Grömitz und Kühlungsborn – zwei Ostseebäder mit Flair

Der Sommer hat begonnen. Bei einem erfrischenden Radler sitze ich mit ein paar Freundinnen am Rhein und genieße das Rauschen des Wassers, das Zwitschern der Vögel und die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Kein Wunder, dass wir da im Gespräch auch auf das Thema Urlaub kommen. „Ich fliege mit meinem Freund in die USA. Wir bleiben vier Wochen“, sagt eine meiner Freundinnen enthusiastisch. „Ich habe noch nichts gebucht, aber wahrscheinlich fliegen wir nach Mallorca oder nach Sizilien“, wird von anderer Seite berichtet. War ja klar. Da kann ich mit meinem Urlaubsziel mal wieder nicht mithalten. Im nächsten Moment wird mir die Frage gestellt, die ich schon erwartet hatte: „Und wohin fährst du in Sommerurlaub?“ „Nach Kühlungsborn oder nach Grömitz“, antworte ich und blicke – wie zu erwarten war – in fragende Gesichter: „Wo liegt das denn? Das habe ich ja noch nie gehört. Ist das noch in Deutschland?“ Die nächste halbe Stunde verbringe ich damit, meinen Freundinnen zu erklären, dass man manchmal gar nicht weit wegfahren muss und auch Deutschland wunderschöne Ecken zu bieten hat, an denen man einen perfekten Sommerurlaub verbringen kann. So zum Beispiel im Ostseebad Grömitz.

Seebad mit langer Tradition

Grömitz liegt am Nordrand der Lübecker Bucht in Ostholstein und hat rund 7.800 Einwohner. Die Hansestadt Lübeck ist nur etwa 50 Kilometer entfernt. Als Erholungsort hat Grömitz eine lange Tradition, denn es ist schon seit 1813 Seebad, also ein Kurort am Meer. Besonders schön sind der über acht Kilometer lange Sandstrand und das saubere Meerwasser. Wenn die Temperaturen stimmen, kann man natürlich in der Ostsee schwimmen. Ansonsten eignet sich der weite Sandstrand aber auch gut für ausgedehnte Spaziergänge, die stets von einem beruhigenden Wellenrauschen begleitet werden. Dank des weitläufigen Strandes verteilen sich die Einwohner und Touristen in Grömitz ganz gut und für jeden ist ausreichend Platz vorhanden. Auch an die Erholung des „besten Freundes des Menschen“ ist gedacht, denn es gibt extra einen Hundestrand, an dem sich die Vierbeiner austoben können.

Absolut sehenswert: Der Jachthafen in Grömitz (Foto: S. Holitzner)

Erholung nicht nur am Strand

Wer keine Lust auf Strand hat, kann sich in Grömitz auch gut anderweitig beschäftigen. So gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten, einen Kurpark, einen Golfplatz, einen kleinen Zoo und einen sehenswerten Jachthafen mit empfehlenswerten Fischrestaurants. Die meisten Restaurants und Cafés befinden sich an der drei Kilometer langen Strandpromenade. Ausgiebige Spaziergänge mit Blick aufs Meer sorgen da ebenfalls für Entspannung. Und zwischendrin kann man dann ganz gemütlich in ein Eiscafé oder in einen der vielen kleinen Strandläden zum Stöbern einkehren.

Einfach mal abtauchen

Beeindruckend: Die 398 Meter lange Seebrücke in Grömitz (Foto: S. Holitzner)

Besonderes Highlight in Grömitz ist die 398 Meter lange Seebrücke. Dabei handelt es sich um die längste Seebrücke Schleswig-Holsteins. Wenn man auf ihr entlang läuft, ist man dem Meer ganz nah und hört unter den Holzbrettern der Brücke, wie die Wellen brechen. Bei klarer Sicht hat man von der Seebrücke aus einen tollen Blick auf umliegende Städte und Ortschaften sowie das weite Meer. Insbesondere abends ist es schön, von der Seebrücke aus den Sonnenuntergang zu beobachten. Wer nicht nur die Aussicht über Wasser, sondern auch unter Wasser genießen möchte, kann in die Tauchgondel, die sich seit 2009 am Ende der Grömitzer Seebrücke befindet, steigen. 30 Besucher können gleichzeitig mit ihr abtauchen. Sie bekommen dann einen 3D-Film über die Ostsee gezeigt und können bei guter Sicht den Meeresboden und einige Meeresbewohner erkennen. Wer als Urlauber das Glück hat und Ende August das Strandbad besucht, kann an „Grömitz in Flammen“ teilnehmen. Das ist ein beeindruckendes, mit Musik untermaltes Feuerwerk, das direkt von der Seebrücke aus gestartet wird und so die Ostsee und den Grömitzer Strand erleuchtet. Wenn man dann in Meeresnähe steht, kann man sogar sehen, wie sich das Feuerwerk im Wasser spiegelt.

Lichterspektakel: „Grömitz in Flammen“ (Foto: S. Holitzner)

Wasser marsch!

