Azing Moltmaker – fasziniert von den Beatles

Was haben Mottenkugeln mit den Beatles zu tun? Azing Moltmaker weiß es. Er hat in Alkmaar in den Niederlanden ein ganzes Museum rund um die Beatles gegründet (wir berichteten letzten Monat). Er ist aber nicht nur der Inhaber des Museums, sondern publiziert auch regelmäßig Bücher über die Beatles. Wir haben mit ihm über seine persönlichen Highlights im Beatles-Museum und seine Bücher gesprochen.

Face2Face: Warum sind Sie so begeistert von den Beatles?

Moltmaker: Weil mich vor allem ihre Musik fasziniert. Es ist eine Band, die nur Hits hatte und sich doch immer verändert hat. Jede Platte war anders und hatte trotzdem dieselbe hohe Qualität. Es ist das Gesamtbild der Beatles-Geschichte, das so interessant ist.

Face2Face: Wie kamen Sie auf die Idee, ein Beatles-Museum zu gründen?

Moltmaker: Ich habe erst mit einem eigenen Fanclub begonnen, weil ich von einem anderen Fanclub abgewiesen wurde. Weil der Fanclub allein nicht genug Geld einbrachte, um Magazine drucken zu lassen, habe ich 1979 mit einem kleinen Beatles-Laden angefangen. Am 6. Juni 1981 begann ich dann mit einem Beatles-Museum.

Außergewöhnlich: Azing Moltmaker und die „Butcher-Cover“ im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Außergewöhnlich: Azing Moltmaker und die „Butcher-Cover“ im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Face2Face: Was ist Ihr persönliches Lieblingsstück im Beatles-Museum und warum?

Moltmaker: Ich besitze tausende Objekte. Mehr als 2.500 LPs, 2.000 Singles, 1.000 Beatles-Bücher, 500 Stunden an Bildaufnahmen, 3.500 CDs und 100 Vitrinen voll mit Merchandising. Aber es gibt eine sehr außergewöhnliche Plattenhülle, die sehr viel Geld wert ist. Davon habe ich fünf Stück. Sie ist bekannt unter dem Namen „Butcher-Cover“.

Seltenheit: Azing Moltmaker und die Gitarre von George Harrison aus den 1950er Jahren im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Seltenheit: Azing Moltmaker und die Gitarre von George Harrison aus den 1950er Jahren im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Face2Face: Was ist das seltenste Stück im Beatles-Museum?

Moltmaker: Das sind die Gitarren und die Kleidungsstücke, die ich von den Beatles bekommen habe. Außerdem die Goldenen Schallplatten, Platin-Schallplatten sowie Plattenverträge.

Face2Face: Was ist das kurioseste Stück in der Sammlung?

Moltmaker: Zweifellos sind das die Beatles-Mottenkugeln. Das ist echt das absurdeste Beatles-Produkt, das ich je gesehen habe.

Kurios: Mottenkugeln, auf deren Verpackung die Köpfe der Beatles aufgedruckt sind (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Kurios: Mottenkugeln, auf deren Verpackung die Köpfe der Beatles aufgedruckt sind (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Face2Face: Haben Sie mal einen der Beatles persönlich getroffen?

Moltmaker: Ja, in den 1980ern habe ich Paul McCartney bei einem TV-Programm getroffen. Er hat damals auch eine Platte für mich signiert.

Face2Face: Sie schreiben regelmäßig Bücher über die Beatles. Wie kam es dazu und was für Bücher sind das genau?

Moltmaker: Ich habe 68 Bücher geschrieben. Einige im Auftrag für Verlage, aber die meisten habe ich selbst bei meinem eigenen Verlag herausgebracht. Die Fanclub-Magazine hatten eine begrenzte Seitenanzahl und weil ich die Geschichten gut schreiben wollte, brauchte ich mehr Seiten und daher waren Bücher der logische Schritt. Ich schreibe Discographien, Themenbücher und Nachschlagwerke über die Beatles. Momentan arbeite ich an drei neuen Büchern, die Ende des Jahres erscheinen sollen.

Mehr Infos zum Beatles-Museum in Alkmaar findet ihr HIER.

Keywest – Irlands bodenständige Chartstürmer

Im Dubliner Stadtviertel Temple Bar sammelt sich am frühen Abend eine Menschenmenge. Sie tanzen begeistert und klatschen im Takt der nicht überhörbaren Musik. Das Viertel ist bekannt für seine Kultur-Institutionen und das heitere Nachtleben. Doch was sich hier abspielt ist besonders: Die irischen Chartstürmer Keywest geben ein Konzert auf Irlands Straßen!

Die junge Band arbeitet hart für ihren Erfolg

Die Band Keywest gründete sich 2009 in Dublin. Zunächst traten die beiden Gründer Andrew Glover und Andrew Kavanagh in Irlands Straßen und Pubs auf, um an Bekanntheit zu gewinnen. Ihren Namen gaben sie sich nach einem Gig in Florida. 2011 kamen Harry Sullivan, Sam Marder und James Lock zu Keywest. Noch heute sind die Jungs musikalisch in dieser Konstellation unterwegs.

Musikalisch: der Gitarrist Andrew Glover in Dublin (Foto: Teschner)

Musikalisch: der Gitarrist Andrew Glover in Dublin (Foto: Teschner)

Die Erfolge können sich sehen lassen

Nach Auftritten an Universitäten und im Radio spielte Keywest als Vorband für den Sänger Paolo Nutini. Im Jahre 2012 erschien ihr Debütalbum „The Message“. Anschließend spielten sie ihre erste ausverkaufte Tour. 2015 schoss ihr Album „Joyland“ direkt auf Platz eins der irischen Charts.

Sie bleiben ihren Wurzeln treu

Trotz ihres Erfolgs musizieren die fünf Jungs immer noch auf Irlands Straßen. Dort spielen sie derzeit Songs aus ihrem Nummer eins Album und verkaufen es für 10 Euro vor Ort an ihre Fans. Carina, 24, aus Deutschland, steht bei dem Straßenkonzert ganz vorne: „ Eigentlich war es Zufall, dass ich auf die britisch-irische Band aufmerksam wurde. Während eines Shoppingausflugs in der Dubliner Innenstadt baute Keywest gerade ihre Instrumente auf und testete den Sound. Es macht Spaß, zuzuhören, mitzusingen und zu tanzen. Keywest ist aber vor allem eins: bodenständig.“ Die Herzen der Fans hat die Band auf jeden Fall erobert.

