So hält das Urlaubsfeeling länger

Wer kennt das nicht? Tiefenentspannt und hochmotiviert kommt man aus dem Urlaub zurück und schon beim ersten Weckerklingeln oder spätestens nach dem ersten langen Uni- oder Arbeitstag ist es mit der Erholung vorbei. Das einzige, was noch im Entferntesten an die tropische Trauminsel erinnert, ist die trübe Fischsuppe in der Kantine. Wir verraten euch, wie ihr mit einfachen Tricks das Urlaubsfeeling konservieren könnt.

In Gedanken am Strand: Mit den Face2Face-Tipps & Tricks klappt das ganz bestimmt (Foto: T. Gartner)

In Gedanken am Strand: Mit den Face2Face-Tipps & Tricks klappt das ganz bestimmt (Foto: T. Gartner)

Der Duft von Urlaub

Frische Blumen, salzige Seeluft, Eukalyptus-Massageöl – Düfte, die wir mit unserem Urlaub verbinden, können uns wieder in diesen zurückversetzen. Benutzt anstelle eurer Bodylotion zum Beispiel eine Apres Sun-Creme. Und schon beim ersten Schnuppern werden Erinnerungen an einen sonnigen Tag am Strand, die erfrischende Dusche danach und das wohlige Gefühl beim Eincremen wach. Vielleicht habt ihr ja auch Haarpflegeprodukte, die ihr nur im Urlaub benutzt, zum Beispiel ein Shampoo mit UV-Schutz. Wird euch alles zu viel, einfach mal schnell den Kopf schütteln und den Urlaubsduft inhalieren. Wer seine Wohnung in ein duftes Strandbungalow verwandeln will, kann sich im Urlaub mit Frangipani-Seife und Kokosnuss-Kerzen eindecken. Augen schließen, tief durchatmen und genießen!

Do It Yourself: Erinnerungsstücke

Kennt ihr das? Der Kopf schwirrt nur so vor lauter Gedanken. Wie gingen nochmal die Formeln, die ich für die Prüfung brauche? Kann ich die Deadline für meinen Artikel einhalten? Hab´ ich das Glätteisen ausgeschaltet, als ich vorhin zum Bus rennen musste, weil ich beim Fertigmachen getrödelt habe? Da ist es wichtig zwischendrin auch mal für eine Stunde abzuschalten und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Nach ein paar Tagen im Urlaub klappt das doch immer wie am Schnürchen und das könnt ihr euch jetzt zunutze machen. Setzt euch beispielsweise hin und füllt ein Fotoalbum mit all euren liebsten Urlaubserinnerungen. Es müssen ja nicht nur Fotos sein – auch das Flugticket, gepresste Blumen (am besten mit durchsichtiger, Klebefolie komplett abdecken, sonst bröselt das Ganze) oder eine Landkarte, auf der die schönsten Orte markiert sind, machen sich gut. Die kreative Beschäftigung lenkt euch vom hektischen Alltag ab und bringt nicht nur im Moment des Bastelns Freude, sondern auch noch Jahre später, wenn ihr euer Werk bestaunt. Ein Erinnerungsstück, das ihr mit ein wenig Fingerfertigkeit selber machen und jeden Tag bei euch tragen könnt, ist Schmuck. Alles, was ihr hierzu benötigt, zum Beispiel Kettenverschlüsse, Perlen und Muscheln (Korallen, Muschel- und Schneckenschalen fallen unter das Artenschutzgesetz – bis auf ein paar wenige Ausnahmen dürft ihr sie nicht ohne artenschutzrechtliches Dokument in Deutschland einführen) bekommt ihr im Bastelladen. Und dann kann´s auch schon losgehen! Ein Blick auf die schimmernden Perlen und die zarten Farbtöne der Muscheln um euren Hals und ihr seid wieder am Palmen-gesäumten Sandstrand.

Take me back!

Sobald ihr euch fragt, ob das wirklich ihr wart, die noch vor ein paar Tagen – die Füße im warmen Sand – das Nichtstun am Strand genossen habt, ist es Zeit für einen intensiven Rückblick. Ladet eure Freunde doch zum gemeinsamen Essen und Bilder-gucken ein! Natürlich sollte etwas Typisches aus eurem Urlaubsland auf den Tisch kommen – ob vom Lieferservice oder selbstgekocht bleibt natürlich euch überlassen. Tolle Fotos und amüsanten Anekdoten runden den Abend ab. So habt nicht nur ihr etwas davon, sondern könnt auch eure Freunde für ein paar Stunden in euer Urlaubsland entführen.

