Die Niederlande – Fahrradland Nummer eins?

Fahrradfahren ist für viele ein Hobby oder eine günstige, gesunde und umweltfreundliche Methode, um von einem Ort zu einem anderen zu kommen. Auch im Urlaub nutzen immer mehr dieses Fortbewegungsmittel, um möglichst viel von der Landschaft oder der entsprechenden Stadt zu sehen. Doch lässt sich eigentlich herausfinden, welches Land sich am besten für einen Urlaub mit Rad eignet oder Fahrradfahrern im Allgemeinen das Leben erleichtert?

Fahrradfreundliche Urlaubsländer

Der 1983 gegründete Europäische Radfahrer-Verband, kurz ECF, hat es sich zum Ziel gesetzt, das Radfahren in Europa zu fördern. Dieser hat insgesamt fünf Kriterien aufgestellt, die ein Land als besonders fahrradfreundlich kennzeichnen: Fahrradnutzung (täglicher Gebrauch des Rads als Transportmittel), Sicherheit, Fahrradtourismus (Anzahl der Fahrradtouren im Land durch Touristen), Mitglieder in einem Fahrradverband und Größe des Marktes (verkaufte Fahrräder pro Jahr). Beim „ECF Cycling Barometer“, einer 2015 durchgeführten Untersuchung für EU-Länder, kam heraus, dass Luxemburg und Malta am meisten Sicherheit für Fahrradfahrer bieten. Genutzt wird das Rad hingegen am häufigsten in den Niederlanden. Der Fahrradtourismus ist in Finnland am stärksten, jedoch findet der größte Absatz dieses Fortbewegungsmittels in Slowenien statt. In Dänemark sind allerdings die meisten Menschen Mitglied in einem Fahrradverband. Die Gesamtauswertung hat schließlich ergeben, dass Dänemark, die Niederlande und Schweden die drei fahrradfreundlichsten Länder sind.

Fietsen in den Niederlanden

Es sind trotzdem die Niederlande, die am ehesten mit dem Fahrradfahren (Niederländisch: Fietsen) in Verbindung gebracht werden und sich sicherlich durch noch mehr als die vom ECF festgelegten Kriterien als Fahrradland auszeichnen. So gibt es zum Beispiel sehr gut ausgebaute Fahrradwege. Radfahrer können die Niederlande auf insgesamt über 30.000 Kilometer langen beschilderten Fahrradrouten erkunden. Hinzu kommt, dass Fahrradfahren in einem flachen Land – wie den Niederlanden – auch ohne große Anstrengung möglich ist. Interessant ist ebenfalls, dass in den Niederlanden etwa 22 Millionen Fahrräder existieren – und das bei nur ca. 17,1 Millionen Einwohnern.

Typisch Niederlande: Fahrräder an jeder Ecke (Foto: S. Holitzner)

Fahrradstadt Amsterdam

Insbesondere Amsterdam ist wohl DIE Fahrradstadt der Niederlande. Allein dort gibt es rund 800.000 Fahrräder. Die Stadt verfügt über 400 Kilometer Fahrradwege. Aufgrund der Bauweise und den vielen engen Straßen und Grachten kommt man in der Innenstadt nur schlecht mit dem Auto voran. Wer nicht mit dem Boot fährt oder zu Fuß geht, nimmt da am besten das Fahrrad. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass 40% der gesamten Fortbewegung in dieser Stadt auf dem Rad erfolgt. Fahrräder haben daher in der Stadt so gut wie immer Vorrang, was gerade bei Touristen, die zu Fuß unterwegs sind, immer wieder für Verwirrung sorgt oder sogar zu kleineren Zusammenstößen führt. Seit Juni 2016 hat Amsterdam – als erste Stadt der Welt – sogar einen Fahrradbürgermeister bzw. eine Fahrradbürgermeisterin. Aktuell übt Anna Luten dieses Amt ehrenamtlich aus. Die Amtszeit beträgt zwei Jahre. Als „Stimme der Fahrradfahrer im Rathaus“ ist es die Aufgabe der Fahrradbürgermeisterin, sich bei der Gemeinde dafür einzusetzen, das Fahrradfahren in Amsterdam zu verbessern und international dafür zu werben.

