Schaurig-schöne Halloween-Geschenke

Kreativ: Halloween-Geschenke (Foto: Onat)

Kreativ: Halloween-Geschenke (Foto: Onat)

Neben verkleideten Kindern und geschnitzten sowie gekochten Kürbissen dürfen makabre Gerichte und Süßigkeiten an Halloween nicht fehlen. Der Brauch um die Häuser zu ziehen und um „Süßes oder Saures“ zu bitten hat dabei seinen Ursprung im irischen „All Hallows’ Eve“: Die Geister der Verstorbenen, die in der Nacht vor Allerheiligen umherzögen, sollten durch Speisen besänftigt und vor dem Eintritt abgehalten werden. Doch durch die gruseligen Halloween-Geschenke der Tipps&Tricks-Redaktion lassen sich nicht nur Untote, sondern auch hungrige Gäste und Kinder besänftigen.

Schaurige Schokolade:

Schokoladig: Halloween-Schokoladen-Monster (Foto: Onat)

Schokoladig: Halloween-Schokoladen-Monster (Foto: Onat)

Mit selbstgemachten Süßigkeiten lassen sich die Herzen von Jung und Alt erfreuen: Etwas Schokolade über dem Wasserbad schmelzen, auf ein mit Folie oder Backpapier ausgelegtes Blech gießen, mit allerlei Süßigkeiten und Streuseln verzieren und hart werden lassen. Essbare Augen und farbige Candy Melts- oder Schokoladen-Spritzer lassen aus den einzelnen Blöcken richtige Monster zum Vernaschen werden.

Eklige Einmachgläser:

Eingemacht: Halloween-Süßigkeiten (Foto: Onat)

Eingemacht: Halloween-Süßigkeiten (Foto: Onat)

Wer noch Einmachgläser aus der vergangenen Saison übrig hat, kann diese mit gruseligen Gummitieren wie Fledermäusen, Würmern, Spinnen, Schlangen und Fröschen befüllen und wieder verschließen. Etwas Dekoration verwandelt die leeren Gläser in leckere Souvenirs zum Mitnehmen, durch die man sich gerne an die Halloween-Nacht erinnert.

Durstige Dämonen:

Bunt: Halloween-Getränke (Foto: Onat)

Bunt: Halloween-Getränke (Foto: Onat)

Auch altbekannte Getränke lassen sich im neuen Gewand als Halloween-Geschenke verkleiden: Hierfür kalte oder warme Getränke mit Lebensmittelfarbe einfärben oder bereits farbige Getränke nehmen, diese in Flaschen füllen und mit dekorativen Elementen als Zaubertränke, Gift, Blut oder Dämonen tarnen. Mit kleinen Hexenbesen aus Salzstangen, Käse und Lauch wird dem Trank auch etwas zum Beißen für Zwischendurch geboten. Erwachsenen kann man so eine kleine Freude mit alkoholischen Getränken machen, Kindern mit süßen und bunten Säften.

Gesunde Gespenster:

Fruchtig: Halloween-Obst-Gespenter (Foto: Onat)

Fruchtig: Halloween-Obst-Gespenter (Foto: Onat)

Wer lieber neben den Süßigkeiten Kindern auch etwas Obst mit auf den Weg geben möchte, kann dieses geschickt als Gespenst dekorieren: Die Erdbeeren mit geschmolzener, weißer Schokolade überziehen und mit dunkler Schokolade Augen und Münder der Gespenster anmalen. Ganz ohne Schokolade werden dabei grüne Äpfel zu Geistern verwandeln, indem man ihnen essbare Augen, Erdbeer-Zungen und Sonnenblumenkern-Zähne anbringt.

Kartographie des Gehirns – Das Human Connectome Project

Das Gehirn – eine der kompliziertesten Strukturen der Natur. Es ist zu vielem fähig, zu denen selbst heutige Computer nicht fähig sind, wiegt durchschnittlich nur 1,4 kg und verbraucht doch große Teile unseres täglichen Energiebedarfs. Schätzungen zufolge besitzt das Gehirn 100 Milliarden Nervenzellen, deren Nervenbahnen aneinander gereiht 145-mal um die Erde reichen, und zehnmal so viele Gliazellen, die das Stützgewebe des Gehirns bilden. Dank der großen Plastizität und der ständigen Umstrukturierung sowie den Unterschieden zwischen einzelnen Menschen, ist es schwer das Gehirn zu untersuchen. Das Human Connectome Project versucht, alle Daten bezüglich des Gehirns zu sammeln und die neurologische Forschung voran zu treiben.

