Smarte Frauen sparen

Mit dem Sparen sollte jeder so früh wie möglich anfangen, findet Margarethe Honisch, Gründerin des Blogs Fortunalista. Das gilt ihrer Meinung nach gerade für Frauen, weil sich mit dem Thema oft eher weniger auseinandersetzen. Wir haben mit ihr über Sparen, den richtigen Zeitpunkt für den Beginn und Bitcoins geredet.

Margarethe Honisch kennt sich mit dem Thema Finanzen aus (Foto: Honisch)

Face2Face: Margarethe, an wen richtet sich Dein Blog Fortunalista?

Margarethe: Mein Blog richtet sich an Frauen, die eigentlich keine Lust haben, sich mit dem Thema Finanzen zu auseinanderzusetzen und bisher eher einen Bogen darum gemacht haben. So war ich nämlich früher auch und habe mein ganzes Geld immer gleich ausgegeben anstatt zu sparen. Deswegen möchte ich Tipps geben, wie man sich dem Thema annähert und anfangen kann, seine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen.

Face2Face: Wie bist Du zu dem Thema gekommen?

Margarethe: Ich habe irgendwann meine Finanzen durchgerechnet und bin aus allen Wolken gefallen, wie viel Geld ich im Monat ausgebe, ohne genau sagen zu können, wofür. Da habe ich angefangen, mich zu informieren, habe Bücher gelesen, Geld gespart und angelegt. Danach habe ich dann den Blog gegründet, um meine Erfahrungen weiter zu geben.

Face2Face: Warum denkst Du ist es gerade für Frauen wichtig, sich mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen?

Margarethe: Ich habe in meinem Freundeskreis gesehen, dass es tendenziell eher die Männer sind, die sich mit dem Thema Finanzen beschäftigen und ihr Geld anlegen. Ich habe neulich erst wieder mit Freundinnen über das Thema Bitcoins geredet und die meinten nur so „Ach, darüber wissen wir doch nichts und wir geben unser Geld eher viel lieber aus“. Das fand ich gar nicht lustig. Denn wenn man das ganze Geld ausgibt, hat man eine Versorgungslücke im Alter. Ich glaube, es ist vielen gar nicht bewusst, dass man sich hier nicht nur auf den Staat verlassen kann, sondern auch selbst aktiv werden muss. Zudem ist es oft so, dass Frauen, die Kinder bekommen, beruflich kürzer treten und dann auch weniger Rente bekommen. Ich finde, sie sollten sich dann finanziell nicht auf ihre Partner verlassen müssen, sondern auf eigenen Beinen stehen.

Face2Face: Das Thema Bitcoins ist derzeit in aller Munde. Was reizt dich daran und was würdest Du unseren Lesern diesbezüglich empfehlen?

So früh wie möglich anfangen: Das rät Margarethe Honisch zum Thema Finanzen (Foto: )

Margarethe: Bitcoins sind gerade ein Riesenhype geworden. Ich selbst beschäftige mich seit dem vergangenen Sommer damit. Was mich an diesem Thema reizt, ist die Idee, ohne Institutionen Geld zu transferieren und so eine größere Unabhängigkeit von diesen zu haben. Denn man verfügt nicht wirklich über sein Geld, wenn es in der Bank liegt, wie die Finanzkrise gezeigt hat. Meiner Meinung nach ist es bei diesem Thema sehr wichtig sich einzulesen, denn es gibt viele verschiedene Coins mit unterschiedlichen Zukunftsaussichten. Man muss die Idee hinter dem Coin verstehen und dann überlegen, ob man diese gut findet und sein Geld investieren will. Zudem sollte man immer nur so viel investieren, wie man auch schmerzlos verlieren kann – auf keinen Fall sein ganzes Vermögen.

Face2Face: Was würdest Du sagen, wann ist der beste Zeitpunkt, um sich mit den Themen Finanzen und Sparen auseinanderzusetzen?

Margarethe: So früh wie möglich! Ich habe erst mit 30 angefangen, mich damit zu beschäftigen und wenn ich es nochmal machen könnte, würde ich schon mit meinem ersten Gehalt anfangen, ein Tagesgeldkonto anlegen und monatlich 50 Euro sparen. Zudem empfehle ich ein Aktiendepot mit ETF Sparplan. Ich vergleiche das immer mit einer Haribotüte: Jede Tüte (ETF-Sparplan) hat einen bestimmten Anteil an Gummibärchen (Aktien) und einen Preis (Kurs). Manchmal fällt die eine Aktie und die andere steigt. Durch diese Streuung ist das Risiko eines Verlustes relativ gering. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich nicht so viel darum kümmern muss, weshalb es besonders für Einsteiger geeignet ist. Ansonsten gilt: Einfach machen!

Mit Dating-Apps zum Erfolg?

Mit Dating-Apps kann man ungezwungen Leute kennenlernen – da sind sich die beiden Studenten Katja (26) und Tobias (27) einig. Katja hat bereits Erfahrungen mit den Apps „Tinder“, „Once“ und „OkCupid“ gesammelt und durch letztere ihren derzeitigen Freund gefunden. Auch Tobias hat schon einige Dating-Apps ausprobiert; seiner großen Liebe ist er dadurch jedoch noch nicht begegnet.

Erstmals genutzt hat Katja eine Dating-App während eines Aufenthaltes in Rumänien, weil sie dort niemanden kannte und Kontakte gesucht hat. Tobias hingegen hat sich auf Empfehlung von Freunden, die auf diese Weise ihren Partner getroffen haben, bei verschiedenen Dating-Apps angemeldet. Als jahrelanger Single dachte er, dass dies seine Chance erhöhen würde, interessante Frauen kennenzulernen. Doch wie hilfreich sind Dating-Apps wirklich und wie unterschiedlich sind die Erfahrungen mit den digitalen Kupplern?

Katja: Viele haben ja Vorurteile, was Dating-Apps angeht, aber ich finde, dass es damit nicht „besser oder schlechter“ ist als jemanden in der „realen“ Welt kennenzulernen.

Dating mal anders: Romantisches Date per Smartphone? (Foto: S. Holitzner)

Tobias: Ich fand „Lovoo“ ziemlich niveaulos. Alles andere war okay. Natürlich gab es auch da sehr seltsame Sachen: Fake-Accounts, Werbung, pornographische Inhalte und schlüpfrige Angebote. Aber dem ist man als Frau bestimmt noch mehr ausgesetzt.

Katja: Wahrscheinlich. Das liegt aber bestimmt auch daran, dass es zum Beispiel bei „Tinder“ deutlich mehr Männer als Frauen gibt. Selbst ohne aktiv etwas zu tun, wurde ich von Männern angeschrieben.

Tobias: Bei „Tinder“ sind sicher mehr die Typen aktiv, die sich im realen Leben nicht trauen, Frauen anzusprechen und dann einen auf dicke Hose machen. Also gibt es da doch viele notgeile Typen, die nur ne schnelle Nummer schieben wollen und dementsprechend direkt oder versaut schreiben, oder?

Katja: Ich hatte eher das Gefühl, dass es zwei große „Gruppen“ gab: Die, die auf schnellen Sex aus waren, und ganz viele ganz Schüchterne. Also klar gab es auch Männer „dazwischen“, aber viele, die eben in eine dieser Gruppen passen. Ich denke aber, dass die Typen, die nur auf eine schnelle Nummer aus sind, Frauen auch in Bars auf diese Weise anflirten würden. Aber gab es keine Frau bei dir, die „schnell zur Sache“ kommen wollte?