Fahrradparkhäuser lösen das Problem

Ungewöhnliches Parkhaus: Die „Fietsflat“ in Amsterdam (Foto: S. Holitzner)

Wer viel mit dem Rad unterwegs ist, braucht auch einen geeigneten Abstellplatz. Bei der großen Anzahl an Fahrrädern mangelt es aber oft an sicheren Möglichkeiten. Die Niederländer haben dafür die perfekte Lösung gefunden: Fahrradparkhäuser. In Amsterdam gibt es beispielsweise die sogenannte „Fietsflat“ (zu Deutsch: Fahrradwohnung), die 2001 eröffnet wurde. Diese befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Amsterdam Centraal, dem Hauptbahnhof der Stadt. Die drei Stockwerke des überirdischen Parkhauses bieten Platz für 2.500 Fahrräder. In der Nähe des Hinterausgangs des Bahnhofes ist der Fahrradparkplatz „Fietspont“ gelegen. Dort können rund 400 Fahrräder auf einem alten Schiff abgestellt werden.

Das größte Fahrradparkhaus der Welt

In Utrecht entsteht derzeit – nach einem Entwurf von Ector Hoogstad Architecten – das größte Fahrradparkhaus der Welt. Bereits im Juli 2014 wurde mit dem Bau begonnen. Am 7. August 2017 wurde ein Teil der neuen, überwachten Fahrradtiefgarage bereits eröffnet. Sie befindet sich an der Jaarbeurskant bei der Centraal Station, dem Hauptbahnhof von Utrecht. Momentan können Pendler und Besucher dort rund 6.000 Fahrräder unterstellen. Bis Ende 2017 sollen dort 7.500 Fahrräder Platz finden. Über eine App und Schilder in der Stadt bekommen Nutzer freie Stellplätze angezeigt. Um zu diesen zu gelangen, ist es sogar erlaubt, in der Tiefgarage Fahrrad zu fahren. Kosten für die Unterstellung fallen erst nach einem Tag an. Die Plätze sind nummeriert und farblich markiert. Pro Platz können zwei Fahrräder abgestellt werden: eins stehend und eins darüber hängend. Ende 2018 – nach Fertigstellung des Bauprojekts – soll das Fahrradparkhaus auf drei Stockwerken Platz für ca. 12.500 „Fietsen“ bieten.

Mit dem Fahrrad zum Hit

Die Liebe zum Fahrradfahren geht in den Niederlanden sogar soweit, dass ganze Lieder diesem Thema gewidmet werden. So handelt zum Beispiel der Song „Bagagedrager“ (zu Deutsch: Gepäckträger) der niederländischen Rapper Gers Pardoel und Sef davon, dass ein männlicher Protagonist gemeinsam mit seiner Traumfrau auf seinem neuen Fahrrad die Gegend erkundet und überlegt, wohin er zusammen mit ihr fahren kann. Dabei wird das Fahrrad als einzig wahres Fortbewegungsmittel, mit dem Frauen beeindruckt werden können, angepriesen. Das Lied wurde 2011 veröffentlicht und entwickelte sich zu einem großen Hit in den Niederlanden und Belgien. So erreichte der Song Platz zwei der niederländischen und Platz drei der belgischen Singlecharts.

Enorme Qualität und viele Schweden

Am Freitag, 11. September, ist es wieder soweit: Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) startet in ihre 22. Spielzeit. Wer sind die heißen Titelanwärter, wer besitzt Außenseiterchancen? Gelingt es dem Deutschen Meister Adler Mannheim mit Neu-Trainer Greg Ireland den Titel zu verteidigen? Und wie schlagen sich die in der Vorbereitung so starken Kölner Haie mit ihren gleich sechs (!) neuen Schweden? Die Face2Face-Sportredaktion wagt eine Prognose… 

Top-Favorit:
Adler Mannheim: Klar, dass an dieser Stelle der Meister aus Mannheim genannt werden muss. Der Kader blieb nahezu intakt und bekam durch die jüngste Verpflichtung des deutschen NHL-Spielers Marcel Goc nochmals eine zusätzliche Portion Qualität verpasst. Die größte Veränderung gab es hinter der Bande. Meistertrainer Geoff Ward erlag schnell wieder den Verlockungen der NHL. Ein Verlust, der Verein und Fans gleichermaßen hart traf. Die Kurpfälzer entschieden sich mit Greg Ireland für ein eher unbeschriebenes Blatt, aber eines, das die gleiche Spielphilosophie wie sein Vorgänger vertritt.
Fazit: Die Mannschaft strotzt vor Klasse. In Punkto Qualität und Kadertiefe kann den Adlern kaum einer das Wasser reichen. Allerdings birgt der tiefe Kader auch Gefahren. Wenn alle Spieler gesund sind, müssen vier von ihnen auf der Tribüne platznehmen. Das kann schnell zu Unzufriedenheit und Unruhe führen. Ireland möchte diesem Problem mit „ausreichender und ehrlicher Kommunikation“ entgegentreten.

