Caricatura: Glück im Museum

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Überraschung im Blumenbeet: „Geahnt hatte er es schon lange“ – 2006 (Foto: © Gerhard Glück)

Ein älterer Herr mit angehendem Wohlstandsbauch, Halbglatze und altmodischen Cordhosen steht auf einem Rasen. In der rechten Hand die Gießkanne, den Blick ungläubig nach links unten gewandt. „Geahnt hatte er es schon lange“ – so lautet der Titel des Cartoons von Gerhard Glück aus dem Jahre 2006.

In seinen Cartoons zeigt er die komischen Seiten des Alltags. Er beobachtet die Menschen beim Alltäglichen und setzt seine Erfahrungen in seinen Bildern um. Nicht selten sind diese auch sozialkritisch.

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Vielfach ausgezeichnet: In seinen Bildern verbindet Glück eleganten Witz mit künstlerischem Können (Foto: © Britta Frenz)

Mit den Werken von Gerhard Glück holt das Caricatura Museum in Frankfurt von Donnerstag, 2. April bis Sonntag, 13. September einen der renommiertesten Zeichner der Komischen Kunst nach Hause. Am 13. Juli 1944 ist Glück in Bad Vilbel geboren, aber seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Frankfurt. Zum Studium des Grafik-Designs und der Kunsterziehung zog er schließlich nach Kassel, wo er bis heute lebt und bis 2004 als Kunsterzieher arbeitete.

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Glück kennt keine Tabus: „Im Barocksaal gibt es manchmal kleine Probleme“ – 2006 (Foto: © Gerhard Glück)

Größere Bekanntheit erlangt Glück erstmals mit seinen Cartoons, die er ab 1972 in der Hessischen/ Niedersächsischen Allgemeinen veröffentlichte. Es folgten weitere Arbeiten und Illustrationen für das Magazin der Süddeutschen Zeitung, der Zeit, der Zeitschrift Neue Züricher Zeitung und im Eulenspiegel. Hierfür erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Goldmedaille des Art Directors‘ Club Deutschland und mehrfach den goldenen „Geflügelten Bleistift“, den Deutschen Karikaturenpreis der Sächsischen Zeitung und Frankfurter Rundschau.

Auf die Frage des Caricatura Museums Frankfurt, wie er auf seine Ideen komme, antwortet Glück: „Ach wissen Sie, die kommen mir ganz plötzlich! Mal urplötzlich, mal ganz plötzlich, mal weniger plötzlich, aber auf jeden Fall plötzlich!“ Es seien letztendlich Eingebungen, denn: „Ich tu‘ ja nichts, sitze den ganzen Tag nur rum, und dann irgendwann, wie aus heiterem Himmel – Zack – , da ist sie ja, die Idee!“

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Glücks Komik geht mir der Zeit: „Wie soll ich Ihnen das Handy erklären, wenn Sie ständig behaupten, die Sterntaste heisse eigentlich Sternflöckchentaste?“ – 2010 (Foto: © Gerhard Glück)

Im Rahmen der langen Nacht der Museen am Samstag den 25. April öffnet das Caricatura Museum in Frankfurt von 19 bis 2 Uhr seine Pforten und bietet eine Signierstunde mit Glück persönlich.

Begriffserklärung:

Die Komische Kunst umfasst bildkünstlerische Arbeiten, die den Betrachter zum Lachen bringen sollen. Zu ihr zählen unter anderem Werke der Karikatur, des Cartoons, der Illustration und des Comics. Die Werke werden häufig von erzählenden oder erklärenden Textelementen begleitet. Zum Beispiel einem Titel, der das Dargestellte in einen komischen Kontrast stellt.

Vorschau: Nächste Woche schildert Alexander seine Erlebnisse bei einer Nachtwächter-Führung in der Limburger Altstadt.

„Glück ist heißer Orangensaft“ – Teil 2

Vergangene Woche wurde der erste Teil des Interviews mit Gina Schöler, der ersten deutschen Glücksministerin und Mitbegründerin des Ministerium für Glück und Wohlbefinden veröffentlicht. Habt ihr euch in der Zwischenzeit Gedanken darüber gemacht, was Glück für euch bedeutet? Oder seid ihr nun sogar stolze Besitzer einer Glücksspielkarte? Was Omas Socken mit Glück zu tun haben, lest ihr nun im zweiten Teil des Interviews:

Face2Face: Habt ihr schon Kontakt mit dem Bundestag aufgenommen? Wenn ja – wie war die Reaktion?

Gina: 2013 wurde das Ministerium für Glück und Wohlbefinden sogar in den Bundestag eingeladen! Und zwar von Frau Daniela Kolbe, der Vorsitzenden der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“. Ganz offiziell durfte das MfG in das Paul Löbe Haus, um dort ein Interview zu führen. Das war schon sehr beeindruckend

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Interview im Grünen: Das MfG steht in gutem Kontakt zum Gross National Happiness Center in Bhutan. (Foto: Daniel Clarens)

Prinzipiell haben wir seitens der Politik bisher nur positives Feedback erhalten, so z.B. von den Bundestagsabgeordneten es Bündnis 90/ die Grünen Dr. Gerhard Schick oder auch Claudia Roth. Ebenso stehe ich in gutem Kontakt zum Gross National Happiness Center in Bhutan bzw. mit dessen Programmdirektor Dr. Ha Vinh Tho.

Face2Face: Gibt es auch kritische Stimmen? Leute die Sie „belächeln“? Möchten wir die Politik wirklich so nah in unser Privatleben – unser privates Glück – involvieren?

Gina: Es gibt immer Kritiker, das ist ganz normal. Diese äußern sich jetzt im normalen Alltag nicht wirklich, sondern eher, wenn ein Zeitungsartikel erscheint oder über Soziale Netzwerke. Hier kommen aber eher Kommentare a la „Orwell“, das lässt aber erkennen, dass es dann manche eben noch nicht „verstanden“ haben, dass dies die provozierende Metapher sein soll, ein kommunikatives Dach zur Eröffnung und Aufrechterhaltung einer bundesweiten Diskussion, die unser aller Wohlbefinden in den Mittelpunkt stellen soll – fernab von Wirtschaftswachstum und Leistungsgesellschaft, hin zu mehr Solidarität und Lebensqualität.

Die Menschen möchten dieses Ministerium äußerst gerne in ihr Privatleben involvieren, denn sie haben Spaß daran, mitzugestalten und Gestalter ihres eigenen Lebens bzw. Glücks zu werden. Nicht umsonst bestellen sie reihenweise das kleine Glücksspiel, Infomaterial oder nehmen an bundesweiten Aktionen wie z.B. der Pausenaktion des letzten Weltglückstages 2014 teil (www.MinisteriumFuerGlueck.de/Pause)

Face2Face: Seid ihr mit eurer Arbeit auch an Grenzen gestoßen?

