Schon gewusst? – Wissensspiele und warum ich sie liebe

Buchstabensalat? Das verspricht Spaß und Lerneffekt (©knipseline / pixelio.de)

Buchstabensalat? Das verspricht Spaß und Lerneffekt (©knipseline / pixelio.de)

Ich bin ein Bezzerwizzer, ein Klugscheißer und Quizduellbestreiter. Wissensspiele haben es mir angetan, seid ich als Kind „Das Spiel des Wissens“ geschenkt bekommen habe. Spannung, Spiel und Lerneffekt, was kann ich mehr wünschen? Heute schlängle ich mich durch den Irrgarten der deutschen Sprache, lege Buchstaben aneinander und erfinde Geschichten zu Bilderkarten. Denn, mal unter uns, ein einfaches „Rück-vor-und-komme-als-erster-an“-Spiel wie „Mensch ärger dich nicht“ ist zwar ganz nett, meine Aufmerksamkeit schaltet aber schnell ab, ein Minimum an Taktik genügt, keine Herausforderung. Doch gerade die suche ich auch im Spiel.
Wissensspiele sind vielen ein Dorn im Auge. Mein Mann kann meine Leidenschaft für Fragekarten und Kopfarbeit als Vergnügen auch nicht verstehen. Viel mehr ermüden ihn solche Spiele. Vielleicht ist es die Frustration, denn auch bei den Fragen der Spiele macht es die Mischung aus. Manche sind leicht mit Allgemeinwissen zu beantworten, für andere braucht es einen Spezialisten. Es gehört also doch eine Portion Glück dazu, die Richtigen Fragen zu erwischen. Ganz ehrlich: Das Glück ist da selten auf meiner Seite. Ich schneide zwar ganz passabel ab, aber gewinnen kann ich dennoch gerade mal so oft, dass es nicht unverschämt wird.
Tatsächlich finde ich es aber auch toll, wie viel ich bei den Wissensspielen lernen kann. Sei es bei „Trivial Pursuit“ oder „Blamieren oder Kassieren“, viele Fakten sind einfach interessant und manch ein Glückstreffer, oder auch komplettes Versagen, kann die Runde schon mal aufheitern. Selbst meinen Sohn habe ich mit meinem Wahn schon angesteckt, die Disney-Version von Trivial Pursuit landet immer öfter auf unserem Spieltisch, und wenn er erst mal lesen kann, wird es richtig lustig.

Taktiklos? Wenn der Kopf Arbeit hat, macht Spielen gleich doppelt Spaß (Foto: Sharifi)

Taktiklos? Wenn der Kopf Arbeit hat, macht Spielen gleich doppelt Spaß (Foto: Sharifi)

Natürlich sind einfache Frage-Antwort-Spiele, bei denen vielleicht zwischendurch noch gezogen wird, vom Aufbau eher simpel. Schön ist es, wenn Kniffe und Regeln dazu kommen, der Kopf umstellen muss und der Ablauf nicht so eintönig wird. Bei der Brettspielvariante von „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ muss der Spieler für falsche Aufgaben zurück ziehen, es gibt Hürden, die gemeistert werden müssen, um das Labyrinth verlassen zu können. Und das Spiel „Dixit“ ist eindeutig für kreative Geister, denn hier gilt es eigene Assoziationen zu erstellen und gleichzeitig die Rätsel der anderen zu entwirren. Doch auch taktische Spiele wie „Phase 10“ haben einen festen Platz in unserem Regal, sogar in verschiedenen Varianten. Hier kommt sogar mein Mann auf den Geschmack. Es geht nicht darum, Wissen abzufragen, sondern aktiv Lösungen zu finden. Der Kopf ist mit dabei, der Spaß enorm.
Wenn mein Kopf nichts zu tun hat, wird mir langweilig. Ich brauche die kleinen Wissensfüller und Takt(ik)geber. In meiner Tasche ist immer ein Buch und mein Mobiltelefon mit „Quizduell“, „Boggle“ und Kreuzworträtseln (ja, tatsächlich) bestückt. Nur so überstehe ich die Zugfahrten, in denen sich die Mitreisenden über ihre mögliche Teilnahme bei „Familien im Brennpunkt“ unterhalten, das Abteil mit ihren Kopfhörern mit dumpfen Rhythmen beschallen, oder eben selbst auf Bildschirm und Buch starren. Ein Freund sagte vor kurzem, ich sei seine stärkste Gegnerin bei Quizduell, was ich nicht ganz glauben mag, aber zumindest ist es ihm ein Anreiz, immer wieder gegen mich zu spielen.
Und die meisten Spiele, egal ob Quiz oder nicht, haben doch gemeinsam, dass sie am besten zusammen gespielt werden. Spielen ist Kommunikation, Kooperation und darum doch mehr als Freizeitgestaltung. Ja, selbst die Spiele für Einzelpersonen tragen es mit sich, dass das Endergebnis mit dem der anderen Spieler, oder zumindest mit der eigenen Statistik verglichen wird. Mit Sicherheit schwingt auch Konkurrenz und Perfektionismus mit, wenn manche immer wieder weiter spielen wollen. Doch das liegt uns allen im Blut, ist ein geradezu animalisches Verlangen. Warum dann nicht mit etwas für den Verstand paaren und Spiel und Wissen verbinden? Ich zumindest bin klar für Brettspielabende, Nachmittagsquizze und Kartenspielintermezzos.