Was übrigens auch hilfreich sein kann, um die Motivation anzukurbeln: Einfach schon mal den nächsten Urlaub planen! Inspiration für spannende Reiseziele findet ihr in unserer Reise-Rubrik.

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch hier ein Rezept für japanischen Grilllachs.

Auf der Suche nach (m)einer Heimat

Es ist ein interessantes Phänomen: Sobald ich in einer Mitfahrgelegenheit sitze, tausche ich mich mit den Leuten voller Enthusiasmus über Reiseerfahrungen aus. Natürlich kommen auch andere Themen zu Sprache. Alles in allem vergeht die Fahrt so meist wie im Fluge. So hatte ich angenommen, dass auch meine Fahrt von Köln nach Mainz mit drei jungen, aufgeweckten, Frauen, zu dieser Sorte von bereichernden Erlebnissen gehören würde.

Auf der Suche nach der Heimat: Kolumnistin Anna-Sophie richtet den Blick in die Ferne (Foto: Maetzke-Hodzic)

Auf der Suche nach der Heimat: Kolumnistin Anna-Sophie richtet den Blick in die Ferne (Foto: Maetzke-Hodzic)

Bevor sich solch schöne Gespräche überhaupt ergeben, fällt zumeist aber die für mich eher unangenehme Frage, woher man denn eigentlich komme. Eine ganz harmlose, einfach zu beantwortende Frage. Könnte man meinen. Oft ist sie aber ein richtiger „Gesprächs-Killer“. Ich reagiere auf diese Frage allergisch und muss meist ein hysterisches Lachen unterdrücken. Jedes Mal aufs Neue treibt mir diese Frage die Schweißperlen auf die Stirn. Meine über die Zeit einstudierte Antwort, die durchaus noch Verbesserungspotenzial hat, lautet in etwa so: „Also, bevor ich nach Mainz kam, habe ich ein Jahr in Bosnien gelebt. Davor habe ich in München gelebt.“ Darauf entgegnet mein Gegenüber: „Achso. Schön. Dann bist du also eine richtige Münchnerin?“ Mein Gegenüber hatte sich naiver Weise schon am Ziel seiner Frage gewähnt. Weit gefehlt! „Nein, nein. Ich habe dort nur 3 Jahre gelebt.“ Ich hole einmal tief Luft, um mit meiner ganz persönlichen Version der unendlichen Geschichte fortzufahren. „Davor lebte ich ein Jahr in Singapur. Davor fünf Jahre in Karlsruhe. Meine Kindheit habe ich in Kassel verbracht. Geboren bin ich in allerdings in Neubrandenburg, in Mecklenburg-Vorpommern.“ Ein erleichtertes Verschnaufen meinerseits ertönt, als hätte ich glücklich vor Erschöpfung endlich die Zielgerade eines Halbmarathons erreicht.

Manchmal wünschte ich mir, ich könnte einfach nur einen Ortsnamen nennen und damit hätte sich die Sache. Das scheinen auch meine Zuhörer von mir zu erwarten. Meine Sitznachbarin wirkt latent gereizt und wirft mir einen vorwurfsvollen Blick zu. „Spielverderberin“, lese ich aus ihrem Blick. Ich wende meinen darauf schnell gen Fenster. Wie noch nie zuvor, wünsche ich mir, dass diese Fahrt wirklich wie im Fluge vergeht.

"Willkommen": Ein kleiner "Trödelladen" lädt zum Eintreten ein (Foto: Maetzke-Hodzic)

„Willkommen“: Ein kleiner „Trödelladen“ lädt zum Eintreten ein (Foto: Maetzke-Hodzic)