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Auflösung aus Teil1: Sogar der Bundesadler des Ministerium für Glück und Wohlbefinden hat ein Lachen auf dem Gesicht. (Foto: MfG)

Gina: Nein. Wie gesagt, seit Beginn dieses Projektes fühle ich mich wie im Flow. Klar habe ich gearbeitet ohne Ende. Aber es war nie Arbeit im eigentlichen Sinne, es hat mir immer viel mehr zurückgegeben als ich geben konnte. Die Reaktionen sind fantastisch und wenn man sich tagein tagaus mit diesem Thema beschäftigen darf, zieht man einfach sehr viel Energie daraus.

Eine Herausforderung war es natürlich am Ende der Studentenzeit aus dem Projekt etwas zu bauen, dass sich selbst tragen kann, also ein Geschäftsmodell darum zu stricken, dass auch die allgemeinnützige Schiene finanzieren kann. Das war nicht leicht, aber ich denke, dass ich dies mit den dazu passenden Dienstleistungen, die die Werte und Ideen der Initiative weiterverbreiten, gut hinbekommen habe.

Face2Face: Woran lässt sich Glück bemessen?

Gina: Wenn man sich die internationalen Glücksumfragen ansieht, gibt es immer ähnliche Rahmenbedingungen, die abgefragt werden: Bildung, Sicherheit, Gesundheit, Wohnsituation, soziales Umfeld etc. Aber ich denke, es gehören noch etliche weiche Faktoren dazu, die oft auch individuell angepasst werden müssten.

Aber die Frage kann letztlich nur jeder für sich selbst beantworten.

Wie glücklich bist du denn auf einer Skala von 1 bis 10? Und was ist Glück für dich überhaupt?

Face2Face: Eine letzte Frage: Was ist Glück für Sie persönlich?

Gina: Glück ist für mich persönlich, dass ich mich jeden Tag damit auseinandersetzen und dazulernen darf. Dass ich anderen Menschen auf meine eigene kreative Weise dazu verhelfe, sich wichtige Fragen zu stellen, diese zu beantworten und zu leben.

Glück ist heißer Orangensaft, Omas Socken und meinen Hund Gretel auf den herbstlichen Nebelfeldern zu beobachten.

Glück ist überall. Wir müssen es nur erkennen.

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Die Autorin hat mit einer Freundin ihr persönliches Glück gefunden: Für Schaukeln ist man nie zu alt. (Foto: Peternek)

„Was ist Glück?“ Nach dem Interview habe ich mir die Frage selbst gestellt und bin mit der kleinen, grauen Glückspielkarte in der Hand schaukeln gegangen.

Was ist Glück für euch? Schreibt uns doch einen Kommentar.

 

 

 

 

Vorschau: Nächste Woche stellt Julia die Freiburger Künstlerin Jikke Ligteringen vor.

„Glück ist heißer Orangensaft“

„Geh mal wieder schaukeln und lasse die Gedanken frei.“ So die Aufschrift einer kleinen, grauen Karte, die mir meine Freundin in die Hand drückt – eine Glücksspielkarte. Sofort schießt mir die LOTTO-Warnung durch den Kopf: „Spielteilnahme erst ab 18. Glücksspiel kann süchtig machen“. Doch das Glücksspiel des Ministeriums für Glück und Wohlbefinden hat keine Altersbeschränkung, denn jeder kann glücklich sein. Für Face2Face mache ich mich auf, um das Geheimnis hinter den Glückspielkarten zu lüften. Dazu treffe ich Gina Schöler, Glücksministerin und Mitbegründerin des Ministeriums für Glück und Wohlbefinden.

Face2Face: Wie ist die Initiative entstanden?

Erste deutsche Glücksministerin: Gina Schöler, Mitbegründerin des Ministeriums für Glück und Wohlbefinden im Interview mit Face2Face. (Foto: Marco J. Schöler)

Erste deutsche Glücksministerin: Gina Schöler, Mitbegründerin des MfG im Interview mit Face2Face. (Foto: Marco J. Schöler)

Gina: Das Ministerium für Glück und Wohlbefinden (MfG) war ursprünglich ein Studentenprojekt der Hochschule Mannheim. Dort waren wir Ende 2012 ein Team von neun Studierenden, die im Masterstudiengang „Kommunikationsdesign“ die Aufgabe erhielten, eine Kampagne zu gestalten, die einen Wertewandel in der Gesellschaft initiiert. Es war deutlich zu erkennen, dass etwas in Schieflage geraten ist – sozial, ökologisch, wirtschaftlich. Unsere Aufgabe als Kreative war es nun, eine Art Kommunikationsplattform zu kreieren, so dass den Menschen die Möglichkeit gegeben wird, gemeinsam an einer positiven Entwicklung der Gesellschaft zu arbeiten, Ideen und Konzepte entstehen zu lassen und dem ganzen Krisenpotenzial entgegenzuwirken, indem man mit gutem Beispiel vorangeht und zum Nachdenken und Aktivwerden animiert.

Face2Face: Wieso brauchen wir ein „Ministerium“ für das Glück? Hat unsere Gesellschaft verlernt glücklich zu sein?

Gina: Das „Ministerium“ ist eine Metapher. Es erscheint schön offiziell, manche müssen zweimal hinsehen, um zu erkennen, dass es satirisch gemeint ist. Aber genau das ist der Trick und auch in sehr vielen Fällen der Türöffner. Das Thema ist allgegenwärtig und Glück ist im Deutschen als Wort sehr vielseitig belegt, von daher kommt es der Initiative zugute, dass sie durch das offizielle Erscheinungsbild einerseits seriös und ernst rüberkommt, es auf der anderen Seite aber das leichte Augenzwinkern gibt, mit dem aufgezeigt wird, dass Umdenken Spaß machen kann und dass es keiner Heldentaten bedarf, um sein eigenes Glück und dass seines Umfelds zu steigern.

Ich denke nicht, dass unsere Gesellschaft verlernt hat, glücklich zu sein. Es ist nur ein wenig in Vergessenheit geraten vor lauter Alltagsstress, Leistungsdruck und Zeitmangel. Die Leute sind immer so herzlich dankbar für die winzigen Impulse im Alltag, die so Großes bewirken können. Man muss sie also nur wieder etwas hervorkitzeln und schon sprudelt es so heraus.

Face2Face: Was bietet das Ministerium für Leistungen an?