Titelkandidaten:
EHC RB München: Der Etat-Krösus der Liga hat erneut seinen Kader ordentlich umgekrempelt. Das Ziel ist klar: Nach zwei verpassten Play-off-Runden möchte der Brauseklub nach der Meisterschaft greifen. Mit Steven Pinizotto, Nationalspieler Frank Mauer, AHL-Star Keith Aucoin (944 Punkte in 861 Spiele), Frédéric St-Denis und Toni Söderholm haben die Münchner dafür Hochkaräter verpflichtet.
Fazit: Der Kader strotzt für DEL-Verhältnisse nur so vor Qualität. Außerdem kann der Club jederzeit reagieren, wenn die Mannschaft Verstärkung benötigt oder ein Spieler länger ausfällt. Dennoch muss Cheftrainer Don Jackson aus dem zusammengewürfelten Haufen erst einmal eine Einheit formen. Wenn die hochkarätigen Importspieler ihr Gastspiel in München nicht als Urlaub ansehen, ist vieles möglich. 

Kölner Haie: Klotzen statt Kleckern war bei den Kölner Haien in der Sommerpause die Devise. Es wurden sieben neue Ausländer geholt. Sechs davon sind Schweden. Auch der deutsche Nationalspieler Patrick Hager wurde für viel Geld von Vizemeister ERC Ingolstadt verpflichtet. Klar, dass da vom teuersten Kader der Clubgeschichte die Rede ist. Aber wird er die Kölner nach dem letztjährigen verpassen der Playoffs auch wieder in die Nähe der Meisterschaft schießen?
Fazit: Die Mannschaft hat die dringend benötigte Blutauffrischung bekommen. Vor allem im Angriff besitzen die Domstädter eine ungewohnte Tiefe. Allerdings ist auch die Erwatungshaltung riesig. Die Geduld der Fans aufgebraucht. Ein guter Saisonstart muss her, damit die Haie eine erfolgreiche Runde absolvieren.

Hamburg Freezers: Solch ein Verletzungspech wie in der vergangenen Saison soll es in Hamburg nicht mehr geben. Dafür haben die Freezers vor allem im Sturm ordentlich aufgerüstet. Der Königstransfer von Torjäger Marcel Müller ließ die Konkurrenz aufhorchen. Auch die Rückkehr von David Wolf aus Nordamerika (vier NHL-Spiele für die Calgary Flames) sorgte für nicht weniger Aufsehen. Nun besitzen die Freezers zwei deutsche, bullige und dazu noch torgefährliche Stürmer. Damit müssen sich die Hamburger im Angriff vor keinem anderen Team in der Liga verstecken.
Fazit: Die Hamburger verfügen im Angriff über vier torgefährliche Reihen. Bitter allerdings, dass mit Kevin Clark der letztjährige Spieler der DEL, den Verein Richtung Schweiz verlassen hat. Schwachpunkt bleibt nach wie vor die Abwehr. Trotz 154 Gegentoren in der vergangenen Runde, verzichteten die Hamburger auf großartige Verstärkungen. Auch das an für sich starke Torhüterduo Sébastien Caron/Dimitrij Kotschnew wird nicht jünger. Sollte jedoch der Sprung ins Playoff-Halbfinale gelingen, scheint alles möglich.

ERC Ingolstadt: Der Meister und Vizemeister der vergangenen beiden Jahre gehört auch in dieser Saison wieder zum Kreis der Titelkandidaten. Unter den zehn Abgängen musste der ERC allerdings auch Identifikationsfiguren wie Patrick Hager (Kölner Haie) und Christoph Gawlik (Düsseldorfer EG) verkraften. Doch die neu geholten Stürmer Thomas Kubalik und Brian Lebler versprechen von ihrer Statistik her Top-Verpflichtungen zu sein. Auch die Verteidiger-Neuzugänge Brian Salcido und Patrick McNeill bringen ordentlich Offensivkraft mit.
Fazit: Auf dem Papier besitzen die Ingolstadter einen guten Kader. Allerdings muss es sich erst zeigen, wie sie die Abgänge von Hager und Gawlik verkraften und die vermeintlichen Top-Neuzugänge einschlagen werden. Auch der verletzungsbedingte Ausfall von Salcido für die ersten Wochen der neuen Saison wiegt schwer. Sollte allerdings alles nach Plan laufen, ist mit dem ERC zu rechnen.

