach einiger Zeit und einem halbfertigen Lied anfange zu verstehen, worum es eigentlich geht. Mein Unterbewusstsein könnte die Frage sicherlich viel besser beantworten. Eine der wenigen bewussten Entscheidungen ist die der Sprache.

Face2Face: Woher nimmst du die Inspiration für deine Songs?

Chris: Auch hierzu kann ich nur sagen, dass ich die Themen meistens nicht plane. Aber grundsätzlich sind es Dinge, die mich mehr oder weniger bewusst beschäftigen. Das kann alles sein, von Alltagserfahrungen bis hin zu den verstecktesten Ängsten.

Face2Face: Was möchtest du mit deiner Musik erreichen?

Chris: Die Zuhörer berühren und mit dem ein oder anderen Lied zum Nachdenken anregen.

Face2Face: Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Chris: Da gibt es verdammt viele, zum Beispiel Alin Coen, Max Prosa, Pink und Joni Mitchell. Ich höre Musik kreuz und quer und könnte in den meisten Genres mehrere Künstler nennen.

Face2Face: Du hast früher mal sechs Jahre lang im Jugendclubtheater (jetzt Junges Staatsmusical) des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden gespielt. Würdest du gerne mal wieder in einem Musical mitspielen und singen?

Chris: Definitiv. Ich hätte auch am Ende dieses Jahres bei einem Gastspiel des Jungen Staatsmusicals des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden in Ludwigshafen bei „Hair“ mitspielen sollen. Leider musste ich absagen, weil ich bei der Premiere und der Generalprobe bereits Auftritte habe. Aber ich bin mir sicher, dass ich es irgendwann nochmal zeitlich gebacken kriege, ein kleines Musical-Revival zu machen.

Face2Face: Was war das Verrückteste, das du je getan hast?

Chris: Oh je, da muss ich aus einer ziemlich langen und nicht immer vorbildhaften Liste wählen. Ich habe fünf Tage, nachdem ich mich entschieden hatte, nach London zu ziehen, die Koffer in die Hand genommen und bin rüber geflogen, ohne dort jemanden zu kennen oder genau zu wissen, was ich dort tun will außer „Musik machen“.

Mit Spaß dabei: Chris & Taylor mit Band (Foto: S. Holitzner)

Mit Spaß dabei: Chris & Taylor mit Band (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Wo würdest du gerne mal auftreten?

Chris: Beim „Glastonbury Festival“ in Großbritannien, in der „Ellen DeGeneres Show“ in Los Angeles und bei den „Grammys“.

Face2Face: Was ist dieses Jahr noch alles geplant?

Chris: Ich gönne mir gerade eine kleine Auftrittspause, um Kräfte für´s neue Jahr zu sammeln und um mein erstes deutschsprachiges Album aufzunehmen. Ich werde jedoch am 11. und 12. Dezember im Kurhaus in Wiesbaden bei der „Night of Music“ mit Orchester singen.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage oder der Facebookseite von Chris & Taylor.

Cameron allein in Europa

Spätestens 2017 soll es so weit sein: Großbritannien wird über einen weiteren Verbleib in der Europäischen Union abstimmen. Dieses Vorhaben der Regierung verlas Königin Elizabeth II. in der vergangenen Woche in ihrer traditionellen Thronrede zur Eröffnung des neuen Parlamentsjahres. Ein solches Referendum hatte der britische Premierminister David Cameron vor den Unterhauswahlen am 7. Mai bereits in Aussicht gestellt. Nach dem Sieg der Konservativen will die Regierung, die nun mit absoluter Mehrheit im Parlament vertreten ist, dieses Wahlversprechen schnell umsetzen. „Die Regierung wird die Beziehungen zur EU neu verhandeln und Reformen zum Wohle aller Mitgliedsstaaten vorantreiben. Außerdem wird sie zügig das Gesetzt für ein Referendum vorlegen, in dem vor Ende 2017 über die weitere Mitgliedschaft des Landes in der EU entschieden wird“, hieß es entsprechend in der Eröffnungsrede der Queen. Um Werbung für die geplanten Reformen zu machen, reiste Cameron in der vergangenen Woche durch Europa.