Das Gehirn - Schädel im MRT (Foto: Dieter Schütz  / pixelio.de)

Das Gehirn – Schädel im MRT (Foto: Dieter Schütz / pixelio.de)

Das Gehirn bei Tieren und der Aufbau unseres Gehirns
Viele Tiere besitzen Ansammlungen von Nervenzellen, die einem Gehirn ähneln oder dessen Funktion haben. Doch anatomisch ist zum Beispiel das Strickleiternervensystem der Insekten und Krebse sehr unterschiedlich zu unserem Gehirn. Besonders das Gehirn eines Krakens oder Tintenfisches steht jedoch in der Komplexität ebenfalls sehr hoch. Das Gehirn, wie wir es kennen, ist allen Wirbeltieren gleich und besteht entwicklungsgeschichtlich aus zuerst drei, dann fünf Teilen: Das Nachhirn verbindet es zum Rückenmark, das Hinterhirn beinhaltet einen Querwulst namens Pons (für Brücke), der Querverbindungen aufweist, und das Kleinhirn, welches für Bewegung und Koordination verantwortlich ist. Zusammen mit dem Mittelhirn bilden diese Strukturen das Stammhirn, welches den stammesgeschichtlich ältesten Teil darstellt und unter anderem für Reflexe und Atmung zuständig ist. In das Zwischenhirn kommen die Nervenbahnen des Auges und es beinhaltet die Hormondrüsen, Zirbeldrüse und Hirnanhangsdrüse. Als Schaltstelle zwischen Nerven- und Hormonsystem reguliert das Zwischenhirn den Schlaf-Wachrythmus, Schmerz- und Temperaturempfinden, Hunger, Durst und den Sexualtrieb. Das in zwei Hälften (Hemisphären) aufgeteilte, stark gefurchte Großhirn ist das Bild, welches in unsere Köpfe springt, wenn wir an Gehirn denken. Es beinhaltet das limbische System, verantwortlich für Instinkte und Emotionen. Die Großhirnrinde, Teil der grauen Substanz, enthält die Nervenzellkerne und die darunterliegende weiße Substanz die Nervenfasern, ein Balken verbindet beide Hemisphären. Das Gehirn ist von drei Hirnhäuten umgeben und schwimmt in der Hirnflüssigkeit.
Einteilung des Großhirns
Das komplexe Großhirn besitzt viele Funktionen. Eine erste Unterteilung findet örtlich statt und vier Hirnlappen sind beschrieben. Dort finden sich wiederum Windungen (Gyrus) und Furchen (Sulcus). 1903 versuchte Neuroanatom Korbinian Brodman das Gehirn zu unterteilen und beschrieb 52 Regionen. Diese beinhalten zum Beispiel den motorischen und primär somatosensorischen Cortex. Das Wernicke Areal ist für das Verstehen von Sprache zuständig, das Broca Areal zur Produktion von Sprache. Hör-, Seh- und Geschmackszentren verarbeiten die jeweiligen Sinneseindrücke. Anhand der gesammelten Bilder des Human Connectome Projects, erstellt durch MRI (Magnetresonanz- Ttomographie) konnte nun eine Publikation das Gehirn weiter einteilen. Die Arbeitsgruppe benennt 180 Areale pro Hemisphäre und sorgt nun für eine noch nie dagewesene detailreiche Kartographierung des Gehirns. Diese kann helfen ein größeres Verständnis über Gehirnentwicklung, verschiedenste Krankheiten und Altern zu bekommen.

Abhängigkeit und Sucht- Selbstverschuldung oder Gehirnkrankheit?

Illegale Drogen: Der World Drug Report 2016 (Foto: Bernd Kasper  / pixelio.de)

Illegale Drogen: Der World Drug Report 2016 (Foto: Bernd Kasper / pixelio.de)

Der World Drug Report 2016 der Vereinten Nationen ist erschienen und besagt, dass 29 Millionen Menschen weltweit an den Folgen illegaler Drogen und deren Bekämpfung leiden und es 207 000 Drogentote gab (alle Daten beziehen sich im Bericht auf 2014). Die Debatten können hiermit befeuert werden, denn der Bericht bezieht sich nur auf illegale Drogen und gerade deren Bekämpfung und die damit entstehende Korruption und Gewalt führt, so einige Stimmen, zu vielen Tötungsdelikten. In Deutschland gibt es seit längerem die Debatte, ob Cannabis legalisiert werden sollte, doch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, ist dagegen. Doch auch die legalen Drogen müssen in Betracht gezogen werden, denn sie verursachen mehr Tote und machen teilweise abhängiger, als viele illegale Drogen. Doch selbst bei Alkohol und Tabak geht es den meisten Konsumenten im Alltag gut und nur wenige sind wirklich süchtig. Doch ab wann macht etwas dann abhängig? Wann wird man süchtig?

Was ist Sucht?

Computerspielsucht: kommt häufiger vor, als man denkt (Foto: Bernd Kasper  / pixelio.de)

Computerspielsucht: kommt häufiger vor, als man denkt (Foto: Bernd Kasper / pixelio.de)