Tobias: Ja, bei mir gab es auch Frauen, die schnell zur Sache kommen wollten. Eine schrieb mir, dass sie mit mir Sex will. Als ich dann meinte, dass ich nicht auf One-Night-Stands aus wäre, schrieb sie, dass man es ja auch zweimal treiben könne. Das war schon wieder so krass, dass es fast amüsant war.

Katja: Oha. Ich glaube, so direkt war da niemand bei mir. Es war dann doch noch ein bisschen mehr „durch die Blume“.

Tobias: Mein Eindruck ist, dass es nur wenige gibt, die eine Beziehung suchen und dies auch so formulieren.

Katja: Das finde ich aber auch schwierig, das von Anfang an so zu formulieren. Es ist immer noch „nur“ ein Weg, um Leute kennenzulernen, und nicht mehr. Mich hat es immer sehr unter Druck gesetzt, wenn ich nach kurzem Chatten die „Ansage“ bekommen habe, dass der andere eine Beziehung sucht.

Tobias: Stimmt, so Ansagen wie „Beziehung gesucht“ sind manchmal nicht einfach und setzen unter Druck. Aber man weiß dann, woran man ist und kann entsprechend damit umgehen. Und erzwingen kann man sowieso nichts.

Katja: Aber wenn du jemanden in einer Bar oder sonstwo kennenlernst, dann stellt sich die Frage nach einer Beziehung auch nicht nach drei Sätzen, oder? Ich glaube etwas „Ungewissheit“ gehört auch einfach dazu und da sind Dating-Apps für mich auch nicht anders als das reale Leben. Ich hatte einmal ein Date mit jemandem, der ziemlich „offen“ und wahrscheinlich auch ein bisschen verzweifelt eine Beziehung gesucht hat. Während des Dates habe ich richtig gemerkt, wie er manche Themen „abgeklopft“ hat, um zu schauen, ob es passt. War super unangenehm.

Tobias: Ich sage meinen Dating-App-Dates schon, dass ich nicht zum Spaß hier bin. Also ich bin nicht auf One-Night-Stands, Abenteuer, Affären oder so aus. Wenn wir uns sympathisch sind, können wir uns mal treffen. Und dann muss man sowieso mal sehen, ob es in eine freundschaftliche Richtung geht oder ob vielleicht mehr daraus wird. Es ist gar nicht so einfach, den guten Mittelweg zwischen „Ausfragen“ und lockerem Gespräch zu finden, weil einfach die Situation schon erzwungen ist.

Katja: Ja, das stimmt. Ich war aber auch jemand, der sich immer relativ schnell treffen wollte, weil ich nicht so hohe Erwartungen haben wollte.

Tobias: Ich kann vielfach von Frauen berichten, die irgendwann nicht mehr zurückschreiben oder kurz vor einem ersten Treffen grundlos absagen und nicht mehr reagieren. Finde das immer ein wenig charakterlos, weil man ja schreiben kann, dass man „kalte Füße“ bekommen hat, jemand anderes kennengelernt hat oder kein Interesse mehr besteht.

Katja: Das geht gar nicht! Ist mir aber auch mit Männern passiert.

Tobias: Ich glaube, manche suchen die Bestätigung und ihnen reicht, wenn man sich mit ihnen treffen will. Oder sie treffen lieber jemand anderes, weil sie parallel mit anderen schreiben. Für mich ist das erste Treffen auch immer ein Kennenlernen bzw. Beschnuppern, weil man sich eben noch nicht persönlich kennt. Erst danach, wenn man sich nochmal trifft, würde ich von einem Date reden.

Katja: Okay. Ich habe da nie wirklich einen Unterschied gemacht. Ich fand meinen Freund nach dem ersten Treffen noch nicht so cool. Ich habe ihn über „OkCupid“ kennengelernt. Er hat mich angeschrieben und er war mit Bild drin. Ich war bei dieser ganzen Online-Dating-Sache ziemlich unverkrampft und hatte einfach Lust, mich mit ihm zu treffen. Das war jetzt aber kein erstes Date, wo es gleich mega gefunkt hatte. Es war nett, aber mehr halt auch nicht. Und ich war zu dem Zeitpunkt auch eigentlich gar nicht so interessiert, aber er hat da nicht locker gelassen. Ich habe es die ersten Treffen nicht so ernst genommen und dann ist mir langsam gedämmert, dass ich ihn schon mag und daraus ist mehr geworden.

Tobias: Das hat sich ja dann gelohnt, dass er drangeblieben ist. Mit wie vielen Männern hast du dich vorher getroffen?

Katja: Mehr als zehn. Und du?

Tobias: Ich habe mich mit weniger als zehn Frauen getroffen. Vermutlich neige ich dazu, manchmal zu lange mit Frauen zu schreiben. Und dann entstehen beidseitig schon irgendwelche Erwartungen bzw. Hoffnungen. Wenn dann bei einem Treffen nicht so der Funke überspringt vom optischen Eindruck her oder weil man nicht so die Gesprächsthemen findet, ist die Enttäuschung irgendwo beidseitig schon vorhanden.

Katja: Ich glaube, dass es hilft, einfach nicht so krampfhaft nach irgendwas zu suchen. Habe ich auch eine Zeit gemacht und es ist ziemlich danebengegangen.

Tobias: Es gab sicher Phasen, in denen ich zu krampfhaft gesucht habe. Die Tatsache, dass ich nicht so die Erfahrungen mit Frauen habe, macht es auch nicht besser. Wenn man mit jemandem schreibt, weiß man halt auch gar nicht, wer am anderen Ende sitzt. Die Emotionen fehlen und das persönliche Kennenlernen ist das A und O. Auch die Optik spielt definitiv eine Rolle und lässt sich nur zum Teil durch Fotos beurteilen, was ja auch oberflächlich ist. Mir gefällt der Spruch: „Die Optik ist die Eintrittskarte und der Charakter die Dauerkarte.“ Aus dem Grund habe ich für mich nun auch gemerkt, dass diese Apps für mich nicht geeignet sind und mich mittlerweile überall abgemeldet. Allerdings hatte es für mich auch nicht nur Schlechtes. Ich habe darüber eine richtig gute Freundin kennengelernt. Da war aber schon beim Schreiben vor dem ersten Treffen klar, dass es rein freundschaftlich ist.

Ob Liebe oder Freundschaft – sowohl Katja als auch Tobias haben über verschiedene Dating-Apps jemanden kennengelernt. Jetzt wollen wir von euch wissen: Welche Erfahrungen habt ihr mit Dating-Apps gemacht?

„Selbstbewusst den eigenen Weg gehen“ – Interview mit Angela Kesselring, Gründerin von PLAN W

Frauen verändern die Wirtschaft! Das ist das Credo von PLAN W, dem Wirtschaftsmagazin für Frauen, dass Viermal jährlich mit der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung erscheint. Wie der Name bereits verrät, richtet sich die Zeitschrift an Frauen, die selbstbewusst ihren eigenen Weg gehen. Gestern erschien die neuste Ausgabe von Plan W, zum Thema Mobilität. Anlass für uns mit Angela Kesselring, Gründerin von PLAN W, rund um die Themen Karrierefrauen, Wirtschaft und PLAN W zu sprechen.