Bereits vor dem Antritt seiner Reise war klar, dass dies kein leichtes Unterfangen für den britischen Premier werden würde. Besonders aus Frankreich und Deutschland war Widerstand gegen weitere Zugeständnisse an Großbritannien zu erwarten. Aus einem vertraulichen Schreiben war zu entnehmen, dass die deutsch-französische Position eine weitere Vertiefung der europäischen Integration vorsieht, keine Änderungen der bestehenden Vertragsgrundlage. Nach dem Treffen mit Cameron stimmt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel aber versöhnlichere Töne an. Auch wenn es für sie „rote Linien“ gebe, könnte es Übereinstimmungen in anderen Punkten geben, die gegebenenfalls auch im Interesse der Bundesrepublik liegen. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, sagte die Kanzlerin in Hinblick auf eine einvernehmliche Lösung.

Verständnis für die britischen Sorgen und seine Position erhielt Cameron auch von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, der zu Zugeständnissen an Großbritannien bereit wäre, um die Briten in der EU zu halten. Großbritannien hat sich bereits in der Vergangenheit als einziges Land mit Sonderregelungen von der europäischen Integration ausgenommen. „Wir würden ohnehin nur anerkennen, was für London längst gilt“, so Schulz.

Doch trotz der Anerkennung aller, möglicherweise gerechtfertigter Sorgen der Briten gegenüber der Entwicklung der Europäischen Union und dem zunehmenden Verlust nationaler Souveränität, steht Cameron mit seinen Reformbestrebungen in Europa allein da. Kein anderes der 28 EU-Mitgliedsländer strebt in den kommenden zwei Jahren Änderungen der bestehenden Verträge an. Ob die Vertreter der europäischen Staaten vor dem geplanten Referendum 2017 zu weiteren Zugeständnissen an Großbritannien bereit sein werden, ist also fraglich. Ebenso fraglich bleibt aber auch, ob die Briten tatsächlich bereit sind, ihrer Europaskepsis den EU-Austritt folgen zu lassen, sollten ihre Forderungen, vor allem im Bereich der Freizügigkeit und Migration innerhalb Europas, nicht doch noch erfüllt werden. Die Folgen eines freiwilligen Austritts eines Landes aus der Europäischen Union wären nicht abzusehen.

Portugal im Februar, Teil 1: Süßer Portwein, der Duft gegrillten Fisches und das Venedig Portugals

Drei gute Freundinnen und ein gemeinsamer Portugal-Urlaub – das klang sofort nach einer verlockenden Idee. Unser kleiner Portugal-Trip sollte in Porto beginnen und uns am Ende unserer Reise nach Lissabon führen.  Auf Grund der Nebensaison blieben wir fast gänzlich vom Touristentrubel verschont und konnten in drei Tagen gemächlich das malerisch an der Douro-Mündung gelegene Porto erkunden.

Eine Kulisse die zum Träumen einlädt - Porto bei Abenddämmerung (Foto: Mätzke-Hodzic)

Eine atemberaubende Kulisse – Die hiostorische Hafenstadt Porto bei Abenddämmerung (Foto: Mätzke-Hodzic)

Das Stadtbild von Porto ist geprägt von steilen Straßenhängen, in denen sich unzählige pittoreske Wohnhäuser, viele von ihnen leerstehend, aus dem frühen 20. Jahrhundert wiederfinden. Die Fassaden sind vielfach mit mühevoll handgefertigten Keramikfliesen in den unterschiedlichsten Ausführungen verziert. Diese befinden sich auch an Kirchen und anderen Monumenten. Die sogenannten „Azuljeos“ blicken in Portugal auf eine lange Tradition zurück und gelangten ursprünglich durch die Eroberung der Mauren nach Portugal.

Ein letzter Schluck Porwein - dazu ein fantastischer Ausblick auf Porto und den Fluss Douro (Foto: Mätzke-Hodzic)

Ein letzter Schluck Portwein – das Anwesen des traditionsreichen Portweinbetriebs Taylor’s lässt einen ganz schön staunen (Foto: Mätzke-Hodzic)

Auf der anderen Flussseite hat sich eine Vielzahl von Portweinkellereien niedergelassen. Die großformatigen Plakate nennenswerter Portweinhäuser, wie etwa Taylors, Sandeman und Graham, bleiben einem nicht verborgen. Portwein entstand durch den Handel zwischen Großbritannien und Portugal. Die Engländer sollen dem Traubenmost Brandy beigefügt haben, da die Qualität des Weines zu wünschen übrig ließ. Durch diesen wurde der Gärungsprozess gestoppt und der Alkohol in Zucker umgewandelt – Ergebnis war der süßliche Portwein, deren Trauben zumeist aus dem Douro-Tal stammen, durch welchen Porto weltweite Bekanntheit erlangte. Bei Taylors bezahlen wir 5 Euro für eine Weinverkostung inklusive Führung – eine definitiv lohnenswerte Investition. Das beeindruckende Gut befindet sich hoch über der Stadt, hat einen eher nach englischem Stil angelegten Garten und von der Terrasse aus offenbart sich einem die Stadt in ihrer ganzen Pracht. Bei der Führung werden wir in einem düsteren Keller, in dem Dutzende Weinfässer aus Eichholz lagern, von einer Dame, die in einen schwarzen Umhang gehüllt ist und zur wohl beabsichtigten, mystischen Stimmung beiträgt, in die Geheimnisse der Portweinherstellung eingeweiht. Ein einmaliges Erlebnis!

