Do-It-Yourself-Projekt: Fotos als Holzprint

Porträts, Panoramen oder Momentaufnahmen – im Nu lassen sich durch die Linse flüchtige Augenblicke dauerhaft auf Fotos festhalten. So kreativ, wie man dabei mit der Kamera umgeht, lässt sich ebenso mit dem Motiv verfahren: ob nun im Album verwahrt, auf Leinwand gemalt oder als Seife getarnt. Selbst bei der Reproduktion bieten sich außergewöhnliche Möglichkeiten, die Bilder zu verewigen. Daher verrät die Tipps&Tricks-Redaktion, wie sich Fotos ganz einfach als Holzprint auf unterschiedlichste Materialien übertragen lassen.

Benötigte Materialien:

Kinderleicht: Mit nur wenigen Mitteln lassen sich Fotos auf Holz übertragen (Foto: Onat)

  • Holz – alternativ glatte und helle Unterlagen, Größe und Breite spielen dabei keine Rolle
  • Photo Patch Transfermedium aus dem Kreativ-, Hobby- oder Bastel-Bedarf
  • Laser- oder Tintenstrahl-Drucker – alternativ ein horizontal gespiegelt ausgedrucktes Motiv
  • ein Schwamm
  • Wasser

Vorgehen:

  1. Das gewünschte Motiv mit einem Laser- oder Tintenstrahldrucker horizontal gespiegelt ausdrucken. Die Spiegelung lässt sich mit wenigen Klicks in Bildbearbeitungsprogrammen sowie bei Windows Paint bewerkstelligen.
  1. Den fett- und staubfreien Untergrund mit einem Schwamm reichlich mit dem Transfermedium Photo Patch bestreichen. Als Material eignen sich dabei vor allem helle und glatte Oberflächen wie Holz, Glas, Keramik oder Stoff.
  1. Auch das ausgedruckte Bild mit einem Schwamm mit genügend Photo Patch versehen.
  1. Zügig beide Teile aufeinanderlegen, fest andrücken und glattstreichen.
  1. Das Photo Patch anschließend für mindestens eineinhalb Stunden – bestenfalls mehrere Stunden, beispielsweise über Nacht – trocknen lassen.

    Dekorativ: Fotos als Holzprint (Foto: Onat)

  1. Nun mit einem angefeuchteten Schwamm das Papier vorsichtig abrubbeln. Dabei sollten das Motiv und der Schwamm stetig mit Wasser benetzt werden, damit sich lediglich die obere Papierschicht auflöst.
  1. Zum Schluss den Holzprint trocknen lassen und mit einer weiteren Schicht Photo Patch – mit dem Schwamm aufgetragen – wasserfest versiegeln.

Vorschau: Am Sonntag, den 9. April, bietet die Tipps&Tricks-Redaktion Starthilfe für alle, die auf eine vegane Ernährung umstellen möchten.

Do-It-Yourself-Projekt: Dufte Motive mit Foto-Seife

Fotos versprühen einen besonderen Zauber: Sie lassen vergangene Zeiten wieder lebendig werden, konservieren und archivieren die Vergangenheit – ganz gleich, ob es sich um Urlaubsbilder, bedeutungsgeladene Momentaufnahmen oder spontane Schnappschüsse handelt. Dabei lassen sich die abgelichteten Erinnerungen in Form von Foto-Seife nicht nur kreativ, sondern buchstäblich „hautnah“ miterleben. Der Gang ins Badezimmer wird so zum Besuch einer ganz besonderen Galerie, die sich mit allen Sinnen erfassen lässt.

Benötigte Materialien:

Waschecht: Foto-Seife (Foto: Onat)

Waschecht: Foto-Seife (Foto: Onat)

  • transparente Rohseife – im Bastelladen erhältlich
  • Duftöl oder Parfüm
  • Fotos auf Fotopapier oder Bilder auf transparenter Folie
  • Silikonformen oder aufgeschnittene Tetrapaks und Plastikbecher
  • Wasser zum Kochen
  • ein Topf, eine Schüssel, ein Messer und ein Schneebesen

Vorgehen:

1. Für die Foto-Seife die transparente Rohseife – je nach benötigter Menge – mit einem Messer würfeln und in eine Schüssel geben. Wasser in einen Topf geben und auf mittlerer Hitze erwärmen. Die Schüssel darauflegen und die Seife über dem Wasserbad zum Schmelzen bringen.

2. Wenn die Seife flüssig geworden ist, nach Belieben Duftöl oder Parfüm für den Geruch hinzufügen und mit einem Schneebesen verrühren. Wer etwas Farbe mit ins Spiel bringen möchte, kann auch Lebensmittelfarbe hinzufügen. Zu großzügig sollte man mit der Dosierung jedoch nicht sein, da die Motive sonst nicht gut zu erkennen sind.

3. Die Flüssigkeit nun zur Hälfte in die Silikonformen beziehungsweise in die Tetrapaks oder Plastikbecher gießen und aushärten lassen. Während sich Tetrapaks für eckige Seifen eignen, erhält man durch Plastikbecher runde Formen. Der Härte-Vorgang wiederum lässt sich im Kühlschrank beschleunigen.

4. Wenn die Seife fester geworden ist, das Foto oder die bedruckte Folie darauf platzieren. Die übrige Seife erneut über dem Wasserbad schmelzen und in die Form gießen. Nur noch alles an der Luft oder im Kühlschrank abkühlen lassen und die fertige Foto-Seife vorsichtig aus der Form lösen.

Tipp: Auch getrocknete Blätter, Blüten, Kaffeebohnen und Zitrusfrüchte-Scheiben lassen sich – in Seife gegossen – waschecht verewigen.

Vorschau: Nächste Woche gibt es hier einen Erfahrungsbericht zur Saftkur im Selbsttest.

So hält das Urlaubsfeeling länger

Wer kennt das nicht? Tiefenentspannt und hochmotiviert kommt man aus dem Urlaub zurück und schon beim ersten Weckerklingeln oder spätestens nach dem ersten langen Uni- oder Arbeitstag ist es mit der Erholung vorbei. Das einzige, was noch im Entferntesten an die tropische Trauminsel erinnert, ist die trübe Fischsuppe in der Kantine. Wir verraten euch, wie ihr mit einfachen Tricks das Urlaubsfeeling konservieren könnt.