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Hinsetzen und die Seele baumeln lassen: die Pausenstuhlaktion des MfG. (Foto: Fan des MfG)

Gina: Das Ministerium für Glück und Wohlbefinden ist eine multimediale Kampagne, die eben die Themen Glück und Lebensfreude in den Fokus stellt und durch alltagsnahe Beispiele und Aktionen aufzeigt, wie schön und wichtig es ist, sich damit auseinanderzusetzen und dafür zu arbeiten. Es gibt viele Ideen und Impulse, die online verbreitet werden, aber eben auch Aktionen und Veranstaltungen, die offline stattfinden, wie Kinoabende, Flashmobs, Zeitungsartikel. Zudem gibt es seit 2014 auch weitere Dienstleistungen, um diese Themen noch weiter zu etablieren. So zum Beispiel Vorträge, Workshops an Schulen und in Unternehmen, Seminare, Veranstaltungen usw.

Face2Face: Welche Aktion hat dir am meisten Spaß gemacht?

Gina: Das ist schwer zu sagen, denn ich habe mein Herzensprojekt wirklich zum Beruf gemacht. Seitdem ich Glücksministerin bin, macht mir jeder einzelne Tag Spaß! Ich treffe interessante Leute, jedes Projekt ist einzigartig, meiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Riesig Spaß gemacht hat der Picknickflashmob auf dem Berliner Alexanderplatz, bei dem viele fremde Leute zusammenkamen, um gemeinsam die Mittagspause zu zelebrieren. Ebenso liegen mir die Schulworkshops am Herzen. Das emotionale Feedback der Schülerinnen und Schüler zeigt immer wieder auf, welch großer Bedarf hier besteht. Auch ist es für mich eine große Ehre, z.B. nach Italien ins Goethe Institut oder in die Schweiz zur Public Health Conference als „Expertin“ eingeladen zu werden.

Face2Face: Wäre so ein Ministerium im politischen Sinne realistisch? Mit welchen Fragen müsste sich solch ein Ministerium beschäftigen?

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Ratespiel: Der Bundesadler des MfG sieht dem Original zum Verwechseln ähnlich. Findest du den Unterschied? Die Auflösung folgt im zweiten Teil des Interviews. (Foto: MfG)

Gina: Wenn man es wirklich politisch sehen möchte, dann wäre es sicherlich eine Instanz, die ganz bodenständig mit den Bürgern im Gespräch ist. Wissen, was gebraucht wird, im Dialog sein, die Wünsche ernst nehmen und an der Realisierung dieser arbeiten. Eine bundesweite „Glücksumfrage“ wie in Bhutan wäre ja schon mal ein Anfang, um den Status quo zu erfahren. Und eben nicht nur fragen, sondern danach auch ganz explizit handeln!

Vorschau: nächste Woche lest ihr den zweiten Teil des Interviews.

Gut geträumt?

Gut geträumt? Nächtliche Träume sind oft schemenhaft und wirr (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Gut geträumt? Nächtliche Träume sind oft schemenhaft und wirr (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Jede Nacht wünsche ich meinen Kindern süße Träume, wenn ich sie ins Bett bringe. In meiner Nachtischschublade liegt ein Notizbuch für besonders inspirierende oder bewegende Träume. Und einer der bedeutendsten Aussprüche, den wir medial immer wieder vorgespielt bekommen, ist Martin Luther Kings „I have a dream“. Selbst die knallharten Realisten unter uns können sich für ihren nächtlichen Gedanken nicht verstecken, können sie maximal ausblenden. Und auch wenn wir jede Nacht träumen, erinnern wir uns nicht immer daran.

Dabei benutzen wir den „Traum“ für zwei, ziemlich gegensätzliche Dinge. Zum einen den nächtlichen Traum, mit dem unser Gehirn die Geschehnisse des Tages versucht zu ordnen und uns manchmal damit ganz schön verwirrt. Schulstress lässt uns im Traum schon mal ohne Hosen durch die Korridore eilen, wir träumen von Prüfungen, Arztbesuchen und nicht zu Letzt von Menschen, die uns irgendwie beeinflussen. Und dann gibt es den Traum, den auch King angesprochen hat, der mehr eine Vision ist, eine Wunschvorstellung, kein unterbewusster Gehirn-Ordnungs-Mechanismus. Und wie die nächtlichen Träume gehören auch diese „Lebensträume“ fest zu unserem Sein. Ob was wir später einmal werden wollen, wie unser Leben mit diesem oder jenem Schwarm aussehen könnte, was passieren würde, wenn dies oder jenes geschehen könnte.

Geträumte Möglichkeiten. Nächtliche Träume und Wunschvorstellungen sind sich manchmal gar nicht so unähnlich (© Bernd Kaspar / pixelio.de)

Geträumte Möglichkeiten. Nächtliche Träume und Wunschvorstellungen sind sich manchmal gar nicht so unähnlich (© Bernd Kaspar / pixelio.de)

Die Wahrheit ist auch, wir können ohne beiden Arten von Träumen gar nicht bestehen. Nächtliche Träume, selbst wenn wir uns nicht daran erinnern können, ereilen uns jede Nacht. Sie nutzen uns, sorgen dafür dass bestimmte Dinge vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis gelangen. Wir brauchen unsere nächtlichen Träume. Wer nur so kurz schläft, dass er das Stadium der Träume, das REM-Stadium, nicht erreicht, fühlt sich gerädert, egal wie oft er schläft. Wir lernen dadurch, wir entspannen uns, wir verarbeiten. Ich merke immer wieder, wie mein Gehirn mehr braucht, als nur Schlaf. Wenn ich beispielsweise durch ein Kind die Nacht immer wieder nur für kurze Etappen schlafen kann, egal wie lange diese Etappen zusammengenommen sind, ist mein Gehirn danach auf Minimalleistung. Schlafe ich dagegen kurz, aber an einem Stück so lange, dass ich zumindest geträumt habe, bin ich wesentlich erholter.

Doch auch die anderen Träume, die Wunschvorstellungen, die wir uns durchaus bewusst setzten, brauchen wir. Ich möchte nie den Punkt erreichen, an dem alle meine Träume erfüllt sind. Wer keine Träume mehr hat, hat nichts mehr. Sie treiben uns an, sorgen dafür, dass wir aufstehen, dass wir den Alltag durchstehen und uns auf kleine Freuden konzentrieren. Es sind Etappen, die wir erreichen wollen. Manche können wir erreichen, denn dahinter steht gleich der nächste Traum, die nächste Etappe, die uns wieder antreibt.

