Soziales Engagement – Können wir die Welt (im Kleinen) verbessern?

Angesichts der unzähligen Kriege und Krisen, die auf der Welt wüten, Flüchtlingen, die vor dessen monströsen und unmenschlichen Ausmaßen flüchten, Armut, die für Familien das Überleben schier unmöglich macht, Kindern, die statt zur Schule zu gehen, harte Arbeiten verrichten, Rassismus und Homophobie, die Menschen weltweit diskriminieren und oftmals aus dem gesellschaftlichen Leben ausschließen. Die Welt scheint aus einem Meer von Ungerechtigkeiten zu bestehen.

Viele Menschen fliehen vor den Kriegsumständen im Heimatland : Bei der Rückkehr finden sie oft nichts mehr so vor, wie es war (Foto: ©Katharina Wieland Müller  / pixelio.de)

Viele Menschen fliehen vor den Kriegszuständen im Heimatland : Bei der Rückkehr finden sie oft nichts mehr so vor, wie es war (Foto: ©Katharina Wieland Müller / pixelio.de)

Das regelmäßige Verfolgen der Nachrichten könnte einen schier verzweifeln lassen, wenn uns die Berichterstattung mal wieder mit einer neuen Welle an Katastrophen und Kriegen überflutet und den letzten Funken Optimismus erstickt. Den Glaube an die Menschheit völlig verlieren lässt. Manchmal fühle ich mich machtlos. Frage mich, wie ich etwas ändern kann. Was für eine Ironie steckt dahinter, dass ich mir darüber Gedanken mache, WIE ich helfen kann, während im selben Moment, Menschen um ihr Leben bangen.

Gemeinsam sind wir stärker: Sich zusammen gegen Ungerechtigkeit stark machen! (Foto: © S. Hofschlaeger  / pixelio.de)

Gemeinsam sind wir stärker: Sich zusammen gegen Ungerechtigkeit stark machen! (Foto: © S. Hofschlaeger / pixelio.de)

Jeder Mensch hat die Wahl sich gegen Ungerechtigkeit unterschiedlicher Art einzusetzen, das Problem an der Wurzel zu packen und die Ursachen zu bekämpfen. Leider gibt es viel zu viele Bereiche, in denen unserer Engagement und unserer Aktivismus tagtäglich gefragt wären. Wieso finden wir uns mit so viel Ungerechtigkeit einfach ab? Argumentieren damit, dass es auch schon früher schlimme Kriege gab. Dass wir eben nicht für alle Probleme der Welt aufkommen können. Wir scheinen oftmals zu unterschätzen, was für eine Macht wir eigentlich besitzen. Denn jeder Einzelne von uns kann etwas verändern. Und schließlich muss irgendwo begonnen und angesetzt werden. Gewiss kann sich jeder für etwas stark machen. Doch ich will nicht unzähligen Menschen Unrecht tun, die tagtäglich für etwas kämpfen. Seien es NGOs (Non-Governmental Organization) die weltweit auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen, Kundgebungen veranstalten oder Nothilfe in Krisengebieten leisten. Aktivisten die Networking mit unzähligen Länder betreiben, sich so über die Lage in diesen austauschen und solidarisieren.

Wenn Fremde zu Freunde werden: Doch wer definiert überhaupt wer "Fremd" ist? (Foto: Rike/Pixelio)

Wenn Fremde zu Freunde werden: Doch wer definiert überhaupt wer „Fremd“ ist? (Foto: Rike/Pixelio)