Leider gibt es immer mal wieder Sommerurlaube, in denen das Wetter nicht mitspielt oder die Temperaturen einfach zu niedrig sind, um im Meer zu schwimmen. In Grömitz kann man in so einem Fall trotzdem in Meerwasser baden. Im Schwimmbad „Grömitzer Welle“ gibt es nämlich aufbereitetes Seewasser in den Schwimmbecken. Außerdem gibt es ein Wellenbad: Alle 30 Minuten werden so am Anfang des Beckens kleine Wellen und am tieferen Ende des Beckens bis zu ein Meter hohe Wellen erzeugt, sodass man sich fast wie im richtigen Meer fühlt.

Von West nach Ost

Ebenfalls eine Reise wert ist das Ostseebad Kühlungsborn. Es liegt an der Küste der Mecklenburger Bucht und hat circa 8.900 Einwohner. Die Hansestadt Rostock ist nur rund 30 Kilometer entfernt. Im Gegensatz zu Grömitz ist Kühlungsborn erst seit 1996 offiziell Seebad. Kühlungsborn besteht aus den zwei Stadtteilen West und Ost, die durch einen 133 Hektar großen Stadtwald verbunden sind. Wer nicht durch den Wald gehen möchte, kann auch einfach am langen Sandstrand entlanglaufen und gelangt so ebenfalls zum jeweils anderen Stadtteil. Auch in Kühlungsborn ist das Meerwasser sehr sauber, sodass man sich bei heißen Temperaturen ideal mit einem Bad in der Ostsee abkühlen kann. Hundestrände gibt es hier ebenfalls. Von der 240 Meter langen Seebrücke, die sich im Stadtteil Ost befindet, hat man einen schönen Ausblick. Sie ist die erste Seebrücke, die nach der Wiedervereinigung Deutschlands in Mecklenburg-Vorpommern vollendet wurde (1991). Eine fast vier Kilometer lange Strandpromenade verbindet die beiden Stadtteile Ost und West und eignet sich gut für Spaziergänge mit Blick aufs Meer.

Entspannung am Meer: Kühlungsborn-Ost (Foto: S. Holitzner)

Kühlungsborn für Touristen

Viele schöne alte Villen aus der Gründerzeit prägen das Stadtbild von Kühlungsborn. Kühlungsborn-Ost ist der für Touristen vermutlich ein bisschen attraktivere Stadtteil. Abgesehen von der Seebrücke sind dort verschiedene größere Einkaufsmöglichkeiten, viele Cafés und Restaurants. Außerdem befindet sich dort ein Jachthafen. Ebenfalls beginnt in Kühlungsborn-Ost die Steilküste mit Blick auf die Ostsee. Gut ausgeschilderte Wanderwege ins nah gelegene Heiligendamm starten hier. International bekannt geworden ist dieser kleine Ort, als dort im Juni 2007 der G8-Gipfel stattgefunden hat.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Nostalgie pur: Eine Fahrt mit Dampflok „Molli“ (Foto: S. Holitzner)

In Kühlungsborn-Ost wird zudem Geschichte lebendig. Dort steht noch ein Original-Grenzbeobachtungsturm aus der Zeit der DDR. Von 1971 bis 1990 waren mehrere solcher Türme entlang der Ostseeküste aufgestellt, um die Seegrenze der DDR im Auge zu behalten und Republikflüchtlinge, die über die Ostsee aus der DDR fliehen wollten, zu erspähen. Rund um den Grenzbeobachtungsturm in Kühlungsborn können sich Besucher über das Grenzsystem und das Schicksal von Menschen, die versucht haben, aus der DDR zu fliehen, informieren. Außerdem kann der Turm besichtigt werden. Lohnenswert ist in Kühlungsborn auch eine Fahrt mit dem „Molli“. Das ist eine Dampflok, die auf einer rund 15 Kilometer langen Strecke zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan fährt. Für diese Strecke, die teilweise mitten durch die Natur führt, benötigt „Molli“ rund 40 Minuten, denn er ist mit einer maximalen Geschwindigkeit von 40 km/h unterwegs. Bei einer Kurzreise mit dem „Molli“ lernen Fahrgäste sehenswerte Ecken der einzelnen Orte kennen, die sie so vielleicht gar nicht wahrgenommen hätten.

Ländersammlerinnen aufgepasst: Das ist die perfekte Packliste für euer nächstes Asienabenteuer

Während sich die einen vor allem viel Dschungel und Backpacker-Touren vorstellen, denken die anderen beim Asienurlaub zuerst an Luxusresorts und Traumstände. Tatsächlich kann ein Urlaub im südostasiatischen Raum so vielfältig sein, wie die Menschen die dorthin reisen. Egal, ob für dich der absolute Traumurlaub bedeutet, mit dem Rucksack durch die Wildnis zu schlendern oder einen Cocktail auf der Strandliege zu schlürfen – Face2Face stellt dir die ultimative Reisecheckliste für beide Szenarien vor.

