Genial, weil‘s keiner braucht – Ein Interview mit den Gründern von Dubbe-Dabbe / Mit Gewinnspiel

Neu und schon Kult: Dubbe-Dabbe

Neu und schon Kult: Dubbe-Dabbe (Foto: Dubbe-Dabbe)

Wer dieses Jahr auf ein Weinfest geht kommt an ihnen nicht vorbei: Dubbe-Dabbe. Die kleinen, pinartigen Verzierungen für Gläser haben dieses Jahr in Rekordzeit einen Kultstatus erlangt. Face2Face sprach für euch mit den Gründern von Dubbe-Dabbe, Dennis Dick und Lars Palatinus, über ihre Dabbe, wie sie dazu kamen und warum Dinge, die kein Mensch braucht, oft die besten Ideen sind.

Face2Face: Lieber Dennis, lieber Lars, danke, dass ihr euch Zeit für uns nehmt, gerade mitten in den Weinfesten. Woher kennt ihr euch eigentlich?

Dubbe-Dabbe: Das darf man eigentlich keinem erzählen, das ist richtig kitschig. Wir haben uns in einem Möbelfachgeschäft 2011 kennengelernt, also schon vor vier Jahren. Unsere Frauen kennen sich schon länger und haben sich da zufällig getroffen. Wir sind ins Gespräch gekommen und wollten eigentlich mal was zusammen unternehmen. Wiedergesehen haben wir uns aber erst letztes Jahr, als Dennis geheiratet hat. Danach hat es dann auch mit dem Wiedertreffen geklappt.

Einfach genial: Dabbe für die Dubbe (Foto: Dubbe-Dabbe)

Einfach genial: Dabbe für die Dubbe (Foto: Dubbe-Dabbe)

Face2Face: Den Frauen sei Dank. Denn ohne Sie würde es Dubbe-Dabbe heute nicht geben. Aber was sind diese Dabbe genau und wie seid ihr dazu gekommen, sie zu produzieren und zu verkaufen?

Dubbe-Dabbe: Bei einem gemeinsamen Grillabend hat Dennis plötzlich davon geredet, dass er immer schon so ein paar Ideen gehabt hatte. Farbige Dubbegläser zum Beispiel, nur ist ihm da jemand zuvor gekommen. Und eben auch Glasmarkierer, die mit Saugnäpfen befestigt werden. Der Name war dann auch eine spontane Eingebung, die mit der Idee selbst kam. Lars war von der Vorstellung direkt begeistert und das Gespräch hat sich danach nur noch um die Idee „Dubbe Dabbe“ gedreht. Sehr zum Leidwesen unserer Frauen, die von unserem Gequatsche richtig genervt waren. Aus der Idee und dem Gequatsche wurde dann schnell Ernst und es ging zügig weiter. Die braucht ja eigentlich kein Mensch, aber genau solche Sachen sind die besten Ideen und Dennis hat einfach noch jemanden gebraucht, der sich begeistern konnte. Dann haben wir angefangen zu basteln, bis die Dubbe-Dabbe so waren, wie wir sie wollten. Jetzt sitzen die Rohstoffe fest zusammen und haben eine optimale Haftung. Dafür haben wir verschiedene Rohstoffe ausprobiert, bis wir die beste Zusammensetzung hatten. Der nächste große Kampf war die Frage des Papiers für die Designs, bis wir auf Fotopapier gekommen sind, um die beste Farbqualität zu erzielen.

Face2Face: Das klingt ziemlich zeitaufwendig, dabei habt ihr doch auch feste Berufe. Was macht ihr, wenn ihr keine Dubbe-Dabbe herstellt?

Dubbe-Dabbe: Dennis arbeitet im öffentlichen Dienst in Ludwigshafen am Rhein und Lars bei einer IT-Tochterfirma eines Chemie-Konzerns, ebenfalls in Ludwigshafen. Das sind beides sehr gute Berufe, sodass Dubbe-Dabbe für uns auch finanziell kein Risiko war, sondern vor allem Spaß gemacht hat und weiterhin macht. Wär’s schief gegangen, wäre es auch egal gewesen und wir hätten genug Dabbe für uns selbst gehabt.