Wer wird das Rennen um die deutsche Eishockeymeisterschaft machen: Top-Favorit, Titelkandidat, Playoff-Aspirant oder doch ein Außenseiter? Foto: Privat

Wer wird das Rennen um die deutsche Eishockeymeisterschaft machen: Top-Favorit, Titelkandidat, Playoff-Aspirant oder doch ein Außenseiter? Foto: Privat

Play-off-Aspiranten:
Thomas Sabo Ice Tigers: Mit Rob Wilson übernahm ein neuer Trainer das Ruder hinter der Nürnberger Bande. Mit David Steckel, Brandon Segal, Kurtis Foster und Colin Fraser kauften die Ice Tigers nicht nur eine Menge NHL-Erfahrung ein, sondern stärkten gleichzeitig auch das körperliche Element. Bitter: Mit Nummer-eins-Torwart Jochen Reimer fällt ein absoluter Leistungsträger für ein halbes Jahr aus. Die Suche nach einem geeigneten Ersatz läuft.
Fazit: Die Franken besitzen auf dem Papier deutlich mehr Erfahrung als in der vergangenen Runde. Schlagen die prominenten Namen ein, könnte es für Nürnberg dieses Jahr weit gehen. Dies hängt aber auch davon ab, wie sie den Ausfall von Reimer kompensieren können. 

Grizzlys Wolfsburg: Mit neuem Namen versuchen die Wolfsburger ihr überschaubares Image aufzupolieren. Auf dem Eis hat sich ebenfalls etwas getan. Mit Norman Milley, Matt Dzieduszycki und Aleksander Polaczek habe drei ehemalige Leistungsträger den Club verlassen. Die neuen Hoffnungen ruhen nun auf dem schwedischen Neuzugang Daniel Wilding. Doch kann der Stürmer die letztjährige Ladehemmungen im Angriff alleine vergessen machen?
Fazit: Die bereits in der vergangenen Saison gut stehende Defensive wurde mit dem Ex-Berliner James Sharrow nochmals zusätzlich verstärkt. André Reiß und Patrick Seifert verpassen dieser zusätzliche Tiefe. Das Sorgenkind bleibt aber weiterhin der Sturm. Schwer zu sagen, wer dieses Problem auf anhieb lösen soll. Dennoch schaffen es die Grizzlys erneut locker in die Playoffs.

Eisbären Berlin: Der Rekordmeister der DEL hat zwei Seuchenjahre hinter sich. Dennoch verzichteten die Verantwortlichen um Trainer Uwe Krupp und Manager Peter John Lee auf einen großen Umbruch. Wahrscheinlich auch, weil sich der Club die teuren Vertragsauflösungen nicht leisten konnte oder wollte. Dennoch strotzt der in die Jahre gekommene Kader noch vor Meisterspielern.
Fazit: Die deutsche Fraktion gehört in Top-Form weiter zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Sieht man von Constantin Braun und Frank Hördler einmal ab, sucht man nach wahren Führungsspielern in den Reihen der Eisbären allerdings vergeblich. Auch, weil die Ausländer, mit Blick auf die Konkurrenz, nur noch Mittelmaß sind. Einzig Neuzugang Bruno Gervais sticht aus der Importmasse heraus. Für die Playoffs reicht es in diesem Jahr – mehr aber auch nicht.

Düsseldorfer EG: Die DEG stieg in der vergangenen Runde wie der Phönix aus der Asche bis ins Playoff-Halbfinale vor. Und das gelang mit einer größtenteils jungen und unbekümmerten Mannschaft. Dieser Weg wurde nun mit den Neuzugängen etwas verlassen, dafür aber mehr Erfahrung aufgewertet. Reicht diese aus, um den Abgang von DEL-Torhüter des Jahres Tyler Beskorowany und den langzeitverletzten Neuzugang Christoph Gawlik zu kompensieren?
Fazit: Der Abgang von Beskorowany schmerzt. Auf dem Papier hat die DEG allerdings an Qualität hinzugewonnen. Auch die zahlreichen deutschen Talente dürften diese Saison einen weiteren Schritt nach vorne machen. Einige Neuzugänge haben jedoch schon bessere Zeiten erlebt. Fraglich, ob sie an ihre alten Glanzzeiten anknüpfen können.