Abhängigkeit ist charakterisiert durch ein zwanghaftes Verlangen nach belohnenden Stimuli, ungeachtet nachteiliger Konsequenzen. Die Sucht tritt durch ein wiederholtes Aussetzen zu diesen Stimuli auf, welche als positiv und begehrenswert wahrgenommen werden und somit auch die Wahrscheinlichkeit eines wiederholten Aussetzens erhöhen. Es gibt eine substanzabhängige Abhängigkeit, bei der  eine Substanz diese positiven Stimuli auslöst. Zu diesen Substanzen gehören die meisten Drogen und der Körper entwickelt eine Toleranz gegenüber diesen Substanzen, sodass man irgendwann für den gleichen Effekt eine höhere Dosis braucht. Es gibt aber auch einen schädlichen Gebrauch von nicht abhängig machenden Substanzen. Diese Abhängigkeit ist eine Zwangsstörung und umfasst den Missbrauch von Arzneimitteln, Antidepressiva oder Steroiden. Auch eine substanzungebundene Abhängigkeit ist möglich und bezieht sich auf Glücksspiel, Computerspiele – und Internetsucht, Sexsucht, Pornographie, Arbeitszwang, Kaufzwang,  Extremsport und sogar exzessives Sporttreiben. Selbst intensive romantische Liebe zeigt die gleichen Symptome. All diesen Beispielen gemeinsam ist eine Störung der Impulskontrolle, bei dem die Kräfte des Verstandes dem Verlangen untergeordnet werden und es können physische und/oder psychologische Absetzerscheinungen bzw. Entzugssymptome auftreten.

Die Rolle des Gehirns

In den letzten Jahrzehnten unterstütze die Forschung die Sicht, dass Abhängigkeit eine Gehirnkrankheit ist. Die charakteristischen, zwanghaften Verhaltensweisen können immer besser zur Neurologie  verknüpft werden. Durch chronische Aussetzung zu einem suchterzeugenden Stimulus, kommt es im Belohnungszentrum des Gehirns zu transskriptionalen und epigenetischen Veränderungen und einer Desensibilisierung der Neuronenschaltkreise, die die Möglichkeit Vergnügen zu empfinden dämpfen und die Motivation senken, alltäglichen Aktivitäten nachzugehen.

Krankheit oder Wahl Dichotomie

Doch inwieweit ist die Person das Problem? Welche Wahl hat das Individuum, welchen Einfluss und kann man fehlende Selbstkontrolle verantwortlich machen? Es gibt viele Fälle von Süchtigen, die ohne medizinische Behandlung ihrer Sucht Herr werden und es gibt einige Stimmen, die besagen, dass psychosoziale Faktoren und das soziale Umfeld einzelner Personen den größten Faktor ausmachen und somit gar nicht zu einer Sucht führen oder zumindest, so andere, bei der Genesung stark helfen. Sucht ist kein Randproblem der Gesellschaft und ist auch kein eindimensionales Problem, sondern funktioniert auf vielen Leveln. Das Wichtigste ist, dass Süchtigen besser geholfen wird, sie nicht eingesperrt und von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, sondern, dass man sich um sie kümmert. Und vielleicht kann die Neurologie durch weitere  Forschungen einen Erfolg beschleunigen.

Das Glymphatische System- Reinigung des Gehirns

Das zentrale Nervensystem, bestehend aus unserem Gehirn und Rückenmark, steuert unseren Körper: es koordiniert Bewegungen, reguliert unsere Organe und Hormone und ermöglicht uns die Wahrnehmung aus den Reizen, die unsere Sinnesorgane aufnehmen. Deshalb ist es ganz wichtig auf dieses Steuersystem Acht zu geben. Sind die Gehirnfunktionen gestört, so entstehen lebensgefährliche Krankheiten.

Krankheiten des Gehirns

Das Gehirn - Schädel im MRT (Foto: Dieter Schütz / pixelio.de)

Das Gehirn – Schädel im MRT (Foto: Dieter Schütz / pixelio.de)

Autismus und Schizophrenie sind Krankheiten, die bei der Entwicklung des Gehirns auftreten. Multiple Sklerose ist eine Autoimmunkrankheit, Chorea Huntington ist vererbbar und Enzephalitis entsteht durch Infektionen. Parkinson und Alzheimer gelten als Neurodegenerative Krankheiten. Diese entstehen über lange Zeit durch das Fortschreitende Sterben der Gehirnzellen, Neuronen genannt. Bei all diesen Neurodegenerativen Krankheiten wurde festgestellt, dass die Ansammlung von atypischen Proteinen die Zerstörung der Neuronen induziert. Das Problem ist, so dachte man, dass das Gehirn über kein lymphatisches System verfügt, wie der Rest unseres Körpers, und somit diese Proteine nicht beseitigen kann.

Tunnelsystem gefunden

Doch 2015 wurde von zwei unabhängigen Gruppen von Wissenschaftler das glymphatische System gefunden. Dieses perivaskuläre, also um die Gefäße befindliche, Tunnelsystem, welches von Astrozyten (Zellen mit sternenförmigen Fortsätzen im Gehirn) geformt wird, dient der Müllentsorgung. Dieses hydraulische System pumpt cerebrospinale Flüssigkeit, auch Hirnwasser genannt, in alle Ecken des Gehirns. Dadurch werden Zucker, Fette, Aminosäuren, Wachstumsfaktoren und Neuromodulatoren an alle Stellen des Gehirns gebracht. Die cerebrospinale Flüssigkeit wird hierbei ständig durch spezielle Kanäle mit der Zwischenraumflüssigkeit, welche die Kapillaren umgibt und von der Blut-Hirn-Schranke abgegrenzt wird, ausgetauscht. Hierbei können Abfallprodukte entsorgt werden.

