Wer wählt wen? – Wahlsysteme im Vergleich

Bundestag: Deutsche Wähler haben eine Erst- und Zweitstimme (Foto: clareich/pixabay.de)

Merkel oder Schulz? Auch wenn die Medien den Wahlkampf oft auf diese Frage reduzieren, ist es doch so, dass wir in Deutschland unseren Kanzler nicht selbst wählen können. Stattdessen haben wir eine Erststimme, mit der wir den Direktkandidaten unseres Wahlkreises wählen, und eine Zweitstimme, die wir einer Partei geben können. Auch den Bundespräsidenten – das sogenannte Staatsoberhaupt – können wir nicht direkt wählen. Er wird von der Bundesversammlung gewählt. In Amerika zum Beispiel ist das anders: Da können die Wähler, wenn auch indirekt, den Präsidenten selbst wählen. Wir haben einen kleinen, Vergleich, verschiedener Wahlsysteme gemacht und uns dazu die Systeme in Frankreich und Amerika angesehen.

Amerika: Indirekte Wahl des Präsidenten

Amerika: Wähler können den Präsidenten hier direkt wählen (Quelle: Mikdev/pixabey.de)

Alle vier Jahre wählen die amerikanischen Wähler durch eine indirekte Wahl den Präsidenten. Dabei bestimmen die Wähler Wahlmänner, die sich schon vorher für einen Kandidaten erklärt haben. Diese wählen anschließend den Präsidenten. Zeitgleich mit der Präsidentenwahl werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und ein Drittel der 100 Senatssitze neu vergeben. Die Abgeordneten werden direkt gewählt. Präsident oder Präsidentin darf übrigens in Amerika jeder werden, der in den USA geboren ist, mindestens seit 14 Jahren ohne Unterbrechung dort lebt und über 35 Jahre alt ist. Ein Präsident darf einmal wiedergewählt werden und kann somit höchstens acht Jahre lang regieren.

Frankreich – absolute Mehrheitswahl

Frankreich: Bisher mussten alle Präsidenten zwei Wahlrunden überstehen (Foto: Möller)

In Frankreich wird der Präsident (Präsident der Republik) nach absolutem Mehrheitswahlsystem gewählt. In einer ersten Wahlrunde treten alle Kandidaten gegeneinander an. Kann keiner eine einfache Mehrheit, also 50% der Wahlstimmen erreichen, gibt es eine zweite Wahlrunde, in der die Kandidaten, die in der ersten Runde die meisten Stimmen bekommen haben, gegeneinander antreten. Bisher hat noch nie ein Kandidat in der ersten Runde genug Stimmen erhalten, um eine zweite Runde überflüssig zu machen. Für das Amt des Präsidenten antreten dürfen alle französischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die über 18 Jahre alt sind und die bürgerlichen und politischen Rechte besitzen. Ein Kandidat muss außerdem die Unterschrift von 500 Mandatsträgern aus mindestens 30 verschiedenen Departements oder Überseegebietskörperschaften vorweisen. Dabei dürfen nicht mehr als zehn Prozent dieser Mandatsträger aus dem gleichen Departement oder der gleichen Überseegebietskörperschaft stammen.In Frankreich wird der Präsident (Präsident der Republik) nach absolutem Mehrheitswahlsystem gewählt. In einer ersten Wahlrunde treten alle Kandidaten gegeneinander an. Kann keiner eine einfache Mehrheit (50 Prozent der Wahlstimmen erreichen) gibt es eine zweite Wahlrunde, in der die Kandidaten, die in der ersten Runde die meisten Stimmen bekommen haben, gegeneinander antreten. Bisher hat noch nie ein Kandidat in

Fakten rund um Wahlen und Demokratien

2012 gab es laut einer Untersuchung von Freedom House 117 parlamentarische Demokratien. Das entsprach 60 Prozent aller Staaten weltweit. Der bisherige Höchstwert wurde im Jahr 2005 mit 123 parlamentarischen Demokratien erreicht. Die „größte“ Demokratie der Welt ist übrigens Indien: Fast 654 Millionen Wähler können hier in den 28 Bundesstaaten ihre Stimme abgeben. Die Wahl dauert sechs Wochen. Die Demokratie ist die dominierende Staatsform in West- und Zentraleuropa sowie in Nord- und Südamerika.

Auch ohne Reus jede Menge Qualität

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hat am gestrigen Dienstag seinen endgültigen 23-köpfigen Kader für die anstehende Europameisterschaft (10. Juni – 10. Juli) in Frankreich benennen müssen. Mit der verletzungsbedingten Streichung von Marco Reus sorgte Löw für Aufsehen. Die F2F-Sportredaktion nimmt die EM-Fahrer mal genauer unter die Lupe.

Tor: Mit Manuel Neuer steht der wohl aktuell beste Torwart seiner Zunft zwischen den Pfosten. Seine Vertreter und gleichzeitigen EM-Debütanten Bernd Leno und Marc-André ter Stegen besitzen eine Menge Potenzial. Leno verdiente sich die Nominierung aufgrund seiner starken Leistungen am Ende der gerade abgelaufenen Bundesligasaison. Auch ter Stegen ist ein echter Meister seines Fachs, gewann 2015 mit dem FC Barcelona souverän die Champions League und wird nicht umsonst mit „Torwart-Titan“ Oliver Kahn verglichen. Das Kuriose: Mit dem Bundesadler auf der Brust machte der gebürtige Mönchengladbacher bislang alles andere als eine gute Figur. Erst bei der jüngsten 1:3-Testspielniederlage gegen die Slowakei rutschte ihm der Ball ungeschickt durch die Hände, um dann zwischen seinen Beinen hindurch die Torlinie zu überschreiten. Kleines Trostpflaster: Er konnte in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien einen Elfmeter von Lionel Messi sehenswert parieren.

