Kunst und Kultur auf dem Fusion Festival 2015

Auf dem ehemaligen Militärflugplatz in der 500-Seelen Gemeinde Lärz bricht die Dämmerung herein. Erst jetzt werden sich die 60.000 Besucher, die jedes Jahr in die mecklenburgische Provinz pilgern, der Vielzahl von Kunstinstallationen gewahr, die ihr volles Potential erst mit Einbruch der Dunkelheit entfalten.

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Das Fusion Festival: Die Eintrittskarte zu Elektronischer Musik, Kunst und Kultur (Foto: Privat)

Zum 18. Male jährte sich Ende Juni dieses Jahres nun die Fusion – ein Musikfestival, das vor allem die Herzen elektronischer Musikliebhaber höher schlagen lässt. Während man auf anderen Musikfestivals den Tag auf den Zeltplätzen verbringt und sich die Zeit mit exzessiven Alkoholkonsum und stupiden Trinkspielen vertreibt, so bietet die Fusion ein attraktives Rundumprogramm. Denn was die wenigsten Nicht-Fusionisten wissen ist, dass das Festival auch ein vielseitiges Kulturprogramm für die Besucher bereithält.

Während eine Kreidetafel vor einem zum Theater umgebauten Flugzeughangar die nächste Vorstellung verkündet, läuft im Kinohangar ein Filmklassiker. Nur ein paar Meter weiter finden Vorträge und Lesungen statt, die sich mit solidarischen Wohnprojekten oder Blogschreibern aus Berlin beschäftigen. Die Fülle an Angeboten ist erstaunlich und so ausgeprägt, dass eine Entscheidung schwer fällt. Jedoch ist man nicht bei allen Programmpunkten passiver Zuschauer. Im Workshop-Hangar kann sich an Graffiti oder Siebdruck versucht werden; an anderer Stelle lernt man tagsüber mit Feuer zu jonglieren und kann das Gelernte bei Nacht zur Schau stellen.

Doch dem nicht genug, finden sich überall auf dem Festivalgelände Kunstinstallationen. Ob feuerspeiende Drachen, riesige, sich bewegende Knospen, die an mit Spitzenstoff bespannten Bäumen hängen oder Dampfmaschinen in den skurrilsten Formen.

Auch die Spielstätten, Essensstände und Chill-Out-Areas sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Kurzum: Das ganze Festival ist ein einziges Kunstwerk, das sich auf Bildern nicht festhalten lässt. Die Fusion ist ein Spielplatz für Erwachsene, die zu Unrecht auf Drogenkonsum reduziert wird, während es dort so viel mehr zu entdecken gibt.

„Karma is a bitch“ – Das Phänomen Jodel

Es ist Montag und der 21-jährige BWL-Student Christian sitzt in seiner allwöchentlichen Management-Vorlesung. Statt auf die Vorlesungsfolien starrt er jedoch wie gebannt auf sein Smartphone und aktualisiert die geöffnete App, gennant Jodel, im Minutentakt. Denn was dort geboten wird ist für den Studenten viel interessanter, als die SWOT-Analyse.

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Jodel und Kaffee: Für Studenten wie Christian elementare Bestandteile des Universitätsalltags (Foto: Privat)

„Heute gilt für mich das Badewannen-Prinzip: Volllaufen lassen!“ oder „Wenn der Professor deinen Vorschlag, die Vorlesung heute draußen zu halten, krachend ablehnt“ sind nur einige der Posts, die Christian schmunzeln lassen und ihn mit Erfolg von der Vorlesung ablenken.

Jodel ist eine Smartphone-App, die seit einigen Monaten an Deutschlands Universitäten kursiert. Doch im Gegensatz zu Facebook, Twitter und Co. wendet sie sich bewusst gegen die zunehmende Personalisierung. Bei Jodel müssen Nutzer kein Profil mit persönlichen Inhalten anlegen, alles geht komplett anonym vonstatten. Die Applikation greift mittels GPS lediglich auf den Standort des Smartphones zu und verbindet so alle Nutzer, die sich in einem Umkreis von zehn Kilometern aufhalten.

So simpel das Prinzip von Jodel auch ist, desto besser scheint es bei den Nutzern anzukommen. Mithilfe von Text- oder Bildposts, so genannten „Jodel“, können lustige Anekdoten, Events oder Neuigkeiten aus der Universität oder dem Alltag geteilt werden. Mittels Kommentaren können sich die Nutzer austauschen. Alle Posts können jedoch auch hoch- und runtergevotet werden. Ein Meldeprinzip sorgt dafür, dass anstößige oder unpassende Inhalte gelöscht werden. Doch auch das Voting trägt dazu bei, dass die Inhalte der App sich selbst regulieren: Bei einer gewissen Anzahl von Downvotes verschwindet ein Post von den Smartphone- und Tabletbildschirmen.