Irlands Chartstürmer erleben

Für alle, die gerne mal eine Reise nach Irland unternehmen möchten, sei der Halt in der Dubliner Grafton Street auf jeden Fall geraten. Dort könnt ihr die vielfältige Kultur Irlands bestaunen und wenn ihr Glück habt, spielt vielleicht gerade die britisch-irische Pop-Rock-Band. Für alle unter euch, die sich einen Eindruck von den bodenständigen Jungs machen wollen, schaut doch mal auf deren Seite vorbei.

Vorschau: Nächste Woche präsentiert euch die Musik-Redaktion eine sonnige Sommer-Playlist.

 

„Ich möchte schöne Momente schenken“

Mit ihrer Musik verwandeln sie die grauen Straßen in andere Welten und schenken den Zuhörern gute Laune: Straßenmusiker. Sie lassen die Orte, an denen sie spielen, gleich viel freundlicher wirken. Erlebt man ein solches Gefühl, dann ist es ein Moment, der einem eine schöne Erinnerung schenkt, ganz egal ob im Urlaub oder in der Heimatstadt. Einer dieser Musiker ist der Italiener Niki La Rosa. Im römischen Ort Trastevere spielt er oft zusammen mit Musikerkollegen in mitten der Piazza. Mit eigenen Songs schenkt der Sänger nicht nur den Touristen schöne Erinnerungen. Face2Face-Redakteurin Vanessa war für euch mit ihm im Interview.

Geboren wurde der Sohn eines Italieners und einer Schottin in Glasgow. Seine Kindheit verbrachte er im italienischen Livorno, wo er bereits mit zehn Jahren zur Gitarre griff und schnell begann eigene Lieder zu schreiben. Am liebsten verbringt der Musiker seine Zeit auf den Straßen von London, Rom, Lucca oder Livorno. 2013 nahm er sein drittes Album London Journey auf, das dieses Jahr erschienen ist

Dolce Vita: Zusammen mit seinen Musikerkollegen erzeugt Niki la Rosa (mitte) auf der Piazza Urlaubsstimmung.(Foto: V.Wahlig)

Dolce Vita: Zusammen mit seinen Musikerkollegen erzeugt Niki la Rosa (mitte) auf der Piazza Urlaubsstimmung (Foto: V.Wahlig)

Face2Face: Wann hast du angefangen Musik zu machen? Und warum?

Niki La Rosa: Ich habe dank meines Vaters angefangen Gitarre zu spielen. Er hatte eine zuhause und brachte mir die ersten Akkorde bei. Eine starke Anziehung zur Musik zu spüren, bringt dich dazu lange Zeit mit deinem Instrument zu verbringen. Du suchst dann nach Melodien und Akkorden, das hat mich stark bewegt. Ich bin nämlich in der Tat ein Autodidakt.

Face2Face: Du machst auch Straßenmusik. Was gefällt dir daran?

Niki La Rosa: Auf der Straße zu spielen ist wunderbar, es ist wie in einem Freilichttheater. Die Personen, die stehen bleiben, um zuzuhören, sind die, denen gefällt, was du da gerade machst. Das erzeugt dann eine wunderbare Stille und eine unglaubliche Zuneigung. Mich erreichen viele Nachrichten, in denen sich Leute bedanken, die im Urlaub waren und mich bei ihren Besichtigungen spielen gehört haben. Da ist eben diese Überraschung, wenn du eine Stadt besichtigt und nicht erwartest ein Konzert zu hören. Ich glaube, die Gefühle, die dabei aufkommen, sind dann noch viel stärker. Daher spiele ich oft an Orten, an denen Touristen sind und die Lust haben schöne Momente zu erleben.

Face2Face: Wie beschreibst du deine Musik? Was ist deiner Meinung nach besonders?

Niki La Rosa: Meine Musik ist meine Musik. Sie besteht aus Erlebten, ist wahr und einfach. Sie erzählt die Seelenzustände, die ich lebe. Ich bin ein Romantiker und das ist es, was den Leuten bewusst wird. Ich kopiere niemanden, meine Musik ist meine Wahrheit. Da ist mein Herz, die einzige Sicherheit, die ich habe.

Face2Face: Deine CD heißt London Journey. Was verbindest du mit London und den Liedern auf der CD?

Niki La Rosa:  Meine CD heißt London Journey, weil ich oft nach London reise. 2011 habe ich für einige Zeit dort gelebt. Es war eine unglaubliche Erfahrung. Außerdem sind viele Lieder einem Mädchen gewidmet, das ich dort getroffen habe.

Face2Face: Gibt es einen Musiker, mit dem du gerne mal ein Lied aufnehmen würdest? Wer ist dein musikalisches Vorbild?

Niki La Rosa: Der letzte Künstler, in den ich mich künstlerisch „verliebt“ habe, ist John Mayer. In der Tat gibt es viele Gemeinsamkeiten mit ihm. Es würde mir sehr gefallen ihn zu treffen. Er ist ein Künstler, den ich sehr schätze.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr an dieser Stelle den dritten Teil unserer Reihe Artist to watch.

Für unsere italienischen Leser haben wir das Interview hier auch nochmal in Originalsprache:

Face2Face: Quando hai cominciato a fare musica? E perché?

Niki La Rosa: Ho iniziato a suonare la chitarra grazie a mio padre che portò una chitarra in casa e mi insegnò i primi accordi. Sentiì un’attrazione forte verso la musica, infatti iniziai a stare ad ore sullo stumento cercando melodie e accordo, sono infatti un’autodidatta. Mi emozionava tanto.

Face2Face: Tu fai anche la musica a strada. Cosa ti piace a fare musica in questo modo?

Niki La Rosa: Suonare per la strada è bellissimo, è come essere in un teatro all’aperto. Chi si ferma ad ascoltare sono persone a cui veramente piace quello che stai facendo, quindi si crea un silenzio meraviglioso ed un’empatia incredibili. Mi arrivano tantissimi messaggi di ringraziamento da persone che erano in vacanza e ci hanno sentito per caso passando da dove stavamo suonando. C’è la sorpresa, entrano in contatto con te camminando per strada e non si aspettano di sentire un concerto, quindi l’emozione è ancor più grande penso. Poi spesso suono dove ci sono i turisti che essendo in vacanza hanno più voglia di passare dei bei momenti.

Face2Face: Come descrivi tua musica? Che cosa è speciale secondo te?

Niki La Rosa:La mia musica è la mia musica, è scritta su emozioni vissute, è veritiera, semplice. Racconto gli stati d’animo che vivo. Sono un romantico e questa cosa le persone la avvertono. Non copio nessuno, la mia musica è fedele a me stesso. C’è il mio cuore, è l’unica certezza che ho.