Glasmarkierer: Nicht nur für Dubbe-Gläser (Foto: Dubbe-Dabbe)

Glasmarkierer: Nicht nur für Dubbe-Gläser (Foto: Dubbe-Dabbe)

Face2Face: Euch gibt es jetzt ein halbes Jahr und ihr seid mitten in der Weinfestzeit angelangt. Wie läuft das Geschäft?

Dubbe-Dabbe: Das mit den Weinfesten ist etwas schwierig, weil wir als Kunsthandwerker selbst nicht ausstellen können, sondern einen Winzer brauchen, bei dem wir uns dazu stellen können. In Forst hat das zum Beispiel sehr gut geklappt. Die Dubbe-Dabbe kamen super an, die Leute kamen mehrmals und haben auch nach uns gefragt und unser Bestand war danach richtig leergekauft. Wir sind da auch schnell in eine Kult-Ecke gekommen. Die Dubbe-Dabbe wurden auf den verschiedenen Festen wiedererkannt, was uns wirklich sehr zufrieden macht. Unterstützt haben uns dabei Dennis‘ Frau und Lars‘ Freundin, weil wir allein gar nicht alle Termine hätten wahrnehmen können. Auf jeden Fall haben wir für die nächste Saison viel gelernt.

Face2Face: Das klingt, als wären Dubbe-Dabbe ein richtiger Trend. Wie kommt ihr eigentlich auf eure Designs?

Neuer Trend? Jeder will sie haben (Foto: Obermann)

Neuer Trend? Jeder will sie haben (Foto: Obermann)

Dubbe-Dabbe: Wir haben vordefinierte Designs und solche, die der Kunde selbst gestalten kann. Die Ideen für unsere vordefinierten Dubbe-Dabbe kommen aus tausend verschiedenen Ecken. Zuletzt wollte jemand zum Beispiel „Schorlegewitter“ als selbst gestalteten Dubbe-Dabbe haben. Wir haben das gemacht und fanden es so gut, dass wir gefragt haben, ob wir die Idee verwenden dürfen. Da sind wir sehr vorsichtig, weil Urheberrecht natürlich auch für uns gilt. Aber „Schorlegewitter“ ist jetzt bei unseren vordefinierten Designs dabei. Natürlich haben wir noch viele andere Ideen, aber wir wollen die Auswahlmöglichkeiten auch nicht zu schnell zu sehr wachsen lassen.

Face2Face: Noch mehr Arbeit. Wie schafft ihr das eigentlich neben euren „normalen“ Berufen?

Dubbe-Dabbe: Das ist schon manchmal schwer zu kombinieren. Durch unsere Arbeitszeiten gibt es Wochen, in denen wir uns kaum sehen. Darum haben wir die Produktion selbst auch weitestgehend abgegeben und an die Diakonissen Speyer-Mannheim abgegeben, in deren Werkstätten behinderte Menschen beschäftigt werden können und wir sind sehr zufrieden damit. Drucken müssen wir allerdings immer noch selbst, weil wir da einfach noch die beste Qualität der Bilder herausholen. Ansonsten ist Dubbe-Dabbe momentan noch nicht mal ein Nebenverdienst, sondern macht vor allem Spaß und wir sind gespannt, die Idee weiterzuverfolgen.

Face2Face: Der Herbst naht. Was wird aus Dubbe-Dabbe, wenn die Weinfestzeit vorüber ist?

Dubbe-Dabbe: Wir relaxen dann erst mal und genießen unsere Freizeit. Wahrscheinlich werden wir Werbepartner suchen und einiges vorbereiten, unseren Bestand aufbauen und Weinmessen besuchen. Mit den farbigen Dubbegläser haben wir schon ganz früh eine Partnerschaft aufnehmen können. Die sind von selbst an uns heran getreten, was uns wahnsinnig gefreut hat. Erst mal wollen wir aber wirklich die Füße hochlegen und realisieren, was aus unserer Idee seit Beginn der Umsetzung im Februar geworden ist.