In Gedanken am Strand: Mit den Face2Face-Tipps & Tricks klappt das ganz bestimmt (Foto: T. Gartner)

Traumkulisse: Die Strände auf Koh Samui (Foto: T. Gartner)

Was packe ich nur ein?
Habe ich auch genug dabei? Für alle, die sich das fragen, haben wir gute Neuigkeiten. Die wohl unkomplizierteste Packliste ist diejenige für Asien. Dies liegt daran, dass ihr so ziemlich alles, was ihr in Deutschland vergessen habt, vor Ort um ein vielfaches günstiger einkaufen könnt. Außerdem sind die Asiaten selbst so simpel gekleidet, dass ihr in einer aufwändigen Robe eher negativ auffallt, als dafür Bewunderung zu ernten. Nebenbei hilft das milde Klima dabei, das Gepäckstück leicht zu halten und trotzdem für jeden Anlass etwas dabei zu haben ohne Kompromisse einzugehen. Doch jetzt genug drumherum geredet – hier kommt die ultimative Asien-Packliste:

Kleidung
Für den Flug empfehlen wir den Zwiebellook. T-Shirts und eine lange Hose wirst du in Tempelanlagen immer wieder brauchen und auch ein dünnes Strickjäckchen sollte in religiösen Einrichtungen deine Schultern bedecken und hält dich mit Sicherheit in der ein oder anderen langen Strandnacht warm. Lange Kleidung verhindert außerdem, dass du dich bereits beim Hinflug erkältest. Ein Geheimtipp der Redaktion: Pack‘ dir einen dünnen Schal ein. Während dem Flug kannst du ihn als Decke oder Kissen verwenden und im Urlaub wird er entweder zum Pareo umfunktioniert oder abends galant über die Schultern geworfen.

Tagsüber in Asien
Sobald du angekommen bist, kannst du dich dann nur noch deinen kurzen Klamotten widmen. Tagsüber sind dabei ein T-Shirt und kurze Hosen vollkommen ausreichend. Da zum Standardprogramm des Asienurlaubs die Besichtigung von Großstädten oder Touren durch die Natur gehören, kannst du die schneeweißen Klamotten mit gutem Gewissen Zuhause lassen – du wirst dich nur ärgern, wenn sie nach einem erlebnisreichen Tag die Farbe des Bodens angenommen haben. Solltest du vorhaben sehr aktiv zu sein, vergiss nicht festes Schuhwerk – optimaler Weise luftdurchlässige Sportschuhe – mitzunehmen.

Ein Anblick zum Verlieben: Asien bietet Action und Entspannung (Foto: Paulwip / pixelio.de)

Ein Anblick zum Verlieben: Asien bietet Action und Entspannung (Foto: Paulwip / pixelio.de)

Wilde Nächte
Für das Abendprogramm, Restaurant- und Barbesuche oder auch nur für den „Sex and the City“-Strandauftritt, kannst du dir massenhaft Tuniken und lange Strandkleider mitnehmen, die nicht nur das ultimative Urlaubsfeeling vermitteln, du bist damit auch immer passend angezogen. Einen Cocktail in der Hand, eine riesige Blume im Haar und das Outfit ist komplett. Wenn du dich abends nicht nur an Strandbars oder auf Beachpartys aufhältst, wirst du das ein oder andere Mal auch am Abend Schuhe anziehen müssen. Hier reichen aber offene Riemchensandalen vollkommen aus. Da asiatische Städte nicht immer die saubersten sind, wirst du zwar regelmäßig mit kohleschwarzen Füßen zurückkommen, die sind jedoch schnell wieder abgewaschen.

Hygieneartikel
Absolutes Must-have für Asien ist ein starkes Spray gegen Insekten. Vor allem abends am Strand sind die Mücken sehr aggressiv und an vielen Orten gibt es Moskitos. Lass‘ dich dazu am besten in der Apotheke beraten – du kannst jedoch die Stärke eines Sprays immer am Deet-Wert erkennen. Je höher dieser Wert desto mehr Abstand halten die Mücken zu dir. Ansonsten können wir dir empfehlen Shampoo, Conditioner und sonstige Hygieneartikel nur in kleinen Mengen mitzunehmen. Entweder so, dass es genau für den Urlaub reicht oder ausreichend für die ersten Tage. Pflegeprodukte gibt es nämlich an jeder Ecke „en masse“ und außerdem oft um mehr als die Hälfte günstiger.

Reiseapotheke

Ein ganz besonderes Abenteuer: Asien ist vor allem wegen seiner Vielseitigkeit beliebt (Foto: K. Gießelmann / pixelio.de)

Ein ganz besonderes Abenteuer: Asien ist vor allem wegen seiner Vielseitigkeit beliebt (Foto: K. Gießelmann / pixelio.de)

Solltest du auf Medikamente angewiesen sein, solltest du diese natürlich in ausreichender Menge mit in den Urlaub nehmen. Auch Magenbeschwerden sind für viele Europäer in Asien keine Seltenheit, weshalb wir dir auch hier empfehlen deine Reiseapotheke entsprechend auszustatten. Ein Insider-Tipp vieler Asien-Urlauber ist es jedoch, bei gesundheitlichen Problemen eine örtliche Apotheke aufzusuchen, da die dortigen Bakterien oder Viren bei uns oft gar nicht vorkommen und somit die landesspezifischen Medikamente häufig wirkungsvoller sind als unsere heimischen.

Sonstiges
Selbstverständlich solltest du neben unserer Checkliste auch die typischen Reiseutensilien, wie Reisepass, Handyladekabel und Kreditkarte mitnehmen.

Die Koffer sind gepackt! Bleibt uns nur euch einen  wunderschönen Urlaub, der von Action bis Entspannung alles beinhaltet, zu wünschen.

 

Vorschau:

Schule aus?!