Face2Face: Tuo cd si chiama London Journey, cosa colleghi con London e i canzoni della cd?

Niki La Rosa: Il disco si chiama London Journey perchè vado spesso a Londra e nel 2011 ho vissuto per un po‘ la e ho fatto un’esperienza incredibile. Poi molte canzoni sono dedicate ad una ragazza che incontrai laggiù.

Face2Face: C´è un musicista con cui vuole fare una canzone? Chi è tuo esempio musicale?

Niki La Rosa: L’ultimo artista di cui mi sono „innamorato“ artisticamente è John Mayer. Tanti infatti denotano una certa somiglianza con lui. Mi piacerebbe tanto incontrarlo. E‘ un’artista che stimo molto

Stephanie Neigel – Sängerin mit viel Gefühl

Am 5. November war die Singer/Songwriterin Stephanie Neigel für ein Konzert zu Gast in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen. Volker Engelberth am Piano, Alex Merzkirch am Bass, Thomas Sauerborn an den Drums und Philipp Brämswig an der Gitarre begleiteten die sympathische Sängerin bei ihrem über 90-minütigen Konzert auf der Bühne des gemütlichen Gewölbekellers. Die Zuhörer durften sich über eine Mischung aus Jazz und Pop freuen. Höhepunkt des Abends war die gefühlvolle Ballade „The Book“. Über diesen Song und über ihren ganz persönlichen Musikgeschmack haben wir mit der 29-Jährigen gesprochen.

Voll in ihrem Element: Stephanie Neigel bei ihrem Konzert in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen (Foto: S. Holitzner)

Voll in ihrem Element: Stephanie Neigel bei ihrem Konzert in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Wie fandest du dein Konzert in Frankfurt?

Stephanie: Sehr schön. Wir hatten viel Spaß. Es war ein sehr nettes Publikum hier. Alle haben super mitgesungen und mitgeklatscht. Das erwartet man überhaupt nicht direkt. Da freut man sich immer, wenn das passiert, denn das ist keine Selbstverständlichkeit.

Face2Face: Wie kamst du überhaupt zur Musik?

Stephanie: Ich glaube eher, dass die Musik zu mir kam. Meine Mama hat mir erzählt, dass ich als Baby nur eingeschlafen bin, wenn sie mir vorgesungen hat. Ich habe von Anfang an schon so eine große Affinität für Stimme und Klang gehabt. Wenn ich dann später auf Konzerten war, war das für mich einfach das Größte. Das war wirklich so eine beeindruckende Welt, Musik zu hören, die mir gefällt, und nachzusingen. Die Musik war einfach schon immer da.

Face2Face: Was zeichnet dein aktuelles Album „Capture Time“ aus?

Stephanie: Es klingt sehr akustisch, sehr bandsoundmäßig. Es sind alles echte Instrumente, die gespielt wurden. Wenn ich mir das Album manchmal anhöre, dann habe ich immer noch ziemlich viel Spaß. Dann sehe ich immer noch die groovende Band und freue mich einfach über gute, im Moment gemachte Musik. Die meisten Songs sind im letzten Jahr entstanden. Konkret daran gearbeitet haben wir ein Jahr.

Face2Face: „The Book“ ist eine sehr berührende Ballade. Worum geht’s und wie ist der Song entstanden?

Stephanie: „The Book“ ist an einem Tag entstanden, als ich auf einer Wiese saß und im Sonnenschein in den Himmel geguckt habe. Es war ein warmer, schöner Sommer. Ich saß da zwar alleine, aber ich habe mich gefragt, wie ist das mit dem Leben? Ist vielleicht einfach alles schon vorbestimmt oder ist alles komplett frei und wir sind wie Teilchen, die ganz zufällig aneinanderstoßen und wieder woanders hingestoßen werden wie Billardkugeln. Oder ist im Prinzip schon alles geschrieben und ich kann mir nur wünschen, dass ich mit gewissen Menschen noch lange in dieser Story verbunden sein werde? Ich habe mich gefragt, ob ich überhaupt die letzte Seite aufschlagen würde, wenn ich wissen könnte, was noch alles kommt. Das waren meine Gedanken und die habe ich dann aufgeschrieben. Ich hatte auch schon eine Melodie und Akkorde im Kopf.

Sympathische Sängerin: Stephanie Neigel (Foto: S. Holitzner)

Sympathische Sängerin: Stephanie Neigel (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Was inspiriert dich im Allgemeinen zu deinen Songs?

Stephanie: Das kann ein Moment auf der Wiese sein, wo ich mich kurz frage, was hat das Leben mit mir gemacht, dass ich jetzt hier sitze. Es kann aber auch die schlaflose Nacht sein. Es können sehr persönliche Momente oder allgemeine Fragen sein, ganz banale Dinge. Ich plane das nicht. Das kommt mir einfach in den Kopf und wenn ein Thema stark genug in meinem Kopf ist, dann will es auch raus als Songtext.

Face2Face: Was hörst du selbst am liebsten für Musik?

Stephanie: Neulich hatte ich eine Amy Winehouse-Phase und habe eine Woche lang alles ausgecheckt, weil ich sie so beeindruckend fand und weil ich ganz viele Hintergrundinfos durch den Film, der jetzt gerade im Kino gelaufen ist, kennengelernt habe. Manchmal gibt es aber auch Phasen, da höre ich ganz alte Jazzladies. Auch höre ich John Mayer oder mal wieder was ganz Aktuelles, was vielleicht ein bisschen elektronisch ist. Immer wieder höre ich Joni Mitchell. Sie ist für mich eine sehr inspirierende Frau.

Face2Face: Hast du schon Pläne für 2016?

Stephanie: Nächstes Jahr im Frühling geht es weiter mit Konzerten durch ganz Deutschland. Vorher stehen noch ein paar Kooperationen an. Ich spiele mal wieder zusammen mit dem Jazzmusiker Daniel Stelter und dem Gitarristen und Sänger Kosho. Mit dem Frauen-a-capella-Quartett Les Brünettes bin ich auch immer viel unterwegs. Und dann bin ich jetzt so langsam am Planen, wie das nächste Album klingen kann. Ich bin schon ein bisschen am Schreiben.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage oder der Facebookseite von Stephanie Neigel.

Vorschau: Nächsten Samstag gibt es einen Artikel zu Red Bull Flying Bach zu lesen.