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Auch die Face2Face Redakteurin Nadine hat Jodel für euch getestet: Das vielsagende Icon der App (Foto: Privat)

Auch das Anreizprinzip von Jodel ist interessant: Durch Aktivität oder durch Down- und Upvotes der eigenen Posts steigt oder sinkt das sogenannte „Karma“. Mit dem spirituellen Konzept des Handelns und deren Folgen hat das Jodel-Karma wohl wenig zu tun. Dennoch sind viele Jodler fleißig am Karma sammeln.

„Jodel eignet sich super zur Ablenkung in allen Lebenslagen, sei es in der Bibliothek, bei der Arbeit oder in der Vorlesung“, so der begeisterte Christian. Auch die Soziologiestudentin Sabine zeigt sich positiv gegenüber der Neuerung im Unialltag: „Man hat immer etwas zu lachen und die Community, die sich in Jodel herausgebildet hat, ist eine ganz besondere. Wenn man nach den richtigen Regeln spielt, kann man dort viel Spaß haben.“

Jodel scheint in vielerlei Hinsicht eine Eigendynamik entwickelt zu haben. So gibt es eine Vielzahl von ungeschriebenen Regeln oder Verhaltenscodes, an die sich die Nutzer halten. Die Wahrung der Anonymität ist vielen Jodlern sehr wichtig und auch Hashtags werden – wenn auch in Jodel komplett unnütz – rege benutzt.

In letzter Zeit scheint sich Jodel jedoch in eine Art Singlebörse oder Abklatsch von Frage-Portalen wie „gute-frage.de“ oder „Free your Advice“ verwandelt zu haben. Besonders Männer, die in die Welt und Denkweise der Frauen Einblick erhalten wollen und andersrum sind besonders häufig zu beobachten. Christian und Sabine zeigen sich von all dem unbeeindruckt – sie werden fleißig weiterjodeln und Karma sammeln. Ob die Entwickler von Jodel ihr Versprechen halten, dass etwas tolles passieren soll, wenn man viel Karma gesammelt hat, wird sich zeigen…

Vorschau: Nächste Woche berichten wir an dieser Stelle über die Cartoons von Gerhard Glück in der Caricatura Frankfurt.

Preview: Januar 2015

Die Zeit verfliegt wie immer viel zu schnell und schon ist 2014 vorbei. Bei unserem Preview bleibt allerdings alles beim Alten: Wir blicken zurück, präsentieren euch die Highlights des vergangenen Monats, zeigen euch aber auch, was euch im ersten Monat des neuen Jahres bei Face2Face erwartet.

Im Dezember konntet ihr bei Face2Face die Entwicklung der Interviewpartner des Panoramas verfolgen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Kunst=Kultur=Langeweile lesen.

Im Januar erwarten euch – wie immer bei Face2Face – tolle Themen. So berichtet etwa die SPORT-Rubrik von der Dart-WM in London und im PANORAMA leset ihr ein Interview mit einem Mode-Label aus der Rhein-Neckar-Region.

Mit dem inneren Schweinehund und dessen Überwindung beschäftigen sich die TIPPS&TRICKS-Mädels und geben euch Motivationstipps für eure Neujahresvorsätze. Ein Interview mit der Stuttgarter Band „mal zwischendurch“ könnt ihr im Januar in der MUSIK-Redaktion lesen und in der TIER&UMWELT-Rubrik lest ihr eine Pro-und-Contra-Analyse zu Impfungen und der Anti-Vaccine-Bewegung.

Die KOLUMNE beschäftigt sich in Januar mit dem Hype um den neuen Star Wars-Film und in der FILM-KUNST-KULTUR-Rubrik geht es im Januar um den „Nachtkonsum“, einen nächtlichen Flohmarkt mit Musik, Getränken und vielen tollen Schnäppchen.

Wenn ihr Anmerkungen oder Kritik habt, dürft ihr uns natürlich jederzeit schreiben.

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Wir wünschen euch viel Spaß im Januar bei Face2Face, einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein fröhliches, erfolgreiches und spannendes Jahr 2015.

Free Your Stuff – Ein Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft unsrer Zeit

Ein Messerset, eine Couch, eine Anlage mit zwei Boxen und einen Verstärker – diese Gegenstände hat sich der 23-jährige Medizinstudent Jonas im letzten Jahr „erstufft“. Free Your Stuff heißt die Plattform, der diese Wortneuschöpfung geschuldet ist. Seit einigen Jahren kursiert diese Idee nun im Internet und findet durch die Gruppenfunktion des sozialen Netzwerks Facebook Anwendung.