Face2Face: Frau Kesselring, wie kamen Sie auf die Idee ein Magazin zum Thema Frauen in der Wirtschaft zu gründen?

Kesselring: Mir ist aufgefallen, dass es kein Magazin auf dem deutschen Markt

Unsere Interviewpartnerin: Angela Kesselring, Gründerin von PLAN W (Foto: Kesselring)

gab, dass aus der Perspektive von Frauen über Wirtschaftsthemen berichtet. Dabei ist Wirtschaft doch ein wichtiges Thema, um wirklich was zu verändern. Schließlich geht es im Endeffekt oft ums Geld und die Wirtschaft ist dabei ein wichtiger Hebel. Zudem ist die Zielgruppe für ein Frauen-Wirtschaftsmagazin definitiv gegeben: Die Abonnentinnen der SZ interessieren sich fast vier Mal mehr für Wirtschaftsthemen als der Durchschnittsleser. Ihre Perspektive wollten wir erfassen.

 Face2Face: PLAN W hatte gestern ein Jubiläum und ist zum zehnten Mal erschienen. Wie wurde das Magazin bisher angenommen, welches Feedback gibt es?

Kesselring: Das Feedback ist bisher sehr positiv: Viele Leserinnen finden das Konzept innovativ und erfrischend. Wir haben eine starke Leserbindung – in Familien etwa wird das Magazin oft weitergegeben, vom Vater (!) zur Tochter – und beide ziehen einen Erkenntnisgewinn aus der Lektüre. Das freut uns natürlich sehr. Wir haben schon oft gehört, dass die Artikel in unserem Magazin den Leserinnen Mut machen, dass es Geschichten sind, die man sonst so nicht liest.

Face2Face: Sie selbst sind eine Karrierefrau: Neben PLAN W sind Sie in der Geschäftsführung der SZ Scala, dem ThinkTank der Süddeutschen Zeitung, tätig. Wie ist Ihre Meinung zum Thema Karriere. Werden Frauen benachteiligt?

Kesselring: Ich bin der Meinung, dass es derzeit noch einen Mangel an Selbstverständlichkeit bei diesem Thema gibt. Doch dahin müssen wir kommen. Es muss ganz normal sein, dass Frauen beruflich genauso durchstarten wie Männer. Das müssen wir aktiv angehen und die Rahmenbedingungen selbst ändern.

Face2Face: Welche Herausforderungen gibt es derzeit und was sollte geändert werden?

Kesselring: Es herrschen noch zu viele tradierte Verhaltensweisen in den Köpfen der Menschen vor. Das betrifft Frauen und Männer zugleich. Diese Bilder müssen geändert werden. Dieses Ziel sollten wir jedoch nicht verbissen verfolgen, sondern mit Spaß bei der Sache bleiben. Wir müssen zeigen, was beim Thema Karriere für Frauen möglich ist und wie viel bereits funktioniert. Auch das sollte uns immer bewusst sein.

Face2Face: Welche Geschichte in PLAN W hat Sie besonders beeindruckt?

Kesselring: Mich beeindruckt vor allem die Fülle an Themen, die vielen Perspektiven und Sichtweisen. Ich könnte da jetzt gar keine einzelne Geschichte hervorheben. Aber die große Vielfalt hat mich wirklich positiv überrascht und auch in dem Wissen bestätigt, dass wir gar nicht so am Anfang stehen, wie wir immer denken.  Was mich wirklich beeindruckt, ist die Offenheit unserer oft machtvollen Gesprächspartnerinnen wie Ursula von der Leyen oder Christine Lagarde. Aber auch der Mut und die Begeisterung der neuen Generation von Gründerinnen, die einfach beschließen „ich tue jetzt, was in meiner Macht steht“ und damit die Wirtschaft verändern.

Face2Face: Was würden Sie unseren jungen Leserinnen empfehlen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen?

Kesselring: Ich empfehle Ihnen in dem Bereich, der sie interessiert, nach Vorbildern zu schauen. Und wenn sie welche gefunden haben, sollen sie versuchen Kontakt zu ihnen aufzubauen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. So lernen sie auch Sichtweisen oder Seiten kennen, die sie vorher nicht gesehen haben und zu zeigen, was man will und kann. Es ist ein Tauschgeschäft, dass beiden Gesprächsparteien Mehrwert bieten sollte. Dazu eignen sich zum Beispiel Events.

Lust zum Stöbern? Weitere Informationen zu PLAN W – Frauen verändern die Wirtschaft findet Ihr auf der Homepage des Magazins, auf LinkedIn, Twitter oder Facebook.

Ohne Karriere? Ohne uns!

Ich weiß noch, wie mein Großvater vor mir stand, der Blick mehr sorgenvoll, als abwertend, der Mund ein bisschen spöttisch. „Das geht doch nicht, dass eine Frau Kinder hat und arbeitet. Du musst dich entscheiden!“ Ich war keine 16 und von meiner Entscheidung, ob ich Kinder haben möchte oder arbeiten oder beides oder gar nichts, meilenweit entfernt. Als ich mit 20 auf seinem Sofa saß und ihm offenbarte, dass ich schwanger war – mitten im Studium, aus einer Arbeiterfamilie stammend – ignorierte mein Opa die Frage seiner Frau, ob der Vater des Ungeborenen denn mein Ehemann würde (Spoiler: mittlerweile ist er es , aber es hat noch ein paar Jahre gedauert) und fragte stattdessen „Und was wird aus deinem Studium?“ Denn auch wenn mein Opa wusste, dass die Welt für mich einfacher gewesen wäre, wenn ich nur eines gewollt hätte, oder zumindest nicht alles auf einmal, wollte er unter allen Umständen, dass ich seine Worte von damals Lügen strafte.

Der Sinn des Lebens

Kind, Karriere, Küchenfee: Vor allem auf Frauen wächst der Druck, alles auf einmal zu sein (Foto: geralt / pixabay.de)

Mein Großvater ärgerte sich gern über die Welt und ihre Kleinigkeiten, aber er wollte, dass sie eine bessere wurde. Ich war sein einziges Enkelkind, das studiert hat – meinen Abschluss hat er nicht mehr erlebt. Er hat dabei nie von Karriere gesprochen, immer nur von arbeiten. Heute könnten wir uns gemeinsam aufregen. Kind und Karriere, die zwei Ks, die durch die Küche zur perfekten Trias werden. Und weil Karriere einen besseren Ruf als Küche hat, ist der Weg der Frau dorthin nicht leichter, aber angesehener, während die Küche für den Mann oft ein sagenumwobener Raum voll Nahrungsmittel in ihren Rohzuständen, dem brummenden Zauberkasten, der Geschirr saubermacht, und der Quelle kühler Getränke wird. Ja, ich übertreibe. Ja, ich meine es wirklich so. Karriere, das ist das neue Nirwana, der Weg der Erlösung, die vollkommene Erfüllung unseres Lebenssinns.