Nie wieder Schule? Eine der größten Lebenslügen (©Dieter Schütz / pixelio.de)

Nie wieder Schule? Eine der größten Lebenslügen (©Dieter Schütz / pixelio.de)

Ich weiß noch, es gab diese Zeit, da jubelten wir „nie wieder Schule“ und ließen die Tore der Bildungsstätte, an der wir unseren Abschluss gemacht hatten, hinter uns. „Nie wieder Schule“ – ein Satz, den jeder mal sagt, eine der größten Lebenslügen schlechthin. Denn nicht nur diejenigen, die eine Lehre beginnen und zur Berufsschule (aha) gehen, sind das Bildungswesen noch lange nicht los. Studenten können ihre Schule gerne Universität nennen, in Zeiten von Bachelor und Master ist das Studium dermaßen verschult, dass kaum eine Wimper mehr zucken wird, wenn die Uni „Schule“ genannt wird. Immerhin passiert es mir oft genug, dass mir von älteren Mitbürgern gesagt wird „Ah, sie gehen noch auf die Schul?!“, wenn ich von meinem Studium erzähle.

Der Beruf des Lehrers: Eine Schulzeit, die kein Ende kennt (©knipseline / pixelio.de)

Der Beruf des Lehrers: Eine Schulzeit, die kein Ende kennt (©knipseline / pixelio.de)

Ganz böse hat es aber die getroffen, die aus unerfindlichen Gründen beschlossen haben, Lehrer zu werden. Lehrer? Also ehrlich. In einer Gesellschaft, in der ein Bundeskanzler Lehrer einst mit faulen Säcken verglich und die Gemeinschaft glaubt, ein Lehrer hätte ja schön viel Freizeit und würde Noten würfeln. Noch dazu mit einer Bezahlung, die immer weniger gesichert ist, denn Verbeamtungen werden in nahezu allen Bundesländern zurückgefahren. Lehrer werden angestellt, zu den Sommerferien entlassen und mit etwas Glück danach wieder an der gleichen Schule eingestellt. Vielleicht aber auch nicht.

Mein Mann ist Lehrer. Mehr kann ich eigentlich schon gar nicht sagen, denn viel mehr darf ich nicht wissen, um Schule und Staat zu schützen. Tut mir Leid, hier gibt es keine witzigen Geschichten über Schüler zu lesen, die ihren Namen nicht richtig schreiben können oder Kollegen, die Angst haben, ihre Klassen zu betreten. Aber darum soll es hier auch nicht gehen. Stilblüten kann jeder überall sammeln. Aber einen Lehrer zum Ehemann zu haben ist mitunter keine leichte Aufgabe, vom Lehrersein ganz zu schweigen. Um mal die gängigsten Klischees abzuarbeiten:

Lehrer und Klischees: Nicht nur in der Schule ein Thema (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Lehrer und Klischees: Nicht nur in der Schule ein Thema (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Um einst ist Feierabend? Pustekuchen. Dann folgen Besprechungen, Konferenzen, Vorbereitungen, Korrekturen, Elterngespräche, Elternemails (am liebsten so gegen 20:00). Ein Lehrer hat nie Feierabend. Er fängt übrigens auch oft vor der eigentlichen Arbeitszeit an. Vertretungsplan erstellen, Material besorgen, Kopien machen und dann noch vor der nervigen Kollegin, die jede Sekunde Zuspätkommen gleich im Direktorat vorträgt, im Klassenzimmer sein.

Mindestens sechs Wochen Ferien? Pustekuchen. Nachbereitungen, Vorbereitungen, neues Material sichten, Stundenplan erstellen, allzeit abrufbereit sein, gegebenenfalls Ferienprüfungen. Was unter der Woche gilt, gilt auch an Wochenenden und zu Ferienzeiten, Feierabend ist ein Gerücht. Da wird manch Lehrer auch schon mal für die Ferienwoche gesperrt, sprich, hat eben keine Freizeit, sondern Anwesenheit an der Schule.

Dass Lehrer bei diesem Aufwand nicht faul sein können, sollte klar sein. Dass ein Normalsterblicher bei diesem Druck und Arbeitsaufwand schnell die Grenzen des Möglichen erreicht, auch. Wie mein Mann es da schafft, noch mit etwas Elan und Engagement jeden Morgen zur Schule zu fahren, ist mir ein Rätsel. Und ehrlich: Als Schüler hat er mit Sicherheit nicht so viel für die Schule getan.

Erster Schultag: Davon erleben viele mehrere (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Erster Schultag: Davon erleben viele mehrere (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Schüler, das ist seit einer Woche auch unser Ältester, was unsere zukünftige Ferienplanung so ziemlich in die Schranken weist. Denn jetzt müssen wir uns nicht nur an die Ferienzeiten eines Bundeslandes halten, sondern haben gleich zwei Jahrespläne, aus denen wir so schnell nicht mehr herauskommen. Und wo mein Mann erschöpft um vier nah Hause kommt und mit einem müden Lächeln nach einer Kaffeepause im Arbeitszimmer verschwindet, hole ich das Schulkind um 12 von der Schule oder um 14 Uhr von der Betreuung ab, er strahlt, macht mit Begeisterung seine Hausaufgaben (dauern momentan noch keine 10 Minuten) und erzählt immer wieder, wie schön die Schule ist. Nie wieder Schule? Pustekuchen! Wer Kinder hat wird früher oder später wieder Fuß in diese Einrichtung setzten müssen, der er abgeschworen hat, wird sich mit Lehrern und anderen Eltern rumärgern. Und bei all dem bin ich vor allem eines: neidisch. So als Erstklässler war der Ernst des Lebens doch wirklich gemütlich.