Da kommen Sommergefühle auf: Blauer Himmel und der Atlantik (Foto: Mätzke-Hodzic)

Ein Abstecher zum Fischerdorf Afurada: Dort erwartet uns ein blauer Himmel und die Weite des Atlantiks (Foto: Mätzke-Hodzic)

Wer ein paar Tage in Porto verweilt, sollte einen Tagesauflug in das nahegelegene Fischerdorf Afurada in Erwägung ziehen. Es hat den Ruf, einige leckere Fischrestaurants zu beherbergen. Zudem soll es den Charme eines verschlafenen Dorfes versprühen. Ein kleines Boot, das von einer eher unscheinbaren Stelle ablegt, schippert einen für 3 Euro auf die andere Seite. Dort steigt einem sofort der unwiderstehliche Geruch von gegrilltem Fisch in die Nase.

Waschtag - in Afurada hängen unzählige Wäscheleinen mit frischgewaschener Wäsche (Foto: Mätzke-Hodzic)

Waschtag – in Afurada hängen rundherum um eine gemeinschaftliche Waschstelle unzählige Wäscheleinen mit frisch gewaschener Wäsche (Foto: Mätzke-Hodzic)

Dem können wird jedoch (zu Beginn) noch Stand halten, da wir uns einen Eindruck von dem kleinen Dorf verschaffen wollen, in dem tatsächlich, die Zeit etwas langsamer zu ticken scheint. Von weitem sichten wir den Atlantik und lassen uns nach einem kleinen Fußmarsch oberhalb einer Meeresbrandung nieder, von der aus wir fasziniert den brausenden Atlantik und das Spiel der Wellen beobachten. Auf dem Rückweg gibt es dann den wohlverdienten frischen Fisch vom Grill in einem mehrheitlich von Einheimischen besuchten Restaurant. Außerdem werden weitere Speisen, die nicht bestellt wurden, an den Tisch gebracht –  in Portugal ganz gewöhnlich. Es kann freundlich abgelehnt werden. Wer sich aber an die nicht bestellten Speisen hermacht, muss auch bezahlen.

Als nächste Station steuern wir Aveiro, auch das Venedig Portugals genannt, an. Dafür begeben wir uns auf die einstündige Zugfahrt ausgehend von Portos märchenhaften Bahnhof, dessen hohe Eingangshalle mit blauleuchtenden Azulejos verziert ist. Die Landschaft auf dem Weg Richtung Aveiro ist eher karg und die kleinen Örtchen, die wir passieren, scheinen ihre blühenden Jahre hinter sich gelassen zu haben. Zu blühen scheinen dafür, die während der Fahrt immer wieder auftauchenden und hellleuchtenden Orangen- und Zitrusbäume.

Aveiro - auf Grund seiner Kanäle auch Venedig Portugals genannt (Foto: Mätzke-Hodzic)

Aveiro – auf Grund seiner Kanäle und den gondelähnlichen Booten auch Venedig Portugals genannt (Foto: Mätzke-Hodzic)

Aveiro präsentiert sich als kleines, gemütliches Städtchen, durch welches sich Kanäle hindurchschlängeln, auf denen bunt bemalte Flosse unter den Brücken hindurchgleiten. In der Altstadt schmiegen sich farbenfrohe Häuserzeilen eng aneinander. Wir lassen uns im Hostel Rossio nieder, in dem wir in einem 8-Bett-Zimmer, ansonsten alleine, untergebracht sind. (14 Euro pro Person und Nacht) Das Hostel  befindet sich in einem historischen Gebäude, mit knarrenden Holztreppen und ist geräumig und liebevoll eingerichtet.