Karrieredämon

Der Dämon mit der Aktentasche: Karriere ist das neue Nirwana (Foto: StockSnap / pixabay.de)

So ein gequirlter Schwachsinn. Seien wir mal ehrlich: Ein großer Teil aller Arbeitnehmer steht morgens auf, reibt sich die geschwollenen Augenlider, trinkt einen Muntermacher und schleppt sich zu einer Arbeit, die ihn nicht erfüllt. Ob Karriere oder nicht. Manager leiden genauso oft am gefürchteten „Burn-out“ wie Lehrer, Berühmtheiten, Köche, Ärzte, Supermarktangestellte. Warum? Weil wir den Hals nicht voll bekommen können! Karriere machen heißt nicht, an eine Spitze gelangen, sondern immer weiter nach oben zu streben. Nicht nur eine gute Stellung haben, sondern auch gute Arbeit leisten. Mittelmäßigkeit scheint der Tod jedes Lebenssinns zu sein. Ich sehe da nur zwei Probleme: Menschen arbeiten unterschiedlich, haben unterschiedliche Stärken und darum auch unterschiedliche Mittelmäßigkeiten. Und niemand kann ständig 100 Prozent geben, nicht nur, weil er dann bald nur noch 0 Prozent Leistung hat, sondern auch, weil sonst seine Auslastung zur Norm wird. Zur Mitte, die es zu übertrumpfen gilt. Karriere, dieses toll klingende Wort, dem alle gerecht werden sollen, ist ein Dämon mit Aktenkoffer.

Die grauen Herren

Immer alles gebe? Wer immer auf 100% fährt, kommt schnell ans Ende seiner Kräfte (Foto: geralt / pixabay.de)

Mich dünkt, Michael Ende hat für Momo nicht umsonst die grauen Herren mit Zigarre und Aktenkoffer versehen. Auch wenn heute die Zigarre gegen einen Weizengrassmoothie ausgetauscht werden kann, bleibt die Botschaft bestehen. Wer immer mehr will, hat am Ende nichts mehr. Darum sehe ich auch den Begriff „Quality Time“ sehr zwiegespalten. Es ist toll und absolut wichtig, sich bewusst Zeit für sich selbst und die Familie, egal in welcher Form, zu nehmen. Das füttert unseren Akku, bringt uns zum Lachen, zum Lieben, zum Leben. Ein Schaumbad, ein Spaziergang, ein Tag im Garten und es geht uns besser. Da kommt der leise Zweifel in mir hoch, warum dann dieser Karrieretrieb, der uns so auslaugt, so viel wichtiger sein soll. Ja, es gibt Menschen, die das Glück haben, zu lieben, was sie tun. Ich liebe es zu schreiben, also gehöre ich definitiv dazu. Wenn ich damit jetzt noch meinen Lebensunterhalt bezahlen kann, ist meine Welt perfekt. Und wie teuer mein Lebensunterhalt ist, hängt von mir ab. Minimalismus ist längst Teil unseres Lebens geworden. Wir besinnen uns auf eine Umgebung, die mehr von uns hat, anstatt einfach nur „Mehr“. Warum darf das für unsere Arbeit nicht auch gelten? Egal, ob an der Kasse, auf dem Bau, beim Haareschneiden, an der Tafel oder im Büro. Weniger – und ja, das meine ich ernst – ist auch da mehr.

Die Sache mit dem Sexismus

Jüngst durfte ich mir sagen lassen, ich sei sexistisch. Ich war milde überrascht, denn der Grund war, dass ich mich über Sexismus aufgeregt habe. Auslöser war ein Foto einen Rechtsanwalts, über das mittlerweile genug gesagt und an dem alles kritisierbare kritisiert wurde. Darum soll es gar nicht gehen. Die Verteidigung aber, mich als das anzugreifen, was ich anprangere, ist weder selten noch untypisch. Es erinnert leise an die Kindergarten-Streitereien, die mit „Selber“, endeten, weil einfach die Argumente fehlen. Und sie soll vor allem eines: Verletzen.

Was ist Sexismus?

Frauensache? Auch Männer sind von Sexismus betroffen (Foto: NeuPaddy / pixabay.de)

Sexismus bezeichnet schlicht Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Zu sagen, Frauen müssten weniger verdienen, weil sie schwächer und dümmer wären, wie es jüngst ein polnischer Abgeordneter gemacht hat, ist Sexismus. Und zu behaupten, Frauen müssten Kinder bekommen, weil das ihre biologische Aufgabe wäre, ist Sexismus. Zu erklären, Männer könnten mit Kinder nicht umgehen oder seien zu keinen echten Emotionen fähig, genauso. Sexismus ist also nicht auf die Frau beschränkt. Aber Frauen erleben häufiger Sexismus – und eine andere Art. Während Männer in sexistischen Äußerungen gerne zu Helden und Kriegern gemacht werden – wenn es nicht gerade um eine Erkältung geht – werden Frauen klein gemacht, untergeordnet, zu Menschen zweiter Klasse. Aber beide Geschlechter leiden darunter. Das macht Sexismus zum Äquivalent des Rassismus auf Geschlechterebene. In der Realität kommen beide oft zusammen vor, aber natürlich nicht immer.

Aber wir haben doch Gleichberechtigung?
Freiwillige Posen oder Male Gaze? Wenn Sexismus anerzogen wird (Foto: JerzyGorecki / pixabay.de)

Freiwillige Posen oder Male Gaze? Wenn Sexismus anerzogen wird (Foto: JerzyGorecki / pixabay.de)

Nein. Haben wir nicht. Wir arbeiten daran, noch immer. Und es hat sich eine Menge getan. Frauen dürfen selbst entscheiden, ob und wo sie arbeiten wollen – früher lag diese Entscheidung beim Ehemann oder dem Vater. Frauen dürfen wählen, Auto fahren, Hosen tragen, gewählt werden, … Klingt toll oder? Die frühen Feministinnen der 1920er Jahre würden einen Salto machen. Die Frau darf auch nicht mehr in der Ehe vergewaltigt werden. Und hey, der Mann darf Elternzeit beantragen. Doch das ist noch keine Gleichberechtigung. Und Vorsicht: Gleichberechtigung bedeutet nicht, etwaige mögliche Unterschiede nicht anzuerkennen, sondern lediglich, dass gleiche Rechte bestehen. Keine Gleichsetzung also. Dass Unterschiede individuell sind, und nicht mit dem Chromosomenhaushalt zu tun haben, ist dabei meine Meinung. Dass die schlechtere Bezahlung von Frauen, die Tatsache, dass es für Mütter viel schwerer ist, in den Beruf zurück zu kehren und Mädchen in MINT-Fächern und Studiengängen noch immer die Unterzahl sind – das ist keine Gleichberechtigung. Auch dass Frauen auf Bildern zu Deko-Objekten werden und weibliche Rundungen noch immer nach der Sex-Sells-Methode laufen, ist keine Gleichberechtigung. Das ist traurig und entwürdigend.

Ich bin sexistisch
Ist das so oder muss das so sein? Sexismus beeinflusst unser Leben täglich (Grafik: OpenClipartVectors / pixabay.de)

Ist das so oder muss das so sein? Sexismus beeinflusst unser Leben täglich (Grafik: OpenClipartVectors / pixabay.de)

Der Vorwurf, ich wäre sexistisch, sollte ein Totschlagargument sein. Weil ich in dem Bild Merkmale erkannt habe, die sexistisch sind, muss ich ja sexistisches Gedankengut haben. Aber etwas zu erkennen und zu kritisieren ist etwas anderes, als damit einverstanden zu sein. Ich erkenne auch Rassismus. Macht mich das zu einem Rassisten? Jemanden vorzuwerfen, er wäre intolerant, weil er Toleranz nicht tolerieren kann – ja, das ist ein Problem. Und es ist ein Problem, dass wir alle mit sexistischen Motiven und Bildern überhäuft werden. Geschlechterklischees beginnen im Kindergarten. Hier lernen die Kinder bereits kennen, was Mädchen machen und was Jungs tun – wenn sie es von ihren Eltern und den Medien noch nicht beigebracht bekommen haben. Jungs dürfen keinen Nagellack tragen und raufen halt. Lange Haare bei Mädchen sind ja sooo schön und das Kleid erst. Hach. Ich nehme mich da nicht aus. Natürlich wurde ich nicht frei von Geschlechterzwängen erzogen. Das ist als Mitglied dieser Gesellschaft nahezu unmöglich. Aber gerade deswegen verstehe ich den Code. Und weil ich weiß, wo sich Sexismus versteckt, kann ich ihn selbst versuchen zu vermeiden und kritisieren, wenn ich ihn erkenne. Denn – und das ist schlicht meine Überzeugung – Sexismus ist einfach falsch.