Vorschau: Nächste Woche erzählt euch Sascha hier, wie es so ist, ohne Taktgefühl durchs Leben zu tänzeln.

Die Qual der freien Zeit

Urlaub: Und plötzlich haben wir Zeit (© Uwe Schlick / pixelio.de)

Urlaub: Und plötzlich haben wir Zeit (© Uwe Schlick / pixelio.de)

Die Sommerferien überschwemmen das Land mal wieder mit Kindern und Jugendlichen, die von einer Sache mehr als genug haben: Freizeit. Im Schlepptau haben sie Studenten, die Semesterferien haben, Eltern, die sich frei nehmen, um die Kinder betreuen zu können, Menschen aller Altersklassen, die von paradiesischen Stränden und Cocktails mit Schirmchen oder schweißtreibenden Wanderstrecken träumen. Jedem, das seine. Übermütig will jeder seinen ihm zugestanden Urlaub auf einmal verprassen, die Faulheit ruft, die Erholung klopft an und die große Unbekannte Zeit verspricht viel.

Mein Urlaub dieses Jahr fällt eher bescheiden aus. Zwar fahre ich mit Mann und Kindern zwei Wochen weg, aber zur Sommerakademie der Studienstiftung des deutschen Volkes. Für mich heißt das zwar auch Erleben und Erfahren, aber vor allem auch, täglich Seminar, ein Referat, das vorbereitet sein will und jede Menge Sekundärliteratur. Nicht wirklich das, was ich mir unter Urlaub vorstelle, wenn ich an Ausschlafen, schnödes Nichtstun und Spontanität denke. Noch dazu nehme ich mir Arbeit von zu Hause mit, wie das oft so ist. Und danach geht es gleich wieder an die Arbeit, denn immerhin werde ich ab Ende Oktober im Mutterschutz noch mehr als genug Zeit haben, mich zu langweilen.

Über kurz oder lang: freie Zeit heißt oft keinen Rhythmus (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Über kurz oder lang: freie Zeit heißt oft keinen Rhythmus (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Denn alles eines haben alle Urlaube und Ferien gemeinsam: Sind sie nicht so kurz, dass sie nicht zur Erholung gereichen können, werden sie schnell zu lang. Nach sechs Wochen Sommerferien waren wir jedes Jahr wieder froh, als die Schule wieder Rhythmus in unser Leben gebracht hat. Drei Monate Semesterferien fallen da nicht weniger ins Gewicht. Was sollen wir nur tun, wenn der ersten süßen Müßigkeit die schwere der Faulheit folgt? Die alten Unterlagen sind sortiert, der Bücherstapel verkleinert, die Verwandten besucht, die Freunde getroffen. Und schnell schlafft der Erfahrungsdrang ab. Das Schlafzimmer könnte gestrichen werden – könnte. Und das Auto verdient es mal wieder geputzt zu werden – eigentlich. Das neue Spiel / Puzzel oder der hochinteressante Film macht doch nur zusammen Spaß, und der andere, so viel ist sicher, hat immer gerade zu tun oder eben keine Zeit, zumindest nicht dafür.

Kein Wunder, wo Schüler und Studenten, sofern sie keine Ferienpraktika nutzen, um fleißig zu erscheinen, an der Freizeit schnell versagen, sind einem brav arbeitenden Bürger die Freizeitmöglichkeiten schon begrenzter. Da müssen die Urlaubstage mit denen der Kollegen in Einklang gebracht werden, die vielleicht triftige Gründe haben, ausgerechnet dann frei zu nehmen, wenn ich frei haben will. Urlaub muss geplant werden, das super Angebot ist natürlich gerade ausgebucht, im letzten Moment kündigt sich dann noch eine Erkältung an, ein Umzug oder sonst eine Haken an der Sache. Der sogenannte Urlaubsstress beginnt lange vor dem Urlaub, und er potenziert sich auch bei den fleißigen Bienen in der Lethargie der Urlaubstage.

Tick Tack: Die Zeit wird lang, selbst wenn die kurz ist (© Wolfgang Dircherl / pixelio.de)

Tick Tack: Die Zeit wird lang, selbst wenn die kurz ist (© Wolfgang Dircherl / pixelio.de)

Selbst, wer nur eine Woche oder zwei Urlaub hat, findet ein oder zwei Tage, an denen er sich in Faulheilt suhlen kann, mit Ausreden oder ohne. Der Tagesrhythmus gerät durcheinander, wir stehen Abends auf und feiern in der Nacht bis wir am Morgen ins Bett fallen, oder kommen nur ein paar Stunden aus dem Takt. Plötzlich sind wir Herr unserer Zeit und sind, zugegeben, leicht überfordert mit der Aufgabe. Dafür haben wir ja noch Zeit, denken wir, und dann verstreichen die kostbaren Tage mit diesem oder jenem, nur was wir eigentlich geplant hatten, das entwischt uns. Am Ende des Urlaubs müssen wir jedes Jahr wieder zugeben: Wir hatten Zeit. Nur genutzt haben wir sie nicht, jedenfalls nicht so, wie geplant.