Abfallentsorgung muss sein

Jedes Organ braucht eine Abfallentsorgung und muss neue Nährstoffe geliefert bekommen. Das Gehirn ist besonders aktiv. Wenn das glymphatische System nicht funktioniert, so können sich die Abfallprodukte ansammeln und so neurodegenerative Krankheiten hervorrufen. Doch dies ist natürlich nicht der einzige Grund für solche Krankheiten. Genetische Faktoren, sowie der Funktionsverlust anderer Reparaturmechanismen des Körpers spielen ebenfalls eine Rolle. Das glymphatische System ist besonders im Schlaf aktiv. Dies könnte einer der Gründe für die Notwendigkeit von Schlaf sein. Das Gehirn braucht diesen Zustand, um sich zu regenerieren.

Vorschau: Nächsten Monat geht es um den evolutionären Hintergrund des männlichen Bartes.

Bias und Meme – Kognitive Wahrnehmung, Verzerrung und Glaubenssätze

„Die Jugend von heute liebt den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll“, soll Sokrates einmal gesagt haben. Diese Beschwerde über fehlende Werte und Dekadenz ist jedoch auch heute immer wieder zu hören. Doch Werte sind für jeden Menschen, Gruppe und Kultur unterschiedlich. Diese Werte und Überzeugungen stellen unbewusste Filter da, durch die jeder Mensch seine Umgebung unterschiedlich wahrnimmt. In der Psychologie nennt man dies Kognitive Verzerrung oder Bias.

Hat man etwas selbst gebaut, so schätzt man den Wert des Gegenstandes viel mehr ein, als von einem massenproduzierten Gegenstand. Dies ist der IKEA Effekt und ein leicht anschauliches Beispiel. Auch die Neigung in Daten Mustern zu erkennen, selbst wenn keine vorhanden sind, zeigt auf, wie unser Gehirn funktioniert. Doch es gibt viel einflussreichere Bias, die uns daran hindern, rational zu denken:

Die illusorische Korrelation ist ein fälschlich zugeordneter kausaler Zusammenhang zwischen zwei Ereignissen und ein Ereignis gemäß einer empfunden Emotion zu bewerten wird emotionale Beweisführung genannt. Der momentane Gefühlszustand ist oft ein einflussreicher Faktor, wie zum Beispiel in einer Studie von 1998 über Hunger gezeigt. Einen Vergleich zu haben ist ebenfalls von Bedeutung: der Anchoring Effect lässt uns einen Zahlenwert anders einschätzen, wenn wir einen Vergleichswert haben, auch wenn beide Werte zu hoch oder zu niedrig für eine zu fällende Entscheidung sind.

Verzerrung: Die Wahrnehmung einer Sache ist nicht für alle gleich. (Foto: Karl-Heinz Laube  / pixelio.de)

Verzerrung: Die Wahrnehmung einer Sache ist nicht für alle gleich. (Foto: Karl-Heinz Laube / pixelio.de)

Besonders einflussreich sind wir selbst und die Leute um uns herum: Wir projizieren unsere eigene Werte auf andere Personen und nehmen an, dass sie dieselben Werte haben (Projection Bias), bei einem positiven Selbstbild halten wir bestimmte eigene Fähigkeiten für überdurchschnittlich (Lake-Wabegon Effekt), denselben Effekt bei schwierigen Aufgaben gibt es in die andere Richtung. Wir neigen dazu Informationen so aufzunehmen und zu interpretieren, dass sie die eigenen Erwartungen erfüllen und umgeben uns auch mit denen, die einer Meinung mit uns sind (Conformation Bias). Wir übernehmen die Verantwortung für Erfolge eher als für Misserfolge (Self Serving Bias), schätzen vergangene Ereignisse im Nachhinein als ein (Hindsight Bias)

Wir tendieren dazu Sachen zu machen oder zu glauben, wenn andere Menschen dies auch tun (Gruppendenken, Herdenverhalten, Mitläuferverhalten Bandwagon Effect genannt), was in Experimenten oft belegt wurde. Wir überschätzen auch die Gruppe, in der wir uns befinden und stellen sie über andere Gruppen (In Group Bias).

Wer eine Münze wirft und fünf Mal Kopf erhält, geht davon aus, dass beim sechsten Mal doch endlich Zahl kommen müsste. Doch die Wahrscheinlichkeit bleibt 50 % (Gamblers Fallacy). Wir nehmen negative Informationen eher wahr, als positive (Negativity Bias), weshalb Nachrichten mit negativen Schlagzeilen sich besser verkaufen lassen. Es gibt sehr viele dieser Bias, über die wir uns nicht einmal bewusst sind.

Unsere Werte entstehen entweder in der Prägungsphase (bis zum siebten Lebensjahr), Modellierungsphase (achtes bis dreizehntes Lebensjahr) oder in der Sozialisierungsphase (vierzehntes bis einundzwanzigstes Lebensjahr). Bekommen wir von anderen Menschen, Dritten, nun etwas eingeredet oder reden es uns selbst ein, wie etwa „ich bin schlecht in Mathe“, so glauben wir dies. Solch einen Glaubenssatz wieder los zu werden ist schwer und im schlimmsten Fall entstehen Phobien. Stehen einige unserer Werte miteinander in Konflikt verursacht dies eine kognitive Dissonanz.