Abwehr: Hier musste lediglich der als pflegeleicht und universell einsetzbar geltende Sebastian Rudy seine EM-Träume zu den Akten legen. Ansonsten verkörpert der Defensivverbund um Jérome Boateng, Jonas Hector, Benedikt Höwedes, Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger, Emre Can und dem noch angeschlagenen Mats Hummels jede Menge Qualität. Was außerdem Mut macht: Die Prognose für eine baldige Genesung des Weltklasseinnenverteidigers Hummels sind durchweg positiv. „Bei Mats wird es zwar noch ein paar Tage dauern, aber auch er wird uns beim Turnier zur Verfügung stehen“, ließ Löw verkünden.

Mittelfeld: Beim Turnier zur Verfügung stehen wird wohl auch Bastian Schweinsteiger. Der Held von Rio ist laut dem Bundestrainer „voll belastbar“ und trainiert bereits wieder mit der Mannschaft. Doch egal ob fit oder nicht. Auf die Führungsqualitäten eines Schweinsteigers kann der Löw bei so einem Turnier schlicht und ergreifend nicht verzichten. Somit ist die Nominierung völlig nachvollziehbar, selbst, wenn der Kapitän erst nach den drei Gruppenspielen bei 100 Prozent sein sollte. Die tragische Figur dagegen ist und bleibt Marco Reus. Der vom Boulevard aufgrund seines Fahrens ohne Führerscheins verschriene „Raser Reus“, drückt vor den großen Turnieren regelmäßig kräftig auf die Bremse. Verletzte sich der Star von Borussia Dortmund vor der WM 2014 schwer am Syndesmoseband, machen ihm nun langwierige Beschwerden an den Adduktoren Probleme. „Er hat massive gesundheitliche Probleme und kann im Moment nur geradeaus laufen“, sagte Löw. „Die Mediziner waren äußerst skeptisch, dass er in den nächsten Woche bei einem zehrenden Turnier voll belastet werden kann“, ergänzte er. So schlimm das auch für Reus ist, so gefasst kann Löw auf das Aus seines Tempodribblers reagieren. Die Qualität auf den offensiven Außenbahnen ist auch ohne Reus immer noch sehr hoch. André Schürrle zeigt klar ansteigende Form, Julian Draxler will endlich den internationalen Durchbruch schaffen, Leroy Sané ist ein großes Versprechen für die Zukunft und auch der schon fälschlicherweise zu oft abgeschriebene Veteran Lukas Podolski kann seine Qualitäten in die Mannschaft einbringen. Mit dem aktuellen Champions-League-Sieger Toni Kroos und Sami Khedira verfügt Deutschland außerdem über zwei echte Anführer und Taktgeber im defensiven Mittelfeld. Der bei Bayern München in dieser Saison oft verschmähte Mario Götze könnte auf der zehner Position seinen großen Auftritt haben, wenn Arsenal-Star Mesut Özil bei dem Turnier nicht so zünden sollte wie zuletzt im Verein. Die ebenfalls gestrichenen Julian Brandt und Karim Bellarabi (beide Bayer Leverkusen) werden laut Löw auch in den nächsten Monaten und Jahren noch eine Rolle bei der Nationalmannschaft spielen. Für sie nominierte der Bundestrainer Julian Weigl und Joshua Kimmich und entschied sich somit für die großen Entwicklungsmöglichkeiten der Beiden.

Angriff: Klar hätte man Thomas Müller auch bereits schon im Mittelfeld aufzählen können. Ein Thomas Müller in Topform ist schließlich überall auf dem Platz zu finden. Da er aber aller Voraussicht nach wieder für die Tore der DFB-Elf verantwortlich sein wird, fühlt er sich hier bestimmt auch recht wohl. Ganz alleine ist der Thomas ja auch nicht. Mario Gomez, der beim Weltmeistertriumph 2014 wegen anhaltender Formschwäche fehlte, leistet ihm Gesellschaft. Der bullige Mittelstürmer, der bei Besiktas Istanbul zu seiner alten Stärke gefunden hat und mit 26 Treffern Torschützenkönig in der Türkei wurde, könnte ein wichtiger Mosaikstein im taktischen Gebilde des Bundestrainers sein. Vor allem gegen die in den Gruppenbegegnungen tief stehenden Ukrainer (12.06., 21 Uhr) und Nordiren (21.06. 18 Uhr) kann Gomez seine Kopfballstärke einbringen.

Der Kader im Gesamtüberblick:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München, 64 Länderspiele/0 Tore), Bernd Leno (Bayer Leverkusen, 1/0), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona, 6/0)

Abwehr: Jérome Boateng (FC Bayern München, 58/0), Emre Can (FC Liverpool, 5/0), Jonas Hector (1. FC Köln, 13/1), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04, 33/2), Mats Hummels (Borussia Dortmund, 46/4), Shkodran Mustafi (FC Valencia, 10/0), Antonio Rüdiger (AS Rom, 10/0)

Mittelfeld:  Sami Khedira (Juventus Turin, 59/5), Toni Kroos (Real Madrid, 64/11), Bastian Schweinsteiger (Manchester United, 114/23), Julian Draxler (VfL Wolfsburg, 18/1), Joshua Kimmich (FC Bayern München, 1/0), Mario Götze (FC Bayern München, 51/17), Mesut Özil (FC Arsenal London, 72/19), André Schürrle (VfL Wolfsburg, 51/20), Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul, 127/48), Julian Weigl (Borussia Dortmund, 1/0), Leroy Sané FC (FC Schalke 04, 2/0)

Angriff: Thomas Müller (FC Bayern München, 70/31), Mario Gomez (Besiktas Istanbul, 63/27)

Vorschau: Nächste Woche ist bei Face2Face mal wieder etwas Platz für ein bisschen Satire.          