In Aveiro stürzen wir uns das erste Mal ins Nachtleben. Das „Mercado Negro“, zu Deutsch Schwarzmarkt, stellt eine Art alternatives Kulturzentrum dar, dessen Räumlichkeiten sich gleich über ein ganzes Stockwerk erstrecken. In einem Zimmer mit Theke bestellen wir unsere Getränke und machen es uns sogleich in einem anderen Raum mit schummrigen Licht auf Seconhand Möbeln gemütlich. Nach ein paar Drinks ziehen wir beseelt von diesem Ort weiter und gelangen an einen Platz nahe des Fischmarkts (Mercado do Peixe) im alten Stadtkern, an welchem sich für uns völlig unerwartet, unzählige Grüppchen von Studenten lauthals lachend und unterhaltend, tummeln. Hier wird statt Döner als Mitternachtssnack, „Tripas“ geschlemmt – eine Crepe-ähnliche Spezialität mit verschiedenen Füllungen. Auch wir kommen nicht drum herum, die verlockende Süßspeise zu kosten. Langsam ist für uns nun aber Schlafenszeit –  es gilt unsere Kräfte zu schonen. Denn es warten noch Nazare, Sintra und als krönender Abschluss Lissabon auf uns.

Vorschau: Am 17. März nimmt die Reise-Redaktion Euch mit auf einen Abstecher nach Rom. Seid gespannt!

Das Ende Großbritanniens?

Ein einigermaßen ungewöhnlicher Urnengang steht bevor: Am Donnerstag, den 18. September 2014, stimmen die Schotten über die zukünftige politische Organisation Schottlands – und damit auch über die politische Zukunft Großbritanniens ab. Das Vereinigte Königreich droht auseinander zu brechen. Die Ergebnisse aus Umfragen lassen kaum eine Prognose über den Ausgang des Referendums zu, da die Stimmzahlen der Pro- und Contra-Abspaltung sehr nah beieinander liegen.

Mit viel Pathos sprach sich der britische Regierungschef David Cameron bereits gegen eine mögliche Trennung aus. Schließlich drohe hier das Auseinanderbrechen zusammengewach-sener Institutionen. Zwar scheinen die Gegner der Abspaltung nach der Stimmanzahl leicht zu führen, doch diese Führung ist so knapp, dass sie leicht kippen kann: Etwa die Hälfte der Schotten spricht sich für eine Abspaltung aus, die andere Hälfte dagegen. Hier offenbart sich ein Grundproblem demokratischer Wahlen: Liefern sich die beiden Lager ein Kopf-an-Kopf-Rennen, sind es am Ende vielleicht unpolitische Banalitäten, die über die Zukunft Großbri-tanniens entscheiden.

Vorangetrieben wird die Idee der schottischen Unabhängigkeit von der „Scottish National Party“ unter Alex Salmond. Wie genau sich die Trennung im Falle des entsprechenden Er-gebnisses allerdings vollziehen soll, ist bislang noch offen. Neben innenpolitischen Fragen stünde der unabhängige Staat vor der Aufgabe, internationale Verträge und Beziehungen völlig neu auszuhandeln. Schon die Einigung auf eine einheitliche Währung scheint eine problematische Aufgabe zu sein. Für die Einführung des Euro zeigen nur wenige Schotten Begeisterung. Beliebter ist die Idee einer Währungsunion mit Großbritannien. Schottland würde in diesem Falle demnach das britische Pfund als Währung beibehalten. Dieser Währungsunion stehen aber nun einige britische Politiker im Weg, die sich klar gegen solch einen Bund ausgesprochen haben.

Nun strebt nicht nur Schottland nach Unabhängigkeit: In Europa findet sich etwa mit Katalo-nien eine weitere Region, die sich gerne unabhängig machen würde. Gelingt die schottische Eigenständigkeit, finden im Referendum all jene, die nach Unabhängigkeit streben, ein Beispiel für die politische Verwirklichung dieser Idee.

Die Mods – eine stilvolle Subkultur

Anlässlich des 50. Jubiläums der britischen Kultmarke Ben Sherman widmet sich die Moderubrik heute der Geschichte und dem Kleidungsstil der bekannten Subkultur aus Großbritannien.