In Gedanken am Strand: Mit den Face2Face-Tipps & Tricks klappt das ganz bestimmt (Foto: T. Gartner)

In Gedanken am Strand: Mit den Face2Face-Tipps & Tricks klappt das ganz bestimmt (Foto: T. Gartner)

Der Duft von Urlaub

Frische Blumen, salzige Seeluft, Eukalyptus-Massageöl – Düfte, die wir mit unserem Urlaub verbinden, können uns wieder in diesen zurückversetzen. Benutzt anstelle eurer Bodylotion zum Beispiel eine Apres Sun-Creme. Und schon beim ersten Schnuppern werden Erinnerungen an einen sonnigen Tag am Strand, die erfrischende Dusche danach und das wohlige Gefühl beim Eincremen wach. Vielleicht habt ihr ja auch Haarpflegeprodukte, die ihr nur im Urlaub benutzt, zum Beispiel ein Shampoo mit UV-Schutz. Wird euch alles zu viel, einfach mal schnell den Kopf schütteln und den Urlaubsduft inhalieren. Wer seine Wohnung in ein duftes Strandbungalow verwandeln will, kann sich im Urlaub mit Frangipani-Seife und Kokosnuss-Kerzen eindecken. Augen schließen, tief durchatmen und genießen!

Do It Yourself: Erinnerungsstücke

Kennt ihr das? Der Kopf schwirrt nur so vor lauter Gedanken. Wie gingen nochmal die Formeln, die ich für die Prüfung brauche? Kann ich die Deadline für meinen Artikel einhalten? Hab´ ich das Glätteisen ausgeschaltet, als ich vorhin zum Bus rennen musste, weil ich beim Fertigmachen getrödelt habe? Da ist es wichtig zwischendrin auch mal für eine Stunde abzuschalten und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Nach ein paar Tagen im Urlaub klappt das doch immer wie am Schnürchen und das könnt ihr euch jetzt zunutze machen. Setzt euch beispielsweise hin und füllt ein Fotoalbum mit all euren liebsten Urlaubserinnerungen. Es müssen ja nicht nur Fotos sein – auch das Flugticket, gepresste Blumen (am besten mit durchsichtiger, Klebefolie komplett abdecken, sonst bröselt das Ganze) oder eine Landkarte, auf der die schönsten Orte markiert sind, machen sich gut. Die kreative Beschäftigung lenkt euch vom hektischen Alltag ab und bringt nicht nur im Moment des Bastelns Freude, sondern auch noch Jahre später, wenn ihr euer Werk bestaunt. Ein Erinnerungsstück, das ihr mit ein wenig Fingerfertigkeit selber machen und jeden Tag bei euch tragen könnt, ist Schmuck. Alles, was ihr hierzu benötigt, zum Beispiel Kettenverschlüsse, Perlen und Muscheln (Korallen, Muschel- und Schneckenschalen fallen unter das Artenschutzgesetz – bis auf ein paar wenige Ausnahmen dürft ihr sie nicht ohne artenschutzrechtliches Dokument in Deutschland einführen) bekommt ihr im Bastelladen. Und dann kann´s auch schon losgehen! Ein Blick auf die schimmernden Perlen und die zarten Farbtöne der Muscheln um euren Hals und ihr seid wieder am Palmen-gesäumten Sandstrand.

Take me back!

Sobald ihr euch fragt, ob das wirklich ihr wart, die noch vor ein paar Tagen – die Füße im warmen Sand – das Nichtstun am Strand genossen habt, ist es Zeit für einen intensiven Rückblick. Ladet eure Freunde doch zum gemeinsamen Essen und Bilder-gucken ein! Natürlich sollte etwas Typisches aus eurem Urlaubsland auf den Tisch kommen – ob vom Lieferservice oder selbstgekocht bleibt natürlich euch überlassen. Tolle Fotos und amüsanten Anekdoten runden den Abend ab. So habt nicht nur ihr etwas davon, sondern könnt auch eure Freunde für ein paar Stunden in euer Urlaubsland entführen.

Was übrigens auch hilfreich sein kann, um die Motivation anzukurbeln: Einfach schon mal den nächsten Urlaub planen! Inspiration für spannende Reiseziele findet ihr in unserer Reise-Rubrik.

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch hier ein Rezept für japanischen Grilllachs.

Von einer verschollenen Fotobox

Erinnerungen - Kindheitsbilder versetzten einen zurück in die Vergangenheit (Elisabeth Patzal  / pixelio.de)

Erinnerungen – Kindheitsbilder versetzten einen zurück in die Vergangenheit ( Elisabeth Patzal / pixelio.de)

Ich bin aufgeregt. Seit einigen Tagen rede ich von nichts anderem mehr und fiebere meinem Urlaub wie ein kleines Kind entgegen. Die Rede ist von Marokko – ein langgehegter Traum, der nun Wirklichkeit wird. Für unseren Backpackingtrip haben mein Mann und ich uns eine gute Digitalkamera zugelegt – denn, wie ich mich kenne, werde ich dort völlig aus dem Häuschen sein und an jeder Ecke etwas erhaschen, das ich mit der Kamera unbedingt festhalten muss. Ich male mir schon jetzt aus, wie ich nach der Rückkehr im Wohnzimmer in einem Meer aus Bildern sitze und eine Auswahl der gelungensten Urlaubsmomente treffe, die dann an den Wänden unserer Wohnung eingerammt thronen sollen.

Ganz oldschool - wer entwickelt heute noch Bilder selbst? (Lupo  / pixelio.de)

Ganz oldschool – wer braucht heute noch Negative, wenn wir alles digital haben? (Lupo / pixelio.de)

Was Fotos anbelangt bin ich ziemlich oldschool. Am liebsten lasse ich Bilder im Drogeriemarkt entwickeln. Besonders groß ist die Spannung, wenn ich einen Film unserer analogen Kamera abgebe – ob die Bilder etwas geworden sind, ist nie sicher. Doch auch bei mir hat die Digitalisierung Einzug gewonnen und auf meinem Computer nisten sich still und leise die digitalen Fotonester ein – doch sind wir mal ehrlich, das ist einfach nicht dasselbe, als die Fotos in den Händen zu halten. Die digitalen Fotos nutzen wir am Ende ja doch nur dazu, um alle paar Wochen unsere Facebook-Profile aufzupolieren und mit unseren neuesten Bildern mächtig Eindruck zu schinden. Ich kann mir bessere Aussichten für Fotos vorstellen.