12 points go to – der Eurovision Song Contest 2016

Am 14. Mai 2016 fand der 61. Eurovision Song Contest, kurz ESC, in der schwedischen Hauptstadt Stockholm statt. Im letzten Jahr siegte der Sänger Måns Zelmerlöw aus Schweden mit seinem Song „Heroes“ und sorgte dadurch für die diesjährige Ausstragung des ESC in seinem Heimatland. Zusammen mit der Komikerin Petra Mede moderierte er den Musikwettbewerb, an dem in diesem Jahr 26 Länder teilnahmen.

Neues Punktesystem

Ein neues Punktesystem, bei dem die Punkte von Fachjury und Publikum der 42 stimmberechtigten Länder erstmals getrennt vergeben worden sind, sorgte für einige Überraschungen am Abend und machte den ESC spannend bis zum Schluss. Zuerst wurden die Punkte der Fachjurys der jeweiligen Länder verkündet. Danach hätte die Sängerin Dami Im aus Australien mit ihrem Song „Sound of silence“ den ESC gewonnen.

Gutaussehender Sänger: Amir aus Frankreich (Foto: Anna Velikova (EBU))

Gutaussehender Sänger: Amir aus Frankreich (Foto: Anna Velikova (EBU))

Platz zwei und drei wären nach Juryabstimmung an Sängerin Jamala aus der Ukraine und den sympathischen Sänger Amir mit seinem französisch-englischen Gute-Laune-Hit J’ai cherché” aus Frankreich gegangen. Der polnische Sänger Michał Szpak bekam für seinen Song „Colour of your life“ von der Jury lediglich sieben Punkte, was den vorletzten Platz bedeutet hätte.

Zuschauer teilten Jurymeinung nicht

Doch das Zuschauervoting kippte das Ergebnis. Das führte dazu, dass Michał Szpak vom Publikum 222 Punkte erhielt und mit einem guten achten Platz äußerst zufrieden sein konnte. Damir Im aus Australien hatte sich zu früh gefreut. Durch das Zuschauervoting stieß die Ukrainerin Jamala sie mit insgesamt 534 Punkten vom ersten auf den zweiten Platz und siegte mit ihrem Song „1944“ beim diesjährigen ESC.

Grund zur Freude: Jamala aus der Ukraine gewinnt den diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Grund zur Freude: Jamala aus der Ukraine gewinnt den diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Der Song hatte bereits im Vorfeld des ESC aufgrund seines Inhalts für Kritik gesorgt, denn er handelt von der Geschichte von Jamalas Uroma, die unter Stalin von der Krim vertrieben wurde. Auch nach dem Sieg gab es Kritik an der dadurch entstandenen Politisierung des ESC. Wäre es nach dem Publikum gegangen, hätte der Russe Sergey Lazarev den Wettbewerb gewonnen. Er konnte nicht nur gesanglich mit „You are the only one“, sondern auch mit seiner spektakulären Show, bei der die Videoanimationen im Hintergrund perfekt auf seine Performance abgestimmt waren, überzeugen. Da ihn die Jury jedoch nicht ganz so weit vorne sah, schaffte er es mit insgesamt 491 Punkten nur auf den dritten Platz.

Bewegungen auf die Videoleinwand abgestimmt: Sergey Lazarev aus Russland bei seinem Auftritt beim diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Bewegungen auf die Videoleinwand abgestimmt: Sergey Lazarev aus Russland bei seinem Auftritt beim diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Viele Höhepunkte und Jamie-Lee als Schlusslicht

Zu den Höhepunkten gehörten auch der Schwede Frans mit seinem Liebeslied „If I were sorry“ (Platz fünf) und der Niederländer Douwe Bob, der in seinem Song „Slow down“ dazu aufruft, im stressigen Alltag öfter mal innezuhalten, was er bei seiner Darbietung sowohl durch eine zehnsekündige Pause als auch durch eine rückwärtsgehende Uhr im Bühnenbild verdeutlichte (Platz elf). Jamie-Lee Kriewitz konnte mit ihrem Song „Ghost“ und ihrem Manga-Look weder Jury noch Publikum begeistern und belegte mit nur elf Punkten den letzten Platz.

Der diesjährige Eurovision Song Contest überzeugte durch viele tolle Songs und Auftritte sowie auffallend viele hübsche Sänger, die den ESC auch optisch zu einem Highlight machten.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier mehr über Miles Davis.

Sechs Monate Frankreich: From Paris with Love

Am 14. Juli: Der Eiffelturm während des Nationalfeiertags. (Foto: Marjolaine Champagne)

Am 14. Juli: Der Eiffelturm während des Nationalfeiertags. (Foto: Marjolaine Champagne)

Ich wagte das Abenteuer und begab mich sechs Monate in die Stadt der Liebe und Köstlichkeiten: Paris. Ein halbes Jahr sagte ich Frankfurt „Goodbye“ und machte mich auf in die meistbesuchte Stadt Europas. Mit 12 Millionen Bewohnern ist Paris das Zentrum Frankreichs – sowohl ökonomisch als auch kulturell. Ob das Musée du Louvre, L’arc de Triomphe, die Basilique du Sacré Coeur oder der berühmtberüchtigte Eiffelturm: All diese gigantischen Gebilde sah ich nun jeden Tag. Ob auf dem Weg in die Uni, auf dem Nachhauseweg, wenn ich mich mit Freunden traf und einfach das Pariser Leben genoss. Nach ein paar Tagen hatte ich mich durch den französischen bürokratischen Universitätsdschungel gekämpft und erste Freunde gefunden. In einer Metropole wie Paris mit zwölf Universitäten findet sich schnell Anschluss zu anderen Erasmus-Studenten, was schon nach kurzer Zeit eine Art Heimatgefühl aufkommen lässt. Als ich im Juli letzten Jahres meine ersten Schritte in Paris machte, durfte ich direkt den Nationalfeiertag am 14. Juli miterleben. Militäraufmarsch, ein Konzert und beeindruckendes Feuerwerk direkt am Eiffelturm. Ganze acht Stunden saß ich auf einer Picknickdecke auf dem Champs de Mars und sicherte mir damit einer der besten Plätze für das Feuerwerk am Abend – und es hat sich gelohnt!