Österreich erteilt dem Rechtspopulismus eine Absage

KOMMENTAR: Nach dem Brexit-Votum und der Trump-Wahl hatten viele einen weiteren Erfolg für den Populismus prognostiziert. Am Sonntag,  4. Dezember wurde durch eine basisdemokratische Direktwahl aller Bürger der Bundespräsident Österreichs bestimmt. Alexander Van der Bellen (Grünen-nahe) wird als neues Staatsoberhaupt vereinigt werden. Prognosen sahen dagegen den Rechtspopulisten Norbert Hofer (FPÖ) als Favoriten. Doch schon vor der Auszählung der Briefwahlstimmen war die Entscheidung der Österreicher abzusehen: Mit 51,68 % gewinnt Van der Bellen den Wahlkrimi.

Der erste Wahlgang Anfang des Jahres

Bereits im April 2016 wurde eine Wahl abgehalten, in der fünf Männer und eine Frau kandidierten. Qualifizieren konnten sich allerdings nur Norbert Hofer mit 35% und Alexander Van der Bellen mit 21% der gültigen Stimmen. Die Stichwahl am 22. Mai  entschied Van der Bellen mit 50,3% gegenüber Hofer mit 49,7% für sich – hier war jedoch aufgrund des knappen Ergebnisses die Briefwahl entscheidend. Die Wahlbeteiligung bei diesem Wahlgang betrug 72,7%. Die Angst war groß, dass Hofer bei einer erneuten Wahl das Ergebnis drehen könnte. Auf einschlägigen Internetseiten wurde gar das 3:0 für die globale Neurechte-Bewegung prophezeit. Doch Heinz-Christian Strache, Hofers Zustellungsbevollmächtigter, reichte eine Wahlanfechtung beim Verfassungsgerichtshof ein, der aufgrund kleinerer Mängel stattgegeben wurde. Somit wurde einen Neuwahl fällig, auch wenn tatsächlich keinerlei Manipulation nachweisbar war.

Der zweite Wahlgang

Die Wahlwiederholung verzögerte sich aufgrund fehlerhafter Briefwahlunterlagen und diesen Aufschub nutzte Van der Bellen für sich aus: Er schafft es im zweiten Anlauf mehr für sich zu mobilisieren als Hofer. Die Wahlbeteiligung stieg insgesamt auf 73,8% laut orf.at. Es scheint ein neues Demokratiebewusstsein erwacht zu sein, denn der Wählerkreis der Rechtspopulisten ist weithin bekannt. In diesem Falle aber, so zumindest schreibt die ZEIT, haben „Frauen die Wahl in Österreich entschieden“. Insbesondere die unter 60-jährigen stimmen in der Mehrheit für den 72-jährigen Wirtschaftsprofessor und damit für eine liberalere, weltoffene Politik.

Was bedeutet dieses Ergebnis?

Was sind die Lehren aus dieser Wahl? Zunächst ist die Symbolkraft enorm, ein regelrechtes Aufatmen gegenüber dem prognostizierten Durchmarsch der Neurechten. Die Befugnisse des Bundespräsidenten sind außerdem in Österreich sehr weitreichend, die Einflussnahme des Grünen-nahen Wirtschaftsprofessors kann sich also durchaus positiv auswirken. Dabei wird aber das innenpolitisch lange schwelende Problem letztlich nur überdeckt, denn obwohl Van der Bellen die Bundesregierung und den Nationalrat ernennen und entlassen kann, so erhält die nationalistisch orientierte FPÖ nach wie vor eine deutliche Mehrheit aus der Bevölkerung. International, so verlautet der Österreichische Kurier fast selbstironisch, sei Van der Bellen allen egal. Was bleibt, ist die Tatsache, dass die Prognosen erneut falsch lagen, das Expertentum immer mehr in Frage gestellt wird und dass ob der Undurchsichtigkeit der sozialen Medien ein – wenn auch nicht gerade ganz neuer – Unsicherheitsfaktor hinzukommt.

Was wurde aus #regrettingmotherhood?

Im letzten Frühjahr entfachte eine kleine Studie aus Israel einen Flächenbrand in den Medien und überflutete die sozialen Medien mit dem Stichwort #regrettingmotherhood. Nun ist das Buch zur Studie von Orna Donath im Knaus Verlag erschienen und gibt nicht nur einen tieferen Einblick in die Studie und die tatsächlichen Aussagen der befragen Frauen, sondern liefert auch einen wichtigen Meilenstein in der Debatte um Mutterschaft.

Frauen werden Mütter

Regretting Motherhood von Orna Donath (© Knaus Verlag)

Regretting Motherhood von Orna Donath (© Knaus Verlag)

Was sich banal und selbstverständlich anhört, belastet viele Mädchen früh: Frauen werden Mütter. Dieser Satz beinhaltet doch bereit die große Übereinstimmung darin, dass die Frau ihre biologische Möglichkeit, ein Kind zu gebären, auch in die Tat umzusetzen hat. Schnell gesagte Sätze wie „Ich möchte keine Kinder“, werden schnell zu „Ich möchte noch keine Kinder“, nicht nur, weil der biologische Druck mit dem Alter wächst, sondern gerade weil die Gesellschaft diese Erwartung immer wieder steigert. Die Debatte um Vereinbarkeit von Karriere und Beruf, die vom Grundsatz her Entlastung sucht, verschärft die Forderung bereits an junge Frauen, Mutter zu werden. Erst letztes Wochenende kam ich mit einer in die Jahre gekommene Frauenrechtlerin ins Gespräch, die glaubte, heute sei es ein Leichtes, Kinder und Beruf zu vereinen. Dass sie selbst dabei nur von der Mutter sprach, den Vater ausklammerte und damit die Notwendigkeit von beiden Eltern, Kindererziehung zu übernehmen, verkannte, merkte sie dabei nicht. Frauen werden dazu angehalten, nicht mehr nur einhundert Prozent Mutter zu sein, sondern auch einhundert Prozent im Beruf zu geben.