Vor kurzem schickte meine Mama mir Kinderfotos. Ich war hellauf begeistert. Nicht unbedingt, weil ich mich auf den Bildern superknuffig fand, (naja, vielleicht ein bisschen), aber so ein Foto hat eine ganz faszinierende Wirkung auf mich: Alleine es in den Händen zu halten, die Farbintensität, das Licht, zu bewundern – das erfüllt mich mit Freude und um mein Herz wird es plötzlich ganz wollig warm. So ein Paar „läppische Fotografien“ können auf mein Gesicht ein leuchtendes Strahlen zaubern. Kitschig. Ich weiß.

Ein anders Mal war ich gerade in Bonn, als mein Ehemann mich mit einem verheißungsvollen Fotoumschlag, in welchem sich nichts anderes als entwickelte Fotos tummeln konnten, überraschte – die Bilder stammten von einer Grillaktion mit Freunden. Mein Mann hatte immer wieder Leute aus der Gruppe in einem unbemerkten Moment fotografiert. Wieder lösten diese Bilder in mir ein besonders Gefühl aus – ich konnte die Wärme, die von den Bildern ausging förmlich spüren, eines davon zeigte mich und eine Freundin Arm in Arm – unsere Freude war uns wie ins Gesicht geschrieben. Wie kann es sein, dass eine Kamera Stimmungen so gut einfangen kann und diese plötzlich wieder auf einen überspringen?

Der originale Blitz zur Agfa Clack, einer Rollfilmkamera aus den 1960-er Jahren. Inzwischen sind Lampen zum Blitz hinzu gekommen.(Foto: Karl-Heinz Laube  / pixelio.de)

Fotohandwerk- Der originale Blitz zur Agfa Clack, einer Rollfilmkamera aus den 1960-er Jahren.  (Foto: Karl-Heinz Laube / pixelio.de)

Fotos sind für mich unglaublich wertvoll. Als meine Internatszeit vorbei war, muss ich irgendwo bei meinen zig Umzügen innerhalb Münchens eine Fotobox verloren haben. Darin verbargen sich lauter Kindheitserinnerungen – Anna in klein, im Kindergarten im stylishen 90er-Outfit, in der Grundschule mit Zahnlücken, die mich nicht davon abhielten, frech in die Kamera zu grinsen, bei Leichtathletikwettkämpfen – Anna beim Schmollen in einem Wald während eines Schulaufsflug. Ich könnte viele, viele Tränen vergießen, wenn ich daran denke, dass diese Fotobox irgendwo verstaubt. Ihre letzten Tage in Einsamkeit in einer stockdusteren Ecke in einem Keller oder auf einem Dachboden fristet. Oder vielleicht wurde sie ja achtlos in den Mülleimer geworfen und die lodernden Flammen einer Verbrennungsanlage habe meine Kindheitserinnerungen gierig verschlungen.

Urlaub in Marokko - viel Inspiration für neue Fotos (Foto: ASchick01  / pixelio.de )

Urlaub in Marokko – viel Inspiration für neue Fotos (Foto: ASchick01 / pixelio.de )

Es versetzt mir jedes Mal auf das neue einen tiefen Hieb, wenn ich an diese verschollene Fotobox denke. Es ist, als hätte man mir damit ein Kapitel meines Lebens einfach wegradiert. Dabei sind einige dieser Fotos wie in mein Gedächtnis gebrannt. Teilweise kann ich mich sogar ganz genau an Gesichtsausdrücke auf den Bildern erinnern.

Fotografien haben so etwas wie einen eigenen Charakter, eine Seele – vielleicht macht sie das so wertvoll für mich. Sie versetzen einen zurück in eine Zeit, die man nicht mehr zurückholen kann. Sie lassen einen innehalten. Sie zeigen Veränderung. Sie sind genügsam. Wenn man dann gut auf sie Acht gibt und an einem sicheren Ort aufbewahrt.

Bilder auf dem Monitor anzuglotzen, ist für mich so ungefähr genauso attraktiv, wie Fritten und Burger bei McDonalds – digitales Fast Food und auf dem Handy hat man es gleich noch „to go“. Ich habe nichts gegen Burger, nur eben in einem guten Burgerladen – das hat einfach mehr Stil. Ich kann meine Fotografien vielleicht nicht mehr auftreiben (auch wenn ich die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben habe), aber in Marokko werde ich die Gelegenheit nutzen, Menschen, Märkte, die Landschaft und meine Reisebegleiter mit der Kamera in den verschiedensten Situationen einzufangen. Meine Urlaubsbilder sollen mich aber auch nach der Reise weiterhin begleiten – ich will sie nicht verdammen und einfach sich selbst auf der PC-Festplatte überlassen. Sie sollen es gut haben und hübsch in der Wohnung ausgestellt werden. Wie kleine Schätze werde ich sie behandeln. Ihnen ab und zu ein paar Streicheleinheiten geben. Ehrenwort. Einmal an der Wand aufgehängt, können sie mir auch nicht so leicht abhandenkommen.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Eva hier davon, weshalb wir manchmal einfach machen sollen, statt zu viel nachzudenken.

Traumjob Fotograf?