So könnte ein Post bei FYS aussehen: Eine Senseo Kaffeemaschine wird gesucht (Screenshot: N. Schwalb)

So könnte ein Post bei FYS aussehen: Eine Senseo Kaffeemaschine wird gesucht (Screenshot: N. Schwalb)

„Diese Gruppe soll die Möglichkeit bieten, mit ausgedienten Gegenständen aus dem eigenen Haushalt, anderen eine Freude zu machen“, steht in der Beschreibung der Mannheimer Version, die mittlerweile über 12.000 Mitglieder zählt. Verschenken statt Wegwerfen heißt das einfache Prinzip, das der Wegwerfgesellschaft des 21. Jahrhunderts die Stirn bietet. Vor Angebote wird ein „GIVE“ gestellt, vor Gesuche ein „NEED“. Von der geöffneten Reispackung, über Mirabellen vom eigenen Obstbaum, bis hin zum Auto, wandern Gegenstände hier statt in die Mülltonne (oder auf den Schrottplatz) zu einem neuen Besitzer.

Jedoch ist hier Schnelligkeit gefragt. Viele Anbieter verfolgen der Einfachheit halber das „First-Come, First-Serve“-Prinzip. Jonas, begeisterter User von FYS, wie es in der Kurzform genannt wird, ist sich dieser Schwachstelle bewusst: „Ich finde das Konzept, dass der erste der sich meldet den Zuschlag bekommt nicht gut. Es gibt bei FYS leider viel zu viele Leute, die alles abgreifen wollen, was sie in die Finger bekommen und die machen diese Gegenstände dann zu Geld. Das ist nicht der Sinn der Sache. Deshalb bin ich sehr froh, dass die Mitglieder langsam auf ein anderes Konzept umschwenken. Der Interessent, der den besten Grund vorweisen kann oder sich etwas Kreatives einfallen lässt, bekommt den Gegenstand.“

Ist der Zweck der Gruppe auch durchweg positiv gedacht, kommt sie leider nicht ohne Regulierungen aus. Mangelnder Umgangston, an Unverschämtheit grenzende Gesuche und immer wieder die Frage nach Geld erfordern das Eingreifen der Gruppenadministratoren. 10 – 30 Gesuche oder Angebote werden täglich in FYS gepostet . Wurde FYS in der Vergangenheit auch zur Frage nach Tipps genutzt, so hat sich zu Gunsten der Übersichtlichkeit nun der Ableger Free Your Advice gebildet. Hier geht es um die Weitergabe von Informationen aller Art, wie beispielsweise günstige Fahrradwerkstätten in der Nähe oder gute Ausgehtipps. Eine weitere Gruppe, die aber hinsichtlich der Mitgliederzahlen weit hinter FYS zurückliegt, ist Free Your Craft – gedacht für den Austausch von Fähigkeiten oder Kenntnissen. Hier bieten Hobbykonditoren ihre Tortenkünste an oder Computerkenner Hilfe mit PC-Problemen.

Eines haben all diese Gruppen jedoch gemeinsam: Sie sind kostenlos. Ob man dem geneigten Spender nun eine Tafel Schokolade oder eine Packung Tee mitbringt, bleibt jedem selbst überlassen. Doch schonen solche Angebote nicht nur unseren Geldbeutel, sie sind in erster Linie ein Mittel, dem Tenor der Zeit, der von Konsum und hoher Wegwerfbereitschaft geprägt ist, etwas entgegenzusetzen. Solltet Ihr Euch also beim nächsten Ausmisten fragen „Wohin damit?“ bietet euch Free Your Stuff eine geeignete Alternative zur Mülltonne.

Streetart in Mannheim, Teil 3: gay.edge.liberation über Homosexualität, Homophobie und Religionskritik

Streetart – die Kunst der Öffentlichkeit, die von den einen als Sachbeschädigung und illegale Handlung verfolgt und von den anderen hochgelobt wird – sollte spätestens seit Banksy den meisten kein Fremdwort mehr sein. Mittlerweile findet sich diese Form der Kunst in den meisten größeren deutschen Städten Deutschlands – so auch in Mannheim. Face2Face hat sich für euch in der Streetart-Szene der Universitätsstadt umgehört und mit diversen Künstlern über deren Motivationen und Ideale gesprochen.