Der erste Streich? Die Jungs von Dubbe-Dabbe haben noch viel vor (Foto: Dubbe-Dabbe)

Der erste Streich? Die Jungs von Dubbe-Dabbe haben noch viel vor (Foto: Dubbe-Dabbe)

Face2Face: Viel Zeit zum Planen also. Habt ihr denn noch mehr Ideen, die ihr umsetzen wollt?

Dubbe-Dabbe: Erst mal wollen wir weitere Partner finden. Auch denken wir über eine größere Version unserer Dabbe nach, die dann auf einen Maßkrug passen. Generell ist alles, wo Dubbe drauf sind, ein potentieller Markt für Dubbe-Dabbe. Außerdem sind wir noch auf der Suche nach selbstleuchtenden Farben, sodass die Dabbe im Dunkeln leuchten können.

Face2Face: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit euren Dubbe-Dabbe.

Wer sich ein Bild von den Dubbe-Dabbe machen will, kann am Freitag den 04.09.2015 und Sonntag den 06.09.2015 in Wachenheim im Weingut Manz Dennis und Lars an ihrem Stand besuchen. Außerdem habt ihr jetzt die Möglichkeit, exklusiv auf Face2Face drei tolle Preis zu gewinnen. Als Hauptpreis gibt es ein farbiges Dubbeglas mit drei Dubbe-Dabbe, als zweiter Gewinn winkt ein farbiges Dubbeglas und der dritte Gewinner kann sich auf drei brandneue Dubbe-Dabbe freuen.

Was ihr dafür tun müsst: Schreibt bis Mittwoch, den 30. September 2015, 23:59 Uhr eine E-Mail an eva-maria.obermann@face2face-magazin.de mit eurer neuen Dabbe-Designidee. In der Mail enthalten sein sollte euer Vor- und Nachname sowie eine gültige Adresse für den Versand. Mitarbeiter von Face2Face, sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen. Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt via Mail.

Nutzungsbedingungen

§ 1 Gewinnspiel (1) Das Gewinnspiel wird von der Online-Zeitschrift Face2Face durchgeführt.

§ 2 Teilnahme (1) Teilnahmeberechtigt sind alle Spielerinnen und Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. (2) Eine Person nimmt am Gewinnspiel teil, indem sie eine E-Mail an die von uns angegebene E-mailadresse schreibt und dort ihren Namen bzw. die Namen der möglichen Gewinner hinterlässt. (3) Zur Teilnahme am Gewinnspiel ist unbedingt erforderlich, dass sämtliche Personenangaben der Wahrheit entsprechen. Andernfalls kann ein Ausschluss gemäß § 3 (3) erfolgen. (4) Mitarbeitern von Face2Face ist es nicht gestattet beim Gewinnspiel teilzunehmen. Ihre Einsendungen können beim Gewinnspiel nicht berücksichtigt werden.

§ 3 Ausschluss vom Gewinnspiel (1) Bei einem Verstoß gegen diese Teilnahmebedingungen behält sich die Online-zeitschrift Face2Face das Recht vor, Personen vom Gewinnspiel dauerhaft auszuschließen. (2) Ausgeschlossen werden auch Personen, die sich unerlaubter Hilfsmittel bedienen oder sich anderweitig durch Manipulation Vorteile verschaffen. Gegebenenfalls können in diesen Fällen auch nachträglich Gewinne aberkannt und zurückgefordert werden. (3) Wer unwahre Personenangaben macht, kann des weiteren vom Gewinnspiel ausgeschlossen werden. (4) Nach Ablauf des Gewinnspielzeitraums können keine weiteren Einsendungen berücksichtigt werden und werden somit gelöscht. (5) Stehen in der E-Mail mehr als die Anzahl der vorgeschriebenen Namen können die Teilnehmer nicht am möglichen Gewinn berücksichtigt werden. (6) Ebenfalls bei mehrmaliger Einsendung findet ein Ausschluss vom Gewinnspiel statt.