Chris & Taylor – Ein ungewöhnliches Duo

Chris & Taylor. Das ist zunächst einmal Sänger Chris Hastrich aus Wiesbaden. Schon als Kind liebte der inzwischen 27-Jährige Musik. So sang er im Chor und tanzte leidenschaftlich gerne. Im Alter von 15 Jahren nahm er dann seine erste Gesangsstunde. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis er sich ein Klavier und eine Gitarre kaufte. Kurz vor seinem Abi entschied sich Chris 2008, die Schule zu schmeißen und Musiker zu werden. Dazu zog er erst mal ein Jahr nach London und schrieb Songs. 2008 gründete er dort auch das Duo Chris & Taylor. Taylor ist seine Gitarre der Marke Taylor. 2009 ging es wieder zurück nach Deutschland, wo Chris sein erstes Album aufnahm. Eine EP und ein weiteres Album folgten. Jetzt ist die neue Platte „Wake up“ erschienen. Auf Konzerten erlebt man Chris & Taylor mal als Duo und mal mit Band.

Unzertrennlich: Chris und seine Gitarre Taylor (Foto: T. Zak)

Unzertrennlich: Chris und seine Gitarre Taylor (Foto: T. Zak)

Face2Face: Wie definierst du deinen Musikstil?

Chris: Am liebsten gar nicht. Ich habe kein Problem damit, wenn andere Menschen meine Musik oder mich definieren möchten. Allerdings habe ich kein Interesse daran, es selbst zu tun. Meistens sage ich nur „Pop Singer/Song-writer mit Gitarre“ und der Rest ist dem Zuhörer selbst überlassen.

Face2Face: Welche Art von Songs beinhaltet dein neues Album „Wake up“?

Chris: „Wake up“ war eigentlich als EP mit vier Titeln in voller Bandbesetzung geplant, aber ich habe mich kurzfristig entschieden, noch drei weitere Titel in Unplugged-Version hinzuzufügen. Es wird meine vorerst letzte Platte in ausschließlich englischer Sprache sein. Ich hatte lange Zeit keine Lust darauf, deutsche Texte zu schreiben. Alin Coen, die eine befreundete Musikerin ist und geniale Texte in beiden Sprachen verfasst, hat mich schließlich dazu animiert, es mal zu versuchen. Seitdem habe ich Blut geleckt und nächstes Jahr wird mein erstes deutschsprachiges Album erscheinen.

Face2Face: Nach welchen Kriterien schreibst du deine Songs?

Chris: Kriterien gibt es nicht wirklich. Ich bin ein sehr intuitiver Songwriter. Meistens setze ich mich hin, spiele irgendwas auf der Gitarre und improvisiere dann Melodie und Text darüber. So passiert es oft, dass ich erst nach einiger Zeit und einem halbfertigen Lied anfange zu verstehen, worum es eigentlich geht. Mein Unterbewusstsein könnte die Frage sicherlich viel besser beantworten. Eine der wenigen bewussten Entscheidungen ist die der Sprache.

Face2Face: Woher nimmst du die Inspiration für deine Songs?

Chris: Auch hierzu kann ich nur sagen, dass ich die Themen meistens nicht plane. Aber grundsätzlich sind es Dinge, die mich mehr oder weniger bewusst beschäftigen. Das kann alles sein, von Alltagserfahrungen bis hin zu den verstecktesten Ängsten.

Face2Face: Was möchtest du mit deiner Musik erreichen?

Chris: Die Zuhörer berühren und mit dem ein oder anderen Lied zum Nachdenken anregen.

Face2Face: Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Chris: Da gibt es verdammt viele, zum Beispiel Alin Coen, Max Prosa, Pink und Joni Mitchell. Ich höre Musik kreuz und quer und könnte in den meisten Genres mehrere Künstler nennen.

Face2Face: Du hast früher mal sechs Jahre lang im Jugendclubtheater (jetzt Junges Staatsmusical) des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden gespielt. Würdest du gerne mal wieder in einem Musical mitspielen und singen?

Chris: Definitiv. Ich hätte auch am Ende dieses Jahres bei einem Gastspiel des Jungen Staatsmusicals des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden in Ludwigshafen bei „Hair“ mitspielen sollen. Leider musste ich absagen, weil ich bei der Premiere und der Generalprobe bereits Auftritte habe. Aber ich bin mir sicher, dass ich es irgendwann nochmal zeitlich gebacken kriege, ein kleines Musical-Revival zu machen.

Face2Face: Was war das Verrückteste, das du je getan hast?

Chris: Oh je, da muss ich aus einer ziemlich langen und nicht immer vorbildhaften Liste wählen. Ich habe fünf Tage, nachdem ich mich entschieden hatte, nach London zu ziehen, die Koffer in die Hand genommen und bin rüber geflogen, ohne dort jemanden zu kennen oder genau zu wissen, was ich dort tun will außer „Musik machen“.

Mit Spaß dabei: Chris & Taylor mit Band (Foto: S. Holitzner)

Mit Spaß dabei: Chris & Taylor mit Band (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Wo würdest du gerne mal auftreten?

Chris: Beim „Glastonbury Festival“ in Großbritannien, in der „Ellen DeGeneres Show“ in Los Angeles und bei den „Grammys“.

Face2Face: Was ist dieses Jahr noch alles geplant?

Chris: Ich gönne mir gerade eine kleine Auftrittspause, um Kräfte für´s neue Jahr zu sammeln und um mein erstes deutschsprachiges Album aufzunehmen. Ich werde jedoch am 11. und 12. Dezember im Kurhaus in Wiesbaden bei der „Night of Music“ mit Orchester singen.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage oder der Facebookseite von Chris & Taylor.

Paradise Valley–Das neue John Mayer Album

John Mayer, hierzulande wohl eher bekannt als Herzensbrecher von Hollywood Starlets wie Jessica Simpson oder Jennifer Love Hewitt, hat sein sechstes Album herausgebracht. Es trägt den epischen Namen „Paradise Valley“ und kommt ruhiger daher als Mayers vorherige Alben.

Der Name ist Programm. Schon das Cover zeigt Mayer selbst, nebst schwarzem Labrador in einem Feld stehend, dahinter eine weite, bergige Landschaft. Mayer blickt nachdenklich in die Ferne und trägt ein Cowboy Outfit. Man könnte vermuten, das Bild stelle Mayers persönliches „Paradise Valley“ dar. Ein bisschen wolkig ist es da, aber das passt zum amerikanischen Staat Montana, in den Mayer kürzlich gezogen ist und wo er sich anscheinend sehr wohl fühlt. Hier sind die Songs für das Album entstanden und das erklärt auch, warum Alles etwas countrylastiger und ruhiger, ja sogar nachdenklicher klingt.