Ausgeträumt? Lebensziele treiben uns an, darum brauchen wir immer wieder neue (© Peter Smola / pixelio.de)

Ausgeträumt? Lebensziele treiben uns an, darum brauchen wir immer wieder neue (© Peter Smola / pixelio.de)

Immer wenn ich jemanden jammern höre, dass er seine Träume nicht verwirklichen kann, denke ich, ob er das wirklich will. Es gibt Träume, die will ich nicht verwirklichen. Sie zu erreichen würde mich träge machen, mir schließlich Lethargie einbringen. Ich hätte nichts mehr, wonach ich streben kann. Jedes Glück existiert nur, wenn wir wissen, was Unglück ist, was der Gegensatz dazu war. Wir können nur glücklich sein, wenn noch etwas vor uns liegt, was wir erreichen können. Ich möchte viel erreichen, immer, gerne, am liebsten sofort, aber was liegt danach? Ein bisschen Utopie in unseren Träumen tut uns gut, gerade weil sie dann so unerreichbar bleiben.

Wenn mein Sohn mir sagt, er will Feuerwehrmann oder Pilot werden, Astronaut oder sonst etwas, lasse ich ihn träumen. Wenn er davon redet, mich dann in den Urlaub zu fliegen, mich zu retten oder dieses oder jenes Mädchen zu heiraten (ja, mit 6 fängt er da früh an), hoffe ich, dass er sich diese Träume bewahrt, sie abwandelt, wenn er über sie hinauswächst, und immer etwas hat, wovon er träumen kann. Ich bin glücklicher mit meinen Träumen, als ich mit ihrer Erfüllung je wäre. Weil es jene gibt, die ich realisieren kann, die mich Erfolg und Zufriedenheit spüren lassen, und jene, die immer wieder vor mir stehen und aus der Ferne winken, egal wie nah ich an sie herangekommen sein mag. Das ist mein Motor, mein Antrieb und wahrscheinlich Teil meines größten Traums.

Vorschau: Nächste Woche gibt Sascha euch einen Countdown zur Wiesn.

Glücklich im Job – geht das überhaupt?

Was macht dich glücklich? Der erste, warme Sonnenstrahl nach einem eisigen Winter, eine wilde Partynacht oder ein ausgedehnter Sonntagsbrunch mit der ganzen Familie?

Glück ist ein subjektives Gefühl, das sich in einem oft unbewussten Wohlbefinden äußert. Des Weiteren besagt ein klassischer Glücksansatz, dass Glück in dem Maße entsteht, in dem man seine eigenen Ziele und damit sich selbst verwirklicht. Nach ihrem Bildungsabschluss, teilweise auch schon während des Studiums versuchen sich viele junge Menschen in Form ihrer Arbeit selbst zu verwirklichen. Endlich haben sie die Möglichkeit, das, was sie jahrelang gelernt haben, das Wissen und die Fähigkeiten, die sie sich erarbeitet haben, unter Beweis zu stellen. Und das macht sie glücklich.

Glückliche Menschen leisten gerne mehr: Das weiß Autor Oliver Haas (© Thommy Weiss  / pixelio.de)

Glückliche Menschen leisten gerne mehr: Das weiß Autor Oliver Haas (© Thommy Weiss / pixelio.de)

Dieses Gefühl, aus seiner Tätigkeit und Leistung Befriedigung schöpfen zu können, bildet die Grundlage für das betriebliche Glück, die sogenannte Corporate Happiness. Bei Corporate Happiness handelt es sich um ein ganzheitliches Führungssystem, schreibt Oliver Haas, dessen Buch zum Thema passenderweise den Zusatz „Glückliche Menschen leisten gerne mehr“ trägt.

Doch existiert das betriebliche Glück tatsächlich? Gibt es Unternehmen, deren Management im Glück ihrer Mitarbeiter einen Mehrwert sieht und es deshalb gezielt fördert? Wir haben unsere Leser nach ihren Erfahrungen gefragt:

Die 24-jährige Studentin Nadine hat neben ihrem Studium bereits in mehreren, unterschiedlichen Branchen gearbeitet: Aktuell ist sie in einer Rechtsanwaltskanzlei und als freiberufliche Autorin tätig. Zwei Jahre hat sie in einer Bekleidungshauskette sowie ein halbes Jahr in einer der PR-Agentur gearbeitet. Das Betriebsklima beschreibt Nadine bei allen ihren bisherigen Tätigkeiten als gut bis sehr gut. „Ich glaube, das gute Betriebsklima hat viel mit gegenseitigem Respekt zu tun“, so die junge Frau, „egal welche Position man innehat: Man sollte die anderen Kollegen und deren Arbeit wertschätzen – ganz egal, ob es sich dabei um den Geschäftsführer oder den Praktikanten handelt.“ Faire Bezahlung, annehmbare Arbeitszeiten und ein gutes Arbeitsumfeld tragen ihrer Meinung nach schon viel zur Zufriedenheit der Mitarbeiter bei. Zudem sei es wichtig, dass Probleme offen angesprochen werden.

Das ist im Job von Jessica (23) leider nicht der Fall. Die Gärtnerin ist seit sechs Jahren bei der Stadt angestellt und beschreibt die Stimmung zwischen ihrem Vorgesetzten, den Kollegen und sich als „kalt“. „Mit meinem Vorarbeiter habe ich mich regelmäßig in der Wolle“, erzählt sie, „er sollte eine Art Vorbild sein – das wäre motivierend. Das ist er aber leider nicht.“ Von Seiten des Arbeitsgebers ist laut Jessica keine Hilfe zu erwarten: „Ich war schon ein paarmal bei der Chefin, aber die Angelegenheit wird von ihr einfach immer nur so im Raum stehen gelassen als wäre es ihr völlig egal.“

Spielt in vielen Unternehmen eine untergeordnete Rolle: Die Zufriedenheit der Mitarbeiter (© Rainer Sturm  / pixelio.de)

Spielt in vielen Unternehmen eine untergeordnete Rolle: Die Zufriedenheit der Mitarbeiter (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Laut einer Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Gallup sind in einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitern 85 % gering engagiert. Die Folge ist ein Leistungsabfall von bis zu 25 %. Übrigens haben Mitarbeiter mit einer hohen Bindung zum Unternehmen 41% weniger Fehlzeiten im Vergleich zu Mitarbeitern mit keiner Bindung. Wie sehr Corporate Happiness und Produktivität zusammenhängen zeigt eine Analyse im „Harvard Business Review Notice of Use Restrictions“: Glückliche Mitarbeuter haben im Durchschnitt eine um 31% gesteigerte Produktivität; ihre Verkäufe sind um 37% höher; ihre Kreativität ist dreimal höher. Corporate Happiness hat also nicht nur einen positiven Effekt auf die Mitarbeiter, die sich dank der Konzentration auf ihr Wohlbefinden im Betrieb anerkannt und infolgedessen glücklich fühlen, – sie stellt auch einen Mehrwert für den Unternehmer dar. Als Führungssystem ist Corporate Happiness nämlich auf die Steigerung des Unternehmenswertes ausgerichtet, weiß Autor Haas.