Durch die vielen Studenten und jungen Menschen ist es in einer Stadt wie Paris nicht einfach (und vor allem sehr teuer!) ein kleines, bezahlbares Studio zu finden. Ich wurde fündig und für schlappe 520 Euro konnte ich zehn Quadratmeter inklusive Badezimmer im Westen von Paris mein Eigen nennen.
Ob laue Sommerabend an der Seine, ausgelassene Partyabende oder ein gemütliches

Bei strahlendem Sonnenschein: Der L'arc de Triomphe. (Foto: Isabelle Hohmann)

Bei strahlendem Sonnenschein: Der L’arc de Triomphe. (Foto: Isabelle Hohmann)

Abendessen: Mit meiner neuen (überwiegend deutschen) Clique verbrachte ich viel Zeit und innerhalb von kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, dass wir uns schon ewig kennen. Wahrscheinlich ist diese kurze, begrenzte Zeit das, was ein Erasmus-Aufenthalt ausmacht: Man genießt jede Sekunde, denkt nicht an morgen und erlebt alles mit neuen Augen.
Diese Ausgelassenheit wurde einem fast wie der Boden unter den Füßen weggerissen, als im November bei den Attentaten in Paris 130 Menschen ihr Leben verloren. Die sonst so lebendige, aufbrausende Stadt war am darauffolgenden Wochenende und Montag fast wie leergefegt. In meiner ganzen Zeit in Paris habe ich die Stadt und Metro nie so leer gesehen. Ich wurde achtsamer, am Universitätsgebäude wurden Taschenkontrollen durchgeführt. Aber eins stand für mich fest: Ich werde mich nicht unterkriegen lassen!
Ich wollte nicht nur Paris sehen, ich fuhr in die wunderschöne Normandie, besuchte im Dezember ein Konzert in Lille und reiste zum Abschluss meines Aufenthalts in Frankreich an die Côte

Atemberaubend: Die Basilique du Sacré Coeur. (Foto: Marjolaine Champagne)

Atemberaubend: Die Basilique du Sacré Coeur. (Foto: Marjolaine Champagne)

d’Azur: Monaco, Nizza, Montpellier ließen mich eine andere Seite von Frankreich kennenlernen. Der hektische Alltag in Paris war weit weg, das Meer schlug gegen die Felsen und die Yachten in Monte Carlo warteten auf die Weiterfahrt. Ich verabschiedete mich (vorerst) von Frankreich und wusste zugleich, dass es mich irgendwann hierherziehen wird: An das wohl schönste Fleckchen Europas.

Vorschau: Im Mai entführen wir euch in das kleine hessische Städtchen Marburg- seid gespannt!

Mit NHL-Verstärkungen Richtung Viertelfinale?

Am Samstag, 6. Mai, beginnt die Eishockey Weltmeisterschaft im russischen St. Petersburg. Die deutsche Auswahl befindet sich dementsprechend in der Endphase der Vorbereitung auf die Titelkämpfe und hat sich mit dem Erreichen des Viertelfinales hohe Ziele gesetzt.
Doch der Reihe nach: Mit zwei Auftaktniederlagen in Tschechien (2:7 und 1:2) und einer 1:3-Niederlage und einem 3:2-Erfolg nach Penaltyschießen gegen Schweden, verlief die erste Hälfte der Vorbereitung überschaubar. Jedoch konnte sich die Auswahl von Neubundestrainer Marco Sturm in jedem Spiel sichtlich steigern.

Deutlicher Qualitätsanstieg
Erst recht, wenn man die beiden Partien im lettischen Riga betrachtet. Bei dem 4:3-Sieg und der 1:4-Niederlage war die DEB-Auswahl zum größten Teil die spielbestimmende Mannschaft. Dies hatte man vor allem den beiden NHL-Verstärkungen Tobias Rieder (Arizona Coyotes) und Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) zu verdanken. Bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit der erst 20-jährige und damit jüngste Akteur im deutschen Kader agierende Draisaitl die Führungsrolle in der Nationalmannschaft annimmt. „Mein Ziel ist es, ein Führungsspieler zu sein. Ein Spieler, auf den die Jungs bauen können“, sagte er und zeigte dies in den Vorbereitungsspielen eindrucksvoll: Ist das wohl größte Talent im deutschen Eishockey auf dem Eis, läuft jeder Angriff über ihn. Mit 19 Toren und 32 Vorlagen hat sich Draisiatl bereits in seinem zweiten Jahr in der stärksten Liga der Welt eindrucksvoll etabliert. Und nicht etwa als Mitläufer, sondern als einer der kommenden Stars der NHL.

Großer Hoffnungsträger
Klar, dass er da automatisch zum großen Hoffnungsträger der Deutschen bei der Weltmeisterschaft wird. Sturm, der aus den derzeit 31 nominierten Spielern noch mindestens sechs für die Weltmeisterschaft streichen muss, drückt zum Wohle des Jungstars aber auf die Bremse: „Er kann wirklich alles erreichen, aber man muss die Kirche im Dorf lassen“, will Sturm nicht, dass der Druck auf den „German Gretzky“, wie Draisaitl in Nordamerika in Anlehnung an den besten Eishockeyspieler aller Zeiten, Wayne Gretzky, bereits ehrfurchtsvoll genannt wird, zu groß wird.