Und ja, ich weiß um die Ausnahmen. Die ihre Ferien akribisch planen, die ihren Urlaub mit der Stoppuhr begleiten, um ihren Zeitplan durch zu bringen. All jene, die Häkchen setzen für Erlebtes und der Faulheit Einhalt gebieten wollen. Und ich glaube fest, dass auch diesen Menschen etwas durchrutscht, dass sie am Ende Lücken in ihrer Liste finden müssen. Selbst, wenn nicht, fehlt ihnen eines zumindest, was alle anderen vorweißen können. Das Gefühl der zufriedenen Faulheit, die Urlaubstage hat verstreichen lassen, ohne, dass wir es merkten. Sie hat unser Leben durcheinander geschmissen, hat uns durchgeschüttelt, entspannt, aufgeregt und den ersten Arbeitstag als nicht ganz so schlimmes Übel erscheinen lassen, wie wir anfangs des Urlaubs noch gedacht hatten. Es ist die Erinnerung an Ferientage, die nicht enden wollen und Semesterferien, die unsere Tage in Nächte verwandelt haben. Lang kann sie uns werden, die freie Zeit. Zum Glück.

Vorschau: Nächste Woche ärgert sich Sascha über die Telekom und den IP-Zwang in der Telefonie-Welt.

Weltschmerz

KOMMENTAR: Mitten im deutschen Sommer, wenn Maut, Ferienstaus und Bahnunfälle die größten Ärgernisse der Gesellschaft sind, wütet andernorts Krieg, Verwüstung und Tod. Die Krisenherde umfassen beinahe den ganzen Globus – und kein Konflikt macht aktuell den Anschein, auf ein friedliches Ende hinzustreben.

Mit dem Scheitern des Assoziierungsabkommens begann bereits im November 2013 der Konflikt in der Ukraine, der mittlerweile zu einem Krieg um Land, Bodenschätze und Identität angeschwollen ist. Scheinbar als ein Stellvertreterkrieg zwischen USA und Russland geführt, verhärten sich die Fronten zusehends: Als die Boeing 777 der Malaysia-Airlines-Flug 17 – kurz MH017 – am Donnerstag, den 17. Juli mit 283 Passagieren und 15 Crew-Mitgliedern auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur über der Ostukraine abstürzt, spitzt sich die Lage erneut zu. Seitens der USA und Europa wurden nun in der zweiten Runde Sanktionen gegen den vermeintlichen Rebellenunterstützer im Kreml verabschiedet: Diesmal sollen der Finanz- und Wirtschaftssektor des Landes entschieden getroffen werden. In der Ukraine wird derweil eine Kriegsabgabe von anderthalb Prozent auf alle steuerpflichtigen Privateinkommen im Land erhoben, die bis zum 1. Januar 2015 gelten soll – das beschloss das Parlament in Kiew mit großer Mehrheit. Auch lehnte das Parlament am Donnerstag das Rücktrittsgesuch von Regierungschef Arseni Jazenjuk ab und sprach ihm das Vertrauen aus. Somit muss Jazenjuk jetzt doch im Amt bleiben.

Derweilen rafft auch der seit Anfang 2011 entbrannte Bürgerkrieg in Syrien mehr als 170.000 Menschen hin; Millionen Menschen sind noch immer auf der Flucht, wie der Spiegel berichtet. Allerdings hat sich der anfänglich auf eine Demokratisierung ausgerichtete Konflikt zu einem entropischen Endzeitszenario entwickelt: Ausländische Interessengruppen gewinnen mehr und mehr Einfluss. Auch hier ließe sich von einer Neuauflage des Kalten Kriegs sprechen. Der Spiegel berichtet von einem neuen Bündnis, bei dem in jüngsten Gefechten offenbar IS-Extremisten, die einen Gottesstaat anstreben, an der Seite anderer islamistischer Brigaden kämpfen. Die Gruppen galten bislang als verfeindet. Die Regierungstruppen wurden dagegen von Mitgliedern der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah unterstützt. Auch Iran unterstützt das Assad-Regime: immer mehr Milizen drängen von außerhalb in die Kampfgebiete, die gleichzeitig immer weiter anwachsen.

Auch Epidemien verselbstständigen sich rund um den Erdball: Der afrikanische Kontinent, insbesondere Westafrika, wird seit Mai diesen Jahres von einer – mittlerweile – außer Kontrolle geratenen Ebola-Epidemie heimgesucht. Das Ebolafieber, das sich mutmaßlich von Primaten oder Flughunden auf den Menschen überträgt, hat am Mittwoch, den 2. Juli 2014, bereits 759 Menschen in Guinea, Liberia und Sierra Leone infiziert, von denen 467 verstarben. Das bedeutet eine Sterberate von 61 Prozent; in Guinea sollen sogar 75 Prozent der Infizierten verstorben sein. Mittlerweile fürchten die USA – und mit ihr die ganze Welt – ein Übergreifen der Krankheit auf andere Kontinente. Die WHO versucht schon seit Monaten, den Virus zurückzudrängen – allerdings mit wenig Erfolg. Die Eingeborenen sind kaum über die Krankheit informiert und besonders bei Beisetzungen ist die Infektionsgefahr hoch, da auch Leichen weiterhin als Wirte fungieren. 100 Millionen Dollar sind nochmals für den Einsatz der WHO in den verseuchten Ländern vorgesehen.