Die Mods – der Name leitet sich vom englischen Begriff „Modernists“ ab – haben ihren Ursprung in den fünfziger Jahren, als Jugendliche aus der Arbeiterklasse und der unteren Mittelschicht sich dieser Bewegung anschließen, um ihrer Herkunft ein neues Ansehen zu verleihen. Dies spiegelte sich nicht nur im Aussehen, sondern auch im Auftreten wieder. Denn neben einem gepflegten Erscheinungsbild gehörte ein italienischer Motorroller genauso zum festen Repertoire eines Mods wie das gemeinsame Interesse an den ursprünglich schwarzen Musikrichtungen wie Soul, Ska, Jazz und britischer Beatmusik. Obwohl sich die Subkultur von den Rockern der damaligen Zeit distanziert, entstammten doch einige Bands der Mod-Szene, weil sie ihre Einflüsse nicht im Rock n‘ Roll, sondern in den vorgenannten Musikrichtungen sahen. Daher lassen sich als Hochphasen der Modernisten die sechziger und siebziger Jahre ausmachen, als Bands wie The Who und The Kinks das Tageslicht erblickten. Auch bekannte Größen wie David Bowie oder Rod Stewart gehörten dieser Bewegung an.

Neben dem musikalischen Vermächtnis dieser Zeit hat die Mode jener Bewegung ebenfalls einen sehr geschmackvollen Nerv getroffen. Denn sie bietet eine enorme Inspirationsvielfalt, wie man sich stilvoll und dennoch nicht overdressed kleidet. Die Grundlage bildet damals wie heute der Anzug, welcher formell mit Hemd und Krawatte getragen wird. An dieser Stelle sind schon erste Variationen möglich, da das Sakko nicht zwingend einheitlich zur Hose sein muss. Darüber hinaus kann auch eine Strick- oder Harrington-Jacke anstelle des Blazers angezogen werden.

Button-Down-Hemd

Das legendäre Button-Down-Hemd. (Bild: Hemmer)

Was die Hemden angeht, ist im Prinzip alles möglich, wobei ein Vertreter ganz besonders heraussticht. Das Button-Down-Modell ist das Mod-Hemd schlechthin und ist auch seit seinem Erscheinen das Aushängeschild der Kultmarke Ben Sherman. Mustertechnisch hat man mit Karos, Streifen oder den unifarbenen Varianten eine enorme Vielfalt zur Auswahl.

Wer allerdings auf Sakko und Hemd verzichten möchte, bedient sich eines T-Shirt‘s mit Target Print. Das sogenannte Mod-Target ist normalerweise ein Hoheitszeichen der Royal Air Force und stand schnell Pate für die Bewegung der Subkultur. Es bedarf also keiner weiteren Anmerkung, dass diese T-Shirts Kultstatus genießen.

Perfekte Ergänzung zum Stil der Mods: ein Paar Brogues. (Bild:Hemmer)

Perfekte Ergänzung zum Stil der Mods: ein Paar Brogues. (Bild:Hemmer)

Bei den Schuhen sollte es allerdings formell zugehen. Ob Chelsea-Boots, Brogues oder formelle Anzugschuhe – hier ist alles erlaubt, was das stilvolle Outfit komplettiert.

Zum Schluss kommen wir noch auf das bekannteste, auf den ersten Blick unscheinbarste, Kleidungsstück zu sprechen – den Parka. Dieser hatte in den Augen der Mods einen simplen, praktischen Nutzen: Der Parka sollte die teure Kleidung vor Schmutz schützen. Diesen Pragmatismus der motorrollerverliebten Subkulturanhänger kann man nicht nur im regenverwöhnten Großbritannien gut nachvollziehen.

Wer nun Gefallen an dem Style der Mods gefallen hat, dem sei der Film „Quadrophenia“ empfohlen, welcher die Hochzeit dieser Subkultur schildert.

Vorschau: Ansätze wie man seinen eigenen Stil finden kann, ist das Thema der nächsten Woche.

Good bye „Traut the Kraut“

In Deutschland erst spät anerkannt, in England eine Legende. Er galt als einer der größten Torhüter aller Zeiten. Nun ist Bert Trautmann im Alter von 89 Jahren in seiner Wahlheimat Spanien gestorben. Ein Nachruf. 

Es war der 5. Mai 1956 als sich das Leben von Bernhard Carl Trautmann, den alle nur Bert riefen, für immer verändern sollte. Beim FA-Cup-Finale prallte der deutsche Torhüter im Dienste von Manchester City mit Birminghams Stürmer Peter Murphy krachend zusammen. Sein Genick brach. Dennoch spielte er weiter und führte sein Team noch mit zahlreichen Glanzparaden zum Sieg. Der Zeitpunkt, in dem seine Legende geboren wurde.