Aber was bezweckt man eigentlich mit dieser Frage? Geht diese Frage davon aus, dass es eben normal ist, von einem bestimmten Ort „herzukommen“. Ich bin ganz sicher nicht die einzige Person, die behaupten kann, von einem solchen Ort nicht sprechen zu können. Bin ich dann aber in den Augen der Anderen, die sich mit einer ach-so-wunderbaren Heimat rühmen können, heimatlos? Ich für meinen Teil, fühle mich zumindest ab und an so. Mein Verlangen nach diesem für mich fantastischen Ort steigt des Öfteren ins Unermessliche. Wo zu Hölle befindet sich diese ominöse Heimat von der alle Welt spricht? Braucht jeder Mensch eine? Macht es einen unglücklich keine Heimat zu haben? Das suggeriert diese Frage zumindest für mich. So bin ich nun schon eine Weile auf der Suche nach einer Heimat. Lauere ihr aufmerksam hinter jeder Ecke auf. Bin immer darauf vorbereitet meinem heimlichen Schwarm, der Heimat, doch noch über den Weg zu laufen. Bis jetzt hatte ich kein Glück. Leider wurden auch noch keine Zeitungsannoncen für Heimatsuchende erfunden — „Biete kuschelige Heimat inklusive Heimatgefühl.“

So sehr ich mich nach einer Heimat sehne, so sehr neige ich auch dazu Orten nach einer gewissen Zeit den Rücken zuzukehren. Irgendwann macht sich in mir wieder diese Unruhe bemerkbar, der ich nachgebe, sogar nachgeben muss und die nichts anderes sagen will als: Es ist Zeit. Auf zu neuen Horizonten. Ob das in irgendeinem Zusammenhang dazu steht, dass ich meinen ersten Umzug schon im jungen Alter von 3 Monaten vollzog (und zwar von der damaligen DDR in den Westen), kann ich nur vermuten. (selbstverständlich war damals meine Mutter die Initiatorin der Reise) Geblieben ist offensichtlich, dass ich mich gerne Hals über Kopf in Abenteuer stürze. Sich auf das „Fremde“ einzulassen, sich nicht immer in Sicherheit zu wiegen, das lässt einen als Person wachsen. Und deswegen genieße ich es auch, mir die Freiheit zu nehmen, selbst zu entscheiden, wo ich leben will. Aber woher jemand kommt? Das sucht derjenige sich für gewöhnlich ja nicht selbst aus. Manchmal fühle ich mich meiner Heimat beraubt! Tief in mir schlummert da die Sehnsucht nach einem Ort, den ich ganz fest in meine Arme schließen und zärtlich Heimat nennen will. Vielleicht wird es mich noch an einige Flecken der Erde verschlagen, bevor ich begreife was meine ganz persönliche Heimat ist, oder dass diese im schlimmsten Fall wohnmöglich gar nicht existiert.

Meine Sitznachbarin scheint auf einmal um 180 ° gewandelt und reißt mich jäh aus meinen Gedanken. Sie quasselt wie ein Wasserfall und erkundigt sich bei mir, was ein Besucher in Mainz Nettes machen und erkunden könne. Meine Mitfahrgelegenheit gleitet fast geräuschlos über die Theodor-Heuss-Brücke in Mainz. Die Stadt ist bereits in Dunkelheit gehüllt. Doch ich spüre in mir so etwas wie Freude aufsteigen. Fast automatisch verfasse ich im Kopf eine Liste der Dinge auf die ich mich, angekommen in Mainz, besonders freue: Ein Spaziergang an der Rheinpromenade, über den Wochenmarkt zu schlendern, ausgedehntes Kaffeetrinken mit Freunden in der Neustadt. Fast sieht es danach aus, als hätte es Mainz geschafft, sich heimlich still und leise einen Platz in meinem Herzen zu erkämpfen. Meine Sitznachbarin stellt sich letztendlich doch als liebenswürdige Person heraus. Ich verrate ihr sogar ein paar meiner Lieblingsorte, die sie sich dankend aufschreibt. Was es mit dem bösartigen Blick zu Beginn auf sich hatte, habe ich aber bis jetzt noch nicht herausgefunden.

Was meine Heimat anbelangt… Ich weiß, dass ich irgendwann noch zu dem Land aufbrechen muss, indem ich meine Heimat vermute. Bis dahin gebe ich mich aber sehr gerne mit Mainz als vorübergehender Heimat zufrieden.

Vorschau: Eva-Maria berichtet hier nächste Woche von Demenz und ihren Folgen für das Umfeld.

Bloß nicht drüber nachdenken – Studien zu Gedanken

Alleine im Wald. Ich schließe die Augen, atme tief ein und aus und entspanne mich. Nur die Vögel zwitschern. Jeder kann so seinen Gedanken freien Lauf lassen. Aber halt! Mit seinen eigenen Gedanken alleine sein? Was für die Einen ein Traum darstellt, soll einer Studie zufolge für die anderen Menschen eher ein Alptraum sein. Sie würden sich lieber elektrisch schocken lassen. Veröffentlicht wurde diese Studie im Juli 2014.