Das Mem ist ein Bewusstseinsinhalt, also ein Gedanken, eine Idee oder ein Verhalten, welches sich von Person zu Person in einem Kulturkreis verbreitet. Richard Dawkins entwickelte diesen Begriff in seinem Buch „Das egoistische Gen“ und daraus leitet sich auch der Begriff des Internet Memes ab. Diese Meme verbreiten sich wie ein Virus und vor allem sich gegenüberstehende Argumente, besonders, wenn sie mit der Emotion Wut verbunden werden, verbreiten sich schnell und helfen sich somit gegenseitig bei ihrer Verbreitung.

Das Thema ist sehr interessant und kann hier nur oberflächlich abgedeckt werden. Somit wird mit einem weiterem Zitat geschlossen: „Alles was wir hören, ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.“ Marcus Aurelius

Vorschau: Nächsten Monat geht es bei der Tier&Umwelt Rubrik um Domestikation

„MS ist keine Strafe, sondern eine Aufgabe“

Etwas gehetzt komme ich am Speyerer Postplatz an. Ich bin wie immer zu spät dran. Und natürlich wartet sie schon auf mich. Sie ist ein bisschen blass. Ihr Körper wirkt zierlich, fast schon zerbrechlich. Doch ansonsten deutet nichts darauf hin, dass sie noch vor wenigen Tagen im Krankenhaus lag.

Blick nach vorne: Svenja sieht ihre Krankheit MS als Aufgabe, nicht als Strafe (Foto: privat)

Blick nach vorn: Svenja sieht ihre Krankheit MS als Aufgabe, nicht als Strafe (Foto: privat)

Svenja Mohr ist 22 und hat Multiple Sklerose, eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, die je nach Patient ganz unterschiedliche Ausprägungen haben kann.
Als Svenja im Dezember 2012 eines Morgens aufsteht und schlaftrunken gegen die Zimmertür läuft, denkt sie sich dabei nicht viel. „Klingt lustig und war es zuerst auch“, erzählt mir die junge Frau, als wir die Maximilianstraße entlang gehen. Sie muss sogar jetzt noch grinsen, wenn sie daran zurückdenkt. Dabei glitzert ihre Zahnspange frech in der Mittagssonne.

Dann erzählt sie weiter: „Beim Zähneputzen habe ich dann gemerkt, dass meine rechte Gesichtshälfte taub ist und beim Frühstück war ich dann sicher: Da stimmt etwas nicht!“
Svenja kommt ins Krankenhaus. Dort werden jede Menge neurologische Tests gemacht: bei geschlossenen Augen mit dem Finger auf die Nase tippen, die Zehen aufstellen und beugen, gerade auf einer Linie laufen. Svenja nennt sie Affentests, weil sie sich bis heute komisch dabei vorkommt, wenn sie sie bei ihren regelmäßigen medizinischen Kontrollen machen muss. Blutuntersuchung, Hirndruckmessung und die Messung der Hirnströme mithilfe von elektrischen Impulsen über Akkupunkturnadeln in Kopf und Schultern folgen. Das MRT bringt schließlich ein Ergebnis: In Svenjas Gehirn sind graue Schatten zu sehen.

„Ich hatte solche Angst, es wäre Krebs“, erzählt mir die 22-Jährige, „es war eine richtige Erleichterung, als mir gesagt wurde, dass es kein Krebs ist.“ Nachdem auch eine Hirnhautentzündung ausgeschlossen werden kann, fällt der Verdacht der Ärzte auf Multiple Sklerose, kurz MS. Doch die Diagnose kann erst bestätigt werden, wenn es einen zweiten Krankheitsschub gibt.

Der lässt nicht lange auf sich warten: „Ich saß bei meinem Freund im Auto – das war im Januar 2013 – und plötzlich fing meine Hand an zu zittern. So ging das dann zwei oder drei Stunden.“ Nach einem weiteren MRT stellt der Radiologe die Diagnose: MS.

Zuversichtlich: Svenja hofft auf eine intravenöse Therapie mit einem neuen, vielversprechenden Medikament (Foto: privat)

Zuversichtlich: Svenja hofft auf eine intravenöse Therapie mit einem neuen, vielversprechenden Medikament (Foto: privat)

Ruhig sieht mich Svenja an. Wir haben uns inzwischen in ein Café gesetzt. Ich fühle mich etwas unsicher. Fast glaube ich, mich hat ihre Diagnose mehr getroffen als sie im ersten Moment. Zu meiner Erleichterung muss ich gar nicht nachhaken – sie erzählt von sich aus, ganz frei und locker: „Am Anfang habe ich ziemlich cool reagiert. Erst nach einem sehr starken Schub im April 2013 wurde mir meine Krankheit so richtig bewusst. Mein Körper wurde völlig taub. Innerhalb von zwei Tagen konnte ich meine Beine nicht mehr bewegen. Ich versuchte auf Krücken zu gehen, aber dann hatte ich auch in den Armen keine Kraft mehr.“ Zwei Tage habe sie durchgeheult. Und auch ihre Familie sei völlig durch den Wind gewesen.