Titelbild

Valentinstagsgruß: eine kleine Überraschung für den Partner (Foto: Christoph Baumann/Pixel-Werk)

Ein Knips hier, ein Lächeln da – fertig ist das selbsterstellte Bewerbungsfoto. Heutzutage interessieren sich die Leute für Fotos aller Art. Jedes Smartphone besitzt eine Kamera, mit dem schnell und günstig tolle Bilder geschossen werden können. Sterben die professionellen Fotografen bald aus? Christoph Baumann (30) ist gelernter Werbefotograf, studierter Schlagzeuger und Inhaber der Medienschmiede Pixel-Werk in Hardheim. Warum ihn seine Arbeit trotz vermeintlicher Konkurrenz erfüllt, erfahrt ihr im Interview:

Face2Face: Christoph, du bist professioneller Fotograf in einer Zeit von Handykameras. Seit wann fotografierst du und was reizt dich daran?
Christoph: Meine ersten Experimente sind 2001 in der zehnten Klasse entstanden – wir waren damals auf Klassenfahrt in Berlin. Dort habe ich mit der analogen APS Kamera eines Freundes Bilder ohne Ende geschossen. Danach wurde es wie eine Sucht – ich habe mir nach und nach immer mehr Equipment besorgt und schließlich eine Fotografenausbildung gemacht. Es gefällt mir, durch die Fotografie echte Momente festzuhalten und Kurzgeschichten zu erzählen. Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich – ich lerne viele Menschen kennen und tauche in Bereiche ein, die ich sonst niemals sehen würde.

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Stillleben: eine Maschine aus kaltem Stahl (Foto: Christoph Baumann/Pixel-Werk)

Face2Face: Was fotografierst du besonders gerne?
Christoph: Grundsätzlich macht alles Spaß. Für mich zählt die Abwechslung: In der Werbefotografie erarbeite ich mir beispielsweise einen tieferen Hintergrund, das heißt, das Bild weist eine Geschichte auf, die es zu lesen gilt. Bei privaten Feiern oder Events bekomme ich richtig interessante Bilder: Mit geschultem Blick bekommen die Leute nämlich nicht mit, dass Sie fotografiert werden, was wiederum den Echtheitsfaktor ausmacht.

Face2Face: In der heutigen digitalisierten Welt experimentieren viele Leute selbst mit der Kamera – ist der Beruf überhaupt lukrativ?
Christoph: Wenn man hinter seinem Beruf steht, das Potential dazu hat und sich ins Zeug legt, ist der Beruf durchaus lukrativ. Allerdings ist ein Standbein als Selbstständiger nie gut, verschiedene Bereiche bringen die nötige Stabilität mit.

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Die Zeit festhalten: ein Mann mit Schirm (Foto: Christoph Baumann/Pixel-Werk)

Face2Face: In welchen Bereichen arbeitest du noch – was sind deine derzeitigen Projekte?
Christoph: Ich produziere Imagefilme und Musikvideos für diverse Kunden, erstelle Webseiten und Flyer und fotografiere auf allen möglichen Veranstaltungen. Meine Bandkontakte kann ich ebenfalls für diverse Projekte verwenden. Zurzeit beschäftige ich auch einen Praktikanten, dem ich mein Handwerk beibringen kann. Somit bekomme ich auch Feedback zu meinem Workflow – das ist eine gute Sache.

Face2Face: Du bist selbstständig und arbeitest an verschiedenen Projekten. Welche Nachteile entstehen dir durch die Selbstständigkeit?
Christoph: Ich habe ehrlich gesagt noch nie über Nachteile im Beruf nachgedacht. Im Gegenteil: Als dein eigener Chef kannst du viel besser an deiner Person feilen und zu dir Selbst finden, als wenn du irgendwo angestellt bist. Rückschläge gibt es überall mal, aber diese motivieren mich. Ich bin ein sehr positiv eingestellter Mensch.

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Hier bleibt die Zeit stehen: eine Uhr als Stillleben (Foto: Christoph Baumann/Pixel-Werk)

Face2Face: Was hebt dich von anderen Fotografen ab?
Christoph: Ich interessiere mich für die Menschen und nehme mein Gegenüber als Person wahr und nicht als x-beliebigen Kunden. Ich nehme mir Zeit für meine Kunden und berate Sie. Wenn die Kunden mit dem Endprodukt zufrieden sind, empfehlen diese mich weiter. Ich mache mir nichts aus Konkurrenzdruck – es liegt an mir selbst, ob ich überzeugen kann oder nicht.

Vorschau: Ihr dürft euch auf die Schauspielerin Kristina Malyseva freuen – im nächsten Panorama-Artikel geht es um sie und ums Auswandern.

Wieso fahren alle großen Marken so auf das Model Cara Delevingne ab? – Wir haben die Antworten

Cara Delevingne ist 22 und ein Supermodel.

Wir haben einmal die wichtigsten Fakten über Cara und ihr Leben zusammengestellt.

Die gebürtige Londonerin ist die jüngste Tochter von Charles Delevingne und des ehemaligen It-Girls und Models Pandora Stevens. Sie kommt aus gutem Haus und ging unter anderem auf die Hempshire Boarding School Bedales, wo sie sich mit den Jagger-Kindern und der Familie von Lily Allen anfreundet. Schon immer hatte das in Mayfair aufgewachsene Mädchen mit den Medien zu tun, denn als Tochter eines It-Girls, Schwester eines Models und Enkelin eines Zeitschriftenherausgebers bekam sie viel von der Medienwelt mit.

Seit sie fünf Jahre alt ist, ist sie mit der Tochter von Sarah Doukas befreundet. Doukas ist die Gründerin der Modelagentur Storm. Wie Supermodel Kate Moss wurde auch Cara von ihr entdeckt. 2009 unterschrieb Cara dann bei Storm Models und begann 2010 ihre Modelkarriere mit Katalogaufnahmen für die Herbst-/Winter-Kollektion von ASOS, dem größten britischen Online-Versandhandel im Bereich Mode und Beauty.

Im selben Jahr läuft sie zum ersten Mal auf der Pre-Fall Show für die britische Modemarke Burberry, bis sie ein halbes Jahr später das Gesicht des Labels wird. Zuvor habe sie noch nie an das Modeln gedacht, es sei einfach so passiert, behauptet die Britin. Somit folgte sie ihrer zweitältesten Schwester Poppy ins Modelbusiness. Ihre Schwester hatte damals schon für große Marken wie Chloé, Louis Vuitton oder Balenciaga gemodelt.