Weitere NHL Verstärkungen
Gut für Draisaitl, dass neben ihm und Rieder auch NHL-Veteran Christian Ehrhoff für die WM zugesagt hat und ihm so ein wenig Ballast von den Schultern nehmen kann. Der ehemalige Abwehrspieler der Krefeld Pinguine ist mit den Chicago Blackhawks in der ersten Runde der Play-offs gescheitert und kann nun der noch wackligen deutschen Hintermannschaft mehr Stabilität verleihen. „Es freut mich sehr, dass wir auf so einen starken und erfahrenen Spieler zurückgreifen können. Christian ist nach dem frühen Ausscheiden der Blackhawks ganz heiß darauf, sein Land bei der WM vertreten zu können“, freute sich Sturm, der betonte, „dass Ehrhoff es war, der sich sofort gemeldet und seine Bereitschaft erklärt hat, die deutsche Auswahl zu unterstützen.“

Zielsetzung Viertelfinale
Für die beiden Testspiele am Freitag (20 Uhr) und Samstag (19.30 Uhr/beide Spiele jeweils live bei Sport1) in Oberhausen gegen Weißrussland wird Ehrhoff allerdings noch nicht zur Verfügung stehen. Sein erster Einsatz ist für die WM-Generalprobe am 3. Mai in der Schweiz geplant. Dann soll auch wieder der derzeit wegen einer Ellenbogenverletzung geschonte und mit 699 NHL-Spielen mehr als erfahrene Marcel Goc von den Adler Mannheim zur DEB-Auswahl stoßen. Da auch die Teilnahme von NHL-Verteidiger Korbinian Holzer von den Annaheim Ducks noch im Bereich des Möglichen liegt, kann Sturm auf die wohl stärkste Auswahl bei einer Weltmeisterschaft in den letzten Jahren zurückgreifen. „Ich denke wir haben eine gute Truppe zusammen und können mit ihr das Viertelfinale erreichen,“ gibt der 23-jährige Rieder mit Blick auf die Gruppe B, in der es gegen Kanada, USA, Slowakei, Weißrussland, Frankreich und Aufsteiger Ungarn geht, die Richtung vor.

Der Kader für die Testspiele gegen Weißrussland:

Torhüter :
31 Felix Brückmann (Grizzlys Wolfsburg), 35 Mathias Niederberger (Düsseldorfer EG), 51 Timo Pielmeier (ERC Ingolstadt)

Abwehrspieler :
2 Denis Reul, 77 Nikolai Goc, 82 Sinan Akdag (alle Adler Mannheim), 5 Benedikt Brückner (Schwenninger Wild Wings), 7 Daryl Boyle (EHC RB München), 34 Benedikt Kohl (ERC Ingolstadt), 81 Torsten Ankert, 91 Moritz Müller (beide Kölner Haie), 85 Marcel Brandt (Düsseldorfer EG), 90 Constantin Braun (Eisbären Berlin)

Stürmer:
8 Tobias Rieder (Arizona Coyotes), 9 Jerome Flaake, 21 Nicolas Krämmer (beide Hamburg Freezers), 12 Brooks Macek (Iserlohn Roosters), 17 Marcus Kink, 47 Christoph Ullmann (beide Adler Mannheim), 19 Simon Danner (Schwenninger Wild Wings), 28 Frank Mauer, 36 Yannic Seidenberg, 74 Dominik Kahun (alle EHC RB München), 29 Leon Draisaitl (Edmonton Oilers), 37 Patrick Reimer, 83 Leonhard Pföderl (beide Ice Tigers Nürnberg), 43 Gerrit Fauser (Grizzlys Wolfsburg), 50 Patrick Hager, 87 Philip Gogulla (beide Kölner Haie), 55 Felix Schütz (Rögle BK), 92 Marcel Noebels (Eisbären Berlin)

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr alles über neu aufkommende Sporttrends

Klein, aber oh là, là – Frische Petits Fours

Petits Fours gehören bereits seit dem 19. Jahrhundert zu den Klassikern der französischen Küche. Ob zum Tee gereicht, als Appetithäppchen serviert oder zum Geschenk gemacht – die essbaren Kunstwerke passen zu jeder Gelegenheit. Wörtlich heißt das feine Kleingebäck so viel wie „kleiner Ofen“ und deutet somit auf die Entstehungs- und Herstellungsweise hin: Erst, nachdem die Bäcker ihre Hauptproduktion beendet hatten, nutzten sie die Restwärme der Steinöfen, um kleine Patisserie-Produkte herzustellen. Mit etwas Geduld lassen sich die Miniatur-Küchlein dabei auch im heimischen Ofen herzaubern.

Kunstvoll: Petits Fours sind Gaumen- und Augenschmaus zugleich (Foto: Onat)

Kunstvoll: Petits Fours sind Gaumen- und Augenschmaus zugleich (Foto: Onat)

Zutaten und Materialien:

  • Kuchen
  • Konfitüre
  • Puderzucker, alternativ auch Fondant oder Marzipan
  • Wasser
  • für die Dekoration je nach Belieben Zuckerglasur, Lebensmittelfarbe, Schokolade, Marzipan und Früchte
  • ein Messer, ein Kochtopf, ein Löffel, Spritzbeutel

Zubereitung:

1. Man backe einen Kuchen. Auch wenn dies ein unkonventioneller Start für ein Rezept sein dürfte, so sei doch bei der Kuchenwahl keine Grenze gesetzt. Auf Käsekuchen, Fruchtstücke, Sahne, Schokoladenüberzug und Füllungen sollte jedoch verzichtet werden. Eher bieten sich trockene Biskuits wie Sand- oder Marmorkuchen an.

2. Den Kuchen in mehrere Böden schneiden und diese mit Marmelade bestreichen. Klassische Petits Fours bestehen zwar aus einer Aprikosenkonfitüre. Aber auch hier lässt sich jede beliebige Füllung dafür verwenden – seien es Himbeermarmelade, frische Erdbeeren, Vanillepudding oder Schokolade.

3. Nun die Böden aufeinanderstapeln und für einen Tag im Kühlschrank beschweren: Hierfür einfach eine schwere Auflage – beispielsweise ein Getränkekarton – auf den Kuchenstapel legen. Dadurch werden die einzelnen Böden samt Füllung enger aneinander gepresst. Die Kühlung sorgt zudem dafür, dass sich der Kuchen später leichter anschneiden lässt.