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In Anbetracht der vergangenen Fußball-WM ein aktuelles Paste-Up: Gegen Homophobie .. nicht nur um Fußball (Foto: gay.edge.liberation)

Face2Face: Was ist gay.edge.liberation?
gay.edge.liberation: Dahinter verbirgt sich mein Künstlername, unter welchem ich Streetart mache. Vor allem entwerfe ich Stencils, mache aber auch Sticker und Paste-Ups (Anm. der Redaktion: Ein Paste-Up ist ein Plakat, das mithilfe von Kleister an einer Oberfläche befestigt wird) rund um die Themen Homosexualität, Homophobie und Religionskritik. Insgesamt würde ich gay.edge.liberation aber als ein Projekt bezeichnen, das in der Vergangenheit bereits kleinere Wandlungen durchlebt hat.

Face2Face: Früher hast du mit deinen Aktivitäten vor allem Menschen aus der Punk- und Hardcore-Szene angesprochen. Fand bezüglich deiner Rezipienten ein Wandel statt? An wen richtest du dich heute?
gay.edge.liberation: Ein richtiger Wandel hat für mich überhaupt nicht stattgefunden. Zwar sind die Rezipienten heute deutlich breiter gefächert, aber die ursprüngliche Zielgruppe ist darin immer noch beinhaltet. 2007 begann ich damit, Infozettel auf Punk- und Hardcorekonzerten zu verteilen, um das Ziel einer deutlicheren Akzeptanz für LGBTs (lesbian, gay, bisexual, transsexual) gerade in diesen Subkulturen zu erreichen. Erst 2011 habe ich das Sprachrohr Streetart für mich entdeckt, was meine Message dann für eine breitere Masse zugängig machte. Nach wie vor lässt sich in meinen Motiven aber auch noch der subkulturelle Ursprung erkennen, durch den der Name gay.edge.liberation bekannt geworden ist.

Streetart ist bekannt dafür zu provozieren: Jesus liebt Bondage verheißt dieses Stencil (Foto: gay.edge.liberation)

Streetart ist bekannt dafür zu provozieren: Jesus liebt Bondage verheißt dieses Stencil (Foto: gay.edge.liberation)

Face2Face: Mannheim als Industrie- und Arbeiterstadt hat für eine Stadt dieser Größe eine rege Streetartszene. Was hat dich inspiriert, Streetart als Meinungsorgan zu wählen?gay.edge.liberation: Gerade hier hat mich die Punk- und Hardcore-Szene sehr geprägt und inspiriert. Auf Konzerten, in autonomen Jugendzentren und in anderen Locations nicht nur in Mannheim waren Streetart und Graffiti immer vorhanden und oft mit deutlichen Aussagen verbunden. Es war nicht nur schön anzuschauen, sondern auch sprechend und meinungsbildend. Wenn der ästhetische Faktor manchmal auch vernachlässigt wird, so zählt doch die Aussagekraft. Und diese kann mit Stencils besonders gut rübergebracht werden. Ein Bild, das auf simple Art und Weise mit Schrift versehen wird, kann durch schnelles und wiederholtes Anbringen eine hohe Aussagekraft erreichen. Die hohe Dichte an verschiedenen Streetart-Formen in Mannheim ist aber sicherlich auch schuld daran, dass ich mich mal selbst daran versuchen musste.

Face2Face: Streetart gilt gemeinhin als eine Kunst, die es möglich macht, seine vielleicht nicht ganz gesellschaftskonforme Meinung auszudrücken. Man sollte meinen, dass unter Streetartists Homophobie eher die Ausnahme ist – wie hast du das erfahren?
gay.edge.liberation: Ob das tatsächlich eine Ausnahme ist, lässt sich für mich schwer bestätigen oder dementieren. Ich kenne nur wenig andere Streetartists persönlich und die, die ich kenne, sind natürlich nicht homophob. Schaut man aber woher die Ursprünge von Graffiti und Streetart liegen, würde ich durchaus behaupten, dass es durch die Verankerung im Hip-Hop auch genügend homophobe, sowie sexistische Streetartists gibt. Betrachtet man jedoch lediglich den Kreis der Stencil Streetartists, also in der Ursprungsform ein politisches Mittel zur schnellen und einfachen Verbreitung von öffentlichen Botschaften, ist die Homophobie innerhalb dieser Szene eher gering vertreten.