Zum aktuellen Zeitpunkt hat Svenja zwölf Entzündungsherde im Gehirn und fünf weitere in der Wirbelsäule. Bei dem Gedanken daran läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter. Wie muss sich dann erst Svenja fühlen?
„Manchmal vergesse ich total viel“, berichtet sie mir von den Symptomen ihrer Krankheit, „ich darf mich weder körperlicher Anstrengung noch Stress aussetzen. Zeitweise habe ich schlimme Schlafstörungen. Tatsächlich komme ich mir manchmal wie eine 80-Jährige vor.“ Zur Demonstration hebt sie ihre linke Hand – „ich denke nicht, dass das Zittern nochmal weggeht.“

Anfang September beginnt die Speyererin eine Ausbildung zur Erzieherin. Wenn sie darüber spricht, strahlen ihre Augen. „Kinder sind sehr tolerant und verständnisvoll“, sagt sie, „ich erkläre ihnen einfach, wenn ich etwas nicht richtig kann und sie nehmen das so auf. Gleichaltrige und Ältere reagieren dagegen teilweise überfürsorglich.“

Bald beginnt Svenja eine intravenöse Therapie mit einem neuen Medikament, das sehr vielversprechend ist. Viele MS-Patienten fühlen sich damit wie neu geboren, erzählt sie mir. In ihrer Stimme liegt Hoffnung.
Ihr erklärtes Ziel ist es, nicht im Rollstuhl zu landen. Stattdessen möchte sie ihre Ausbildung erfolgreich abschließen und so lange wie nur möglich in ihrem Beruf tätig sein. Außerdem wünscht sie sich ein eigenes Auto, um unabhängig zu sein. Und später einmal hätte sie gerne eine eigenes Haus und Kinder.

Die Wünsche und Sehnsüchte einer ganz normalen jungen Frau, denke ich bei mir. Und doch ist Svenja so viel mehr: Nach dem starken Schub im April 2013 hat sie innerhalb von einer Woche wieder gehen gelernt; ihr Lebensmotto „Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest“ ist während unseres Gesprächs so spürbar, als schwebe es in leuchtenden Lettern zwischen uns.

Wirkt auf den ersten Blick blass und zerbrechlich: Doch Svenja blickt optimistisch in ihre Zukunft (Foto: privat)

Wirkt auf den ersten Blick blass und zerbrechlich: Doch Svenja blickt optimistisch in ihre Zukunft (Foto: privat)

„Ich sehe meine Krankheit nicht als Strafe, sondern als Aufgabe“, erklärt sie mir. Sie möchte über ihre Erkrankung sprechen und anderen in derselben Situation helfen. Deshalb hat sie eine Gruppe auf Facebook gegründet: MS-JUGEND Speyer & Umgebung. „Als junger Mensch tappt man mit MS völlig im Dunkeln. Ich will nicht, dass das irgendjemand alleine durchstehen muss“, so Svenja.

Als ich nach Hause fahre, ist mein Kopf randvoll mit Gedanken. Es ist erstaunlich, wie optimistisch Svenja in ihre Zukunft sieht, wie sie all das, was sie mit ihren 22 Jahren schon mitgemacht hat, verkraftet, all das Negative in Positives umwandelt und dabei nicht zuletzt an andere denkt.

Wenn ich ehrlich bin, hat mir vieles von dem, was sie von ihrer Krankheit berichtet hat, Angst eingejagt. Und trotzdem ist sich Svenja sicher: „Krebs wäre um einiges schlimmer gewesen.“

Info:
Jugendliche und junge Erwachsene, die selbst an MS erkrankt sind oder erkrankte Freunde oder Verwandte haben, können sich der Gruppe MS-JUGEND Speyer & Umgebung gerne anschließen. In der Gruppe könnt ihr euch austauschen und gemeinsame Aktivitäten planen.

Vorschau: Svenjas größte Angst war es, an Krebs erkrankt zu sein. Am Dienstag, 23. September berichten wir im Panorama über eine Frau, deren Schwester an Krebs gestorben ist.

Gut geträumt?

Gut geträumt? Nächtliche Träume sind oft schemenhaft und wirr (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Gut geträumt? Nächtliche Träume sind oft schemenhaft und wirr (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Jede Nacht wünsche ich meinen Kindern süße Träume, wenn ich sie ins Bett bringe. In meiner Nachtischschublade liegt ein Notizbuch für besonders inspirierende oder bewegende Träume. Und einer der bedeutendsten Aussprüche, den wir medial immer wieder vorgespielt bekommen, ist Martin Luther Kings „I have a dream“. Selbst die knallharten Realisten unter uns können sich für ihren nächtlichen Gedanken nicht verstecken, können sie maximal ausblenden. Und auch wenn wir jede Nacht träumen, erinnern wir uns nicht immer daran.