3. Das ganze aus dem Kühlschrank nehmen und in kleine, quadratische Häppchen schneiden. Die Petits Fours sollten dabei maximal eine Größe von drei Mal drei Zentimetern nicht überschreiten.

4. Erneut etwas Konfitüre unter stetigem Rühren in einem Kochtopf aufkochen, bis diese leicht geliert. Nun die Kuchenstücke darin eintauchen und für 15 Minuten abkühlen lassen. Hier lässt sich erneut jede beliebige Marmeladensorte als Glasur verwenden, die keine Fruchtstücke enthält. Da klassische Petits Fours jedoch mit Aprikosenmarmelade glasiert werden, nennt sich dieser Vorgang „Apricotieren“.

5. Puderzucker mit etwas Wasser zu einer dickflüssigen Glasur anrühren und in einen Spritzbeutel geben. Mit einem Spritzbeutel die Oberseite der Würfel mit genügend Zuckerglasur bedecken, sodass diese seitlich hinabläuft und den ganzen Kuchen ummantelt. Alternativ lässt sich statt Puderzucker auf Fondant oder Marzipan verwenden. Wer seine Petits Fours farbig umhüllen möchte, kann die Puderzuckerglasur sowie den Marzipan noch mit etwas Lebensmittelfarbe einfärben oder auf bunte Fondants zurückgreifen.

6. Nachdem die Zuckerglasur festgeworden ist, können die Petits Fours kunstvoll verziert werden. Hierfür einfach etwas von der Zuckerglasur nehmen, mit Lebensmittelfarbe einfärben und in einen Spritzbeutel füllen. So lassen sich leichter kleine Motive auf die Stücke aufspritzen. Aber auch Schokolade, Marzipan-Rosen, Zuckerperlen oder frische Früchte eignen sich zur Dekoration.

Abenteuer Erasmus: Mein Leben in Paris

Mein neues Zuhause: Paris (Foto: Hohmann)

Mein neues Zuhause: Paris (Foto: Hohmann)

Es ist soweit! Ab dem 1. September werde ich ein Jahr lang in Paris leben und studieren. Neue Sprache, neue Leute, neue Kultur, neues Leben: Auf Face2Face werde ich alle vier Wochen von meinen Erlebnissen und Erfahrungen berichten und euch auf dem Laufenden halten.

Heute: Erasmus-Bewerbung und Wohnungssuche

Vor knapp vier Wochen, am 19. Juli, habe ich mein Studenten-Leben in Frankfurt hinter mir gelassen und ein neues Abenteuer gewagt: Ein Jahr in der Stadt der Liebe, ein Jahr in Paris!
Im Rahmen meines Studiums verbringe ich zwei Semester an einer der zwölf Universitäten in Paris, möglich macht`s Erasmus. Nach langwierigem Bewerbungsverfahren hielt ich endlich die Bestätigung in meinen Händen: Vom 1. September 2015 bis zum 31. Mai 2016 bin ich Studentin in der Metropole Paris. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass es in meinem Studienfach nur zwei Bewerber gab, sodass meine Chancen von Anfang an sehr gut standen. Ihr solltet euch also generell nicht davor scheuen, euch zu bewerben, auch wenn der Bewerbungsprozess seine Zeit dauert – am Ende lohnt sich der Aufwand!

Im Zug: Auf dem Weg von Frankfurt nach Paris (Foto: Hohmann)

Im Zug: Auf dem Weg von Frankfurt nach Paris (Foto: Hohmann)

Finanziell unterstützt werde ich durch mein Erasmus-Stipendium. Wie viel man monatlich erhält, hängt von dem jeweiligen Land ab. Die Zielländer sind in drei Kategorien unterteilt, wobei Gruppe 1 (z.B. Dänemark, Italien, Irland, Frankreich) den Höchstsatz von 330 Euro erhält, Gruppe 2 (z.B. Belgien, Griechenland, Niederlande, Spanien, Türkei etc.) 270 Euro und  Gruppe 3 (Bulgarien, Litauen, Polen, Ungarn etc.) 210 Euro.

Geschafft: Koffer Nummer eins (Foto: Hohmann)

Geschafft: Koffer Nummer eins (Foto: Hohmann)

Mir wird schnell klar, warum Frankreich zu den teuersten Ländern gehört: Die Mieten in Paris sind immens hoch. Nach einigen Wohnungsbesichtigungen habe ich mich für ein kleines Studio im 16. Arrondissement in Paris entschieden, welches im Westen liegt. 510 Euro für elf Quadratmeter – aber wenigsten mit eigenem Bad.
Ein eigenes Bad ist bei den kleinen Apartments keine Selbstverständlichkeit. Oft befinden sich Duschen und Toiletten auf dem Gang und man muss sich diese mit ein paar anderen teilen. Für mich war relativ schnell klar, dass ich mein eigenes Bad haben möchte – so viel Komfort muss sein.
In Frankfurt wohnte ich bei meiner Mutter im Herzen der Stadt – 22 Quadratmeter durfte ich mein eigen nennen. Nun hieß es also, mein Hab und Gut in elf Quadratmeter unterzubringen – da muss man natürlich Abstriche machen. Welche Klamotten brauche ich wirklich (zuhause hatte ich zwei Kleiderschränke – einen für den Sommer, einen für den Winter!)? Welche Schuhe trage ich am meisten (bei knapp 30 Paar Schuhen keine leichte Wahl)? Ich weiß nicht genau wie, aber ich habe es nach qualvollen Stunden geschafft, mich für die wichtigsten Dinge zu entscheiden. Und habe tatsächlich alles in meinem neuen kleinen Heim untergebracht!

Am 22. September berichte ich von meinen ersten Schritten in Paris und meinen ersten drei Wochen an der Uni!