Mutter macht es falsch

Die nicht repräsentative Studie, die Orna Donath in Israel durchgeführt hat befasst sich nun mit solchen Frauen, die sich dem Druck der Gesellschaft gefügt und hinterher nicht das versprochene Glück gefunden haben. Diese Frauen bereuen die Mutterschaft, selbst wenn sie ihre Kinder lieben. Für die meisten bedeutete das Muttersein dabei den eigenen Beruf aufzugeben, zusätzlich zur permanenten Verantwortung für ein anderes Lebewesen. Ein Punkt, der, so glaubte eben auch die ältere Frauenrechtlerin, heute in unserem Land nicht mehr ins Gewicht fällt. Aber ist das so? Wir Mütter werden zwar angehalten, zu arbeiten, scheinbar unterstützt mit Kindertagesstätten und Ganztagesschulen, aber das System ist weder fehlerfrei, noch ideal. Schulen wie Kindergärten klagen über Geldmangel. Wir sollen unsere Kinder der Aufsicht von überlastetem Personal geben, das schlicht oft keine Zeit hat, sich angemessen um die Kinder zu kümmern. Ganztagesschulen bieten nachmittags teilweise nicht mehr an, als eine Betreuung. Die Kinder kommen am Abend nach Hause und brüten dann noch über ihren Büchern. Und wir Mütter machen es falsch, egal wie. Bei meiner Tochter wurde mir der KiTa-Platz ab eins vorgeworfen. So jemand solle doch keine Kinder bekommen, wenn er sie sofort abschiebt. Dass ich nun bei meinem Sohn keinen Platz ergattern konnte, wird mir auch zum Verhängnis. Nun werde ich als unflexibel eingestuft, die Karriere leidet.

Der fremde Blick

Frauen werden Mütter. Das gibt uns unser Umwelt vor (© Salih Ucar / pixelio.de)

Frauen werden Mütter. Das gibt uns unser Umwelt vor (© Salih Ucar / pixelio.de)

Diese Worte, dieser fremde Blick ist es, der uns bedrängt. Ich habe weder meine Tochter vernachlässigt, noch bin ich unflexibel. Ich habe ein breites Netzwerk, das mir zur Seite steht. Ich bin nicht alleine Eltern und mache alleine keine Familie aus. Dennoch bringt meine Umwelt mir das Verständnis entgegen, dass nur ich mich um meine Kinder kümmern könnte. „Und deine Kinder halten es bei ihrem Vater so lange aus?“ „Und wo sind deine Kinder jetzt?“ „Und wer passt auf die Kinder auf`?“ Ich könnte ein tägliches Bingo mit solchen Sätzen veranstalten, die einer Mutter, taucht sie kinderlos auf, um die Ohren gehauen werden und würde immer gewinnen. Wir alle – da nehme ich mich nicht heraus – müssen lernen, aufzuhören, die Frau als Mutter zu sehen und lernen, die Mutter als Frau zu sehen. Als Mensch mit Facetten.

Vorschau: In zwei Wochen geht es hier bei mir um TTIP und die Frage, was das eigentlich ist.

Portugal im Februar, Teil 1: Süßer Portwein, der Duft gegrillten Fisches und das Venedig Portugals

Drei gute Freundinnen und ein gemeinsamer Portugal-Urlaub – das klang sofort nach einer verlockenden Idee. Unser kleiner Portugal-Trip sollte in Porto beginnen und uns am Ende unserer Reise nach Lissabon führen.  Auf Grund der Nebensaison blieben wir fast gänzlich vom Touristentrubel verschont und konnten in drei Tagen gemächlich das malerisch an der Douro-Mündung gelegene Porto erkunden.

Eine Kulisse die zum Träumen einlädt - Porto bei Abenddämmerung (Foto: Mätzke-Hodzic)

Eine atemberaubende Kulisse – Die hiostorische Hafenstadt Porto bei Abenddämmerung (Foto: Mätzke-Hodzic)

Das Stadtbild von Porto ist geprägt von steilen Straßenhängen, in denen sich unzählige pittoreske Wohnhäuser, viele von ihnen leerstehend, aus dem frühen 20. Jahrhundert wiederfinden. Die Fassaden sind vielfach mit mühevoll handgefertigten Keramikfliesen in den unterschiedlichsten Ausführungen verziert. Diese befinden sich auch an Kirchen und anderen Monumenten. Die sogenannten „Azuljeos“ blicken in Portugal auf eine lange Tradition zurück und gelangten ursprünglich durch die Eroberung der Mauren nach Portugal.

Ein letzter Schluck Porwein - dazu ein fantastischer Ausblick auf Porto und den Fluss Douro (Foto: Mätzke-Hodzic)

Ein letzter Schluck Portwein – das Anwesen des traditionsreichen Portweinbetriebs Taylor’s lässt einen ganz schön staunen (Foto: Mätzke-Hodzic)

Auf der anderen Flussseite hat sich eine Vielzahl von Portweinkellereien niedergelassen. Die großformatigen Plakate nennenswerter Portweinhäuser, wie etwa Taylors, Sandeman und Graham, bleiben einem nicht verborgen. Portwein entstand durch den Handel zwischen Großbritannien und Portugal. Die Engländer sollen dem Traubenmost Brandy beigefügt haben, da die Qualität des Weines zu wünschen übrig ließ. Durch diesen wurde der Gärungsprozess gestoppt und der Alkohol in Zucker umgewandelt – Ergebnis war der süßliche Portwein, deren Trauben zumeist aus dem Douro-Tal stammen, durch welchen Porto weltweite Bekanntheit erlangte. Bei Taylors bezahlen wir 5 Euro für eine Weinverkostung inklusive Führung – eine definitiv lohnenswerte Investition. Das beeindruckende Gut befindet sich hoch über der Stadt, hat einen eher nach englischem Stil angelegten Garten und von der Terrasse aus offenbart sich einem die Stadt in ihrer ganzen Pracht. Bei der Führung werden wir in einem düsteren Keller, in dem Dutzende Weinfässer aus Eichholz lagern, von einer Dame, die in einen schwarzen Umhang gehüllt ist und zur wohl beabsichtigten, mystischen Stimmung beiträgt, in die Geheimnisse der Portweinherstellung eingeweiht. Ein einmaliges Erlebnis!

Da kommen Sommergefühle auf: Blauer Himmel und der Atlantik (Foto: Mätzke-Hodzic)

Ein Abstecher zum Fischerdorf Afurada: Dort erwartet uns ein blauer Himmel und die Weite des Atlantiks (Foto: Mätzke-Hodzic)

Wer ein paar Tage in Porto verweilt, sollte einen Tagesauflug in das nahegelegene Fischerdorf Afurada in Erwägung ziehen. Es hat den Ruf, einige leckere Fischrestaurants zu beherbergen. Zudem soll es den Charme eines verschlafenen Dorfes versprühen. Ein kleines Boot, das von einer eher unscheinbaren Stelle ablegt, schippert einen für 3 Euro auf die andere Seite. Dort steigt einem sofort der unwiderstehliche Geruch von gegrilltem Fisch in die Nase.

Waschtag - in Afurada hängen unzählige Wäscheleinen mit frischgewaschener Wäsche (Foto: Mätzke-Hodzic)

Waschtag – in Afurada hängen rundherum um eine gemeinschaftliche Waschstelle unzählige Wäscheleinen mit frisch gewaschener Wäsche (Foto: Mätzke-Hodzic)

Dem können wird jedoch (zu Beginn) noch Stand halten, da wir uns einen Eindruck von dem kleinen Dorf verschaffen wollen, in dem tatsächlich, die Zeit etwas langsamer zu ticken scheint. Von weitem sichten wir den Atlantik und lassen uns nach einem kleinen Fußmarsch oberhalb einer Meeresbrandung nieder, von der aus wir fasziniert den brausenden Atlantik und das Spiel der Wellen beobachten. Auf dem Rückweg gibt es dann den wohlverdienten frischen Fisch vom Grill in einem mehrheitlich von Einheimischen besuchten Restaurant. Außerdem werden weitere Speisen, die nicht bestellt wurden, an den Tisch gebracht –  in Portugal ganz gewöhnlich. Es kann freundlich abgelehnt werden. Wer sich aber an die nicht bestellten Speisen hermacht, muss auch bezahlen.