Initiativen wie „teachers on the road“ geben Flüchtlingen ehrenamtlich Deutschunterricht, auch „Save me“, eine deutschlandweite Initiative, begleitet Flüchtlinge bei Behördengängen, veranstaltet Kochabende und andere Aktivitäten, um so Flüchtlingen, deren Aufenthalt in den meisten Fällen sowieso ungewiss ist, dabei zu helfen, sich im Alltag zurecht zu finden und trotz der schwierigen Flüchtlingspolitik, nicht in Lethargie zu verfallen. Wieder andere haben sich dem Kampf gegen Rassismus verschrieben.  Manch einer mag glauben, Rassismus – das sei ein Randphänomen geworden und seit Apartheid und den Aufständen in Amerika längst bekämpft. Aber machen wir uns doch bitte nichts vor! In Amerika, im Bundesstaat North Carolina, sind vor einigen Tagen 3 junge amerikanische Muslime erschossen worden.  Der Täter wird weder als Terrorist bezeichnet, noch scheinen die westlichen Medien dem Geschehen viel Aufmerksamkeit zu schenken. Alles „nur“ ein Nachbarschaftsstreit um Parkplätze? So berichten es zu mindestens die Medien. Kaum jemand scheint dahinter zu vermuten, dass ein Motiv des Täters vielleicht Islamhass gewesen sein könnte. Seltsam. Gehen wir einige Monate zurück: Im August 2014 wird in Ferguson, Missouri, ein unbewaffneter schwarzer Jugendliche von einem Polizisten erschossen. Das entfachte in Amerika eine Welle von Unruhen und Protesten und hauchte der Rassismus-Debatte in den USA neues Leben ein. Die schwarze Bevölkerung organisierte sich, hielt Plakate mit dem Slogan „Black Lives Matter“ in die Luft. Rassismus ist im 21. Jahrhundert noch weit davon entfernt, abgeschafft worden zu sein. Aber Rassismus ist durchaus kein Problem Amerikas alleine. Wer sich mehr mit dieser Thematik beschäftigen möchte, sollte einen Blick auf den sehr lesenswerten Blog von der  Aktivistin Emine werfen.

Frauen mit Kopftuch haben in Deutschland mit allerhand Vorurteile zu kämpfen. Bekommen trotz exzellenter Abschlüsse Arbeitsstellen auf Grund ihres Kopftuches, das für viele Ausdruck ihrer Religion ist, verwehrt. In Deutschland wird ein Asylant in Dresden tot aufgefunden. Asylantenheime werden fast regelmäßig mit rassistischen Slogans beschmiert.

Kein Mensch ist illegal: Doch viele scheinen blind und ignorant für die Probleme anderer zu sein Foto: ( © I(ESM)  / pixelio.de )

Kein Mensch ist illegal: Doch viele scheinen blind und ignorant für die Probleme anderer zu sein (Foto:  © (IESM) / pixelio.de )

Wir sollten uns mit Menschen solidarisieren. Gegen solche Diskriminierungen, die im eigenen Land geschehen, aber auch in anderen Teilen der Welt,  aufstehen und unsere Stimme erheben. Es geht uns alle an! Eher unabsichtlich habe ich mich vor allem auf das Thema Rassismus bezogen. Was wohl auch mit einer Bewegung, die sich mittlerweile – Gott sei Dank – aufgelöst hat, zu tun hat und den vielen rassistischen Übergriffen, die ich vermehrt zu hören bekomme, die mich sehr erbosen lassen, zugleich aber auch erschrecken. Wichtig ist, DASS wir etwas tun. Wir sollten nicht gleichgültig gegenüber dem Schicksal anderer, benachteiligter Menschen sein. Jeder Mensch kann nur ein wenig seiner wertvollen Zeit entbehren und zum Beispiel in seinem Umfeld an sozialen Initiativen mitwirken oder aber selbst Projekte auf die Beine stellen. Und wie sollen wir die Welt mitgestalten und verändern, wenn wir nicht in unserem Umfeld beginnen. Vielleicht sogar jetzt sofort!

Vorschau: Eva beschäftigt sich nächste Woche damit, weshalb es so gut tut, sich in Gesellschaft aufzuhalten.