§ 4 Durchführung und Abwicklung (1) Die Gewinner werden von Face2Face am Tag der Bekanntgabe per Telefonanruf, über den schriftlichen Postweg oder E-Mail über ihren Gewinn informiert. Kann der Gewinner nicht telefonisch erreicht werden, wird der jeweilige Gewinner über seine angegebene E-Mail Adresse oder Postanschrift über seinen Gewinn informiert. (2) Eine Barauszahlung der Gewinne oder eines etwaigen Gewinnersatzes ist in keinem Falle möglich. (3) Der Anspruch auf den Gewinn oder Gewinnersatz kann nicht abgetreten werden. (4) Ist es aus zuvor nicht vorhersehbaren Gründen nicht möglich, dass das Meet&Greet, Konzert oder die Veranstaltung durchgeführt werden kann, hat der Gewinner in diesem Fall keinerlei Anspruch auf Ersatz. (5) Ist aus zuvor nicht vorhersehbaren sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich den Besuch im Backstagebereich durchzuführen, besteht kein Anspruch auf Ersatz.

§ 5 Datenschutz (1) Durch die Teilnahme am Gewinnspiel erklärt sich der Teilnehmer ausdrücklich damit einverstanden, dass Face2Face die dazu erforderlichen Daten für die Dauer des Gewinnspiels speichern darf. Es steht dem Teilnehmer jederzeit frei, per Widerruf unter der angegebenen E-Mail-Adresse die Einwilligung in die Speicherung aufzuheben und somit von der Teilnahme zurückzutreten. (2) Die Teilnehmer erklären sich dazu bereit, dass im Falle eines Gewinnes die Namen öffentlich bekannt gegeben werden, beispielsweise über soziale Netzwerke oder die offizielle Homepage von Face2Face. (3) Face2Face verpflichtet sich, die gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes zu beachten und das Fernmeldegeheimnis zu wahren. (4) Nach Beendigung des Gewinnspiels werden alle einsandten E-Mails wieder gelöscht.

§ 6 Sonstiges (1) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. (2) Es ist ausschließlich das Recht der Bundesrepublik Deutschland anwendbar. (3) Sollten einzelne dieser Bestimmungen ungültig sein oder werden, bleibt die Gültigkeit der übrigen Nutzungsbedingungen hiervon unberührt.

Die Diskussion – heute: Tote Sprachen

KOMMENTAR

Zwei Face2Face-Autoren diskutieren darüber, ob das Latein tatsächlich als tot bezeichnet werden kann. Was meint ihr?

PRO (Johannes Glaser): Viele Jahrhunderte nach dem Tod des letzten lateinischen Muttersprachlers muss auch die Sprache selbst als tot bezeichnet werden, denn: Nur noch durch bewusste Pflege der Sprach-tradition hat das Lateinische heute noch Bedeutung für den Alltag. Diese Bedeutung aber ist eine aufgesetzte, erzwungene, konstruierte Bedeutung.

Bald auch aus Bildungseinrichtungen wie Universitäten und Schulen verschwunden? Das Latein (© an.porsche / pixelio.de)

So ist das Latein weder eine irgendwo wirklich gesprochene Sprache, noch erweist sie sich als besonders attraktiv. Das trotzige Festhalten an diesem Stück Vergangenheit – etwa im akade-mischen Rahmen – lässt sich kaum durch mehr als Gemütlichkeit erklären. Denn mit dem Englischen existiert eine in den meisten Teilen der Welt gesprochene Alternative.

Freilich, die Begrifflichkeit der „toten Sprache“ selbst mag etwas unglücklich gewählt sein. Um tot zu sein – um sterben zu können – müsste die Sprache ja erst einmal ein lebendiges Ding sein. Zwar schreiben Sprachwissenschaftler Sprachen ein gewisses Eigenleben zu; doch von einem lebendigen Organismus kann natürlich keine Rede sein.

Wann macht es also überhaupt Sinn, eine Sprache als „tot“ zu bezeichnen?

Eine Sprache kann selbst nie eigenständig existieren, denn sie ist ja nicht „einfach so“ da. Getragen wird die Sprache von Sprechern beziehungsweise Schreibern, die in dieser Sprache kommunizieren. Ohne diese Akteure würden die Sprachen schlicht aufhören zu existieren. Ist jeder Sprecher einer Sprache ausgestorben, kann diese Sprache also eindeutig als „tot“ ver-standen werden.