Als nächste Station steuern wir Aveiro, auch das Venedig Portugals genannt, an. Dafür begeben wir uns auf die einstündige Zugfahrt ausgehend von Portos märchenhaften Bahnhof, dessen hohe Eingangshalle mit blauleuchtenden Azulejos verziert ist. Die Landschaft auf dem Weg Richtung Aveiro ist eher karg und die kleinen Örtchen, die wir passieren, scheinen ihre blühenden Jahre hinter sich gelassen zu haben. Zu blühen scheinen dafür, die während der Fahrt immer wieder auftauchenden und hellleuchtenden Orangen- und Zitrusbäume.

Aveiro - auf Grund seiner Kanäle auch Venedig Portugals genannt (Foto: Mätzke-Hodzic)

Aveiro – auf Grund seiner Kanäle und den gondelähnlichen Booten auch Venedig Portugals genannt (Foto: Mätzke-Hodzic)

Aveiro präsentiert sich als kleines, gemütliches Städtchen, durch welches sich Kanäle hindurchschlängeln, auf denen bunt bemalte Flosse unter den Brücken hindurchgleiten. In der Altstadt schmiegen sich farbenfrohe Häuserzeilen eng aneinander. Wir lassen uns im Hostel Rossio nieder, in dem wir in einem 8-Bett-Zimmer, ansonsten alleine, untergebracht sind. (14 Euro pro Person und Nacht) Das Hostel  befindet sich in einem historischen Gebäude, mit knarrenden Holztreppen und ist geräumig und liebevoll eingerichtet.

In Aveiro stürzen wir uns das erste Mal ins Nachtleben. Das „Mercado Negro“, zu Deutsch Schwarzmarkt, stellt eine Art alternatives Kulturzentrum dar, dessen Räumlichkeiten sich gleich über ein ganzes Stockwerk erstrecken. In einem Zimmer mit Theke bestellen wir unsere Getränke und machen es uns sogleich in einem anderen Raum mit schummrigen Licht auf Seconhand Möbeln gemütlich. Nach ein paar Drinks ziehen wir beseelt von diesem Ort weiter und gelangen an einen Platz nahe des Fischmarkts (Mercado do Peixe) im alten Stadtkern, an welchem sich für uns völlig unerwartet, unzählige Grüppchen von Studenten lauthals lachend und unterhaltend, tummeln. Hier wird statt Döner als Mitternachtssnack, „Tripas“ geschlemmt – eine Crepe-ähnliche Spezialität mit verschiedenen Füllungen. Auch wir kommen nicht drum herum, die verlockende Süßspeise zu kosten. Langsam ist für uns nun aber Schlafenszeit –  es gilt unsere Kräfte zu schonen. Denn es warten noch Nazare, Sintra und als krönender Abschluss Lissabon auf uns.

Vorschau: Am 17. März nimmt die Reise-Redaktion Euch mit auf einen Abstecher nach Rom. Seid gespannt!

Für schmucke Spielerfrauen – Fußball trifft Mode

Frauen und Fußball – da wird vielleicht mancher Mann sagen: „Das passt doch nicht zusammen!“ Frau kann daraufhin ab sofort entgegnen: „Weit gefehlt!“ Mit den Schmuckstücken vom Wiesbadener Online-Shop 12te Frau bringen nun die Frauen die Fußballwelt zum Glänzen.

Die Fußballweltmeisterschaft ist nun seit fast einem Monat vorbei und die Bundesliga steckt in den Startlöchern, um in die neue Saison zu starten. Genau der richtige Zeitpunkt um sich Gedanken darüber zu machen, wie man das Thema Fußball ins Alltagsoutfit integrieren kann. Blumenkette in Deutschlandfarbe ist da schon etwas zu auffällig für den Job. Abhilfe für unser modisches Problem schafft nun Christina Germann, die Gründerin von 12te Frau.

Sportlich: Das Logo des Online-Shops zeigt wie es geht (Grafik: 12te Frau.de)

Sportlich: Das Logo des Online-Shops zeigt wie es geht (Grafik: 12te FRAU.de , C. Germann)

„12te Frau ist ein Online-Shop für weibliche Fußballfans mit Style, so beschreibe ich das immer ganz gerne“, erzählt Germann. Die Erklärung zum er Namen des zum Online-Shops ist simple. Während der 12te Mann natürlich immer der männliche Fan ist, ist die 12te Frau das weibliche Gegenstück. „Der Gedanke hinter 12te Frau ist, dass es viele weibliche Fans gibt, rund elf Millionen, die nicht nur während der WM ihr Team anfeuern, sondern auch ins Stadion gehen. Und Frau möchte dann natürlich nicht nur das Männertrikot ein bisschen kleiner tragen“, erklärt Germann die Idee ihres seit Mai existierenden Shops.

Kreativ: Christina Germann, die Gründerin von 12te Frau (Foto: C. Germann)

Kreativ: Christina Germann, die Gründerin von 12te Frau (Foto: Jens Fischesser, 12te FRAU)

Neben Ohrringen, Armbänder und T-Shirts werden in insgesamt acht Kategorien allerlei modische Fan-Ausstattungen bereitgehalten. „Ausgerichtet sind wir tatsächlich auf den weiblichen Fan, aber auch für ihre Liebsten ist was dabei. Für den Nachwuchsspieler, also für Kinder und Babys. Für den Sturmpartner, den Mann an ihrer Seite. Deko für Zuhause gibt es in der Kategorie Heimspiel. Die passende Deko für Unterwegs gibt es in der Kategorie Auswärtsspiel wie zum Beispiel mit einer Grillschürze.“

Im Rahmen der Fashion Week Berlin brachte Germann auch die Stars in 12te Frau-Stimmung. „Unter den 11 Millionen weiblichen Fans sind auch viele Stars, die sich zum Fußball bekennen. Na klar, zur Fußball- WM sind alle Fan. Aber auch erstaunlicherweise sehr, sehr viele neben der WM, die sagen: „Ich stehe zu meinem Verein, gehe ins Stadion“. Deswegen war es sehr leicht im Rahmen der Fashion Week auch Stars zu erreichen, die sagen: „Ich finde das toll, ich mag die Produkte und trag das gerne!“, so Germann zu ihren Erlebnissen auf der Fashion Week.

Neben Sport und Mode möchte Germann aber auch etwas Gutes tun. Vom Erlös des verkauften Produkts geht ein Teil an die Hilfsorganisation Care. „Care ist für mich eine Herzensangelegenheit. Während viele Organisationen Wasser bringen, hilft Care einen Brunnen zu bauen. Also Hilfe zu Selbsthilfe.“

Eins der modischen Highlights des Online-Shops sind zum Beispiel die Armbänder „Deine Farben“. Dahinter steckt die Idee, dass sich der weibliche Fan aus verschieden farbigen Kristall-Armbändern die Farben seines Lieblingsvereins passend zum Outfit zusammenstellen kann. „Wir haben dieses Armband, aber auch viele andere Produkte, in sechs verschiedenen Farben. Mit diesen Farben lassen sich alle Bundesligavereine und auch viele Länder darstellen“.