Iserlohn Roosters: Böse Zungen behaupten, dass kanadische Neuzugänge in Iserlohn neben einem Zweijahresvertrag auch noch gleich einen deutschen Pass in die Hand gedrückt bekommen. Aber in der Tat: Die Roosters führen gleich acht Deutsch-Kanadier, von denen keiner in der Bundesrepublik geboren ist, in ihrem Kader. Und damit haben sie noch keine der elf verfügbaren Ausländerstellen besetzt. Auf dem Eis musste Iserlohn die Abgänge von Sean Sullivan (Hamburg) und Brent Raedeke (Mannheim) verkraften, holten mit Loui Caporusso, Jason Jaspers, Robert Raymond und DEL-Rückkehrer Jean-Philippe Coté aber gleichzeitig Verstärkungen ins Team.
Fazit: Der kanadisch geprägte Stil stoßt bei den Fans im Sauerland auf viel Gegenliebe. Mit Blick auf die Feuerkraft hat der zweitbeste Sturm der zurückliegenden Vorrunde nichts eingebüßt. In der Verteidigung drückt aber nach wie vor der Schlittschuh. Auch die beiden Top-Center Mike York (37) und Jaspers (34) sind bereits in einem gehobenen Alter. Für die Pre-Playoffs reicht es aber allemal.

Außenseiter:
Krefeld Pinguine: Die Pinguine schafften es in der vergangenen Saison, allen Unkenrufen zum Trotz, bis in die Pre-Playoffs. Trotzdem erlebte das Team in der Sommerpause einen Umbruch. In die Jahre gekommene Akteure wie Meyers, Beechey oder Perrault wurden durch jüngere Ausländer ersetzt. In der Verteidigung wie im Tor blieb aber alles beim Alten. Die Krefelder setzen im Sturm ebenfalls auf einen Schweden. Der talentierte Eriksson soll den nach Hamburg abgewanderten Marcel Müller ersetzen.
Fazit: Der deutsche Meister von 2003 scheint zumindest auf dem Papier im Sturm tiefer besetzt. Dennoch gehören die Pinguine rein vom Etat nach wie vor zu den Underdogs der Liga. Somit sind entsprechende Schwachstellen im Kader, die eine Playoff-Teilnahme verhindern könnten, kaum zu verhindern.

Straubing Tigers: Die Hälfte der Mannschaft wurde nach der zurückliegenden Katastrophensaison in die Wüste geschickt. Gleichzeitig wurde der Spieler-Etat erhöht. Somit konnte sich Trainer Larry Mitchell viele Wünsche erfüllen. Mit Colton Jobke, Ryan Bayda, Michael Conolly und Martin Hinterstocker bediente sich der Ex-Augsburg-Coach dabei vor allem von seinem ehemaligen Club. Dies könnte ein Plus sein.
Fazit: Der Angriff ist teilweise prominent und tief besetzt. Die Ausleihe von Jung-Nationalspieler Mirko Höfflin (Adler Mannheim) könnte sich als goldwert erweisen. Die Abwehr ist dagegen eher unterbesetzt und rein körperlich betrachtet zu schmächtig, um effektiv etwas auszurichten. Trainer Mitchell wird der Leuchtturm in der Schlacht sein. Eine Playoff-Teilnahme wird dennoch schwer.   

Augsburger Panther: Alles neu macht der Mai dachten sich wohl auch die Panther und ließen in der Sommerpause keinen Stein auf dem anderen. 15 Neuzugänge stehen 16 Abgänge gegenüber. Mit Mike Steward wurde zudem ein neuer Cheftrainer vom Zweitligisten Bremerhaven verpflichtet. „Iron Mike“, wie der neue Coach genannt wird, soll die Panther wieder in ruhigere Gewässer führen. Helfen sollen dabei die beiden eingebürgerten Arvids Rekis und Ivan Ciernik, als auch das Torhüterduo Deslauriers/Meisner.
Fazit: Steward wird in Augsburg sicherlich für frischen Wind sorgen. Mit Mark Mancari, Drew LeBlanc, Ivan Ciernik und Michael Iggulden besitzen die Panther namhafte Spieler im Sturm, die allesamt allerdings auch schon bessere Zeiten erlebt haben. Die Panther bleiben damit eine (wenn nicht sogar die) große Wundertüte der kommenden Saison.