Schwieriger ist es nun schon mit dem viel beschworenen Latein. Obwohl die Sprachheimat dieser Sprache als solche nicht mehr existiert, gibt es auf der Welt unzählige Menschen, die diese Sprache sprechen. Doch müssen all diese Sprecher die Sprache irgendwann in ihrer Schullaufbahn gelernt haben. Die Sprache selbst existiert also nur noch deshalb im Alltag, weil gezielte Anstrengungen zu ihrem Erhalt unternommen werden. Das reicht zweifelsohne aus, um der Sprache selbst den Tod zu erklären – würden die Lehrpläne weltweit über Nacht geändert werden, würde das Lateinische in nur wenigen Jahren komplett von der Bildfläche verschwinden.

Sollte dies irgendwann einmal tatsächlich der Fall sein – etwa durch eine allgemeine Anpas-sung von Fachterminologien an die moderne Welt, kann sich die alte Sprache endlich zur Ru-he legen. Und das frohen Mutes. Denn: Sie wird längst nicht mehr gebraucht!

Auch heute noch in aller Munde: Lateinischen Wendungen und Wörter, wie hier Carpe Diem, zu Deutsch: Nutze den Tag (© M.E. / pixelio.de)

CONTRA (Tatjana Gartner): Latein gilt als DIE tote Sprache schlechthin. In Anwendung sieht man das Kommunikationsmittel der alten Römer fast nur noch an Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universitäten. Aber kann eine Sprache überhaupt tot sein? Kann sie aussterben? Und wenn ja, wie kann es soweit kommen?

Sprache kommt von sprechen – im Hinblick auf diese Definition könnte Latein tatsächlich für tot erklärt werden; schließlich wird selbst in Schulen und Universitäten ausschließlich schriftlich und zudem recht einseitig – übersetzt wird meist nur vom Lateinischen ins Deutsche – damit hantiert.

Anders betrachtet ist tot jedoch gleichbedeutend mit nicht-existent. Und die Existenz des Lateinischen zu leugnen, würde sicherlich niemandem in den Sinn kommen.

Nur weil eine Sprache nicht mehr gesprochen wird, heißt das also noch lange nicht, dass sie als tot bezeichnet werden kann. Was aber muss passieren, dass eine Spra-che ausstirbt? Oder spezifischer gefragt: Woran wird Latein sterben?

Meiner Meinung nach müsste hierzu zuerst einmal das Lateinische aus den Lehrplänen der genannten Bildungseinrichtungen verschwinden und die im heutigen, deutschen Sprachgebrauch noch präsenten Wörter, wie beispielsweise „Forum“, „Circus“ und „Usus“, müssten verlorengehen. Erst dann, wenn sich niemand mehr mit der lateinischen Sprache auseinandersetzt, wäre eine metaphorische Todesanzeige gerechtfertigt.

Dass ein Sterbensprozess zum aktuellen Zeitpunkt bereits begonnen hat, soll an dieser Stelle nicht abgestritten werden – dafür spricht auch die Tatsache, dass Latein kaum bis gar nicht mehr gesprochen wird. Dennoch kann von einem Tod der Sprache nicht die Rede sein. Und bis es soweit ist, vergehen sicherlich noch Jahre.

 

„Jeder Mensch kann so einfach helfen“

Unvergesslich: Linda Tellington-Jones erzählt mir von ihrer Arbeit (Foto: Hoffmann)

Unvergesslich: Linda Tellington-Jones erzählt mir von ihrer Arbeit (Foto: Hoffmann)

„TTouch for you“ heißt das Buch von Linda Tellington-Jones, das über die Tellington-Arbeit mit den Tieren hinaus erklärt, wie man auch Menschen mit der Stimulierung ihrer Zellen glücklicher machen kann. Die interessantesten Geschichten entstehen meist durch Zufall: So wie auch an Lindas Seminartag in Dudenhofen, an dem sie zufällig an einen Burnout-Patienten gelangt, dem ihre Touches zu mehr Ruhe im Alltag verhelfen.