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Soll die Menschen zum Nachdenken anregen: Ein weiteres Stencil, das Homosexualität thematisiert (Foto: gay.edge.liberation)

Face2Face: Wenn es auch keine schöne Geste ist, so fallen einige Werke manchmal dem Übersprühen (crossen) zum Opfer. Ist dir das schon oft passiert und wie reagiert man auf eine solche explizite Art der Kritik?
gay.edge.liberation: Ich wurde schon oft Opfer des Crossens, bin aber mittlerweile auch ein Profi im Wegstecken. Gerade weil meine Motive nicht „nur“ schön sind, sondern auch mal anstößig oder plakativ sind, aber in jedem Fall eine klare Meinung und Botschaft beinhalten, stören sich einige Menschen eventuell auch andere Streetartists daran und crossen meine Sachen nicht nur, sondern covern sie regelrecht. So wurden sehr viele meiner Motive in Mannheim mit derselben grauen Farbe aus der Dose gecovert. Anfangs habe ich dann wieder genau das gleiche Motiv darüber gestencilt, aber gecovert wurde es immer und immer wieder. Ich akzeptiere diese Handlung mittlerweile und sehe es als Kompliment, dass sich jemand so dermaßen an den Motiven stört, dass er/sie selbst zur Tat schreitet, zur Dose greift und das Motiv covert. Das zeigt mir nur, dass meine Stencils wichtig sind. Solange sich immer noch Personen an meinen Motiven stören, scheinen sie in der Masse an Streetart in Mannheim ja auch nicht unterzugehen.

Face2Face: Als Motiv einiger Stencils hast du Conchita Wurst ausgewählt. Conchita gewann den diesjährigen Eurovision Song Contest mit einer einschlägigen Medienwirkung. Warum hat es dir diese Kunstfigur angetan?
gay.edge.liberation: Conchita Wurst ist nur eins der Motive aus meiner Serie wichtiger LGBTs und kann nur als Auszug meiner Werke gesehen werden. So beinhaltet die Sammlung ebenfalls Motive von Rosa Von Praunheim, Freddie Mercury und Harvey Milk. Conchita hat es geschafft, trotz oder vielleicht auch gerade wegen ihres nicht klar definierbaren Geschlechts, Erfolg zu haben. Stellvertretend für andere hat Conchita öffentlich Wort ergriffen, die Situation von LGBTs nähergebracht und sich für die Verbesserung derer eingesetzt. Ebenso wie Conchita haben sich auch die anderen oben genannten Personen für die Rechte und die Verbesserung der Situation homosexueller Menschen Partei ergriffen und dazu maßgeblich beigetragen.

Ein geläufiger Slogan aus der LGBT-Szene wird zum Plakatmotiv: Gays Bash Back (Foto: gay.edge.liberation)

Ein geläufiger Slogan aus der LGBT-Szene wird zum Plakatmotiv: Gays Bash Back (Foto: gay.edge.liberation)

Face2Face: Du hast in der Vergangenheit verschiedene Kanäle zur Verbreitung deiner Kunst gewählt. So kann man im Barbie Deinhoffs in Berlin beispielsweise einige deiner Werke auf Leinwand bewundern. Warum der Sprung von der Straße in geschlossene Räumlichkeiten?
gay.edge.liberation: Diesen Sprung habe ich vor allem durch den Rat anderer gewagt, die sich darüber aufregten, dass meine Stencils so schnell gecrossed werden und somit auch weniger Aufmerksamkeit bekommen. So bat mich eine gute Freundin meine Werke in der Galerie, die sie leitet, zu zeigen, was dann in einer queeren Gruppenshow erfolgte. Dadurch wurden neben der Presse auch andere Locations auf mich aufmerksam und boten mir an, meine Werke in deren Räumlichkeiten zu zeigen. Dies zeigte mir die Möglichkeit auf, noch mehr Menschen mit meinen Botschaften zu erreichen und das über einen längeren Zeitraum nicht nur regional begrenzt.

Face2Face: Welche Reaktion von Menschen wünschst du dir, die tagtäglich an deinen Werken vorbeilaufen?
gay.edge.liberation: Ich möchte die Menschen einfach zum Nachdenken anregen, sie zum Lachen bringen und natürlich auch ein wenig provozieren. Ich finde es aber auch nett, wenn sich Menschen darüber aufregen. Ich bekomme leider viel zu wenige Reaktionen mit, da ich die Motive der Straße überlasse und nur mal durch Zufallen daran vorbeilaufe und ein Grinsen sehe oder wie jemand ein Foto davon macht. Ich finde jegliche Reaktion gut, da es mir zeigt, dass meine Werke auffallen.

Vorschau: Nächste Woche geht es in der FILM&KUNST&KULTUR-Rubrik um die Business Lounge der SAP.