Vorschau: Nächste Woche entführen wir euch in die Party-Hochburg Rimini!

Rap und Hip-Hop aus Frankreich

Spätestens 1998, als keine geringere als Missy Misdemeanor Elliot mit Timabaland und Nicole Wray für ihre Hitsingle „All in my grill“ den französischen Rapper MC Solaar featurte, hatten französisch-sprachiger Rap und Hip-Hop auch international ihren Durchbruch erlangt.

Bereits in den 1980er Jahren bildeten sich die ersten Gruppen. Diese waren stark an US-Vorbildern orientiert. Hip-Hop und Rap wurden als Modewelle wahrgenommen, die schnell verebbten. Erst seit den frühen 1990ern gibt es wieder eine eigene Szene, die sich stärker von den USA absetzt und in Frankreich hauptsächlich in den Banlieues, den französischen Vorstädten und Stadträndern, verwurzelt ist.

1990 erschien der erste Rap-Sampler Rapattitude in einer größeren Auflage und wurde insgesamt 40.000 mal verkauft. MC Solaar und IAM waren die ersten erfolgreichen Rapper.

MC Solaar war ebenfalls der erste Rapper, der 1992 den nationalen Musikpreis „Victoire de la musique“ erhielt. Die Szene orientiert sich heute an künstlerischen Polen wie Suprême NTM im Pariser Norden oder 500 One im Pariser Süden. Wichtige Zentren der Szene sind Paris (Suprême NTM, La Cliqua), Marseille (IAM), Toulouse (KDD), Strasbourg (NAP) oder die Bretagne (Manau).

Die Szene und auch die meisten Gruppen sind im Gegensatz zu den US-amerikanischen Vorbildern absichtlich multikulturell und nicht ethnisch festgelegt. Sie selbst betiteln sich oft als Black-Blanc-Beur-Gruppen. Black für die Schwarzen, Blanc für die Weißen und Beur für die Araber aus dem Maghreb. Dennoch sind heutzutage die größten französischen Rap-Künstler meist Farbige mit Migrationshintergrund aus Nord- und Westafrika sowie den französischen Überseegebieten DOM und TOM; Aber auch einige Weiße französischer oder anderer Abstammung gelangten zu Bekanntheit, wie Rocking Squat von der Gruppe Assassin oder die Rapperin Diam’s. Sie orientieren sich am sogenannten Message oder Knowledge Rap, der sich an der Ostküste der USA parallel zum Gangsta-Rap der Westküste entwickelte.

Thematisch wurde in den französischen Rapsongs zunächst der Lebensalltag in der Banlieue beschrieben: Arbeitslosigkeit, Gewalt, Zurückweisung und Chancenlosigkeit, Rassismus, Drogenhandel und Beschaffungskriminalität sowie Kritik an der Polizei waren die Hauptthemen.

Diese Auseinandersetzung trug zur Identitätsfindung bei. Rapper haben in Frankreich meist einen gemeinsamen Erfahrungshorizont, sie werden von der Gesellschaft ausgeschlossen und haben kaum Lebensperspektiven. Rap bietet ihnen daher einem symbolischen, aber durchaus auch materiellen Entfaltungsraum. Diese Bedeutung des Rap für das eigene Leben wird in den Songs immer wieder thematisiert, zum Beispiel in „Petite Banlieusarde“ aus dem Album „Dans ma Bulle“ von Diam’s aus dem Jahr 2006.

Auch wenn sich einige französische Rapper vom US-amerikanischen Gangsta-Rap inspirieren lassen, dem sogenannten Hardcore-Rap, in dem es hauptsächlich um Kriminalität und Gewalt geht sowie um die täglichen Erlebnisse und das Repräsentieren in den Stadtvierteln, gibt es in Frankreich nach wie vor Gruppen, die den engagierten Message Rap weiterführen. Sie zeichnen sich durch einen ausgeprägt metaphorischen Sprachgebrauch aus, der immer wieder zu Missverständnissen führt oder von Politik und der medialen Öffentlichkeit genutzt wird, um ein negatives Bild des Rap zu vermitteln.

Was in vielen Berichten und Studien in den Hintergrund tritt, ist die aktive Szene der in Frankreich rappenden Frauen. Sie waren, wenn auch in geringerer Zahl, von Anfang an dabei und sie reagieren auf die Konstruktion des Raps als eine männliche Domäne. So kam bereits 1995 die Rap-Compilation Lab’ Elles auf den Markt. 1999 brachten Lady Laistee, Diam’s, Bams und Princess Aniès ihre ersten Alben heraus.

Rapper und Crews wie zum Beispiel Booba, Rohff, Mc Solaar, IAM, dessen Album „L’école du micro d’argent“ sich über 1,5 Mio. mal verkaufte, Supreme NTM, Sinik und 113 verkauften jeweils schon Millionen von Alben, weshalb viele Künstler auch außerhalb von Frankreich wie zum Beispiel in Kanada, Belgien, Schweiz und weiteren französisch-sprachigen Ländern den Durchbruch schafften. Durch ihren internationalen Erfolg arbeiteten sie auch häufiger mit bekannten amerikanischen Rappern und Produzenten wie unter anderem Dr. Dre, Game, Wu-Tang Clan, Mobb Deep, Nas zusammen.

 Vorschau: Nächsten Samstag erscheint ein Bericht über Giorgio Moroder.

Die Normandie: Étretat und Le Mont-Saint-Michel

Faszinierend: Der Küstenort Étretat (Foto:Champagne)

Faszinierend: Der Küstenort Étretat (Foto:Champagne)

Es duftet nach Fisch, Meeresfrüchten, Algen und Meer. Auf der Fußgängerzone schlendern ein paar Touristen, die gewissenhaft Souvenirs für die Daheimgebliebenen aussuchen. Magnete, Postkarten, Schlüsselanhänger. Man hört ganz leise das Peitschen der Wellen, die an den Steinfelsen brechen. Die salzige Luft führt einen automatisch Richtung Meer. Dort, wo sich Cafés aneinanderreihen und nahezu jeder einen Crêpe isst.