Dabei benutzen wir den „Traum“ für zwei, ziemlich gegensätzliche Dinge. Zum einen den nächtlichen Traum, mit dem unser Gehirn die Geschehnisse des Tages versucht zu ordnen und uns manchmal damit ganz schön verwirrt. Schulstress lässt uns im Traum schon mal ohne Hosen durch die Korridore eilen, wir träumen von Prüfungen, Arztbesuchen und nicht zu Letzt von Menschen, die uns irgendwie beeinflussen. Und dann gibt es den Traum, den auch King angesprochen hat, der mehr eine Vision ist, eine Wunschvorstellung, kein unterbewusster Gehirn-Ordnungs-Mechanismus. Und wie die nächtlichen Träume gehören auch diese „Lebensträume“ fest zu unserem Sein. Ob was wir später einmal werden wollen, wie unser Leben mit diesem oder jenem Schwarm aussehen könnte, was passieren würde, wenn dies oder jenes geschehen könnte.

Geträumte Möglichkeiten. Nächtliche Träume und Wunschvorstellungen sind sich manchmal gar nicht so unähnlich (© Bernd Kaspar / pixelio.de)

Geträumte Möglichkeiten. Nächtliche Träume und Wunschvorstellungen sind sich manchmal gar nicht so unähnlich (© Bernd Kaspar / pixelio.de)

Die Wahrheit ist auch, wir können ohne beiden Arten von Träumen gar nicht bestehen. Nächtliche Träume, selbst wenn wir uns nicht daran erinnern können, ereilen uns jede Nacht. Sie nutzen uns, sorgen dafür dass bestimmte Dinge vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis gelangen. Wir brauchen unsere nächtlichen Träume. Wer nur so kurz schläft, dass er das Stadium der Träume, das REM-Stadium, nicht erreicht, fühlt sich gerädert, egal wie oft er schläft. Wir lernen dadurch, wir entspannen uns, wir verarbeiten. Ich merke immer wieder, wie mein Gehirn mehr braucht, als nur Schlaf. Wenn ich beispielsweise durch ein Kind die Nacht immer wieder nur für kurze Etappen schlafen kann, egal wie lange diese Etappen zusammengenommen sind, ist mein Gehirn danach auf Minimalleistung. Schlafe ich dagegen kurz, aber an einem Stück so lange, dass ich zumindest geträumt habe, bin ich wesentlich erholter.

Doch auch die anderen Träume, die Wunschvorstellungen, die wir uns durchaus bewusst setzten, brauchen wir. Ich möchte nie den Punkt erreichen, an dem alle meine Träume erfüllt sind. Wer keine Träume mehr hat, hat nichts mehr. Sie treiben uns an, sorgen dafür, dass wir aufstehen, dass wir den Alltag durchstehen und uns auf kleine Freuden konzentrieren. Es sind Etappen, die wir erreichen wollen. Manche können wir erreichen, denn dahinter steht gleich der nächste Traum, die nächste Etappe, die uns wieder antreibt.

Ausgeträumt? Lebensziele treiben uns an, darum brauchen wir immer wieder neue (© Peter Smola / pixelio.de)

Ausgeträumt? Lebensziele treiben uns an, darum brauchen wir immer wieder neue (© Peter Smola / pixelio.de)

Immer wenn ich jemanden jammern höre, dass er seine Träume nicht verwirklichen kann, denke ich, ob er das wirklich will. Es gibt Träume, die will ich nicht verwirklichen. Sie zu erreichen würde mich träge machen, mir schließlich Lethargie einbringen. Ich hätte nichts mehr, wonach ich streben kann. Jedes Glück existiert nur, wenn wir wissen, was Unglück ist, was der Gegensatz dazu war. Wir können nur glücklich sein, wenn noch etwas vor uns liegt, was wir erreichen können. Ich möchte viel erreichen, immer, gerne, am liebsten sofort, aber was liegt danach? Ein bisschen Utopie in unseren Träumen tut uns gut, gerade weil sie dann so unerreichbar bleiben.

Wenn mein Sohn mir sagt, er will Feuerwehrmann oder Pilot werden, Astronaut oder sonst etwas, lasse ich ihn träumen. Wenn er davon redet, mich dann in den Urlaub zu fliegen, mich zu retten oder dieses oder jenes Mädchen zu heiraten (ja, mit 6 fängt er da früh an), hoffe ich, dass er sich diese Träume bewahrt, sie abwandelt, wenn er über sie hinauswächst, und immer etwas hat, wovon er träumen kann. Ich bin glücklicher mit meinen Träumen, als ich mit ihrer Erfüllung je wäre. Weil es jene gibt, die ich realisieren kann, die mich Erfolg und Zufriedenheit spüren lassen, und jene, die immer wieder vor mir stehen und aus der Ferne winken, egal wie nah ich an sie herangekommen sein mag. Das ist mein Motor, mein Antrieb und wahrscheinlich Teil meines größten Traums.

Vorschau: Nächste Woche gibt Sascha euch einen Countdown zur Wiesn.

„Vergissmeinnicht“

Worüber wollte ich gleich nochmal schreiben? Da war doch irgendwas … Ich habe mich an den PC gesetzt und wollte die Kolumne tippen, das weiß ich noch. Aber was war das Thema? Das gibt’s doch nicht, vor fünf Minuten wusste ich es noch ganz genau und jetzt ist alles weg!