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Weitere Serienteile:

Streetart in Mannheim, Teil 1: Louva Must Die über „die letzte halbwegs subversive Bastion der Kunst“

Streetart in Mannheim, Teil 2: Strickt dagegen – Bunt statt Grau

Die Magie der Realität – Bettina Belitz über ihren Roman ‚Vor uns die Nacht‘

Der neue Roman von Bettina Belitz: Liebe mal anders mit einer einzigartigen Sprachmelodie und vielen Einflüssen (mit freundlicher Genehmigung der Autorin)

Der neue Roman von Bettina Belitz: Liebe mal anders mit einer einzigartigen Sprachmelodie und vielen Einflüssen (mit freundlicher Genehmigung der Autorin)

In ihrem neuen Roman Vor uns die Nacht betritt die Autorin Bettina Belitz, die für ihre Fantasyreihen Splitterherz und Luzie und Leander bekannt ist, neues, wenn auch nicht ganz unbekanntes Terrain. Die Liebesgeschichte spielt in der realen Welt und überzeugt dabei mit realistischen Details. Face2Face sprach mit der Autorin über ihren Roman und die Zukunft.

face2face: Bettina, du hast mit Vor uns die Nacht diesmal einen Roman geschrieben, der nicht in einer Fantasie-Welt spielt. Warum hast du die Entscheidung getroffen, die reale Welt als Hintergrund zu wählen?
Bettina Belitz: Mit ist aufgefallen, dass viele Leser gerne in die Fantasy-Welten meiner Bücher geflüchtet sind und am liebsten gar nicht mehr heraus wollten. Das hat mir zu denken gegeben, weil ich finde, dass auch in der Realität viel Magisches existiert. Ich wollte mit dem Roman auch zeigen, wie wundervoll es ist, Mensch zu sein.

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face2face: Im Roman wird die Sprache des Herzens für den Werdegang der Heldin Ronia entscheidend. Ist die Herzsprache auch ein besonders Anliegen deinerseits?
Bettina Belitz: Mein Kopf denkt unheimlich gerne, aber ich habe mich in den letzten Jahren durch das Schreiben wieder zur Herzsprache entwickelt. Das ist träumerischer und poetischer. Da schwingt mein Herz mit und ich hoffe, auch das Herz der Leser zu erreichen. Im Schreiben versuche ich ja auch, Dinge zu beschreiben, die sich den Worten entziehen. Das spielt besonders in Vor uns die Nacht eine Rolle. Auch Ronia muss erst lernen, die Herzsprache, die jedes Kind noch beherrscht, wieder zu entdecken.

Ein Herz, das schwingt: Autorin Bettina Belitz schreibt mit einer Herzsprache, die den Leser erreicht (Foto:  Fabian Stürtz)

Ein Herz, das schwingt: Autorin Bettina Belitz schreibt mit einer Herzsprache, die den Leser erreicht (Foto: Fabian Stürtz)

face2face: Da könnte der Leser ja schon eine Gemeinsamkeit zwischen dir und deiner Figur erkennen. Gibt es denn tatsächliche Parallelen zwischen deinem Leben und der Romanhandlung?
Bettina Belitz: Eigentlich nicht. Manchmal kommt natürlich ein kleines Anekdötchen mit hinein, aber zu eigenem erlebten fehlt dann doch die Distanz, die für einen Autor meiner Meinung nach gut ist. Trotzdem ist ein Buch immer wie ein Baby, es ist immer ein Stück von mir selbst. Im regionalen Bezug sieht man da mehr Gemeinsamkeiten. Wie Ronia habe ich eine Zeit lang in Heidelberg studiert und Vorlage für die namenlose Heimatstadt im Roman war Speyer. Der Fluss, an dem Ronia laufen geht, war in meiner Vorstellung immer der Rhein.

face2face: Dein Roman zeigt ja neben der besonderen Sprache auch viele Motive. Woher kommen denn die vielen religiösen Verweise?
Bettina Belitz: Die haben sich auch zu meiner Überraschung eingeschlichen. Während einer nötigen Pause wegen Erschöpfung habe ich viel Meditatives gemacht und das ist fester Bestandteil meines Lebens geworden. Ich setze mich auch mit den damit verbundenen Themen auseinander. Das hat mich wohl unbewusst beeinflusst und für eine gewisse Spiritualität zwischen Ronia und Jan, dem Mann, in den sie sich verliebt, gesorgt. Aber ich finde, das passt gut zum Roman und den Figuren.

face2face: Ziemlich entgegen gesetzt sind ja die durchaus erotischen Momente, wenn Ronia und Jan aufeinandertreffen. Hattest du keine Angst, „Vor uns die Nacht“ könnte als Erotikroman abgestempelt werden?
Bettina Belitz: Eher weniger davor, dass die Leser das tun, als davor, dass die Presse und Kritiker darauf aufspringen. Das ist aber nicht passiert. Wobei es schon ein komisches Gefühl ist, wenn die eigene Mutter dann dieses Buch liest. Aber die tiefere Bedeutung in diesen Szenen scheint klar geworden zu sein.