„Zweimal bescheiden, einmal beschissen“, so beschreibt Sebastian (26) das Betriebsklima in den drei Unternehmen, in denen er bisher tätig war. Teilweise habe er sich richtiggehend ausgenutzt gefühlt, berichtet der Maler, Lackierer und Gerüstbauer. Neben dem finanziellen Aspekt müsse ein gewisser Zusammenhalt in einem Unternehmen herrschen, sodass er 100-prozentig zufrieden und glücklich mit seinem Job sein könnte. „Sitzungen abhalten, in denen Probleme angesprochen und geklärt werden können, wäre ein guter Ansatz“, findet er.

Die Herausforderung, Glück und Erfüllung im Beruf zu finden, ist anscheinend größer, als es sich zunächst anhören mag. Dennoch scheint es Unternehmen zu geben, deren Betriebsklima gut ist und die – ob bewusst oder unbewusst – ein Auge auf die persönlichen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter haben. Diese Unternehmen gilt es vor allem für den Berufseinstieg zu finden, denn sie bieten eine angenehme Lern- und Arbeitsatmosphäre.

Wie sieht es bei euch aus? Ist Corporate Happiness in eurem Unternehmen nur ein Mythos oder gelebte Unternehmensphilosophie?

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch im Panorama eine spannende Reportage zur modernen Schatzsuche – dem Geochaching.

Model mit 40? – Aber hallo!

Supermodel Kate Moss ist dieses Jahr am 16. Januar 40 Jahre alt geworden. Doch zu alt zum Modeln ist sie nicht. Die Britin ist auch im hohen Model-Alter noch Gesicht einer großen Modemarke: Nicht zum ersten Mal präsentiert sie die Kollektionen des italienischen Modelabels Liu Jo wie immer sehr sexy und sinnlich.

 

Zudem wurde sie pünktlich zu ihrem 40. Geburtstag und dem 60. des Männermagazins von den Fotografen Mert & Marcus für den Playboy abgelichtet und vor kurzem Contributing Fashion Editor bei der britischen Vogue. In London soll es außerdem eine Ausstellung rund um Kate Moss geben und im April wird sie eine weitere Kollektion für das Einzelhandelunternehmen Topshop entwerfen.

 

Kate Moss ist nicht das typische Model: Sie ist nur 1,70 Meter groß. Doch seit rund 25 Jahren ist sie ein wichtiger Teil der Modewelt und gilt als eines der erfolgreichsten Models überhaupt. Dieses Glück und auch ihr Glück im Privatleben sind ein Grund zum Feiern.

 

Genau das tat sie auch an ihrem Geburtstag: Laut der britischen Tageszeitung „Daily Mirror“ feierte Kate Moss am Donnerstag, den 16. Januar ihren runden Geburtstag in der Karibik auf der Privatinsel Necker Island des Unternehmers Richard Branson und floh somit vor dem grauen Januarwetter in London. In der Karibik feierte sie mit engen Freunden wie Designerin Sadie Frost, PR-Managerin Fran Cutler und Hairstylist James Brown und schmiss eine Kostümparty unter dem Motto „Marie Antoinette“.

 

Ihr Mann, „The Kills“- Gitarist Jamie Hince (45), schenkte ihr zum Geburtstag eine Wohnung in Paris. Egal, ob von großen Magazinen, Marken oder ihrem Ehemann: Von allen Seiten wurde die Mode-Ikone beschenkt und gefeiert – und das zurecht!

 

Keiner sonst ist dem Model-Business so treu geblieben wie Kate Moss.

 

Eine Woche lang soll Kate Moss mit ihren Freunden auf der Insel Urlaub gemacht haben, die erst seit kurzem wieder zu vermieten ist. Im Jahr 2011 gab es auf der Insel des Unternehmers, die er für rund 227.300 Euro gekauft haben soll, wegen eines Blitzeinschlags einen Brand in der großen Villa. Daher vermietet Branson seine Insel erst seit Oktober wieder an Gäste, unter denen sich auch Prinz Harry und Stars wie die Schauspieler Kate Winslet und Eddie Murphy befinden.

 

Richard Branson soll seiner langjährigen guten Freundin Kate Moss den einwöchigen Urlaub zum Geburtstag geschenkt haben.

 

Dann hoffen wir doch mal, dass das 40-jährige Supermodel ihren Geburtstag so richtig genießen konnte und somit für die nächsten 40 Jahre Kraft und Energie tanken konnte.

 

Happy Birthday, Kate!

 

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr einiges über 125 Jahre Lanvin.

Das Prinzip Öffnung – wie viel Freiheit erträgt die Liebe?

„Ich will frei sein / frei wie ein Stern,der Himmel steht“, tönen die Goldkehlchen von Xavier Naidoo und „Glashaus“-Leadsängerin Cassandra Steen in ihrer Selbstverständlichkeit. Fast so, als wäre diese sogenannte Freiheit das erklärte und sogleich höchste Ziel eines jeden Menschen. Beinahe, als gäbe es nichts erstrebenswerteres als das. Ich frage mich ernsthaft, wie die beiden sich das in der Praxis wohl vorstellen.

Schließlich ist das mit der absoluten Freiheit ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Einerseits wünscht sie sich jeder in gewisser Weise – sonst würde es vermutlich weit weniger junge Leute auf Reisen ins Ausland verschlagen und der besagte Song wäre wohl kaum mit derart goßer Begeisterung rezipiert worden – andererseits jedoch geht mit der Idee, sich selbst und andere von sich frei zu machen auch immer ein gigantischer Kompromiss einher. Ich denke da an niemand geringeren als meinen letzten Mehr-oder-minder-Freund zurück, als dieser mir den Vorschlag unterbreitete, unsere Hin-und-wieder-Beziehung auf eine ganz neue Ebene zu bringen und damit offener zu gestalten.

