Eine Karrierefrau packt aus

Kinderlos, egozentrisch, kaltblütig und karrieregeil – genau das ist Constance Hahn nicht. Und trotzdem bezeichnet sich die 26-jährige Unternehmerin und Mutter einer kleinen Tochter als Karrierefrau. Wie sie sich selbst sieht, wie andere sie wahrnehmen und welche Tipps sie für angehende Karrierefrauen parat hat, verrät sie uns im Interview.

Kalt und egozentrisch: Ist das die typische Karrierefrau? (Foto: Hahn)

Kaltblütig und egozentrisch: Ist das die typische Karrierefrau? (Foto: Hahn)

Face2Face: Du bist Gründerin und Chefin einer Wirtschaftsberatung – gibt es in deinem geschäftlichen Umfeld mehr Männer oder mehr Frauen?
Constance: Die Kollegen aus meiner Branche sind hauptsächlich Männer. Meine Klientel aus der Beratung ist gemischt. Allerdings beobachte ich bei den Existenzgründungsberatungen, dass immer mehr Frauen den Mut haben sich selbstständig zu machen.

Face2Face: Was zeichnet eine „Karrierefrau“ deiner Meinung nach aus und würdest du sagen, du bist eine?
Constance: Leider ist der Begriff „Karrierefrau“ mittlerweile sehr negativ behaftet. Eine Karrierefrau wie sie sich heute die meisten vorstellen, ist kinderlos, egozentrisch, kaltblütig und karrieregeil. Aber nur weil eine Frau beruflich erfolgreich sein will, heißt es nicht, dass sie diesen charakterlich negativen Einschlag hat. Für mich zeichnet sich eine nach beruflicher Weiterentwicklung strebende Frau durch Charakterstärke, Durchhaltevermögen und Konsequenz aus. Und ja, ich würde sagen, diese Eigenschaften bringe ich definitiv mit.

Face2Face: Wieso hast du ein eigenes Unternehmen gegründet? Wie kam es dazu?
Constance: Das besondere an der von mir gegründeten Wirtschaftsberatung ist, dass wir sowohl Privatpersonen und Unternehmen als auch Existenzgründer beraten. Und das in diversen Bereichen – von der klassischen Wirtschaftsberatung, über Familienberatung bis hin zu Karriereplanung. Diese Beratungsvielfalt plus die Tatsache, dass wir keine Finanzprodukte vertreiben, fehlte bisher auf dem deutschen Markt. Das habe ich nach meinem Auslandsaufenthalt gemerkt, als ich immer wieder auf solche Dienstleistungen angesprochen wurde. Mittlerweile kann ich mit Stolz sagen, dass wir über 200 Partnern weltweit betreuen.

Face2Face: Du bist auch Mutter einer kleinen Tochter – fällt es dir schwer, Job und Privatleben unter einen Hut zu bekommen?
Constance: Mutter einer anderthalbjährigen Tochter zu sein, ist natürlich aufregend und macht viel Freude, ab und zu kann es aber auch mal anstrengend werden. Erst letzte Woche ist mir beim Kochen mit Kind auf dem Arm das Handy in die heiße Pfanne gefallen, als ein Kunde anrief. Aber das sind eben solche Alltagssituationen, die eine Woche später beim Plausch mit Freunden für Lacher sorgen.
Ich versuche gleichermaßen für mein Unternehmen, meine Klienten und meine Tochter da zu sein. Am Wochenende zum Beispiel ist mein Handy aus und ich bin nur für Familie und meinen Sport da – alles nur eine Frage der Einstellung und des Zeitmanagements. Wenn es zeitlich dann doch mal kritisch wird, kann ich auf die Unterstützung meiner Nanny zählen. Sie kümmert sich wundervoll um meine Tochter und den Haushalt und ich kann ihr zu 100 % vertrauen.

Karrierefrau und Mutter: Constance Hahn (Foto: Hahn)

Karrierefrau und Mutter: Constance Hahn (Foto: Hahn)

Face2Face: Mit welchen Vorurteilen hast du als Unternehmenschefin und Mutter zu kämpfen? Wie reagierst du auf negative Kommentare?
Constance: Die ersten Worte, die ersten Schritte – als ich Mutter wurde, hat mir eine Bekannte vorgehalten, dass ich durch meinen Job die Entwicklung meiner Tochter verpassen würde. Aber nur weil man arbeitet, heißt es nicht, dass man eine schlechte Mutter ist. Arbeiten ist anspruchsvoll, Mutter sein ist anspruchsvoll – beides zusammen ist am anspruchsvollsten. Vor allem wenn man ein Unternehmen leitet und Mutter ist, muss man eben manchmal die Augen zu machen und weiterkämpfen. Auch ich hatte den ein oder anderen Rückschlag. Immer wieder gibt es Dinge, die nicht so funktionieren wie ich es gerne hätte.
Es wird immer Menschen geben, die Vorurteile haben. Wenn ich mir alle Vorurteile zu Herzen nehmen würde, könnte ich mich unter der Bettdecke verkriechen und einfach gar nichts mehr machen, aber selbst dann würden die Leute reden, also ist mein Tipp: immer locker bleiben.