Nach ein paar Minuten angestrengtem Grübeln bin ich doch noch darauf gekommen, worüber ich schreiben wollte. Alleine bin ich mit dieser Situation wohl kaum, wahrscheinlich geht es vielen anderen ähnlich. Immer, wenn man eine Erinnerung ganz dringend braucht, ist alles weg. Das Einzige, was da ist, ist dieses seltsame Gefühl, dass man doch eigentlich weiß, was man tun oder sagen wollte.

Kleiner Helfer: Eine Liste kann helfen, manches im Gedächtnis zu behalten. (©Marianne J./Pixelio.de)

Kleiner Helfer: Eine Liste kann helfen, Manches im Gedächtnis zu behalten. (©Marianne J./Pixelio.de)

Das fängt beim Einkaufen an. Zu Hause habe ich mir schön ordentlich überlegt, was ich brauchen werde: Eine Packung Nudeln, frische Tomaten, ein Pfund Mehl. Dann mache ich mich auf den Weg und kaum im Laden angekommen, ist es schon passiert: Was wollte ich doch gleich? Waren es Nudeln oder doch Kartoffeln?

Genauso ist es mit meinen Mails und anderen Nachrichten. Ich bekomme eine Mail und nehme mir fest vor, sie am Abend zu beantworten. Es wird Abend, es wird Nacht und die Mail bleibt unbeantwortet – schon wieder vergessen … Zum Glück gibt es eine Markierfunktion im E-Mail-Client, meine Verspätungen halten sich so noch in Grenzen.

Das Schlimme bei mir: Mein Langzeitgedächtnis arbeitet spitze. Ich erinnere mich an Details von Ereignissen vor zehn Jahren. So weiß ich noch ganz genau, dass ich in der Grundschule einmal am PC zusammen mit meinem besten Freund ein Bild gemalt habe. Banal, aber an so eine Kleinigkeit erinnere ich mich en détail. Was ich vor fünf Minuten gesagt habe, nun ja, da komme ich manchmal schon ins Schwitzen.

Weil ich mich auf mein kurz- und mittelfristiges Gedächtnis nur bedingt verlassen kann, schreibe ich mir Wichtiges auf. Wenn etwas wirklich dringend zu erledigen ist und ich sofort keine Zeit dafür habe, dann erstelle ich eine Art „To-Do-Liste“. Vor allem, wenn es wieder einmal 15 Aufgaben auf einmal sind, hilft mir die Liste, nichts zu vergessen, auch wenn so ein Zettel manchmal penetrant sein kann. Meinen Fuhrpark an Fahrrädern putzen, dann noch etwas im Internet recherchieren, GPS-Route für die Wochenendtour fertigstellen, aufräumen. So vergesse ich nichts oder zumindest nur wenig.

Es ist einfach nur nervig, wenn ich mich an bestimmte Sachen nicht erinnere und wenn ich mich wirklich zusammenreiße und anstrenge, dann funktioniert mein Hirn ganz gut. Alte Menschen, die an einem zunehmend schlechteren Gedächtnis leiden, vielleicht sogar dement sind – sie sind wirklich nicht zu beneiden, schon gar nicht zu belächeln. Chronische Vergesslichkeit macht den Alltag unglaublich schwierig. Das Letzte, das die Betroffenen gebrauchen können, sind Sprüche à la „Na, halt man deinen Grips zusammen, das kann doch nicht so schwer sein!“

Für das Problem mit der harmlosen, alltäglichen Gedächtnislücke noch zwei Tipps vom Psychologen Philip G. Zimbardo. Einmal die sogenannte Enkodierspezifität. Das ist nichts anderes, als der Effekt, dass man sich an Dinge im Kontext erinnert. Wenn ich in der Prüfung sitze und partout nicht auf die Lösung komme, kann es helfen, wenn ich mir vorstelle, wie ich am Schreibtisch vor meinem Buch sitze und den Stoff lerne. Das Gehirn nutzt diesen Hinweisreiz und findet die Information leichter.

Großer Speicher: Sich viel merken zu können, ist nicht nur Genies vorbehalten.

Großer Speicher: Sich viel merken zu können, ist nicht nur Genies vorbehalten. (©Anne Bermüller/Pixelio.de)

Eine andere Möglichkeit, vor allem wenn es darum geht, viele Fakten zu behalten: Der serielle Positionseffekt. Klingt auch wieder kompliziert, ist allerdings einfach. Nehmen wir eine Vokabelliste und lernen sie auswendig. Unser Gehirn wird sich am leichtesten an die Wörter vom Anfang und vom Ende der Liste merken. Probleme gibt es eher im Mittelfeld. Das heißt, wenn ich für meine nächste Prüfung lerne, dann nehme ich mir gezielt den Stoff aus der Mitte heraus und wiederhole diesen. Das, was ich am Anfang und am Ende des Kurses gelernt habe, ist am ehesten noch frisch im Gehirn.

Mag sein, dass es nicht bei jedem gleich gut funktioniert, aber einen Versuch ist es allemal wert. Vielleicht sollte ich die Techniken auch für die Themen der Kolumne verwenden. Dann muss ich nicht mehr so lange nachdenken, worüber ich schreiben wollte.

Vorschau: Wer schreibt und das Geschriebene nicht für sich behalten will, muss auf Verlagssuche gehen. Welche Probleme dabei entstehen können, klärt Eva in der nächsten Kolumne.