Weniger prickelnd: Die Sektsteuer

Machen nur wenig aus: Die Einnahmen über die sogenannte Schaumweinsteuer (Quelle: BMF)

Vor genau einer Woche hieß es vielerorts wieder: Lasst die Korken knallen! Schließlich will das neue Jahr gebührend willkommen geheißen werden. Und was gehört zu Silvester wie Countdown und Feuerwerk? Richtig: Ein Glas Sekt.

Weniger prickelnd ist dagegen die Tatsache, dass auf den sogenannten Schaumwein seit 100 Jahren eine Steuer erhoben wird. 1902 wurde sie zur Finanzierung der deutschen Kriegsflotte eingeführt, während der Wirtschaftskrise kurzfristig ausge-setzt, um dann 1939 als sogenannter Kriegszuschlag erneut erhoben zu werden. Im Vergleich mit anderen Steuerarten machte die Schaumweinsteuer 2011 mit 454 Mio. Euro übrigens nur etwa 0,08 % der Gesamteinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden aus.

Laut Statistischem Bundesamt lag der rechnerische Pro-Kopf-Verbrauch an Sekt im Jahr 2011 bei etwa fünf handelsüblichen 0,75 Liter-Flaschen. Wie viel Schaumweinsteuer zahlt nun aber ein durchschnittlicher Bürger pro Jahr? Über den sogenannten Sektsteuer-Rechner auf FOCUS MONEY Online lässt sich ermitteln, dass man für eine 0,7 Liter-Flasche „Sekt, Champagner, Prosecco (mehr als 6 % Alkohol)“ pro Monat jährlich zwölf Euro an Sektsteuer bezahlt. Demzufolge entfällt etwa ein Euro pro 0,75 Liter-Flasche auf die Sektsteuer – jeder Deutsche zahlte 2011 also durchschnittlich fünf Euro an Sektsteuer.

Antworten auf die Frage: Wussten Sie, dass auch Sekt mittels der sogenannten Sekt- bzw. Schaumweinsteuer besteuert ist? (Diagramm 1: T. Gartner)

Grund genug einmal nachzufragen, wie bekannt die Schaumweinsteuer eigentlich ist, ob aufgrund der Steuer weniger Sekt gekauft wird und ob sie als gerechtfertigt empfunden wird. Hierzu hat Face2Face 100 Personen im Alter von 14 bis über 40 Jahre befragt. Ihr kanntet die Schaumweinsteuer bisher nicht? – Keine Sorge! Damit seid ihr nicht alleine. Während 58 % der Umfrage-Teilnehmer auf die Frage, ob sie sich über die Erhebung der Bier- und Branntweinsteuer bewusst wären, mit Ja antworteten, gaben nur 44 % an zu wissen, dass auch auf Sekt eine Steuer erhoben wird. Dass es starke Diskrepanzen zwischen dem Wissen von der Bier-/Branntweinsteuer und der Schaumweinsteuer gibt, wird besonders in der repräsentativsten Gruppe der Befragten, den 20- bis 30-Jährigen, deutlich (Vgl. Diagramm 1). Hier sind sich 60 % darüber im Klaren, dass auf Bier und Branntwein eine Steuer erhoben wird; jedoch wissen nur 42 %, dass eine Schaumweinsteuer existiert. Die Schaumweinsteuer ist damit wesentlich unbekannter als die Bier- und Branntweinsteuer.

Antworten auf die Frage: Kaufen Sie aufgrund der Steuer bewusst weniger Sekt bzw. kaufen Sie nun, da Sie über die Zweckungebundenheit der Steuer Bescheid wissen, weniger Sekt? (Diagramm 2: T. Gartner)

Wie das zweite Diagramm zeigt, gaben 89 der insgesamt 96 Personen, die auf die Frage „Kaufen Sie aufgrund der Steuer weniger Sekt bzw. kaufen Sie nun, da Sie über die Zweckungebundenheit der Steuer Bescheid wissen, weniger Sekt?“ antworteten, an, aufgrund der Steuer nicht weniger Sekt zu kaufen. Nur vier Teilnehmer beantworteten die Frage mit Ja. Da der Unterschied zur synonymen Frage bezüglich der Bier- und Branntweinsteuer ein ähnliches Ergebnis brachte – zwei von 96 Personen lassen sich bei der Kaufentscheidung von der Steuer beeinflussen, 90 Teilnehmern gaben an aufgrund der Steuern nicht weniger Bier und Branntwein zu kaufen – ergibt sich, dass die Steuern auf alkoholische Getränke nur minimale Auswirkungen auf das Kaufverhalten der Konsumenten hat.