Braucht nur seine Gitarre: John Mayer (© Thomas Siepmann  / pixelio.de)

Alles was John Mayer braucht: Seine Gitarre(© Thomas Siepmann / pixelio.de)

Der siebenfache Grammy Gewinner wird in Deutschland noch etwas unterschätzt, doch auch auf diesem Album zeigt er, was er an der Gitarre kann. Er kombiniert Blues, Rock, Country und Pop und schreibt dazu noch gute Texte. Bereits der Eröffnungssong „Wildfire“ verbindet eingängige Texte mit musikalischem Können. „Dear Marie“ ist ein sympathischer Song über eine verflossene Jugendliebe. Selbst ein Herzensbrecher wie Mayer scheint sich noch an seine ersten Liebschaften zu erinnern. Der nachfolgende Song „Waiting on the day“ ist eher unauffällig, je länger man jedoch das Album hört, verspürt man ein Verlangen nach Lagerfeuer, Marshmellows und Geschichten erzählen. „Paper doll“ – ob es nun für Countrypoppüppchen Taylor Swift geschrieben ist, mit der sich Mayer auch mal vergnügt hat, oder nicht, erfahren wir wohl nicht so schnell. Es lässt sich auf jeden Fall dank des Refrains mit Ohrwurmcharakter sehr gut anhören.

Es folgt das Cover „Call me the breeze“ von Blues Legende JJ Cale, mit dem Mayer zeigt, dass Country nicht nur das Pendant zum deutschen Schlager ist. Nein, bei Mayer klingt Country sogar ziemlich modern und animiert zum Grooven. Es scheint eine Eigenart Mayers zu sein, seine aktuellen Freundinnen – vorausgesetzt sie können einigermaßen singen– auf seinen Alben zu verewigen. Bei „Battle Studios“ gab sich Taylor Swift die Ehre, auf „Paradise Valley“ ist es Mayers aktuelle Freundin Katy Perry, die mitträllert. „Who you love“ ist kein typisches Liebeslied, aber genau das macht den Song aus. Beide singen über Mayers Unbeständigkeit und darüber, dass sie eigentlich gar nicht damit gerechnet haben, sich zu treffen. Das Überraschungsmoment des Songs ist Katy Perry. Ihre Stimme klingt ungewohnt erwachsen und so gar nicht nach „I kissed a girl“. Vielleicht sollte sie weniger schreien und mehr singen, denn das klingt richtig gut, vor allem in Kombination mit ihrem möglicherweise bald Verlobten.

Hier hat sich John Mayer niedergelassen: Montana (©Miroslaw  / pixelio.de)

Hier hat sich John Mayer niedergelassen: Montana (©Miroslaw / pixelio.de)

Dass Mayer bis vor Kurzem nicht zu bändigen war, besingt er in „I will be found“ und beschreibt sich selbst als „runaway train“. Der nächste Gastsänger, Soul Star Frank Ocean, singt auf dem kurzen „Wildfire“ mit. Warum zwei Songs denselben Namen haben, weiß wohl nur Mayer alleine, trotzdem ist Wildfire Nummer Zwei ebenfalls ein wunderbares Lied. Wer sich bis dahin noch nicht wirklich ins „Paradise Valley“ reinhören konnte, bekommt spätestens bei „You’re No One“ die Möglichkeit. Ein ruhiger Song, der einem förmlich die Weite und Leere Montanas aufzeichnet. Auch „Badge and Gun“ ist eher ruhig und passt zum Coverbild. Das Kopfkino zeigt nun einen Western. Das Album klingt perfekt aus mit „On the way home“. Man hat nach Hören der Lieder das Gefühl, dass John Mayer zu Hause angekommen ist. Selbst das wildeste Pferd in der Herde ist wohl zu bändigen.

Kontakt: John Mayer Homepage

John Mayer bei Facebook

Vorschau: Nächste Woche gibt es an dieser Stelle eine Review von ZSK in Hamburg.

Hindi Zahra – eine musikalische Kosmopolitin

Blues, Soul und jazzige Rhythmen, World Folk, nordafrikanische Klänge und orientalische Harmonien – das musikalische Erbe der jungen marokkanisch-französischen Sängerin Hindi Zahra schlägt weite Wellen. Doch egal wohin die sanft fließenden Melodien ihrer Songs und die Billie Holiday-ähnliche Stimme den Zuhörer tragen – Hindi Zahras Musik enthält vor allem eines: Eine geballte Ladung Originalität.

Zahra Hindi kommt 1979 als Tochter einer Marokkanerin und eines französischen Militärs im marokkanischen Khouribga auf die Welt. Musik, Kreativität und Kunst beherrschen Zahras Leben von Anbeginn, da sich bereits in ihrer Familie zahlreiche Künstler und Musiker finden lassen.
Zahra wächst zunächst bei ihrer Mutter – einer Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin – auf. Auch drei ihrer Onkel sind selbst Musiker und machen die junge Zahra bereits in frühen Jahren nicht nur mit traditionellen Klängen der Gnawa (Anm. der Redaktion: Ethnische Minderheit in Marokko)  bekannt, sondern bringen sie auch mit Stücken von Bob Dylan, Reggae-Songs und populären Melodien aus dem Orient in Berührung.
Mit nur 14 Jahren lässt Zahra Marokko hinter sich, um ihrem Vater – einem ehemaligen Armeeangehörigen – nach Paris zu folgen. Knapp vier Jahre später verlässt sie die Schule und beginnt im Alter von 18 Jahren im Louvre zu arbeiten. „Das war mein großes Treffen mit der Kunst. Als Kind war ich nachdenklich und eng mit der Natur verbunden. Die Gemälde haben bei mir ganz ähnliche Empfindungen ausgelöst“ (Quelle: laut.de), so die Musikerin.