Dabei war bei seiner Ankunft auf der Insel solch eine Entwicklung zum Heldenstatus alles andere als zu erahnen gewesen. Sieben Jahre zuvor und damit gerade einmal vier Jahre nach Kriegsende, kam er als ehemaliger deutscher Soldat nach Manchester. Die Verpflichtung des deutschen Krauts schlugen meterhohe Wellen. 40.000 Menschen demonstrierten damals gegen diesen Transfer. Zu frisch waren die Wunden, die der Nazi-Terror auf der Insel hinterlassen hatte. Der Junge aus Bremen wurde bei den Spielen von der Tribüne aus regelmäßig bespuckt und wüst beschimpft. Bis eben zu jenem 5. Mai 1956, als er bei einer Flanke in den Fünfmeterraum waghalsig herausstürmte und dabei mit voller Wucht von Murphys Knie getroffen wurde.

„Traut the Kraut“, wie ihn die Presse in Großbritannien taufte, musste diese Geschichte immer wieder erzählen. Dabei redete der deutsche Kriegsgefangene gar nicht so gerne über sich. Er war keiner für das Rampenlicht. Trautmann liebte einfach den Fußball und bewies Mut, wo andere längst einen Rückzieher gemacht hätten.

Doch nicht nur wegen seinen herausragenden sportlichen Fähigkeiten wurde der Norddeutsche ein Held auf der Insel, sondern vor allem auch wegen seinen menschlichen. Er besaß das Talent, Demut zu zeigen. Wenn andere

kritisierten, blieb der Torhüter ganz ruhig, bedankte sich artig und lächelte. So einen Deutschen kannten die Engländer damals nicht. Trautmann tat mehr für das deutsch-englische Verhältnis, als zahlreiche Politiker. 1997 bekam er dafür das Bundesverdienstkreuz. Auch eine Stiftung, die nach ihm benannt wurde und Engländer und Deutsche immer wieder neu zusammenbringen soll, gibt es. Vom DFB bekam der Mann, der in Deutschland relativ lange unbeachtet blieb, die Ehrennadel verliehen und wurde in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

In Manchester ist er dagegen schon lange ein Held für die Ewigkeit. 2007 wurde Trautmann, der zwischen 1949 bis 1964 545-mal für Manchester City auflief, von den Fans zum besten Spieler der City-Geschichte gewählt.

Der Sport kann Menschen über die Grenzen hinaus miteinander verbinden. Bernhard Trautmann bewies, dass dieser Anspruch Realität werden kann. Er war viel mehr als ein Torwart, der mit angebrochenem Genick weiterspielte.

Auszeichnungen im Überblick:

Vorschau: Am 07.08. 2013 erscheint ein Artikel zum bevorstehenden Fußball-Bundesligastart.

Zwielichtige Geheimdienstaktivitäten

Noch ist die Aufregung über das US-Spähprogramm „PRISM“ nicht verflogen, da wird bereits die Existenz einer anderen Spitzelmaßnahme bekannt: Unter dem Projektnamen „Tempora“ scheinen britische Geheimdienste die Weltöffentlichkeit seit Ende 2011 abzuhören.

Die Aktivitäten der Geheimdienste werden nach den Enthüllungen von „Whistleblower“ Edward Snowden immer weiter aufgedeckt und kritisiert. Die Briten haben offensichtlich nicht nur das Internet verwanzt, sondern zapfen offensichtlich auch die weltweite Telekommunikation an.

Seit den Enthüllungen vor einigen Wochen laufen die Medien samt Internetgemeinde Sturm. Im Gegensatz zu anderen Landesregierungen aber scheint die deutsche Bundesregierung unter Angela Merkel wenig Interesse an der Aufklärung der Schnüffelaffäre zu zeigen. Die Kanzlerin selbst wird inzwischen für die Aussage belächelt, dass das Internet „Neuland“ sei – über einige mahnende Worte gegenüber US-Präsident Barack Obama scheinen die Bemühungen allerdings nicht hinauszugehen.

Es ist Wahlkampf in Deutschland – eine Zeit, in der sich die Regierungskoalition offensichtlich kein Zerwürfnis mit den Amerikanern leisten will. Lediglich das Justizministerium scheint sich eingehender mit den Abhörprogrammen zu beschäftigen. Innenminister Hans-Peter Friedrich hält sich auffällig bedeckt.

Scheinbar sind „PRISM“ und „Tempora“ Teil eines globalen Spionageprogramms namens „Five Eyes“, das in Kooperation zwischen USA, Großbritannien, Australien, Neuseeland und Kanada betrieben wird. Wer hier was überwacht, ist allerdings nicht geklärt.