In der Universität von Virginia wurden im Verlauf von elf Experimenten 409 Studenten für 6 bis 15 Minuten alleine in einem Raum gelassen. Keine Smartphones, Bücher, Stift und Papier; keine Ablenkung war möglich, nur ruhig und wach auf einem Stuhl sitzend. Andere sollten dagegen über eine bestimmte Sache nachdenken, wie ihr Essensplan für diese Woche. Die Hälfte der Teilnehmer empfanden dies als unangenehm. Zuhause war diese Aufgabe sogar noch schwerer. Die Gedanken wanderten umher und sie konnten sich nicht konzentrieren, beklagten sich die Teilnehmer.

Die Zeit zum Denken war für diese Menschen eher bei einer externen Aufgabe, wie Musik hören oder ein Buch lesen. Diese Experimente bestätigten sich unabhängig von Alter und Beruf. In einem letzten Experiment wurde den Teilnehmern die Wahl gelassen, sich einen kleinen elektrischen Schlag zu verpassen, anstatt sich der Denk-Aufgabe erneut zu stellen und zwei Drittel der Teilnehmer entschieden sich für die Elektro-Behandlung.

Ist es in unserer Gesellschaft also so weit gekommen, dass die Leute von ihrem Smartphone so sehr abgelenkt werden? Muss der Geist unterhalten werden, statt sich selbst zu unterhalten? Die Moderne scheint den Stress ebenfalls in unserer Gedankenwelt zu erhöhen. Der Fokus ist immer auf der Außenwelt. Dies ist nicht gesund für uns. Meditation war schon lange ein Weg zum inneren Frieden. Dabei geht es ja sogar darum, mit seinen Gedanken alleine zu sein und sie schweifen zu lassen.

Und wo wir gerade bei Studien zu Gedanken sind: Schon im Februar 2013 wurde eine Studie veröffentlicht, bei der  Ratten durch ein sogenanntes Brain-to-Brain Interface (BTBI) miteinander in Realzeit Informationen ausgetauscht hatten. Diese Kommunikation zwischen Gehirnen durch eine Gehirn-Gehirn Schnittstelle wird bereits in Pilotexperimenten an Menschen durchgeführt. Hier kontrolliert ein Wissenschaftler das Gehirn seinen Kollegen und lässt ihn eine Bewegung durchführen, ohne, dass dieser es willentlich selbst tut. Wer weiß, vielleicht sind wir in der Zukunft nie wieder alleine mit unseren Gedanken.

Vorschau: In zwei Wochen endet die Reihe „Bio- Alles besser“ mit ihrem dritten Teil über Obst und Gemüse.

Allein, aber nicht einsam – von der heilsamen Wirkung des „me, myself and I“

Morgens wach werden, Kaffee aufsetzen, Kühlschrank öffnen, Joghurt herausfischen, Frühstücken – ein Tag, wie er ereignisloser nicht beginnen könnte. Das gilt ganz besonders dann, wenn Schlafzimmerbett und Esstisch nur knappe zwei Meter auseinanderliegen. Seit meinem kürzlichen Umzug in die erste, eigene Wohnung und dem damit einhergehenden Abschied vom WG-Leben befinde ich mich immer häufiger in meiner eigenen Gesellschaft. Und wie ich herausgefunden habe, ist die manchmal Gold wert gegenüber großen Tafelrunden und rauschenden Parties in Großraumdiskotheken.

Habe ich mich damit vom geselligen Herdentier zum Eremiten entwickelt? – mitnichten. Noch immer bin ich tagein, tagaus mehr oder weniger beschäftigt, ob bei der Arbeit oder bei aufregenden Aktivitäten nach Feierabend. Doch wenn ich einmal auf dem Heimweg bin, freue ich mich von Herzen auf die Ruhe nach dem Sturm. Die Tür aufschließen, den Geruch des eigenen Parfums oder des versehentlich liegengelassenen, offenen Müllbeutels die Nase kitzeln lassen und sich dann ganz den eigenen verschrobenen Ritualen widmen: Das kann stundenlanges Anlächeln des eigenen Spiegelbildes oder das Aufreihen des Bücherregalinhalts der Größe oder Farbe nach sein.