Beherbergt eine Sammlung von Schätzen aus aller Welt: Hindi Zahras wunderschöner World Folk (Foto: A.Boss)

Und auch weiterhin erweisen sich Kunst und Musik als ihre ewigen Wegbegleiter: Tagsüber umgeben sie die Gemälde von Delacroix, Vermeer und da Vinci, nachts widmet sie sich Melodien und Texten und beginnt eigene Songs zu schreiben.
Ende der 90er Jahre ist sie hauptsächlich als Backgroundsängerin in Hip Hop- und Soul-Bands quer durch Europa unterwegs und lernt so nicht nur Singen, sondern auch unterschiedliche musikalische Einflüsse kennen, die ihren Musikstil später bedeutend prägen werden.
2005 hat sie bereits über 50 eigene Songs geschrieben, von denen „Beautiful Tango“, „Oursoul“, „Try“ and „Stand Up“ auf ihrer EP „Hindi Zahra“ im Jahr 2009 veröffentlicht werden.
Von da an steht die Welt Kopf – und das nicht nur im musikalischen Sinne, denn Zahra Hindi schafft ihren Künstlernamen, indem sie einfach Vor- und Nachnamen invertiert. Die Dame mit der bezaubernden Gipsy-Stimme betört fortan unter dem Namen „Hindi Zahra“ ihre Fans rund um den Globus.
2010 erscheint dann ihr Debütalbum „Handmade“, das Zahra weitestgehend selbst geschrieben und produziert hat, beim Jazz-Label „Blue Note Records“.
Kurz darauf gewinnt sie den „Prix Constantin“ für das beste Album und im Februar 2011 den „Victoires de la Musique Qward“ für das beste „World Music Album“ – ihr musikalischer Erfolg ist nun besiegelt.

Durch stark artikulierte Gitarrenschläge, leichtes Klatschen sowie den Rhythmus der Bendir (Anm. der Redaktion: Rahmentrommel, die einem europäischen Tamburin ähnelt) kreiert die junge Sängerin, die von Berbern und Tuareg abstammt, in ihren Songs eine Welt voller Leidenschaft, die eine bemerkenswerte musikalische Tiefe an den Tag legen. Denn egal wie oft man ihrer sinnlichen Stimme – die mal sanft, mal ein wenig rau klingt – und den bukolischen Klängen ihrer Musik lauscht, die mittlerweile zu ihrem Markenzeichen geworden sind – jedes Mal scheint sich eine neue Welt aufzutun. So singt Hindi Zahra ganz nonchalant mit immerwährender Unergründlichkeit von den Geheimnissen der Wüsten und Städte, von Liebe und den Launen des Lebens. Obwohl viele ihrer Songs in Englisch geschrieben sind, besticht ihre Musik vor allem durch Stücke wie „Imik Simik“, die teilweise in Berber gesungen werden.

Die junge Sängerin bedient sich in ihren Songs nicht nur des Chansons, Folks, Hip Hops und Souls, sondern schöpft ebenso aus dem Repertoire traditioneller nordafrikanischer Rhythmen und Melodien und macht sich somit ihren multikulturellen Hintergrund zum Vorteil. Musikalisch vielseitig und immer wandelbar birgt ihre Musik so einen authentischen Charakter, der durch Persönlichkeit und künstlerische Einzigartigkeit besticht.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier ein Portrait des australischen Soul-Sängers Chet Faker.

„Quiet Is The New Loud“ – die „Kings of Convenience“ und ihr Konzept der Ruhe

Mit ihrem ersten Studioalbum „Quiet Is The New Loud“ machten die beiden Norweger Erlend Øye und Eirik Glambek Bøe 2001 ordentlich Furore. Sie zogen mit ihren zarten Melodien, ruhigem Gesang und vollen warmen Gitarrenklängen nicht nur Liebhaber der akustischen Musik in ihren Bann sondern gelten seit ihrem Albumrelease vor allem auch als Vorreiter eines neuen Musik-Genres: Dem „New Acoustic Movement“.

Øye und Bøe lernen sich bereits 1986 mit elf Jahre in der Schule kennen. Schon vor der Gründung der „Kings of Convenience“ spielen die beiden 16-Jjährigen gemeinsam mit zwei weiteren Freunden in der Band „Skøg” und mischen mit ihren überwiegend gecoverten Rocksongs die norwegische Stadt Bergen auf. Von ruhiger Atmosphäre und harmonisch träumerischen Melodien noch keine Spur. Obwohl sich „Skøg” auflöst, verlieren sich die beiden Gitarristen Øye und Bøe nicht aus den Augen und gründen kurze Zeit später das Akustik-Duo „Kings of Convenience“.

Namensgeber des „New Acoustic Movement“ : Die norwegische Band „Kings of Convenience“ (Foto: A.Boss)

Obwohl Gitarrist Øye 1997 Norwegen vorläufig den Rücken kehrt und sich erst einmal in London niederlässt, reist er jedoch immer wieder nach Bergen zurück, um dort mit seinem Kollegen Bøe Songs zu schreiben. Richtig ins Rollen kommt das Vorhaben der zwei Norweger allerdings erst als auch Bøe nach London zieht. Nachdem das Duo im Sommer 1999 auf mehreren Festivals quer durch Europa performt hatte, nimmt sie das amerikanische Label „Kindercore“ unter Vertrag. Und nur kurze Zeit später steht die Veröffentlichung ihres Debut-Albums „Quiet Is The New Loud“ an. Dies ist dabei nicht nur der Name des ersten Albums sondern beschreibt gleichzeitig das Hauptmerkmal ihrer Musik: Die Ruhe. Durch akustische Instrumentierung, in der spielerische Gitarrenklänge den Ton angeben und zwei Stimmen, die mit liebenswürdigen Texten die schönen und traurigen Seiten des Lebens besingen, schreiben die beiden Norweger ein ganzes Stück Musikgeschichte. Denn das Album, das von Coldplay-Produzent Ken Nelson produziert wurde, schlägt nicht nur beim Publikum voll ein sondern begeistert auch die englischen Musikmedien. Und so kommt es, dass Øye und Bøe nur kurze Zeit später zum Namensgeber einer neuen Genre-Klassifizierung dem „New Acoustic Movement“ avancieren. Diese bezieht sich vor allem auf Bands, deren Musik überwiegend von akustischer Instrumentierung und feinen raffinierten Melodien charakterisiert wird – ganz im Stil von „Elliott Smith“, „Belle & Sebastian“, „Coldplay“ und „Simon & Garfunkel“.

Auch im Sommer 2001 sind die beiden Norweger wieder unterwegs – diesmal spielen sie mehrere Gigs quer durch Deutschland. Zur gleichen Zeit wird ihr Album „Quit is the new Loud“ von Künstlern wie „Ladytron“ und „Royksopp“ clubtauglich gemacht, indem Songs aus ihrem Debut-Album geremixt werden und unter dem Titel „Versus“ veröffentlichten werden. Daraufhin kehrt zwischen Øye und Bøe erst einmal Ruhe ein und man hört für lange Zeit nicht viel von den beiden Norwegern. Während Sänger Øye seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt, dort an einem Soloalbum zu basteln beginnt, das 2003 unter dem Titel „Unrest“ veröffentlicht wird und sich mit seinem Bandprojekt „The Whitest Boy Alive“ eher Richtung elektronischer Tanzmusik orientiert, zieht Bøe zurück nach Bergen.