„Was ist dein Lieblingstouch, Linda?“, frage ich die kanadische Pferdefrau bei ihrem Besuch in Dudenhofen. Die 73-jährige legt ihren Handrücken auf meinen Oberarm, sieht mich an, und sagt „Dieser Touch steht noch in keinem meiner Bücher, der Orang-Utan Touch“. Sehr beruhigend und äußerst effektiv fühlt es sich an, wenn die Erfinderin der Tellington-Methode höchstpersönlich ihre Arbeit demonstriert.
„Und was ist deiner?“, entgegnet sie mir anschließend.  „Die tollsten Erfahrungen habe ich mit der Ohrenarbeit gemacht, bei Mensch, Pferd, Katze, Hund, Esel, Hase, wem auch immer.“
Linda sieht mich begeistert, aber auch neugierig an. Ich solle mehr erzählen.
Ich berichte ihr von dem faszinierensten Erlebnis, das ich durch den sogenannten „Ohren-Touch“, der für Entspannung und innere Ruhe sorgen soll, gemacht habe.

Einmalig beruhigend: Linda demonstriert an einem vierbeinigen Seminarteilnehmer die Ohrenarbeit (Foto: Hoffmann)

Einmalig beruhigend: Linda demonstriert an einem vierbeinigen Seminarteilnehmer die Ohrenarbeit (Foto: Hoffmann)

„Mein Papa leidet seit ein paar Jahren an dem Burnout-Syndrom. Wenn er Panikattacken hat oder eine innere Unruhe spürt, bin ich die einzige, abgesehen von Tabletten, die ihn dann entspannen kann“, erkläre ich. Linda ist hin und weg. „Immer, wenn ein Tier oder Mensch in meinem Umfeld Kreislaufprobleme hat, sich unsicher fühlt, aufgeregt ist oder nicht zur Ruhe kommen kann, wende ich diesen Touch mit dem Zeigefinger und dem Daumen an“, berichte ich weiter.

Was man damit erreichen kann? Die Ohrenarbeit ist deshalb so essentiell und effektiv, da man in sehr kurzer Zeit durch die Stimulierung der Zellen einem Lebewesen Entspannung in den ganzen Körper schicken oder den Kreislauf wiederherstellen kann.

Pferde werden mit Hilfe der Ohrenarbeit, durch die der Kreislauf angeregt wird, immer häufiger aus einer Kolik gerettet. Kleintiere, die kein Vertrauen in Menschen haben, entspannen sich zwischen Daumen und Zeigefinger eines Zweibeiners. Und ebendiese, die beispielsweise vor einer Prüfung beunruhigt sind, können sich kurzfristig entspannen.

„Kannst du den Seminarteilnehmern von deinen Erfahrungen berichten?“, fragt Linda mich nach dem Interview. Kurze Zeit später steht mein Papa in der Reithalle neben Linda, die kurzerhand die verschiedensten entspannenden Touches an ihm ausprobiert.

Spontan: Linda testet entspannende Touches an dem kurzfristig her bestellten Burnout-Patienten (Foto: Hoffmann)

Spontan: Linda testet entspannende Touches an dem kurzfristig her bestellten Burnout-Patienten (Foto: Hoffmann)

Das Publikum lauscht interessiert, als ich die Geschichte noch einmal durch das Mikrofon erzähle. „Was ich damit sagen will“, beende ich meine gedankliche Exkursion, „jeder von euch kann mit einer so kleinen, einfachen Berührung in den brenzligsten Situationen eine Menge bewirken. Wem die vorgestellten Problemsituationen bekannt vorkommen – macht euch ans Werk. Ihr könnt so einfach helfen.“

Glücklich: Mein Papa, ich und Linda Tellington-Jones nach einem etwas anderen Seminarteil (Foto: Hoffmann)

Glücklich: Mein Papa, ich und Linda Tellington-Jones nach einem etwas anderen Seminarteil (Foto: Hoffmann)

Vorschau: Am nächsten Donnerstag findet ihr hier den nächsten Teil der Serie „Tierisch gute Teams“, Alex und sein Papagei Lola.