Bank

Auf die lange Bank geschoben: Das Zwiegespräch mit dem eigenen Ich (Foto: C.Gartner)

Das klingt alles reichlich danach, als wüsste ich mit mir selbst nichts anzufangen und würde mich daher in selbstgewählte Beschäftigungstherapie begeben. In Wahrheit jedoch empfinde ich solche unsinnigen Aktivitäten als höchst erholsam. Stumpfsinnig, aber irgendwie wahnsinnig entspannend für den Geist. Sind es doch Tätigkeiten, die meine volle Konzentration erfordern, wenn ich ihnen nachgehe, damit beim Duschen nicht etwa Seifenreste unter den Achseln zurückbleiben. Tatsache ist, dass ich es mir erlauben kann, in meinem persönlichen Exil ganz ich selbst zu sein, ohne von Mitbewohnern in flagranti beim Nutella-Löffeln im vollgekleckerten Pyjama erwischt zu werden. Das ist eine neugewonnene Freiheit, derer ich mir zuvor nicht bewusst gewesen bin, zumal sie noch vor einiger Zeit allein finanziell in weiter Ferne lag. Ganz zu schweigen von der Angst vor Konfrontation mit der vermeintlichen Einsamkeit.

Diese Angst ist heutzutage wahrscheinlich mit einer Volkskrankheit vergleichbar. Im Zeitalter von social networking und ständiger Erreichbarkeit scheinen wir den Fokus immer mehr nach außen und immer weniger in unser Inneres hinein zu richten. Öffentliche Präsenz oder mit anderen Worten das Bild, was wir anderen von uns vermitteln möchten, ist in großen Teilen steuerbar. Allein mittels Facebook können wir etwas darstellen, was wir nur allzu gern wären – besonders kreativ, humorvoll oder extravagant zum Beispiel. Uns selbst gegenüber funktioniert das nicht so leicht. Wir können uns nichts vormachen, sondern haben einzig die Wahl zwischen der Akzeptanz dessen, was wir sind oder seiner Verneinung.

Wozu letztere Variante konsekutiv führen würde, ist abzusehen. Wir behaften uns selbst mit Komplexen, weil wir neidisch auf diejenigen sind, denen wir nacheifern, die vermeintlich das haben, wonach wir uns sehnen. Wir wollen uns selbst entkommen, weil wir unzufrieden sind, aber andererseits nicht ausreichend bereit, an uns zu arbeiten und schrittweise das zu eliminieren, was wir für unsere Schwierigkeiten verantwortlich machen. Eben weil wir Angst vor der Konfrontation mit dem Ich haben, das unser größter Kritiker und unser liebster Mensch zugleich ist.

Fischschwarm

In medias res: Wir sind meistens in Gesellschaft – nur nicht immer auch in Bester (Foto: Perlowa)

Tief in uns drinnen nämlich haben wir uns selbst furchtbar gern und scheuen daher, mit diesem Ego ins Gericht zu gehen, es zu hinterfragen und darin herumzuwühlen. Lieber betäuben wir uns mit allem, was uns vor die Flinte läuft – leider gibt es auf dem Gebiet auch menschliche Sedativa, die nur dazu dienen, uns zu bespaßen, uns abzulenken und damit das zu kompensieren, was wir Einsamkeit schimpfen. „Einsamkeit“, das ist streng genommen Definitionssache. Wir sagen, alte Menschen wären einsam, wenn sie niemanden als sich selbst haben, weil ihren Partner und Freunde unter den Händen weggestorben sind und sie eigentlich nur die nächsten sind, die auf dem Sofa den Sensenmann erwarten. Wir halten uns selbst für einsam, wenn wir Single sind, sprich niemanden haben, der sein Leben mit uns teilt. Im Umkehrschluss teilen wir damit aber auch unser Leben mit niemandem, was bedeutet, dass wir uns selbst zur Abwechslung die ungeteilte Aufmerksamkeit schenken können. Wenn wir nur wollen. Wenn wir das Alleinsein als das nehmen, was es oftmals ist: Zeit, um sich zu sammeln, seine Ziele neu zu stecken, zur Ruhe zu kommen, sich auf das zu besinnen, was zählt. Fehler zu überdenken und aus ihnen zu lernen. Und wann könnte man das alles besser als singend unter der Dusche oder beim Sortieren seines Büchersammelsuriums?