Schätzungsweise versprach er sich von dieser äußerst zeitgemäßen Alternative vor allem Eines: Freiheit. Damit ist jedoch keineswegs bloß die offensichtliche Freiheit, namentlich die Polygamie, gemeint. Hinter dem „Prinzip Öffnung“ steckt nämlich noch weit mehr als das. Zunächst einmal untersagt es mir, all die Dinge zu tun, zu sagen oder auch nur zu denken, die typischerweise einer Beziehung zugeschrieben werden. So hatte ich mir jedes Mal auf die Zunge zu beißen, wenn ich ihn in vollgekleckerten Jogginghosen in der Universität traf. Das Prinzip Öffnung entmündigte mich insoweit, als dass es mir die Rechtsgrundlage für Kritik entzog – schließlich sind nur feste Freundinnen befugt, für ihr Gegenüber die Style-Polizei zu spielen und bei Regelverstoß Sanktionen anzudrohen („Ich lasse mich mit dir nirgendwo mehr blicken, wenn du weiterhin außerhalb deiner Wohnzimmercouch keine vernünftigen Hosen trägst! Ach ja, und Sex bekommst du dann auch keinen mehr.“)

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Propagiert die uneingeschränkte Freiheit: Der deutsche R’n’B-Sänger Xavier Naidoo (Foto: Laljak)

Formulieren wir meinen persönlichen Präzedenzfall allerdings einmal nicht ex negativo, so haben wir es eigentlich doch mit einem richtigen Glückspilz zu tun. Hier hat sich jemand das Prinzip Öffnung beispielhaft zunutze machen können, sich eine rechtsfreie Zone geschaffen, in der ihm mehr als nur Beinfreiheit zusteht. Er kann sich melden, sooft oder so selten es ihm beliebt, schließlich darf niemand am anderen Ende der Leitung sitzen und über seine telefonischen An-und Abmeldungen Strichliste führen. Es erfordert seinerseits keiner besonderen „Investitionen“, im finanziellen wie im ideellen Sinn. Beinahe ist es so, als hätte das Prinzip Öffnung jede noch so kleine aufmerksame Geste, jeden widerwilligen Theaterbesuch und jedes Kaffeekränzchen mit versteinertem Lächeln und den angereisten Schwiegereltern einfach aus dem Programm verbannt.

Nun, wo man sämtliche vermeintliche Störfaktoren ausgemerzt hat, sollte doch als Essenz des selbst geschaffenen Weder-Fisch-noch-Fleisch-Verhältnisses pure Glückseligkeit übrig geblieben sein? Dem Namen nach haben wir es so immerhin mit keinem widerspenstigen Fisch zu tun, der uns, seinem glitschigen Naturell entsprechend, aus den Händen entflutscht. Allerdings hält das Prinzip Öffnung leider ebenso wenig Fleisch bereit, an dessen Substanz wir uns in guten wie in schlechten Tagen festhalten können, mag es manchmal auch von etwas zäher und knorpeliger Konsistenz sein.

So bleibt das Gefühl zurück, Xavier wie auch Cassandra könnten mir und dem Produkt meiner erprobten Freiheit unter Umständen die Kehrseite der Medaille vorenthalten haben – ich fühle mich um eine Beziehung betrogen. Doch vor allem haben sie mir mit ihrem musikalischen Populismus die Freiheit genommen, mich von vorneherein gegen das Prinzip Öffnung zu entscheiden. In dem Wissen, dass ich kein Vegetarier bin, möchte ich mir nämlich doch ganz gern die Optionen, mal Fisch und mal Fleisch sein zu dürfen, fürs Erste offenhalten.

Vorschau: Pünktlich zum Winteranfang lesen wir nächste Woche an dieser Stelle Saschas Hasstirade auf Schnee und Eis.

Fernbeziehungen – fernes Glück oder nahes Risiko?

Von links: Robert Tessmann, Vanessa R., Stefan S., Nicole Wawro (Fotos: privat)

Eine kurze Autofahrt, eine lange Zugfahrt oder gar eine Reise mit dem Flugzeug – Fernbeziehungen bedeuten mehr Aufwand, um den Partner wiederzusehen. Ein Aufwand, der sich durchaus lohnt. Dennoch sehen sich die Beteiligten neben Sehnsucht und Einsamkeit oft mit Fragen nach Vertrauen und Treue konfrontiert. Wie man dies alles meistern kann und trotz Entfernung eine glückliche Beziehung führt, verraten vier Frauen und Männer mit ihren ganz eigenen Erfahrungen in der Fernbeziehungs-Umfrage.

Regelmäßiger, wenn auch kurzer Kontakt, ist für den Stuttgarter Robert Tessmann das A und O einer funktionierenden Fernbeziehung. Der Kinder- und Jugendheimerzieher ist erst eineinhalb Monate mit seiner Freundin aus Paderborn zusammen und freut sich bei jedem Wiedersehen „auf ihre Stimme, ihre zarte Haut und die sanft geschwungenen Gesichtszüge“. Kennengelernt haben sich die beiden bei einem Berufsausbildungsseminar – und sie lernen sich trotz 400 Kilometer Distanz besser kennen, „indem man über alles redet, und sei es auch nur das Mittagessen“. Schließlich kann der andere nicht am gewohnten Alltag teilhaben. „Fotos anschauen, sich an das letzte Treffen erinnern, eine SMS schreiben oder kurz telefonieren“ sind seine Mittel gegen aufkommende Sehnsucht.

Die 23-Jährige Vanessa R. vertraut ihrer Partnerin trotz der 90 Kilometer zwischen Bad Dürkheim und Mainz voll und ganz: „Wenn man sich nur alle paar Wochen sehen kann, muss man einander vertrauen können“. Fremdgehen ist daher für sie gar kein Thema. Trotz dreijähriger Beziehung telefonieren die Liebenden jeden Tag. Denn die Telefonate und die Vorfreude auf das nächste Treffen helfen der Autorin, die Trennungszeit zu überbrücken.
Dennoch ist sich Vanessa der Nachteile einer Fernbeziehung bewusst: „Nicht jeder ist dafür geschaffen. Man kann sich nicht spontan sehen, wenn es einem schlecht geht, kann man nicht in den Arm genommen werden. Treffen sind immer Wochen im Voraus geplant. Man kann sich nicht immer erreichen, wenn es etwas Wichtiges zu besprechen gibt.“
Selbst der Wechsel von einer Fernbeziehung zu einer normalen kann sich dabei als schwierig erweisen, gibt die Studentin zu bedenken: „Wenn man gewohnt ist, sich nur zeitlich begrenzt zu sehen, ist es vielleicht schwer, jetzt auf engerem Raum zusammen zu sein. Man fühlt sich dann erst einmal bedrängt und in seiner Freiheit beschnitten.“

Auch Stefan S. aus Ainring kennt die Probleme, die dabei aufkommen können: „Die Entfernung erschwert es, sich tiefergehend kennenzulernen. Man kennt die Macken des anderen erst, wenn man länger zusammen wohnt oder sich ständig sieht. Wenn die Beziehung und die Gefühle aber stark genug sind kann man auch das trotz einiger Reibereien meistern“. Auch wenn für den 28-Jährigen IT-Administrator eine Fernbeziehung von 700 Kilometern zwischen Ainring und Berlin kein Dauerzustand ist, hängt für ihn der Erfolg vom gegenseitigen Verständnis beider Partner ab: „Die Chancen einer Beziehung hängen nicht von der Entfernung ab, sondern davon, wie viel jeder bereit ist in die Beziehung zu investieren.“