Schwenninger Wild Wings: Auch die Schwenninger haben einen großen Umbruch hinter sich gebracht. Es wird überwiegend auf die deutsche Karte, zusammen mit erfahrenen Ausländern, gesetzt. Bei gleich sechs verschiedenen Nationen in der Mannschaft wird auch gerne von der „Multi-Kulti-Truppe“ gesprochen. Neu-Trainer Helmut de Raaf muss diese zu einer Einheit formen.
Fazit: Von den Importspielern blieb nur Ashton Rome übrig. Aus Finnland, Tschechien und Schweden kamen im Gegenzug interessante Spieler in den Schwarzwald. Die Altersstruktur scheint zu passen. Allerdings fehlt es dem Team an spielerischer Klasse und dem lebenswichtigen Scoringpotenzial. Die Teilnahme an den Pre-Playoffs wäre bereits ein großer Erfolg.

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Artikel über die neue Trendsportart Headies.

   

 

Nach den Playoffs ist vor der WM

Die gestern in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) beendeten Playoffs waren mit einem Wort: historisch. Dies fing bereits im Viertelfinale an. Während die jeweiligen Favoriten Eisbären Berlin (4:0-Sieg gegen Köln), Adler Mannheim (4:1-Sieg gegen Hamburg) und Ingolstadt (4:1 gegen Düsseldorf) für noch wenig Aufsehen in der „best of seven“ Serie sorgten, schlug der Underdog aus Straubing umso gewaltvoller ein!

Beim Duell der nach der Vorrunde siebtplatzierten Straubing Tigers gegen die drittplazierten Grizzlys Adams Wolfsburg, war mächtig im Feuer im Spiel. Dass sich am Ende die Mannschaft aus Bayern und nicht die von vielen Experten als Meisterschaftskandidat gehandelten Wolfsburgern die Serie beherrschten, war schon ein kleines Eishockeywunder.

Mit einem glatten 4:0-Erfolg, in der Eishockeysprache auch als „Sweep“ bekannt, schickte Straubing die Mannschaft aus der VW-Stadt in den Urlaub. Was folgte war die Begegnung gegen den amtierenden Titelverteidiger Eisbären Berlin. Auch hier hielten die Straubinger lange Zeit mit – konnten sogar ein Spiel in Berlin gewinnen – mussten sich am Ende der Halbfinalserie, die im best of five Modus ausgespielt wurde, aber dennoch mit 1:3 geschlagen geben.

Für die Eisbären aus Berlin bedeutet dies gleichzeitig der Einzug ins Finale. Hier wartete bereits kein geringerer Gegner, als die Adler Mannheim, die sich ebenfalls in der Halbfinalserie mit 3:1 (gegen Ingolstadt) durchgesetzt haben. Damit war das Duell der beiden DEL-Rekordmeister (jeweils fünf Titel), von vielen auch nicht zu Unrecht das „Gigantenduell“ genannt, geboren.

Diese Finalserie versprach von Anfang an Spannung und Dramatik. Da die Eisbären die reguläre Saison als Erster abschlossen, wurde das erste Spiel in der Hauptstadt ausgetragen. Nach zwei zum Teil hochklassigen Eishockeyspielen stand die Serie, nach einem 2:0-Sieg der Berliner und einem 4:1-Erfolg der Adler, 1:1-Unentschieden. Da Mannheim das dritte Duell in Berlin mit 2:1 für sich entscheiden konnte, hatte der sechsmalige Meister aus der Quadratestadt die Chance, in der eigenen SAP-Arena alles klar zu machen.

Was die 13.600 Zuschauer in der ausverkauften Arena zu sehen bekamen, war ein Wechselbad der Gefühle – ein wahres Drama eben. Nachdem die Adler vierzehn Minuten vor Schluss das 5:2 schossen, hatten sie schon mehr als eine Hand an dem Pokal. Doch die Freude währte nur kurz. Die erfahrene Berliner Mannschaft ließ sich selbst von diesem Drei-Tore Rückstand nicht beeindrucken und schlug im Stile einer Spitzenmannschaft zurück. Dass am Ende ein 6:5-Sieg nach Verlängerung für die Berliner auf der Anzeigetafel stand, hatten selbst die kühnsten Optimisten für unmöglich gehalten – ein unglaubliches Spiel!