Vitamin B ist immer ein Geheimnis zum Durchbruch, das ist klar. Doch auch ihre eigene, spezielle Art machte Cara zu dieser Persönlichkeit, die sie heute ist. Sie ist frisch und witzig, hat Humor und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Das ist es, was die Modewelt unter anderem an dem jungen Model so liebt. Auf Instagram oder Facebook postet die 22-Jährige häufig Bilder von sich, auf denen sie Grimassen schneidet. Diese Albernheit tut gut in einem Business, das sonst so sehr auf Perfektion bedacht ist. Die Menschen wollen keine Models mehr, die nur straight ihren Job machen und ihr perfektes, makelloses Gesicht in die Kamera halten. Sie wollen eher eine freche Art und sehen, dass die Mädels auch noch Spaß an ihrem Beruf haben und es für sie durchaus auch noch andere Dinge im Leben gibt. Cara twittert gerne Bilder mit ihren Freundinnen Sängerin Rihanna und den Models Jourdan Dunn und Karlie Kloss, auf denen sie verrückte Kostüme anhaben oder Grimassen schneiden. Dass das gut ankommt, zeigen ihre 1.418.635 Follower (Stand: Januar 2014).

Zudem sind es ihr markantes Gesicht, die hellblauen Augen und ihre auffallenden Augenbrauen, die sie unverwechselbar machen.

Ihr persönlicher Kleidungsstil ist ein weiteres Markenzeichen von Cara. Sie ist flippig und cool, und deswegen auch fast immer auf Streetstyle-Fotos zu sehen. Am liebsten trägt sie Röhrenjeans und Bikerboots, die sie mit Vintage-Shirts kombiniert. Aber auch ein elegantes Kleid kann sie mit derben Boots schnell mal aufpeppen und edgy aussehen lassen. Wahrscheinlich liebt sie deshalb jeder, weil sie ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Stil hat und damit die Massen begeistert.

Obwohl Cara Delevingne nur 1,73 Meter groß ist, läuft sie auf den Top-Laufstegen der Welt: Sie läuft unter anderem für Marken wie Oscar de la Rente, Karl Lagerfeld, Fendi, Burberry, Chanel oder Stella McCartney. Sie stand außerdem mit ihren jungen Jahren schon für Editorials der Vogue oder des V Magazine vor der Kamera.

Cara besucht nebenbei auch eine Schauspielschule, und kommt unter anderem in die letzte Runde des Castings zum KInofilm „Alice im Wunderland“. Sie spielte auch in einem Musikvideo von Musiker Bryan Ferry mit und wird bald neben Schauspielerin Keira Knightley im Kino zu sehen sein. Wahrscheinlich ist es ihre wunderbare Gabe, in ganz unterschiedliche Rollen zu schlüpfen, weshalb so viele große Designer auf sie abfahren. Sie ist wandelbar und bleibt trotzdem noch sie selbst.

Vorschau: Nächste Woche gibt es ein Interview mit der Modedesignerin Duygu Ay von Elenora zu lesen.

Damit der Sommer ewig bleibt – drei Tipps für gelungene Urlaubsfotos

Endlich Sommer, endlich Urlaub. Diese Tage im Sommer, in denen das Leben leicht und unbeschwert ist, die man mit Freunden oder Familie draußen am See oder beim besichtigen einer schönen Stadt verbringt, könnten ewig dauern. Damit man sich auch noch an verregneten Herbst- oder kalten Wintertagen an die schöne Sommerzeit erinnern und wehmütig an den nächsten warmen Tag denken kann, braucht man ganz klar: schöne Urlaubsbilder. Schade nur, wenn diese dann verwackelt sind, die Motive einen nicht wirklich in Urlaubsstimmung versetzen und das sonst so schöne Sonnenlicht die ganze Aufnahme überbelichtet hat. Damit euch das nicht passiert, bekommt ihr hier drei einfache Tipps für schöne Urlaubsfotos – inklusive Expertenmeinung unserer Face2Face-Fotografin Clarissa.

Kleine Dinge ganz groß: Manchmal erzeugen bestimmte Bilder Urlaubsgefühle, wie hier die Möwe. (Foto:Möller)

Kleine Dinge ganz groß: Manchmal erzeugen bestimmte Bilder Urlaubsgefühle, wie hier die Möwe (Foto:Möller)

1: Die richtige Motivsuche – weniger ist manchmal mehr

Das eine Urlaubsmotiv gibt es nicht. Der Urlaub besteht aus vielen Facetten: Das Eis, das ihr immer im selben Laden kauft, die Muschel, die ihr am Strand findet oder das Lokal, in dem ihr einen wunderschönen Abend verbracht habt. Um das richtige Gefühl einzufangen, versucht man da natürlich möglichst viele weitwinklige Fotos zu machen. Das ist zwar nicht falsch, aber manchmal ist auch bei Fotos weniger mehr. Ein kleiner Ausschnitt stellt den Urlaub manchmal viel besser dar. Zum Beispiel, indem man nur den Liegestuhl samt Schirm oder den im Sand liegenden Wasserball fotografiert und nicht gleich den ganzen Strand. Oder ihr spielt mit der Schärfe und fotografiert nur die eine Blume scharf, während der Rest der Wiese unscharf im Hintergrund verschwimmt.

Kleine Dinge ganz groß: Das rät auch Face2Face-Fotografin Clarissa: „Sucht euch ein Motiv aus, das ihr auch gerne auf Postkarten sehen würdet. So nenne ich oft meine Fotos – Postkartenfotos. Oft sind es nur kleine Ausschnitte, die es ausmachen: beispielsweise habe ich von einem alten Wrack an der Nordsee, das bunt besprüht war, nur eine Stelle fotografiert, die aussah wie ein Herz. So habe ich eine Erinnerung an das verrostete Wrack im Urlaub und gleichzeitig ein schönes Motiv.
Noch ein Tipp zu Fotos von Menschen: macht Spontanaufnahmen. So habe ich mal ein super Foto von meinem Bruder gemacht als er gerade im Wasser auf mich zugerannt ist.“

2: Das Spiel mit dem Licht: Schatten, Halbschatten und Sonne

Effekte wirken: Manchmal bietet das Wasser neue Perspektiven, wie hier die Spiegelung des Gebäudes (Foto: Möller)

Effekte wirken: Manchmal bietet das Wasser neue Perspektiven, wie hier die Spiegelung des Gebäudes (Foto: Möller)