Doch wie bereits 1997 finden die „Kings of Convenience“ wieder zusammen und machen sich so 2004 wieder fleißig ans Songschreiben. Das Ergebnis erscheint 2004 unter dem Titel „Riot on an Empty Street“. Und auch mit ihrem zweiten Studioalbum zeigt sich das Zwei-Mann-Projekt wieder voll in seinem Element: Mit spielerisch gezupfte Melodien zweier Akustik-Gitarren in Kombination mit vorsichtig geschlagenen Akkorden sowie dezent eingesetzte Streicher-Arrangements setzen die „Kings of Convenience“ auf ihr Konzept der Ruhe. Zudem führt das Musikvideo zu Ihrer Single „I’d Rather Dance With You“ die europäische MTV-Liste als bestes Musikvideo an – die „Kings of Convenience“ haben sich etabliert.

Allerdings folgt darauf wieder eine kleine Durststrecke für alle „Kings of Convenience“-Hörer. Die zwei Gitarristen ziehen sich vorerst aus dem Rampenlicht zurück. Erst als das Duo im Frühjahr 2007 überraschend in Mexico City auftritt und auch im Folgejahr Konzerte rund um den Globus spielt, ist klar: Die „Kings of Convenience“ sind zurück. Nur zwei Jahre später erscheint ihr drittes Studioalbum unter dem Titel „Declaration of Dependence“.

Auch mit ihrem dritten Album bleiben sich die beiden Musiker treu und nach nur wenigen Tönen des ersten Songs „24-25“, weiß man, warum man die beiden Norweger so sehr vermisst hat: Mit intensiver Atmosphäre und einer wunderbar harmonischen Zweistimmigkeit schaffen die „Kings of Convenience” ein musikalisches Erlebnis, das sich durch seine schlichte Schönheit auszeichnet. Genau wie schon zuvor, scheinen die beiden Akustikromantiker Øye und Bøe dazu nicht viel zu brauchen: Ausgerüstet mit zwei Gitarren singt das norwegische Duo in Songs wie „Mrs. Cold“, „Freedom and its Owner“ oder „Boat Behind“ von Liebe, gebrochenen Herzen, Einsamkeit und Glück, den großen und kleinen Gefühlsreisen des Lebens. Und dennoch: Rhythmisch und  melodisch wird der Hörer immer wieder dahin zurückgeführt wo alles begann, denn „quiet is the new loud“. So einfach ist das.

Vorschau: Für den nächsten Samstag hält die Face2Face-Musikredaktion ein Plattenreview des Rappers Rustler für euch bereit.

Die Hommage an einen Schauspieler – Laut Kinski

Beim Nachtwandel sammelten sie Herzen ein: Laut Kinski überzeugt alle (Foto: Roman Glinka)

Ihre Wurzeln liegen in Ladenburg – gar nicht so weit weg von ihrer neuen Heimat Mannheim. Seit einigen Jahren machen sie zusammen Musik und haben sich nun endlich als Einheit formiert. Die Band, von der wir sprechen, nennt sich Laut Kinski.

Kennengelernt haben sich die sympathischen Männer Paul Brenndörfer (Gesang), Oliver Kotzan (Gitarre), Sascha Barembuch (Bass), Nils Keitzscheck (Schlagzeug), David Lörch (Keyboard), Lucas Lörch (Saxophon) und Armin Rothe (Trompete) in der Schule und durch zufällige Begegnungen auf einer Party. Sie beschließen gemeinsam Musik zu machen, Musik die sich von damals bis heute weiterentwickelt hat. Nun sind sie soweit und bringen ihr Debutalbum Casino am Ende der Welt heraus.

Back to the roots

Ihre musikalischen Anfänge liegen mehr als eindeutig beim Ska. Dabei ist es nicht geblieben, denn nach der Zusammenkunft mit Sänger Paul hat sich der Stil grundsätzlich geändert. Brenndörfer kommt aus der Drum n Bass Szene. Als MC unterwegs, hat er seine Einflüsse in die Band gebracht und ausgebaut. Doch herrscht zu Beginn ein überschaubares Durcheinander was die Stile und die Sprachen angeht. Gesungen wird zu Beginn auf Englisch, Deutsch, Spanisch und noch ein paar Sprachen mehr, doch sieht die Band ein, dass es zu verwirrend wird und so entscheiden sie sich gemeinsam für die deutsche Sprache. Die Musik wird klarer und deutlicher und es entsteht etwas Großes.

Musik

Das Album Casino am Ende der Welt entsteht über einen längeren Zeitraum in Eigenregie. Dabei steht eines schnell fest: Es gibt keine musikalischen Grenzen. Als Hommage an Klaus Kinski (Anm. d. Red.: Klaus Kinski war ein deutscher Schauspieler), hat sich der Bandname im Laufe der Zeit zu Laut Kinski entwickelt. Das Album ist ein Konzeptalbum, ein Filmalbum oder wenn man es ganz einfach halten möchte: ein richtig gutes Album. Um die Liebe zum Film nicht untergehen zu lassen, baut man Original-Filmtöne in die Platte mit ein und entwickelt eine visuelle Darstellung zur Musik. Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Musik zieht und doch die einzelnen Songs nicht daran hindert für sich selbst zu stehen.

Selbstständig

Mit der Selbstständigkeit hat die Band nicht lange gewartet. Es entsteht nicht nur das neue Album, sondern auch der Wille selbstständig zu werden. So holen sie sich das nötige Wissen beim Clustermanagement Mannheim, kaufen sich das Material und nehmen das Album im selbst zusammengestellten Studio auf. Somit kommt auch der nächste Schritt ein Label zu gründen. Im Interview erwähnt Brenndörfer: „Wir wollten die Kontrolle über alles haben, über den Vertrieb, die Aufnahme und die gesamte restliche Arbeit, so kam schnell die Entscheidung, wir machen das am besten selbst.“ Mit der anstehenden Release-Party am Donnerstag, 20. Dezember, im Atlantis Kino gehen sie den wichtigsten und größten Schritt ihrer noch jungen Karriere ein und erobern langsam aber sicher und mit einem verstohlenen Lächeln die Welt.

Vorschau: Kommende Woche gehen wir der Frage nach, ob man Musikjournalismus wirklich noch braucht?