Regionaler Bezug und weltoffene Geschichte: Bettina Belitz vereint in ihrem neuen Roman viele Elemente zu einer berauschenden Liebesgeschichte (Foto: Fabian Stürtz)

Regionaler Bezug und weltoffene Geschichte: Bettina Belitz vereint in ihrem neuen Roman viele Elemente zu einer berauschenden Liebesgeschichte (Foto: Fabian Stürtz)

face2face: Daneben gibt es auch großen psychologischen Einfluss auf die Geschichte. Auch Ronias und Jans anfängliches Unvermögen, miteinander zu reden, fällt da rein. Ist das denn Absicht?
Bettina Belitz: Der psychologische Einfluss kommt bei mir immer automatisch. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch sein Päckchen trägt und das es in jeder Familie ein Geheimnis gibt, das ans Licht kommen muss. Im Roman ist Jan da ganz wichtig, weil er Licht auf den Staub wirft und einen Reifeprozess für Ronia anstößt. Das Problem der mangelnden Kommunikation betrifft ja auch nicht nur Jan und Ronia, sondern alle Beziehungen in Ronias Leben, zu ihren Eltern, ihren Freunden, ihrem Professor. Meine Lieblingsszene ist darum auch die, wenn Jan in Ronias Badewanne liegt und die zwei endlich miteinander reden. Da zeigt Jan etwas Bodenständiges, aber auch etwas Weiches. Wenn zwei Menschen etwas aneinander liegt, ist es wichtig auf sprachlicher Ebene zusammen zu finden. Insofern ist das Buch durchaus ein Plädoyer für Gespräche und Kommunikation.

face2face: Zum Schluss noch: Gibt es denn schon einen Ausblick auf deinen nächsten Roman?
Bettina Belitz: Der ist bereits geschrieben und wird im Frühjahr 2015 erscheinen. Viel darf ich noch nicht verraten, aber es wird wieder ein Liebesroman für junge Erwachsene mit ungewöhnlichen Helden. Handwerklich wird er allerdings etwas anderes sein, als die bisherigen Romane.

Vor uns die Nacht ist im März 2014 bei Script5 erschienen als gebundene und elektronische Ausgabe.

Weitere Infos zur Autorin:
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Vorschau: Nächste Woche durchleuchten wir  die deutsche Fernsehkultur und fragen uns: Was schauen wir nach der Fußball WM?

Preview Juli 2014

Der Juni mit dem WM-Start, gutem Wetter und ersten Urlaubsgefühlen geht zu Ende und der Juli steht vor der Tür. Im Juni haben wir euch – passend zur WM – schwarz-rot-goldene Rezepte verraten und – passend zum tollen Wetter – die Sommertrends 2014 vorgestellt.

Auch im Juli wartet wieder ein tolles Programm auf euch bei Face2Face. Im Sport dreht sich auch bei und natürlich alles zur Fußball WM in Brasilien. Die Tier&Umwelt Redaktion wird im Juli besonders schlau und stellt euch „Neuronade- Das Denk- Getränk“ vor. Die FilmKunstKultur Redaktion berichtet im Juli über die slawische Mythologie mit ihrer Welt der Wasser und Waldgeister

In der Kolumne geht es im Juli um den Sparwahn und die Mode entführt euch auf die Designmessen. Im Panorama dreht sich im Juli alles um das Thema Mediennutzung auf dem Smartphone. Die Tipps&Tricks Mädels berichten im Juli über nerdige Speisen.

Die Technik Rubrik berichtet im Juli über Facebook Seitenbeiträge planen und die Reise-Redaktion entführt euch nach Genua.

Viel Spaß im Juli mit Face2Face! Wenn ihr Anmerkungen oder Kritik habt, dürft ihr uns natürlich jederzeit schreiben.

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Preview: Mai 2014

Der April ist bald vorbei und der Wonnemonat Mai steht vor der Tür. Wie immer ist das bei Face2Face die Zeit, in der wir auf den vergangenen Monat zurückblicken und euch erzählen, was euch im neuen Monat bei uns erwartet.