Erst seit einigen Wochen führt Nicole Wawro mit ihrem Freund eine Kurzzeit-Fernbeziehung zwischen Singapur und Deutschland. Aufgeben kommt für die Studentin aber nicht in Frage: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Ihr Rezept für eine glückliche Fernbeziehung heißt dabei Vertrauen und Kommunikation: „Übertreiben sollte man es bei dem Kontakt aber auch nicht“, da sich der Partner sonst eingeengt und kontrolliert fühlen könnte.
Von einem Tag auf den anderen über 10.000 Kilometer voneinander entfernt, musste sich Wawro erst in die Fernbeziehung einleben: „Es war zunächst ungewohnt, wieder mit so viel Freizeit klarzukommen. Die ersten Tage habe ich mich sehr gelangweilt. Irgendwann habe ich mich dann entschlossen, meinen alten Hobbys nachzugehen Außerdem unternehme ich viel mit Freunden“. So könne das Gefühl von Einsamkeit erst gar nicht aufkommen.
Trotz getrenntem Umfeld und neuen Erlebnissen, die der Partner nicht miterleben kann, sieht die 22-Jährige in einer Fernbeziehung eine Chance „an den Veränderungen teilzuhaben und mit dem anderen mitzuwachsen“. Dies sei das Geheimnis, sich nicht auseinanderzuleben. Falls die Sehnsucht einen übermannen sollte, hat Nicole auch dafür einen Tipp: „Ich habe mal ein Kissen gesehen, das aussah wie ein Oberkörper mit Arm. Man konnte dem Kissen dann ein T-Shirt vom Partner anziehen und dann mit dem Kissen kuscheln. Das ist doch eine lustige, nette Idee“.

Vorschau: Passend zur ungemütlich-kalten Jahreszeit gibt es nächste Woche drei Tipps gegen Schnupfen und Erkältung.

Traumberufe, Teil 4: Feng-Shui-Beraterin

Diplom Feng-Shui-Beraterin – klingt nach Traumberuf vor allem für junge Frauen. Und das ist es auch, findet zumindest die 24-jährige Eva Steiner.

 „Der Umgang mit Menschen, denen ich durch mein Know-How Unterstützung geben kann, ist wunderbar“, erklärt sie die Leidenschaft zu ihrem Beruf, „es erfüllt mich, wenn ich sehe, dass ich helfen konnte und dass das vom Kunden erhoffte Ziel mit vollster Zufriedenheit erreicht wurde.“

Bei ihrer Berufswahl wurde Steiner durch ihre Mutter inspiriert: „Sie ist seit vielen Jahren Feng Shui-Beraterin und bildet auch Feng-Shui-Berater aus.“ Sie habe sich schlichtweg von der Begeisterung ihrer Mutter für den Beruf anstecken lassen, gesteht die junge Frau.

In einer halbjährigen Intensiv-Ausbildung unter den strengen Augen ihrer Mutter habe sie so schließlich den Abschluss zur Diplom Feng-Shui-Beraterin erreicht, berichtet Steiner stolz. „Nach dieser Ausbildung ist es wichtig, sofort in die Praxis einzusteigen. Wenn noch kein Auftrag vorliegt, kann man als frisch gebackene Feng-Shui-Beraterin zuerst einmal Verwandten oder Freunden beraten – das ist sehr lehrreich“, erzählt Steiner.

Aber was genau versteht man eigentlich unter Feng Shui? „Wörtlich bedeutet „Feng“ Wind und „Shui“ Wasser. Wind und Wasser haben sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf unser Leben und unsere Umwelt. Feng Shui kann die Wirkungen von Yin, also weiblicher Energie und Yang, das ist die männliche Energie, ausgleichen, so dass Harmonie entsteht“, erläutert Steiner die Begrifflichkeiten. „Ich würde sagen, dass die Umgebung der Menschen – sowohl beruflich als auch privat – durch Feng Shui positive Energien erhält, so dass Gesundheit, Glück, Wohlstand und Erfolg verstärkt werden“, fügt sie an.

Konzentriert: Feng-Shui-Beraterin Eva Steiner beim Durchführen von Berechnungen (Foto: privat)

Als Feng Shui Beraterin benötige man ein gutes Einfühlungsvermögen, um bestehende Energien zu orten und gezielt zum Wohle des Kunden einzusetzen. Aber auch ein wenig Übung kann nicht schaden, wie Steiner erklärt: „Man kann zum Beispiel fremde Grundrisse aus Zeitschriften zur Hand nehmen und anhand dieser Grundrisse fiktive Berechnungen und Auswertungen vornehmen. Ebenfalls kann man mit der Rute beziehungsweise dem Pendel nach Draußen gehen, um Wasseradern oder sonstige geopatische Störfelder im Umfeld zu finden.“

Wie sieht nun also ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag einer Feng Shui Beraterin aus? „Wenn ich einen Auftrag erhalte, fahre ich zum Kunden hin, um über die Details zu sprechen. Ich benötige einen maßstabsgerechten Plan sowie einige Informationen, wie zum Beispiel Geburtsdaten, Einzugsdatum und so weiter. Mit dem Feng Shui-Kompass messe ich an einer definierten Stelle die Gradzahl, um dem Grundstück beziehungsweise dem Haus oder der Praxis ein entsprechendes Element zuordnen zu können. Vor Ort gehe ich mit der Rute durch die Räume und über das Grundstück, um geopatische Störfelder finden zu können“, berichtet Steiner. Danach fahre sie nach Hause, um am Schreibtisch diverse Berechnungen durchzuführen, beispielsweise über die sogenannten „Fliegenden Sterne“, die Auskunft über den Verbleib von Wasser geben können. „So entsteht allmählich ein Plan, in dem unter anderem Farb- und Möblierungsvorschläge eingezeichnet werden. Außerdem werden die Kreuzpunkte der Curry- und Hartmann-Linien ermittelt – auf diesen sollte weder geschlafen noch gearbeitet werden“, weiß die 24-Jährige. Sobald schließlich alle Unterlagen schriftlich vorliegen, treffe sie sich wieder mit dem Kunden, stelle die Beratung mündlich vor und überreiche die Pläne.

Und das Ergebnis: „Ein Feng Shui-Raum fühlt sich harmonisch an und man fühlt sich sicher und geborgen. Dort kann man Energie tanken, anstelle Energien zu verlieren. Der Geist und die Kreativität werden angeregt und die Menschen sind in der Regel gesund und erfolgreich.“

Sich ohne professionelle Beratung nach den Regeln des Feng Shui einzurichten, sei oftmals wenig erfolgreich, so Steiner. „Für gutes Feng Shui ist es notwendig, Berechnungen durchzuführen und diese Berechnungen auszuwerten. Das geben Bücher oft nicht her.“

Eine spezifische Ziel- und Altersgruppe habe die Feng-Shui-Beratung nicht, meint Steiner. „In der Regel wünschen sich Menschen eine Beratung, wenn neu gebaut oder renoviert wird, wenn Krankheiten in der Familie auftauchen, die Unfallhäufigkeit zunimmt oder wenn Geschäfte nicht gut laufen oder besser laufen sollten“, fügt sie hinzu.