Das schönste Motiv wirkt düster und unheimlich, wenn es bei zu viel Schatten aufgenommen wurde. Schatten kann aber auch spannend und geheimnisvoll wirken. Es kommt auf die Intention an. Dasselbe gilt für zu viel Sonne: Ungewollt wirkt alles auf dem Foto überbelichtet. Wenn man allerdings bewusst mit der Sonne spielt, können tolle Effekte entstehen. So verschwimmt etwa der Strand im Sonnenlicht oder das Wasser glitzert in der Sonne wie tausend Diamanten. Auf jeden Fall gilt:  Nicht einfach drauf los knipsen, sondern sich Gedanken machen wie die Lichtverhältnisse sich auswirken. Wenn es nicht gleich klappt – einfach mal ausprobieren: Mit oder ohne Blitz, mit langer Verschlusszeit oder kurzer, mit Autofokus oder selber scharf stellen. Dabei können tolle Fotos entstehen. Von den Schwierigkeiten mit dem Licht weiß auch unsere Fotografin Clarissa zu berichten: „Bei zu viel Halbschatten empfiehlt sich ein einfaches Motiv, das von einer Seite stark beleuchtet wird und die andere sehr in den Schatten fällt. Gut vorstellbar ist dies bei Porträts oder bei Gegenständen, die am Boden liegen – vielleicht zwischen all den Muscheln eine leere alte verrostete Dose? Oft wirken auch Gebäude oder Innenhöfe etwas spannender, wenn sie im Halbschatten fotografiert werden. Bei zu wenig Halbschatten empfehle ich eine spannendere Perspektive“.

3: Probieren, probieren, probieren – kein Meister fällt vom Himmel

Auf den Auslöser des Fotoapparats drücken kann jeder, doch ein schönes Foto machen nicht. Nicht jeder ist gleich der geborene Fotograf. Doch manchmal hilft es ein paar einfache Sachen zu beherzigen. Nehmt euch Zeit. Überlegt euch, was ihr ablichten wollt und dann probiert aus: Von mehreren Seiten fotografieren, von unten, oben oder gegenüber, zoomen oder nicht, den ganzen Gegenstand oder nicht – eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Am Ende könnt ihr euch eure Fotos dann am Computer anschauen. Manchmal entdeckt man erst hier ein paar fotografische Schätze, die man auf den kleinen Displays der Digitalkameras nicht gesehen hat. Darum gilt: Nicht gleich löschen, wenn ihr denkt es war nichts, manchmal ist gerade ein vermeintlich misslungenes Foto am Ende das Lieblingsurlaubsbild.

Foto-Schätze: Manches wirkt erst am Computer, wie etwa diese Haustür in Dublin (Foto: Möller)

Foto-Schätze: Manches wirkt erst am Computer, wie etwa diese Haustür in Dublin (Foto: Möller)

Auch Fotografin Clarissa macht lieber ein Foto zu viel als zu wenig: „Ich experimentiere viel und fotografiere oft die kleinsten und unspektakulärsten Dinge, die hinterher bei genauerer Betrachtung aber doch sehr interessant und spannend wirken können – wie etwa ein kleiner Segelboot-Hafen, der im Abendlicht aber sehr romantisch wirkt. Ich versuche Alltägliches in Fotos festzuhalten. Perfekt wäre es natürlich, wenn diese Schnappschüsse das Abgelichtete auch noch interessant darstellen. Also nicht zu faul sein und lieber hundert „sinnlose“ Fotos zu viel, als einen schönen Urlaubsmoment oder Erinnerungsgegenstand zu wenig.“  In diesem Sinne: Geht raus und macht Fotos. Der Winter wird lang und schöne Urlaubsfotos zaubern euch auch an den düstersten Tagen ein Lächeln auf das Gesicht

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier, wie ihr trickreich Cake Pops als Eis tarnen könnt.

Der Hochzeitswahnsinn

Es ist also soweit. Noch im letzten Jahr konntet ihr an gleicher Stelle lesen, wie furchtbar ich den Hochzeitstwahnsinnswettbewerb auf Facebook finde. Und jetzt? Ich habe geheiratet und tatsächlich erfolgreich vermieden, im Vorfeld Planungsstand, kritische Momente und Vorfreuden öffentlich zu machen. Doch schon am Tag nach dem großen Fest kursierten 30 Fotos im globalen Netz, ganz ohne mein Zutun. Irgendwo hört der Arm der Braut auf, vor allem, wenn sie keine Braut mehr ist. Doch darum soll es hier nicht gehen, sondern um Chaos und Ordnung und den ganz normalen Wahnsinn.

Stilecht: Mit Kutsche zur Kirche (Foto: Bernatz)

Den Anfang macht ein goldener Tipp an alle Hochzeitsplanenden: macht so viel wie möglich selbst. Verteilt die Planung nicht, denn was am Anfang Arbeit nimmt, wird später purer Stress, wenn die Teile sich zusammenfügen, überlappen und durcheinander geraten. Wer die Fäden in der Hand hält weiß, wo Probleme auftreten und wie sie zu umgehen sind. Und Rat kann sich der Planer dann immer noch holen. Das sollte er auch. Bei Menschen, die Feiern schon öfters geplant haben, in Ratgebern, bei den Eltern, den Freunden und am Wichtigsten: dem Partner.

Und die zweite goldene Regel ist: Egal wie gut ein Fest geplant ist, es wird immer etwas schief gehen. Beispiele? Am Vorabend der Hochzeit mussten wir feststellen, dass der Raum doch kleiner war, als gedacht. Die komplette Tischordnung wurde innerhalb von zwanzig Minuten umgeschmissen, neu geordnet und mit Kompromissen versehen. Plötzlich fehlten zwanzig Tassen und Untertassen, die Tischdecken wurde in den letzten Tagen fertig genäht, die Kuchenliste wurde in der letzten Nacht verdoppelt und nach der Trauung konnten wir feststellen, dass zwei fest eingeplante Gäste schon mal gar nicht gekommen waren. Doch da hört der Spaß nicht auf.