„Musik mache ich eigentlich schon solange ich denken kann…“

Multitalent: Moritz „Moe“ Wanger ist Singer/Songwriter, Gitarrist und Produzent (Foto: Hertrampf)

Er ist 18 Jahre jung und hat schon große Pläne: Der Mutterstadter Musiker Moritz Wanger, Künstlername „Moe“. Nachdem er in diesem Jahr sein Abitur abgeschlossen hat, geht´s erst mal für ein Jahr nach Australien. Danach soll ein Musik-Studium oder auch der direkte Einstieg ins Musik-Business folgen. Wie er das schaffen will, erzählte er exklusiv auf Face2Face.

Face2Face: Wie bist du dazu gekommen, Musik zu machen?
Moe: Musik mache ich eigentlich schon solange ich denken kann… Angefangen habe ich als Fünfjähriger mit Klavierspielen, mit Acht hatte ich meine ersten Saxophonstunden und ab 13 kamen Gitarre-Spielen, Singen und Komponieren dazu. In meiner Familie war Musik schon immer eine wichtige Sache – das kommt wahrscheinlich von meinen Großeltern, die beide im Nationaltheater Mannheim Musiker waren.

Face2Face: Wie würdest du deine Musikrichtung beschreiben?
Moe: Das ist schwer zu sagen, da ich für verschiedenen Projekte jeweils auf unterschiedliche Stilrichtungen eingehe. Ich bin offen für fast alles und höre selbst die unterschiedlichsten Genres. Als Singer/ Songwriter würde mich aber im Pop- und Rock-Bereich einordnen.

Face2Face: Was hast du seit deinem Abitur im Frühjahr gemacht? Und wozu die Reise nach Australien?
Moe: Seit dem Abitur habe ich eigentlich nur noch Musik und Praktika gemacht, unter anderem beim Radio und bei Musikproduzenten. Außerdem habe ich viele Lieder geschrieben, aufgenommen und geübt. Ich werde natürlich auch nach Australien eine Gitarre mitnehmen und versuchen dort möglichst viel zu spielen und viele andere Musiker kennen zu lernen.

Face2Face: Was hast du vor, wenn du in einem Jahr aus Australien zurückkommst?
Moe: Ich will mir das Ganze auf jeden Fall noch offen lassen, ob ich Musik studiere, oder einfach so versuche, ins Musikbusiness reinzukommen. Über die Entscheidung, Musik zum Beruf zu machen, habe ich mir lange Zeit Gedanken gemacht, mit sehr vielen Leuten gesprochen, die erfolgreich im Business sind – aber auch mit denen, die es weniger sind – und wie gesagt jede Menge Praktika gemacht. Letztendlich bin ich fest davon überzeugt, dass ich diesen Weg gehen will, über dessen Gefahren und Schwierigkeiten ich mir definitiv bewusst bin. Ich muss es einfach versuchen, sonst würde ich mir das mein Leben lang vorwerfen.

Hat Wiedererkennungswert: Das Logo von „Moe Music Production“ (Grafik: Hertrampf)

Face2Face: Was sagen deine Freunde und deine Familie zu dieser Entscheidung?
Moe: Meine Familie macht sich zwar die gleichen Sorgen darüber wie ich, unterstützt mich aber in jeder Hinsicht. Meine Freunde haben mich vor allem bei der Entscheidung unterstützt, indem sie mir immer zugeredet und mir damit Mut gemacht haben.

Face2Face: Hast du ein musikalisches Vorbild?
Moe: Musikalische Vorbilder habe ich jede Menge. Je nachdem, um was es geht, welches Genre, oder welche Art von Musik, habe ich in jeder Richtung jemanden, von dem ich mich inspirieren lasse. Ob Gitarre spielen – einer meiner Lieblingsgitarristen ist John Mayer – Songwriting, Produzieren, Singen oder Komponieren, es gibt immer ein paar Namen, die in ihrem Bereich die Besten sind.
Und genau von denen, versuche ich mir möglichst viel abzugucken, um zu verstehen was sie so besonders macht! Trotzdem sollte man sich nicht zu sehr an ein Vorbild anhängen, weil man sonst anfängt nur eine Kopie davon zu werden. Früher oder später hoffe ich, dass ich meinen eigenen Stil entwickeln kann, der mit Sicherheit einige Elemente meiner verschiedenen Vorbilder in sich trägt. Ich bin immer offen für Neues, weil man in jedem Bereich etwas dazu lernen kann, was einen unglaublich weiter bringt!

Face2Face: Du komponierst, produzierst und singst auch selbst. Was bedeutet Musik für dich?
Moe: Da ich Musik schon mache seitdem ich denken kann, macht sie immer schon einen großen Teil meines Lebens aus. Ich kann ziemlich sicher sagen, dass ich ohne Musik nicht mehr ich selbst wäre – sie gehört quasi zu mir. Ich brauche sie, um mich zu entspannen, mich zu motivieren, um glücklich, oder auch mal um traurig zu sein.
Die Musik hat mir dadurch schon durch viele Lebenssituationen geholfen. Wenn mich zum Beispiel ein Thema beschäftigt hat, habe ich einfach ein Lied darüber geschrieben, und schon wurde mir einiges klarer und es ging mir dabei besser.

Es wird spannend: Nächste Woche Dienstag erscheint „Moes“ Musikvideo (Foto: Hertrampf)

Face2Face: Demnächst erscheint ein Musikvideo von und mit dir. Wer hat an der Produktion mitgearbeitet?
Moe: Das Video wird am Dienstag, 10. Juli auf meinem Youtube-Channel zu finden sein! Für diese Produktion habe ich mir gute Musiker aus der Umgebung zusammen gesucht, mit denen ich das Projekt realisieren kann – erstens für die Aufnahme und zweitens natürlich auch für das Video… Gefilmt und geschnitten wurde das Ganze von Friedemann Hertrampf, einem befreundeten Fotografen. Das Script haben wir uns zusammen ausgedacht.

Face2Face: Was möchtest du in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren erreichen?
Moe: In den nächsten Wochen und Monaten habe ich vor, einfach weiterhin viel Musik zu machen und meine Online-Präsenz weiter auszubauen. Letzteres gehört meiner Meinung nach für einen „Newcomer “ neben den eigentlichen Fertigkeiten im Zeitalter der digitalen Medien zu den essentiellen Dingen. Wenn es dann nach Australien geht, heißt es da für mich natürlich vor allem erst mal wieder, so viele Leute und vor allem Musiker kennen zu lernen wie möglich. Der Plan für die nächsten Jahre lautet, einfach immer besser zu werden, in dem was ich mache, um dann mit den Größen in der Szene mithalten zu können.

Kontakt
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Email: mail@moemusicproduction.com

Vorschau: Nächste Woche berichtet die Musikredaktion vom „Magnetic Festival“.