Das schönste an ihrem Beruf sei das positive Feedback nach getaner Arbeit: „Wenn dich Kunden loben, indem sie sagen, dass sich die Atmosphäre in ihrem Haus so anfühlt als wären sie im Urlaub oder dass die Geschäfte in ihrer Praxis oder ihrem Unternehmen besser laufen als erwartet, ist das ein unbeschreiblich tolles Gefühl.“

Vorschau: Nächsten Sonntag verrät euch Gülcin wie man Cake Pops macht – das sind Lollys, die aus Kuchen bestehen. Ihr dürft gespannt sein!

Auf den Brettern, die die Welt bedeuten…

Stimmengemurmel. Rascheln. Lachen. Irgendwo hinter dem schwarzen Vorhang sitzen unsere Zuschauer und warten darauf, dass das Stück „Küsschen, Küsschen“ beginnt. Wir haben uns eingeschworen, jedem über die Schulter „Toi, toi, toi“ gewünscht und sind ganz nervös. Für mich ist es das erste Mal, dass ich selbst auf der Theaterbühne stehe und nicht Zuschauer bin. Einerseits freue ich mich wahnsinnig, gleich in eine andere Rolle zu schlüpfen, auf der anderen Seite habe ich Angst, dass etwas schief geht. Meine Hände zittern und mein Magen scheint einen Salto rückwärts hinzulegen, als es endlich losgeht.

 Acht Geschichten des bekannten englischen Schriftstellers Roald Dahl hat die Theatergruppe Dicke Luft aus Speyer unter Norbert Franck auf die Bühne gebracht. Roald Dahl wurde in den 50-iger und 60-iger Jahren durch seine Kindergeschichten wie „Charly und die Schockoladenfabrik“ oder „Matilda“ sowie durch seine makaberen, oftmals mit schwarzem Humor versehenen Kurzgeschichten für Erwachsene bekannt. Die berühmtesten Kurzgeschichten finden sich in den Sammelbänden „Küsschen, Küsschen“ oder „… und noch ein Küsschen“. Die Zuschauer durften sich also auf einen schaurig-schönen Abend freuen und auf die Umsetzung gespannt sein.

 Etwas über zwei Monate hatten wir an den einzelnen Stücken geprobt und viel Herzblut hineingelegt – und nun war es so weit: Wir durften vor einem Publikum spielen. Während ich auf meinen Einsatz als schwarzhaarige Hebamme wartete, lugte ich ab und an durch den schwarzen Vorhang, um einen kurzen Blick auf die Zuschauer und deren Gesichter zu erhaschen. Erleichterung durchflutete mich. Das Stück gefiel. Auf manchen Gesichtern erkannte ich ein breites Grinsen, auf anderen Skepsis, um bei manch einem Zuschauer auf Verwunderung oder gar leichten Ekel zu treffen. Alles in allem Reaktionen, die unsere kleinen Geschichten hervorrufen sollten.

 Schließlich war es auch für mich an der Zeit – zusammen mit Dorothea Förster, Bernhard Friedmann und Stefan Sold – die Bühne zu betreten und unsere Geschichte aufzuführen. Im schummrigen Dunkel traten wir nach draußen, nahmen unsere Plätze ein und warteten, bis das Scheinwerferlicht wieder anging und wir beginnen konnten. In diesem Augenblick schoss mir ein passender Auszug aus dem Lied von Juli durch den Kopf: „Elektrisches Gefühl, ich bin völlig schwerelos; elektrisches Gefühl, wie beim ersten Atemzug…“. Genauso fühlte ich mich, als das Licht anging und ich einfach alles um mich ausblendete. Adrenalin floss durch meinen Körper und ich konzentrierte mich nur noch auf das Spielen. Es war unglaublich – alles, was zählte, war das, was ich gerade tat. Nichts weiter…

 Der Abend verging wie im Flug. Keine Pannen und fast fehlerfrei brachten wir zweieinhalb Stunden hinter uns. Der Applaus der Zuschauer zum Schluss riss uns wieder zurück in die Realität. Die Premiere war geschafft, und wir mit unseren Leistungen zufrieden. Mittlerweile haben wir sechs weitere Aufführungen hinter uns und bisher eine gute Resonanz bekommen. Die vorerst letzte Aufführung von „Küsschen, Küsschen“ wird am 21. Juni 2011 um 20Uhr im Kulturbeutel im Domgarten in Speyer stattfinden.

 Ich habe während dieser Zeit viel über mich selbst gelernt. Rollenspiele können uns eine Menge erkennen lassen und uns einen Spiegel vorhalten. Ich bin über mich selbst hinausgewachsen, in dem ich in zwei verschiedene Rollen geschlüpft bin, die mit mir so gar nichts zu tun haben. Kein einfaches Unterfangen und dennoch ist es mir zum Schluss gelungen. Diese Erfahrungen sind wertvoll. Theaterspielen kann wirklich gut für die eigene Psyche sein, denn man lernt fast spielerisch – bedingt durch den Perspektivenwechsel – einerseits Fremdes aber auch sich selbst besser zu verstehen. Ansätze, die sich beispielsweise bei Kaspar H. Spinner und auch im heutigen Unterricht oft finden lassen. Außerdem wird die Imaginationsfähigkeit gefördert und das eigene Ich-Verständnis, da man sich teilweise recht intensiv mit der zu spielenden Figur auseinandersetzen muss.

 Aber nicht nur das zeichnet das Theaterspielen an sich aus, sondern auch der Kontakt zu neuen Menschen, das Sammeln neuer Erfahrungen und die Erinnerungen an lustige, schaurige und großartige Momente. Es kann uns dabei helfen, mehr über uns selbst zu erfahren und unseren oft hektischen Alltag hinter uns zu lassen. Denn mit dem Theaterspielen machen wir uns ja nicht nur selbst eine Freude, sondern schenken auch anderen – nämlich denjenigen, die uns zuschauen – einen Moment jenseits des Alltagsgeschehens. Voraussetzung ist natürlich, dass man selbst Theater spielen möchte und auch Spaß daran hat, sonst ist das Ganze wohl eher kontraproduktiv

 In diesem Sinne wünsche ich euch eine kreative Woche!

Eure Lea

Vorschau: Was EHEC eigentlich ist, und warum Eva der ganze Medienrummel suspekter ist, als der Erreger selbst, lest ihr hier nächste Woche.