Unikate: die raffinierten Ringe für die Ehe (Foto: Obermann)

Zu unserer großen Überraschung war uns das Wetter gut gesinnt. Schon beim Standesamt blieb der angekündigte Regen aus, und am Samstag fand tatsächlich die Sonne den Weg zu uns. Doch dieses Wetter im Zwischenbereich führte dazu, dass es nicht warm genug war, um unseren Getränkevorrat wirklich zu verdünnen, und nicht kalt genug, um unser Büffet zu leeren. Aber lieber zu viel haben, als zu wenig. Und vor allem: locker bleiben. Der in letzter Minute aufgestellte Geschenktisch wurde so nahe an unser Gästebuch gestellt, dass viele das Buch für ein Geschenk hielten und die Einträge deswegen etwas mau ausgefallen waren. Locker bleiben solltet ihr auch bei den vielen Spielen und Aktionen. Bei dem Tanzwettbewerb zwischen Braut und Bräutigam, dem obligatorischen Er-oder-Sie-Quizz, dem gemeinsamen Baumstammzersägen, …

Im Großen und Ganzen lief aber alles gut. Der vergessene Brautstrauß erreichte die Kutsche, bevor wir an der Kirche waren, der Reifrock wurde dank fachkundiger Hilfe schnellstens wieder repariert. Unsere einmaligen Eheringe von der Goldschmiede Eckart passten wie angegossen, der Hochzeitslikör für die Gäste wurde mit Freude angenommen, die Fotografin wartete geduldig, bis der Vater des Bräutigams wieder aufgetaucht war und das französische Brautkleid nahm keinen Schaden. Die Einwegkameras landeten brav im bereitgestellten Karton. Der DJ  von Evergreen Entertainment und die Karaoke war im Übrigen eine grandiose Idee. Noch um vier Uhr grölten Bräutigam, Brautbruder, sein bester Freund und der Trauzeuge „Quit playing games with my heart“. Mit allem Chaos und aller Planung kamen wir auf eine wundervolle Hochzeit. Nur mein Mann muss sich noch an seinen neuen Nachnamen gewöhnen.

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um den Masochismus beim Rennradfahren.

Der Arzt, die Fotos und das Schweigen

Trügerische Idylle: In solch einer Kleinstadt fotografierte ein Arzt drei Jahre lang unbemerkt seine Patientinnen (Foto: Beutler)

Heute erzähle ich euch eine kleine Geschichte. Es war einmal ein Frauenarzt in einer Kleinstadt. Seit Jahrzehnten führte er eine renommierte Praxis und war überall bekannt. Vor drei Jahren änderte sich etwas. Er begann, manche seiner Patientinnen während der Untersuchungen zu fotografieren. Ohne, dass die Frauen es wussten oder erlaubten. Und dann kam die Polizei.
Gott sei Dank.

Denn leider ist das keine erfundene Geschichte, keine aus der Ferne berichtete Sache, von der wir sagen könnten: „Ach wie schlimm. Wie gut, dass es nicht hier war.“ Es geschah hier. In der Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Von einem Tag auf den anderen brach das Chaos aus. Neben der örtlichen Presse standen plötzlich RTL und Spiegel in der Nachbarschaft rum und konstruierten medienwirksame Titel. Kaum war die Meldung da, wimmelte es auf Facebook von empörten Meldungen. Es waren Freundinnen und Bekannte, die da schrieben, sie müssten nun befürchten, abgelichtet worden zu sein. Und obwohl ich in der zweiten Frauenarztpraxis unserer Stadt bin, saß mir der Schreck in allen Gliedern.
Nicht nur ein Arzt, ein Frauenarzt, dem wir bei den Untersuchungen Intimes unweigerlich anvertrauen, bei dem wir uns sicher fühlen sollten. Ein Familienvater außerdem. All diese Schreckgespenster, dir wir sonst von Weitem angeekelt und fasziniert betrachten, praktisch hautnah. 3000 Frauen soll er fotografiert haben. Bei 20 000 Einwohnern, unter Abzug der Männer, den Damen, die prinzipiell nicht zum Gynäkologen gehen, kommt das auf etwa die Hälfte alle Frauen aus der Stadt.

Bloß nicht hinsehen: Die einen schauen weg, die anderen schämen sich (© Jerzy/Pixelio)

Erschreckender finde ich, wie manche damit umgehen. Beim Chat mit einer Freundin warf ich ein, dass dieOpfer, denn das sind die Frauen geworden, jetzt immer noch Strafanzeige stellen müssen, sonst kommt der Kerl einfach davon. Und selbst dann kommt er für maximal ein Jahr ins Gefängnis, sofern überhaupt. Dabei meinte ich nicht, dass keine Anzeige erstattet, denn gerade die jüngeren lassen das nicht mit sich machen. Die älteren aber, die prüden, die sich jetzt schämen und diese Scham nicht breittreten wollen. Sie werden schweigen, zumindest einige von ihnen. Ich kenne solche Frauen und das Furchtbare ist, dass diese Tatsache übertragbar ist. Misshandelte oder vergewaltigte Frauen und Mädchen schweigen, weil sie sich schämen. Das Schlimmste an der Sache waren für mich die Reaktionen, mit denen ich nie gerechnet hätte. Guten Bekannte, Freunde, die nur lässig mit der Schulter zuckten. „Na und?“ Was sei schon dabei, dass es ein Frauenarzt war, immerhin habe er die Bilder nicht verbreitet, so was passiere schließlich öfter und sei doch wirklich nicht so schlimm. Sind wir wirklich so abgehärtet, dass es uns egal ist, wenn ein Mensch andere ungefragt fotografiert, während sie nackt sind, ihm vertrauen, weil er ihnen helfen soll? Glauben wir, es sei prinzipiell in Ordnung andere auf so eine Weise zu demütigen? Selbst wenn er kein Arzt wäre, ist es eine Schweinerei. Und wenn diese Leute das Vergehen herunterspielen, demütigen sie die Opfer, die sich schämen, die verletzt sind, gleich mit, weil ihre seelischen Wunden nicht anerkannt werden. Mit Sicherheit sind die bei unerlaubten Fotografien nicht so tief oder schwer wie bei Misshandlungen, aber meint ihr wirklich, wir sollten deswegen darüber hinweg sehen?