Im Nordosten von Frankreich gelegen, verschlägt es jährlich eine Menge Touristen in den

So weit das Auge reicht: Die steilen Klippen von Étretat (Foto:Champagne)

So weit das Auge reicht: Die steilen Klippen von Étretat (Foto:Champagne)

kleinen Küstenort Étretat, der nicht einmal 1.500 Einwohner zählt. Die Gemeinde ist eine der Ausflugsziele in einer der schönsten Gegenden in Frankreich: Der Normandie.
Étretat besticht durch seine steilen Felsklippen und die atemberaubende Aussicht auf das strahlend blaue Meer von höher gelegenen Aussichtsplattformen. Die Restaurants in dem kleinen Örtchen bieten typisch französische Küche an, der Fokus liegt natürlich auf Meeresfrüchten und Fisch.

UNESCO Weltkulturerbe: Le Mont-Saint-Michel (Foto:Champagne)

UNESCO Weltkulturerbe: Le Mont-Saint-Michel (Foto:Champagne)

Etwa zwei Stunden Autofahrt südöstlich von Étretat entfernt liegt die Insel Mont-Saint-Michel. Sie befindet sich inmitten des Wattenmeers der Normandie und ist nur einen Kilometer von der Küste entfernt. Seit über 30 Jahren zählen die Bucht und der Berg zum Weltkulturerbe der UNESCO, jährlich besuchen die Insel an die 3,5 Millionen Besucher.

Mit einem kostenlosen Shuttle-Bus erreicht man in etwa zehn Minuten bequem über einen

92 Meter hoch: Die Insel Mont-Saint-Michel (Foto:Champagne)

92 Meter hoch: Die Insel Mont-Saint-Michel (Foto:Champagne)

Steg  die Insel. Auf der Insel selbst ist man auf seine Füße angewiesen, denn dort gibt es ansonsten kein anderes Fortbewegungsmittel. Auf der Burg selbst gibt es viele Restaurants, die sich hauptsächlich auf französische Küche spezialisiert haben, Meeresfrüchte und Fisch stehen auch hier ganz oben auf der Speisekarte.
Neben den Restaurants gibt es  vier kleine Museen, die sich mit der Geschichte der Insel befassen und außerdem sehr kindgerecht gestaltet sind. Ein Highlight ist außerdem die Kathedrale, die sich fast auf dem höchsten Punkt des Bergs befindet. Der Eintritt ist für Personen unter 25 Jahre frei!

Vorschau: Nächste Woche entführen wir euch in Hessens Hauptstadt Wiesbaden!

Lyon: Die Stadt des Lichtes

Jedes Jahr zu Beginn der Weihnachtszeit verwandelt sich die südöstlich von Paris gelegene Stadt Lyon in ein Meer von Lichtern: Denn es findet das „Fête des Lumières“ in Frankreichs zweigrößter Stadt statt!

Das „Fête des Lumières“ hat seinen Ursprung im Jahre 1852: Als die Pestperiode in Lyon endlich zu Ende ging, stifteten die Einwohner Lyons, zum Dank, eine Statue der heiligen Maria. Die Einweihung musste leider aufgrund von schlechtem Wetters verschoben werden. Als es bei dem zweiten Versuch zu Beginn regnerisch war, jedoch nach einiger Zeit die Sonne herauskam, dankten die Lyoner Bürger mit Kerzen und Lampions dafür, dass die Feierlichkeiten doch noch stattfinden konnten.  Seit diesem Jahr wird dies nun also schon zelebriert.

Ein ganzes Wochenende, von Freitag bis Montag, erstrahlt die gesamte Stadt in neuem Glanz: Bedeutende Sehenswürdigkeiten und Monumente, aber auch Brücken, werden farblich in Szene gesetzt. Scheinwerfer beleuchten das Hôtel-Dieu oder das Opernhaus. Hinzu kommen zahlreiche Lichtspiele, die eigens für dieses Festival in der Stadt zu sehen sind.

Lichtkünstler aus aller Herren Länder kommen hierfür nach Lyon, um an diesem Spektakel mitzuwirken. Atemberaubende Lichteffekte und Lichtinstallationen lassen die Besucher staunen. Rund herum treten zahlreiche Künstler auf, um das visuelle Erlebnis auch musikalisch zu untermalen.

Touristen aus aller Welt strömen insbesondere für dieses Spektakel nach Lyon. Um die vier Millionen Besucher möchten es sich die Erleuchtung Lyons nicht entgehen lassen. Daher empfiehlt sich eine frühzeitige Buchung von Hotelzimmern oder anderen Unterkünften. Auch die Einwohner Lyons treten in Aktion, indem sie Kerzen auf ihren Balkonen oder Fensterbänken platzieren. Doch woher kommt diese alljährliche Tradition?

Während des Festivals gibt es auf Regionalzüge, die von/nach Lyon fahren, eine Ermäßigung von 50%. Hinzu kommen Sondertarife für Fahrten mit dem TGV: 30.000 Tickets sind hier von Freitag bis Montag zu einem ermäßigten Preis zu erwerben. Innerhalb Lyons ist eine vergünstigte Fahrt mit Bussen und Bahnen möglich. Hier wendet man sich am besten direkt an die Büros des öffentlichen Nahverkehrs.

Dieses Jahr findet das „Fête des Lumières“, ein wahrhaftiger Publikumsmagnet,  vom 07.-11. Dezember statt. Wenn du also Lust bekommen hast, buche möglichst frühzeitig Bahn-/oder Flugtickets und vor allem: Kümmert euch schnellstmöglich um eine Übernachtungsmöglichkeit, um unnötigen Stress zu vermeiden!

Vorschau: Nächste Woche berichten wir über die Hafenstadt Ostende in Holland.