Dieser außergewöhnliche Erfolg bescherte allen Eishockeyfans ein fünftes und entschiedenes Finalspiel in Berlin. In diesem setzten sich die Eisbären schließlich mit 3:1 durch und krönten sich zum sechsten Mal zum Deutschen Meister.

Doch nach den Playoffs ist in der Eishockeywelt bekanntlich vor der WM. In Finnland und Schweden muss die deutsche Nationalmannschaft ihr Können unter Beweis stellen. In einem neuen Modus – die altbekannte Zwischenrunde fällt zugunsten von zwei Achtergruppen weg –  kämpft die DEB-Auswahl gegen Russland, Schweden, Tschechien, Norwegen, Italien, Lettland und Dänemark um den Einzug ins Viertelfinale.

Nach den Absagen der National Hockey League (NHL)-Spieler Christian Erhoff (Buffalo Sabres, verletzt) und Alexander Sulzer (ebenfalls Buffalo, wird Vater), sowie den Absagen von Kapitän Michael Wolf (Iserlohn Roosters, verletzt) und des Noch-Krefelders Patrick Hager (aus persönlichen Gründen) wird das alles andere, als ein einfaches Unternehmen.

Ein Mutmacher für die noch junge deutsche Mannschaft kann die bisherige Vorbereitung sein. Ohne die Spieler der Finalisten aus Mannheim und Berlin, sowie ohne einen einzigen Legionär aus der NHL, der besten Liga der Welt, haben die DEB-Cracks bei den Duellen gegen Russland, Tschechien und Dänemark noch kein Spiel nach sechzig Minuten verloren.

Aber apropo NHL-Legionären: Hoffnung auf Verstärkung aus Übersee ist durchaus erlaubt. Mit Thomas Greiss (San Jose Sharks) ist der einzige deutsche NHL-Torhüter bereits aus den dort noch lange laufenden Playoffs ausgeschieden. Seine Zusage für die WM in Skandinavien steht aber noch aus. Mit Marcel Goc, Marco Sturm (beide Florida Panthers) und Dennis Seidenberg (Boston Bruins) befinden sich noch drei deutsche Spieler in den Playoffs und können je nach Ausscheiden zu den am vierten Mai beginnenden Titelkämpfen dazu stoßen.

Vorschau: Nächste Woche nimmt Christian die unglaubliche Erfolgssaison des THW Kiel in der Toyata Handball-Bundesliga für euch mal genauer unter die Lupe.

Jan Costin Wagner – der Poet unter den Krimi-Autoren

„Kimmo Joentaa lebte mit eine Frau ohne Namen in einem Herbst ohne Regen. Das Hoch wurde Magdalena getauft. Die Frau ließ sich Larissa nennen. Sie kam und ging. Er wusste nicht woher und wohin.“

1972 in Hessen geboren: Autor Jan Costin Wagner (Foto: Dennis Yenmez)

Das sind die ersten Worte aus Jan Costin Wagners neustem Kriminalroman „Das Licht in einem dunklen Haus“ – das mittlerweile vierte Abendteuer des finnischen Polizeikommissars Kimmo Joentaa. Wagner spricht mit sanfter Stimme, als er beim „Pfälzer Krimiherbst“ in Neustadt aus seinem Buch vorliest. Er hat das braune, schulterlange Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden, trägt einen dunkelblauen, ausgebeulten Pullover und Sneakers.

Ein wenig schüchtern wirkt er, mag irgendwie nicht dem Bild eines Kriminalautors entsprechen, der in seiner Fantasie grausame Morde inszeniert und in die Abgründe der menschlichen Seele eintaucht. Doch auf das Label „Kriminalroman“ gibt Jan Costin Wagner eigentlich nicht viel. Seine Romane sind eher eine Psychoanalyse über Tod und Verlust, gemordet wird fast beiläufig. Zentrale Figur der Bücher ist Kimmo Joentaa, den Wagner in „Eismond“, dem ersten Band der Buchreihe, schon auf den ersten Seiten einen schrecklichen Verlust erleiden lässt.