Vorschau: Lea erklärt an dieser Stelle nächste Woche, was sich hinter dem Begriff „Bookcrossing“ verbirgt.

Ja, ich altere

Es passiert mir immer öfter. Ich merke, dass ich alt werde. Nicht, weil ich Falten hätte, oder Rheuma, graue Haare. Erscheinungen, die ich zwar kenne, aber nicht unbedingt von mir persönlich. Auch der Ernst des Lebens hat mich noch nicht so wirklich eingeholt. Als Studentin bleiben manche Sorgen einfach fern. Mein Sohn hält mich eher jung, als dass er alt machte. Ohne Reue Zeichentrickfilme, Kinderbücher und mit Wasserfarben klatschen, Kinderlieder trällern und Seifenblasen machen. Nein, das klingt nicht nach alt.

Wer hat den Größten? Digitale Kuchenschlachten machen nicht dick, dafür aber alt (Foto: Obermann)

Was mich erschrickt, eigentlich lächerlich, wenn ich bedenke, dass selbiger Schritt von mir für nächstes Jahr schon lange geplant ist, ist das Heiraten. Präzise: Wenn alte Schulfreunde, Leute von denen ich ewig nichts gehört habe, heiraten. Am Wochenende hatten wir besuch. Zwischen Partywok und „Megamind“ erzählt er uns, ohne mit der Wimper zu zucken, dass eine Bekannte kürzlich geheiratet hat und nun ein Kind erwartet. Das saß. Und es war nicht die erste unheimliche Begegnung in Weiß und Tüll. Schon vor einigen Jahren erfuhren wir, dass ein guter Freund beschlossen hatte, spontan zu heiraten. Wir jedenfalls wussten von nichts und glaubten der Computer wäre kaputt. Der zeigte nämlich ungetrübt beim Facebook-Status „verheiratet“ an. Einfach so, von einem Tag auf den anderen.
Facebook scheint überhaupt der große Hit zu sein, wenn es darum geht, vom Ringtausch zu prahlen. Die Fotos im Profil werden in sepiafarbene Hochzeitsbilder vom teuren Fotografen ersetzt, nach und nach, damit es auch alle erfahren und keiner sich den gestellten Liebesbilden entziehen kann, werden auch die übrigen Hochglanzabzüge digitalisiert und in einem oder mehreren Alben der Internetgemeinde vorgeführt. Ganz schlaue richten für Standesamt und Kirche verschiedene Ordner ein, die dann noch in professionell und selbst geschossen unterteilt werden wollen. Irgendwas wird da auf jeden Fall geschossen, womöglich ja der Twitter-Vogel. Denn Hochzeitswahnsinnige dieser Tage haben ja nicht nur Facebook, sondern mindestens noch Twitter, wenn nicht sogar schon Google+.

Selbige Rüschenliebhaber melden dann auch immer wieder, wie schön alles gewesen sei, die Torte, die Gäste, das Wetter und überhaupt. Hochzeitswettkampf 2.0. Endlich habe ich den ultimativen Grund für Facebook gefunden. Es geht nicht mehr darum, Frauen Noten für ihr Aussehen zu geben, sondern um ganze Vermählungen. Warum noch Einladungen verschicken, wenn alle Welt im Netz teilhaben kann an perfekt sitzenden Frisuren, makellosen Bildern und der Liebe, die durchs World Wide Web schwebt. Kommen bei euch da etwa leise Zweifel an der Perfektion?
Und dann gibt es noch die absoluten Facebook-mit-Hochzeit-überschwemm-Finalistinnen. Die kommen mit den Hochzeitsbildern nicht erst nach der Trauung. Nein, warum auch? Schon Monate vorher geben sie täglich Statusmeldungen ab, wie weit die Planung vorangeht. Eine alte Freundin hatte sogar eine eigene Hochzeits-Website eingerichtet mit Kennenlerngeschichte, Trauzeugenvorstellung, Menuplan. Und das, bevor der Termin offiziell angemeldet war. Jeden Mittag gab es denn Ich-heirate-Countdown mit zwei Zahlen, damit auch wirklich keinem entgehen konnte, wann sie und ihr Liebster sich vor Staat und Kirche das Ja-Wort geben wollten.

Hier kommt die Braut: Das Online-Wettrennen um das schönste Brautkleid hat längst begonnen (Foto: Beutler)

Ja, ich bin auch eine Frau. Ja, ich will auch heiraten. Ja, ich freue mich auch darauf. Aber dem großen Rest der Welt wird das egal sein, warum muss ich ihn dann bis aufs Blut damit konfrontieren? Ich warte nur darauf, bis eine der Spezialistinnen Bilder der Geburt ihres ersten Kindes hochlädt. Oder gleich ein Video. Erklärt es mir, ich brenne darauf: Muss das sein? Ein Bild, dagegen sag ich nichts. Zwei, drei Meldungen, wenn der große Tag vor der Tür steht, meinetwegen. Wir wollen ja schließlich nur einmal heiraten und es ist toll, wunderbar, romantisch, was weiß ich. Aber irgendwie, irgendwo und irgendwann reicht es doch wirklich. Denn dann bekomme ich zumindest das Gefühl, dass alle Welt um mich herum heiratet. Der eine, die andere, die auch noch, die schon wieder oder immer noch, der jetzt auch.
Tja, und dann, dann fühle ich mich alt. Wenn Leute, mit denen ich im Sandkasten gesessen habe plötzlich einen anderen Nachnamen haben. Wenn Freundinnen und Freunde sich auf ewig binden. Wenn auf einmal überall so viele, wichtige Entscheidungen getroffen und Fragen mit „Ja“ beantwortet werden. Das ist der Ernst, ernster wird’s nicht, das macht uns alle auf einen Schlag erwachsen. Nicht nur erwachsen, auch vernünftig und nachdenklich, planend und berechnend. Und irgendwie eben auch alt. Daran kann ich schlecht was ändern und das ist noch viel schlimmer, denn für Falten gibt es Cremé, für Haare Tönung. Alt werden wir trotzdem, jeden Tag ein bisschen mehr. Woran merkt ihr, dass ihr alt werdet?

Vorschau: Nächste Woche berichtet Lea, wie es ist, wenn ihr einfach alles über den Kopf wächst.