Face2Face: Zurück zum Geschäft: Ihr bietet auch Karriereberatung an. An wen richtet sich dieses Angebot?
Constance: Mit der Karriereberatung wollen wir vor allem junge Menschen bis 30 Jahre ansprechen. Egal ob es um die Wahl des richtigen Studiums oder des Berufes geht oder auch um den Start in die Selbstständigkeit – wir möchten junge Menschen bei ihrem beruflichen Werdegang unterstützen. Menschen mit klaren beruflichen Zielen kommen schneller weiter und das schaffen sie am besten mit einem kompetenten Ansprechpartner an ihrer Seite. Wir arbeiten mit vielen großen Unternehmen zusammen, sodass wir schön häufiger ein Plätzchen für junge, engagierte und motivierte Menschen gefunden haben beziehungsweise sie dabei unterstützen konnten, sich mit Ihrem eigenen Unternehmen am Markt zu etablieren. Um junge Menschen zu erreichen, sind wir nicht nur auf Gründermessen in ganz Deutschland unterwegs, sondern auch Kooperationspartner der Gründerwoche Deutschland, die jedes Jahr bundesweit stattfindet.

Face2Face: Wie unterscheiden sich weibliche und männliche Beratungssuchende?
Constance: Männliche Klienten sind meist sehr rational. Hier steht der finanzielle Aspekt im Vordergrund sowie das schnelle Vorankommen auf der Karriereleiter. Weibliche Beratungssuchende sind dagegen sehr emotional in ihren Entscheidungen. Sie denken an viele Aspekte, zum Beispiel auch an die Work-Life-Balance. Außerdem denken sie eher sicherheitsorientiert, sind oft gut strukturiert und wollen ihre Wünsche zeitnah umsetzen.

Face2Face: Gibt es einen Rat, den du allen jungen Menschen, die sich mit der Planung ihrer Karriere auseinandersetzen, mit auf den Weg geben kannst?
Constance: Macht euch Gedanken, wie ihre euer Ziel erreichen wollt. Um Rückschläge besser zu verkraften, macht Plan A und B.
Wichtig ist, niemals seine Persönlichkeit zu vergessen. Wer nicht gerne delegiert, ist in einem Angestelltenverhältnis vielleicht genau richtig aufgehoben. Lasst euch von niemandem einreden wie ihr am besten sein sollt. Wichtig ist, dass IHR mit eurem beruflichen Alltag zufrieden seid, denn das ist das, was ihr jeden Tag macht.

Der Würde beraubt – weibliche Genitalverstümmelung

150 Millionen Frauen. Täglich kommen 8000 Mädchen hinzu. Das sind drei Millionen pro Jahr. So viele Frauen und Mädchen fallen weltweit genitaler Verstümmelung zum Opfer. Vor allem in der Nordhälfte Afrikas ist der Brauch weitverbreitet – von Senegal im Westen bis Somalia im Osten. Aber auch in südlicheren Ländern Afrikas kommt es zu Verstümmelungen, ebenso wie im Nahen Osten: Jemen, Irak, Oman, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Bahrein, Jordanien, Palästina. In Asien sind Indien, Indonesien, Malaysia und Sri Lanka betroffen. Genaue Zahlen können jedoch kaum ermittelt werden, da es nur in wenigen Ländern eine systematische Datenerfassung gibt.

Durchführung und Zeitpunkt der Beschneidung variieren in verschiedenen Regionen und Ethnien. Manche Mädchen werden bereits im Säuglingsalter beschnitten, andere zu Beginn der Pubertät. Die meisten sind zwischen vier und zwölf Jahre alt. Durchgeführt wird die Verstümmelung von speziell ausgebildeten Beschneiderinnen oder Hebammen, in wohlhabenderen Schichten auch in Krankenhäusern von Ärzten.