Im Südsudan, der vor nunmehr drei Jahren als jüngster Staat der Welt gefeiert wurde, verbreitet die Cholera Angst und Schrecken. Der Staat ist gebeutelt von Bürgerkriegen, die sich auf einen Machtkampf zwischen den hiesigen Volksgruppen, Nuer und Dinka, zurückführen lassen.

Gleichzeitig kursiert im südasiatischen Raum die Malaria, die möglicherweise aufgrund der kurzen Behandlungszeit von drei Tagen, eine Resistenz gegenüber den bisher wirksamen Arzneimitteln ausbildet. Die Grenzregionen im Norden und Westen von Kambodscha, im Osten von Myanmar, in Thailand und Vietnam sind besonders betroffen. Die mit dem Stich weiblicher Stechmücken der Gattung Anopheles übertragenen Erreger sind bisher kaum aufzuhalten. Die humanitäre Lage ist allerorts katastrophal, ebenso wie im umkämpften Gaza:

Der fünfte Kriegsausbruch in fünfeinhalb Jahren zwischen Israel und der islamistischen Hamas, bei der massenweise Zivilisten umkamen, dauert nun bereits mehrere Wochen an: am Donnerstag, den 17. Juli begann Israel die Bodenoffensive. Als Auslöser wird die Verschleppung und Tötung minderjähriger Religionsschüler angeführt. Jedweder Versuch einer Feuerpause wird – unter gegenseitiger Schuldzuweisung – innerhalb weniger Stunden gebrochen. Erklärtes Ziel Israels, die ihre Hauptstadt unter dem „Iron Dome“ – einem Raketenabwehrsystem, das, vom US-Kongress mit 225 Millionen Dollar bezuschusst werden soll, vor Angriffen aus dem Nachbarland schützt, sei es, die Tunnelsysteme der Hamas sowie ihre Waffenlager zu zerstören. Dagegen verschanzen sich die Hamas – und das wird in der Kriegsberichterstattung besonders hervorgehoben – in bewohnten Häusern oder in Krankenstationen; verkleiden sich als Helfer und verwenden demnach die Ortsansässigen als menschliche Schutzschilde.

Alle Jahre wieder

Es ist wieder die Zeit des Jahres, in der wir früher zu Schulzeiten grundsätzlich immer irgendwo unterwegs waren. Bei uns ging es meist nach Kroatien und nicht immer auch ans Meer. Wenn es aber so war, habe ich es immer ganz besonders genossen. Wobei das uns Kindern eigentlich egal war. Hauptsache weg. Heute nehmen die meisten Menschen in dieser Zeit ihren Sommerurlaub, liegen vorwiegend an den Stränden dieser Erde und lassen sich Kokosnuss schlürfend die Sonne auf den Bauch scheinen, um knackig braun gebrannt wieder nach Hause zurückzukehren.

Ein Traum: An solch einem Strand würde ich gerne Kokosnuss schlürfend die nächsten Tage verbringen (Foto: Lukenda)

„Nächste Woche geht es endlich in den Urlaub, zwei Wochen Griechenland. Sommer, Sonne, Strand, Wärme und gutes Essen. Und, wo geht´s bei dir hin?“ „Oh, also ich habe noch keinen Urlaub geplant… Vielleicht spontan… habe noch keine Ahnung wann oder wohin.“ „Oh, achso… Also wir gehen in dieses ganz tolle Hotel, der Strand liegt direkt vor unserer Nase. Ich freue mich schon so, endlich raus aus der Kälte hier!“ Genau das, was ich gerade nicht hören will. Und nein, es ist nicht so, dass ich mich nicht für andere freuen könnte. Das Gegenteil ist der Fall. Ich hätte nur auch so wahnsinnig gerne JETZT in diesem Moment Urlaub. Oder in ein, zwei, drei Wochen. Wäre gerne am Strand, egal ob in Kroatien oder an der toskanischen Küste. Einfach nur frei haben, weg sein und sich die Meeresbrise um die Ohren pfeifen lassen. Das wäre es.

Stattdessen weiß ich nicht, ob ich diesen „Sommer“ überhaupt an irgendeinem Strand liegen werde. Ein furchtbarer Gedanke. Wobei der Gedanke, mitten im August an egal welchem, überfüllten Strand zu liegen nun auch wieder nicht allzu prickelnd ist. Alles ist voll, überteuert, überall sind massenhaft Touristen unterwegs und kaum Einheimische. Okay, ich nehme alles zurück, so neidisch bin ich doch wieder nicht. Aber spätestens Mitte oder Ende September wäre ich gerne irgendwo herumgelegen, wo es schön warm ist. Mal sehen, ob das was wird.

Es ist nicht so, dass ich keinen Urlaub haben werde. Dieser wird eben nur Ende Oktober sein und ich werde mit Sicherheit nicht tagelang mit Buch in der Hand am Strand liegen. Ein Erholungsurlaub wird es auch nicht werden. Stattdessen werden mein Freund und ich uns mit elf anderen ein riesengroßes Appartement mit hoffentlich ebenso riesengroßer Terrasse mitten in der Metropole Barcelona teilen. Wie gesagt, keine Chance auf großartige Erholung und entspanntes Kokosnuss-Geschlürfe am Strand.