Stylisch: Auch auf den Ohrringen kann meine seine Liebe zum Verein zeigen (Foto: V.Wahlig)

Stylisch: Mit Ohrringen und Armbändern ist Spielerfrau bestens fürs Stadion gewappnet.  (Foto: V.Wahlig)

Eine weitere Besonderheit des Online-Shops ist die Kategorie Ballkünstler. Hier bekommen Künstler, die Produkte mit Fußballbezug herstellen, die Möglichkeit ihre Produkte vorzustellen. „Ballkünstler ist eine besondere Sparte, da wir diese immer wieder wechseln werden. Zurzeit haben wir Silberringe vom offiziellen Schmuckgestalter vom FC St.Pauli.“ In dieser Kategorie erwarten den Besucher des Shops immer Besonderheiten, die es sonst nicht sooft gibt, erklärt Germann.

Bei so vielen stylischen Schmuckstücken hält jetzt auch endlich der Fußball Einzug in unseren Kleiderschrank – abseits vom zu groß geratenen Männer-Trikot und plumper Deutschlandfarben-Kette. Jetzt muss sich Frau nur noch für einen Verein entscheiden. Oder sich doch lieber gleich sich mit allen sechs Farben eindecken.

 

Trennung auf Zeit – Kindergarten mit eins

Muttersein: Schön und schwierig (©Hannelore Louis / pixelio.de)

Muttersein: Schön und schwierig (©Hannelore Louis / pixelio.de)

Es ist nicht leicht, eine gute Mutter zu sein. Da ist man hin und her gerissen zwischen Pflichterfüllung, Mutterliebe und dem Wunsch nach einer eigenen Karriere. Noch immer sehen viele Frauen in der Mutterwerdung gleichzeitig ein Ende der beruflichen Wünsche. Pustekuchen, sage ich. Ja, es geht nicht immer, aber wer Glück hat und sich seiner Sache sicher ist, findet einen Weg. So konnte ich auch meine Tochter nach dem Mutterschutz, sprich mit zwei Monaten, einfach mit zur Arbeit nehmen und später, mit einem halben Jahr, auch mit in meine Seminare. Mein Chef war sogar begeistert und nun, da sie nicht mehr mitkommt, wird sie regelrecht vermisst.

Doch eine Einjährige hat andere Ansprüche, die sich eben nicht darauf beziehen, eine Stunde lang im Kinderwagen zu schlummern oder an einer Brezel zu lutschen. Nein, sie will spielen und die Welt erfahren. Toll ist es, wenn ich daran teilhaben kann. Toll ist es, dass sie mir jeden Tag zeigt, wie sehr sie mir vertraut. Toll ist es aber auch, wenn ich jetzt bei der Arbeit wieder die Hände frei habe und meine Tochter in guten Händen weiß, bis ich selbst wieder bei ihr bin.

Abschied? Ein paar Stunden ohne Mama können auch gut tun (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Abschied? Ein paar Stunden ohne Mama können auch gut tun (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Nein, es ist nicht selbstverständlich sein Kind mit einem Jahr in eine Kindertagesstätte zu geben. Trotz gesetzlich garantiertem Platz. Erst kürzlich hat mir eine Bekannte, die im Alter meiner Mutter ist, im Zug erklärt, dass sie glaubt, den Kindern geht dann etwas in der Entwicklung verloren. Und wieder: Pustekuchen! Wer einmal gesehen hat, wie Kinder – auch Einjährige – miteinander spielen und die Welt erfahren, der weiß, dass Erwachsene da oft eine untergeordnete Rolle spielen. Die sind dann nur noch da, um aufzupassen, dass sich niemand im Eifer des Gefechts den Kopf einrennt. Da wird miteinander gelacht, gefühlt, gefasst und voneinander gelernt. Auf eine Art und Weise, wie ein Erwachsener – auch eine Mutter – das nie könnte. Allein zu sehen, wie mein Sohn (5) mit seiner Schwester spielt, beweist mir, dass die Nähe zu anderen Kindern sich auf meine Tochter positiv auswirken kann.

Kann, denn sie muss es natürlich nicht. Wenn das Miteinander in der KiTa stimmt, gibt es noch unzählige Faktoren, die wichtig sind. Die Erzieherinnen beispielsweise müssen auf Eltern und Kinder eingehen (können). In unserer Einrichtung habe ich die Erfahrung vom Kindergartenleben meines Sohnes, der jetzt in die Schule kommt und weiß, das funktioniert da. Aber am allerwichtigsten ist, dass Betreuung nicht am Kindergartentor anfängt und aufhört. Auch wer arbeiten geht muss nach Geschäftsschluss die Elternrolle weiterführen. Ein Arbeitstag ist stressig, ein Kindergartentag ob man‘s glaubt oder nicht auch. Gemeinsame Auszeiten stärken die Bindung zu den Eltern und schaffen Raum auch am Feierabend noch zusammen viel zu erleben und Familie zu sein. Das brauchen übrigens nicht nur Einjährige.

Miteinander: Nach der KiTa ist viel gemeinsame Zeit für alle wichtig (Foto: Obermann)

Miteinander: Nach der KiTa ist viel gemeinsame Zeit für alle wichtig (Foto: Obermann)

Ich habe den Vorteil, das ich meine Tochter nur die halbe Woche in die KiTa bringen muss, die anderen Tage bin ich zu hause und kann mich um sie kümmern. Gerade diese Zeiten müssen umso mehr genutzt werden. Wer weiß, wie schnell sie lieber in der KiTa bei ihren Freunden ist, als zu hause bei Mama. Das wird nicht leicht werden, denn, seien wir mal ehrlich, mindestens so schwer wie den Kleinen die Entwöhnung von Mama fällt, fällt Mama die Entwöhnung von den Kleinen (Papa übrigens auch). Meine Mutter berichtet mir immer wieder von dem kleinen Stich im Herzen, als ich an meinem ersten Kindergartentag wie selbstverständlich „Tschüs“ sagte und spielen ging, ohne mir Sorgen zu machen. Ein Kind, das weint, weil es die Eltern nicht gehen lassen will, ist aber nicht leichter zurück zu lassen. Je kleiner das Kind, desto komplizierter wird die ganze Angelegenheit dann auch noch. Zu Hause zu bleiben und Betreuungsgeld zu kassieren ist dabei, meiner Meinung nach, eine denkbar schlechte Alternative. Mal davon abgesehen, dass ich für einen KiTa Platz für eine Einjährige zahlen muss, aber Betreuungsgeld bekäme, bliebe ich zuhause, was eindeutig die Mütter unserer Tage in eine gewisse Richtung drängt, ist die Selbstständigkeit, die ich mir als Frau bewahre, unbezahlbar. Das klingt kalt und unmütterlich? Im Gegenteil! Ich zeige meinen Kindern damit, dass Familie und Beruf sehr wohl zu vereinbaren sind, dass kleine Kinder kein Karrierehindernis sind, dass sie ohne mich klar kommen, schon jetzt ein bisschen und später noch mehr. Ich zeige ihnen täglich, dass ich sie liebe, wenn wir zu hause spielen, vorlesen, knuddeln und wir uns nach einem Kindergartentag wieder in die Arme schließen. Eigentlich bereite ich meine Kinder so auf die Welt vor, in einer möglichst besten Weise. Und am schwersten, das weiß ich schon jetzt, wird es mir fallen, später los zu lassen, nicht ihnen jetzt.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Sascha hier, wie er in der Smartphone-Welt gelandet ist.