Kimmos junge Frau Sanaa erliegt dem Krebs: „Der Tod trat nachts ein, drei Tage nachdem Rintanen ihn über die Verschlechterung ihres Zustands informiert hatte. Es war dunkel im Zimmer, er spürte ihre Hand und erahnte ihre Augen und Lippen. Er begann, in den Halbschlaf hinabzugleiten, wurde zurückgerissen von der plötzlichen Angst, die Pause zwischen ihren Atemzügen werde nicht enden. Er tat, was er oft getan hatte, hielt die Luft an, beugte sich zu ihr hinab und verharrte still. Er wartete auf ihr leises, flaches Atmen, auf den schwachen Puls an seinen Fingern, aber dieses Mal kam nichts.“ Wagners Worte liegen einem wie Steine im Magen, schnüren dem Leser genauso die Kehle  zu mit erstickendem Schmerz wie seiner Hauptfigur Kimmo.

Wurde für den Los Angeles Times Book Prize nominiert: „Eismond“ (Foto: Galiani Verlag)

„Ich hatte jahrelang den Gedanken eine Geschichte zu schreiben über einen jungen Mann, dessen Frau stirbt. Mir ging es darum auch für mich relevante Themen zur Sprache zu bringen, aber auch Themen, die jeden Menschen betreffen. Jeder hat ja Angst davor, einen Menschen zu verlieren, den er liebt“, erklärt Wagner. Dann verstarb ein guter Freund an Krebs, was ihn zunächst dazu veranlasste, diese erste Szene seiner Romanreihe zu schreiben. Der Verlust von Sanaa und die Verarbeitung der Trauer begleiten Kimmo über alle Bücher hinweg. „Das war eigentlich die Urzelle dieser Figur, alles andere hat sich dann entwickelt“, so der Autor.

Wenn Wagner aus seinem Roman vorliest, hebt er am Ende jedes Satzes leicht die Stimme. Eine Angewohnheit, die er wohl aus dem Finnischen übernommen hat, in dem stets die erste Silbe eines Wortes betont wird. Früher, so sagt er, wusste er über Finnland nur, dass es dort diese Ski-Springer gab, die immer alles gewonnen haben. Heute ist das Land seine zweite Heimat.

Wagner ist mit einer Finnin verheiratet, die Familie lebt abwechselnd in der Nähe von Frankfurt und in Finnland. Jedoch wird er so schnell wohl nicht zum Schauplatz seiner Romane zurückkehren, da seine Tochter kürzlich in Deutschland eingeschult wurde. Finnland ist allerdings mehr als nur eine schaurig schöne Kulisse für seine Krimis, betont Wagner: „Für mich sind meine Romane natürlich auch eine Hommage an das Land.“  Mittlerweile wurden die Bücher auch ins Finnische übersetzt, so wie in dreizehn weitere Sprachen.

Wagners aktueller Roman: „Das Licht in einem dunklen Haus“ (Foto: Galiani Verlag)

2008 wurde Wagner für „Das Schweigen“ mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. Ein Blick in den Pressespiegel macht deutlich, dass der Autor gleichermaßen Liebling von Literaturkritikern und Journalisten ist: Die Rezensionen seiner Kriminalromane sind durchweg voll des Lobes. Man kann sich geradezu vorstellen, wie er mit seinen Verlegern zusammensitzt und über das Dilemma berät, welche Lobeshymne nun auf den Buchdeckel gedruckt werden soll – Platz ist schließlich nur für drei oder vier.

So schreibt „Spiegel Online“: „Die Bücher gehören zum Besten, was das Krimigenre derzeit zu bieten hat.“ Der „Focus“ sagt: „Wagner ist ohne Zweifel ein begnadeter Erzähler.“ Und die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ meint: „Jan Costin Wagner – eine der erstaunlichsten, jungen deutschen Literaturentdeckungen der letzten Zeit.“ Auch international findet der Autor Anklang, wurde von der „Los Angeles Times“ für deren Buchpreis nominiert.

Jan Costin Wagner hat es verstanden, die Grenzen des Krimigenres auszuhebeln. Sein Ermittler ist kein heldenhafter Haudegen, sondern ein gebrochener Mann im ständigen Kampf für und gegen das Leben. Mörder können dagegen auch sympathisch sein. Bei Wagner wirkt Moral zerbrechlich wie die dünne Eisschicht auf der Kulisse Finnlands. Fazit: Wer Krimis mag, wird Wagners Romane lieben.

Weitere Infos zu Jan Costin Wagner und seinen Romanen findet Ihr HIER

Vorschau: Nächste Woche folgt Leonardo da Vinci Teil III.