Der April schrieben die Face2Face-Autoren unter anderem Berichte über die den Arbeitsplatz der Zukunft und den Mannheimer Jungbusch. Auch im Mai warten wieder viele neue und spannende Themen, sowie ein tolles Gewinnspiel auf euch!

Die Tipps&Tricks-Mädels helfen passend zum Frühling euren Hormonen beim Durchdrehen und berichten über das Thema Onlinedating. Spannend wird es in der Tier&Umwel-Rubrik: Böse Tiere heißt hier das Thema. Im Panorama könnt ihr im Mai einen Artikel über alternative Wohnformen in der Gemeinschaft Schloss Tempelhof lesen und die Reise-Redaktion ist  „Unterwegs auf Island“.

In der Sport-Rubrik dreht sich alles um das Runde, das ins Eckige muss. Das große Final-Triple: DFP-Pokal, Europaleague und CL werden hier behandelt. „Sprachnotstand an der Uni: Studenten können keine Rechtschreibung mehr“ – diese These kann die FilmKunstKultur-Redaktion nicht so einfach stehen lassen und fragt nach. Um das Thema „ich wähle und werde gewählt“ geht es im Mai in der Kolumne und mit dem Eurovision Song Contest beschäftigt sich die Musik-Redaktion.

Damit der Mai noch schöner beginnt, könnt ihr bei Face2Face auch etwas gewinnen. Wer bis zum 3. Mai teilnimmt, hat die Möglichkeit ein „Fan-Paket“ der Band Traversay, bestehend aus einer CD und einem Poster zu gewinnen!

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Preview: März 2014

Wieder geht ein spannender Monat bei Face2Face zu Ende und wir geben euch heute die Vorschau auf den März. Aber zuerst schauen wir zurück. Im Februar konntet ihr passend zur startenden Faschingszeit lesen, wie ihr ein tolles Faschingskostüm selber gestaltet. Auch die Sportbegeisterten konnten im Februar auf ihre Kosten kommen bei einem Nachbericht über die Viertelfinalspiele der Champions League. Im März sind wieder viele spannende Themen bei Face2Face geplant:

Im Panorama fragen wir uns im März: „Corporate Happiness – gibt´s das überhaupt?“. Die Tipps&Tricks Mädels verraten euch nächsten Monat nach all der Faschingsfeierei ihre Tipps für einen erholsamen Schlaf. Den Bericht über die Entdeckung einer neuen Flussdelfinart könnt ihr im März in der Tier&Umwelt-Rubrik lesen und die Sport-Redaktion berichtet über den Doping-Fall Evi Sachenbacher-Stehle.

Über die Aktion „Blogger schenken Lesefreude“  anlässlich des Welttages des Buches berichtet die Kolumne nächsten Monat und die FilmKunstKultur-Redaktion führt ein Interview mit einer Rigaerin über Riga als Kulturhauptstadt 2014.

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Preview: Februar 2014

Der erste Monat des neuen Jahres ist bald vorbei und es wird Zeit für das erste Face2Face Preview 2014. Im Januar haben wir euch mit Klatsch und Tratsch versorgt und über den Streit zwischen Jennifer Frankhauser und Samantha Stone berichtet. Weniger vergnüglich ging es die Wirtschaft&Politik-Rubrik an, sie berichtete über den „Krisenherd Afrika“.

Im Februar erwartet euch bei Face2Face wieder ein bunter Mix aus interessanten Themen. So stellt euch die Sport-Redaktion einen Überblick über die Olympischen Winterspiele in Sotschi zusammen und die Kolumne fordert zu einer „Lesechallenge“ heraus. Die Musik-Redaktion bietet euch ein Review zum neuen Album von Ewan McGregor, einem Sänger aus Berlin.

Seltene Sprachen erleben im Februar im Panorama ihre Wiedergeburt. Dort lest ihr einen Artikel über das Pite-Saamisch in Schweden, eine Sprache, die nur noch 30 Menschen weltweit sprechen. Ein Geburtstag wird in der Mode-Rubrik gefeiert: 125 Jahre Lanvin.

Passend zum Karnevalsbeginn erzählen euch die Tipps&Tricks-Mädels im Februar wie ihr euch ganz einfach ein super Last-Minute-Faschingskostüm zaubern könnt. Die Tier&Umwelt-Redaktion berichtet im Februar über den Ginko Baum.

Über die beiden europäischen Kulturhauptstädte berichten im Februar gleich zwei Redaktionen. Die Reiserubrik berichtet über Riga und die FilmKunstKultur-Rubrik über Umea.

Viel Spaß im Februar bei Face2Face! Wenn ihr Anmerkungen oder Kritik habt, dürft ihr uns natürlich jederzeit schreiben.

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