Auch das Ausmaß der Beschneidung ist verschieden: Die einfachste Form ist die Entfernung der Klitorisvorhaut, beziehungsweise der gesamten Klitoris. Bei einer zweiten Form werden Klitoris und Schamlippen abgeschnitten. Die wohl extremste Art der Beschneidung ist aber das Entfernen sämtlicher äußerer Genitalien und das anschließende Vernähen der Scheidenöffnung. Diese Verschließung kann mit Nadel und Faden, aber auch mit Dornen erfolgen. Danach werden den Mädchen die Beine verbunden, damit die Wunde innerhalb von vier Wochen zuwächst.

Es gibt jedoch noch drastischere Formen der Verstümmelung, wie die Menschenrechtsorganisation TARGET auf ihrer Website beschreibt: „Hierzu zählen unter anderem: Das Einritzen, Durchbohren oder Dehnen der Klitoris und/oder der Schamlippen; Ausbrennen der Klitoris und des umliegenden Gewebes; das Abschaben von Gewebe um die Scheidenöffnung herum oder Einschnitte in die Vagina (Scheide); das Einbringen von ätzenden Substanzen oder Kräutern in die Scheide, entweder um Blutungen herbeizuführen oder um die Scheide zu verengen.“

Etwa ein Drittel der Mädchen verblutet bereits während der schmerzhaften Prozedur. Den anderen bleibt ein Leben voller physischer und psychischer Schmerzen. Zum Urinieren bleibt nur eine stecknadelkopfgroße Öffnung – die Periode kann bis zu 14 Tage dauern, da das Blut nur in Tropfen abfließen kann. Auch der Geschlechtsverkehr und vor allem Geburten verursachen unsägliche Schmerzen.

Zwar wird die weibliche Beschneidung oft mit dem Islam in Verbindung gebracht und hauptsächlich in islamisch geprägten Ländern praktiziert – ihren Ursprung hat die Tradition darin aber nicht. Erste Erwähnungen genitaler Beschneidung gibt es bereits 163 vor Christus, also weit vor der Entstehung des Islams oder Christentums. Auch im Koran wird weder weibliche noch männliche Beschneidung erwähnt. Lediglich einige Hadithe – also ergänzende Überlieferungen des Propheten Mohammed – weisen auf Beschneidungen hin.

Verschiedene Lehrrichtungen des Islams  interpretieren die Überlieferungen unterschiedlich: Die einen sehen die Verstümmelung als Pflicht, andere als empfehlenswert an. Es mehren sich aber auch die Stimmen derer, die die Beschneidung als Sünde betrachten, da der Koran sowohl körperliche Unversehrtheit fordert, als auch das Recht der Frau auf sexuelle Befriedigung innerhalb der Ehe anerkennt.

Tatsächlich stammt der Brauch wohl aus dem ägyptischen Raum und fand von dort aus Verbreitung auf dem afrikanischen Kontinent. Die Tradition ist also nicht allein religiös, sondern auch kulturell bedingt. In vielen Regionen wird die Beschneidung als Initiationsritus durchgeführt, um ein Mädchen als Frau in die Gemeinschaft einzuführen. Die Verstümmelung wird jedoch zunehmend in jungen Jahren bis hin zum Säuglingsalter durchgeführt. Denn mit zunehmender Bildung und höherem Alter der Mädchen ist auch mit mehr Widerstand gegen die Prozedur zu rechnen.

Setzt sich seit Jahren gegen die Genitalverstümmelung ein: Rüdiger Nehberg (Foto: Rüdiger Nehberg)

In vielen Kulturen gilt die Beschneidung als unbedingte Voraussetzung für eine Eheschließung. Da Frauen wirtschaftlich abhängig von den Männern sind, sehen es viele Familien als Pflicht an, ihre Töchter beschneiden zu lassen. Die Maßnahme gilt zudem als Schutz der Frauen vor sexuellen Übergriffen, als Beweis ihrer Treue und Jungfräulichkeit vor der Ehe. Auch medizinische Mythen sind immer noch  weit verbreitet: Die Klitoris könnte den Ehemann beim Geschlechtsverkehr und das Kind bei der Geburt verletzen oder gar töten. Außerdem würden die Genitalien immer weiter wuchern, wenn sie nicht beschnitten würden.

Vor allem seit den 1990er Jahren gibt es vermehrt Abschaffungsbestrebungen der Praxis durch UNICEF, die Weltgesundheitsorganisation und zahlreiche gemeinnützige Organisationen. 2006 wurde auf einer Konferenz Islam-Gelehrter ein Rechtsgutachten erstellt, dass die Beschneidung für unrechtmäßig und nicht vereinbar mit dem Islam erklärt. Durch vermehrte Aufklärung, Bildung und eine bessere wirtschaftliche und soziale Stellung der Frauen könnte vielen dieses grausame Schicksal erspart bleiben.