Aufgrund dessen könnte man vermuten, dass die Steuer als gerechtfertigt wahrge-nommen oder zumindest akzeptiert wird. Die Umfrage ergab jedoch etwas anderes: Wie in Diagramm 3 zu sehen ist, empfindet die Mehrheit der Befragten, nämlich 66 von 97 Teilnehmern, die Schaumweinsteuer als ungerechtfertigt. Die Argumentatio-nen sind vielfältig, vor allem jedoch der ursprüngliche Einsatz der Schaumweinsteuer zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte und die heutige, damit einhergehende Zweckungebundenheit stößt auf großes Unverständnis: „Genauso «unnötig» wie – mittlerweile – der Solidaritätszuschlag“, „Nicht mehr zeitgemäß“ und „Weil sie jetzt völlig ungerechtfertigt erhoben wird und auch nicht ersichtlich ist, was damit passiert, also wem oder was sie zugutekommt“ kommentieren die Umfrage-Teilnehmer.

Antworten auf die Frage: Die Sekt- bzw. Schaumweinsteuer wurde 1902 zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte eingeführt und wird heute – trotz Änderung der Verhältnisse – nach wie vor erhoben und das zusätzlich zur Mehrwertsteuer. Finden Sie das gerechtfertigt? (Diagramm 3: T. Gartner)

Die 27 Befragten, welche die Schaumweinsteuer als gerechtfertigt empfinden, argumentieren unter anderem mit der Tatsache, dass alkoholische Getränke zu den Genussmitteln zählen und diese zum Leben nicht notwendig seien. Besonders zuge-spitzt formuliert ein Teilnehmer: „Alkohol fällt unter Drogen. Muss nicht unterstützt werden“.

Die meisten der Antworten lassen jedoch auf Passivität und Resignation der Befrag-ten gegenüber der Erhebung der Schaumweinsteuer deuten: „Für irgendetwas wird es schon genutzt werden.“, „Alles wird besteuert, warum also nicht auch der Sekt?“, „Steuern werden einfach benötigt –> Sozialstaat“.

Die Umfrage hat gezeigt, dass die Schaumweinsteuer weitestgehend unbekannt ist. Darüber hinaus fühlen sich die Befragten nicht ausreichend über die Verwendung der durch die Steuer eingenommenen Gelder informiert. Um diese Problematiken zu lösen, ist es notwendig Informationen zu diesem Thema transparenter zu gestalten und somit Verständnis bei den Bürgern schaffen.

Da die Mehrheit der Befragten angab, in erster Linie durch die Medien von der Bier-, Branntwein- und Schaumweinsteuer erfahren zu haben, ist der logische Schluss daraus, dass die Medien mit der wichtigen Aufgabe der Wissensvermittlung betraut werden. Informationen zur Schaumwein- und anderen Steuern sollten dabei altersgerecht aufgearbeitet werden. Wirtschafts- und Politikmagazine sind oftmals auf älteres, überdurchschnittlich gebildetes Publikum ausgelegt; die Informationen sollten jedoch auch für Jugendliche und junge Erwachsene zugänglich gemacht werden. Dieser Lösungsansatz fördert möglicherweise die Bekanntheit der Schaumweinsteuer, aber vor allen Dingen das Verständnis und die Nachvollziehbarkeit seitens der Bürger.

Info:
Wer wissen möchte, wohin die Steuereinnahmen aus dem Jahr 2012 fließen, kann sich HIER schlau machen.