Vorschau: Nächste Woche berichtet euch Sascha, warum Chili ihm gar nicht scharf genug sein kann.

Ein Abend von vieren

Geschafft – ein gelungener Abend fern der Couch (© Bady-markus / pixelio.de)

Es ist eine alte Geschichte. Jemand findet jemanden, mit dem er oder sie zusammensein will. Zieht zusammen, heiratet vielleicht sogar. Und schneller, als gefürchtet findet sich das traute Paar in der Routine wieder. Die gemeinsamen Abende werden nicht selten, aber sie vergrauen. Warum ausgehen, wenn die gemütliche Couch lockt? Warum essen gehen, wenn ein romantisches Mahl auch am heimischen Esstisch eingenommen werden kann? Warum tanzen gehen, wenn man sich immer noch in den Augen des anderen verlieren kann? Romantisch und verhängnisvoll.

Dann geht es los. Mal meckert er, mal meckert sie. Die Argumente sind fast immer die gleichen. „Nie gehen wir aus“, „Wir erleben nichts Neues mehr“, die gemeinsame Zeit wird zum Alltag und die Angst kommt, dass der andere vielleicht Langeweile in der Beziehung wiederfindet – oder gar der eine selbst.

Auch ich versuche immer mal wieder es zu schaffen, mit meinem Mann auszugehen. Kein leichtes Unterfangen. Mindestens drei von vier geplanten Abenden scheitern. Ich werde krank, er wird krank, unser Sohn wird krank. Er muss noch arbeiten, jemand kündigt sich plötzlich als Besuch an, wir finden keinen Babysitter. Hürden, die sich von Paar zu Paar unterscheiden und doch die gleichen Ergebnisse liefern. Der Abend fällt ins Wasser. Verschoben, verplant, verloren. Und die Angst wächst.

Zusammensein – das eigentliche Ziel (©Jorma Bork / pixelio.de)

Ich bin dazu übergegangen, unseren gemeinsamen Kalender zu durchforsten, die Tage mit meiner Mutter abzusprechen, wann sie auf das Kind achten kann, die Möglichkeiten ausloten, was ich mit meinem Mann unternehmen kann. Eine Liste, die erstaunlich kurz ist und immer kürzer zu werden scheint. Wenn ich dann tatsächlich auf ein Datum gekommen bin, einen schönen Abend geplant habe und damit stolz zu meinem Mann komme, ist seine Reaktion oft verhaltener, als ich gehofft hatte. Ab und an eröffnet er mir auch, dass der sorgfältig ausgewählte Tag ihm so gar nicht passt. Frustrierend? Vielleicht, aber die Mühe wert.

Selbst wenn von vier geplanten Abenden, drei ins Wasser fallen, bleibt ein Abend, den wir nicht nur zusammen verbringen, sondern mit etwas nicht alltäglichem. Kino, Theater oder Essen, es zählt der Moment, an dem wir nicht zu Hause sitzen und das tun, was wir immer tun. Selbst wenn der Film schlecht ist, das Stück nur einem von uns gefällt und wir beim Essen ins Diskutieren kommen, das ist unsere Zeit. Es kann immer sein, das wir dabei noch etwas am anderen entdecken, was wir noch nicht kannten, was wir lange nicht gesehen hatten, was ihn uns näher bringt.

Eigentlich war unser Plan, alle zwei Wochen auszugehen. Wenn wir es einmal im Monat schaffen, ist das mittlerweile schon viel. Jeder Abend wird dabei zum Geschenk, schon allein wegen des Aufwandes, des Hintergrundes und der kostbaren Zeit. Und wenn alle Stricke reißen, können wir auch sehr gut einen gemütlichen Abend auf der Couch genießen und zu schätzen wissen. Vielleicht schaffen wir es nur einen von vier geplanten Abenden auch wirklich aus dem Haus, das heißt nicht, dass wir die anderen drei Abende nicht auch zu Hause gemeinsam verbringen können.

Lust zu spielen? Zeit zu zwei daheim genießen (Foto: Sharifi)

Ob beim Fernsehen statt im Kino, beim Spieleabend statt im Theater, beim Puzzeln, Computerspielen oder was auch immer. Gemeinsame Zeit ist kostbar, egal wo wir sie miteinander verbringen. Wichtig ist dabei, dass wir uns dieser Zeit bewusst sind. Dass sie dennoch ein Ausbruch aus dem Alltag ist, oder zumindest ein Lichtblick im grauen Einerlei. Keine Beziehung kann immer auf der Höhe schweben, jede braucht ab und an etwas mehr als Alltag. Wo wir das finden, ist unsere Sache. Dass wir danach suchen, ist eigentlich unvermeidlich. Vielleicht müssen wir nur richtig hinschauen, um es zu entdecken, um auch im Alltag das Schöne wiederzufinden, das wir doch in einer Beziehung gesucht haben. Die Versuche, endlich mal wieder auszugehen, sind schon allein wichtig, weil es Versuche sind. Wenn sie gelingen, um so besser. Wenn nicht, können wir auch in anderen Momenten das finden, was wir uns an diesen Abenden erhofft haben. Auch einer von vier Abenden zählt und tut uns einfach gut. Also werde ich nicht aufhören, zu planen und zu versuchen.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Alexandra von der Unfähigkeit, sich zu konzentrieren.