Sehnsucht: Dann denke ich eben an den letzten Urlaub im Süden (Foto: Lukenda)

Dafür Leben, Action, Spaß und eine wahnsinnig geniale Stadt! Ein bisschen Unsicherheit, wie das alles so wird, schwebt bei mir auch noch mit. Aber noch sind wir mitten im August, der hier nun endlich auch ein wenig sommerlicher daherkommt und noch werde ich jede Woche mit „Ach, endlich Urlaub!“ genervt und dem Gedanken, dass ich verflixt nochmal eben das jetzt nicht auch sagen kann.

ABER, ich werde es dafür sehr genießen und auskosten, wenn es endlich Mitte Oktober ist und ich sagen kann: „Nächste Woche geht es endlich in den Urlaub, zehn Tage Barcelona! Zehn Tage der Kälte und dem miesen Wetter entfliehen, zehn Tage lang werde ich Palmen sehen, den Strand und den südlichen Lebensstil genießen. Und das, während ihr alle arbeiten werdet, juhu!“

Vorschau: Nächste Woche wird Eva euch an dieser Stelle etwas über den Modellbau erzählen, das Hobby ist nicht nur bei Kindern sehr beliebt.

Urlaub um die Ecke

Urlaub findet auch um die Ecke statt - wir müssen ihn nur finden. (Foto: Obermann)

Strengt mal eure Phantasie an: große Palmen an einem weißen Strand, der ein paar wunderschöne Muscheln präsentiert – abgerundet von der Brandung natürlich, damit wir uns nicht schneiden. Ein einfaches Handtuch, auf dem ihr euch sonnt, die Füße mit dem feinen Sand spielen lassen könnt. Oder lieber eine Hängematte mit Beistelltisch für den Cocktail? Oder gar eine feine Liege mit eigenem Sonnensegel? Ausgeträumt, schon wird’s kompliziert.

 Das kann ich so gar nicht leiden am Urlaub. Da will ich eigentlich nur faul alle Viere von mir strecken und muss noch so unnötige Entscheidungen treffen. Pool im Hotel, das zehn Minuten vom Meer weg ist? Oder lieber ein Ferienhaus um den Touris aus dem Weg zu gehen? Kulturprogramm? Basar? Mannoman.

Und dann der unsagbare Stress: Fremde Sprache, fremde Sitten, fremdes Essen, fremde Ansichten. Und das schlimmste: der Spürsinn der Deutschen. Denn wenn ich mir den Stress gebe und mich in eine fremde Kultur werfe, will ich nicht an der nächsten Ecke mit den folgenden Worten von einem Deutschen aufgelesen werden „Gell, sie sinn Deitscher. Des hab I glei gsehn.“

 Unterm Strich ist es schwer zu sagen, ob die Erholung den zusätzlichen Stress überwiegt. Wie viele kommen nach abgelaufener Zeit heim und sind einfach nur froh, wieder in den eigenen vier Wänden zu sein? Aber kaum einer gibt so etwas zu. Ein richtiger Konkurrenzkampf, wer den tollsten Urlaub hatte, entsteht. Größer, weiter, schöner. Wer hatte den aufregendsten Trip, ist auf die exotischsten Kulturen gestoßen, hat die beeindruckendsten Souvenirs mitgebracht? Und mittlerweile geht es auch darum, wer alles mit den geringsten Kosten bekommen hat. Da mach ich echt nicht mit.

Entspannung pur? Urlaub ist nicht immer Urlaub. (Foto: Beutler)

 Was hab ich von meinem Urlaub, wenn am Ende nichts herausspringt. Tatsächlich sind Auslandsaufenthalte dann am schönsten, wenn jeder dort ist, wo er sich auskennt. Also jedes Jahr zum selben Ort fährt, oder mehrere Monate dort bleibt. Dann kennt er die versteckten Schmuckstücke, das beste Restaurant, die lauschigsten Plätzchen. Allerdings: vielleicht fehlt dann auch schon wieder das Außergewöhnliche. Gar nicht so leicht, oder?

 Da bleib ich wirklich lieber zu Hause. Auch eine Kleinstadt kann ziemlich exotisch wirken. Wenn die meisten Leute sich bereits über ihre Hotels aufregen, die nie so aussehen, wie in der Beschreibung, probiere ich ein neues Restaurant bei mir um die Ecke aus. Zoo, Baggersee, Museum, Stadtpark – irgendwie wirkt alles anders, wenn es nicht so ist, wie die Gewohnheit es sagt. Fremde Menschen, neuer Anstrich. Vielleicht tu ich auch einfach mal so, als wär ich hier Tourist. „Sagen sie mal, wo kann ich hier gutes Eis essen?“ Selbst bei uns kommt da von jedem eine andere Antwort und ich kann mal etwas Neues ausprobieren. Sonst geh ich nur zu „meiner“ Eisdiele. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier und das eigentlich Besondere am Urlaub ist doch, mit dieser Gewohnheit zu brechen. Doch wer sagt, dass ich dazu auch verreisen muss?

 Wo macht ihr Urlaub? In fernen Ländern oder wie ich um die Ecke?

Vorschau: Lea will nächste Woche über Toleranz und Integration schreiben.